Ur. ?46 Zweites Blafi
Kießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen) Donnerstag, 21. Oktober (Q57
Die Weiheflätie von Pasewalk.
Es war am 21 Oktober 1918, ein grauer Herbsttag wie so Diele in diesem für Deutschland schicksalsschweren Monat. In dem gewaltigen Ringen an der Front im Westen kam auf deutscher Seite wieder jeder einzelne Mann zur Geltung gegen das ungeheure Material an Eisen, Stahl und Giftgas, das gegen die deutsche Front geschleudert wurde. Damals wurde auch der Gefreite Adolf Hitler in der Nacht oom 13. zum 14. Oktober bei einer
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Ein Teil der Ehrenhalle mit dem symbolischen Mosaik an der Wand. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Beschießung der Südfront von sperrt mit Gelbkreuzgranaten als Meldegänger oon den verderbenbringenden Gasschwaden erfaßt. Mit brennenden Augen wankte er zum Verbandsplatz und wurde von dort, ohne die Gewißheit, das Sehvermögen wieder zu erhalten, dem Hilfslazarett Pasewalk zugeführt. Hier, in einem kleinen pommerschen Garnisonsstädtchen, erlebte er den Zusammenbruch der Heimat und damit die Wende seines Lebens. Wir wissen aus seinem Buche „Mein Kampf", daß ihm hier im Lazarett zu Pasewalk die Erkenntnis wurde, daß ein neues Deutschland nur aus einer geistigen und seelischen Wiedergeburt des deutschen^ Volkes erstehen könne. Er schildert, wie der bohrende Schmerz in den Augenhöhlen allmählich nachließ und es ihm langsam gelang, die Umgebung in groben Umrissen wieder unterscheiden zu lernen. „Freilich, daß ich jemals würde wieder zeichnen fünften, iburfte ich nicht mehr hoffen."
Er schildert dann weiter, wie in dieser niedergeschlagenen Stimmung das Gerücht oon der N o - »ember-Revolte zu ihm dringt, wie Matrosen auf Lastkraftwagen vor dem Lazarett erscheinen unb die Revolution „ausriefen", aber unter den Insassen des Lazaretts doch die Hoffnung lebt, daß es sich lediglich um eine lokale Revolte handele, bis eines Tages der ehrwürdige Pastor in das Lazarett kommt, um ihnen die ganze schreckliche Wahrheit »nitzuteilen und dann still in sich hinein zu meinen. Da zerbrach auch im Herzen des Gefreiten Adolf Hitlers etwas. Er tastete sich in den Schlafsaal zurück, warf sich auf sein Lager und grub den bren- uenben Kopf in Decken und Kissen, lieber die inneren Kämpfe, die er damals durchgefochten hat, schreibt er: „Seit dem Tage, da ich am Grabe der Mutter gestanden, hatte ich nicht mehr geweint. Wenn mich in meiner Jugend das Schicksal unbarmherzig hart anfaßte, wuchs mein Trotz Als sich in den langen Kriegsjahren der Tod so manchen
Heben Kameraden und Freund aus unseren Reihen holte, wäre es mir fast wie eine Sünde erschienen, zu klagen — starben sie doch für Deutschland' Und als mich endlich selbst — noch in den letzten Tagen des fürchterlichen Ringens — das schleichende Gas anfiel und sich in die Augen zu fressen begann, und ich unter dem Schrecken, für immer zu erblinden, einen Augenblick verzagen wollte, da donnerte mich die Stimme des Gewissens an: elender Jämmerling, du willst wohl heulen, während es Tausenden hundertmal schlechter geht als dir, und so trug ich denn stumpf und stumm mein Los. Run aber fopnte ich nicht mehr anders. Run sah ich erst, wie sehr alles persönliche Leid versinkt gegenüber dem Unglück des Vaterlandes." Adolf Hitler schließt dieses Kapitel, in dem er von seinem Entschluß berichtet, den Kampf für ein neues Deutschland aufzunehmen mit den Worten: „Ich aber beschloß Politiker zu werden."
So ist das damals als Hllfslazarett verwandte alte Schützenhaus in dem pommerschen Städtchen Pasewalk die Geburtsstätte eines Beschlusses von ungeheuerer Tragweite geworden. Der Führer selbst hat kurz vor der Machtergreifung auf einer Kundgebung in Pasewalk erklärt: „Ich hätte hier zugrunde gehen können wie Millionen von Kamera-
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! i Srinagar (Kaschmir), im Oktober.
(Durch Luftpost.)
Das erste Lebenszeichen, das ich von dem deutschen Forscher Dr Filchner nach seiner glücklichen Freilassung aus der Gefangenschaft in Kho- tan erhalten hatte, war ein Telegramm aus Leh in Westtibet, in dem er mir mitteilte/ daß er etwa um den 10. Oktober herum in Srinagar eintreffen würde Srinagar, die Hauptstadt des lieblichen Kaschmir-Staates, ist die erste größere Stadt, die man mit normalen Verkehrsmitteln von Indien aus erreichen kann Von hier aus starten die Karawanen nach Ladakh (Westtibet) und Lhasa, nach Chinesisch-Turkestan und Zentralasien, hier ist der Ausgangspunkt für die Expeditionen zu den ewigen Schneegipfeln des Himalaya wie z. B. zum Nanga P a r b a t. Hier wollte ich den deutschen
den. Ich habe mein Leben als ein Geschenk der Vorsehung zurückgenommen und mir geschworen, dieses Leben dem deutschen Volke zu widmen "
Am heutigen 21. Oktober wird nun hier ein Erinnerungsmai geweiht werden. Gauleiter Schwede (Coburg) gab kurz nach seinem Amtsantritt 1934 den Auftrag, das Schützenhaus neu herzurichten und zu einer Weihestätte umzugestalten. Rach einem Entwurf des Architekten Claassen (Coburg) wurde das alte Schützenhaus erneuert. Der Saal wurde in eine Ehrenhalle verwandelt. Ihren Giebel ziert ein großes Mosaikbild Professor Grubers (München) „Ritter, Tod und Teufel", das ein Symbol für die kämpferische Lebenshaltung des Führers ist. Ein Bild desselben Künsllers ist auch der Hauptschmuck im Innern. Einem Frontsoldaten, der auf einem Drachen und einer brennenden Weltkugel steht, bringt ein fackeltragender Genius das Licht. Die Umschrift lautet: „Anno 1918 wurde in diese Stätte ein Soldat gebracht, der die Sorge um Deutschland wie ein brennend Feuer im Herzen trug". Von der Ehrenhalle führen Gänge in die beiden Flügel des Gebäudes. Alle Räume, die an den Gängen liegen, sind dazu bestimmt, der lebendigen Arbeit am deutschen Menschen zu dienen. Eine überlebensgroße vom Bildhauer Richter- El s n e r -Berlin geschaffene Büste des Führers, hinter der die Worte stehen: „Ich aber beschloß, Politiker zu werden", setzen den Bau in unmittelbare Beziehung zu seiner Geschichte.
Forscher begrüßen unb ihm die Glückwünsche der Landesleitung der NSDAP, und der deutschen Presse zur Verleihung des Nationalpreises übermitteln.
lieber 180 Meilen lang ist der Weg von der letzten britisch-indischen Bahnstation, Rawalpindi, nach der Hauptstadt Kaschmirs. Der Stationsvorsteher in Lahore hatte mir eine Nacht zuvor ein Auto telegraphisch bestellt, das mich am Morgen des 5 Oktober pünktlich um 7 Uhr erwartete. Doch ehe meine beiden Mitreisenden, ein Inder mit seiner schwedischen Gattin, zur Stelle waren und bis das Frühstück und die Verstauung des Gepäcks erledigt waren, war es bereits 8.30 Uhr geworden. Zu meinem Schrecken las ich in der neuesten Zeitung, daß Filchner, entgegen seinen Angaben, schon gestern in Srinagar eingetroffen war, er hatte, wie er mir dann auch selbst erzählte, den beschwerlichen Weg von Leh über den halsbrecherischen Zoji-La-
Wiedersehen mit Filchner in Kaschmir.
Don unserem G. £. £ -Berichterstatter.
Paß statt wie üblich in 16 Tagemärschen, in zwölf Tagemärschen zurückgelegt! Es war also alle Eile geboten. Herrlicher blauer Himmel und strahlende Sonne begleitete uns auf unserer ganzen Fahrt. Nach etwa 64 Meilen erreichten wir Kohala. die Grenze des Kaschmir-Staates, hier mußten wir dokumentarisch die feierliche Erklärung abgeben, daß wir keine Feuerwaffen und kein Cor- n e d - B e e f mit uns führen. In Kaschmir wird die Kuh ganz besonders verehrt, obwohl der weitaus größte Teil der Bevölkerung mohammedanisch ist, nämlich 2,5 Millionen von dreien, aber der Maharadscha ist ein Hindu.
Die tadellose Straße folgt dem linken Ufer des Jhelum-Flusses, der sich durch zahllose malerische und romantische Täler windet. Bald fahren wir im Schatten prächtiger Nadelbäume und Platanen, bald über steile Hänge hoch über dem Fluß, über den hier und dort halsbrecherische Hängebrücken in schwindelnder Höhe führen-, bald fahren wir wieder unmittelbar an seinem Ufer entlang, aber stets seinem Laufe aufwärts folgend. So geht es Stunde um Stunde, oon einem Tal ins andere, immer neue liebliche Ausblicke. Allerhand Volk begegnet uns, das schon die mongolischen Züge der tibetischen Bevölkerung trägt, Frauen in schwarzen Hemden mit ganzen Bündeln von silbernen Reifen in den Ohren. Halbwegs, in Domei, wird ein einfaches „Tiffin" irn Dak-Bungalow eingenommen, bann geht es weiter. Immer höher windet sich die Straße hinauf, bis wir die 1700 Meter hohe Ebene von Srinagar erreichen, dann führt von Baramulla eine wundervolle, etwa 34 Meilen lange Pappelallee nach der Hauptstadt Kaschmirs.
Einige Autopannen verzögern die Ankunft in Srinagar bis in die Abendstunden. Um halb neun haben wir unser Ziel glücklich erreicht. Ich traf Filchner in der Halle van Nedous Hotel in Gesellschaft des deutschen Generalkonsuls, Grafen von Podewils - Dürniz und feiner Familie, die feit zwei Wochen bereits hier weilten. Unser Generalkonsul hatte auch ganz durch Zufall von der früheren Ankunft Filchners erfahren und konnte ihm noch einige zwanzig Meilen entgegenreiten. Filchner war natürlich äußerst überrascht, als seine kleine Karawane plötzlich dem deutschen Generalkonsul mit Sohn und Tochter begegnete. Seine erste Frage war nach seiner Tochter, die zweite, ob irgendwo in der Welt Krieg sei! Er hatte ja seit Jahr und Tag nichts von den Vorgängen in der Außenwelt erfahren. Auch erfuhr er erst durch unseren Reichsvertreter die näheren Einzelheiten über den Nationalpreis, den er für eine Gedenkmedaille gehalten hatte. Nach kurzer Begrüßung lud mich Filchner in sein Hotel ein — er wohnte woanders — damit wir uns noch ein paar Stunden unterhalten konnten, da er bereits am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe nach Dehre-Dun aufbrechen wollte, wo er die letzten Abschlußmessungen erdmaanetischer Art vornehmen wollte. Da bereits alle Vorbereitungen getroffen waren, konnte er leider nicht noch einen Tag länger in Srinagar bleiben.
Ich hatte Filchner das letzte Mal vor zwanzig Jahren gesehen, und doch muß ich gestehen, daß er sich nicht sehr verändert hat. Er war von der gleichen ungeheuren Lebendigkeit und Lebenskraft wie früher. Er sah trotz der Strapazen, die er gerade hinter sich hatte, glänzend aus. Seine blauen Augen strahlten lebhaft aus dem sonnenverbrannten Gesicht, und wenn er lachte, sah man seine tadellosen schneeweißen Zähne. In Leh hatte er am 13. September seinen 60. Geburtstag gefeiert. Auch sein Begleiter, der junge Laienbruder Haack, schien sich von seiner schweren Lunaenent- zündung in Khotan gut erholt zu haben. Beide kamen ziemlich zerlumpt in Srinagar an, und als sie zu einem Schneider in der Stadt gingen, sah dieser seine neuen „Kunden" sehr bedenklich an; erst als es sich herumgesprochen hatte, daß es der berühmte deutsche Forscher und sein Begleiter fei, überschlug er sich im „Dienst am Kunden", denn nun woltten sämtliche Schneider Srinagars den berühmten Gast neu einkleiden.
Filchner, der allen öffentlichen Ehrungen und
Fallendes Laub.
Don K. Scherer.
Mit den Stürmen der Tag- und Nachtgleiche beginnt das große Sterben des herbstlichen Waldes; Die Vegetationsperiode nähert sich ihrem Ende, die j.ommergrünen Holzgewächse verlieren ihr Laub. Sine späte Oktobernacht bringt den ersten Frost, Der den schon gelockerten Zusammenhang zwischen Zweig und Blatt vollends zerstört; und nun rieselt und flattert es mit leisem Rauschen Tag und Nacht tzerab, bis Busch und Baum entblättert stehen.
Es ist ein eigen Ding um den ßaubrall der Bäume; wie alles in der Natur, ist auch dieser Iahresvorgang bewundernswert einfach und doch ; so kunstvoll verflochten, daß er nur schwer zu begreifen ist. Auch der Laubfall vollzieht sich nach e-wigen Gesetzen im Wechsel von Werden und Vergehen, die alle mehr oder minder an das Wachsen und Sinken des Lichts und die Wirkungen des Son- «enkreislaufs gebunden sind; nicht nur der Vorgang ils Ganzes unterliegt ihnen, jedes einzelne Blatt ftirbt unter Erscheinungen, die von ganz bestimm- ten siderischen Voraussetzungen abhängen.
An einem herbstlich-bunten Laubast stehen grüne, gelbe und braune Blätter nebeneinander; noch nicht regellos, wie es dem flüchtigen Blick erscheint, vielmehr finden sich die braunen am Ansatz des Astes, Dann folgen die gelblichgrünen, und die Spitze zeigt Leistens noch frifchgrünes Laub. Die Verfärbung freitet also vom Stamm aus nach der Spitze fort, mb die jüngsten Blätter behalten am längsten ihre ommerliche Farbe.
Diese fast ausnahmslos gültige Reihenfolge, die b-efonders augenfällig bei der Platane Hervartritt, plt nicht nur für den einzelnen Zweig, sondern fast immer für den ganzen Baum — sie bildet die Er- illärung für den schönen Einklang der Farben am Beginn der Vergilbung. Erst später, wenn diese das zu den Blättern der Zweig-Enden vorgeschritten st, gestaltet sich das Bild einförmiger und gleichmäßiger, erscheint der ganze Laubschmuck einhett- liich gefärbt. Der Laubfall tritt im Süden später mn als im Norden; jenseits der Alpen vergilben iie bei uns heimischen Laubbäume erft im Dezember. Dem entspricht, daß Laubwald in größerer Höhe sein grünes Kleid früher verliert als in der Öieberung; man hat beobachtet, baß bie Verfärbung bes Laubholzbestanbes eines Berges von 500 Meter Höhe in etwa sechzehn Tagen von der Spitze ins Tal hinabschreitet
Es ist erwiesen, baß der Laubfall wenige Tage rach Eintritt der Sommersonnenwende seinen An
fang nimmt, wenn auch in einem kaum wahrnehmbaren Grade, also noch ehe die Natur ihren höchsten Sommerflor erreicht. Um diesen Zeitpunkt herum lassen die Laubbäume das erste Blatt fallen, und zwar stets aus dem am dichtesten belaubten, dunkelsten Teil der Krone, wohin das Sonnenlicht nur schwer zu bringen vermag. Von bieser Regel sinb allein Esche unb Schwarzeller ausgenommen, bie als Charakterbäume van Nieberung, Sumpf unb Ufer einen befonbers wasserreichen, nährstoffhaltigen Standort unb Boben bevorzugen, ihr Laub baher bis zum Enbe ber Vegetationsperiobe frischgrün erhalten unb auch in biefem Zustand abwerfen.
Wie stark das Licht auf den Verfärbungsprozeß einwirkt, haben Versuche an großblättrigen Kapuzinerkresse gezeigt. Eine im September vorgenommene künstliche Verdunkelung führte rasch zu völliger Vergilbung; wurde das Blatt durch Aufkleben von Staniolstreisen nur teilweise verdunkelt, dann vergilbte nur der abgeblendete Teil während der belichtete grün blieb. Die auffallende Wahrnehmung aber, daß der Laubfall unmittelbar nach Eintritt ber Sonnenwenbe beginnt, bürste barauf zurück- gehen, baß bie Übetaus lichtempfinbliche Natur der Laubbäume diejenigen Wipfelblätter, die infolge der finkenden Lichtkraft der Sonne am aufbauenden Leben des Baumes nicht mehr mitarbeiten können, als Fremdkörper abstößt
Zu Beginn des Oktobers, wenn die Sonnenstrahlung fühlbar schwächer wird, stellt der Laubwald seine aufbauende Arbeit ein, das Fasergewebe nimmt weder Feuchtigkeit noch Nährstoffe mehr auf; die Blätter eines ins Wasser gestellten Laubzweiges verdorren innerhalb eines Tages. Waren die Blätter als Atmungsorgane und für die Bereitung von Nährstoffen notwendig, solange das Bildungsgewebe noch arbeitete, so stellen sie jetzt nur noch Angriffsflächen für die schädlichen Einwirkungen von Rauhreif und Eis dar; deshalb zieht der Baum die in den Blattorganen noch vorhandenen Aufbaustoffe zurück und speichert sie im Gewebe des Stammes auf. Dieses Schwinden des Chlorophylls ist es. das uns das köstliche Farbenspiel des Herbstes beschert. Die Mannigfaltigkeit der Farben hängt von ber Natur ber Farbstoffe ab, bie ber einzelnen Baumart eigentümlich sinb; bei Birke und Ulme überwiegt ber gelbe Farbstoff, baher zeigt ihr herbstliches Laub golbgelben Glanz. Eiche unb Bergahorn bilben nicht selten Farbstoffe von solcher Intensität unb Leuchtkraft, baß ihr tiefroter Schein aus bem Wipfelmeer bes Herbstwalbes wie ein Fanal aufflammt; mischen sich humusartige Substanzen den bunkelroten Farben bei. so entsteht bas kräftige Braun- und Purpurrot der Buche.
Sind aus den Blättern die Nährstoffe geschwunden, dann bereitet der Baum langsam und vorsichtig die Trennung von seinen toten Gliedern durch Bildung eines Trennungsgewebes von Korkzellen .vor, die die Blattstielnarbe verschließt, den sogenannten Wundkork. Damit sind die Blätter zum Abfallen reif geworden, beim ersten Sturm flattern sie in dichtem Regen zu Boden und bilden durch rasche Zersetzung neue Dungstoffe für die nächste Wachstumsperiode.
Schiff in Not.
£on K. E (Hailina.
Ein eisiger Nordwest rast über den Atlantik. Wie eine Nußschale wird unser Frachtkahn umherge- roorfen. Bald hüllt undurchdringliche Finsternis uns in Einsamkeit.
Immer neue Wellenberge dreschen heran und schlagen donnernd quf die öadebäume. Wie tausend Dämonen jagt und heult es dazu in der Luft. Krachend hauen Brecher über die Reeling Aufgeregt rollt und stampft und stöhnt das Schiff Die Wassermassen wälzen sich rauschend im Takt des schlingernden Schiffes. Fontänen versprühen über dem Deck. Die Maschinen brummen in abgehackten Stößen Wie wenn sie aus Angst bas Stottern bekämen. Ein Zittern burchläuft ben stählernen Leid.
Ich stehe unter ber Tür meiner Funkbube unb sehe bem Toben ber Elemente zu. Meine Abenb- wache beginnt. Ich zünde eine Zigarette an und schalte auf Empfang. Mechanisch dreht die Linke den Kondensator. 600 Meter die Welle des allgemeinen Verkehrs. Lissabon sendet Wetterbericht. Amsterdam: Tanzmusik. Walzer!
Was war das? Ich fahre zusammen. Die Nerven fiebern. Der Bleistift fliegt über das Papier. Die Hand zittert. Ganz deutlich ist zu hören: SOS. Durch den Wirrwarr der hundert Stationen klagt es immer wieder. SOS — SOS. Bruchstücke vernehme ich nur. Das andere geht unter im Heulen des Sturmes im Krachen der Wogen und im Donner bes Regens, ber auf bas Stationsbach niebergeht.
Verdammt! Wo ist bas Schiff, bas in Not ist. Ganz nahe klingen bie Rufe Wie heißt es? Ich schreibe, Wort hinter Wort, unb versuche zu entziffern. Nichts. Vergebliche Mühe im tollen Durch- einanber ber vielen Sender. Erst die englischen und französischen Küstenstationen bringen Klarheit.
Mit voller Lautstärke tönt es durch ben Aether: QRT — QRT — SOS! Es ist ein internationaler Spruch, ben jeder Funker versteht. „Hört mit
Senden äuf!" Alle Aetherstimmen verstummen jetzt, und es wird still. Ich vernehme Namen und Lage des beschädigten Dampfers.
Mit Mühe taste ich mich in dem Seegang zum wachhabenden Offizier auf die Kommandobrücke. Wolkenfetzen jagen vom schwachen Lichtschein getroffen geisterhaft aus dem Schornstein. Spritzwasser geht über die Brücke. Ein Blick auf die Karte zeigt, daß es uns bei diesem Wetter nicht möglich ist, zu Hilfe zu kommen.
Wieder sitze ich am Lautsprecher. Funkstille, nur selten unterbrochen von dem „QRT", das Funker vor Senden warnt. Ungewohnt und drückend empfindet man diese Ruhe. Sonst Fauchen, Summen, Knarren, Krächzen, das reinste Höllenkonzert. Und nun so still, als wären sämtliche Funker der Erde gestorben. Nur draußen rasen die Elemente.
Ich lausche, höre gespannt in den Aether... Ein Sümmchen piepst, hell und zart wie von einem Vogel, durch den ungeheuren Welttaurn. SOS — QRT Andere Stimmen, Stationen weit unten im Südatlantik, vom Kap der Guten Hoffnung, im Roten Meer, hoch oben im Baltikum und weit im äußersten Westen. Wie aus einer anderen Welt. Die Kontinente rücken ganz nahe zusammen. Tausende von Menschen sind für kurze Zett in den Kreis eines fernen Ereignisses gebannt: SOS Das Zeichen eilte hin in fernste Erdenwinkel, und alle warten gespannt.
Endlich nach einer langen Stunde, die für eine Handvoll Menschen Schicksal ist, summt durch die lähmende Stille: CQ. — CQ. — de — GLD — SOS. clear. Die erlösende Nachricht für alle: Hilfe für das verunglückte Schiff geregelt!
Der Nachrichtenverkehr kann wettergehen. Wie auf Kommando stürzen sich die Funker auf die Morsetaste, und im schwirrenden Tanze der Morsezeichen beginnt seine Arbeit. Im Aether tönt wieder wirres Durcheinander. Und in unhörbare Fernen sinkt auch dem Funker die Welt hin.
Zeitschn'ffen.
— Das Monatsprogramm der NS -Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Gau Hessen-Nasiau, Heft 10 enthält das Winterprogramm der KdF für bas Winterhalbjahr 1937'38. Das gut ausgestattete, reich bebilderte Heft beginnt mit einer illustrierten Ueberficht über die Theater im Rhein-Main-Gebiet, unter denen auch bas Gießener Stabttheater würdig vertreten ist. Vom übrigen Inhalt seien bie Vorschau auf bas übrige Minterprogramm unb bie Bilb- berichte über Betriebsfahrten unb über „Kraft durch Freude" auf dem Reichsparteitag hervorgehoben.


