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Nr.l8 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Freitag, 2?.Zanuar 1937
Genossenschaften im Dienste des Volkes.
den Mitgliedern zu jeder Stunde unter die Arme greifen zu können. Abteilungsleiter Cloon von der Bäuerlichen Hauptgenossenschaft sprach dann über
Bezirksbesprechung und E>chulunqsiagung des ländlichen Rhem-Mam-Reckar.
Gestern fand im vollbesetzten Saale des Case Leib zu Gießen eine Versammlung statt, an der die Träger des ländlichen Genossenschaftswesens, hauptsächlich Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder, sowie die Rechner vieler dörflicher Genossenschaften unseres Heimatbezirks teilnahmen. Bei der Versammlung handelte es sich um eine Bezirksbesprechung, zu der vom Ländlichen Genossenschaftsverband Rhein—Main—Neckar (Frankfurt a. M.) eingeladen worden war. Gleichzeitig galt die Besprechung als Schulungstagung. Der Geschäftsführer des Genossenschaftsverbandes, Fendt (Frankfurt am Main), begrüßte die Teilnehmer und sprach dann über das Thema:
„Stellung und Bedeutung des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens im nationalsozia
listischen Staat."
Der Redner erweiterte das Thema, indem er gleichzeitig die Bedeutung des Genossenschaftsverbandes im Rahmen des Reichsnährstandes würdigte. Er betonte, daß den Genossenschaften die große Aufgabe gegeben sei, tatkräftig mitzuhelfen an der Sicherung der V o l k s e r n ä h r u n g aus eigener Scholle. So berichtete er zunächst über die Steigerung der Erzeugung in den vergangenen beiden Jahren und hob hervor, daß die erhöhten Leistungen nur durch die Zusammenfassung aller Kräfte im Reichsnährstand möglich wurden.
Nachdem der Redner die Gliederungen des Reichsnährstandes und ihre Aufgabengebiete erläutert hatte, stellte er die Wichtigkeit der Genossenschaftsarbeit im Dienste der Volksgemeinschaft heraus, wie sie Reichsminister Dr. Schacht eindeutig darlegte. Anschließend gab Geschäftsführer Fendt einen Ueberblick über die Organisationsform und das Ausmaß der Genossenschaften in Deutschland und wies auf den großen Umfang und die Bedeutung der landwirtschaftlichen Genossenschaften innerhalb des gesamten deutschen Genossenschaftswesens hin. Sodann ließ er an* Hand vieler Zahlen das Ausmaß der Tätigkeit des Genossenschaftsoerbandes Rhein-Main- Neckar erkennen. Der Verband bestand am 31. Dezember 1935 aus 2932 Genossenschaften, zum gleichen Zeitpunkt des Jahres 1936 gehörten ihm 29 5 2 Genossenschaften an.
Den Kreditgenossenschaften waren Ende 1931 113 643 und Ende 1935 117 199 Mitglieder angeschlossen. Die Bilanzsumme bei den Kreditgenossenschaften belief sich Ende 1931 auf 150 Millionen, Ende 1935 auf 163 Millionen Mark, hat sich also um 8,6 v. H. erhöht. Der Gesamtumsatz sämtlicher Kreditgenossenschaften betrug 1931 643 Millionen, 1935 97 Millionen Mark mehr, also 740 Millionen Mark. Die Spareinlagen erhöhten sich von rund 88 Millionen Mark im Jahre 1931 auf 102,5 Millionen Mark Ende 1935. Die ge-
Die Bezungs- und Absatzgenossenschaften umfaßten Ende 1932 484 Genossenschaften mit 14 824 Mitgliedern und Ende 1935 513 Genossen- währOm Kredite stiegen von 1931 mit 123 570 600 Mark auf 137 100 000 Mark zu Ende 1935, also um 11 o H.
schallen mit 49 783 Mitgliedern. Die Umsätze im Warenbezug stiegen von 1932 mit 14,7 Millionen am 16,9 Millionen RM. zu Ende 1935. Im Warenabsatz stieg der Umsatz von 5,9 Millionen RM zu Ende 1932 auf 11,8 Millionen RM Ende 1935. Der Warenbezug betrug umgerechnet auf hie einzelne Genossenschaft, durchschnittlich 28 575 RM. (oder pro Mitglied 292 RM.), im Jahre 1035 aber 32 970 RM. (oder pro Mitglied 340 RM ). Diese letzteren Zahlen lassen besonders
die Anstrengungen erkennen, die die Bauern in der ersten Erzeugungsschlacht gemacht haben. Für das einzelne Mitglied war also eine Aufwands- steigerung von 16 v. H. zu verzeichnen.
Außer den 513 Bezugs- und Absatzgenossenschaften befassen sich noch etwa 750 Kreditgenossenschaften mit dem Warenverkehr, sie haben im Jahre 1935 für 12,3 Millionen RM. landwirtschaftliche Bedarfsstoffe und für etwa 4,6 Millionen RM. landwirtschaftliche Erzeugnisse abgesetzt, so daß die Kreditgenossenschaften und die Bezugs- und Absatzgenossenschaften im Jahr 1935 für insgesamt 45,6 Millionen RM. Waren an ihre Mitglieder abgesetzt haben. Durchweg seien die Zahlen, die die Bilanz des Verbandes aufzeigt, erfreulich. — In grundsätzlichen Ausführungen sprach der Redner dann über die
Ausgaben der Genossenschaften in den Dörfern und betonte, daß es notwendig sei, daß sich die Genossenschaften allenthalben in den ländlichen Geld- und Warenverkehr einschalten. Der Redner äußerte sich noch über die Kreditgewährungen bei den Kreditgenossenschaften und über die Arbeit in den Bezugs- und Absatzgenossenschaften. An zahlenmäßigen Gegenüberstellungen wurde den Zuhörern bewußt, in welch hohem Ausmaß die Genossenschaften im Rahmen der Erzeugungsschlacht dien st bar waren. Erfreulich war die Mitteilung, das sich aus den Uebersichten des Genossenschaftsverbandes klar erkennen lasse, daß die Marktordnungen den Bauern finanziell gestärkt haben. Schließlich gab der Redner noch einen Ueberblick über die Entwicklung der Winzergenossen- schasten, der Obst- und Gemüseabsatzgenossenschaften, der Molkereigenossenschaften und der Dreschgenossen- schaften. Die Viehverwertungsgenossenschaften bedürften noch tatkräftiger Förderung. Abschließend wies Geschäftsführer Fendt darauf hin, daß es den Genossenschaften, entsprechend nationalsozialistischem Geiste nicht darauf an- fommen könne zu verdienen sondern zu dienen.
Das zweite Referat der Tagung hielt Oberrevisor Holzhey (Frankfurt a M ). indem er über
„Genossenschaftliche Gegenwartsfragen" sprach. Er gab Ausschlüsse über Zinsberechnungen, über die Führung^von Sparkonten, über die Ausfüllung der Bilanzformulare, über die Form und das Ausmaß der Warenrückvergütung, er referierte über das Reichsgesetz für Kreditwesen, über die Voraussetzungen der Rückzahlung von Spareinlagen und gab zu alledem klare Ausdeutungen der gesetzlichen Bestimmungen. Er erinnerte ferner an die vorbildlichen Bestimmungen über die Höchstgrenze der Kreditgewährung an einzelne Mitglieder und machte darauf aufmerksam, daß diese Bestimmungen sehr scharf gehandhabt werden.
Oberrevisor Hartmann (Gießen) sprach anschließend über
Aufgaben und Pflichten der Vorstands- und Anfstchtsratsmitqlieder
In sehr lebendiger Meise umriß er die praktische Arbeit in der Genossenschaft auf dem Dorfe und gab viele Anregungen für die reibungslose Zusammenarbeit aller Beteiligten. Er stellte besonders die hohe Verantwortung heraus, die die Mitglieder des Vorstandes und des Aufsichtsrates für die Genossenschaft zu tragen haben Gr erläuterte ferner die Voraussetzungen, die gegeben sein müssen für die Mitarbeiter in der Genossenschaft und forderte zu genossenschaftlicher Treue auf Der Redner sprach dann davon, daß er Anlaß habe, auf den Kreis
Genoftenschastsverbandes
Gießen stolz zu fein. Abschließend betonte er, daß die Führung der Genossenschaft nur der wahrhaften Persönlichkeit, die im Dorfe alles Ansehen und Vertrauen genieße, übertragen sein könne.
Genossenschaftsrevisor Grünewald (Frankfurt a. M.) berichtete bann über die Werbung für das Genossenschaftswesen und erinnerte vor allem an den schönen Erfolg, den der nationale Staat den Genossenschaften brachte. Vorbildlich für alle Genossenschaften im Verband sei in Beuern Sparwerbung betrieben worden. Abschließend gab der Redner noch Aufschluß über die Arbeit mit den Schulsparkassen.
Nach der Mittagspause sprach zunächst Direktor F l e i n e r t von der Bäuerlichen Hauptgenossenschaft über das
„Genossenschaftliche Warengeschäft"
Er behandelte besonders die Getreide- und die Mehlbeschaffung, den Ankauf und die Verteilung von Futtermitteln, die Neuordnungen auf dem Gebiete des Umschlags der Düngemittel und die Finanzierung des Düngemittel-Ankaufs. Der Redner sprach von dem großen Umsatz an Schädlingsbekämpfungsmitteln, der sehr erfreulich sei. Großen Wert habe der Genossenschaftsverband auf die Einrichtung von Maschinen-Ersatzteil-Lager gelegt, um
„Futterversorgung", insbesondere über die Versorgung mit Eiweißfutter- mitteln aus eigenen Quellen. Auch gab er die neuen Verordnungen über die Verteilung vorhandener Futtermittel bekannt Anschließend berichtete er über die Flachsrösterei Stockheim und gab davon Kenntnis, daß das Flachs-Anbau-Soll in unserer Landesbauernschaft von 1000 auf 1200 Morgen erhöht werden soll. Direktor E i d m a n n von der Landesbauernkasse sprach ausführlich über das
„Genossenschaftliche Geldgeschäft", gab eine übersichtliche Auslegung gesetzlicher Bestimmungen und zeigte die vielfältigen Aufgaben, die den Genossenschaften hier gegeben sind und die sie in Zukunft zu erwarten haben. Er gab den Vertretern der Genossenschaften wertvolle praktische Anregungen für ihre Arbeit in den Dörfern. Er ermahnte vor allem zu großer Sorgfalt in der Kreditgewährung, da die Liquidität wichtiger sei als die Rentabilität
Nachdem Abteilungsleiter I a j m e noch über Ent fchuldungs fragen gesprochen hatte, nachdem ferner Herr Zimmermann von der Lan- desbauernkasse noch über den Verkehr mit Wechseln und über Devisenanordnungen, sowie über die Zusammenarbeit her Genossenschaften mit der Landes- bauernkasse Aufschluß gegeben hatte, schloß Oberrevisor Hartmann (Gießen) die arbeitsreiche Tagung mit der verpflichtenden Ermahnung, es auch in Zukunft an einsatzbereiter Arbeit für Volk und Führer nicht fehlen zu lassen. Mit dem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer Adolf Hitler klang die Versammlung aus.
Aus der proviuzialhaupistadi.
Fasnacht oder Fastnacht?
„F a st n a ch t" verrät der Kalender. Von den ersten Fastnachtsbräuchen und Veranstaltungen berichten in diesen Tagen alle Zeitungen. „Fastnacht" meint gemeinhin der Gebildete sagen und schreiben zu müssen; „Fastnacht" steht m Wörterbüchern und Nachschlagewerken, und der Setzerlehrling hält es vielleicht für einen Schreibfehler, wenn einmal im Aufsatz „Fasnacht" statt „Fastnacht" erscheint. Die für einschlägig geltenden wissenschaftlichen Werke berichten meist, daß „Fastnacht" eben „Fastennacht" wäre, bringen dafür mittelalterliche Belege, wie „vastnaht" und „Nebenformen" wie „Vasnaht". Aehnlich soll das spätmittelalterlich feststellbare va- schanc, aus dem sich unser ,Fasching" entwickelt haben dürfte, einen „Fastenumzug", ,,Fastgang" zum Ausdruck bringen.
Unb doch gibt die Frage nach Herkunft und Bedeutung des Wortes einiges zu denken! Wie so oft — und es fei einmal ganz dahingestellt, unter welchen weltanschaulichen Einflüssen dies geschah — ist hier der schriftdeutsche Ausdruck als mangelhafte Uebertragunq aus der Volkssprache entstanden. Und die sog. mundartlichen „Nebenformen", die man im Volke für die „Fastnacht" kennt, die Ausdrücke wie Fasnet, Fasenacht, Faslabend usw. sind nicht etwa verstümmelte ober „abgesunkene" Abwandlungen fchriltdeutschen Wortes, sondern sie sind das Ursprüngliche und bringen den Ursinn des Wortes auch noch unverfälscht zum Ausdruck. Denn nichts in ihnen deutet — ebensowenig wie im alten Vasnaht und vaschanc — auf eine Beziehung zum (kirchlich verordneten) Fasten hin! Hat ja doch schließlich der ganze Inhalt und Brauch der heutigen Fasnacht auch nichts mit dem Fasten zu tun; vielmehr stammen diese Feste im Vorfrühling aus heidnischer Ueberlieferung, was nicht zuletzt daraus einwandfrei hervorgeht, daß sie von der frühen Kirche in Germanien verboten und mit hoher Strafe bedroht wurden. Auch die Bezeichnung
macht" für das Fest (vgl. Weihnachten) weist auf den germanischen Ursprung hin.
Was soll nun aber die „Fasnacht" bedeuten? Es gibt ein altes deutsches Wort „vaselen", das im Mittelhochdeutschen in der Bedeutung von „gedeihen", „fruchten" vorkommt, zusammenhängt mit mhd. vasen — gedeihen, sich fortpflanzen, Wurzelschlagen und heute noch in Zusammensetzungen roie- Faselvieh (Zuchtvieh), Faselschwein (Zuchtschwein), oder auch in volkstümlichen Ausdrücken wie „faf- seln" bzw. „faseln" für vermehren auftritt. („Unrecht Gut faselt nicht.") Die Grundbedeutung hängt also mit dem Begriff der Fruchtbarkeit zusammen. Die Zeit her Fasnächte, Fasenächte ober Faselnächte war ja auch von Anfang an bie Zeit im Jahre, in her alle Natur zu neuer Fruchtbarkeit erwacht, in der sich bas neue Leben entfaltet unb neue frühlinolmste Lebenskraft sich auszuwirken beginnt. Natürlich 'ft diese Zeit nicht auf einen einzigen Tag beschränkt, unb bas ganze Fasnachtsbrauchtum verteilt sich hoch auch heute noch auf mehrere Wochen. Auch bie kirchliche Einrichtung eines einzigen Fastenbeginntages vermochte bie Festzeit nicht zu beschränken'
Die unserer volkseigenen Ueberlieferungswelt entsprungenen Fasnachtsbräuche bringen in ihren Sinnbildern unb Hanblungen bas Erlebnis bes neuen, erwachenden Lebens klar genug zum Ausdruck unb stellen auch ben Menschen unb feine Lebensgestaltung in eine klare Beziehung zu der ewig gültigen Ordnung der Natur, wobei seine Lebensfreude und Daseinsbejahung freilich in Geqrniatz zu den kirchlichen Vorschriften des Fastens unb b»r Enthaltung zu stehen kommen. Unter dieser Betrachtungsweise erhielte auch unser „Fasching", das alte „vaschanc", eine überzeugendere Erklärung: es entstand nicht aus einem Umzug zum „Fasten",
Wn Merund sein Programm
Zum bevorstehenden Klavier-Konzert.
Menn man den Pianisten Edwin Fischer voll würdigen will, so kann man nicht umhin, seine Persönlichkeit in die Betrachtung mit einzubeziehen, denn erst von diesem Gesichtswinkel aus läßt sich seine eigenartige Erscheinung in der deutschen Musikwelt verstehen unb begreifen; Mensch unb Künstler linb bei ihm zu untrennbarer Einheit verwachsen.
Der nun 50jährige entstammt väterlicherseits einer deutsch-böhmischen Instrumentenbauer familie, bie schon seit Generationen her Musik verhaftet war. Da der Vater früh verstarb, gewann die Mutter aus einem mufiffreubigen Schweizer Hause entscheiden- den Einfluß auf bie Entwicklung des jungen Edwin, der bereits mit vier Jahren am Klavier saß. Obwohl für ihn die Laufbahn des ausübenden Musikers vorgesehen mar, ließ die Mutter durch einen gründlichen Schulbesuch das Fundament zu einer notwendigen Allgemeinbildung legen; der Musik widmete er sich an her Musikschule Basel. In dem regen privaten Musikleben der Stadt versah er in Liebhabervereinigungen schon als 14jähriger den Generalbaßpart in den Merken des Barockzeitalters. Als 18jähriger siedelt er mit der Mutter nach Berlin über und bringt hier in langen Studienjahren mit nachhaltiger Förderung durch Martin Krause, Eugen d'Albert, Busoni und An sorge seine Ausbildung zum Abschluß, und nach 12jähriger strenger Schulung tritt er bann vor die Oeffentlichkeit.
Man hat Edwin Fischer als einen spezifisch deutschen Klaviermeister bezeichnet, unb bas mit vollster Berechtigung; benn Musizieren ist ihm nicht Mittel zum Zweck, sondern notwendige Lebensäußerung. Er hat das Wort geprägt: „Wahrheit unb Leben soll in her Musik sein — helfen und stärken soll die Kunst." Stets ist er sich der hohen Verantwortung bewußt in der persönlichen Strenge und Gesetzmäßigkeit seiner Lebensführung. „Aber alles Studieren schafft es, alles Talent, aller Fleiß nicht allein, wenn nicht das ganze Leben danach eingestellt ist, ein Mittler großer Gedanken und Empfindungen zu werden. 3ebe Tat, ja, jeher Gedanke hinterläßt feine Spuren in her Persönlichkeit. Man lebe so, daß sich bie Reinheit bis auf ben Bissen erstreckt, ben man zum Munde führt. So vorbereitet, wird sich jenes Etwas einstellen, das unlehrbar ist, jene Gunst der stillen Stunde, da der Geist des Komponisten zu uns spricht, jener Moment des Unbewußten, des Sich-selbst-Entrucktseins. Nennen Sie es Intuition, Gnade — da losen sich
alle Bindungen, alle Hemmungen schwinden. Sie fühlen sich schwebend. Man fühlt nicht mehr: i ch spiele, sondern e s spielt, und siehe, alles ist richtig; wie von göttlicher Hand gelenkt, entfließen die Melodien Ihren Fingern; es durchströmt Sie, und Sie lassen sich von diesen Strömen tragen, und Sie erleben in Demut das höchste Glück des nachschaffenden Künstlers: nur noch Medium, nur Mittler zu
fein zwischen dem Göttlichen, dem Ewigen und ben Menschen."
Bach unb Beethoven sinh ihm hie Angelpunkte seines Wirkens, bie ihm staubig neue Lebenskräfte zuführen unb ihn befähigen, seine Hörer innerlich haran Anteil nehmen zu lassen. Dabei sinh ihm bie geistige Welt unb bie persönliche Empfm- bungswelt bes Schaffenben beftimmenb.
Die Zeit ist noch gar nicht lange her, wo man bie rein sachliche Betrachtung unb Darstellung bes Werkes als Ziel hinstellte unb in hem Begreifen her genialen Werkkonstruktion sich genügen ließ. Wie Ebwin Fischer Bach erfaßt wissen will, spricht er bezeichnend in her Vorrehe zur Neuausgabe von Bachs „Wohltemperiertem Klavier" aus, nämlich im schöpferischen Sinne bas wahre Wesen bes Stückes zu erraten, zu begreifen unb lebenbig dar- zustellen; eine Beschäftigung, bie bei her Erhaben- jheit bes Stoffes, her Größe bes Bachschen Geistes
bie Seele bilbet unb oerebelt, bie mit her Zeit uns eine Weltanschauung vermittelt unb zu jenem inneren Friehen führt, her zu ben höchsten Gütern bes Erbenbaseins gehört." Es erscheint barum be- sonbers bezeichnenb für bie Auffassungsart Ebwin Fischers, baß er zwischen zwei Bachsche, ursprünglich für Cembalo gebachte Werke, bas Choralvor- spiel aus hem „Orgelbüchlein" von Joh. Seb. Bach einschaltet. „O Mensch, bewein bein Sünde groß", in dem Bach in so knapper und doch so zwingender Weise den tiefen Gehalt religiösen Erlebens ein- fängt durch eine ausdrucksstark koloriert abgewandelte Führung der Melodie und eine tiefgründige Durchgestaltung der Begleitstimmen.
Von gleichen Grundsätzen bestimmt ist Fischers Stellungnahme zu Beethoven. „Ich spreche vielleicht vermessen; aber ich habe folgenden Eindruck: Wir sind zu fein geworden, zu gebildet. Wir wissen von Beethoven so viel, aber die Vulkane, die gebärend in ihm kreißten, die Sonnen, die ihm leuchteten, die Schreie, die ihm das Herz zerrissen — sie leuchten uns nicht. Und hier liegen die Quellen der Zukunft —: vergeßt Klavier,' Stil, Erziehung, Wissen, und erlebt Beethoven, orgelt, geigt, pfeift, paukt, singt wieder auf dem Klavier, holt die ganze Welt wieder aus dem Schattenreich der Notenzeichen ins lebendige Licht herauf!"
Diesen Beethoven uns nahe zu bringen mit seiner vielseitigen Größe der Ausdruckswelt, scheint kaum ein Werk geeigneter als die Variationen über ben Walzer von Diabe 1 li op. 120. Der Verleger - Komponist Diabelli hatte für ein Sammelwerk österreichischer Komponisten Beethoven um einen Beitrag gebeten, unb einmal im Zuge, wuchs sich diese Variationenfolge zu gigantischer Größe aus. Das Werk fällt in die Zeit zwischen der Missa und der Neunten Symphonie. Es möchte scheinen, als habe hier Beethoven all die Möglichkeiten in der Ausschöpfung eines Themas in der Bindung an den instrumentalen Rahmen des Klaviers bis zum letzten sich dienstbar machen wollen unb hat in feiner Art uns ein ähnliches Werk gegeben, wie es seinerzeit her späte Bach in seiner „Kunst her Fuge" her Mit- unb Nachwelt als Problem Hinstellte.
Hans von Bülow bezeichnet bie Variationen „als ben Mikrokosmos bes BeetHovenschen Genius überhaupt, als ein Abbilb her ganzen Tonwelt im Auszuge. „Alle Evolutionen bes musikalischen Denkens unb her Klangphantasie — vom erhabensten Tiefsinn bis zum verwegensten Humor — in unvergleichbar unerreichbarer Mannigfaltigkeit, gelangen in biefem Werk zur berebteften Erscheinung. Unerschöpflich ist bas Stubium herseiben, unaufzehr- bar bie in seinem Inhalte hem musikalischen Hirne
ganzer Generationen gebotene Nahrung." Unb in der Tat, Beethoven faßt hier noch einmal alle bie überkommenen Möglichkeiten her Variations>'unst zusammen unb weist anbererfeits mit her Kraft her Durchdringung bes Thematischen über feine eigene Zeit hinaus, unb zeichnet in genialer Schau bie Wege vor, für bie fommenben Meister her Klanier- öariationen bis zu Brahms unb Mar R e a e r. Ein epochales Werk, bas stellenweise an ben letzten Ausdrucksgrenzen bes Klaviers rüttelt, ja, in feinem geistigen Gehalt unb in feiner abstrahierenden TMe über bas rein Klangliche hinausstößt in eine qeist'g musikalische Sphäre, bie dem nachspürenden ausübenden Künstler immer wieder neue Probl'me stellt, die mit technisch-musikalischem Könn-m allein nie ganz gelöst werden können, sondern sich mir dem eröffnen, der die Kraft in sich fühlt, Beethovens Geist und Seele zu begreifen und nachzuerleben
Während Beethoven in den Diabelli-Nariatio- nen alle Gebilde quasi aus einer Keimzelle, dem Thema heraus entwickelt, stellen die 24 Präl u - dien (op. 28) von Chopin eine Sammlung van Augenblickseingebungen dar, die vielleicht nicht einmal in einer Zeitperiode entstanden waren. Er mag sie in seiner Skizzenmappe als gelegentliche Entwürfe aufbewahrt haben, um sie später einmal verarbeiten zu können. Was ihm von ben vielen Erfindungsmomenten her bedeutungsvoll erschien, wurde in op. 28 zusammengefaßt, fei es. daß lich die erste Aufzeichnung nicht als Grundlage ein^r größeren Arbeit weiter auswerten ließ, fei es daß der Schaffende nicht wieder die Einaangsstimmung einfangen konnte, in der er das erstmalige Erlebnis hatte. Jedem der 24 einzelnen Stücke ist aber die unmittelbare Ursprünglichkeit des Urentwurfs eigen und dementsprechend ist auch jeder einzelne Teil individuell gepräot und durchleuchtet von dem Eigencharakter der 12 Dur- und 12 Moll-Tonarten.
Die letzte Verarbeitung dieses Opus hat Chopin gelegentlich seines Erholungsaufenthaltes in Majorca (1839) vorgenommen Die romantische Umgebung des Karthäuser Klosters dort mag noch in manchen dieser äußerst stimmungsgebundenen musikalischen Einzelbilder widerhallen, und manches Legendenhafte hat man zur Erläuterung dazu heran- oetragen. Robert Schumann bezeichnete die Präludien als merkwürdig: „Gestehe ich, daß ich sie mir anders dachte und wie seine Etüden im größten Stil aeführt. Beinahe das Gegenteil; es sind Skizzen, Etüdenanfänge, oder will man, Ruinen, einzelne Adlerfittiche, alles bunt und wild durcheinander. Aber mit feiner Perlenschrift steht in jedem der Stücke: .Friedrich Chopin fdjrieb’s" — man erkennt ihn in den Pausen am heftigen Atmen. Er ist und bleibt her kühnste und stolzeste Dichtergeist der Zeit." Dr. Hermann Hering.


