Goll Palästina britisches Dominion werden?
London, 23. Mai. (DNB.) Die königliche Kommission für Palästina hat, wie „Bunday Dispatch" berichtet, ihre Beratungen zu einem gewissen Abschluß gebracht. Sie werde vorschlagen, Das Mandat über Palästina durch Vereinbarung mit dem Völkerbunde aufzuheben und Palästina zu einem britischen Dominium zu machen. Palästina werde eine Zentralregierung erhalten, unter der eine Reihe s e l b - ständiger arabischer und jüdischer Gemeinden stehen würden, und zwar würde man allen Städten mit arabischer Mehrheit arabische Selbstverwaltung und allen Städten mit jüdischer Mehrheit jüdische Selbstverwaltung geben. Das neue Dominium würde Mitglied des Völkerbundes werden. Gleichzeitig würde die Einwanderungsquote neu festgesetzt werden.
Die „Daily Mail" berichtet, die Teilung solle vom Galiläischen Meer aus bis zum Toten Meer gehen. Der rechte Teil des neuen Gebietes solle dann in einen arabischen Staat unter der Souveränität des Emirs Abdullah von Transjordanien umgewdndelt werden, während der jüdische Staat sich auf der anderen Seite bis zur Küste hin erstrecken würde. Haifa solle zu einem internationalen Hafen gemacht und die Städte Jerusalem, Bethlehem und Nazareth England vom Völkerbund als Mandat gegeben werden. England solle auch die Verteidigung und die internationale Vertretung des neuen jüdischen St<r«tes übernehmen.
Streik
in der französischen Handelsschiffahrt.
P a r i s , 25. Mai. (DNB. Funkspruch.) Auf Weisung der marxistischen Gewerkschaft, die in einem großen Teil der französischen Handelsschiff- fahrt einen Streik heraufbeschworen hat, hat auch die Besatzung des großen französischen Uebersee- dampfers ,Normandie" lediglich noch die notwendigen Arbeiten zur Ausbootung der Passagiere, unter denen sich bereits viele Amerikaner zum Besuch der Pariser Weltausstellung befinden, verrichtet. „Echo.de Paris" schreibt u. a., in einem Augenblick, wo zahlreiche Ausländer sich anschicken, nach Frankreich zu reisen, werde in der französischen Handelsschiffahrt ein Generalstreik cius- gerufen, der alle großen Häfen umfasse. Das Vorurteil gegenüber einem Land, in dem solches Vorkommen kann, werde groß sein. Die Streikhetzer würden fich durch ihr Verhalten nur ins eigene Fleisch schneiden und auf die Dauer gesehen, ihren sicheren Verdienst verlieren.
Kleine politische Nachrichten.
Der Beauftragte des Führers für den Vierjahresplan, Ministerpräsident Generaloberst Göring, wird am Donnerstag, 11 Uhr, als Auftakt zur Tagung des deutschen Handwerks die Einweihung der größten Reichsfachschule des Handwerks in Berlin vornehmen und zu den versammelten Handwerksführern aus dem ganzen Reich sprechen.
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Reichsinnenminister Dr. Frick trat eine zweitägige Besichtigungsreise an, die ihn an die deutsche
Ostgrenze in die zum Gau Kurmark gehörige Provinz Posen-We st preußen führte. Der Besuch galt in der Hauptsache der Feststellung, wie die in den ersten Jahren mit außerordentlichem Erfolg durchgeführten Maßnahmen zur Gesundung des Ostens erweitert oder ergänzt werden können.
Der Reichsführer SS. und Chef der deutschen Polizei im Reichsministerium des Innern ist innerhalb seines Geschäftsbereiches st ä n d i g e r Vertreter des Reichsinnenministers. Dabei besteht kein Unterschied, ob er sich bei seinen Entscheidungen der Behördenbezeichnung des Innenministeriums oder der Bezeichnung seines besonderen Geschäftsbereiches bedient. Seine Entscheidungen sind in jedem Falle ministerielle Entscheidungen.
Montag mittag stürzte ein Flugzeug der Luftwaffe auf einem Uebungsplatz bei Wustrow ab. Die Besatzung, Hauptmann Man- t i u s, Adjutant der Luftwaffe beim Führer und Reichskanzler, und Oberwachtmeister Henning aus der Adjutantur der Wehrmacht beim Führer, starben den Fliegertod.
In der Londoner St-Pauls-Kathedrale fand anläßlich des Empiretages ein großer Bittun d Dankgottesdienst statt, an dem das englische Königspaar mit Mitgliedern der königlichen Familie, Ministerpräsident Baldwin mit seinem Kabinett, die Ministerpräsidenten der Dominien und viele bekannte Persönlichkeiten aus England und Uebersee teilnahmen. Bei seiner Fahrt durch die City wurde das Königspaar, das bei dem herrlichen Wetter in einer offenen Staatskutsche fuhr, von einer vieltausendköpfigen Menschenmenge begrüßt.
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Nachdem an der indischen Nordwest- grenze für einige Tage Ruhe geherrscht hatte, wird jetzt bekannt, daß am Samstag Eingeborene in Stärke von hundert Mann einen britischen Truppenteil aus dem Hinterhalt überfallen haben. Die Engländer verloren vier Tote und sieben Verwundete. Eine britische Maschinengewehrkompanie machte einen Gegenangriff, bei dem der Gegner elf Tote verlor.
Zuchthaus für Sittlichkeitsverbrechen eines katholischen Religionslehrers.
Koblenz, 24. Mai. (DNB.) Vor der Großen Strafkammer in Koblenz stand die Anklage gegen den Kaplan Rudolf Fuhr aus Ahrweiler wegen Vornahme unzüchtiger Handlungen an Schülerinnen unter 14 Jahren zur Verhandlung.
Vom Jahre 1934 an hat er an Schülerinnen im Religionsunterricht unsittliche Handlungen vorgenommen. Die Kinder waren schließlich derart verängstigt, daß sie schon vor ihm wegzurücken versuchten, wenn er in der Schule durch die Bankreihen ging. Sie hatten aber nicht den Mut, den Eltern etwas von dem Treiben des Religionslehrers zu sagen. Auf die eindringlichen Ermahnungen des Vorsitzenden, ob ihm denn nicht das natürliche Sittlichkeitsgefühl das Verwerfliche feines Tuns zum Bewußtsein gebracht habe, gibt der Angeklagte lediglich zu, er habe durch die Voruntersuchung erfahren, daß seine Handlungen im Gegensatz „zu den gesetzlichen Bestimmungen und zu den Ansichten anderer Menschen" stehen. (!) Daß er sich gegen die
Moral vergehe, sei ihm nicht bewußt gewesen. Der angeklagte Geistliche hat den Mut, dies damit erklären zu wollen, daß er bei der Behandlung der betreffenden Gebote der christlichen Morallehre w e - gen Krankheit gefehlt habe. Der Sachver- ständiae erklärt ihn für einen Psychopathen, der aber für feine Taten voll verantwortlich sei. Der Staatsanwalt wies besonders auf die ungeheuerliche Tatsache hin, daß dem Angeklagten, der berufsmäßig als Hüter von Sitte und Moral zu wirken hatte, jedes Gefühl für das Sündhafte feines Verhaltens gefehlt habe. Er habe das Vertrauen, das ihm der Staat und die Eltern entgegenbrachten, auf das Schlimmste mißbraucht^-Das Urteil lautete auf zwei Jahre sechs Monate Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre.
Aus aller Wett.
Philatelistentag in Kassel.
Auf dem 43. P h i l a t e l i st e n t a g in Kassel gab der Leiter der Reichsbundesstelle für wissenschaftliche Philatelie Major Rudolphi einen Rückblick auf das vergangene Bundesjahr. Das Briefmarkensammeln habe einen großen Aufschwung genommen. Zwei Preise für philatelistische Literatur wurden verteilt an Hauptmann a. D. Wilhelm Schulz in Stolz und Kurt Zirkenbach in Halle. Lehrer Kobold (Berlin) hielt einen Vortrag über „Die Philatelie im Dienste der Volkstumsarbeit". lieber Pläne zur Fälschungsbekämpfung berichteten Darlegungen von Dr. Schröder. Dem Kampf gegen Schachergeift und Wucher im Markenhandel galter die Ausführungen von Professor H e i m e ck e (Königsberg).
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Auf dem Reichsbundestag wurde die Einigung zwischen dem Reichsbund der Philatelisten und dem Bund deutscher Philateliftenverbände vollzogen. Die Einheitsorganisation der wissenschaftlich forschenden Briefmarkensammler umfaßt nunmehr neben den Gliederungen der alten Bünde auch den Landesverband Oesterreich und den Pfeiler Uebersee.
Das Frühlingsfest der rheinmainifchen Presse.
Zum Festderrhein-mainischen Presse in Wiesbaden am 29. Mai wird das Wiesbadener Kurhaus im schönsten Frühlingsschmuck präsentieren. Das Wiesbadener Kurhaus ist eine der schönsten Stätten im Rhein-Main-Gebiet für ein großes, repräsentatives Fest. Das Frühlingsfest der Presse soll das aufs neue erweisen. Für die Gäste stehen Omnibusse in Frankfurt zur Verfügung. Der Preis für die Hin- und Rückfahrt beträgt zusammen 1 Mark, jedoch können Karten für diese Omnibusse nur in Verbindung mit einer Karte für das Früh- lingsfeft gelöst werden.
Iahreslagung des Evangelisch-Sozialen Kongresses.
Am 23. und 24. Mai fand in Frankfurt am Main die Tagung des 1890 gegründeten Evangelisch-Sozialen Kongresses statt. Die Tagung wurde mit kirchlichen Feiern eingeleitet. Die Mitgliederversammlung brachte nach einem kurzen Bericht des Vorsitzenden Pfarrer D. Herz (Leipzig) über Lage, Arbeit und Finanzen der evangelisch-sozialen Bestrebungen in bezug auf Forschungsinstitut, Zeitschrift und Tagungen, sowie nach Mitteilung über Ergänzungswahlen und Pläne einen Vortrag von Oberschulrat Schlemmer (Berlin) über das Thema: „Barmherzigkeit oder Gerechtigkeit? — Gerechtigkeit und Barmherzigkeit!" Die erste Haupt
versammlung wurde von Pfarrer D. Herz eingeleitet. Er hob die auch im neuen Deutschland fortbestehende Aufgabe des Kongresses, das soziale Gewissen zu wecken und die soziale Ge- s i n n u n g zu pflegen, hervor, und zeigte den leitenden Gedanken alles evangelisch-sozialen Strebens, der auch di^se Tagung beherrschen solle, den des Dienstes, auf. Dann sprach Frau Oberstudiendirektorin D. Carola Barth (Frankfurt am Main) über die Persönlichkeit des christlichen japanischen Sozialreformers K a g a w a in ihrer ökumenischen Bedeutung. In der zweiten Hauptversammlung hielt Professor D. von Soden (Marburg) einen Vortrag über den Dienst der Kirche und des Staates an der Volksgemeinschaft, an den fich eine rege Aussprache anschloß. Die Tagung schloß mit einer Besichtigung der sozialen Einrichtungen der JG.-Farbenindustrie in Frankfurt a. M.-Höchst.
kommunistischer Hochverräter hingerichlet.
Die Justizpressestelle teilt mit: Der vom Volksgerichtshof am 15. Januar 1937 wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens zum Tode und zu dauerndem Ehrverlust verurteilte 29 Jahre alte Otto Kropp aus Köln ist hin- gerichtet worden.
Der Verurteilte hatte als hoher kommunistischer Funktionär und in ständiger Verbindung mit ausländischen Stellen der Komintern in verschiedenen Städten Westdeutschlands versucht, eine illegale Organisation ins Leben zu rufen. Seine Betätigung erstreckte sich noch bis zum März 1936.
Wetterbericht
des Reichswetterdienskes. Ausgabeort Frankfurt.
Im Bereiche hohen Luftdrucks hat sich das trockene und überwiegend heitere Wetter fortgesetzt und im Flachlande die Tagestemperaturen über 25 Grad, auf unseren Bergen über 20 Grad, im Schatten ansteigen lassen. Der Witterungscharakter bleibt auch weiterhin überwiegend heiter und recht warm, doch muß jetzt tagsüber mit dem Aufkommen starker Quellbewölkung gerechnet werden, die örtlich auch zu gewittrigen Störungen Anlaß gibt.
Aussichten für Mittwoch: Heiter bis wolkig, Auftreten örtlicher Wärmegewitter, veränderliche Winde.
Aussichten für Donnerstag: Vielfach heiter und recht warm, doch gewittrig.
Lufttemperaturen am 24. Mai: mittags 25,8 Grad Celsius, abends 18,8 Grad; am 25. Mai: morgens 15,8 Grad. Maximum 26,5 Grad, Minimum heute nacht 11,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 24. Mai: abends 23,8 Grad; am 25. Mai: morgens 18,2 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 13,6 Stunden.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IV. 37: 9657. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.
Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.
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