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22.1.1937
 
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187. Jahrgang

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Hjalmar Schacht.

Zum 60. Geburtstag des Reichsbank- Präsidenten und Reichswirtschastsministers.

Von Dr. Karl Wellthor.

Als im Februar 1929 der Poung-Aus- sch u ß in Paris zusammentrat, war es fast eine Sensation, daß die Vertreter Deutschlands qleich- terechtigt zugelassen waren. Einer der beiden Haupt- »ertreter auf der damaligen Pariser Reparations- 'unferenz war der Reichsbankpräsident Dr. Hjalmar Schacht, der heute seinen 60. Geburtstag begeht. C-5 erregte damals Aufsehen, daß der Vertreter des vchuldnerlandes nichts von jener Weichlichkeit und Übertriebenen Zurückhaltung zeigte, die einem auf Revision feiner Verpflichtungen plädierenden Schuldner so wohl gestanden hatte. Die Art, wie Dr. Schacht Deutschlands Interessen zu vertreten

(Scherl-Bilderdienst-M.)

x efonnen war, trat schon auf der ersten Sitzung im tzotel Georg V. zutage. Man erzählt sich darüber »lgende Einzelheit: Der Vorsitzende des Ausschusses, Ver Amerikaner Owen D. P o u n g, hatte seine Er- iiffnungs» und Begrüßungsansprache auf Englisch gehalten. Es erhob sich die Frage, ob eine Ueber- setzung in die anderen Konferenzsprachen Deutsch, französisch und Italienisch notwendig sei. Die Der- neter Italiens und Deutschlands verzichteten, der Hauptvertreter Frankreichs nicht. Da erhob sich Dr. schacht und übersetzte Poungs Rede aus dem Steg- reif sinngetreu vom Englischen ins Französische. Line bloße Anekdote, aber kennzeichnend für die Schnelligkeit, mit der Dr. Schacht Situationen er- ,aßt, das Gesetz des Handelns an sich reißt und »eine Fähigkeiten in den Dienst einer Sache stellt. Vorher und nachher haben zahlreiche führende Männer des Auslandes die Erfahrung gemacht, » der damalige und heutige Reichsbankpräsident in kentnisreicher, schlagkräftiger und willensstarker Verhandlungspartner ist.

Zweimal ist Schacht Reichsbankpräsident geworden: im Herbst 1923 und im Frühling 1933. Oie Inflation war im Jahr 1923 im Sturmschritt vorwärtsgerückt. Die Mark war fräs Papier nicht mehr wert, auf dem die 100 Millionen- und Mil- iiardenscheine gedruckt wurden. Der von der Reichs- : egierung eingesetzte Währungskommissar Dr. Hjal- nar Schacht hatte, wie Helffeöich die Renten- I nart proklamiert, eine Gold- und eine Dollar- ... »chatzanleihe liefen in kleinen Stücken als Zahlungs- j mittel um und behaupteten ihren Wert. Das Wun­der der Rentenmark wurde Wirklichkeit. Strenge ' Steueroerordnungen auf Grund weitgehender Er­mächtigungen schafften die sich auftürmenden Hin­dernisse aus dem Weg. Es waren die einzigen heroi- | ichen Monate seit Beendigung des Weltkrieges. Ein großer Teil der Ehrungen, die das deutsche Volk inb das Ausland der gelungenen Währungsstabili- * nerung erwies, fiel Dr. Schacht zu. Geliebt haben »ie damaligen Machthaber in Deutschland den gra- »en, kantigen und energischen Mann an der Ecke ver Jager- und Oberwallstraße zu Berlin nicht. Aber sie haben ihn in erster Linie als Verhandlungs- V Partner benannt, als der erste Reparationsplan, »er Dawesplan, nach vierjähriger Dauer notlei­dend, wurde, und als sich die Glaubigermächte ent- chlossen, den auf zweieinhalb Generationen berech- ' Neten Zahlungsplan zu revidieren. Schacht hat nach monatelanger Verhandlung in Paris seinen Rück- tritt aus dem Poung-Ausschuß erklärt und alles Aufgeboten, den mit gefährlichen politischen Fuß­engeln versehenen, wie sein Vorgänger unmöglichen Zahlungsplan zu Fall zu bringen. Dabei ist Dr. Schacht selbst im April 1930 zu Fall gekommen rnd hat sich unfreiwillig drei Jahre lang der Be- virtschaftung seines märkischen Waldgutes ge- vidmet.

Schachts felbstverleugnende Arbeitsenergie und int) sein Führerinstinkt paßten gut zu dem Geist, ler mit dem Umschwung vom 30. Januar 1933 in Deutschland zur Herrschaft gelangte. Bereits wenige Wochen nach der Machtergreifung durch den Na- tonalsoziatisrnus berief ihn der Führer und Reichs- lanzler aufs Neue an die Spitze der Reichsbank. Schacht hat diesen Posten seither inne und hat Ende ftuli 1934 dazu noch kommissarisch die Leitung des H e i ch s w i r t s ch a f t s rn i n i st e r i u rn s über- rommen. Er ist in diesen bald vier Jahren seiner Mitarbeit im neuen Deutschland derselbe entschie- lene Kämpe in Auseinandersetzungen mit Gegnern lraußen und drinnen gewesen wie in den Jahren

Auflösung des Reichstags inIapan.

Der Angriff der Seiyukai.

Tokio, 21. Jan. (DNB.) Im Gegensatz zum Oberhaus, das die Erklärungen des Ministerpräsi­denten, des Außenministers und des Finanzmini­sters mit Ruhe aufnahm, unternahm im Abgeord­netenhaus die Seiyukai einen lärmenden Vor­stoß und begleitete die Rechenschaftsberichte der Minister mit Zwischenrufen. Der Vertreter dieser Partei H a m a d a , griff besonders den Kriegs­minister T e r a u ch i an und behauptete, daß die Reform der Wehrmacht entgegen der An­sicht des Kriegsministers noch lange nicht durchge­führt worden sei, da der Einfluß des Mili­tärs auf die Politik gegenwärtig stärker denn je fei. Eine Entgegnung des Kriegsministers führte zu einem scharfen Zusammenstoß mit Ha- mada. Nach Abschluß der Debatten wurde -eine Kabinettssitzung abgehalten. Ministerpräsi­dent Hirota hielt darauf dem Kaiser Vortrag. Kurz danach wurde bekanntgegeben, daß das Par­lament auf Vorschlag des Kabinetts und mit Ge­nehmigung des Kaisers auf drei Tage ver­tagt worden ist. Als Begründung hierfür wird der scharfe Zusammenstoß zwischen dem Kriegsminister und der Seiyukai genannt.

Das Verlangen des Heeres.

Tokio, 22. Jan. (DNB. Funkspruch.) Das Parlament ist am Freitag früh zu einer wichtigen Sitzung zufammengetreten, um eine Lösung der Krise zu finden, die aus dem Zusammenstoß zwi­schen den Parteien und dem Kriegsminister wäh­rend der Reichstagssihung am Donnerstag ent­standen ist. Der Sprecher bestätigte die Nach­richt, daß die Wehrmacht in ultimativer Form d i e Auflösung des Reichstages ver­langt, da ihr die weitere Zusammenarbeit mit den im Reichstag vertretenen Parteien unmöglich erscheint. Falls die Auflösung des Reichstages in­folge des wider st andes der im Kabi­nett vertretenen Parteimini ft er nicht durchzusehen sein sollte, verlangt die Wehrmacht den Rücktritt dieser vier Ittimfter und ihre Ersetzung durch Wanner, die parteipolitisch nicht gebunden sind, um mit Hilfe eines solchen umgeformten Kabinetts die Reichstagsauflösung durchzusehen.

Die Agentur Domei und Extrablätter der hiesigen Zeitungen melden bereits als Beschluß der Kabi- nettssihung die Auflösung des Reichs­tages. Die politischen kreise beurteilen die Auf­lösung als Sieg des Standpunktes der Wehrmacht, find aber der Auffassung, daß diese Auflösung den verschieden st en Entwicklungs- Möglichkeiten Raum gibt.

Auch in dem modernen nach westlichen Vorbildern gestalteten japanischen Verfassungsstaat spielen der Reichstag und die parlamentarischen Parteien nur eine sehr untergeordnete Rolle, die durch den wach­

senden Einfluß der Armee auf den politischen Kurs noch mehr beschränkt ist. Die Jahre 1931 bis 1936 waren durch ein stetiges Schwächerwerden der poli­tischen Staatsführung gekennzeichnet. Eine Folge davon waren nutzlose Kämpfe mit den Parteien, gegenüber denen die Wehrmacht auf rasche außen­politische Entscheidungen drängte. Die Spannungen entluden sich in dem bekannten Putsch der jungen Offiziere vom 26. Februar 1936, dem das K a - binett Hirota ein Ende machte. Der Kriegs­minister T e r a u ch i griff energisch durch und ver­mied damit einen erneuten Zusammenstoß, der sich aus der Verschärfung der Gegensätze zwischen den aktivistischen stark sozialistisch eingestellten Kreisen der Armee, verstärkt durch zahlreiche rechtsradikale Verbände und dem liberalistisch-kapitalistischen Sy­stem der politischen Parteien und des Bürokratis­mus zwangsläufig ergeben hätte.

Der im Februar neu gewählte Reich strng, in dieSeiyukai mit 174 Sitzen nach derMinfeito

(205 Sitze) die zweitstärkste Partei ist, stellte sich ursprünglich bedingungslos hinter das Kabinett Hi­rota. Aber die außerordentlich hohen finanziellen Anforderungen, die die Wehrmacht an den Rüstungs­haushalt stellt, gaben bald wieder Anlaß zu scharfer Opposition gegen die Regierungspolitik. Das will an sich für die politische Lage Japans nicht sehr viel bedeuten, da der Reichstag nur einmal im Jahre für drei Monate Zusammentritt (vom 25. De­zember bis etwa zum 20. März) und von dieser Zeit noch etwa ein Drittel auf Feiertage entfällt. Eine Auflösung des Parlaments gehört in Japan durchaus nicht zu den Besonderheiten. Politische Ent­scheidungen von Bedeutung fallen außerhalb des Parlaments, das außerhalb des Rahmens der Haus­haltsbewilligung und der Gesetzgebung keinerlei Rechte besitzt und namentlich keinen Anspruch hat, in militärischen oder außenpolitischen Dingen gehört zu werden. Und diese nehmen in der japanischen Politik i heute durchaus den Vorrang ein. L.

nationale Erfolge vor Madrid und Malaga.

Bolschewistisches Munitionslager in die Lust geflogen.

Salamanca, 22. Jan. (DNB. Funkspruch.) Nationale Bombenflugzeuge wiederholten ihren be­reits am Vortage erfolgreich durchgeführten Angriff auf die wichtigsten bolschewistischen Stellungen b e i Valdemorillo und Colmenarefe an der Madrider Front. Riesige Explosionen sowie ein großer Brandherd zeigten an, daß in Valdemorillo ein bolschewistisches Munitionslager als Folge der nationalen Bombenabwürfe in die Luft geflogen ist.

Im Abschnitt Universitätsstadt erfolgte in den Morgenstunden des Donnerstag abermals ein heftiger Gegenangriff der Bolfche- w i ft e n. Legionäre und Marokkaner ließen die Banden bis an wenige Meter vor der vordersten Grabenlinie herankommen und verursachten ihnen durch Handgranaten und Maschinengewehre so schwere Verluste, daß sie nach kurzer Zeit zurück wichen. Auch die im Madrider West - park liegenden nationalen Streitkräfte wiesen einen bolschewistischen Gegenangriff erfolgreich zurück und verfolgten die Angreifer bis in ihre eigenen Grabenlinien.

Der nationale Heeresbericht meldet die Festigung der nationalen Frontabschnitte in der Provinz Malaga und die Säuberung der in den Bergen van Ronda gelegenen Ortschaften von verspreng­ten bolschewistischen Horden. Ferner wurde die Ver­bindung zwischen den einzelnen nationalen Vor­huten hergestellt. Die nationalen Truppen erbeute­ten umfangreiches Material, darunter Lastkraft­wagen, Lebensrnittel, Vieh und Sanitätsmaterial. Am Donnerstag gelang es Kavallerie, in einem kühnen Durchbruchsversuch bis zu den Schützengräben vorzudringen, die sich rings um Malaga ziehen. Das stete Pordringen der nationalen Truppen steigert die Nervosität der Bolschewisten. DerGouverneur" von Malaga rief in einer er­

regten Ansprache über den Sender in Malaga alle Bolschewisten zu den Waffen. Er mußte zugeben, daß die Stadtin Höch st er Gefahr sei und die Nationalen vor Malaga eine ähnliche Lage geschaffen hätten wie vor Madrid. Alle wehr­fähigen Einwohner hätten da die Pflicht, zu ver­hindern, daß der Gegner auch nur einen Fuß in die Stadt setze.

Die Bolschewisten bestreiten das Asylrecht.

Senf, 21. Ian. (DNB.) Der V ö l k e r b u n d s- r a t begann seine 96. Tagung unter dem Vorsitz des chinesischen Vertreters Wellington Koo. Bei Festsetzung der Tagesordnung entwickelte sich eine längere Aussprache über den chilenischen An­trag, demzufolge der Völkerbundsrat sich mit dem Schicksal der Flüchtlinge in den Madri­der Gesandtschaften beschäftigen solle. Der Vertreter" der Valencia-Bolschewisten wider­setzte sich der Aufnahme dieses Punktes in die Tagesordnung und wurde dabei, wie nicht anders zu erwarten war, von Litwinow-Finkel- ftein unterstützt. Litwinow-Finkelstein be­hauptete, daß ein Asylrecht in der von Chile und dem ganzen diplomatischen Korps in Madrid gel­tend gemachten Form niemals bestanden habe.

Der chilenische Vertreter Edwards konnte dem­gegenüber nachweisen, daß die früheren spanischen Regierungen das Asylrecht i n der gleichen Weise ausgefaßt hätten, wie es Chile jetzt in Anspruch nehme. Das Ergebnis der Aussprache war, daß die Asylfrage nur als Neben­frage der auf der Tagesordnung stehendenh u - maniküren Angelegenheiten des spani­schen Bürgerkrieges" (Bericht der Hygiene-Kommis­sion) erörtert werden soll.

1929 und 1930. Unendlich oft hat eine geschäftige ausländische Gerüchtemacherei ihn totgesagt. Die (Ehrungen, die dem Sechzigjährigen zum 22. Januar 1937 entgegengebracht werden, sind ein wirkungs­volleres Dementi als irgendeine Presseberichtigung seines Rücktritts. Adolf Hitler und seine nächsten Mitarbeiter haben dem tüchtigen und tatenfrohen Mann ihr Vertrauen unverändert erhalten.

Die letzten vier Jahre der Schachtschen Amts­führung find nicht minder segensreich gewesen als die ersten 6% Jahre. Schacht übernahm eine trau­rige Erbschaft. Eine Reihe großer deutscher Banken war notleidend geworden. Der Zustrom ausländi­schen Kapitals nach Deutschland war versiegt. Ein wilder Run der Gläubiger kurzfristiger Darlehn hatte nur durch einen Akkord dieStillegung" , auf ein leidlich erträgliches Maß gemildert wer­den können. Die Gold- und Devisenreserven der Reichsbank waren bis auf einen Rest aufgezehrt. Schachts Warnung vor den Gefahren einer gedan­kenlosen Auslandverschuldung waren buchstäblich in Erfüllung gegangen. Mit nicht mehr zu überbieten­der Eindringlichkeit hatte Dr. Schacht seit seinem Wiedereinzug in die Reichsbank Deutschlands Gläu­biger für langfristige Anleihen beschworen, nicht nur im deutschen Interesse, sondern auch im eigenen Interesse und zu Nutz und Frommen der Weltwirt­schaft in eine Revision ihrer Zins- und Tilgungsan­sprüche zu willigen oder dafür zu sorgen, daß Deutschlands Warenausfuhr sich auf einen sehr viel höheren Stand hob. Die Verhandlungen schlugen fehl, da niemand mit Opfern und Verzichten - vor- angehen und nicht zuletzt auch, da mancher sich der Macht der unbefriedigten Gläubigers auf rein Mi­schern Gebiet bedienen wollte. Es hätte Schachts Natur widersprochen, wenn er sich damit abgefun­den und der Auspowerung Deutschlands durch die Gläubiger ihren Lauf gelassen hätte. Mitte 1934 verkündete Schacht ein befristetes Ueberweisungs- moratorium.

Seitdem spielt sich eine Auseinandersetzung ab, die es verhindert, daß alle internationalen Kräfte zur Ueberwindung der Weltkrise einheitlich ver­wendet werden. Die Länder, denen gegenüber Deutschland im Warenaustausch Ueberschüsse erzielt und die gleichzeitig seine Gläubiger sind, setzten gegenüber Deutschland Verrechnungsabkommen durch, durch die ein Teil der deutschen Ueberschüsse zur

Einlösung von Gläubigerforderungen und zur Ab­tragung alter Warenschulden einbehalten wurde. Deutschland antwortete im September 1934 mit der Inkraftsetzung desNeuen Plan s", durch den jede Einfuhr genehmigungspflichtig gemacht wurde. Gleichzeitig wurde die schon vorher wieder eingeführte Devisenbewirtschaftung ver­schärft. Eine weitere Konsequenz der gespannten außenwirtschaftlichen Lage ist zwei Jahre später die Verkündigung des zweiten Vierjahres­plans durch den Führer und Reichskanzler ge­wesen. Schacht war unermüdlich tätig, die deutsche Ausfuhr anzuregen und Deutschlands Anteil am internationalen Warenaustausch nicht absinken zu lassen. Diese Bemühungen sind trotz der unvermin­dert gespannten Devisenlage erfolgreich gewesen.

In den letzten Monaten hat der nunmehr Sechzig- jährige der an Beweglichkeit und Unterneh­mungsfreudigkeit es mit Dreißigjährigen voll auf­nimmt, eine starke und eindrucksvolle Werbung für eine Wiederbeteiligung Deutschlands an kolo­nialer Wirtschaft eingeleitet. Er hat die Län­der im Südosten unseres Erdteils und im nahen Orient auf Flugreisen besucht und sich aus eigenem Augenschein ein Bild von den dort für uns gegebe­nen Wirtschaftsmöglichkeiten zu> verschaffen versucht. Er hat sich um die Beseitigung des vertragslosen Zustandes zwischen Deutschland und Frankreich be­müht und seine persönlichen Beziehungen sowie sein Verhandlungsgeschick in den Dienst dieser wichtigen Aufgabe gestellt. Was Schacht im Dezember des vergangenen Jahres in einem Vortrag zu Frank­furt und in einer amerikanischen Zeitschrift zur Uebertragung kolonialer Erschließungsrechte an Deutschland sagte, hat jenseits unserer Grenzen durchaus nicht nur feindselige Ablehnung erfahren. Die Stimmen mehren sich, daß Dr. Schacht, der als betonter Wirtschaftler keinerlei politischer Neben­absichten verdächtig ist, nicht nur eine billige For­derung erhebt, sondern damit auch im Interesse des Weltfriedens und der Weltwohlfahrt spricht.

Schacht ist Sohn eines Geschäftsmannes aus der Nordmark. Er ist gelernter Kaufmann, Wirtschafts- Organisator und Bankier. Er hat wie jeder tüchtige Mann, an exponiertem Posten warme Freunde, aber auch entschiedene Gegner. Er kann gewinnend liebenswürdig, aber auch zäh und unerbittlich sein. Er ist keinbequemer" Mann. Er trägt persönliche

Dinge nicht nach und gehört auch nicht zu jenen, die ihr Ohr vor ernsten Absichten anderer ver­schließen. Er ist der gegebene Eckart der deutschen Währung gewesen. In diesen Tagen kommen an den führenden Mann in der Reichsbank und im Wirtschaftsministerium zahlreiche aufrichtige Wünsche heran, daß er noch lange seine Aemter so tatkräf­tig verwalten möge, wie er es bald vierzehn Jahre zum Nutzen des deutschen Volkes und der deutschen Wirtschaft getan hat.

*

Hjalmar Horace Greely Schacht ist 1877 in Tinglest (Schleswig) als Sohn des Kaufmanns William Schacht und seiner Ehefrau Konstanze, ge­borene Freiin von (Eggers, geboren. Er besuchte von 1886 bis 1895 das Johanneum in Hamburg und studierte in Berlin, München, Leipzig, Paris und Kiel Germanistik und Nationalökonomie; 1899 promovierte er in Kiel zum Dr. phil. 1903 über­nahm er die Leitung des volkswirtschaftlichen Büros der Dresdner Bank. 1908 wurde er stellvertretender Direktor. 1914 und 1915 war er finanz- und wäh­rungspolitischer Berater des Generalgouvernements Brüssel. 1916 trat er als Vorstandsmitglied bei der Nationalbank für Deutschland ein; 1922 wurde er Geschäftsinhaber der Darmstädter und National- bank. Am 12. November 1923 wurde er Reichs- währungskommissar, am 22. Dezember 1923 Präsident des Reichsbankdirek­toriums und führte als solcher die Stabilisierung der Mark durch. Bekannt ist sein Kampf gegen die ungesunde Ueberhohung der Auslandskredite und gegen den wirtschaftlichen Widersinn der Repara­tionszahlungen. Am 2. April 1930 legte er, da er mit der damaligen deutschen Reparationspolitik nicht einverstanden war, sein Amt als Reichsbank-

9er Führer will Eden antworten.

Berlin, 21. Jan. (DNB.) Bekanntlich hat sich der englische Außenminister Eden in seiner Rede am 19. Janauar insbesondere mit Deutschland beschäftigt. Wie derVölkische Beobachter" erfährt, hat sich der Führer und Reichs­kanzler die Beantwortung dieser Rede, soweit sie auf Deutschland Bezug hat, s e l b st vorbehalten.