soldatische Stimmung erhalten. Freizeit und Erholung am Wochenend standen unter dem Motto: „Jeder einmal in Berlin", oder „Frohe Laune und glückliche Stunden an märkischen Seen".
2. August abends. Die Achsen des Militärtransportzuges tackten über die Schienen des Gießener Verladebahnhofs. Lauer Sommerabend; strahlender Sternenhimmel; alle Vorbedingungen für einen netten Empfang im Standort. Alle freuten wir uns, wieder in die Garnison zurückzukehren. Einzelne zaghafte Bräute standen sogar schon auf der Eisenbahnbrücke über dem Verladebahnhof.
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Nach Zossen wurde gesäubert, geschrubbt. Das Marschmanöoer mit dem Inf. - Rgt. 116 begann 7 Tage später. Erfahrungen für alle wurden gesammelt. Gute Quartiere und Biwak und rege Anteilnahme der Bevölkerung verschönten der Abteilung die Tage großer Anstrengung während der Nachtmarschübung.
Noch einmal setzte nach der Rückkehr die Schulung ein. Der letzte Schliff für die große Herbstübung. Durchgebildet und zuversichtlich ging die Abteilung am 1.9. in das Manöver, lieber Hebungen im Abteilungs- und im Regimentsrahmen im Schwalm- gebiet bestand sie ihre Prüfung in der Divi -
sionsubung zur Zufriedenheit der hohen Vorgesetzten.
Nach kurzen Ruhetagen in der nächsten Umgebung von Kassel und Besuchen der Großstadt ging die Abteilung in die große Hebung des IX. Armeekorps. Schwere Anforderungen an Pferd und Mann waren zu bewältigen. Tage anstrengender Arbeit, Tage geringer Ruhe, Tage, die den Prüfstein des Ausbildungsjahres 1936/37 darstellten.'Die Abteilung ist den Anforderungen gerecht geworden. Sie hat bewiesen, daß sie aus den Rekruten des Oktobers 1936 kriegstaugliche Soldaten formte. Sie fand die volle Anerkennung dieser Leistung durch das Urteil ihres höchsten Vorgesetzten.
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Ende September schieden die Mannschaften des 2. Dienstjahres aus. Alle haben ihre Einheit und ihre Abteilung liebgewonnen. Den Mannschaften des ersten Dienstjahres werden sie Vorbild während des kommenden Ausbildungsjahres bleiben.
Dicht bevor steht die Zeit, wo wieder Rekruten die Kaiserallee heraufmartschieren werden zur Artil- lerie-Kaserne auf dem Trieb. Die Abteilung ist bereit, auch in diesem Jahr, wie im vergangenen, ihre Aufgabe an Volk und Vaterland gewissenhaft zu erfüllen.
Aus der engeren Heimat.
Rekord-Kartoffelernte.
Auf guten Böden bis zu 240 Zentner pro Morgen.
. (X) Langsdorf (Kreis Gießen), 22. Okt. Die hiesige Bauernschaft ist erst in diesen Tagen mit ihrer Kartoffelernte fertig geworden. Sie hat mit dieser verspäteten Ernte einen vollen Erfolg erzielt, da die Knollen sich gerade in den letzten Wochen noch entwickelt haben. Das Ergebnis der Kartoffelernte übertraf die kühnsten Erwartungen und grenzt fast an das Wunderbare. Trotz des trockenen Sommers ist ein Ergebnis zu verzeichnen, wie es seit Menschengedenken nicht da war. Einige Landwirte haben berechnet, daß auf guten Böden bis zu 240 Zentner pro Morgen geerntet wurden.
Auf dem Bahnsteig tot aufgefunden.
* Mücke, 23. Okt. Auf dem Bahnsteig des hiesigen Bahnhofes wurde am gestrigen Freitagabend der Reisende Karl Honstein aus Grünberg t o t aufgefunden. Der Mann war mit dem Abendzug aus Richtung Alsfeld angekommen. Er hatte den Zug in N i e d e r ° O h m e n zur Fahrt nach Grünberg bestiegen und ihn auf dem Bahnhof Mücke auf der verkehrten Seite verlassen. Nach der Abfahrt des Zuges wurde der Mann auf dem Bahnsteig tot aufgefunden. Die Todesursache ist noch nicht bekannt, die Ermittlungen sind im Gange.
Unfälle auf dem Lande.
Das 5jährige Söhnchen Wilhelm des Landwirts P u l von Kinzenbach wurde von einem Wagen überfahren und erlitt schwere innere Verletzungen. Das bedauernswerte Kind befindet sich in Lebensgefahr.— Der 41 Jahre alte Werkmeister Karl Schmidt von Launsbach erlitt bei einem Sturz vom Rade eine schwere Kopfverletzung. — Einen Fahrradunfall erlitt außerdem der 64jährige Arbeiter Ludwig Weiß von Großen-Linden. Er zog sich einen Oberarmbruch zu und mußte in ärztliche Behandlung gebracht werden. — Einen schweren Unfall erlitt ferner die 68jährige Ehefrau Agnes des Landwirt Mikisch von Großen- B u s e cf. Sie stürzte vom 5)euboben ab und siel so unglücklich auf die Tenne, daß sie erhebliche innere Verletzungen erlitt. Sämtliche Verunglückte mußten in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden.
Landkreis Gießen.
* Wieseck, 22. Okt. Die vor einigen Wochen auf der Landstraße in der Nähe der Wellersburg von einem Auto angefahrene Witwe Luise
Brück von hier ist in der Chirurgischen Klinik in Gießen ihren schweren Verletzungen erlegen.
* Alten-Buseck, 22. Okt. Der Landwirt Ludwig Seuling von hier, der vor etlichen Tagen in seiner Scheune abstürzte und mit schweren Verletzungen nach Gießen in die Klinik verbracht werden mußte, ist dort an feinen Verletzungen ge- ft o r b e n.
# Daubringen, 21. Okt. Dieser Tage wurde hier die Entrümpelung der Dachböden durchgeführt. Nunmehr soll" das Altmaterial abgeholt werden. Demnächst findet eine Besichtigung der entrümpelten Dachböden statt.
+ Saasen, 22. Okt. Bei einer Treibjagd im Bezirk des hiesigen Jagdpächters kamen 11 Hasen und 1 Fasan zur Strecke. — Die Hackfruchternte ist beendet, sie lieferte gute Erträge.
00 Langsdorf, 21. Oft. Heute wurde der Förster i. R. Adam Pauli V. zu Grabe gebracht, der- den hiesigen Gemeindewald fast 38 Jahre lang verwaltet hat. Er entstammte einer Alt-Langsdor- fcr Familie und führte sein Amt in großer Gewissenhaftigkeit und einer Rechtlichkeit, die ab und zu zu tun wußte. Im Dezember hätte er feine goldene Hochzeit begehen können.
Kreis Schotten.
# Groß-Eichen, 21. Okt. Die Gaufilmstelle zeigte in unserem Orte in der letzten Zeit wiederholt gute und unterhaltsame ^Filme, z. B. „Im weißen Röß'l" und „Der Vogelhändler", sowie gute Beiprogramme.
Kreis Wehlar.
<> Hochelheim, 22. Okt. Unsere Gemeinde hat die Anschaffung einer kleinen Motorspritze (400 Liter) beschlossen. Die Beschaffung soll im nächsten Jahre erfolgen. Die Nassauische Brandversicherungsanstalt in Wiesbaden hat sich bereiterklärt, der Gemeinde zu den Anschaffungskosten eine Beihilfe zu gewähren.
+ Wißmar, 22. Okt. Auf der großen Jung- geflügelschau in Breslau wurden verschiedene Jungtiere (Rhodeländer) des Züchters Ludwig Zecher mit Ehren- und 1. Preisen ausgezeichnet. — Bor einigen Tagen schoß der Jagdpächter der hiesigen Gemeindejagd von der Linde aus Neu- Isenburg einen Hirsch (Zehnender), der, ausgenommen und ohne Kopf, das stattliche Gewicht von 106 Kilogramm aufzuweisen hatte. — Der Vereins- stihrer des hiesigen Turnvereins „Gut- Heil", Georg Hermann, hat die Prüfungen für das Reichssportabzeichen in Gold erfüllt und das Abzeichen erhalten.
Wirtschaft.
Mein-Mainische Börse.
Mittagsbörse weiter fest.
Frankfurt a. M., 22. Okt. Die Kurserholungen am Aktienmarkt machten weitere kräftige Fortschritte. Bei ziemlich lebhaften Umsätzen, insbesondere nach Feststellung der ersten Kurse, stellten sich weitere Besserungen von etwa 0,50 bis 1,50 v. H. im Durchschnitt ein. Die Käufe aus dem Publikum sind lebhafter geworden, nachdem sich allgemein eine weitere Beruhigung sowohl außenpolitisch als auch an den Weltbörsen eingestellt hat. Viel beachtet wurden die Auslassungen in der „Deutschen Volkswirtschaft", die sich gegen das ungerechtfertigte Maß, in dem sich die deutschen Börsen im Schlepptau der Auslandsbörsen befanden, wenden. Im Vordergrund standen aus den bekannten Erörterungen Anleihestockwerte, voran Reichsbank mit 207 (203,25). Am Montanmarkt lagen die Hauptwerke, wie Mannesmann und Verein. Stahl, verhältnismäßig still und nur um Prozentbruch- teile höher, dagegen gewannen Klöckner 1,25 o. H. auf 127,25, Rheinstahl insgesamt 2,75 v. H. auf 147,75 bis 148,50. Maschinen- und Mvtvrenwerte stiegen bis 0,75 v. H., Demag um 1,50 o. H. auf 147,50. Don Zellstvffwerten gewannen Feldmühle 1,50 o. H. auf 140,50, Waldhvf 0,75 o. H. auf 150,50 und Aschaffenburger etwa 2 v. H. auf 143. Fest lagen außerdem Deutsche Erdöl mit 145,75 (144,25), Bemberg mit 144 bis 145,25 (143), Holzmann mit 151,90 (150) und Gesfürel mit 148,75 bis 149 (147,65). IG. Farben zogen auf 160,75 (160,25) an.
Der Rentenmarkt war weiter fest, doch fehlte es bei dem gegenwärtigen Kursstand an verfügbarem Material, so daß die Umsätze begrenzt blieben. Gesucht blieben besonders unnotierte Industrie-Obligationen bei etwa 0,13 bis 0,25 v. H. erhöhten Kursen, auch 4 v. H. Rentenbankscheine zu ^,50 gefragt, ferner Wiederaufbauzuschläge mit 81,13 (80,75) und späte Schuldbuchforderungen zu 99,50 (99,40). Etwas angeboten waren Kommunal- Umschuldung, die sich auf 94,80 (94,85) ermäßigten Reichsaltbesitz zogen 0,13 v. H. an auf 128,75 Weiter abbröckelnd Dekosama Altbesitz auf 134,13 (134,50), ebenso Neubesitz auf 46,75 (47). Sta'dt- anleihen kamen z. T. 0,13 bis 0,25 v. H. höher zur Notiz, während am Pfandbriefmarkt bei anhaltender Nachfrage kaum Abweichungen eintraten. Notierte Industrie-Obligationen gewannen vielfach bis 0,25 v. H., Farben-Bonds 0,75 o. H. auf 130,50.
In der zweiten Börsenstunde flaute das Geschäft merklich ab und teilweise ergaben sich auf Gewinnmitnahmen kkdine Rückgänge. Die Tendenz blieb
aber fest. Weiter erhöht waren u. a. Deutsche Erdöl mit 146,25 nach 145,75, Buderus mit 123 nach 122,50, Zement Heidelberg mit 168,90 nach 168,25. Aschaffenburger Zellstoff notierten erstmals mit 144,25 (141), dann 143,75. Von sonst erst später notierten Werten stiegen Akkumulatoren auf 226,25 (223), Conti Gummi auf 188 (184,50), Lahmeyer auf 127,50 (125,50), etwas niedriger waren u. a. BMW. mit 151 (152), Scheideanstalt mit 259,50 (260) und RWE. mit 130,25 (130,75). Von Bankaktien Deutsche 123,75 (123,50). Kahlgrund Eisenbahn weiter fest mit 35 rat. (33,25).
3m Freiverkehr wurden genannt: Elsass. Bad. Wolle 82 bis 83 (81 bis 82), Katz & Klumpp 108 bis 109 (107,50), Rastatter Waggon 56,50 bis 57,50 (55,50), Wayß & Freytag unverändert 147 bis 149, Dingler etwas niedriger mit 86 bis 87 (86,50 bis 87,50). Tagesgeld unverändert 2,50 v. H.
Hunhfunfprogramm
Sonntag, 24. Oktober.
6 Uhr: Hafenkonzert. 8.10: Gymnastik. 8.30: Deutsche Scholle. 8.45: Morgenmusik. 9: Alles, was wir haben, muß stehen im Dienst. 9.30: Christliche Morgenfeier. 10.15: Hört ihr des Herzens Hammerschlag? 10.30: Chorgesang. 11.15: Rings um meine Jagdhütte. Eine Funkfolge. 12: Musik am Mittag. 14: Für unsere Kinder: Kasperl treibt Gymnastik. 14.30: Lustiger Zoo. 15.15: Deutsche Scholle. 16: Nachmittagskonzert. 18: Heut geht es drum, daß ihr euch freut! Heitere Szenen. 19: Nachrichten. 19.10: Bitte einschalten! — Sie hören: die drei Rulands, die parodistische Gesangsnummer. 19.40: Sportspiegel des Sonntags. 20: 1. Sonntagskonzert der Frankfurter Museumsgesellschaft. In der Pause: Mozart auf der Reise nach Prag. 22: Nachrichten. 22.15: Sportspiegel des Sonntags. 22.30: Wir bitten zum Tanz. 24 bis 1^ Nachtmusik.
Montag, 25. Oktober.
6 Uhr: Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Musik am Morgen. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau, hör zu! 11.40: Deutsche Scholle. 12: Schloßkonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Schloßkonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Immergrün! Ein Strauß „haltbarer" Lieblingsschlager. 15: Volk und Wirtschaft. 15.15: Für unsere Kinder. 16: Unterhaltungskonzert. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Nachrichten. 19.15: Stuttgart spielt auf. 21.15: Klänge der Heimat. Streifzüge durch den Odenwald.
Geschichten ans aller Welt.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.
Elefanten sind gegen den Lärm.
(an) Delhi.
Seit einiger Zeit beobachtet man unter den indischen Elefanten, die viel in die indischen Städte mit Großstabtbetrieb kommen, eine seltsame Erscheinung: die Tiere werden nervös und leiden zeitweise an seltsamen Gehirnkrankheiten, die man in Paris an Hunden und Katzen in lärm- reichen Vierteln beobachtete. So fuhr ein Laft- waaensahrer auf einer Autostraße, als ihm ein Elesant mit einer kleinen Last entgegenkam. Um das Tier zu warnen, gab er ein einfaches Hupenzeichen. Dieser Elefant aber yörte kaum das Zeichen, als er auch schon zum Angriff gegen den Wagen vorging. Der Chauffeur witterte Unheil und sprang aus dem Auto. Der Elefant aber kippte den Wagen mit feiner ganzen ungeheuren Kilaft um, zerbrach die Lampen und setzte erst dann — triumphierend den Rüssel schwingend und laut trompetend seinen Weg fort.
Der Affe als Streckenwärter.
(kh) Kapstadt.
Ueberraschung eine goldene Uhr fanden. Die An- aefteüten des Schlachthauses nahmen den kostbaren Gegenstand an sich und glaubten, ihn mit Recht behalten zu dürfen. Die Sache sprach sich aber herum, und bald erschien der Schlächtermeister, der die Kuh hatte schlachten lassen und behauptete, die Uhr könne keineswegs nur als ein Gegenstand, der von den Beamten gefunden wäre, angesehen werden. Freilich wisse auch er nicht, wie es zugegangen sei, daß die Uhr ihren Weg in den Magen der Kuh gefunden habe, aber da das Tier jedenfalls sein Eigentum gewesen wäre, so gehöre auch die in ihr gefundene Uhr natürlich ihm. Der Schlächter hatte aber die Rechnung ohne den Viehhändler gemacht, der ihm die Kuh verkauft hatte. Auch dieser kam auf das Gerücht von »dem Fund im Kuhmagen und machte sein Besitzrecht geltend, da der Wert der goldenen Uhr keineswegs im Kaufpreis für das Vieh einbegriffen ge. wesen märe. Auch der Viehhändler wußte allerdings nicht, wo die Uhr herkam. Die Sache ging aber noch weiter, schließlich erschien auch der Bauer, auf dessen Wiese die Kuh geweidet hatte, denn, wie er ausführte, nur hier hatte die Kuh wirklich
An einem Bahnübergang bei Port Elisabeth in Südafrika befindet sich eine schöne große Steintafel, auf der in wohlgewählten Worten eines Affens gedacht wird, der vor vielen Jahren als Streckenwärter tätig war. Der Schrankenwärter John Gipson hatte bei einem Unfall beide Beine verloren. Er konnte zwar später noch auf Krücken sein Amt versehen und die Barriere auf- und niederlassen. Doch als er eines Tages von einem erkrankten Zirkusartisten einen großen Pavian erwerben konnte, dressierte, er das Tier im Laufe weniger Wochen so, daß der Affe dein Herannahen eines Zuges und beim (Ertönen gewisser Zeichen automatisch die Schranke schloß. Sogar die Signale konnte der Affe Jack zum Schluß richtig ziehen, je nachdem, ob sein Herr dreimal oder viermal pfiff. Selbst im Garten arbeitete Jack mit. Er bediente hier die Pumpe und war bei dieser Arbeit so fleißig, daß er das Pumpen erst aufgab, wenn er vor Erschöpfung nicht mehr konnte. Neun Jahre lang erfüllte Jack seine Pflichten vorbildlich. In den Zeitungen von Port Elisabeth und den Archiven der Südafrikanischen Eisenbahn wird seiner ausführlich gedacht.
Mögen Sie Chrysanthemen-Salat?
(—) London.
Vor kurzer Zeit fand in London eine große Chrysanthemen - Schau statt. Bei dieser Gelegenheit wurde auch in einem bekannten Londoner Hotel zum ersten Male ein Chryscmthemen- falat serviert. Ein Liebhaber dieser Blumen hatte eine große Anzahl Blumenblätter der Chrysanthemen gesammelt und ließ sie nun als Salat anrichten. Er hatte das Rezept der Zubereitung übrigens von einem Inder erhalten. Am wichtigsten war dabei, daß jene Blätter, die später zu Salat verarbeitet wurden, vorher nicht mit Wasser in Berührung kommen durften. Im übrigen aß man sie mit Essig und Del. Guten Appetit!
Zweierlei Gemüse.
(tr) Istanbul.
Als der Sultan Osman vor etwa 300 Jahren in der Türkei regierte, stellte er bei einem Spazier- gang durch feinen Garten fest, daß einer feiner Gärtner fabelhaften Kohl angebaut hatte, während ein anderer Gärtner feine Abteilung vollkommen vernachlässigte. Am gleichen Abend noch wurde der nachlässige Gärtner in einen Sack gepackt und im Bosporus ertränkt. Der andere Gärtner aber wurde in den Palast befohlen. Hier teilte ihm der Hofmeister des Sultans mit, daß er Äum Dizekönig von Zypern ernannt worden sei. tim nächsten Tag konnte er einen eigenen Palast beziehen, wo bereits ein Harem auf ihn wartete, den der Sultan für ihn selbst zusammenstellte. Als Vizekönig von Zypern bezog er bis an sein Lebensende ein hohes Gehalt. Den Kohl ließ er in Zukunft von anderen bauen.
Der Briefkasten und die Mäuse.
(ku) Paris.
Die Frage, wann der Briefkasten zuerst erfunden oder benutzt wurde, war lange Zeit hindurch auch bei den Fachleuten des Postwesens stark umstritten. Inzwischen aber hat man in Paris in einer Bibliothek ein interessantes Zeugnis dafür entdeckt, daß mindestens schon im Jahre 1653 Briefkästen bestanden und benutzt wurden. In jenem Aktenstück, das von den Briefkästen berichtet, heißt es: „Da man nicht immer Diener zur Hand hat, um die Briefe zuzustellen, steckt man sie in Kästen, die sich an den verschiedenen Straßenecken befinden.- Indes hat sich gezeigt, daß die Mäuse in diesen Briefkästen gern ihre Wohnung aufschlagen. Ein gewisser Musikmeister Coutel, der ein Konzert auf dem Clavecin geben wollte, hatte feine (Einlabungsbriefe alle in einen solchen Briefkasten geworfen. Aber sein Konzert fand vor leeren Sitzen statt, da die Mäuse alle Einladungen aufgefressen hatten."
Lehmann mit dem Führerschein.
(kh) Paris.
Paris kann sich rühmen, den kleinsten Autofahrer der Welt mit einem Führerschein ausgerüstet zu haben. Dieser kleinste Automobilist heißt Ernst Lehmann und ist genau 1,05 Meter groß und wiegt etwa 60 Pfund. Wenn man bann und wann auf den Champs Elysöes ein ganz kleines Auto daherfahren sieht, bann erwarten die Passanten, daß sich der nächste Verkehrspolizist auf jenen Knaben stürzt, der da mit einem Zwergauto mitten im Pariser Verkehr herumjagt. Aber die Polizeibeamten von Paris kennen den kleinen Ernst in feinem „Baby-Wagen" und sorgen dafür, daß er schnell vorwärts kommt. Allerdings wurde sein Führerschein mit einer besonderen Anmerkung versehen. Danach darf Ernst nicht jeden Wagen fahren, sondern nur solche Autos, bei denen sowohl die Pedalen als auch alle anderen Einrichtungen für seine Größe hergerichtet worden sind. Heute ist Ernst Lehmann, der von normalen Eltern stammt, ein sehr erfolgreicher Geschäftsreisender, der mit eiserner Hartnäckigkeit seinen Führerschein bei der Pariser Polizei durchsetzte, als er sich entschlossen hatte, nicht mehr auf der Varietö-Bühne zu arbeiten, sondern in den Handel" zu gehen.
Die goldene Uhr im Kuhmagen.
C. K. Budapest.
3n der ungarischen Stadt Kiskunhalas ist eine merkwürdige juristische Streitfrage Gegenstand vieler Erörterungen. Im Schlachthaus der Stadt wurde vor einiger Zeit eine Kuh geschlachtet, in deren Magen die Schlächter zu ihrer größten
Gern unö frtiöilllg gib Dein Opfer, beim Oer Gammler fleht freiwillig Im vlenste Oer Volks« eemelnfihaft,
den Gegenstand, den sie verschlungen hatte, finden können. Da aber der Fund auf seiner Wiese gemacht sei, so habe er allein ein Anrecht auf ein Drittel des Wertes oder auf die Uhr selbst, falls innerhalb der gesetzlichen Frist der rechtmäßige Besitzer sich nicht gemeldet hätte. Da eine (Einigung zwischen den streitenden Parteien auf friedlichem Wege nicht gefunden werden konnte, so müssen nun die Gerichte sprechen.
Der Bergetziichkeitsrekord von Lyon.
(ak) Lyon.
In Lyon scheint die Menschheit am Gedächtnisschwund zu leiden. Kein Fundamt der Erde hat so seltsame Objekte zu buchen wie dos Fundamt von Lyon. So wurden vor einigen Tagen ein kleiner Grabstein und ein Damenschuh abgeliefert. Den Grabstein hatte jemand in der Straßenbahn und den Schuh eine Frau in einem Kino stehenlassen. Der Grabstein war einem Hund gewidmet, aus sehr gutem Material hergestellt und von einem erstklassigen Bildhauer gearbeitet. Aber der (Eigentümer hat sich nicht gemeldet. Jemand ließ einen großen Käfig mit vier Kanarienvögeln stehen, und holte ihn erst nach fünf Tagen ab. Er versicherte, er habe vollkommen vergessen, daß er einmal Kanarienvögel besaß. Eine Mutter vergaß in einem Caf6 sogar den Kinderwagen mit dem Kind darin. Erst als sie nach Hause kam, merkte sie, daß ihr etwas fehlte. Sie lief nun durch alle Geschäfte und Caf6s, in denen sie an jenem Tag gewesen war. Schließlich entdeckte sie ihren Sprößling im Kinderwagen im letzten Cafshaus, wo sich die Serviermädchen des Kleinen angenommen hatten. „Hebbelfahrt" eines Prager FndustrieUen
(ha) Marienbad.
Auf der Fahrt von Prag über Karlsbad zum Kuraufenthalt nach Marienbad geriet der Kraftwagen eines Prager Industriellen unterhalb des Marienbader Golfplatzes ins Schleudern und schlug um. Der Industrielle, fein Kraftwagenlenker und seine Sekretärin blieben unverletzt. Nur die auf dem Kraftwagen festgemachten Koffer fielen auf die Straße. Solche Fremdenankünfte nennt der Marienbader Volksmund „Hebbelfahrten". Als nämlich Friedrich Hebbel, der Dichter der „Nibelungen", im Juli des Jahres 1854 zum Kuraufenthalt nach Marienbad reifte, kippte auf derselben Straße, unb zwar bei Petschau, der Reisewagen Hebbels um und sein Reisegepäck lag auf der Straße. In diesem Zusammenhänge ist eine von Hebbel selbst nieder- geschriebene (Erinnerung von besonderem Interesse. Nach ihr ist Friedrich Hebbel während seiner ersten in Marienbad verbrachten Nacht aus dem Bett gefallen. Darüber konnte sich der Dichter kaum beruhigen. Er kommentiert dieses Ereignis mit dem Hinweis darauf, daß ein solches sich nicht einmal während feiner Kindesjahre zugetragen habe.
Die hessischen Griinrölke tagten in Darmstadt.
Darmstadt, 21. Okt. (Lpd.) Die Hessische Staatsverwaltung veranstaltete in dieser Woche einen Fort b i ldungskursus für die F o rst- amtsvorstände, bei dem der Leiter der Hessischen Staatsforftoerroaltung, Landesforstmeister Dr. h. c. Hesse, u. a. als Vertreter des Reichsstatthalters Staatsrat Reiner, Oberlandforstmeister Blume vom Reichsforstamt Berlin, Re- gierungsbireEtor Deininger- Speyer, Oberforst- rat Meye r-Stuttgart, Landforstmeisier Dreyer- Kassel, den Rektor Prof. Dr. Baader an der Spitze der Professoren des Forstinstituts der Universität Gießen und Vertreter des Reichsnährstandes begrüßen konnte.
Im Mittelpunkt der Beratungen stand die Bedeutung des Waldes und des Rohstoffes Holz, die in den Vorträgen von Landesforstmeister Dr. h.c Hesse über „Die künftigen Richtlinien für hi< Bewirtschaftung der Staats- und Gemeindewaldun« gen", des Landforstmeisters Dreyer vom Marktordnungsbezirk Kassel über „Die Bedeutung und die Aufgaben der Marktvereinigung der Deutschen Forst- und Holzwirtschaft" und des Oberforstmeisters Rausch-Darmstadt über „Ausbau des seitherigen hessischen Forsteinrichtuhgsverfahrens" nach den verschiedenen Seiten der Erzeugung und des Absatzes bet Herbeiführung eines gerechten Preises beleuchtet wurde.
Anschließend an den Kursus versammelten sich die Mitglieder der Gruppe Hessen des Deutschen Forstvereins in der Technischen Hochschule Darmstadt zu ihrer 26. Versammlung. Oberforstmeister Nicolaus (Gießen) hielt die Bergrü- ßungsansprache. Nach der Erledigung interner Angelegenheiten sprach Landesforstmeister Dr. h. c. Hesse über „Forstpolitische Aufgaben der Gegenwart', wobei er nach einem Ueberdlick über die reichsgesetzliche Neuordnung des deutschen Forst- und Holzwesens auf spezielle hessische Fragen einging, insbesondere auf das interessante Thema der Forstbereinigung. Dr. Klare von der IG.-Farbenindustrie hielt einen Vortrag über „Vistra", die Zellwolle aus deutschem Buchenholz, während Forstmeister Dr. K ü h n h a n z neue Ereignisse aus der Jagd- und Forstwirtschaft schilderte


