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187. Jahrgang
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Hjalmar Schacht.
Zum 60. Geburtstag des Reichsbank- Präsidenten und Reichswirtschastsministers.
Von Dr. Karl Wellthor.
Als im Februar 1929 der Poung-Aus- sch u ß in Paris zusammentrat, war es fast eine ■ Sensation, daß die Vertreter Deutschlands qleich- ■ terechtigt zugelassen waren. Einer der beiden Haupt- »ertreter auf der damaligen Pariser Reparations- 'unferenz war der Reichsbankpräsident Dr. Hjalmar Schacht, der heute seinen 60. Geburtstag begeht. C-5 erregte damals Aufsehen, daß der Vertreter des vchuldnerlandes nichts von jener Weichlichkeit und Übertriebenen Zurückhaltung zeigte, die einem auf Revision feiner Verpflichtungen plädierenden Schuldner so wohl gestanden hatte. Die Art, wie Dr. Schacht Deutschlands Interessen zu vertreten
(Scherl-Bilderdienst-M.)
x efonnen war, trat schon auf der ersten Sitzung im tzotel Georg V. zutage. Man erzählt sich darüber »lgende Einzelheit: Der Vorsitzende des Ausschusses, Ver Amerikaner Owen D. P o u n g, hatte seine Er- iiffnungs» und Begrüßungsansprache auf Englisch gehalten. Es erhob sich die Frage, ob eine Ueber- setzung in die anderen Konferenzsprachen Deutsch, französisch und Italienisch notwendig sei. Die Der- neter Italiens und Deutschlands verzichteten, der Hauptvertreter Frankreichs nicht. Da erhob sich Dr. schacht und übersetzte Poungs Rede aus dem Steg- reif sinngetreu vom Englischen ins Französische. — Line bloße Anekdote, — aber kennzeichnend für die Schnelligkeit, mit der Dr. Schacht Situationen er- ,aßt, das Gesetz des Handelns an sich reißt und »eine Fähigkeiten in den Dienst einer Sache stellt. — Vorher und nachher haben zahlreiche führende Männer des Auslandes die Erfahrung gemacht, »aß der damalige und heutige Reichsbankpräsident in kentnisreicher, schlagkräftiger und willensstarker Verhandlungspartner ist.
Zweimal ist Schacht Reichsbankpräsident geworden: im Herbst 1923 und im Frühling 1933. Oie Inflation war im Jahr 1923 im Sturmschritt vorwärtsgerückt. Die Mark war fräs Papier nicht mehr wert, auf dem die 100 Millionen- und Mil- iiardenscheine gedruckt wurden. Der von der Reichs- : egierung eingesetzte Währungskommissar Dr. Hjal- ‘ nar Schacht hatte, wie Helffeöich die Renten- I nart proklamiert, eine Gold- und eine Dollar- ... »chatzanleihe liefen in kleinen Stücken als Zahlungs- j mittel um und behaupteten ihren Wert. Das Wunder der Rentenmark wurde Wirklichkeit. Strenge ' Steueroerordnungen auf Grund weitgehender Ermächtigungen schafften die sich auftürmenden Hindernisse aus dem Weg. Es waren die einzigen heroi- | ichen Monate seit Beendigung des Weltkrieges. Ein großer Teil der Ehrungen, die das deutsche Volk inb das Ausland der gelungenen Währungsstabili- * nerung erwies, fiel Dr. Schacht zu. Geliebt haben ’ »ie damaligen Machthaber in Deutschland den gra- »en, kantigen und energischen Mann an der Ecke ver Jager- und Oberwallstraße zu Berlin nicht. Aber sie haben ihn in erster Linie als Verhandlungs- V Partner benannt, als der erste Reparationsplan, »er Dawesplan, nach vierjähriger Dauer notleidend, wurde, und als sich die Glaubigermächte ent- chlossen, den auf zweieinhalb Generationen berech- ' Neten Zahlungsplan zu revidieren. Schacht hat nach monatelanger Verhandlung in Paris seinen Rück- tritt aus dem Poung-Ausschuß erklärt und alles Aufgeboten, den mit gefährlichen politischen Fußengeln versehenen, wie sein Vorgänger unmöglichen Zahlungsplan zu Fall zu bringen. Dabei ist Dr. Schacht selbst im April 1930 zu Fall gekommen rnd hat sich unfreiwillig drei Jahre lang der Be- virtschaftung seines märkischen Waldgutes ge- vidmet.
Schachts felbstverleugnende Arbeitsenergie und int) sein Führerinstinkt paßten gut zu dem Geist, ler mit dem Umschwung vom 30. Januar 1933 in Deutschland zur Herrschaft gelangte. Bereits wenige Wochen nach der Machtergreifung durch den Na- tonalsoziatisrnus berief ihn der Führer und Reichs- lanzler aufs Neue an die Spitze der Reichsbank. Schacht hat diesen Posten seither inne und hat Ende ftuli 1934 dazu noch kommissarisch die Leitung des H e i ch s w i r t s ch a f t s rn i n i st e r i u rn s über- rommen. Er ist in diesen bald vier Jahren seiner Mitarbeit im neuen Deutschland derselbe entschie- lene Kämpe in Auseinandersetzungen mit Gegnern lraußen und drinnen gewesen wie in den Jahren
Auflösung des Reichstags inIapan.
Der Angriff der Seiyukai.
Tokio, 21. Jan. (DNB.) Im Gegensatz zum Oberhaus, das die Erklärungen des Ministerpräsidenten, des Außenministers und des Finanzministers mit Ruhe aufnahm, unternahm im Abgeordnetenhaus die Seiyukai einen lärmenden Vorstoß und begleitete die Rechenschaftsberichte der Minister mit Zwischenrufen. Der Vertreter dieser Partei H a m a d a , griff besonders den Kriegsminister T e r a u ch i an und behauptete, daß die Reform der Wehrmacht entgegen der Ansicht des Kriegsministers noch lange nicht durchgeführt worden sei, da der Einfluß des Militärs auf die Politik gegenwärtig stärker denn je fei. Eine Entgegnung des Kriegsministers führte zu einem scharfen Zusammenstoß mit Ha- mada. Nach Abschluß der Debatten wurde -eine Kabinettssitzung abgehalten. Ministerpräsident Hirota hielt darauf dem Kaiser Vortrag. Kurz danach wurde bekanntgegeben, daß das Parlament auf Vorschlag des Kabinetts und mit Genehmigung des Kaisers auf drei Tage vertagt worden ist. Als Begründung hierfür wird der scharfe Zusammenstoß zwischen dem Kriegsminister und der Seiyukai genannt.
Das Verlangen des Heeres.
Tokio, 22. Jan. (DNB. Funkspruch.) Das Parlament ist am Freitag früh zu einer wichtigen Sitzung zufammengetreten, um eine Lösung der Krise zu finden, die aus dem Zusammenstoß zwischen den Parteien und dem Kriegsminister während der Reichstagssihung am Donnerstag entstanden ist. Der Sprecher bestätigte die Nachricht, daß die Wehrmacht in ultimativer Form d i e Auflösung des Reichstages verlangt, da ihr die weitere Zusammenarbeit mit den im Reichstag vertretenen Parteien unmöglich erscheint. Falls die Auflösung des Reichstages infolge des wider st andes der im Kabinett vertretenen Parteimini ft er nicht durchzusehen sein sollte, verlangt die Wehrmacht den Rücktritt dieser vier Ittimfter und ihre Ersetzung durch Wanner, die parteipolitisch nicht gebunden sind, um mit Hilfe eines solchen umgeformten Kabinetts die Reichstagsauflösung durchzusehen.
Die Agentur Domei und Extrablätter der hiesigen Zeitungen melden bereits als Beschluß der Kabi- nettssihung die Auflösung des Reichstages. Die politischen kreise beurteilen die Auflösung als Sieg des Standpunktes der Wehrmacht, find aber der Auffassung, daß diese Auflösung den verschieden st en Entwicklungs- Möglichkeiten Raum gibt.
Auch in dem modernen nach westlichen Vorbildern gestalteten japanischen Verfassungsstaat spielen der Reichstag und die parlamentarischen Parteien nur eine sehr untergeordnete Rolle, die durch den wach
senden Einfluß der Armee auf den politischen Kurs noch mehr beschränkt ist. Die Jahre 1931 bis 1936 waren durch ein stetiges Schwächerwerden der politischen Staatsführung gekennzeichnet. Eine Folge davon waren nutzlose Kämpfe mit den Parteien, gegenüber denen die Wehrmacht auf rasche außenpolitische Entscheidungen drängte. Die Spannungen entluden sich in dem bekannten Putsch der jungen Offiziere vom 26. Februar 1936, dem das K a - binett Hirota ein Ende machte. Der Kriegsminister T e r a u ch i griff energisch durch und vermied damit einen erneuten Zusammenstoß, der sich aus der Verschärfung der Gegensätze zwischen den aktivistischen stark sozialistisch eingestellten Kreisen der Armee, verstärkt durch zahlreiche rechtsradikale Verbände und dem liberalistisch-kapitalistischen System der politischen Parteien und des Bürokratismus zwangsläufig ergeben hätte.
Der im Februar neu gewählte Reich strng, in dieSeiyukai mit 174 Sitzen nach derMinfeito
(205 Sitze) die zweitstärkste Partei ist, stellte sich ursprünglich bedingungslos hinter das Kabinett Hirota. Aber die außerordentlich hohen finanziellen Anforderungen, die die Wehrmacht an den Rüstungshaushalt stellt, gaben bald wieder Anlaß zu scharfer Opposition gegen die Regierungspolitik. Das will an sich für die politische Lage Japans nicht sehr viel bedeuten, da der Reichstag nur einmal im Jahre für drei Monate Zusammentritt (vom 25. Dezember bis etwa zum 20. März) und von dieser Zeit noch etwa ein Drittel auf Feiertage entfällt. Eine Auflösung des Parlaments gehört in Japan durchaus nicht zu den Besonderheiten. Politische Entscheidungen von Bedeutung fallen außerhalb des Parlaments, das außerhalb des Rahmens der Haushaltsbewilligung und der Gesetzgebung keinerlei Rechte besitzt und namentlich keinen Anspruch hat, in militärischen oder außenpolitischen Dingen gehört zu werden. Und diese nehmen in der japanischen Politik i heute durchaus den Vorrang ein. L.
nationale Erfolge vor Madrid und Malaga.
Bolschewistisches Munitionslager in die Lust geflogen.
Salamanca, 22. Jan. (DNB. Funkspruch.) Nationale Bombenflugzeuge wiederholten ihren bereits am Vortage erfolgreich durchgeführten Angriff auf die wichtigsten bolschewistischen Stellungen b e i Valdemorillo und Colmenarefe an der Madrider Front. Riesige Explosionen sowie ein großer Brandherd zeigten an, daß in Valdemorillo ein bolschewistisches Munitionslager als Folge der nationalen Bombenabwürfe in die Luft geflogen ist.
Im Abschnitt Universitätsstadt erfolgte in den Morgenstunden des Donnerstag abermals ein heftiger Gegenangriff der Bolfche- w i ft e n. Legionäre und Marokkaner ließen die Banden bis an wenige Meter vor der vordersten Grabenlinie herankommen und verursachten ihnen durch Handgranaten und Maschinengewehre so schwere Verluste, daß sie nach kurzer Zeit zurück wichen. Auch die im Madrider West - park liegenden nationalen Streitkräfte wiesen einen bolschewistischen Gegenangriff erfolgreich zurück und verfolgten die Angreifer bis in ihre eigenen Grabenlinien.
Der nationale Heeresbericht meldet die Festigung der nationalen Frontabschnitte in der Provinz Malaga und die Säuberung der in den Bergen van Ronda gelegenen Ortschaften von versprengten bolschewistischen Horden. Ferner wurde die Verbindung zwischen den einzelnen nationalen Vorhuten hergestellt. Die nationalen Truppen erbeuteten umfangreiches Material, darunter Lastkraftwagen, Lebensrnittel, Vieh und Sanitätsmaterial. Am Donnerstag gelang es Kavallerie, in einem kühnen Durchbruchsversuch bis zu den Schützengräben vorzudringen, die sich rings um Malaga ziehen. Das stete Pordringen der nationalen Truppen steigert die Nervosität der Bolschewisten. Der „Gouverneur" von Malaga rief in einer er
regten Ansprache über den Sender in Malaga alle Bolschewisten zu den Waffen. Er mußte zugeben, daß die Stadtin Höch st er Gefahr sei und die Nationalen vor Malaga eine ähnliche Lage geschaffen hätten wie vor Madrid. Alle wehrfähigen Einwohner hätten da die Pflicht, zu verhindern, daß der Gegner auch nur einen Fuß in die Stadt setze.
Die Bolschewisten bestreiten das Asylrecht.
Senf, 21. Ian. (DNB.) Der V ö l k e r b u n d s- r a t begann seine 96. Tagung unter dem Vorsitz des chinesischen Vertreters Wellington Koo. Bei Festsetzung der Tagesordnung entwickelte sich eine längere Aussprache über den chilenischen Antrag, demzufolge der Völkerbundsrat sich mit dem Schicksal der Flüchtlinge in den Madrider Gesandtschaften beschäftigen solle. Der „Vertreter" der Valencia-Bolschewisten widersetzte sich der Aufnahme dieses Punktes in die Tagesordnung und wurde dabei, wie nicht anders zu erwarten war, von Litwinow-Finkel- ftein unterstützt. Litwinow-Finkelstein behauptete, daß ein Asylrecht in der von Chile und dem ganzen diplomatischen Korps in Madrid geltend gemachten Form niemals bestanden habe.
Der chilenische Vertreter Edwards konnte demgegenüber nachweisen, daß die früheren spanischen Regierungen das Asylrecht i n der gleichen Weise ausgefaßt hätten, wie es Chile jetzt in Anspruch nehme. Das Ergebnis der Aussprache war, daß die Asylfrage nur als Nebenfrage der auf der Tagesordnung stehenden „h u - maniküren Angelegenheiten des spanischen Bürgerkrieges" (Bericht der Hygiene-Kommission) erörtert werden soll.
1929 und 1930. Unendlich oft hat eine geschäftige ausländische Gerüchtemacherei ihn totgesagt. Die (Ehrungen, die dem Sechzigjährigen zum 22. Januar 1937 entgegengebracht werden, sind ein wirkungsvolleres Dementi als irgendeine Presseberichtigung seines Rücktritts. Adolf Hitler und seine nächsten Mitarbeiter haben dem tüchtigen und tatenfrohen Mann ihr Vertrauen unverändert erhalten.
Die letzten vier Jahre der Schachtschen Amtsführung find nicht minder segensreich gewesen als die ersten 6% Jahre. Schacht übernahm eine traurige Erbschaft. Eine Reihe großer deutscher Banken war notleidend geworden. Der Zustrom ausländischen Kapitals nach Deutschland war versiegt. Ein wilder Run der Gläubiger kurzfristiger Darlehn hatte nur durch einen Akkord — die „Stillegung" —, auf ein leidlich erträgliches Maß gemildert werden können. Die Gold- und Devisenreserven der Reichsbank waren bis auf einen Rest aufgezehrt. Schachts Warnung vor den Gefahren einer gedankenlosen Auslandverschuldung waren buchstäblich in Erfüllung gegangen. Mit nicht mehr zu überbietender Eindringlichkeit hatte Dr. Schacht seit seinem Wiedereinzug in die Reichsbank Deutschlands Gläubiger für langfristige Anleihen beschworen, nicht nur im deutschen Interesse, sondern auch im eigenen Interesse und zu Nutz und Frommen der Weltwirtschaft in eine Revision ihrer Zins- und Tilgungsansprüche zu willigen oder dafür zu sorgen, daß Deutschlands Warenausfuhr sich auf einen sehr viel höheren Stand hob. Die Verhandlungen schlugen fehl, da niemand mit Opfern und Verzichten - vor- angehen und nicht zuletzt auch, da mancher sich der Macht der unbefriedigten Gläubigers auf rein Mischern Gebiet bedienen wollte. Es hätte Schachts Natur widersprochen, wenn er sich damit abgefunden und der Auspowerung Deutschlands durch die Gläubiger ihren Lauf gelassen hätte. Mitte 1934 verkündete Schacht ein befristetes Ueberweisungs- moratorium.
Seitdem spielt sich eine Auseinandersetzung ab, die es verhindert, daß alle internationalen Kräfte zur Ueberwindung der Weltkrise einheitlich verwendet werden. Die Länder, denen gegenüber Deutschland im Warenaustausch Ueberschüsse erzielt und die gleichzeitig seine Gläubiger sind, setzten gegenüber Deutschland Verrechnungsabkommen durch, durch die ein Teil der deutschen Ueberschüsse zur
Einlösung von Gläubigerforderungen und zur Abtragung alter Warenschulden einbehalten wurde. Deutschland antwortete im September 1934 mit der Inkraftsetzung des „Neuen Plan s", durch den jede Einfuhr genehmigungspflichtig gemacht wurde. Gleichzeitig wurde die schon vorher wieder eingeführte Devisenbewirtschaftung verschärft. Eine weitere Konsequenz der gespannten außenwirtschaftlichen Lage ist zwei Jahre später die Verkündigung des zweiten Vierjahresplans durch den Führer und Reichskanzler gewesen. Schacht war unermüdlich tätig, die deutsche Ausfuhr anzuregen und Deutschlands Anteil am internationalen Warenaustausch nicht absinken zu lassen. Diese Bemühungen sind trotz der unvermindert gespannten Devisenlage erfolgreich gewesen.
In den letzten Monaten hat der nunmehr Sechzig- jährige — der an Beweglichkeit und Unternehmungsfreudigkeit es mit Dreißigjährigen voll aufnimmt —, eine starke und eindrucksvolle Werbung für eine Wiederbeteiligung Deutschlands an kolonialer Wirtschaft eingeleitet. Er hat die Länder im Südosten unseres Erdteils und im nahen Orient auf Flugreisen besucht und sich aus eigenem Augenschein ein Bild von den dort für uns gegebenen Wirtschaftsmöglichkeiten zu> verschaffen versucht. Er hat sich um die Beseitigung des vertragslosen Zustandes zwischen Deutschland und Frankreich bemüht und seine persönlichen Beziehungen sowie sein Verhandlungsgeschick in den Dienst dieser wichtigen Aufgabe gestellt. Was Schacht im Dezember des vergangenen Jahres in einem Vortrag zu Frankfurt und in einer amerikanischen Zeitschrift zur Uebertragung kolonialer Erschließungsrechte an Deutschland sagte, hat jenseits unserer Grenzen durchaus nicht nur feindselige Ablehnung erfahren. Die Stimmen mehren sich, daß Dr. Schacht, der als betonter Wirtschaftler keinerlei politischer Nebenabsichten verdächtig ist, nicht nur eine billige Forderung erhebt, sondern damit auch im Interesse des Weltfriedens und der Weltwohlfahrt spricht.
Schacht ist Sohn eines Geschäftsmannes aus der Nordmark. Er ist gelernter Kaufmann, Wirtschafts- Organisator und Bankier. Er hat wie jeder tüchtige Mann, an exponiertem Posten — warme Freunde, aber auch entschiedene Gegner. Er kann gewinnend liebenswürdig, aber auch zäh und unerbittlich sein. Er ist kein „bequemer" Mann. Er trägt persönliche
Dinge nicht nach und gehört auch nicht zu jenen, die ihr Ohr vor ernsten Absichten anderer verschließen. Er ist der gegebene Eckart der deutschen Währung gewesen. In diesen Tagen kommen an den führenden Mann in der Reichsbank und im Wirtschaftsministerium zahlreiche aufrichtige Wünsche heran, daß er noch lange seine Aemter so tatkräftig verwalten möge, wie er es bald vierzehn Jahre zum Nutzen des deutschen Volkes und der deutschen Wirtschaft getan hat.
*
Hjalmar Horace Greely Schacht ist 1877 in Tinglest (Schleswig) als Sohn des Kaufmanns William Schacht und seiner Ehefrau Konstanze, geborene Freiin von (Eggers, geboren. Er besuchte von 1886 bis 1895 das Johanneum in Hamburg und studierte in Berlin, München, Leipzig, Paris und Kiel Germanistik und Nationalökonomie; 1899 promovierte er in Kiel zum Dr. phil. 1903 übernahm er die Leitung des volkswirtschaftlichen Büros der Dresdner Bank. 1908 wurde er stellvertretender Direktor. 1914 und 1915 war er finanz- und währungspolitischer Berater des Generalgouvernements Brüssel. 1916 trat er als Vorstandsmitglied bei der Nationalbank für Deutschland ein; 1922 wurde er Geschäftsinhaber der Darmstädter und National- bank. Am 12. November 1923 wurde er Reichs- währungskommissar, am 22. Dezember 1923 Präsident des Reichsbankdirektoriums und führte als solcher die Stabilisierung der Mark durch. Bekannt ist sein Kampf gegen die ungesunde Ueberhohung der Auslandskredite und gegen den wirtschaftlichen Widersinn der Reparationszahlungen. Am 2. April 1930 legte er, da er mit der damaligen deutschen Reparationspolitik nicht einverstanden war, sein Amt als Reichsbank-
9er Führer will Eden antworten.
Berlin, 21. Jan. (DNB.) Bekanntlich hat sich der englische Außenminister Eden in seiner Rede am 19. Janauar insbesondere mit Deutschland beschäftigt. Wie der „Völkische Beobachter" erfährt, hat sich der Führer und Reichskanzler die Beantwortung dieser Rede, soweit sie auf Deutschland Bezug hat, s e l b st vorbehalten.


