L
Dienstag, 24. AugustlM
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheften)
ltr.196 Zweites Blatt
ßem Fleiß und eiserner Energie arbeitete ich einige, vor viele fort waren drehte der Wind und trug ^abre lang um dann als Sängerin zum Theater Wolken von grauer Asch über die Stadt Sie setzte ?uruckzukehren Meine erste Verpflichtung war an sich auf Pflanzen und Baume, bog die Zweige un- das Staatstheater in Kassel, von da ging ich ter ihrem Gewicht zur Erde bis sie brachen Sie nack F ran ff urt a M Jetzt hoffe ich, hier in erfüllte die Luft und drang in die Hauser Die Men- Gießen nlll meiner Stimme vielen Menschen Freude scheu atmeten sie eim Sie setzte sich in ifjre Augen ex™- /nrnfnAhmp- ysrrhin des Stadt- und Obren und machte sie blind und taub, so daß
vyiencii hui mmn-i v*ui>n>v -------- — , : ' ,
bereiten zu können. — (Aufnahme: Archiv des Stadt
theaters.)
OaS »neue Pompeji" in der Südsee.
Die Gaufilmstelle Hessen-Nassau der NSDAP, mit ihren Kreisfilmstellen hatte es sich vor nahezu vier Jahren zur großen Aufgabe gemacht, auch die Landbevölkerung Anteil nehmen zu lassen an den Schöpfungen der deutschen Filmkunst. Diese Arbeit wurde tatkräftig in Angriff genommen und in den vergangenen vier Jahren soweit gefördert, daß heute in vielen Ortschaften des Gaues bzw. des Kreises regelmäßig Filmvorführungen veranstaltet werden können.
Die Kreisfilmstelle Wetterau, Pg. Weber, gab nun der Presse Gelegenheit, sich von den bisherigen Erfolgen dieser Arbeit zu überzeugen. Dies konnte am eindrucksvollsten durch den Besuch einer Filmveranstaltung geschehen, die am Sonntagabend im Saal der Gaststätte „Zum Reb- tock" in Großen-Linden stattfand und von über 700 Personen besucht war. Bürgermeister Pg. Michel, Großen-Linden, der im Jahre 1933 die Kreisfilmstelle betreute und damit im Dienste der ersten Aufbauarbeit stand, sprach einleitend zu diesem Filmabend über das Grundsätzliche der Arbeit der Gaufilmstelle. Er betonte, der Film habe im nationalsozialistischen Deutschland drei große Aufgaben: er solle in erster Linie der Ausspannung und der Erholung dienen, der die Landbevölkerung ebensosehr bedürfe, wie die Bevölkerung der Stadt; er habe ferner eine hohe erzieherische Bedeutung, denn er sei häufig sinnfälliger Ausdruck der Erscheinungen unseres Lebens, dem er aufbauend zu dienen habe; schließlich habe er noch große propagandistische Wirkungen zu erfüllen und möglichst allen Volksgenossen die großen Ereignisse nahezubringen, die in der Wirklichkeit nur von einem Bruchteil der deutschen Volksgenossen erlebt werden könnten. Vielen sei es z. B. nur durch den Film möglich, den Führer einmal zu,sehen. Die Veranstaltung von Filmabenden auf dem Lande sei um so nötiger deshalb, weil es der Landbevölkerung kaum jemals möglich sei, allein um eines Filmes willen die hohen Kosten auf sich zu nehmen, die eine Fahrt in die Stadt
mit der NSG. „Kraft durch Freude" waren bisher 1400 Volksgenossen aus unserem Kreis auf der Düsseldorfer Ausstellung, und alle kamen begeistert von dem Erlebnis und mit vielseitigen neuen Eindrücken zurück. „Kraft durch Freude" veranstaltet nun noch eine letzte Wochenendfahrt mit Omnibussen am 4. und 5. September, so daß noch eine letzte Möglichkeit besteht, zu billigem Preis die Ausstellung „Schaffendes Volk" zu besuchen.
Hauptfeier der Fünfziger 1887/1937.
Am Samstagabend und am Sonntagnachmittag vereinigten sich die Angehörigen der Alterskameradschaft 1887/1937 zu ihrer Hauptfeier des 50. Geburtstagsjahres.
Der Samstagabend war einem kameradschaftlichen Beisammensein bei Alterskamerad Gissel (Gasthaus „Zur Stadt Lich") gewidmet. Hier verlebten die Kameraden bei einem gemeinsamen schlichten Abendessen und bei frohgestimmter Unterhaltung wiederum, wie auch bei den bisherigen Kameradschaftsabenden, einige schöne Stunden. Kameradschaftsführer Willy Hahn sprach anläßlich der Hauptfeier kurz über den Sinn und den Zweck der kameradschaftlichen Vereinigungen, bei denen es keinerlei Unterschiede des Standes und des Berufes, des Vermögens oder des Besitzes gibt, sondern in denen sich die gleichaltrigen Männer im Geiste der Kameradschaft vereinigen und dabei durch die Erlebnisse und Erfahrungen in den mancherlei Stürmen des Lebens während fünf Jahrzehnten miteinander verbunden sind. Alterskamerad Kurt Richter erfreute seine aufmerksam zuhörenden Kameraden wiederholt mit seinen schönen Liedgesängen, die durch die prächtigen Stimmittel des Sängers starken Eindruck machten und daher auch mit starkem Beifall belohnt wurden. Gemeinsamer Gesang von Liedern, humorvolle Vorträge usw.
und Ohren und machte sie blind und taub, so daß sie die Kette der furchtbaren Ausbrüche nur wie ein gleichförmiges Donnern hörten und kaum noch die
Eine neue Kraft unserer Oper.
Margarete Merian, die neue jugendliche dramatische und lyrische Sängerin, schreibt über ihren Werdegang: In einen kleinen Städtchen im Süden Deutschlands bin ich geboren und verlebte meine Kindheit glücklich in der Ungebundenheit eines ländlichen Lebens. Ich kann nicht sagen, daß ich schon
^hnster^ Sstmmbildn-r Gustav Müller.
Die vertauschten Hüte.
In den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts war der Bildhauer S ch a d o w ein ständiger Besucher der Literarischen Mittwochsgesellschaft in Berlin. Zu den Besuchern gehörte auch der damalige Innenminister S ch u ck in a n n. Die beiden verließen gewöhnlich als letzte die Gesellschaft.
Eines Abends bemerkte der Minister beim Nach- hausegehen, daß jemand seinen Hut vertauscht hatte So nahm er den einzigen Hut, der noch am Nagel hing und fuhr, da es stark regnete, in einer Droschke nach Hause.
Tags darauf erschien der Diener Schadows bet dem Minister, brachte den Hut von Schuckmanns zurück und verlangte dafür den Hut Schadows.
Als die beiden sich wieder trafen, fragte der Minister verwundert: „Sagen Sie mal, lieber Schadow, woher wußten Sie eigentlich, daß ich Ihren Hut mitgenommen hatte?"
Schadow lächelte verschmitzt: „Ja, Herr Minister, die Sache war nämlich so: Ich hatte an jenem Tage gerade meinen neuen Hut mit, funkelnagelneu war er. Und wie es am Abend so regnete, da dachte ich mir: ,Schadow, nimm den Ministerhut und laß deinen hängen. Der Minister fährt doch mit der Droschke, da wird dein schöner Hut nicht naß. Und du gehst zu Fuß, aber dem Ministerhut schadet der Regen nichts, der ist ja doch schon ziemlich alt und aus der Form geraten/ Und so habe ich denn die Hüte miteinander vertauscht..."
füllten die Stunden dieses Kameradschaftsabends in sehr abwechslungsreicher Weise aus.
Am Sonntagnachmittag trafen sich die Alterskameraden in Begleitung ihrer Familienangehörigen auf dem Schiffenberg, wo sich die zahlreiche Feiergemeinschaft zunächst bei Kaffee und Kuchen in gemütlicher Stimmung zusammenfand. Im weiteren Verlaufe des Beisammenseins waren wiederum Frohsinn und abwechslungsreiche Unterhaltungsdabietungen die Kennzeichen der Stunden. Alterskamerad Kurt Richter erfreute Mieder mit feinen feinen Liedvorträgen, die allen Zuhörern besondere Freude waren. Für die Männer, Frauen und Kinder war allerlei an Kurzweil vorgesorgt, so daß trotz des durch anhaltendes Regenwetter erzwungenen ständigen Aufenthalts im Saale niemand über Langeweile zu klagen hatte. So war es denn natürlich, daß sich die im besten Familiengeiste ausgestaltete kameradschaftliche Feier bis in den späten Abend hinein hinzog und allen Teilnehmern zu einem schönen Erlebnis wurde.
Vereinigung für Degräbuishilfe.
Die Vereinigung für Begräbnishilfe hatte ihre Mitglieder für Samstag in den „Burghof" zu einer ordentlichen Mitgliederversammlung eingeladen. Der Vorsitzende Trän kn er leitete die gut besuchte Versammlung. Schriftwart I o e d t verlas den Jahresbericht für 1936. Durch das unverantwortliche Verhalten des damaligen Vorsitzenden wurde der Verein schwer geschädigt, so daß die mühsam erworbenen Rücklagen fast völlig aufgebraucht waren. Die für das Frühjahr 1937 vorgesehene Generalversammlung wurde mit Rücksicht auf die Umstellung und Neugründung des Vereins verschoben und sollte erst dann einberufen werden, wenn die Verhandlungen mit dem Reichsoufsichts- amt zu einem positiven Ergebnis gekommen sind.
über sie hinstreicht, trägt Wolken von gelbem Staub über den Hafen und die Umgebung. Rabaul selbst bot einen trostlosen Anblick. Alle einstmals sauberen Straßen mit ihren herrlichen Baumreihen waren bis zu zehn oder zwölf Zentimeter in dickem grauem Staub begraben. Die Hausdächer waren von diesem klebrigen Staub bedeckt, der fast wie schmutziger Schnee aussah. Abgeschlagene Zweige lagen überall verstreut, und die wenigen Blätter an den Bäumen hingen schwarz und tot. Das Merkwürdige aber ist, daß kein nennenswerter Sachschaden angerichtet worden ist. Ein paar Dächer sind eingedrückt worden, ein paar leichte Hütten am Strand sind eingestürzt,Telephon und elektrische Leitung wurde durch fallende Aeste unterbrochen. Die Schönheit von Stadt und Hafen sind für den Augenblick dahin, aber es ist nichts geschehen, was nicht mit verhältnismäßig geringen Kosten wiederhergestellt werden könnte. C. K.
Vier Jahre Arbeit der Gaufilmstelle
Oer Film auf dem Lande.
Wolken von Staub sehen konnten.
Die meisten Menschen verliehen an diesem Nachmittag Rabaul. Nur wenige blieben zurück, weil sie mußten oder weil sie glaubten, daß die Katastrophe jeden Augenblick zu Ende fein würde. Für sie wie auch für Hunderte von Europäern und Tausende von Chinesen und Eingeborenen, die an die Nordküste geflohen waren, folgte eine Nacht des Schreckens. Das Krachen der zahlreichen Ausbrüche wurde von fast ständigem Donner begleitet, und ein Blitz nach dem andern erhellte die Nacht und zeigte den Vukan in voller Tätigkeit. Ein paar Dampfer, die gerade in der Nähe waren, suchten sich mühsam ihren Weg durch Rauch und stürzende Trümmer zu dem Hafen von Nodup, wo die Flüchtlinge sich zusammendrängten. Kaum hatten die Menschen angefangen, sich auf den Dampfern einzuschiffen, was nur sehr langsam vonstatten gehen konnte, als eine donnernde Explosion und eine dichte Wolke von schwarzem Rauch verkündete, daß der Ma- t u p e, der sogar noch näher bei der Stadt liegt, an dem Hexentanz teilnahm. Ein Dampfer nahm allein über 5000 Flüchtlinge auf und brachte sie nach K o k o p o , einer kleinen Niederlassung von nicht mehr als 50 Häusern. Hier waren fast 1000 Europäer, 4000 Chinesen und 10 000 bis 12 000 Eingeborene zusammengeströmt. Doch trotz aller Schrecken der Natur verhielt sich die Masse von bewunderungswürdiger Disziplin. Es brach keinerlei Panik aus, so daß auch die von allen Seiten herbeigeschafften Lebensrnittel in voller Ordnung zur Verteilung kommen konnten und kein Hunger herrschte. ,,
„Später besuchte ich Rabaul", schreibt ein Augenzeuge in der „Times". „Die Dulkaninsel, die zehn Tage vorher ein Inselchen von drei Meter Hohe und vielleicht 80 Meter lang gewesen war war zu einem 200 Meter hohen Ascheberg angeschwollen. Sie ist jetzt über 1000 Meter lang und hat sich mit der Hauptinsel vereint. Ihren @ipfel bildet ein mächtiger Krater von 500 Meter Durchmesser. Die Farbe ist schmutziggelb, und jeder Windhauch, der
als Kind den Wunsch hatte, zum Theater zu gehen- Das lebendige Leben mit seinen tausendfachen Wirtlichkeiten erfüllte mich ganz Den größten Teil met* ner Schul- und meine Studienzeit verlebte ich leood) in Berlin, und dem Heranwachsenden Menschen schien das Theater das schönste Mittel zur künstlerischen Gestaltung eigenen Fühlens und Denkens. Die Widerstände der Eltern überwand ich, wenn auch nicht leicht, und wurde Schauspielerin. Noch während meines ersten Engagements begann ich m r ____hum fooPrinnton UTlh ve-
Jnzwischen waren Vertreter dieser Behörde m Gie» ßen gewesen und haben nach gründlicher Prüfung festgestellt, daß der Genehmigung der neuen Kasse nun nichts mehr im Wege stehe. Der alte Verein mußte allerdings zuerst aufgelöst werden, was ja praktisch bereits geschehen war. Die Kasse führt in Zukunft nicht mehr den Namen „Verein für Sterbekasse" sondern „Vereinigung für Begräbnishilfe, Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit."
Rechner Becker gab anschließend den Kassenbericht bekannt, der für das Jahr -1936 trotz der eingetretenen Rückschläge einen kleinen Ueberschuß ergab, der sich bis zum 4. August 1937 erfreulicher* weise erheblich vergrößert hat. Auch die Kassen* oerhältnisse waren von Berlin geprüft und für richtig befunden worden.
Der Schriftwart verlas dann die neuen Satzun* gen, die vom Reichsaufsichtsamt nach einigen Abänderungen mit dem Hinweis genehmigt wurden, daß gegen die Zulassung der Kasse keine Bedenken mehr bestünden, wenn der Satzungsentwurf einer ordentlichen Versammlung der Mitglieder des neuen Vereins zur Kenntnis gebracht würde. Nach einer regen Aussprache wurden die neuen Satzungen einstimmig angenommen.
Der Vorstand des neugegründeten Vereins setzt sich wie folgt zusammen: Vorsitzender: Archur Trän kn er; stellv. Vorsitzender: Heinrich Loos; Rechner: Kaspar Becker; Schriftwart: Heinrich Joedt. Der Aufsichtsrat besteht aus den Herren: Konrad Bender, Philipp Eise, Karl Schmidt, Wilhelm Bopf und Heinrich Fersch.
»Brötchenknabbern" wenig volkswirtschaftlich.
ZdR. Man sitzt im Gasthaus und wartet auf den Kellner, der das Essen bringen soll. Inzwischen greift man in den mit Brot und Brötchen gefüllten Korb, der auf dem Tische steht und beginnt zu kauen. Dann wird das Gericht aufgetragen. Das angebrochene Brötchen ist vergessen und bleibt liegen. Nach beendeter Mahlzeit liegt es noch immer auf dem Tisch. Da der Hunger aber gestillt ist, läßt man es unbeachtet oder denkt allenfalls: es ist ja nur ein kleines Stück.
Das aber ist gerade der Haken! Wenn es alle so machen würden, wieviel Brot ginge da täglich der menschlichen Ernährung verloren! Gewiß ist das einzelne Brötchen eine Kleinigkeit. Aber viele Wenig ergeben ein Diel. Mancher Zentner Getreide könnte durch das Unterlassen des „Brötchenknabberns" erspart werden. Deshalb sei man nicht ungehalten, wenn in ruhigen und freundlichen Worten auf diese Unachtsamkeit am „Tatort" selbst aufmerksam gemacht wird, pfleglicher mit dem Brot umzugehen.
Mit diesem Ziel ist kürzlich eine Mahnung der Wirtschaftsgruppe Gaststätten erlassen worden, nach der die Gäste vom Wirt oder von den Kellnern darauf hingewiesen werden sollen, das Brot achtsamer zu behandeln und bei ihrer Wahl überhaupt dem warmen Essen vor dem Brot den Vorzug zu geben. So kann durch diese „Kleinigkeiten" auch der Verbraucher in den städtischen Gasthäusern einen Beitrag dazu liefern, die Brotversorgung unseres Volkes'zu erleichtern.
Gießener DochenmarktpreNe.
* G i e ß e n , 24. Aug. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse C 11Ü, aussortierte 10, Wirsing, % kg 9 > bis 12 Pf., 50 kg 6 Mark, Weißkraut, kg 8 Pf., ; 50 kg 5 Mark, Rotkraut, kg 9 bis 12 Pf„ 50 kg : 8 Mark, gelbe Rüben, % kg 9 Pf., Karotten 8 bis : 12, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20, Römischkohl 8 , bis 12, Bohnen, grün 15 bis 25, gelb 15 bis 25, ; Erbsen 20 bis 35, Tomaten 10 bis 20, Zwiebeln 8 bis 10, Kürbis 5 bis 7, Kartoffeln, neue, kg 5 Pf., 5 kg 45 bis 50 Pf., 50 kg 4 bis 4,50 Mark, Frühäpfel, % kg 15 bis 30 Pf., Falläpfel 5 bis 6, Pfirsiche 25 bis 40, Brombeeren 30 bis 33. Preisei- : beeren 35 bis 38, Dörrobst 18 bis 25, Zwetschen i 12 bis 15, Mirabellen 35 bis 40, Renekloden 25 , bis 30 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mark, Suppenhühner > 80 bis 90 Pf., Blumenkohl, das Stück 10 bis 40, , Salat 8 bis 9, Salatgurken 4 bis 20, Einmachgurken
zum nächsten Kino mit sich bringe. Die Ausführungen von Bürgermeister Michel wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen.
Die Darbietungen des Abends in Großen-Linden waren in der Zusammenstellung der Filmfolae besonders charakteristisch für die zielbewußte Arbeit der Gau- und der Kreisfilmstellen. Man sah zunächst einen fröhlichen Film, der in vielen Bildern das Wirken der NSV. auf dem Gebiete der Kinderlandverschickung zeigte und die Erlebnisse eines Großstadtjungen an der See und in einem Fischerdorf schilderte. Dann wurde man in einem weiteren Film Zeuge großer Kundgebungen aus Anlaß des Geburtstages des Führers, und man erlebte schließlich im Filmbild die Zeppelin-Katastrophe von Lake- hurst. Die Tonwochenschau gab einen Ueberblick über Ereignisse in aller Welt. Mit großer Aufmerksamkeit verfolgten die vielen Zuschauer sodann den Hauptfilm des Abends „Unsterbliche Melodien", eine Erinnerung an, den Walzerkönig Johann Strauß. Dankbar für die Fülle des Gebotenen verließ man das Haus. /
Die Gaufilmstelle der NSDAP, hat für diese Filmabende auf dem Lande alle verfügbaren technischen Hilfsmittel eingesetzt. In einem kleinen roten Wagen, der das Hoheitszeichen der Partei trägt, fahren die Operateure über Land und bauen überall ihr Vorführungsgerät auf, einen mächtigen Koffer, der in großartiger Konzentration alles enthält, was an technischen Einzelheiten für die Bild- und Tonwiedergabe notwendig ist. Es bedarf heute kaum mehr einer besonderen Betonung, daß bei diesen Abenden Bild und Ton gleichermaßen gut wieder- gegeben werden und sich von den Filmaufführungen in einem Kino der Stadt nicht unterscheiden. So ist also der Gaufilmstelle bzw. den Kreisfilmstellen der NSDAP, ein voller und stetiger Erfolg beschieden. Durch diese Arbeit und mit Hilfe des Films wächst auch die Landbevölkerung tiefer in die Lebens-, Kultur- und Kunstgemeinschaft unseres | deutschen Volkes hinein.
Aus der Stadt Gießen.
O»e Muschel.
Ich las sie auf am Strande, zur Ferienzeit — und dachte dabei an die Muschel daheim, längst- verschollene, längstoerschenkte, gottweihwohin verschlagene Muschel aus Kinderzeiten. Sie lag im Elternhaus; auf dem Bücherschrank. Eine Muschel, nicht größer als eine Männerfaust.
Sie umschloß alle Wunder der Welt. Sie war die Muschel der Phantasie. Was will mein Muschelchen, gefunden am wirklichen Meeresstrand gegen die Muschel der Kindertage, die. in einem Zimmer lag, fast tausend Kilometer weit weg von jeglicher See? Ach, diese Muschel der jungen Tage! Sie rauschte. Segel standen am Horizont und ich lag auf den heißen Brettern des Decks. Nein, ich half schrubben, denn heute war großer Putz. Nein, ich stieg schon die Wanten hoch und saß als Auslugmann ganz hoch am Mast und sah ein blaues Eiland und höhlte die Hände und schrie es hinab: „Land!"
Die Muschel rauschte. Die Luft war verdunkelt. Blitze zuckten. Weiß, unheimlich, gewaltig rollte es heran: ein Brecher. Dunkelgrün, ja, mit weißer Krone, hoch wie ein Haus — und ging über die Aufbauten hinweg und riß die Kombüse mit und nahm mir den Atem, aber als das Schiff sich wieder hochbäumte, und alles Wasser quirlenD ablief, stand ich doch wieder fest klatschnaß und trotzig und lachte dem Dunkel und dem hohlen Sturm und der neuen Welle ins Gesicht.
Was war nicht alles im geheimnisreichen Rauschen der Muschel? Sie lag an einem Südseestrand. Der Wind ging sanft durch die Palmen. Eine Kokosnuß fiel herab. Ich nahm einen Stein und klopfte sie auf, wie Crusoe tat. Süß war die Milch, wie Mandelpudding schmeckte das Mark. Wie warm war der Sand! Weit blitzend, unendlich dehnte sich das Meer. Mein Kanu lag am Strand. Heute noch würde ich hinausfahren und Fische fangen. Heute? Ach nein, morgen war auch noch ein Tag.
Die Muschel rauschte. Sie rauschte von Piratenflaggen, Totenkopf, eisenbeschlagenen Kisten, vergraben im heißen Sand, sechs Schritte rechts von der Stelle, auf die um die siebte Stunde die Schattenspitze des Felsens fällt. Sie rauschte von Klaus Störtebeker. Sie rauschte von der Hanse und ihren reichen Häfen. Von engbrüstigen aber wohlhabenden Bürgerhäusern am Meer. Sie rauschte Schiffbruch und Windstille, Verruchtheit und Edelmut, Klabautermann-Geschichten und Elmsfeuer, sie rauschte die Welt der See, den Wellenschlag an der kleinsten, verlassensten Insel im Stillen Ozean, Papageienruf und die komische Gebärde der Affen.
Was will dagegen die Muschel, die der erwachsene Mensch findet? O du ewige Phantasie. r.k.
Dornotizen.
Tageskalender für Dienstag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Der letzte Walzer".
Gastspiel Willy Reichert im Stadttheater.
Der große Erfolg des Willy-Reichert-Abends im vergangenen Jahr veranlaßte die NSG. „Äraft durch Freude", diesen beliebten Humoristen zu einem neuen Gastspiel am 1. September im hiesigen Stadttheater zu verpflichten. Neben Willn Reichert wirken noch folgende Künstler an diesem Abend, der unter dem Leitwort „Triumph des Humors" steht, mit: Staatsopernsänger Rudolf Gerlach, München; Ludwig Bobula, der Jnstrumentalvirtuose, vom letzten Jahr noch in bester Erinnerung; der Komponist Willy Norman; die Tanzparodisten B l a ck e r und der Karikaturist Ernst Reinhardt, Berlin. Das ausgezeichnete, umfangreiche Programm verspricht den Gießenern wieder einen Abend voll Humor und ausgelassener Freude.
1400 mit »Kraft durch Freude" zur Ausstellung »Schaffendes Volk".
Die Reichsausstellung „Schaffendes Volk" in Düsseldorf, die im Mai eröffnet wurde, hat ihre Anziehungskraft noch nicht verloren. Wert über drei Millionen Volksgenossen haben diese einzigartige Leistungsschau besucht. Auch der Kreis Gießen stellte eine stattliche Anzahl von Besuchern. Allem
lieber den schweren Vulkanausbr u ch , der kürzlich die Stadt Rabaul in dem ehemgls deutschen, jetzt australischen Mandatsgebiet gehörigen Teil Neuguineas verheerte, liegen letzt Berichte von Augenzeugen vor. Der Ausbruch begann mit einer langen Reihe kleiner Erdbeben, die die ganze Stadt 24 Stunden in Erschütterung hielten, Bilder von den Wänden warfen, Tassen und Teller m Den Schränken flirren ließen, Tintenfässer und Papier auf den Schreibtischen zum Tanzen brachten. Aber die Bevölkerung, an Erderschütterungen von dieser geringen Stärke gewöhnt, schenkte ihnen keine Beachtung. Das täglich Leben spielte sich »n seinen gewohnten Formen ab. Erst als das Wasser in d Bucht zu quirlen und zu kochen anfing, Felsen, die vorher nicht da waren, plötzlich aus dem Meer austauchten, neu erstandene Krater begannen, Rauchsäulen, Felsstücke und Bimsstem auszuspeien, wurden die Menschen sich der Gefahr bewußt, und die Massenflucht aus der Stadt setzte em.
Das Schauspiel, das Rabaul am ersten Tage bot wird als schrecklich und schön zugleich geschil- hprf Ron der nur sechs Kilometer entfernten Dul- farünkl Deren Krater seit Jahren als erloschen galt, ftica eine riesige, Hunderte von Meter lange Rauch- äu?e empor die weiß in der Nachmittagssonne euchtete sich im Winde bog und kräuselte und sich eine ungeheure Blume entfaltete In längeren oder kürzeren Zwischenräumen erfolgten heftige Ausdrücke und Wolken von schwarzem Rauch schossen hpn weihen große rauchende Felsblocke und Än "on Äein mit sich führend. Der Wind war leicht, und im Anfang belästigten der Rauch unb d° Trümmer der Stadt nicht. Aber der An- blick der Ausbrüche fetzte di- Leute m Schrecken. Die meisten packten eilig die notwendigsten Hab- ib "meines ersten Engagements begann ich ^'Z^^p^war Äp/rrt/und de^einzige Weg zur


