Ausgabe 
23.9.1937
 
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Nr. 222 Erstes Blatt

187. Jahrgang

Donnerstag, 23. September 1937

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Deutschland erwartet Samstag den BesuchMuffolmis

Duce und Führer werden am Dienstag auf einer Kundgebung auf dem Berliner Maifeld zum deutschen Volke sprechen.

Dr. Goebbels an die Berliner.

Ein Ausruf des Reichspropagandaministers zum seitlichen Empfang des Duce

Berlin, 22. Sept (MB.) Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda und Gau­leiter der Reichshauptstadt Dr. Goebbels richtet folgenden Aufruf an die Berliner B e- völkerung:

Am Montag, dem 27. September, wird Benito Mussolini, der Duce des italienischen Volkes und Ches seiner Regierung, als Gast des Führers für drei Tage zu einem Staatsbesuch in der Hauptstadt des Dritten Reiches eintreffen.

Mit großer Genugtuung begrüßt die ganze Berliner Bevölkerung diese historische Zu­sammenkunft zweier Männer, deren geschichtliches Wirken für Gegenwart und Zukunft von einzig­artiger Bedeutung ist. Die Berliner Bevölkerung ist von tiefer Freude erfüllt angesichts der Tatsache, den Schöpfer des jungen faschistischen Italien, den Freund des deutschen Volkes, für die Ehre seines Besuches begeisterten Dank ab- statten zu können. Er wird, dessen sind wir alle gewiß, in Berlin von einer Welle des Ju­bels empfangen und von der Liebe und Zuneigung des ganzen Volkes umgeben sein.

Vom Montag, dem 27. September, bis einschließ, lich Mittwoch, den 29. September, soll Berlin ein Flaggenmeer sein. Die Fahnen des faschi­stischen Italien werden neben denen des Dritten Reiches wehen. Ganz Berlin wird den beiden Männern huldigen, die, aus der Tiefe ihrer Völker kommend, auch wahrhafte Führer ihrer Völker geworden find

Ihren glanzvollen Höhepunkt aber werden die Berliner Festtage auf einer großen Kundgebung am Dienstag, dem 28. September, auf dem Ber­liner Maifeld einschließlich des Olympia­stadions finden, auf der der Duce Benito Musso­lini und der Führer Adolf Hitler das Wort ergreifen. Auf Anordnung des Führers bleiben an diesem Tage in Berlin alle Betriebe mit Ausnahme der lebenswichtigen geschlossen. Für alle Berliner Berufs- und Handelsschulen wird schulfrei angeorbnet. Die Schulferien der ande­ren Schulen sind vorverlegt worden.

Viereinhalb Millionen Berliner sollen Gelegen­heit haben, Zeugen eines Ereignisses zu sein, das zu den glanzvollsten und bedeutsamsten der Ge­schichte der Reichshauptstadt zählt.

Der Reichsminisier

für Volksaufklärung und Propaganda und

Gauleiter der Reichshauptstadt Dr. Goebbels.

Das Programm für den Besuch in München.

München, 22. Sept. (DNB.) Vor Pressever­tretern äußerte sich Gauleiter Staatsminister Adolf Wagner über die Veranstaltungen aus Anlaß des Besuches des Duce in der Hauptstadt der Be­wegung. Mussolini werde hier als der Grün­der Und Führer des Faschismus Adolf Hitler als Gründer und Führer des Nationalsozia­lismus besuchen. Deshalb werde auch die Partei die Trägerin der Münchener Veranstaltungen sein. Der Führer werde an der Spitze sämtlicher Reichsleiter der Partei den italienischen Gast am Samstag auf dem Hauptbahnhof be­grüßen. Adolf Hitler und Mussolini werden dann im Führerhaus die leitenden Persönlichkeiten der Partei empfangen. Sämtliche führenden Män­ner der Bewegung sowie hervorragende Wissen- fchaftler, Künstler und Wirtschaftler werden am Nachmittag im Hause der deutschen Kun st versammelt fein.

Aus der Fahrt von der Landesgrenze, wo der Duce Samstag früh eintrifft, bis nach München werden auf allen Bahnhöfen die Forma­tionen der Partei und die Schuljugend Mussolini begrüßen. Nach der Ankunft in München schrei­tet der Duce zunächst die Fronten der Ehren­formationen ab, die von den Wehrmachts­teilen und den nationalsozialistischen Formationen gestellt werden. Darauf fährt er mit dem Führer zum Prinz-Earl-Palais, wo der baye­rische Ministerpräsident Siebert den Duce willkom­men heißt. Von hier aus stattet Mussolini etwas später in Begleitung von Rudolf Heß dem Führer einen offiziellen Besuch in der Privat­wohnung Adolf Hitlers ab. Nach einiger Zeit begibt sich Mussolini zu den Ehrentem­peln, wo ihn der Führer empfängt. Anschließend besucht er das Braune Haus, wo der Schöpfer des Faschismus die Toten der nationalsozialistischen Bewegung ehren und Kränze niederlegen wird. Es folgen Besuche im alten Braunen Haus und im neuen Verwaltungsgebäude. Im Führerhaus

findet sodann ein Frühstück im kleinen Kreise statt. Gleichzeitig ist die Führerschaft der Partei Gast des Oberbürgermeisters im Kasino und im Alten Rat­haussaal. Im Führerhaus wird dann Adolf Hitler dem Duce die Führerschaft der Partei vorstellen. Nach diesem Empfang erfolgt auf dem König­lichen Platz der Vorbeimarsch aller Par­teiformationen Nach der Rückkehr Mussolinis in das Prinz-Earl-Palais stattet der Führer dem Duce einen Gegenbesuch ab Von hier be­geben sich beide in das Haus der deutschen

K u n st, wo der Führer seinem Gast die große Deutsche Kunstausstellung zeigen wird. Mit einem Empfang in der Ehrenhalle des Hauses der deutschen Kunst schließt der Tag.

Gauleiter Adolf Wagner hat aus Anlaß des Besuches des Duce einen Aufruf an die Bevölke­rung der Hauptstadt der Bewegung gerichtet, in dem sie aufgefordert wird, alles dazu zu tun, damit die Stadt München den Schöpfer des neuen Italien in ihrem schönsten Festkleid empfängt.

Berlin schmückt sich für den Besuch des Duce.

W

In der Reichshauptstadt sind die Vorbereitungen für den Besuch Mussolinis im Gange. Links: Auf dem Pariser Platz tragen große Säulen abwechselnd das Hoheitszeichen des Faschismus, das Liktorenbündel, und das Hoheitszeichen des Nationalsozialismus, den Adler mit ausgebreiteten Schwingen und das urnkränzte Hakenkreuz. Rechts: Der 42 Meter hohe Fahnenturm auf dem Adolf-Hitler-Platz, der mit den Hoheitszeichen der beiden befreundeten Staaten geschmückt ist. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Sonderfeiettage für Berlin und München.

Berlin, 22. Sept. (DNB.) Die Reichsregierung hat aus Anlaß des Besuches des Königlich-Italieni­schen Regierungschefs Benito Mussolini das folgende Gesetz beschlossen: Der 25. September 1937 oder der an dessen Stelle vom Reichsminister des Innern zu bestimmende Tag ist für die Hauptstadt der Bewegung, München, der 28. September 1937 oder der an dessen Stelle zu bestimmende Tag ist für die Reichshauptstadt Berlin Feiertag im Sinne des Gesetzes über die Feiertage vom 27. Februar 1934. (RGB I S. 129.) Die für den 1. Mai geltenden Vorschriften über Lohn­zahlung finden an den oben bezeichneten Tagen für die Hauptstadt der Bewegung München und die Reichshauptstadt Berlin entsprechende An­wendung.

Oie öffentlichen Gebäude flaggen im ganzen Heich.

Berlin, 22. Sept. (DNB.) Der Reichsminister des Innern gibt folgendes bekannt:

Auf Anordnung des Führers und Reichskanzlers flaggen aus Anlaß des Besuches des italienischen Regierungschefs Benito Mussolini die öffent­lichen Gebäude i m ganzen Reichsge­biet von Samstag, dem 25. September, bis Mitt­woch, dem 29. September. Auf öffentlichen Gebäu­den und Plätzen, die Empfangs- oder Ab­schiedszwecken dienen, kann neben den im Runderlaß des Reichsministers des Innern vom 14. Dezember 1935 (MBliVg S. 503) vorgesehenen Flaggen d i e italienische Flagge gesetzt werden.

1500 Faschisten Gäste der Deutschen Arbeitsfront in Berlin.

Berlin, 22 Sept. (DNB.) 1500 in Deutsch­land lebende Faschisten, darunter 250 Jung faschistinnen und 250 Avantgardisten, kommen nach Berlin, um hier den Duce zu begrüßen. Reichs- leiter Dr. Ley hat die Auslandsorganisa­

tion der DAF. beauftragt, für die Unterbrin­gung und Verpflegung der italienischen Gäste zu sorgen. Die Jungfaschistinnen sind im Berliner Haus der Jugend untergebracht. Die Avant­gardisten wohnen im Friesenhaus auf dem Reichs­sportfeld.

Botschafter von Haftel zum Besuch Mussolinis.

Berlin, 23. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der Vertreter des Deutschen Reiches in Rom, Botschaf­ter von Hassel, veröffentlicht aus Anlaß des Mussolini-Besuches in der NSK einen Beitrag, in dem es heißt:

Als Mussolini vor einigen Monaten das Wort von der Achse Rom Berlin prägte, da war es sicher nicht seine Absicht, den großen Vorrat politischer Schlagwörter ourch ein neues zu ver­mehren. Aber die Tatsache, daß sich diese politische Parole Mussolinis in so außerordentlicher Weise den Gemütern eingeprägt hat, ist der b e ft e B e - weis dafür, daß der Duce mit dieser anschau­lichen Bezeichnung einen Begriff blitzartig beleuch­tet hat, der im wahren Sinne des Wortes eine Realität darstellt.

Diese Realität besteht darin, daß das italienische und das deutsche Volk, verbunden durch eine ver­wandte politische Grundauffassung und durch lebens­wichtige gemeinsame politische Interessen, bedroht durch die gleichen Gefahren und erfüllt von dem­selben Willen zur Selbstbehauptung, Rücken an Rücken stehen, um ihren Platz an der Sonne und ihre gemeinsamen Ideale zu verteidigen. Sie sind entschlossen, sich aus dieser ihrer Stellung nicht verdrängen zu lassen, aber sie sind gleichzeitig bereit, in die Hände aller derer einzuschlagen, die zu fruchtbarer Zu­sammenarbeit gewillt sind. Das Zusam­mentreffen zwischen Führer und Duce ist bestimmt, das Wort von der Achse BerlinRom in seiner wahren Bedeutung vor aller Welt zu veranschau­lichen und wirksam zu bekräftigen.

Auf Anordnung Mussolinis wird vom 29. Oktober ab, dem ersten Tage des Jahres XVI der faschisti­schen Zeitrechnung, die Opera Nazionale Balilla unmittelbar der Partei unter- stellt. Alle faschistischen Jugendverbände werden in die Giooentu Jtaliana del Littorio eingegliedert.

Wir grüßen hen Duce!

Wenn zum Wochenende der Erneuerer Italiens und Gründer des faschistischen Imperiums den Boden unseres Vaterlandes betritt, dann begrüßen wir in dem Gast des Führers nicht nur den großen Staatsmann, den Repräsentanten einer defteunde- ten Nation, sondern auch den hervorragenden Menschen, den Volksmann Benito Mus­solini. Denn dieser Staatsbesuch mag wohl ein internationales Ereignis sein, den unser Verstand, unsere Lebensanschauung und unser politisches Interesse gutheißen. Er mag darüber hinaus Tat­sachen schaffen, deren weltgeschichtliche Bedeutung unserem Stolz schmeichelt. Aber was diesem Führer- treffen seinen bleibenden Wert und seine besondere Note verleiht, das ist doch nicht das äußere Ge­pränge der Empfänge und glänzenden Paraden, nicht die politische Wirkung einer großen Staats­aktion, sondern die persönliche Anteilnahme des deutschen Volkes an dem Lebenswerk des Duce, die hörbar in den Begeisterungsstürmen der jubeln­den Menge mitschwingen wird. Wir sehen in dieser machtvollen Demonstration der Achse BerlinRom vor allem auch eine feierliche Bekundung des Ge­fühls der Bewunderung, der Freundschaft und Zu­neigung für eine einzigartige Persönlichkeit. Wir begrüßen den hohen Gast nicht aus Gründen be­rechnender Vernunft, sondern aus der Tiefe unseres Herzens. Wir freuen uns auf feinen Besuch

Gefühle sind oft nicht erklärlich, aber, wenn sie echt sind, meist dauerhafter und fester als die Ueber- legnngen der Tagespolitik, die sonst bei internatio­nalen Begegnungen und Konferenzen Pate zu stehen pflegen. So ist uns der Mann, der die Geschicke der italienischen Nation lenkt, schon durch seine menschlichen Eigenschaften Vorbild und Bürge jener neuen menschlichen Gemeinschaftsideale, die auch der Nationalsozialismus auf feine Fahne geschrieben hat. Und in diesem Falle befinden wir uns auch in der glücklichen Lage, unsere Gefühle, unser inneres Verhältnis zu Mussolini begründen zu können. Denn was den Duce uns so nahegebracht hat, das sind gerade jene charakteristischen Merkmale und Eigenheiten, die trotz des andersartigen völkischen Temperaments auch den Lebensweg, die Natur und das politische Glaubensbekenntnis des Führers auszeichnen.

Beide Männer, Mussolini und Hitler, stammen aus einfachen Verhältnissen, kommen aus der Tiefe des Volkes und steigen ganz aus eigener Kraft zur höhe des Lebens empor. Beide Männer kämpfen als einfache Soldaten für ihr Vaterland, beide zeichnen sich im Weltkrieg durch ungewöhn­liche Tapferkeit aus und erleiden die schwersten Verwundungen. Beide erkennen nach dem Waffen­stillstand mit gleicher Schärfe die Verfallserscheinun­gen der alten Weltordnung und ihre Ursachen. Beide beginnen unabhängig von einander und ohne gegenseitige Kenntnis ihren Völkern ein neues Lebensideal zu predigen. Beide schaffen sich als unbekannte Heimkehrer eine eigene politische Kampfbewegung, beide werden verfolgt, verhaftet und unterdrückt von den herrschenden Mächten.

Aber die verblüffende Ähnlichkeit dieser Lebens­schicksale findet in dem äußeren Erfolg, in der Ver­wirklichung ihrer politischen Ziele zunächst keine Entsprechung. Schwerer als das italienische Volk, das sich 1918 auf der Seite der Sieger sieht, ist das durch den moralischen, wirtschaftlichen und politi­schen Zusammenbruch erschütterte deutsche Volk für die revolutionäre Idee des nationalen Sozialismus zu gewinnen. Auch die äußeren Machtverhältnisse liegen jenseits der Alpen günstiger als bei uns So kommt es, daß Mussolini zehn Jahre früher als Adolf Hitler die Macht im Staate erobert. Aber trotz des weltanschaulichen Gegensatzes, der in die­sem Zeitraum zwischen den Regierungen in Berlin und Rom besteht, stellt sich der Duce in großen internationalen Fragen auf die Seite Deutsch- l a n nb s , tritt für die Gleichberechtigung des Reichs und die Revision des Versailler Diktates ein.

Mussolini ist sich selber und seinen poliHien Ueberzeugungen durch alle Wechselfälle internatio­naler Auseinandersetzungen stets treu geblieben Die damaligen Machthaber in Berlin freilich wissen mit den italienischen Angeboten nichts anzufangen . In jener Zeit", so schreibt Adolf Hitler,faßte ich die tiefste Bewunderung für den großen Mann südlich der Alpen, der in heißer Liebe zu seinem Volke mit den inneren Feinden Italiens nicht paktierte, son­dern ihre Vernichtung auf allen Wegen und mit allen Mitteln erstrebte. Was Mussolini unter die Großen dieser Erde einreihen wird ist die Ent­schlossenheit, Italien nicht mit dem Marxismus zu teilen, sondern, indem er den Internationalismus der Vernichtung preisgab, das Vaterland vor ihm Zu retten. Wie jämmerlich zwergenhaft erscheinen dagegen unsere deutschen Auch-Staatsmänner, und wie muß einen der Ekel würgen, wenn diese Nul­len mit ungezogenster Eingebildetheit sich unter­stehen, den tausendmal Größeren zu kritisieren."

Dieses Urteil aus dem Kampfbuch des Führers blieb in Deutschlnd unvergessen, es wurde hundert­fach gerechtfertigt und bildet seit 1933 endlich auch die Grundlage einer neuen europäischen Politik. Sehr bald nach dem nationalsozialistischen Umbruch beginnt die d e u t s ch ° i t a 1 i e n i s ch e Zusam­menarbeit, und schon im Sommer 1934 treffen sich zum erstenmal die beiden Männer, in deren Hände das Schicksal die Führung des neuen Europa