ifr.46 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Mittwoch, 24.8ebruar (YZ7
gemacht. Schon 1933 stieg sein Umsatz I die sie in den dichtbevölkerten Gebieten Deutsch- und 435 Millionen Mark und 1935 war er Britisch-Ostafrikas anrichtete lassen sich nur mit den J cx r. , . ■•r. ... . < _ « nn a _ _ in nArnlni <+ion htö ht» INI 14. »iavr«
Handwerk hat goldenen Boden
die Arbeit wieder auf
um 10 bis 12 v. H. größer als 1934. Das ist gewiß noch nicht überraschend viel, aber es geht doch wieder aufwärts, und das gibt dem Schreinerhandwerk Mut, sich auch wieder Leistungen zuzu
deutschen Reparationszahlungen.
Die Beispiele, daß die deutsche Wissenschaft ent» scheidend in den Kampf gegen die Tropenkrankheiten eingriff, lassen sich um ein Vielfaches vermehren. Auf die Nilländer und die Euphratländer be- schränkt ist eine von dem deutschen Forscher Bil- harz (123 bis 1862) entdeckte scheußliche tropische Wurmkrankheit, der in Aegypten jährlich bis zu einer halben Million Menschen erlagen, die B i l - harzia-Krankheit. Auch hier waren die früher angewandten Antimonpräparate nicht imstande, die Krankheit auszuheilen, bis es wieder der deutschen Pharmazie gelang, ein sicheres Gegenmittel herzustellen. Auf Grund der großen Heilerfolge dieses Mittels erlaubte der König Fuad von Aegypten sogar, daß das Mittel nach ihm F u a d i n genannt wurde. Ebenfalls erst nach dem Kriege gelang es der deutschen Chemie, im N e o st i b o s a n ein Heilmittel gegen die in Indien und China wütende, fast stets tödliche Kala Azar (indisch, „Schwarze Krankheit", mit Schwellung von Leber, Milz, Füßen, Gesicht und schwarzfleckigem Hautausschlag einhergehend), zu entdecken, deren Erreger schon seit dem Jahre 1903 bekannt war. Weiter stellte sie wirksame Heilmittel gegen die vielen anderen tropischen Wurmkrankheiten und gegen die F r a m - bösie und R ü ck f a l l f i e b e r her. Daß daneben auch Impfstoffe gegen die allbekannten Krankheiten wie Typhus, Cholera, Pest, Maltafieber in vorzüglicher Qualität und zum Teil sogar in Tabletten, die die Hilfe des Arztes entbehrlich machen, hergestellt werden, sei nur nebenbei erwähnt. Es braucht auch kaum erwähnt zu werden, daß Deutschland nicht gewillt ist, auf diesen Lorbeeren auszu- ruhen, sondern daß in den Laboratorien der Kampf gegen die Feinde der Menschheit weitergeht, ebenso wie in der Politik der Kampf weitergeht um Deutschlands Platz unter den Kolonialmächten, auf den Deutschland allein schon nach diesen Leistungen wahrhaftig das Recht hat.
den Auftrag zu erhalten; außerdem mußten auch die Kunden sparen und fingen deshalb an, mit dem' Handwerker um den Preis zu handeln), die Einkaufspreise dagegen ziemlich gleich blieben, ist es nicht verwunderlich, daß der einzelne Meister 1932 nur noch etwas 5 bis 7 v. H. seines Umsatzes als Reingewinn verbuchen konnte.
Nun müllen wir folgendes wissen: von den 92 000 Betrieben setzten im Jahre 1929 etwa 47 000 Be, triebe weniger als 5000 Mark um. 33 000 Betriebe erzielten einen Umsatz zwischen 5000 und 20 000 Mark und nur die übrigen 12 000 Betriebe hatten einen Umsatz von über 20 000 Mark. Bei 20 000 Mark erzielte nun der betreffende Handwerksmeister einen Reingewinn von etwa 4000 bis 5000 Mark. Bei einem Umsatz von 5000 Mk. verdiente er jedoch nur ungefähr 1000 Mark, und mit einem solchen Einkommen mußte über die Hälfte aller Schreinermeister schon im Jahre 1929 auskommen. Außerdem aber sank der Reingewinn im Verlauf der Krise bis 1932 um zwei Drittel, nämlich auf 5 bis 7 v. H. des Umsatzes, d. h wer 1929 noch ein Einkommen von 1000 Mark gehabt hatte, durfte jetzt nur noch mit 200 bis 400 Mark rechnen. Das sind gewiß nur Durchschnittszahlen, und es wird nicht allen Schreinern so gegangen sein, aber doch immerhin einem großen Teil.
Nun werden wir auch verstehen, daß mancher Schreinermeister damals wenig Lust hatte, noch viel anzufangen, er war verzweifelt. Nach der Machtergreifung erfaßte aber alle Volksgenossen wieder ein starker Schaffensdrang, und auch das Schreinerhandwerk hat sich wieder mit neuem Mut an
3n Haus und Hof wird aufgeräumt.
NSG. Weil wir heute besonderen Wert darauf legen, alle vorhandenen Rohstoffe zu erfassen und der Produktion zuzuführen, ist eine Entrümpelungsaktion auf dem Lande beschlossen worden, die diesmal nicht dem Luftschutz, sondern der Industrie und damit der Arbeitsbeschaffung dient.
In den Tagen bis 7. März wird in den Dörfern des Gaues Hessen-Nassau Alteisen gesammelt. Angehörige der Parteigliederungen, SA., SS., NSKK. werden auf dem Hofe erscheinen und das Eisengerümpel sammeln, das dem einzelnen Bauer nur im Wege steht, der Industrie aber als Rohstoff willkommen ist. Grundsätzlich kann eine Vergütung für das abgegebene Material gewährt werden, die Sammler nehmen das Alteisen aber auch als Geschenk, zumal sie damit Platz und Ordnung auf den Höfen schaffen.
hergestellt wird. Aber dieses Heilmittel vermag dennoch die Krankheitskeime im Blut des Patienten nicht immer völlig abzutöten, außerdem hat es den großen Nachteil, daß unvorsichtiges Nehmen von Chinin Schwarzwasserfieber zur Folge hat, das in den meisten Fällen tödlich wirkt. Die Friedhöfe in den Küstenstädten des ehemaligen Deutsch-Ostafrika sind voll von Gräbern, deren Aufschriften erkennen lassen, daß es sich um ganz junge Leute im Anfang der Zwanziger handelt: lauter junge, hoffnungsvolle deutsche Pioniere der Vorkriegszeit, die dem Schwarzwasserfieber erlagen. — Und hier brachte das Bayer-Laboratorium der IG. Farben im Jahre 1926 endlich die langersehnte Rettung, indem es die Präparate P l a s m o ch i n und wenig später das A t e b r i n fand, die eine vollkommene und rückfallfreie Heilung der Malaria mit unbedingter Sicherheit verbürgen, ohne die Gefahren, die das Chinin mit sich bringt. Atebrin ist ferner auch ein Vorbeugungsmittel von hervorragendem Nutzen, und es ist nicht zuviel gesagt, wenn man behauptet, daß im letzten Jahrzehnt die Malaria ihre Schrecken verloren hat.
Eine andere in den Tropen sehr verbreitete Krankheit ist die tropische oder Amöbenruhr, eine Darmerkrankung, die ebenfalls durch ihre Hartnäckigkeit und Schwere leicht den Tod des Befallenen nach sich zieht. Ich habe es selbst mit ansehen müssen, wie ein mit dem alten Gegenmittel, Emetin, behandelter Kranker immer und immer wieder, viele Wochen hindurch rückfällig wurde, bis es dann möglich war, ihn in Deutschland mit dem unbedingt sicheren deutschen Gegenmittel, dem P a t r e n, auszuheilen, das infolge einer unverständigen Handelspolitik damals in den italienischen Kolonien nicht erhältlich war.
Wohl die fürchterlichste Geißel der Tropen ist die Schlafkrankheit, die kurz nach 1900 plötzlich aus dem Kongo-Urwald heraus nach Osten um sich griff und die England und Deutschland gehörigen Landesteile östlich des Victoria-Sees anfiel. Sie äußert sich in einer allmählich, aber unfehlbar zum Tode führenden Schlafsucht, und die Verheerungen,
Karl Gchönherr.
3um IO. Geburtstage des Dichters am 24 Februar.
Am 24. Februar begeht in Wien Karl S ch 8 ri tz e r r seinen siebzigsten Geburtstag. Erst spät ist er zum Bühnendichter geworden; dreiunddreißig Jahre war er alt, als seine Tragödie „D i e Bildschnitzer" aufgeführt wurde: eine Episode aus dem Leben der armen Holzschnitzer in Tirol. Die herbe Luft dieses Landes ist in allen Werken Schön- herrs zu spüren, der als Sohn des Dorfschullehrers von Axams im oberen Jnntal seine Heimat hat. Das Drama „E r d e", für das er den halben Schillerpreis erhielt, machte seinen Namen bekannt. Doch erst als „Glaube und H e i m a t", worin das Schicksal der protestantischen Oesterreicher zur Zeit der Gegenreformation behandelt wird, ungewöhnlichen Erfolg hatte, konnte der Dr. med. Schönherr den weißen Kittel endgültig ausziehen und sein Stethoskop in die Schublade sperren.
Der Kreis seiner Themen ist eng; vielfach begrenzt durch den Radius seines Berufes. In immer neuen Veränderungen und Vertauschungen ihrer Gegebenheiten kehren sie wieder: die Unzulänglichkeit der Schulmedizin, das Startum der großen Chirurgen („Narrenspiel des Lebens"), das Elend der Armenärzte. Im „Kampf" wird das Schicksal des durchgefallenen Mediziners gezeigt, der als Heilgehilfe' einer Kurpfuscherei endet; die Komodie „Vivat academia“ ist eine Variante des Themas. 1926 brachte der Autor eine Neubearbeitung feiner .Hungerblockade" unter dem Titel „Der Armendoktor" auf die Bühne; und vier Jahre später, modisch stilisiert, „Herr Doktor, haben Sie zu essen?"
Das Problem des Glaubens liegt dem „Sonnwendtag" zugrunde, den Schönherr später in die Sphäre der Komödie verlegt hat („Die Trenkwal- der"). In Verbindung mit dem starken Heimatgefühl des Alpenbauern verschaffte es Schonherr 1911 seinen größten Theatererfolg- „Glaube und Heimat".
Diese Verbundenheit mit der Scholle ist, schon im Titel symbolisiert, das Thema der bitteren Komödie „Erde". Die Mena verläßt den jungen Grutz, der mit ihr auswandern will und von dem sie ein Kind erwartet, um die Frau eines armen Dauern zu werden, der hoch oben,' hart am Rande des Gletschers seinen kargen Hof hat. „Einen eignen Fleck Erd' unter die Schuhsohl'n will i hab n und soll s
Oer alte Schmied.
Von Otto Doderer.
Wenn wir als Kinder noch so früh am Morgen erwachten, vernahmen wir schon das fleißige Hämmern und Dengeln aus der Schmiede, die meinem Vaterhaus gegenüberlag. Die Laute find mir lieb und traut geblieben bis zum heutigen Tage, und ich kann an einer Schmiede nicht vorübergehen, ohne meine Schritte zu verlangsamen und aufzuhorchen auf den Hellen Hall und Widerhall des Eisens, das Anpoltern der Wagen, das Schnauben und Wiehern der Pferde und das Geplauder des Meisters und der Gesellen mit den Bauern. Mit listigen Vorwänden verschaffte ich mir damals so oft wie möglich von der Mutter die Erlaubnis, noch eine Weile in den Kissen liegen zu dürfen, um ungestört über die Straße hinüber zu lauschen. Was meine Ohren da aufnahmen, war wie eine Musik, die zwischen den durchsonnten Spalten der geschlossenen Fensterläden wie auf Tasten ins Zimmer klang. sDie schwarz berußte Schmiedewerkstatt hatte für uns eine geheimnisvolle Weihe. Scheu und neugierig standen wir oft am Eingang und schauten in das Halbdunkel, in dem die mächtigen Männer mit entblößten muskulösen Armen und zottiger Brust mit Hämmern und Zangen, mit Stangen, Reifen und Hufeisen wortlos in einem rhythmischen Einvernehmen hantierten. Als wir dann in der Schule die Sagen von Wieland dem Schmied, von Jung- fiegfrieb und dem Schmied, der seinen Landgrafen hart hämmerte, kennenlernten, wuchsen diese Männer noch mehr in eine mythische Vorstellung hinein. In gleichmäßigem Takt ließen sie abwechselnd die schweren Hämmer auf den Amboß niederschmettern, oder sie standen an der Esse und schürten das Feuer, in dem das Eisen immer feuriger glühte, während der hocherhobene Arm den Blasebalg zog. Wenn das Eisen auf dem Amboß geschweißt war, wurde es in das Wasser am Herd getaucht und zischte noch einmal rauchend auf. Der Amboß klang noch nach von den Hammerschlägen, und durch die Hufeisen, die unter der Decke an Stangen aufgereiht waren, zitterte ein reines Klingeln wie von Geisterhand angerührt.
Ein alter Mann mit scharfkantigem Bauerngesicht geht durch meine Jugend, hochaufgerichtet, aber von Atemnot gequält, auf einen Stock gestützt und die Starbrille vor den ermatteten Augen: ein strenger, sparsamer und noch immer' tätiger Bürger, das Urbild der Gemessenheit, Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue. Eine patriarchalische Gestalt aus einer vergangenen Zeit. Dennoch war dieser Mann in»
schränktem Umfange der Fall, denn das Schreinerhandwerk will sich diesen „Markt" zurückerobern und setzt daher alles daran, sich erst einmal wieder das Vertrauen seiner Kundschaft zu erwerben.
Wie ist es dem Schreinerhandwerk denn in der Vergangenheit ergangen? Noch in den Jahren 1928 und 1929 hatten die insgesamt etwa 92 000 bis 95 000 Betriebe dieses Handwerkszweiges einen Umsatz von über eine Milliarde Reichsmark erzielt — bis 1932 hatte das Schreinerhandwerk hiervon jedoch rund zwei Drittel verloren, denn es konnte nur noch einen Umsatz von rund 390 Millionen RM. verzeichnen. Was das für den einzelnen Schreinermeister bedeutete, wird uns erst so recht klar, wenn wir uns einmal einen einzelnen
nerlich gebrochen, seitdem er in der Mitte des Lebens, zuschanden gearbeitet, zum immerwährenden Feierabend gezwungen worden war und sein geliebtes Handwerk, eines der ältesten und das männlichste, aufgeben mußte. Denn die Schmiede gegenüber war einst sein eigen gewesen. Welch eine Erlösung hätte es für ihn bedeutet, wenn er wieder in seine Werkstatt hätte treten können mit dem Jnnungsgruß: „Gott grüß' das Handwerk!" Froh war er nur, wenn er aus seinen Erinnerungen erzählen konnte, von seinen Lehrjungen und Gesellen oder den Wanderschaften der Vorfahren. Das war gewöhnlich in der dämmerigen Ruhestunde Sonntags nach dem Nachmittagskaffee. Er faß dann im dunklen, bräutigamlich sauber gebürsteten Anzüg im Sessel am Fenster, das Großoaterstülpchen hin- term Ohr, und rauchte zittrig und feierlich eine Zigarre, die einzige, die er sich gestattete in den sieben Tagen der Woche.
Ich besitze noch ein kleines, von diesem Manne geschriebenes Buch mit Rezepten gegen Tierkrank. Heiken. Die Rezepte sind in einer lithographisch schönen, sauberen Handschrift ausgezeichnet, wie ein guter Schüler sie ehemals schrieb. Jener aber ist ein guter Schüler sein Leben lang geblieben und verfügte schließlich über eine besondere Art von Gelehrsamkeit, die mit philosophischen Bauernregeln und moralischen Geschichten vollgestopft war, freilich auch mit Aberglauben, denn vor den letzten Seiten des Rezeptbuches steht schüchtern der Titel „Sympathetische Heilmittel" (das sind altüberlieferte Wunderkuren und Beschwörungen) und darunter treuherzig: „Man soll aber keinen Scherz damit treiben". Dem klugen Mann war die Wissenschaft verschlossen geblieben, nachdem sein Vater darauf bestanden hatte, daß er als Aeltester das Handwerk der Vorfahren übernähme. Er hat sich gebeugt unter die vielen Jahrhunderte alte Forderung und mehr als seine Schuldigkeit getan Er konnte zu seinen Söhnen, die auf Kontorschemeln saßen hart und verächtlich sein wie der letzte recken- hafte Sprosse eines Adelsgeschlechtes zu mißratenen, verräterischen und verweichlichten Erben.
Er ist der Vater meiner Mutter gewesen, und in meiner Natur ist also noch Blut, das vor Jahrhun- beten, vielleicht schon vor tausend Jahren Schmiedefeuer gewohnt war, vom Vater auf den Sohn übertragen, immer auf den ältesten und stärksten, mit dem Bauernblut der Mütter vermischt. Ich bin stolz darauf. Manchmal möchte auch ich am Amboß stehen, und mit gestählten Armen und freiem Kopf die stetige Arbeit tun meiner Vorfahren, deren lügenden Tapferkeit und Tüchtigkeit, Ehrenhaftigkeit und Arbeitssamkeit hießen.
VII.
Der Schreinermeister.
23.21. Ein Stuhl ist zerbrochen oder ein Schränkchen ging aus dem Leim. Zum Schreiner damit daß er es wieder zusammenflickt. Auf den Inhalt dieses Satzes beschränken sich die Kenntnisse der meisten Menschen über das Schreinerhandwerk. Und dabei haben sie nicht ganz unrecht, denn noch vor einigen Jahren war der Schreinermeister froh, wenn er einige Reparaturarbeiten bekam, und nur wenige Meister bemühten sich ernstlich darum, Auf- träge für die Möbelanfertigung oder dgl. zu suchen — die meisten hatten es wohl aufgegeben, mit dem Möbelhandel oder der Industrie in Wettbewerb zu treten. Das ist jedoch heute nur noch in sehr be-
Deutschlands Beitrag zur Kotonisierung derTropen
Von Dr. Erich K Keilpflug.
dös vermaledeite Eisloch sein!" Aus dieser Verwurzelung mit dem Boden, der Lebensinhalt des in rauhe Hochlandtäler eingeschlossenen Bauern ist, erwächst das Heldentum hingebender Landesverteidigung, unsterblich verkörpert im Sandwirt vom Passeiertal. „Der Judas von Tirol", Schönherrs erstes Hofer-Drama, war vom Burgtheater abgelehnt worden. 1911 hat er in feinem Geschichtenband „Aus meinem Merkbuch" eine Skizze veröffentlicht: „Tiroler Bauern von 1809". „Volk in N o t", während des Krieges aufgeführt, verherrlicht wieder diese Idee, nicht mehr die Tragödie Andreas Hofers, sondern das Heldenlied eines Volkes.
Das Problem der Geschlechter steht im Brennpunkt des Schauspiels „Familie", einer Studie zur „Kindertragödie". „Der Weibs teufe!" (1914), mit einer damals unerhörten Technik aufgebaut — drei Personen tragen die Handlung, deren Schauplatz durch fünf Akte dieselbe Stube bleibt, und steigern sie zu greller Dramattk — brachte Schönherr den zweiten überwältigenden Erfolg. Zwei Jahre danach hat er das Thema wieder aufgenommen und in dem feinen Kammerspiel „Frau Suttner" durchgeführt.
Der Aufbau seiner Dramen ist einfach. Ein deutlich abgegrenztes Problem, wie (scheinbar!) bei Ibsen, dessen Einwirkung in Schönherrs ersten Dramen zu spüren ist. Am Schicksal des Einzelnen wird nun eine Lösung dieses Problems gegeben. Man hat von einer „dramatischen Algebra" gesprochen. Das ist ungerecht, denn die Erklärung gibt nur das rein Verstandesmäßige dieser Technik, ohne das Wesen des Künstlerischen einzuschließen. Das aber kann dem Dramatiker Schönherr nicht ab- qesprochen werden, ttotz den vielen unreinen Effekten — den „Wirkungen ohne Ursache" nach Wagners Wort — des Theater-Routiniers Schönherr. Seine Art ist eher mit dem Bau der Fuge zu vergleichen. Das starre Schema birgt die Fülle der Vielgestaltigkeit, und diese wiederum verlangt ein einfaches Thema.
Die Themen feiner Dramen finden wir auch in Schönherrs Prosa-Arbeiten wieder: „Allerhand Kreuzköpf", „Schuldbuch", „Aus meinem Merkbuch". In den grobgeschnitzten Figuren dieser Geschichten offenbart sich Schönherrs Kunst der Menschengestaltung, die auch den Dörflertypen, die als Nebenfiguren seiner Dramen auftreten, ihre Wirkung gibt.
Walter Schwerdtfeger.
Todeszügen vergleichen, die die Pest im 14. Jahr« hundert durch Europa unternahm. Schon damals zeigte Deutschland, daß es gewillt sei, als kolonisierender Faktor das Seme zu tun, — später wurden ihm die Kolonien ja bekanntlich unter dem Vorwande abgenommen, es könne nicht kolonisieren, — und entsandte den berühmtesten aller damaligen Bakteriologen, den deutschen Arzt Robert Koch zur Bekämpfung der Seuche nach Ostafrika. Aber selbst Robert Koch, der Entdecker zahlreicher Krank- heitserreger, der Sieger über die Cholera in Indien und Erretter von der Rinderpest in Afrika, vermag gegen die Schlafkrankheit nur soviel auszurichten, daß er Maßregeln angibt, um die Verbreiterin, d i e Tsetsefliege, zu bekämpfen. Ein sicheres Heil- mittel findet er selbst nicht. Dies ist erst der deutschen pharmazeutischen Wissenschaft gelungen, die 1916, mitten im Kriege, das Heilmittel Bayer 205, später Deutschland zu Ehren Germanin genannt, schuf. Es ist eine Ironie des Schicksals, daß gerade in dem Augenblick, als die Kolonien verlorengingen, das Mittel gefunden wurde, von dem ein englischer Biologe behauptet, daß das Mittel für die Alliierten viel wertvoller fei als die ganzen
Kolonisieren heißt tropische Länder mit ihrer primitiven Bevölkerung der europäischen Wirtschaft erschließen und diese Bevölkerung zugleich auf einen im europäischen Sinne höheren Lebens- und Zivilisations-Standard bringen. Angesichts der Tatsache, daß Deutschland seit dem Weltkriege seiner Kolonien beraubt ist, klingt die Behauptung, es habe auch danach Beiträge zur Kolonisierung tropischer Gebiete liefern können, zunächst seltsam.
Kolonisieren heißt nämlich auch zugleich Kampf gegen die überall in tropischen Gegenden auftretenden sogenannten Tropenkrankheiten, von deren Gefährlichkeit man sich in Europa häufig nicht die rechten Vorstellungen macht. Und eben hier hat Deutschland eingegriffen, um seine Beiträge zu Kolonisierung zu leisten, und zwar, indem es mit Hilfe seiner überragenden chemisch- pharmazeutischen Industrie der Welt eine Reihe wirksamster Heilmittel gegen Tropenkrankheiten zur Verfügung stellte, deren Bekämpfung und Heilung zuvor mit den allergrößten Schwierigkeiten verknüpft war. Hand in Hand mit dieser theoretischen Forschung der Chemiker und Aerzte in ihren Laboratorien ging aber auch praktische Arbeit durch die Gründung von Instituten für Schiffs- und Tropenkrdnkheiten, von denen besonders das in Hamburg sich durch seine Erfolge in der Behandlung der an Tropenkrankheiten Leidenden einen Ruf zu verschaffen gewußt hat.
In allen tropischen Gegenden der Erde, aber auch in vielen subtropischen verbreitet ist die Malaria, das Sumpffieber in seinen verschiedenen Formen. Dauernde schwere Malariaanfälle können, abgesehen von der völligen Lähmung der Arbeitskraft während der Anfälle, den Organismus so schwächen, daß der Tod eintritt. Diese Krankheit ist daher eines der größten Hemmnisse aller Kolonisierung, ja, sie kann den Aufenthalt von Weißen in gewissen Gegenden geradezu unmöglich machen. Gegen diese Krankheit kannte man außer der Bekämpfung der Ueberträger, der Anopheles-Mücken, seit 300 Jahren ein von der Natur gegebenes Heil
trauen, denn nur wenn wir sehen, daß der Schreiner wieder etwas kann, dann werden wir — wenn wir mit der Zeit alle wieder mehr verdienen — uns auch unsere Möbel wieder von ihm arbeiten lassen.
Aus diesem Grunde hat der Reichsinnungsver- banb des Schreinerhandwerks sich außer um die Arbeitsbeschaffung vor allem auch darum gekümmert, daß der einzelne Meister wieder etwas wirklich Gutes schaffen kann. So hat er die 92 000 Schreinermeister durch Fachbücher, Lichtbilderoor- träge und dergl. soweit geschult, daß es jetzt möglich geworden war, ein Gütezeichen für das Schreinerhandwerk einzuführen. Dieses Zeichen barf an benjenigen Möbeln angebracht werden, die nach den Lieferbedingungen für Möbel und Innenausbau aus Holz (RAL. 430 B) angefertigt worden sind. Und diese Bedingungen, die man sich im übrigen bei jeder Schreinerinnung zeigen lassen kann, schreiben genau vor, welchen Feuchtigkeitsgehalt das Holz haben darf, wie die Möbel geleimt fein sollen usw. Der Schreiner, der das Gütezeichen unberechtigt an Möbeln anbringt, wird bestraft. Daß das Schreinerhandwerk sein Gütezeichen schon nach drei Jahren nationalsozialistischer Führung schaffen konnte, ist ein Zeichen dafür, daß der Nationalsozialismus einen starken Einfluß auf den Geist des Handwerks überhaupt ausgeübt hat, daß aber auch das Schreinerhandwerk feine Kunden zufriedenstellen will.
Betrieb näher ansehen.
In der Spanne zwischen Einkaufspreis und Verkaufswert liegt der Rohgewinn, hiervon müssen jedoch erst noch Arbeitslöhne, Steuern, Maschinen, Werbungskosten usw. bezahlt werden, ehe der Reingewinn des einzelnen Meisters herauskommt. Und dieser Reingewinn hatte noch im Jahre 1928 etwa 20,5 o. H. des Umsatzes betragen, die Betriebsunkosten etwa 11,5 v. H. Im Verlauf der großen Krise mit ihrer wachsenden Arbeitslosigkeit stiegen jedoch auch die Steuern, die Licht- und Maschinenkosten wurden größer usw., so daß das Schreinerhandwerk im Jahre 1932 schon 23,3 v. H. seines Umsatzes für diese Betriebsunkosten aufwenden mußte. Und da auch die Verkaufspreise sanken (denn meistens „ -
unterbot ein Handwerker den anderen, um selbst mittel, das Chinin, das seitdem auch synthetisch


