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Der Kongreß für ältliches IoribildungSwesen.

auf den britischen FrachtdampferNoemi I u - l i a" auf der Höhe von Korsika, der Montag nach­mittag wohlbehalten unter dem Schutz eines fran­zösischen U-Bootes im Hafen von PortVendres einlief.

Daily Expreß" berichtet, daß die Kommandan­ten der britischen Mittelmeerflotte beim englischen Handelsministerium gegen den Mißbrauch der britischen Flagge in der Handels­schiffahrt des Mittelmeeres heftig prote­stiert hätten. Es habe sich ergeben, daß über 60 Handelsschiffe, die unter der britischen Flagge das Mittelmeer befuhren, mit Spanien in Handelsbeziehungen ständen. Recht­mäßig seien alle diese Schiffe britische Fahr­zeuge. Ihre Schiffspapiere seien tatsächlich von Engländern in England im Register eingetragen. Die Mannschaften aber und die Ladungen dieser Schiffe seien fast ohne Ausnahme auslän­disch und die Schiffe selbst seien von Auslän­dern geschartert. Oft schon sei es vorgekom­men, daß in Gibraltar britische Handelsschiffe ein­gelaufen seien, auf denen nicht ein einziger Mann der ganzen Besatzung ein Wort englisch gesprochen habe. Unter den Marinebehörden und Schisfahrts- Gesellschaften und selbst unter den Nichteinmischungs­beamten in Gibraltar herrsche große Empörung über diesen Stand der Dinge. Die Schiffahrtsagenten in Gibraltar erklärten, daß durch diesen Mißbrauch der britischen Flagge die ganze britische Han­delsflotte in Mißachtung gebracht wor­den sei. Wohl müßten die britischen Kriegsschiffe den bedrohten britischen Handelsschiffen im Mittel­meer ihren Schutz angedechen lassen; es sei aber völlig unmöglich, daß jedesmal ein Kriegsschiff aus­laufe, wenn irgend eines dieser unter britischer Flagge fahrenden Handelsschiffe einen Hilferuf aus­sende.

Der nationale Vormarsch an Oer Aordsront.

Salamanca, 24. Aug. (DNB. Funkspruch.) Der nationale Heeresbericht besagt, daß an der Santander-Front die Navarra-Brigaden auf ihrem Vormarsch alle militärischen Ziele erreicht haben. Die Höhen von Jbio, Cabanas, Los Llanos und Positionen beim Kilo­meter 480 der Straße Palencia-Santander wurden besetzt. Dadurch sind wieder zwölf Ortschaften in die zweite Linie gerückt. Unsere Linien befinden sich 5V2 Kilometer vor Torrelavega, so daß diese wichtige Stadt bereits unter dem Feuer unse­rer Kanonen liegt. DieSchwarzpfeile" haben die feindliche Front an der östlichen Provinzgrenze durchbrochen und Miono, Santullan und Semano besetzt. Die Vorhuten kamen bis Castro Urinales. Andere Kolonnen haben die Orte Herrera, Ventosa, Otane und Traslavina genommen. Die an der Vizcaya-Front operierenden Kolonnen haben im Südwesten von Dalmacedas Cadagua und an­dere Orte besetzt. An der Asturien-Front griff der Feind in den frühen Morgenstunden die von unseren Truppen eroberten Stellungen an, wurde aber unter großen Verlusten z u r ü ck ge­schlagen. Vor einer einzigen Stellung ließ er 60 Leichen zurück.

Keine Verringerung der britischen Mittelmeerflotte.

London, 23. Aug. (DNB.) Der ursprüngliche Plan, eine in den chinesischen Gewässern stationierte Zerstörerflottille durch eine Zerstörerflottille der Mittelmeerflotte a b l äf e n zu lassen, ist aufgegeben worden. Nach wie vor werden drei Zerstörerflottillen in Malta verbleiben. Vizeadmiral Ford, der Kom­mandierende Admiral von Malta, gab bekannt, daß späterhin möglicherweise eine vierte Zerstörer­flottille in Malta stationiert werden würde.

Erfahrungen amerikanischer Touristen in Sowjetrußland.

N e u y o r k, 23. Aug. (DNB.) Nachdem bereits mehrere Fälle gemeldet worden sind, in denen die Sowjetbehörden Reisenden aus den Ver­einigten Staaten die Landungser­laubnis verweigerten, wurden neue Brüs­kierungen bekannt. Von einer Mittelmeerfahri zurückgekehrte Reisende berichten voller Entrüstung über die rücksichtslosen und als betrügerisch emp­fundenen Sowjetmethoden, daß ihr Schiff am 28. Juli in Palta in der Krim anlegte. Als

Berlin, 23. Aug. (DNB.) Auf dem Inter­nationalen Kongreß für ärztliches Fortbildungs­wesen sprach Professor Sonnenschein vom Tropenärztlichen Institut in Hamburg. Ueber die FortbiDung auf dem Gebiete der Röntgenologie und Strahlenbehandlung berichtete Professor Holt­husen (Hamburg). Der Röntaen-Facharzt solle im wesentlichen mit den klinischen Bildern der Krankheiten vertraut gemacht werden, da diese zu­meist ihm nicht zu Gesicht kommen. Ministerial­direktor Dr. Engel (Berlin) zeigte die Möglich­keiten auf, die der fortgebildete Arzt durch sein Können an Geld und Gesundheit dem Versicherungs­träger und dem Staat ersparen kann. Professor K l a e s i (Berlin) sprach über die ärztliche Fort- biLung in der Psychiatrie, wobei die Vertiefung sozialer und geisteswissenschaftlicher Probleme be­rücksichtigt werden muß.

Der Leiter der medizinischen Abteilung des Rudolf-Heß-Krankenchauses in Dresden, Professor Grote, sprach über Fortbildung in der neuen deutschen Heilkunde. Der Arzt soll die Erfahrungs­tatsachen der Naturheilkunde überprüfen und damit fein Rüstzeug für die Behandlung erweitern. In der modernen Heilkunde ist die Würdigung der Symptome und die Ganzheit des Organismus in den Vordergrund getreten. Damit wird aber das Augenmerk auf die Behandlung gerichtet, die nicht allein vom Wissenschaftler gelöst werden kann. Die Naturheilkunde hat gezeigt, daß auch un­spezifische Heilmittel aum Erfolg geführt haben. Fastenkuren, Wasserbehandlung und ähnliches sind auf dem Wege, sich ein Bürgerrecht in der wissen­schaftlichen Medizin zu erwerben. Am Rudolf-Heß- Krankenhaus hat die Zusammenarbeit von Natur­heilkunde und wissenschaftlicher Medizin Verwirk­lichung erfahren. Diese Arbeit ist in regelmäßigen Kursen dem Arzt mit Erfolg zugänglich gemacht worden. Colonel Troctor, Leiter des Kran­kenhauses für ärztliche Fortbildung in London, be­richtete über die Entstehung der britischen Akademie für ärztliche Fortbildung und ihre Arbeitsweise. Ueber die Schwierigkeit der Fortbildung in der Ge­burtshilfe sprach Professor Wagner (Berlin). Er und der folgende Redner, Professor van R o o y (Amsterdam), zeigten neue Wege für die Fort-

etwa 500 Touristen, die im Reisebüro für Palta- Ausflüge eine Sonderzahlung geleistet hat­ten, landeten; wurden trotzdem 40als uner­wünscht" überhaupt nicht zugelassen. Die anderen wurden mehrstündig vernommen und visitiert und durften dann das Daltaschloß nur unter starker Bewachung (!) besichtigen.

Der deutsche Botschafter in Spanien zurückgetreten.

Berlin, 23. Aug. (DNB.) Der deutsche Bot- schafler bei der spanischen Nationalregierung, Gene- ral Faupel, ist aus Gesundheitsrücksichten zu­rückgetreten.

*

General Faupel kann für sich das Verdienst in An­spruch nehmen, unter besonders schwierigen Um­ständen denkbar beste Beziehungen zwischen dem Reiche und der Regierung des Generals Franco heraestellt zu haben. Als er vor neun Monaten nach Spanien ging, fand er eine Regierung, die in schwerstem Ringen mit den Bolschewisten stand, gleichzeitig aber auch eine Fülle innerpolitischer Probleme zu lösen sich bemühte. Seine Stellung erforderte daher ein starkes Einfühlungsvermögen und hohe Geschicklichkeit. Seine Kenntnisse der spa­nischen Verhältnisse, seine reichen Erfahrungen, die er während eines langen, ereignisreichen Lebens sammeln konnte, und sein diplomatisches Geschick er­leichterten ihm die Erfüllung des erteilten Auf­trages. Aber Faupel war nicht mehr der Jüngste, als er seine Mission antrat. 63 Jahre zählt fein Leben bereits, das er nicht hinter dem Ofen ver­brachte. Er war beim Boxeraufstand in China, er beteiligte sich an der Niederkämpfung des He- reroaufftanöes in Südwestafrika, er arbeitete wäh­rend des Krieges unter Hindenburg im Stabe des I. Armeekorps und erwarb sich den Pour le merite mit Eichenlaub, er riß nach dem Umsturz alle auf-

bilbung des theoretischen und praktischen Wissens des Geburtshelfers.

Professor Sauerbruch wies auf die Bedeu­tung der Chirurgie im Gesamtrahmen der Medizin hin. Der Chirurg ist nur e i n Vertreter der allge­meinen Medizin. Vor aller Einseitigkeit muß des­halb gewarnt werden. Die Frage, ob das Messer oder die konservative Behandlung die beste sei, wird dann leicht zu lösen sein. Der Chirurg muß deshalb in allen anderen Disziplinen bewandert sein. Er unterscheidet sich von den Vertretern der Schwestergebiete dadurch, daß er sich selbst in den Heilplan einschaltet, der gewissermaßen zum Heil­mittel wird. Von seinem Geschick und seiner Hand hängt das Schicksal des Patienten ab. Mut und Entschlossenheit müssen deshalb den Chirurgen charakterisieren. Alle Neuerungen der Wundbehand­lung, Narkose usw. müssen in den Fortbildungs­kursen behandelt werden, der geschulte Lehrer wird aus eigener Erfahrung und Vergleichen auf anderen Fachgebieten Beispiel heranziehen können. Für den praktischen Arzt spielen die kleinen Opera­tionen die größte Rolle, jedoch muß die Be­deutung kleiner Krankheitsprozesse voll und ganz erfaßt werden und die Gefahr der Komplikation bekannt fein, damit durch frühzeitiges Erkennen ein größeres Uebel verhindert wird. Nur durch ge- eianete Zusammenarbeit des Praktikers mit dem Chirurgen können die Erfolge für beide gewähr­leistet werden.

Der operattve Facharzt will bei der Fortbildung im wesentlichen sein technisches Können erweitern. Dieser Wunsch ist nicht leicht zu erfüllen. Professor Sauerbruch schlägt deshalb vor, daß die Spezia­listen für einige Zeit in den Krankenhaus­betrieb eingeschaltet werden. Aber auch der Film und der geeignete Ausbau des Opera­tionssaales können dazu beitragen, daß der nicht an der Operation aktiv Beteiliate alle Phasen des Eingriffes verfolgen kann. Auch der Austausch von Aerzten zwischen den Kliniken einzelner Länder und des Auslandes geben eine Gewähr für die Weiterentwicklung des Chirurgen. Professor Dr. Böhler Wien berichtete über Neuerungen auf dem Gebiete der Unfallchirurgie, die für den Staat und den Versicherungsträger von großem Nutzen sind.

bauwilligen, wehrfähigen Männer zu einer Frei­schar zusammen, mit der er sich in Sachsen und im Ruhrgebiet den Spartakushorden entgegenwarf. Später wirkte er in Argentinien und Peru als mili­tärischer Berater. Immer sah man ihn in rastloser, aufopfernder Tätigkeit. Diese Arbeit ohne Ruhe­pause griff auch seine Gesundheit an, zumal er denkbar schwerste Probleme in Spanien vorfand, aber auch ein Klima, das chn immer wieder in die Hände seiner ärztlichen Betreuer trieb. Wenn er jetzt sein spanisches Tätigkeitsfeld verläßt, dann aus aesundheitlichen Gründen, aber auch in der Gewiß­heit, dem Reich vielfachen Nutzen gebracht und das Verhältnis zu Spanien in der glücklichsten Weise ausgebaut zu haben.

Gin Mgrelord und sein Aachhall

Engländer, Franwsen und Italiener haben um die Palme des Erfolges in einem Flugrennen gerun­gen, das über 6200 Kilometer, also ein reichliches Siebentel des Erdumfanges am Aequator, ging, und das in der Rekordzeit von 171/2 Stunden aus- getragen worden ist. Sieger mit weitem Vor­sprung waren die Jtliener. Das Rennen ging von der südfranzösischen Stadt Jstres aus, führte über eine genau bestimmte Südroute nach Da­maskus, wo gelandet werden mußte. Von dort aus ging es über eine Nordroute nach Paris zurück. Im Rennen waren Militärflugzeuge, doch spielen Militärflugzeuge für die allgemeine Luft­fahrt heute etwa dieselbe Rolle wie die Rennwagen für die Entwicklung des Automobilismus: Sie sind Bahnbrecher und Wegweiser. Was heute an Re­kordflügen geleistet wird, ist gewöhnlich nach weni­gen Jahren schon Allgemeinbesitz auch der zivilen Luftfahrt. Es ist natürlich eine phantastische Ange­legenheit, sozusagen in einem strammen Tages­marsch von Frankreich aus nach der Märchenstadt des nahen Orients, Damaskus, und wieder zurück­zufliegen.

Diese technische und menschliche Leistung interes­

siert uns zuerst und zuhochst. Aber das Flugrennen hat in Frankreich doch auch Anlaß zu bitterster Kritik an der Geschäftsführung des linksradika­len Luftfahrtministers C o t gegeben, der ein wah­rer Freund Moskaus ist und dessen Name während des Spanienkonfliktes durch Waffenschiebungen wie­derholt in aller Leute Mund gekommen ist. Diese Kritik ist verständlich: Erste Sieger Italie­ner; zweite Sieger Italiener; dritte Sieger Italiener; vierte Sieger Engländer. Und bann kommen die Franzosen. Als der italienische Spitzen­flieger bereits aus einer Entfernung von 120 Kilo­meter dem Pariser Flughafen Le Bourget seine be­vorstehende Landung meldete, war der französische Spitzenflieger über Ferrara in Mittelitalien! Die meisten französischen Zeitungen stellen fest, daß der Luftfahrtminister Cot sich um seine eigenen Ange­legenheiten nicht gekümmert und dafür seine Nase in fremde Töpfe gesteckt hat; selbst der Volksfront­presse ist bei dem Vorfall schwül zumute, aber sie beruft sich darauf, daß Italien ursprünglich franzö­sische Lizenzen ausgenutzt habe, was wieder in der Rechtspresse zur verständlichen Anfrage führt, war­um denn nun Frankreich nicht seine eigenen Pa­tente entwickelt habe.

Rumänisch-tschechische Besprechungen.

Bukarest, 23. Aug. (DNB.) Zwischen dem ru­mänischen Ministerpräsidenten Tatarescu und dem tschechoslowakischen Ministerpräsidenten H o d z a hat im Bezirk Marmorosch, im rumänisch-tschechoslowa­kischen Grenzgebiet, eine Zusammenkunft stattgefun­den. Es verlautet, daß Hodza konkrete Vorschläge für eine engere Zusammenarbeit der drei Staaten der Kleinen Entente auf dem Gebiet der Außenpolitik gemacht hat. Vor allem soll die Frage des gemeinsamen Vorgehens der drei Staa­ten im Donaubecken mit besonderer Berücksichtigung der Beziehungen zu den Nachbarstaaten, insbefon« dere Deutschland und Italien, erörtert worden sein. Ferner sei die tschechoslowakisch-rumä­nische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Wirt­schaft und der Kriegsindustrie behandelt worden.

Ibn Saud gegen eine Palästinateilung.

Jerusalem, 23. Aug. (DNB.) Die Frage der Teilung Palästinas, gegen die sich schon zahlreiche Mächte erklärt haben, ist in ein neues Stadium der Entwicklung getreten. König Ibn Saud, der bisher sich stets zurückhielt, wenn britische Inter­essen auf dem Spiele standen, hat seinen Kronrat, der aus den religiösen Landeschefs besteht und den er nur vor dem Hedschaskrieg, dem Nemenkrieg und wenigen anderen Unternehmungen befragte, in die Hauptstadt Riad einberufen. Auch der Vertreter des Königreiches in London, Minister Scheikh Hafez Wachbi, wurde zu der Tagung befohlen. König Ibn Saud sieht die Teilung Palästinas als ein Unrecht an, das man der Araberwelt zufügt, Saudi-Arabien werde keinen Judenstaat am Mittel­meer als nördlichen Nachbarn dulden.

Bestimmungsmensur vorerst untersagt.

Berlin, 23. Aug. (DNB.) Der Reichsstudenten­führer Dr. Scheel hat zur Durchführung von Be- stimmungsmensuren folgenden Erlaß herausge- geben:

Dem deutschen Studententum.ist durch die Ein- führung der Ehrenordnung vom 23. Juni 1937 die unbedingte Genugtuung mit der Waffe gegeben worden. Die Erziehung des jungen deutschen Studenten zu dieser Haltung und die Ausbildung im Säbelfechten wird ein wesentlicher Bestandteil der Kameradschaftser- ziehung sein. Die Aufgaben der studentischen Kame­radschaften find so umfangreich, daß darüber hinaus eine ordnungsgemäße Durchführung von Bestimmungsmensuren im Augen­blick zeitlich nicht möglich ist. Ich behalte mir vor, eine grundsätzliche Entscheidung über das Fechten von Bestimmungsmensuren zu einem Zeit­punkt zu fällen, an dem d i e Voraussetzun­gen besonders von Seiten der Bewe­gung hierfür gegeben sind. Um die von mir an­gestrebte Vereinheitlichung der studentischen Erziehung auch auf diesem Gebiete durchzuiühren, untersage ich bis auf weiteres allen Mitglie­dern der Deutschen Studentenschaft die Durch­führung von Bestimmungsmensuren. Studenten, die sich gegen meinen Befehl an Bestim­mungsmensuren beteiligen, sind durch die Dienst- strafordnung der Deutschen Studentenschaft vom 1. Juli 1937 zu bestrafen."

Verliebtes Kind.

Don Rudolf Schneider-Schelde.

Sie war verliebt, sie wußte es nur nicht. Sie war siebzehn vorbei und hieß Ursel und war rei­zend, solange er nicht in der Nähe war, das wußte sie. Wenn er in der Nähe war, fand sie sich häßlich. Sie wußte auch, daß sie ihm nie genügen konnte.

Er war ihr Vetter, und es war auf dem Land, in einem herrlichen alten Gutshaus, mit einem wun­derbaren Garten und mit tiefen Wäldern und einem See in der Nähe. Er war achtundzwanzig und Arzt, aber er las Bücher über Mathematik. Er hieß Kurt, sie hatte ihren Papa gefragt, der auch Arzt war, warum Kurt solche Bücher lese, und Papa hatte gesagt, Kurt wolle zur Bakteriologie hinüber. Sie konnte sich nicht oorstellen, was Ba­cillen mit Differentialrechnung zu tun hatten, und fragte Kurt darnach, und er lachte und sagte:Eine ganze Menge."

Nun gut, das war das, sonst war Kurt ein famo­ser Kerl, er hatte das Boot frisch geteert und ge­strichen, er hatte ein paar zerbrochene Ziegel auf dem Dach herausgenommen und neue dafür ein­gesetzt, er konnte schwimmen und segeln und laufen und wußte die merkwürdigsten Namen von den merkwürdigsten Insekten. Er war groß und schlank und doch stark, weniger famos war, mit welcher Gier er jeden Morgen nach der Post fragte.

Jeden Morgen, den Gott gab, kam er zum Früh­stückstisch herangehastet und stierte auf seinen Platz, ob nicht ein Brief neben seiner Tasse lag. Zum Glück lag selten genug einer da, aber es waren doch noch zu viele, es waren widerwärtig parfü­mierte und mit widerwärtig steilen Buchstaben be­deckte Briefe, und Ursel wußte, von wem sie kamen. Sie kamen von einer Person namens Jolanthe, ge­nannt Jo.

Jo war geheiligt vor Kurt, sie schien ein sehr mondänes Mädchen zu sein, anscheinend nicht mehr die jüngste. Ursel hatte heimlich ein Bild von ihr gesehen. Sie wollte wetten, daß alles falsch an ihr war von den Wimpern bis Gott weiß wohin. Ursel haßte diese Jo abgründig, sie wünschte ihr nichts Gutes.

Eines Tages kam wieder so ein Brief, und dar­

nach trampelte Kurt aufgeregt im Haus herum und sah in alle Zimmer hinein, und schließlich stellte sich heraus, daß er es auf ein Gastzimmer abgesehen hatte, auf nichts anderes, er beichtete es der Tante. Es gab eine Studienfreundin, die gern auf ein paar Tage hergekommen wäre, beichtete er, und die Tante erzählte es der Köchin, und die Köchin er­zählte es Ursel. Aber es gab kein Zimmer, das Halbwegs für den Zweck geeignet gewesen wäre, es sollte freundlich sein mit Morgensonne und Balkon und einem hübschen Blick ins Weite. Doch vielleicht gab es so ein Zimmer, es war das von Ursel. j

Zuerst brach Ursel fast das Herz, als sie davon hörte, etwas später dachte sie, um so besser, dann bricht das Herz gleich richtig. Sie zog sofort aus, auf Vorrat sozusagen, und zog in ein blaues Bauernzimmer, weil blau die Farbe war, die sie am wenigsten leiden konnte.

Dann kam der Morgen, an dem Jo märchenhaft in einem roten Zweisitzer angebraust kommen wollte, wie sie geschrieben hatte, herbeigefahren von einem freundlichen Bekannten. Leider war der Tag wenig schön. Später fing es sogar zu regnen an. Leider lauerte Kurt vergeblich von aller Frühe an und suchte schließlich sogar Trost bei Ursel, aber lewer war Ursel plötzlich verschwunden.

Ursel hatte eine Landpartie gemacht, da sie sich außerstande fühlte, der Feindin persönlich zu be­gegnen. Sie hatte es vargezogen, durch den Wald zu wandern, in Einsamkeit, Rückkehr unbestimmt, zunächst die Straße entlang. Es war ein wunder­barer Tag für Menschenfeinde, nichts und niemand begegnete ihr, denn es regnete auch hier aber das tat Ursel nichts, weil sie herrliche Stiefel und einen herrlichen Lodenmantel anhatte. Später be­gegnete ihr dann ein Stadtgeschöpf, das recht kläg­lich daherkam in einem vom Regen aufgeweichten und zerrissenen seidenen Mantel und mit eleganten Schlangenschuhen, von denen indessen bloß noch der eine seinen hohen Absatz hatte, so daß das Geschöpf elend hinkte. Als Ursel mit diskreter Neugier vor­über wollte, blieb es stehen und fragte kleinlaut nach dem Ort, woher Ursel kam, es seufzte und schien sehr verlassen und hilfsbedürftig zu fein, und Ur­sel fragte darum:Ist Ihnen etwas zugestoßen?"

Ja, meinte das Geschöpf nach einigem Würgen, man könne es vielleicht so nennen. Und es erzählte zögern von einem Auto und einem Bekannten, der

es zu Freunden hätte bringen sollen, ober plötzlich zudringlich geworden sei, sehr zudringlich, so daß sie habe auseigen müssen, mitten im Fahren gewis­sermaßen, wobei sie dann gefallen sei und

Sind Sie verletzt?" fragte Ursel sachlich.

Ja, das Geschöpf war verletzt, es hob den Rock etwas, und Ursel sah, daß der eine Strumpf des fremden Mädchens voller Blut war, und daß am Knie ein großes Loch und darunter in der Haut ein ebenso großes Loch und eine große, bös aus­sehende Wunde war.

Mitleid glomm in Ursel hoch, die Arzttochter und alle mütterlichen Instinkte erwachten in ihr, aber während sie sich eifrig und geschickt um die Wunde bemühte, schwante ihr auch etwas von möglichen Zusammenhängen, und sie fragte vorsichtig, ob das Auto vielleicht ein roter Zweisitzer gewesen fei.

Ja, es sei ein roter Zweisitzer gewesen.

Ob sie vielleicht zufällig Jolanthe heiße? fragte Ursel dann.

Ja, so heiße sie, aber man nenne sie Jo, sagte das Geschöpf freundlich.

Ursel sagte darauf nichts. In ihr war Sturm. Sie nestelte an dem Taschentuch herum, mit dem sie einen Notoerband machte, und konnte es nicht verhindern, daß ihr eine Träne ins Auge kam, die auf das zerschundene Knie fiel. Dann aber konnte sie auch nicht verhindern, daß sie sich plötzlich tiefer bückte und einen Kuß auf die weiße Haut drückte, dorthin, wo der Verband aufhörte. Es war ein Siegel, er war wohl auch so gemeint, und jedenfalls:

Als eine Stunde später Kurt, der inzwischen alle Stadien vergeblichen Wartens bis zur kalten Rase­rei durchgemacht hatte, hoffnungslos vor dem Haus stand, sah er aus einer Richtung, aus der er es am wenigsten vermutet hatte, ein engumschlungenes Paar aus dem Wald treten, das alle Zeichen tiefer Vertrautheit so deutlich an sich trug, daß ihm der Mund vor Staunen offen blieb. Die eine hatte einen Lodenmantel an und den Arm um den Hals der anderen geschlungen, das war Jolanthe. Die andere hatte einen zerrissenen Seidenfetzen über den Schul­lern hängen und lachte glückselig sowohl, als auch verschmitzt. Das war Ursel. Sie blickte Kurt siegreich entgegen, dann sah sie zu Jo hin mit einem Aus- örucf, der erkennen ließ, daß das verliebte Kind den Gegenstand seiner Neigung jäh gewechselt hatte.

Das Spiel mit den vier Wenzeln.

In Altenburg treffen sich auch in diesem Jahre wieder die Verehrer des S k a t s p i e l s vorn 24. bis 26. September. Der Brauch des Skat­legens wird schon in einem Spielbuch vom Jahre 1791 beschrieben, wo beim Tarockspiel erwähnt wird, daß nach der Blattverteilung an drei Mitspieler der Kartengeber die verbleibenden drei Restblätter vor sich hin,in den Skat" legt. Der Name des Spiels ist also früher vorhanden gewesen als dieses selbst. Der Tarock und das Schafskopfspiel sind ge­wissermaßen die Eltern: ihr wohlgeratenes Kind wurde das vor 125 Jahren geschaffene Skatspiel. Im deutschen Schrifttum taucht es zum ersten Male im Jahre 1818 auf. Der Kreis, der sich um die Entwicklung des Skats aus gebräuchlichen Karten­spielen verdient machte, ist einigermaßen bekannt. Steht für Friedrich Ferdinand Hempel, den Herzoglich sächsisch gotha-altenburgischen Advokaten, denSkatprofessor", nur die außerordentliche Pfleg­schaft des neuen Spieles fest, fo ist für den Rats- kopisten N e e f e die Urheberschaft desReizens" durch einen Augenzeugen verbürgt. Der Tod Neefes im Jahre 1821 und die erste Beschreibung de Skates durch Friedrich Ferdinand Hempel im Jahre 1818 lassen die Einführung des Reizens, der das Skatfpiel kennzeichnenden Eigenheit, für diese Jahre feftsetzen. Vielfache Ergänzung und Regelung er­fuhr das Spiel dann im Laufe der Jahrzehnte; genaue Richtlinien und Ordnung bestimmen ja die Altenburger und das Skatgericht. Vermag man also vielleicht auch nicht einen bestimmten Mann als Erfinder des Spieles festzulegen, fo ist es doch in einem bestimmten Kreise entstanden, ist durch Hebung im praktischen Gebrauch hervorgewachsen, so daß der Vers seine Berechtigung hat:Ein Altenburger Bäuerlein soll dieses Spiels Erfinder fein. Drum spielt es dort auch jeder Bauer, und nicht gering und mit Ausdauer." Bald wurde das Spiel Allgemeingut. Die Spielfreudigkeit der Alten­burger Bauern untermauerte es, wie in der Deut­schen Skatzeitung ausgeführt wird. Altenburaer Studenten verpflanzten es von der Heimat auf die Hochschulen. Die Wehrpflicht brachte den Skat in die Kasernen, und schließlich fand er den Weg nach Ueberfee und ist heute in der ganzen Welt zuhause. Tausende fleißiger Hände finden Arbeit bei der Herstellung der Skatkarten.