Ausgabe 
24.3.1937
 
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die Saat, die wir in die Erde bringen, wird viel­fältige Frucht tragen.

Die Ausführungen des Ministerpräsidenten wur­den mit lautem Beifall ausgenommen. Der Reichs- bauernführer dankte dem Ministerpräsidenten rind erklärte: Wir geben Ihnen das Versprechen ab, mit aller unserer Energie, mit einem nie er» lahmenden und fanatischen Willen, das von Ihnen gesteckte Ziel zu erreichen, an die Arbeit zu gehen. Das verspreche ich Ihnen im Namen des Führer­und Beamtenkorps. Ich weiß, daß wir hiermit an entscheidender Stelle einsetzen im Freiheitskampf unseres Führers.

Die Sicherung der Landbewlrtschaffung.

Berlin, 23. März. (DNB.) Die Verordnung zur Sicherung der Landbewirtschaftung bestimmt, daß in Fällen, in denen die Art und Weise der Be­wirtschaftung eines landwirtschaftlichen Betriebes oder Grundstückes durch den Nutzungsberechtigten anhaltend unv in erheblichem Maße nicht dem zur

Sicherung der Volksernährung an die Bewirtschaf­tung landwirtschaftlicher Betriebe und Grundstücke zu 'stellenden Anforderungen entspricht, die zu­ständige Behörde eingreifen kann. Sie kann den Nutzungsberechtigten zu einer diesen An­forderungen entsprechenden Wirtschaftsführung auf­fordern und ihn verwarnen, sie kann die Wirtschaftsüberwachung durch einen Ver­trauensmann anordnen, die Wirtschaftsführung einem Treuhänder übertragen ober aber den Nutzungsberechtigten verpflichten, den Betrieb oder das Grundstück ganz ober zum Teil pachtweise einer in ber Lanbwirtschast erfahrenen Person zu überlassen.

Damit heimischer Boben, ber sich zu landwirt- schattlicher Nutzung eignet, nicht unbestellt bleibt, wirb bestimmt, daß die zuständige Behörde den Nutzungsberechtigten eines nicht genutzten Grund­stückes, das sich zu landwirtschaftlicher Nutzung eig­net, auffordern kann, ob er das Grundstück nutzen will oder das Grundstück pachtweise einer in der Landwirtschaft erfahrenen Person überlassen will. Die Verordnung ist au-f vier Jahre befristet. Pacht­verträge auf Grund der Bestimmungen dieser Ver­ordnung bleiben auf die Dauer der vertraglichen Regelung rechtswirksam.

Leistungswettbewerb des deutschen Landvolks.

Ein Aufruf des Reichsbauernführerö.

Berlin. 24. März. (DNB.) Der Reichs­bauernführer erläßt folgenden Aufruf:

Deutsches Landvolk!

Seit vier Jahren ringt das deutsche Landvolk um die Sicherung der Ernährung unseres Volkes. Jedes Jahr hat das deutsche Landvolk von neuem den Kampf um die Erzeugungssteigerung ausgenommen. Auf dem 4. Reichsbauerntag in Goslar hat der Beauftragte für den Vierjahresplan Generaloberst Göring von dem deutschen Bauern eine noch fanatischere Fortsetzung der Erzeugungsschlacht gefordert.

Darum rufe ich dich, deutsches Landvolk, heute auf zumLeistungswettbewerb des deutschen Landvolks". Es kommt darauf an, das Vertrauen, das der Führer in uns gesetzt hat, zu rechtfertigen und alles zu tun, um die Er­zeugung der deutschen Landwirtschaft weiter zu st e i g e r n.

Diejenigen Bauern und Landwirte, die in diesem Leistungskampf an der Spitze marschieren, werden

öffentlich ausgezeichnet. Die Sieger sollen dem Führer vorgestellt werden.

Die Voraussetzungen für eine erneute Leistungs­steigerung sind geschaffen. Das Ziel des Kampfes heißt:

Noch mehr lei st en als bisher!

Gez. TL Walther Darr6, Reichsbauernführer und Reichs- und preußischer Minister für Er­nährung und Landwirtschaft.

Deutschlands Lugend Hilst.

Berlin. 23. März. (DNB.) Reichsjugendführer von Schirach hat angeorbnet, daß die ge - [amte deutsche Jugend zur Lösung der dem Reichsbauernführer Reichsminister Darre gestell­ten Aufgabe ber Sicherung ber Ernährung des deutschen Volkes zur Verfügung steht. Das Orga­nisationsamt der Reichsjugendführung ist ange­wiesen, alle Wünsche des Reichsbauern­führers bezüglich des Einsatzes der Hit­ler-Jugeno bei der Feldbestellung durchzu­führen.

Durch sachliches Mffen gesteigerte Leistungen.

Das Fachbuch als Helfer.

NSG. Die Reichswerbung für bas Fach­buch würbe am Dienstag in ben Opelwer - f e n in Rüsselsheim vor der Jungarbeiter­schaft bes Betriebes eröffnet. In Vertretung des Gauleiters war Gaupropaganbaleiter Müller- Schelb erschienen; unter ben Gästen befanb sich weiter (Bauobmann Becker unb Gebietsführer Branbt. Nach Eröffnungsworten des Betriebs­führers Dr. Fleischer trat ber Vizepräsibent ber Reichsschrifttumskammer Dr. Wißmann vor die Werkbank, auf ber Lehrlingsstücke ausgestellt wa­ren, unb sprach über bie Ziele, bie sich bie natio­nalsozialistische Schrifttumspolitik gesetzt hat. Es ist einmal bie Erfassung aller zum Schrifttum Gehö- renben unb gurn'anoeren Male bie Schaffung ber ideellen unb materiellen Voraussetzungen für bie Verbreitung ber geistigen unb seelischen Werte des Schrifttums in allen Kreisen unseres Volkes. Das Fachbuch nimmt ber Nationalsozialismus in seine Pflege. Der marxistischen ParoleWissen ist Macht" setzt ber Nationalsozialismus bas stolze Wort Können ist Pflicht" entgegen. Ihm bleibt es vorbehalten bas Fachschrifttum zu entwickeln, um damit jebem Volksgenossen bas geistige Rüstzeug in bie Hanb zu geben, bessen er bedarf, um inner­

halb der Gemeinschaft für bie Gemeinschaft feine Pflicht zu erfüllen. In Millionen von Exemplaren werben sachverftänbig zusammengestellte F a ch - buch! ist en im Volke verbreitet, bie jebem ein zuverlässiger Ratgeber finb. An Hanb biefer Listen kann jeber ein gutes Fachbuch auswählen unb feine Leistungen steigern, benn bas ist ja bas na­tionalsozialistische Ziel, bas aller Arbeit gesteckt ist: Leistungssteigerung um bes Volkes willen!

Reichspropaganbawalter Geiger sprach dann über das Streben nach Glück, das in allen Völkern eine oerschiebenartige Auffassung gefunben hat, eine ibealistische unb ein materialistische. An die Stelle einerfata morgana" hat ber Führer uns einen festen Glücksbegriff gegeben: unsere Freiheit! In unseren Hänben liegt es, ob wir ben Kampf um die Freiheit bestehen. Die Freiheit des Volkes aber ist auch unser persönliches Glück! An die an= wesenben Jungarbeiter geroenbet, führte er weiter aus, daß aus ihnen bie Arbeit ber Nation unb bamit bie Wirtschaft unseres Volkes wächst. Somit werben biese Jungen die Wirtschaftspoliti­ker ber Zukunft. Erreicht wirb biefes Ziel gurch bie Gesundheit bes Körpers unb burch Erhö­hung ber Geisteskraft. Die Arbeit ist nicht mit dem

Die Brüder.

Erzählung von Zoses Martin Bauer.

Grau unb still saß ber alte Holzschuhschneider vor dem Haus, als ber erste Gewitterwind aufftanb. Ein Gewitter kommt, Marianne, ich werde die Läben anhängen, unb du wirst alle Fenster schlie­ßen." Marianne war eine junge Frau, ihr gehörte das Kind da im Korbwagen, und sie gehörte dem jungen Holzschuhmacher, der auch schon graue Flecken im Haar hatte. Die alten Hänbe prüften die Läben, ob sie fest saßen, bie jungen schwenkten die Fensterflügel leise zu, das Kind im Korb wim­merte ein wenig, dann brach das Gewitter los und schüttete viel Wasser auf das Pflaster.

Von dem Regenwaschen bekam bas Kinb im Kord blanke Augen, unb der alte Mann bas weite Schauen.Nun werbe ich boch balb zum Theobald reifen müssen", meinte er, als ber Regen eine Pause machte. Wenn ein Gewitter ben Himmel auskehrte, baß alles feucht unb kühl wurde, bann kam es manchmal so über ben alten Mann, baß er reifen wollte, seine weite Reise machen, die er dem Bruder vor achtundvierzig Jahren versprochen hatte. Aber Marianne lachte ein wenig bei den Worten, die ganz ernst eine Absicht aussprachen. Ihr Mann kam klatschnaß heim, ber junge Holz- schuhschneiber; er sah den ernsten Vater unb bas Lachen der Frau.Aha, ber Vater reist mleber einmal zum Theobalb, zwanzigmal jedes Jahr. Herrgott, Marianne, wie es heute regnet!" Danach sprachen sie alle drei vom Regen, während Ma­rianne bem Kind zu trinken gab.

Das Gewitter zog weiter, "es wurde hell über der Straße, Kinder patschten durch die Pfützen, und die Fenster wurden wieder aufgemacht, wäh­rend das Gewitter feinen Weg nahm, während anderswo alte Hände bie Läben prüften, während der Regen einen anderen alten Mann überraschte, der von der Arbeit heimging. Theobald hieß ber, unb er hatte bie gleiche Sck)werfälligkeit in ber Be­wegung und im Entschluß wie sein Bruber. ber Holzschuhe schnitt. Es regnete laut unb heftig das Wasser schlug bem Mann ins Gesicht, ber Gehstock blieb manchmal neben dem Weg stecken, unb wäh­rend der Regen auf die Hutkrempe trommelte, über­legte Theobald, daß er nun doch bald seinen Bru­der besuchen müsse.

Das hatte man vor achtundvierzig Jahren aus­gemacht, als man auseinander gegangen war; vor vierzig Jahren hatte ber Holzschuhschneider schon geschrieben, baß er nun halb kommen werde; Theo­bald hatte dem Bruder einige Jahre nachher das­

selbe geschrieben; die Abstände zwischen den un­gelenk hingekratzten Briefen waren länger gewor­den, aber die Absicht war nie erloschen. Nun wollte Theobald seine Absicht wahr machen, recht bald schon. Nach achtundvierzig Jahren konnte es nicht mehr zu früh sein.

Daheim, wo Theobalds alte Frau mit Sorgen dem Wetter zugesehen hatte, erzählte ber Mann seine Absicht. Als die Frau darüber lächelte, wurde Theobalb zornig unb ging vor ber Zeit schlafen. Am anderen Tag bann war das Gewitter verzo­gen, alles Absonderliche war wieder vorbei, der Himmel war blau gespannt, und ber Mann ver­gaß die Absicht wieder. Er sand nicht die Zeit zu so einer großen Sache. Der Bruber weiter oben im Land, ber Holzschuhe schnitt, fand auch nicht die Zeit dazu. Noch konnte man ja warten.

Noch waren sie beide nicht so schrecklich alt, baß sie nicht mehr hätten hoffen dürfen auf ein nächstes Jahr und vielleicht auch auf ein übernächstes. Sie wartete beide wieder und erinnerten sich beibe wie­her manchesmal an die alte Abmachung. Die Hanb bes Holzschuhmachers konnte das Messer nicht mehr so genau führen, wenn es den Fußtritt aus einem Stück Holz ausheben sollte. Das also war das Alter.

Wenn nun die Hände zu gar nichts anberem mehr gut waren als zum Schaukeln bes Weiden- forbes und zum Spiel für bie taftenben Finger bes Kindes, bann war wohl nichts mehr zu ver­säumen im Haus, bann durfte man wohl bie Reife machen.

An einem Morgen geschah das Sonderbare, und Marianne meinte darüber. Nun war der Vater nicht mehr ber Vater, der sie wie eine Tochter ins Haus genommen hatte; nun war wohl alles vor­bei, weil er jetzt nach fünfzig Jahren die Reife ver­suchte. Um zwei Uhr an diesem Morgen stellte die junge Frau ben Kaffee auf den Tisch, der Alte unb lachte und war vergnügt wie ein Kind. Viel­leicht trug Theobalb noch seinen großen Schnurr­bart und bie Haare so lang, baß sie sich über dem Joppenkragen kräuselten? Er lachte und ging.

Unb er ging vier Tage lang auf ber Straße da- bin, gar nie eilig, gar nie eigentlich so richtig mübe, obwohl er doch ein alter Mann war. In kleinen Strecken maß er seinen Weg ab, in ben Tavernen fetzte er sich nieder zu einem Glas Bier, bei guten fieuten am Weg schlief er Er schwatzte mit den Bauern, bie ihrer Arbeit nachgingen; er unterhielt sich lange Zeit mit einer Magb, bie fast das Gesicht feiner Schwiegertochter Marianne hatte. Von dieser Ähnlichkeit erzählte er ihr, bann lachten sie beibe, unb ber Alte durste aus bem enghalsigen Steinkrug ber Magd trinken. Einen Halden Tag lang ging er

DieVerwaltung-erSvangelischen Kirche

Das Provisorium bis zur Bildung einer

Berlin, 23. März. (DNB.) Nachbem ber Füh­rer unb Reichskanzler burch ben Erlaß vom 15. Februar 1937 bie (Einberufung einer oerfaffunggebenben Generalsynobe angeorbnet hat, wirb bis zur Bilbung einer ver­fassungsmäßigen Leitung ber Deutschen Evangeli- schen Kirche auf Grunb bes Gesetzes zur Sicherung ber Deutschen Evangelischen Kirche vom 24. Sep­tember 1935 folgende Regelung getroffen:

§ 1.

(1) Die Bearbeitung ber laufenden Ver- wallungsangelegenhelten ber Deutschen Evangelischen Kirche wirb von bem Leiter ber Deutschen Evangelischen Kirchenkanz- tei übernommen.

(2) Die Verwaltung unb Vertretung ber Deutschen Evangelischen Kirche in allen ver­mögensrechtlichen Angelegenheiten nimmt bie auf Grunb ber Ersten Verorbnung vom 3. Oktober 1935 zur Durchführung bes Gesetzes zur Sicherung ber Deutschen Evangelischen Kirche bei ber Deutschen Evangelischen Kirchenkanzlei gebil- bete Finanzabteilung allein wahr.

(3) Die Zustänbigkeit beskirchlichen Außen­amtes ber Deutschen Evangelischen Kirche bleibt unberührt.

8 2.

(1) Die kirchenregimentlichen Befug­nisse in ben Lanbeskirchen werben durch bie im Amt befinblichen Kirchenregierungen ausgeübt.

(2) Die Ausübung ber kirchenregimentlichen Befugnisse bleibt auf bie Führung ber laufen- ben Geschäfte beschränkt.

(3) Die Befugnisse ber Finanzabteilungen bleiben unberührt. § 1 Absatz 2 findet ent- sprechenbe Anwenbung.

§ 3.

Beränberungen kirchenpolitischer Art in ber Zusammensetzung ber Kirchenbehörben unb ber kirchlichen Körperschaften können nicht rechtswirksam vorgenommen werben.

8 4.

Disziplinär- unb f o n ft i g e Mahnah - men in kirchenpolitischen Angelegenheiten ruhen.

8 5.

Die Verorbnung gilt mit rückwirkenber Kraft ab 15. Februar 1 93 7. Entgegenstehenbe Beflim-

verfassungsmäßigen Leitung.

mungen treten für bie Bauer ber Geltung biefer Verorbnung außer Kraft.

Der Reichsminister für bie kirchlichen Angelegenheiten.

Die Verordnung sichert zunächst der Deutschen Evangelischen Kirche die Leitung. Dos ist not- wendig durch den unlängst erfolgten Rücktritt des Reichskirchenausschufses; die Kirche konnte nicht ohne Leitung bleiben. Sie wird nun bis auf weiteres durch den obersten Beamten der bürokratisch organisierten K i r ch e n k a n z l e i der Deutschen Evangelischen Kirche wahrgenommen. Alle oermögensrechtlichen Angelegenheiten regelt der Leiter der bekannten Finanzabteilung.

Die Rechtmäßigkeit aller Kirchenregierun» gen ist bestritten. Um diesen Streit über die Recht­mäßigkeit bis zur endgültigen Regelung durch die Generalsynode aufzuheben, mußte eine neue Lo­sung gefunden werden: Die Befugnisse sind daher durch die neue Verordnung von der Staatsgewalt auf die tatsächlich diese Befugnis ausübenden und zur Zeit im Amt befindlichen Kirchen­regierungen übergegangen, und diese Kirchen­reglerungen sind oon Staats wegen aner­kannt. Keine andere Stelle kann daher kirchen­rechtliche Befugnisse bis zur endgültigen Regelung durch die kommende Generalsynode ausüben. Aller­dings dürfen diese im Amt befindlichen Kirchen- regterungen keine Neuregelungen mehr vornehmen. Sie find jetzt kraft Gesetzes auf die Abwicklung der laufenden Geschäfte beschränkt. Dor allen Dingen ist es nunmehr u n - möglich gemacht, Umbildungen von Kir- chenbehöroen und Umbesetzungen innerhalb kirchlicher Körperschaften (Gemeindekirchenvertre­tungen u. dgl.) vorzunehmen, wie es vielfach im Hinblick auf die kommende Wahl geschehen ist. Auch Personalmaßnahmen sind durch die Ver­ordnung unterbunden im allgemeinen und insbesondere auch durch die Angehörigen der kirch­lichen Verwaltung und der kirchlichen Organisation, damit von Reichs wegen sowohl die Glaubens- und Gewissensfreiheit wie auch d i e Wahlfreiheit gewahrt bleiben. Die Ver­ordnung mußte rückwirkende Kraft bis zum Tage der Anordnung der Wahl durch den Führer, den 15. Februar, erhalten, um alle Maßnahmen zu er­fassen, die bezüglich der Wahl bereits in die Wege geleitet sind. Alle bisherigen, zu diesem Zweck bereits in die Wege geleiteten Maßnahmen und getroffenen Anordnungen sind durch die neue Verordnung des Reichs- und preußischen Ministers für die kirchlichen Angelegenheiten hinfällig. Von Reichs wegen ist somit der Weg zu einer völlig überkirchenparteilichen Handhabung während der Übergangszeit klar und eindeutig bestimmt.

Feierabend zu Ende. Wenn wir das deutsche Seh­nen nach Glück kennen, kennen wir auch unsere Pflichten.

Obergebietsführer A x m a n n ging auf die drei Stufen unserer Revolution ein, deren letzte Stufe der Bestand der Weltanschauung ist, der durch die Jugend garantiert wird. Näher auf den Reichs­berufswettkampf und die Förderung der Sieger ein­gehend sprach er die Hoffnung aus, daß alle Be­triebsführer die Sieger durch Fachbücher auszeichnen werden, weil das Fachbuch in der Leistungssteigerung für den Vierjahresplan des Führers eine nicht zu unterschätzende Bedeutung einnimmt.

Hauswirtschastliches Lahr für höhere (Schülerinnen.

Berlin, 23. März. (DNB.) Der Reichser­ziehungsminister hat den Unterprimaneri n« n e n an höheren Knabenschulen, die von Ostern 1937 bis Ostern 1938 ordnungsgemäß eine Ober­prima besuchen würden und die durch die Zu­sammenlegung von Unter- und Oberprima bestimmte

mit einem Handwerksgesellen, dem er fein schön­stes Geld, eine volle Mark schenkte, weil er so wunderlich lügen konnte. Und einmal unterhielt er sich auf der Strecke eine lange Weile mit einem alten Mann, der die Straße heraustam. Sie redeten nur vom Wetter, von den Plagen einer weiten Reife und von den paar sonnig scheinenden Din­gen, die dem Alter seinen Glanz geben. Zwei Köpfe nickten einander zu, wohlwollend, bejahend, gütig. Jeder hatte gute Wünsche für den anderen.

Das war der Weg Des Holzschuhmachers, und das waren seine Erlebnisse. Die Hand wurde müde vom krampfhaften Festhalten am Stock, aber manch­mal glaubte der Alte zu spüren, daß das Zittern von früher leichter geworden fei.

Er fragte sich durch bis zu Theobalds Haus. Er sagte einer vertrockneten alten Frau, wer er sei und was er wolle. Den Theobald aufsuchen? (Eine verstaubte Uhr tickte und zwang ihre Gleichmäßig­keit in die Unterhaltung. Der Theobald, der sei vor etlichen Tagen megge'gangen, da hinauf, seinen Bruder zu besuchen, wie er es ihm seit fünfzig Jahren schuldig sei. Der Holzschuher konnte nicht einmal zornig werden darüber, er lachte, er spot­tete über sich selbst. Fünfzig Jahre hatte man war­ten müssen, um dann genau zur gleichen Zeit auf die Reise zu gehen. Er lachte wieder, und die ver­trocknete Frau wurde weich und redselig dabei; sie lachten einander zu, erzählten sich das Leben zweier Brüder, die sich seit der Jugend nicht mehr gesehen hatten. Ja, Theobald sei kahl, der Schnurrbart sei weiß geworden, und krumm gehe er auch, der Theobald, ja ja. Sie tranken eine Flasche Frucht­wein und später noch eine, dann legte der Holz­schuhschneider seinen Arm um die vertrocknete Frau, die mit perlender Stimme reden konnte. Hier wollte er bleiben die vier ober fünf Tage, bis der Bruder wieder heimkam.

Kahl und mit weißem Schnurrbart war Theo­bald zu den Holzschuherleuten gekommen, er hatte ein wenig gemurrt, bann hatte Marianne ihm zu- geredet, er möge doch bleiben, bis der andere zu­rückkäme. Unb nun saß Theobalb an der Weiden» wiege, er schob das Kind hin unb her, während bas anbere draußen im Garten spielte. Er plauderte mit den jungen Leuten, trank Bier bis tief in die Nacht hinein und rühmte den Fruchtwein, den er zu Hause hatte, den nun wohl der Bruder trank, wenn er nicht schon weggegangen war auf die Heimreise.

Eigentlich hatte nun keiner der Brüder mehr etwas Großes zu bestellen im Leben. Die Reife war vorbei, die bisher noch als Aufgabe vor ihnen gestanden war. Sie wollten warten, alle beibe. Sie konnten warten. Theobald freute sich an dem Le°

Lehrstoffe wiederholen müßten, freigestellt, sich von Ostern bis Oktober 1937 beurlauben zu lassen und während dieses halben Jahres eine hauswirtschaftliche Schulung durchzu- machen (hauswirtschaftlicher Lehrgang, Landdienst, Tätigkeit in fremdem kinberreichen Haushalt). Beim Nachweis einer solchen erfolgreich burchgeführten Schulung wirb ben Schülerinnen gestattet, Oktober 1937 in die zusammengelegte Unter- unb Oberprima wiebereinzutreten und sich zu Ostern 1938 ber Reifeprüfung zu unterziehen. Die Ober- fefunbanerinnen, die Ostern 1937 in bie Unterprima eintreten und ben abgerundeten einjäh­rigen Abschlußlehrgang (Unter- unb Oberprima) durchlaufen haben, können Ostern 1938 die Reife­prüfung ablegen. Das Reifezeugnis wird ihnen aber erst Ostern 1939 beim Nachweis einer erfolg­reichen einjährigen hauswirtschaftli­chen Schulung ausgehändigt (einjähriger haus­wirtschaftlicher Lehrgang: Frauenschule, Hausfrauen­klasse, Haushaltungsschule, hauswirtschaftliches An­lernjahr, Landdienst, Tätigkeit in fremdem kinder­reichen Haushalt).

ben eines Kindes und an ber Geschäftigkeit einer jungen Frau, der Holzschuhschneider war gern bei ber vertrockneten Alten, um bereu altes Zeug im Kasten sich immer ein klein wenig Sonnenschein wob. Darum blieben sie beide, wartend, von ber Reise mübe, vom Alter müder werdend, bas nun keine große Aufgabe mehr hatte.

Der Bruber, wenn er nun heimkam, kam wohl zu spät zu seinem Bruder. Aber er kam nicht: ihm gefiel es gut bei einem jauchzenden Kind, bei einem Mann, ber schon graue Flecken im Haar hatte, bei einer beweglichen jungen Frau.Wir sind uns boch begegnet", sagte er noch in (Erinnerung an das bescheidene Erlebnis auf ber Landstraße. Darüber freute er sich noch, als das mübe Leben schon er­loschen war.

Weil in jedem der zwei Häuser nur ein klein wenig Geld zu finden war, tauschte niemand mehr die toten Brüder aus, um jeden in seine Heimat zu bringen. Denn schließlich war jeder mübe am Ziel seiner Reise eingeschlafen, die nach dem alten Versprechen recht und richttg ausgeführt worden war.

Sochschulnackrichten.

Dem Professor Dr. Hermann Lautensach ist ein planmäßiges Drbinariat für Geographie an ber Universität Greifswalb verliehen worben. Lau­tensach, ber früher in Gießen unb bann in Braunschweig wirkte, ist Mitbegründer der Zeit­schrift für Geopolitik. Die Gesellschaft für (Erbfur^e in Berlin verlieh ihm bie silberne Karl-Ritter-Me- baille.

Professor Dr. med. et med. deut. Georg A x - hausen, orbentlicher Professor für Zahn-, Munb- und Kieferchirurgie ber Universität Berlin, be- geht in biesen Tagen seinen 6 0. Geburtstag. Axhausen, ber die chirurgische Abteilung des Zahn­ärztlichen Universitätsinstituts und bie Kieferklinik der Charitö leitet, hat durch die von ihm angeaebe- nen Methoden zur operativen Beseitigung ber Gau­menspalten unb Hasenscharten, sowie burch seine plastischen Operationen im Bereich der Munbhöhle ber deutschen Kieferchirurgie Weltgeltung verschafft.

Dem Forstmeister a. D. Dr.-Jng. Erwin A i ch i n- g e r ist unter (Ernennung zum ordentlichen Profes­sor der Lehrstuhl für Forstschutz und Pflanzensozio­logie an ber Universität Freiburg i. B. über­tragen worben.

Geheimrat Professor Dr. Julius Plrson, Or­dinarius für romanische Philologie an der Univer­sität (Erlangen, ist von den amtlichen Verpflich­tungen entbunden worden.