Neues für den Büchertisch.
— Shakespeare: Macbeth. Deutsch aus dem Urtext von Walter Jo st e n 109 Seiten. Brosch 2 25 Mark, geb. 3 Mark. Paul Hartung, Verlag, Hamburg. - (268) - Wir haben bereits gelegentlich der Gießener Aufführung von „Maß für Maß" in Jostens Uebersetzung, unter Hinweis auf die im Gleichen Verlage erschienene Emfuhrungsschrlft von Dr Erich Ackermann, darzulegen versucht, woraus Josten in seiner Übersetzung Wert legt, womit er sie der alten, klassischen (von Schlegel, Deck und Baudilsin) gegenüber zu rechtfertigen unternimmt: er erstrebt größere Genauigkeit m der Wiedergabe des alten Textes, Aufhellung dunkler oder schwie- riaer Stellen, Beseitigung von Mißverständnissen; vor allem kam es Josten aus die Erfassung und möglichst getreue Nachbildung des Rhythmus im englisKen Urtext an. Er kann, wie eine genaue Vergleichung der jeweils drei Texte ergibt, sein Unternehmen mit einer Reihe von einleuchtenden Beispielen belegen — für „Macbeth" wäre etwa auf den Monolog der Lady Macbeth (I, 5) in diesem Sinne zu verweisen. Allerdings lassen sich hier und anderwärts, auch in „Maß für Maß", im „Julius Caesar" und in „Romeo und Julia", umgekehrt nicht wenige Stellen beibringen, wo die alte Ueber- setzung ohne Zweifel den Vorzug verdient, vor allem aus sprachlich-dichterischen Gründen; überdies ist zu bedenken, ob eine so vollkommene Angleichung an den Versrhythmus des alten Textes überhaupt wünschenswert sei — möglich ist sie, wie man bei Josten findet, erheblich über die Fassung von Schlegel und Tieck hinaus —, ob nicht vielmehr ein dem deutschen Vers und Sprechton angenäherter und angemessener Rhythmus als eines der Grundziele einer Shakespeare-Uebersetzung zu erstreben sei. (Abgesehen davon, daß man Jostens Fassung, soweit es sich um das rhythmische Prinzip handelt, nur an Hand es Textes, d. h. beim Lesen, nicht am gesprochenen Wort, in der Aufführung also, wird beurteilen und würdigen können.) — Soweit uns bisher eine Vergleichung möglich war, glauben wir sagen zu können, daß sich im Ganzen die alte Übersetzung der Romantiker, deren außerordentliche Bedeutung ja immer wieder, zuletzt auf der Bochumer Shakespeare-Woche, unterstrichen wurde, gerade in solchen Gegenüberstellungen mit einer oft überraschenden Kraft und eindringlichen Sprachgewalt behauptet. Hans Thynot.
— Felix Riemkasten: Die junge Frau Greven. Roman. Preis in Leinen 3,80 Reichsmark. — (284) — Verlag Quelle & Meyer in Leipzig. Das Buch redet in einfacher Sprache von einfachen Dingen. Zwei junge Leutchen heiraten und lernen sich in der Ehe erst kennen. Sie leben nun ihren Tag, und wir haben die Freude am Zuschauen, wie sie die Klippen und Klippchen des Lebens zu nehmen wissen, wie sie eins am anderen ihre Rückenstütze haben und sich nicht fürchten, solange sie einig sind. Der Mann ist ein kleiner
Beamter, hält aber außerhalb der Dienststunden sehr auf das, was er sei „eigentliches Leben" nennt, und dieses Leben ist auf angenehme Art lehrreich. Und dann verstehen sich die beiden einmal miß; einmal geraten sie in die große Welt hinein, im Büro regiert ein schrecklicher Herr Inspektor Lehmann, und eine reiche junge Frau ohne Kind weiß nicht, wohin sie mit der Nerven Unrast soll, und beinahe schlüge hier der Blitz drein. Das Buch meint es sehr ernst, aber durch die Art der Gestaltung gehört es zu den fröhlichen Büchern, die leider so selten sind.
— Stanley Rogers, Kleinsegler des Weltmeeres. Mit 105 Zeichnungen des Verfassers. Preis geheftet 4 Mark, Leinen 5 Mark. Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig. — (257) — Dies Buch beschreibt die abenteuerlichsten und seltsamsten Fahrten, die in den letzten Jahrhunderten auf den breiten Rücken der Ozeane ausgeführt worden sind. Die besondere Sympathie des englischen Verfassers gehört den Männern, die den Kampf mit dem Meeresriesen allein aufnahmen, nur auf die Geschicklichkeit und Kraft ihrer beiden Arme gestellt. Es sind Helden und Käuze in buntem Gemisch: Joshua Slocum, der Mann, der als erster allein um die Erde segelte, Hans Voß, der eine Weltfahrt im Jndianerkanu machte, der Photograph Harry Pidgeon, der eine Jawl nach einem Artikel in einer Zeitschrift baute und damit das Unglaubliche, die Weltumseglung, wahr machte, und der große Tennisspieler Alain Gerbault, der'— mit einer großen Bücherei an Bord — die Meere so langsam wie möglich durchfurchte: „Ich habe es nicht eilig. Ich bin daheim bei meinen besten Freunden — meinen Büchern." Das Buch Stanley Rogers handelt aber auch über unfreiwillige Helden, die, zwischen die kalten Arme Neptuns geraten, sich gegen die zermalmende Kraft des Gewaltigen wehrten. Die vergessenen Abenteuer der Schiffbrüchigen längst versunkener Schiffe sind Beispiele für die Tücken des Blanken Hans und den urewigen Kampf der Menschheit mit ihn. In diesen Erzählungen werden neben englischen und amerikanischen Fahrensleuten auch die Taten der Söhne unseres Volkes gewürdigt, das sich seit jeher, durch Raumnot und Abenteuerlust gedrängt, den Wind aller Meere um die Ohren wehen läßt. Von Paul Müller, der „Von Hamburg nach Amerika für Heimat und Liebste' segelte, über Rudolf Ude mit seinem nur sieben Meter messenden Spitzgatter „Spucht III" und die Kapitäne Kircheiß und Graf Luckner bis zu dem 28jährigen Schiffsoffizier Franz Romer aus Konstanz, von dem die Ueberseedeutschen sagten: „Er ist der beste deutsche Sendbote, ein Gesandter ohne Portefeuille" — künden die Blätter dieses Buches das alte, aber immer wieder schöne Lied vom braven deutschen Seemann. Das Buch besitzt noch einen wesentlichen Vorzug: die Zeichnungen von des Verfassers eigener Hand. Stanley Rogers fuhrt eine
fein charakterisierende und lebendige Feder, die Idylle und Romantik, aber auch olutvolles Geschehen mit wenigen Strichen darzustellen versteht.
— Knud Rasmussen: D i e Gabe des Adlers. Eskimoische Märchen aus Alaska. Ueber- setzung und Bearbeitung von Aenne Schmücker. 210 Seiten mit 8 Bildtafeln und zahlreichen Zeichnungen. Preis 5,80 RM. Societäts-Verlag Frankfurt a. Main. — (299) — Diese Eskimo-Märchen sind eine Auswahl aus den Sagen, der der 1933 verstorbene Polarforscher Knud Rasmussen während der fünften Thule-Expedition in Alaska sammelte. Die Mythen umgreifen das ganze Dasein der Eskimo. Es ist eine Welt von wilder und ursprünglicher Einbildungskraft, die Rasmussen durch seine unermüdliche Sammlerarbeit vor der Vergessenheit bewahrt hat. Die Grenzen zwischen Mensch und Tier, zwischen Geist und Natur fließen in ihr noch ineinander über. Die großartige Vision etwa der Erschaffung der Welt durch den Raben, die Geschichte, wie die Gabe des Feste- feierns durch den Adler den Menschen gebracht wurde, oder wie der Wanderfalke in die Welt auszog, um die Bosheit der Menschen auszurotten, sind von einer überraschenden Kraft des Erlebnisses. Die vorliegende deutsche Ausgabe ist mit Zeichnungen nach eskimoischen Masken, Schnitzereien und in Knochen eingeritzten Bildern ausge- ftattet, in denen die Eigenart und Feinheit dieser Welt eindringlich zum Ausdruck kommt.
— Marja Dombrowska: Die Landlosen. Roman. Uebersetzt von Paul Breiten- k a m p. Broschiert 3,50 Mark, Ganzleinen 5 Mark. Propyläen-Verlag, Berlin. — (302) — Marja Dombrowska erhielt 1933 als erste Frau den polnischen Staatspreis für Literatur. „Die Landlosen" sind 1935 in zweiter Auslage erschienen und haben eigentlich erst bann das volle Verständnis gefunden, als dichterischer Niederschlag einer der brennendsten Fragen des polnischen Volkes. Es geht hier um das Schicksal landloser Arbeiter auf einem Gute in der Nähe von Kalisch. Die große Sehnsucht dieser Menschen ist der Besitz von eigenem Land, und sei es noch so wenig. In der Zeit vor dem Kriege ist, dicht vor den damaligen Reichsgrenzen, die Auswanderung nach Preußen ober über Hamburg nach Amerika die einzig greifbare Hoffnung, dies Ziel zu erreichen, denn bas in der Frembe verdiente Gelb gibt die Möglichkeit, später in ber Heimat das ersehnte Stückchen Land zu kaufen. Im Vorwort sagt Marja Dombrowska, was ihr bei der Gestaltung wichtig mar: ber Versuch, „bem Leben und bem Tob von Elenden Ausdruck zu geben, die manchmal, ein Beweis für den unerschöpflichen Wert des Lebens, trotz allem glücklich find, manchmal gezwungen werden, die Tragik des Lebens bis auf Den Grund zu leeren und auf diesem Grund Freuden entdecken, die den vom Schicksal Bevorzugten unbekannt sind, die das Band, das Menschen und Welt zu einer Einheit schließt, unter den schwersten Bedingungen finden". Wesentlich sind der Dichterin aber weder die äußeren Um
stände, unter denen diese Menschen leben, noch die Zeit vor dem Krieg, in der das Geschehen abläuft, wesentlich ist ihr das Leben selbst. Seine Vielfalt will sie vor uns bei aller Armut und Einsamkeit der Menschen entfalten. Mit behutsamer Hand gestaltet sie Landschaft, Geschehnis und Traum. So hat sie in äußerster Schlichtheit der Sprache die Einmaligkeit ihres Volkes innig und mütterlich liebend gedeutet.
— U-Boote am Feind. Von Werner von Langsdorfs. 45 deutsche U-Boot-Fahrer erzählen. 367 Seiten. Mit 85 dokumentarischen Photos. Seinen 4,40 Mark. C. Bertelsmann, Verlag, Gütersloh. — (291) — 45 deutsche U-Boot-Fahrer erzählen in diesem Ehrenbuche ihrer Waffe von schnei« bigen Taten und kühnen Abenteuern. Was sie berichten, ist in seiner Schlichtheit von zwingender Wucht. Da erzählt Admiral Arnauld de la Pe° riere, damals Kapitänleutnant, der mit fast einer * halben Million versenkter Feindtonnage den Rekord hält; da berichtet Otto Hersing, von dem Hindenburg sagt, er habe als einziger Seeoffizier dem Weltkrieg eine entscheidende Wendung gegeben, von den Taten seines Bootes in den Dardanellen. Da ist des gefallenen Saltzwedel Schilderung seines siegreichen Gefechtes mit der U-Boot-Falle des gefürchteten Campbell. Wir lesen im Tagebuche Weddigens und mit Erschütterung von den Todesfahr- ten der Flandernflottille. Und wie sie alle nebeneinander ihre Pflicht taten, so erzählen sie auch hier nebeneinander: Kommandanten mit bem Pour le mSrite unb schlichte Matrosen, Wachoffiziere und einfache Maschinisten. Packend, spannend und erschütternd ist das Buch dem Leser ein starkes Erlebnis.
— Will Vesper: Geschichten von Liebe, Traum und Tod. Gesamtausgabe meiner Novellen. 389 Seiten. In Lehnen gebunden 5,50 Mark. Verlag Albert Langen-Georg Müller, München, 1937. — (307) — In diesem Buche, in dem Will Vesper seine sämtlichen Novellen gesammelt hat, wird eine Welt der Träume und der Wirklichkeiten heraufbeschworen, die von den Tagen längst versunkener Jahrhunderte herüberreicht bis in die jüngste Zeit. Die alte Weise von Freundschaft, Liebe und Tod klingt auf, wie sie zu allen Zeiten gesungen wurde, und schlägt uns aufs neue in ihren Bann. Ernst und Strenge waltet über den kühnen Mannestaten, die vom wahren Heldentum erzählen, Witz und Humor begleitet die zärtlichen unb ergötzlichen Abenteuer ber Liebenden, und in die Fülle köstlicher Schelmenstreiche tönt die Stimme überschäumender Heiterkeit. Es gibt wenige Bücher, in denen sich Leichtes und Schweres so gut die Waage halten wie hier. Jede dieser Geschichten, mag sie nun erheitern und fröhlich stimmen oder zu stiller Besinnung und Sammlung rufen, hat ihren eigenen Reiz, jede erweist sich als das Zeugnis eines weit- und menschenerfahrenen dichterischen Geistes.
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Für Speisezwecke wird statt Natureis besser entkeimtes Kunsteis verwendet. Eis zerkleinert sich leicht, wenn man einen Nagel hineintreibt. Eis ist im Haushalt unentbehrlich für Kühlschränke, es wird ebenfalls zur Herstellung von Gefrorenem (Speiseeis) benötigt.
Eisbeutel, Eummibeutel, mit Eisstückchen und Wasser gefüllt, zweckmäßig mit Kochsalzzusatz, auf abzukühlende Hautstellen gelegt. Wird angewandt bei Entzündungen, Kopfschmerzen und bei anderen, vom Arzt angegebenen Fällen.
Eisen, Schwermetall, das leicht rostet, wird je nach der Verarbeitung als Gußeisen, Schmiedeeisen oder Stahl bezeichnet. Neuerdings wird Eisen durch Zusatz von Nickel oder Mangan rostfrei gemacht, ebenso werben Klingen aus Stahl durch Überziehen mit Chrom, Nickel und Zinn sowie Eisenbleche durch Emaillieren vor Rost geschützt. Eisengerät wird mit Sand und Soda oder Metallputzlappen gereinigt, Rostflecke an Eisenteilen entfernt man mit Petroleum und Schmirgelpapier.
Eisenbahn. Die Eisenbahn braucht bei Verlust oder Beschädigung eines beförderten Gutes nur den gewöhnlichen Handelswert zu ersetzen, nicht z. B. den Kunst- oder Altertumswert, außer wenn der Absender sein höheres Jnteresie in dem Frachtbrief angegeben hat (Zuschlag!). Die Eisenbahn hat für gewisse Güter Normalsätze festgesetzt,
nach denen sie einen Schaden vergütet. Die Bahn haftet nicht für den Schaden, der durch die Beschaffenheit des Gutes verursacht ist, z. V. für das Schwinden bei Früchten, inneren Verderb usw., ober wenn der Schaden auf äußerlich nicht erkennbare Mängel der Verpackung zurückzuführen ist. Bei erkennbar mangelhafter Verpackung haftet die Bahn nur in gewissem Umfang. Für Kostbarkeiten, Geld und Wertpapiere haftet die Bahn überhaupt nicht, außer es ist der Wert bei Aufgabe angegeben. Für Güter, die entgegen den Beförderungsbedingungen der Bahn aufgegeben wurden, haftet die Bahn überhaupt nicht. Rerse- gepäck (Passagiergut) muß binnen acht Tagen nach Ankunft des Zuges abgeholt werden, sonst haftet die Bahn bei Verlust nicht mehr. Wird das Reisegepäck nicht rechtzeitig abgeliefect, so muß die. Bahn den nachweisbaren Schaden ersetzen, wenn das Interesse an der rechtzeitigen Ablieferung angegeben ist, sonst ersetzt die Bahn pro Kilogramm und Tag RM. —.20. Für Handgepäck haftet die Bahn nicht. Bei Personenschaden (Tötung, Verletzung des Körpers) haftet die Eisenbahn ebenfalls für den Schaden, außer wenn der Verletzte selbst an dem Schaden schuld ist oder wenn höhere Gewalt (z. B. Blitzschlag) die Verletzung versucht hat.
Eisengarn, sehr fester, imprägnierter und mit Stärke gesteifter Vaumwollzwirn, der für Futterstoffe verwendet wird.
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