Ausgabe 
21.12.1937
 
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Nr. 797 Zweites Matt

Kteßener Anzeiger (Aeneral-Anzeiger für Gberheffen)

Dienstag. 2k. Dezember 1957

Gutenberg

T e s ch e n zu erleidenden Härten übermittelt. Die Polen aber machten nur 1 v. H. der Minder-

lich in Polen einen sehr günstigen Eindruck gemacht. Polen habe jedmögliches Interesse an einer deutsch- sranzösischen Verständigung. Auch Rumänien sei sich im klaren darüber, daß eine französisch-deutsche Verständigung am besten Rumäniens Interessen dienen würde. In Belgrad habe Stojadinowitsch die Versicherung abgegeben, daß es die Genfer In-

Leumundes erfreuten, billigte ihnen das Gericht in einem Großen Preis ausgezeichnet worden.

Schneller Rückgang des Tiber-Hochwassers.

Ebenso schnell wie der Tiber gestiegen war, ist er in den letzten 48 Stunden auch wieder gefal­len. Der Pegelstand betrug Montag mittag nur noch annähernd 12 Meter, so daß der Tiber von seinem Höchststand bereits um 5 Meter zurückge­gangen ist. Das rasche Fallen des Wassers hat na­türlich jede weitere Hochwassergefahr beseitigt und überall die Wiederaufnahme des normalen Verkehrs ermöglicht.

Reue Drahtseilbahn am Arlberg.

In St. Anton am Arlberg fand die feierliche Eröffnung einer neuen Bergseilbahn statt, die von dem bekannten Wintersportplatz St. Anton (1300 Meter) auf den 2160 Meter hohen * flYlinlnrlHnrHiarA fUntiin f ii hrt

Der Reichsverband der deutschen Zeitungsver­leger und der Reichsverband der deutschen Zeit- stitution nicht verlassen werde. Zusammen mit Po- schriftenoerleger hatten gemeinsam einen Stand für len und Jugoslawien wünsche Jugoslawien aber die deutsche Presse im internationalen Presse­ebenfalls eine praktische V e r st ä n d i g u n g.1 papiUon eingerichtet. An diesem Stand wurde die In der Tschechoslowakei sei zwischen der Regierung Zeitungsdichte sowie die Entwicklung der Jllustra- und den kleineren Teilen der deutschen Volksgruppe j ^on bei der Tageszeitung gezeigt Ferner lagen ein Abkommen geschlossen worden, das ein Ge- rnmd 200 Zeitungen und Zeitschriften auf. Für die ständnis darstelle, daß nicht alles in Ord- Sonderschau ist em Großer Preis Zuerkannt wor- nung sei mit den Minderheiten in der Tschecho-1 den. Der ZeitschriftSchönheit der Arbeit wurde slowakei. Wie verlautet, habe Delbos der tschecho- gesondert ein Großer Preis zugesprochen. Ferner slowakischen Regierung die polnische Einstellung gu erhielt dasReichssportblatt" eine Ehrenurkunde, den von der polnischen Minderheit i n Das von der Stadt Mainz gezeigte Modell der . ......

- - - ...... - - --- Werkstatt ist gesondert mit Wintersportberg Galzig fuhrt.

glück 78 Schulkinder ums Leben ge­kommen.

Deutschlands Presse

auf der Weltausstellung gut abgeschnitten.

Hasardspiel um den Weihnachtsschnee.

Die Hauptquartiere des deutschen Wintersports.

heilen aus, und die stellten kein unlösbares Problem dar. Hingegen sei die Lage der drei Millionen Deutschen, deren Beschwerden real seien und deren Sache von deutscher Seite ver­teidigt werde, ernster. Delbos scheine die darauf bezüglichen englisch-französischen Sor­ge n ü b e r m i t t e l t zu haben. In der Tat liege die beste Hoffnung für die Zukunft von Mittel- und Osteuropa in einer anständigen Behand­lung der Minderheiten.

Neuer Angriff Edens aus Italien.

Gegen Einflußnahme im nahen Osten.

London, 20. Dez. (DRB.) Außenminister Eden richtete überraschend einen Angriff c^f Ita­lien. Auf eine Anfrage eines Labour-Abgeordneten im Unterhaus beschuldigte Eden in seiner Antwort Italien, daß es im nahen und mittleren Osten politische Einflußnahme ver­suche. Er habe deswegen kürzlich den italienischen Botschafter unterrichtet, daß es unmöglich sein würde, die für erfolgreiche Unterredungen zur Ver­besserung der englisch-italienischen Beziehungen not­wendige Atmosphäre zu schaffen, falls diese Einflußnahme nicht a b g e st e l l t würde. Unmittel­bar nach den Erklärungen im Unterhaus begab sich Eden zum Buckingham-Palast, wo er von König Georg in Audienz empfangen wurde.

Aus aller Welt.

Oie Urlaubsmarkenregelung für das Baugewerbe.

Berlin, 20. Dez. (DRB ) Der Sondertreu­händer der Arbeit hat die Reichstarifordnung über die Urlaubsmarkenregelung für das Baugewerbe in neuer Fassung erlassen. Sie führt einen Sonder- freigabevermerk des für den Betrieb zuständigen Treuhänders der Arbeit ein, auf Grund dessen die Urlaubskarte in besonderen Fällen (Wehr­dienst, Berufswechsel, Auswanderung, Einlösung versehentlich oder unrichtig geklebter Urlaubsmarken usw.) sofort zahlbar gemacht werden kann. Weiterhin wurde eine Ersatzmöglichkeit für Ur­laubskarten, die im Betriebe vernichtet oder un­brauchbar geworden sind, geschaffen. Die Reichs­tarifordnung tritt am 1. Januar 1938 in Kraft.

78 Kinder denn Brand einer Volks­schule in 3opan ums keben g-kommen

Tokio, 21. Dez. (DRV. Funkspruch.) In der südlich von Osaka gelegenen Provinz Wakayama ist eine achtklassige Volksschule durch Feuer vollkommen zerstört worden. Rach bis jetzt vorliegenden Rachrichten sind bei dem Hn-

Jn den letzten Tagen sind in den deutschen Mit­telgebirgen die ersten stärkeren Schneefälle nieder­gegangen. Während die 'Ebene teilweise noch im Graubraun der kahlen Wiesen und Felder ver­harrt, haben sich die Kuppen der deutschen Mittelgebirge oberhalb der 700- Me ter- Linie mit einer trockenen Schneedecke überzogen, und die ersten Skihasen sind eingetrof­fen, um die Geschenke des Winters gleich von Be­ginn an auszukosten.

Es läßt sich nicht leugnen, daß die deutschen Mit­telgebirge wir meinen damit hauptsächlich Ge­birgslagen zwischen 500 bis 1000 Meter Höhe, die bei uns in der Ueberzahl sind hinsichtlich der wintersportlichen Möglichkeiten stän­dig auf der Kippe stehen. Wir haben in Deutsch­land nicht jene absolut schneesicheren Gebirge, wie sie die Schweiz, Oesterreich, Italien und Frankreich in den Hochalpengebieten besitzen. Wenn auch die deutschen Mittelgebirge mit ihren Spitzen von 1000 bis 1600 Meter Höhe bereits in die Hochge­birgsgrenze hineinragen und somit verhältnismäßig viel Dauerfrost aufweisen, so sind doch diese Höchst­lagen der deutschen Gebirge die Zugspitze am Alpenrand erreicht sogar f-ast 3000 Meter nicht gleichzeitig so geschaffen, daß sie geländemäßig Ski- und Rodelsport gestatten. Die idealen Sport­gelände bewegen sich in Deutschland in den Hö­hen von 600 bis 1000 Meter, aber diese Hö­henlagen sind im ozeanisch beherrschten Klima Deutschlands ständig der Gefahr von Tauwetter­einbrüchen ausgesetzt.

Obschon die bekanntesten WintersportpläheDeutsch­lands im Bereich des Alpenmassivs in Oberbayern liegen, so sind doch die zahlreichen übrigen deutschen Schneesportgebirge, vom Hochsauerland (Winter­berg) angefangen über den Vogelsberg, Rhön, Thü­ringer Wald, Harz bis zum Riesengebirge hin wert­voll genug, um in einer Betrachtung über die Schnee­gebirge Deutschlands genannt zu werden. Nament­lich ist das westdeutsche Sportgebiet in der Eifel und des Sauerlandes, dessen Höhenlage sich zwischen 500 bis 900 Meter bewegt, eines der schneereichsten Gebirge Deutschlands, andernteils aber auch das in der Wetterform am meisten gefährdete. Wenn vom Atlantik her eine Warmluftwelle sich dem Festland nähert, so sind diese Gebirge die ersten, die sich dem feucht-milden Warmluftstrom gegenüberstellen. Die erste Vermischung der Warmluft mit der fest­ländischen Kaltluft löst zwar häufig starke Schnee­fälle aus, doch pflegt dieser Schneefall oft in T a u w e t t e r überzugehen. Solche Unterbrechun­gen der sportgerechten Schneeverhältnisse sind na­türlich nicht angenehm.

Es ist schon berechtigt, wenn man angesichts der mit starker Regelmäßigkeit wiederkehrenden weih n a ch t l i ch e n W ä r m e r ü ck f ä l l e für die mei­

sten deutschen Sportgebirge Bedenken hat. Andern­teils darf man diese Gefahr auch nicht von der rein statistischen Seite aus betrachten, und zryar wird der erfahrene Meteorologe mit Recht dagegen halten können, daß auch eine winterliche Wärme­welle niemals so ausgesprochen gleichmäßig hohe Temperaturen aufweist, als daß in größeren Hö­henlagen nicht dennoch Möglichkeiten für Neuschnee genügend bestünden. Wir müssen uns zum Ver­ständnis vor Augen führen, daß eine Abkühlung von 7 Grad auf 5 Grad Wärme in der Ebene für die deutschen Mittelgebirge bereits eine Tempera­tursenkung von 2 Grad Wärme auf 0 Grad bzw. sogar unter Null bedeutet, denn m der Regel kühlt es sich in höheren Luftlagen in solchen Fällen weit stärker ab als in der Ebene. Von diesem Gesichts­punkt aus gesehen kann man in 90 von 100 Fäl­len annehmen, daß eine Tauwetterlage in der Ebene, deren Temperaturen sich um 5 bis 7 Grad Wärme bewegen, in einem Mittelgebirge von 600 bis 1000 Meter Temperaturen um den Gefrier­punkt aufweist. In einem solchen Temperatur­verhältnis erscheinen die Regenfälle im Gebirge be­reits als Schnee.

Wenn wir in der Ueberschrift von einemHa­sardspiel um den Weihnachtsschnee" sprechen, f6 meinen wir damit diese Umrechnungen der Temperaturen der Ebene auf die entsprechen­den Temperaturen der verschiedenen Mittelgebirge Deutschlands. Wenn man in Berlin oder Hanno­ver 5 Grad Wärme und Regen registriert, wird etwa im gesamten Harzgebirge über 600 Meter Höhe bei leichtem Frost Schnee fallen. Aehnlich wird der Bewohner des rheinisch-westfälischen In­dustriegebietes in seinen hochsauerländischen Ser­gen ideale Wintersportverhältnisse vorfinden, wäh­rend es in Essen, Dortmund, Düsseldorf oder Köln bei 5 Grad Wärme regnet. Parallel liegen die Be­rechnungsmethoden im Thüringer Waldgebiet, im Riesengebirge und insbesondere in Süddeutschland. Wenn auf der süddeutschen Hochebene, die ja zwi­schen 300 bis 500 Meter sich bewegt, bei 3 Grad Wärme Regen fällt, so wird man in den bayeri­schen Alpen mit aller Bestimmtheit ausgezeichneten Neuschnee antreffen.

Das Hasardspiel beruht lediglich darauf, daß der Wintersport- und Winterkurfreund sich über die je­weilige Temperatur an seinem Wohnort und über die Höhenlage seines Ortes richtig informieren muß. Wenn er auf je 100 Mete Höhe ein Grad Wärme abrechnet und sich gleichzeitig von dem neuesten Wetterbericht am Rundfunk oder in der Zeitung unterrichten läßt, so kann er aus dem Glücksspiel eine ziemlich nüchterne Rechnung herleiten, die ihm sagt, wie es voraussichtlich im Gebirge aussehen wird. D. S.

Delbos wird berichten.

Aber keine außenpolitische Aussprache in der Kammer.

Paris, 21. Dezember. (DNB. Funkspruch.) Die Epoque" kündigt an, daß Außenminister Delbos im Einvernehmen mit Ministerpräsident Chautemps keine außenpolitische Aussprache in der Kammer vor dem Wiederzusammentritt des Parlaments im Januar nächsten Jahres wünsche. Außenminister Delbos wird am Donnerstag vor dem Auswärtigen Ausschuß der Kammer sprechen. Wie das Blatt weiter schreibt, wird er am Dienstag nächster Woche im Parlament eine Erklä­rung verlesen, an die sich jedoch ebenfalls keine Aussprache anschließen soll. Die Regierung wird ausdrücklich die Vertagung der Aussprache über die außenpolitischen Fragen beantragen.

*

DasJournal" erinnert noch einmal an die Lage, die vor der Abreise Delbos gegeben war und seine Rundfahrt begründete. Man hatte den Ban­krott der Genfer Entente festgestellt, die in dem Wahn, die Sieger zu entwaffnen, die Auf­rüstung der Besiegten und die Wiederaufnahme des Wettrüstens nur beschleunigt habe Man hatte den Bankrott des Systems der Schutz­schranken festgestellt, die Verständigung zwischen England, Frankreich und Italien war in die Brüche gegangen und die Zersetzungstätigkeitder Sowjetunion hatte nicht nur die Meinungs­verschiedenheiten zwischen Warschau, Bukarest und Belgrad einer- und Prag andererseits verschärft, sondern auch das ganze französische Bündnissystem erschüttert. Gewisse Kund­gebungen während der Reise Delbos hätten den ernsten Charakter dieser Erschütterungen offenbart. Man hat ö®n Bankerott aller Versuche festgestellt, die unternommen wurden, Mitteleuropa wirtschaftlich und politisch zu organisieren. Angesichts der drohen­den Möglichkeit, daß sich ganz Mitteleuropa um die Achse BerlinRom sammeln würde, habe die Reise Delbos den Zweck verfolgt, die Schranken in Ost- und Südosteuropa so weit als möglich wiederherzustellen. DieAction F r a n ? a i s e" stellt fest, daß Frankreich in der Welt nicht mehr gefürchtet werde. Hwar verfüge es noch über Sympathien, aber sogar die besten Freunde be­trachteten Frankreich Heuzutage mit einer Art trau­riger Ueberraschung, danach mit Mitleid. Trotz aller anders lautender Versicherungen wisse heute jeder, daß die Bande zu Polen und zu Jugoslawien nicht mehr das seien, was sie früher waren. Diese Völker suchten Rückversicherungen und das sei ganz natür­lich.L'Ordre" will nach der Verlautbarung, die in Prag veröffentlicht worden ist, berichten können, daß man sich neuerdings die Frage vorlege, ob zweiseitige Abkommen mit Deutschland nicht in ge­wissen Fällen als eine Lösung annehmbar wären. Auch England wird lmtemchtet.

DieTimes" fordert anständige Behandlung der Minderheiten.

Paris, 21. Dez. (DNB. Funkspruch.) DerMa­lin" berichtet, daß der französische Außenminister Delbos den englischen Botschafter Sir Eric P h i p p s von den Ergebnissen seiner Mittel­europa-Rundfahrt Kenntnis gegeben habe. Der englische Botschafter habe dem französischen Außen­minister die Sorgen der britischen Staatsmänner über die Entwicklung der Ereignisse im Fernen O st e n mitgeteilt.

Die Times schreibt, die erste Sorge von Delbos sei es gewesen, den Staatsmännern in Polen und den Ländern der Kleinen Entente Bericht zu erstat­ten über die Londoner Besprechungen. Einenglück­lichen Anfang" für die Rundreise nennt das Blatt die Höflichkeitsgeste Neuraths bei der Durch­reise Delbos' durch Berlin. Das habe selbstoerstand-

Heimweh."

Lichtspielhaus.

Ein ähnliches Motiv gestaltete vor längerer Zeit der Trenker-FilmDer oeriorene Sohn", damals war es ein Mann aus dem Alpenland, der, in die erbarmungslose Großstadtwildnis von Amerika verschlagen, vom Heimweh verzehrt wird und säst vor die Hunde geht. Hier ist es der ostpreußische Fischer Christof Peleikis von der Kurischen Neh­rung, der eines Tages Weib und Kind im Stich läßt und als Steuermannnach drüben" fährt (Der RomanWinke, bunter Wimpel" von Alfred K a r r a s ch war die Vorlage für das Drehbuch von Georg C. Klaren.) Die Leute, denen der Peleikis in die Hände gefallen ist, sind wie sich leider viel zu spät herausstellt Schmuggler, die Einwanderer als verbotene Fracht nach USA. brin­gen wollen und vor der Einfahrt von der Polizei gestellt werden. Peleikis ist der einzige, den die Beamten auf dem verlassenen Schiff finden, und damit ist der schlimme Weg des Steuermanns schon vorgezeichnet, ehe er den Boden des gelobten Landes noch betreten hat. Daheim geht derweil auch nicht alles, wie es sollte: die junge Frau hat einen Knecht ins Haus nehmen müssen, der macht ihr den Hof, fühlt sich bald als Herr im Hause und will selbst Fischer werden. Damit find die beiden Schauplätze umrissen, auf denen die Handlung, schnell fortschreitend, gegenläufig und kontrastreich überblendet, sich abspielt. Die Spielleitung Jürgen von Alte ns hat die Wirkung des Films, auch m der Charakterzeichnung, auf lebhaften und manch­mal schroffen Gegenüberstellungen aufgebaut, und es scheint uns nicht sicher, ob die Zusammenhänge im schnellen Bildwechsel allenthalben vorn Zu­schauer sogleich ersaßt werden. Aber wahrend in dem Trenker-Film seinerzeit der Nachdruck auf der Schilderung des Heimweh-Elends in der Wolken­kratzerstadt lag, schafft die Spielleitung hier in der liebevoll eingehenden Ausmalung des, heimatlichen Fischerdorfes ein kräftiges Gegengewicht. Dem Pe­leikis gelingt es nach manchen Leiden und Aben­teuern, die ihn durch die trüben Niederungen der amerikanischen Schatten- und Unterwelt führen, sich aus der unheilvollen Verstrickung in die dunklen Geschäfte der Schmugglerbande zu lösen: eines Tages kehrt er heim und findet Weib und Sohn und sogar ein neues Boot und kann sein altes, ruhiges, friedliches Leben wieder beginnen. Gustav Knuth ist der Fischer, breit, schwerfällig, gut­mütig, ein richtiger Bär. Carsta L ö ck, der Lust­spiel-Sphäre hier einmal entrückt, gibt eine schlichte und rührend hilflose junoe Fischerfrau, Walter Franck mit scharfem Charakterumriß den Knecht

"Hann. Dann ist Otto Wernicke zu nennen, der einen prachtvollen niederdeutschen Fischerpastor auf die Beine bringt, ferner Fritz Hoopts als Knecht Botho K a a tz , ein frischer, aufgeweckter Fischer- junge, und endlich Hilde Seipp, der verführe­rische Lockvogel der Schmugglerbande; ihr Ame­rika-Song auf der Ueberfahrt hebt sich vorteilhaft vom Klischee der üblichen Filmchansons ab. (Tobis.)

Vorher sieht man die Foxwochenschau, ein Lust­spiel, Bilder aus dem Schwarzwald und einen Vor­spann zu Willy F o r ft sSerenade".

Hans Thyriot.

Die erlöste Kreaiur.

EineWeihnachisgeschichie von Gottfried Kölwei

War das eine Zeit! Schon Wochen vorher hatte es gefroren, hart und krustig war die Erde ge­worden, und nun fing es in den Tagen vor Weih­nachten auch noch zu schneien an. Weich und dicht fielen die Flocken, wie Riefenschwärme weißer Schmetterlinge kamen sie daher, wie Boten eines wimmelnden Märchens. Auf der Erde, auf Bäumen, Zäunen und Dächern, überall wuchs Schnee. Es dauerte nicht lang, da war alles Graue und Schwarze zugedeckt und die Welt wie von weißer Gnade erfüllt.

Schon feit Tagen stand der große Tannenbaum im Hausgang und erfüllte alles mit feinem würzi­gen Duft. Am Weihnachtsabend selber bekam er einen goldenen Fuß und stieg drinnen im Wohn­zimmer auf den sogenannten weißen Tisch, der in der Nähe des Fensters stand. Hier wartete er in der Christnacht auf die Gaben des Himmels, fo wie auch ich in meinem Bett auf die Ankunft des Christkindes wartete.

Es war ein hohes, gewölbtes Schlafzimmer, in dem ich lag und jeden Laut belauschte. Wenn draußen vor dem vergitterten Fenster jemand vor- beiging und der Schnee unter den Schritten knarrte, wenn der Schein einer Laterne die Fensterscheiben streifte, wie klopfte da mein Herz. Gar zu gern hätte ich das himmlische Kind gesehen, das jeden Augenblick ankommen und seine Gaben einlegen konnte. Das Blut sang mir in den Ohren, ich schwitzte fast und konnte kaum den Augenblick er­warten, in dem jenes silberne Glöckchen ertönte, das die Ankunft des Christkindes verkündete...

So lag ich denn schon fast eine Stunde da im Bett und wartete immer noch sehnsüchtig auf den silbernen Klang, als ich mit einemmal furchtbar erschrak. Ge­rade unter meinem Bett hatte es plötzlich gekracht.

Was war doch nur geschehen? Es konnte doch nichts aus meiner Bettlade zu Boden gefallen fein. Es konnte doch auch niemand unter meinem Bett liegen. Ja, was war das nur? Erst horchte ich noch eine kurze Weile atemlos, ob sich der krachende Laut unter meinem Bett nicht wiederhole, aber da ich nichts hörte, kroch ich, während ich noch immer den Atem anhielt, langsam aus dem warmen Bett. Es war sehr kalt im Raum, das fühlte ich be­sonders, als ich den Boden betrat und zum Licht­schalter schlich. Eigentlich hätte ich am liebsten nach jemand gerufen, aber weil ich fürchtete, ich könnte das Christkind verscheuchen, wenn es gerade auf dem Wege wäre, bückte ich mich allein und sah unter das Bett.

Zuerst sah ich gar nichts im Dunkel; je länger ich jedoch unter das Bett blickte, desto deutlicher wurde es mir, daß da tatsächlich irgendein Ding unter dem Bett war. Ich konnte es im Dunkel, das unter der Bettlade herrschte, nicht deutlich unter­scheiden, und so nahm ich denn einen Stock und fuhr unter das Bett. Da kollerte auch schon etwas hervor. Es war eine Mausefalle und darin lief, voll Verzweiflung und Angst, eine Maus umher. Es war eine kleine, graue Maus, die sich eben gefangen hatte. Eine ganz gewöhnliche Maus, und was für ein niedliches Tier! Wie es mit feinen schwarzen Augen auf mich heraussah, wie es am Gitter auf und ab kletterte, immer um den Speck herum, wie es das Schwänzlein nachzog, und doch nirgends herauskonnte! Ich hob die Falle empor, stellte die Maus auf den Tisch und betrachtete sie unverwandt.

Wie oft hatte man mir gesagt, daß diese Tiere schädlich seien und deshalb gefangen werden müssen. Doch heute dachte ich an etwas ganz anderes. Es hatte feit Wochen gefroren, Schnee war gefallen, und so hatte sich das arme Tier eben in das Haus geflüchtet. Was tat es hier schon? Es krabbelte, knabberte, es nagte wohl am Zucker und am Speck, wenn es einen entdeckte, aber, dachte ich, es hat eben Hunger! Wenn man so nichts anhat während des ganzen Winters als dieses dünne graue Pelz- chen, wenn man draußen in der kalten Nacht nichts mehr zu fressen findet, weil der Schnee alles zu- gedeckt hat, derselbe Schnee, der mir während des Tages, beim Blick in die Weite, so hell und gnaden- voll erschienen war, wie sollte das Mäuslein da nicht in das Haus gekommen fein. Ja, es war her­eingekommen als ein Teil jener hundert- und tausendfältigen Kreatur, die, aus Angst und Furcht vor dem weißen Tod, sich in Wald und Feld ver­zweiflungsvoll umhertreibt. Doch welch ein Schick­sal: Kaum hatte sich die Maus in das schützende Haus geflüchtet, da geriet sie auch schon in die Falle, die wie ein offenes Maul der Hölle unter meinem Bett stand; gerade unter meinem Bett, in

der Weihnachtsnacht, in der das Christkind kommt, um die Erde mit Glück und Freude zu erfüllen.

Während ich die Maus fo betrachtete, erschrak ich mit einem Mal von neuem. Aber diesmal war es keine Falle, die zugeklappt war, diesmal waren es Schritte, die ich hörte, Schritte draußen im Haus- gang. Wer ging da der Türe meines Schlafzimmers zu? Deutlich erkannte ich es: es war das Haus­mädchen ... Mein Gott, dachte ich, wenn das Haus­mädchen hereinkommt und die Maus sieht, dann ist es um das Tier geschehen. Sie wird die Falle packen, sie wird lachen über die nächtliche Beute und die Maus noch heute in der Christnacht in das tödliche Wasser stecken ...

So griff ich denn rasch nach der Falle und ver­barg sie unter dem Bett. Während ich mich selbst in den Kissen versteckte, horchte sie atemlos. Da bemerkte ich, daß die Schritte an der Tür meines Schlafzimmers oorbeigegangen waren. Es war eine eigentümliche, seltsame Stimmung; denn es war fast, als wäre der Tod selbst vorbeigegangen, als hätte er keine Macht in dieser Nacht der Erlösung.

Als es wieder ganz still war, schlich ich aus dem Bett, zog die Falle von neuem hervor und trat zur Türe hinaus. Niemand war im Gang, niemand konnte mich sehen, so lief ich denn, so rasch ich konnte, gegen das Tor, das nach hinten in die Oekonomiegebäude und in den Hof führte. Draußen im Freien, wo ich die blanken Sterne am Nacht­himmel über mir stehen sah, machte ich plötzlich die Falle auf ....

Ich wollte noch sehen, ob die Maus wohl den Weg in eine Scheune finde, im selben Augenblick hörte ich vorne im Haus das silberne Glöcklein tönen. Klar und laut tönte es durch das ganze Haus. Alles schien zu klingen und zu schwingen; so sehr war alles von diesem himmlischen Ton er­füllt.

Beim Eintritt in das Wohnzimmer stand ich wie geblendet. Denn da sah ich vorne auf dem weißen Tisch den hohen Christbaum stehen, mit Gold und Silber überschüttet, überflutet von Licht. Ach, was da alles an den Aesten hing! Rotbackige Aepfel, goldene Nüsse, Lebkuchen, schokoladene Brezeln, hier hing ein silberner Bär, dort ein brauer Ele­fant, goldene Fische sah ich schwimmen, Vögel flie­gen, und ... ja, wahrhaftig, da* hing auch eine graue Maus daran, genau wie jene, die ich eben hinten im Hofe heimlich ausgelassen hatte; nur, daß sie aus Zucker war. Auch sie hing gleich aller Kreatur der Erde an diesem Wunderbaum der Erlösung und sah mich mit ihren kleinen dunklen Augen an, roährenb droben am Givsel, die unendliche Liebs verkündend, ein pausbackiger Engel in die golü-»-» Trompete blies.