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21.7.1937
 
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'lfr.167 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Der ganze Höhenzug ist bewaldet und trägt einen

tzflanzenwuchs, der schon seit langer Zeit die Auf- nerksamkeit des Botanikers auf sich gelenkt hat. Be­

rits im Jahre 1719 schrieb Dillenius in seinem

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Reichsfestspiele Heidelberg 1931.

Die Reichsfestspiele Heidelberg wur­den am Dienstagabend eröffnet. Unter den Ehren­gästen, die sich im Schloßhof einfanden, befanden sich Gauleiter und Reichsstatthalter Wagner, Reichskulturwalter Mora Her und der Präsident der Reichstheaterkammer Rainer - Schlösse^ Fanfarenruf von den Zinnen der Schloßruine und die Ouvertüre zuOberon" von Carl Maria von Weber leiteten die Feierstunde ein. Dann nahm Oberbürgermeister R e i n h a u s (Heidelberg) das Wort. Er wies auf den Zusammenhang zwischen den eben vergangenen Tagen der deutschen Kunst

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gleichzeitig radiotelephonisch ausgeführten Gespräche zwischen der Jacht Marconis und Sidney bestätig­ten das Aufflammen der elektrischen Beleuchtungs­körper im Ausstellungspalast. Marconis letzte weit­tragende Entdeckung, die er 1932 der Öffentlichkeit mitteilte, sind radiotelegraphische und radiotelepho­nische Verbindungen mit kleinen Ultra-Kurzwellen, die sich nicht kreisförmig verbreiten, sondern auf bestimmte Empfänger zugestrahlt werden, was eine Geheimhaltung derartig gegebener Meldungen er­möglicht.

1927 war Marconi vom Vorsitz der Londoner Marconi-Gesellschaft zurückgetreten, um sich ganz seiner wissenschaftlichen Arbeit zu widmen. Man­nigfach und zahlreich sind die Ehrungen, die dem Verstorbenen in seinem arbeitsreichen Leben zuteil wurden. So erhielt Marconi, der teils in London, teils in Pontecchio lebte, 1909 den Nobelpreis für Physik; er war Mitglied des Römischen Senats und Ehrenpräsident der Römischen Akademie. Vom König von Italien erhielt er den erblichen Titel eines Marquis.

Das Beileid des Führers.

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Das Naturschutzgebiet Hangelstein in seinen Abgrenzungen, lieber das geschlossene Gebiet hin­aus sind die Teufels­kanzel und die Gnauih- eiche einbezogen.

(Wiedergabe nach einer Zeichnungdes Verfassers.)

(Scherl-Bilderdienst-M.) telegraphieren, wobei er unter dem Ein­druck der Theorien von Hertz und Maxwell stand 1895 gelang sein erster Versuch, allerdings nur auf kurze Strecken. 1896 konnte er m England ein erstes Patent auf einpraktisch verwendbares System der Telegraphie ohne Draht" erwerben und im Jahre darauf in London eine Gesellschaft grün­den 1899 gelang die erste drahtlose Verbindung über den Kanal, 1901 über ben Atlantik. Aufsehenerregend wirkte em Erfolg, den er 1930 zu verzeichnen hatte, als es ihm gelang, von seiner Jackt im Hafen von Genua aus die Beleuchtung im Gebäude der Elektrizitäts-Ausstellung in Sid­ney während der Eröffnungsfeier einzuschalten. Die

Berchtesgaden, 20. Juli. (DNB.) Führer und Reichskanzler hat aus Anlaß des Todes von Marconi an den italienischen Regie­

rungschef Mussolini folgendes Beileids­telegramm gerichtet:

Mit tiefem Bedauern erfahre ich die Nachricht vom Tode Marconis, des großen Sohnes Italiens, der sich durch seine Erfindungen um die ganze Menschheit unvergängliche Verdienste erworben hat. Ich spreche Ihnen und der italienischen Nation mein aufrichtiges Beileid zu diesem schweren Ver­lust aus."

Ferner hat der Führer und Reichskanzler der Witwe Marconis telegraphisch seine Teilnahme zum Ausdruck gebracht.

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Das Naturschutzgebiet Hangelstein

Von Ernst Holzel.

Maikraut und Ausdauerndes Bingelkraut treten in Massen auf. Vielerlei Farne und Moose, dar­unter solche von mehr als alltäglicher Bedeutung gesellen sich dazu. Insgesamt dürften weit über 200 verschiedene Pflanzenarten den Hangelstein be­wohnen, darunter eine ganze Anzahl von solchen, die durch das Reichsnaturschutzgesetz ganz oder teil­weise geschützt sind.

Mögen viele von ihnen nur für den Botaniker ein Begriff sein, so kann sich niemand, der überhaupt noch einen Blick für die Schönheiten der Natur be­sitzt, der Wirkung entziehen, die das Blütenmeer vor allem der Frühjahrsblüher auf den Beschauer ausübt. Verständlich mag der Wunsch gewesen sein, etwas von dieser Schönheit mit heimzunehmen, es in den Garten zu übertragen oder sich im Zim­mer noch ein paar Tage daran erfreuen. Und doch bedeutete die Verwirklichung dieses Wunsches eine ungeheure Gefahr für den Pflanzen- beftanb und damit für die Eigenart des Berges. Bei der Aufzählung des Märzbechers, des großen Schneeglöckchens, habe ich es schon angedeutet. Diese früher in Mengen vorkommende Pflanze steht heute im Hangelstein dicht vor dem Aussterben, der Tür­kenbund, der noch am Lollarer Kopf wächst, diese schöne Lilie, ist bereits verschwunden, der Seidel­bast schwer bedroht usw. Diese Schönheiten der Na­tur aber sind für alle da, nicht für einzelne allein. Drum müssen sie gegen diese geschützt werden. So dient die Inschutznahme des Hangelsteins vor allem dem Schutze seiner Pflanzenwelt. Es ist dabei nicht notwendig, daß der Besucher des Gebietes diese Pflanzen auch kennt. Denn es entspricht der Art eines Naturschutzgebietes, daß innerhalb seiner Grenzen jedes Ausgraben, Abbrechen oder sonstiges Beschädigen von Pflanzen, ganz gleich welcher Art, verboten ist. Es wird also der ganze Lebensraum geschützt. Wie die auf der beigefügten Skizze er­kennbare Grenzführung zeigt, bleibt zum Pflücken von Maiblumen oder Maikraut noch genügend Raum frei. Innerhalb des Schutzgebietes, dessen Grenzen in nächster Zeit an allen Zugangswegen durch Schilder gekennzeichnet werden, ist jedenfalls grundsätzlich jede Pflanze geschützt und ihre Schädigung strafbar. Die forstliche Nutzung, die der Stadt Gießen zusteht, wird dadurch nicht berührt. Es wird nur notwendig sein, bei der Art' der Bewirtschaftung auf die Lebensbedingun­gen der Kräuter und Sträucher Rücksicht zu neh­men. Ebensowenig berührt davon wird gemäß all­gemeiner Bestimmungen des Gesetzes die Jagdaus­übung. Dagegen sind auch sämtliche nichtjagdbaren Tiere im Schutzgebiet geschützt!

Wenn es auch grundsätzlich verboten ist, in ein solches Gebiet Pflanzen hineinzubringen und etwa Die Natur zu verfälschen, so sind doch bereits Vor­kehrungen getroffen, die dem Aussterben nahen oder bereits verschwundenen Arten wieder zu ersetzen. Denn damit wird ja nur wieder gut gemacht, was der Mensch verdorben hat.

Und nun wollen wir noch einen Grenzgang ma­chen, der dem Kenner des Hangelsteins den Umfang des Schutzgebietes leicht klarmachen wird. Wir befinden uns auf der Straße GießenDaubringen, da wo die Waldschneise zum großen Steinbruch abzweigt. Ihr folgen wir, lassen den Steinbruch links liegen und kommen zurGnautheiche", die im nächsten Winter etwas freier gestellt werden wird, da sie dem Besucher infolge des hohen Un­terholzes oft gar nicht mehr auffällt. Von der Gnautheiche an folgen wir dem chauffierten Wald­weg, der bergan zu den Pflanzgärten führt, an denen die Schutzhütte steht. Gärten und Hütte lie­gen außerhalb, bleiben rechts liegen, während wir, dieTeufelspfütze" zur Rechten, weitergehen bis an die Nordostseite des Berges, wo wir den schö­nen Blick auf das Lumdatal und den Todtenberg haben. Wir befinden uns wieder auf einer chausier- ten Schneise, die uns auf halber Höhe des Nord­hanges hinunterführt zur Daubringer Straße. Ehe wir sie jedoch erreichen, biegen wir auf der letzten Schneise, von oben gezählt, links ab, kommen an derUnionslinde" (im Schutzgebiet) vorbei unter der steilen Felswand her, sehen zur Rechten die eben-

ausländische Botaniker wiederholt den Hangelstein gemeinsam aufsuchten, um seine einzigartige Plan­zenwelt kennenzulernen.

Ich folge den Angaben des Herrn Professors Dr. Funk, der sich von jeher für den Schutz des Hangelsteins mit Wort und Tat eingesetzt hat, wenn ich in großen Zügen versuche, einen lieber» blick über die Zusammensetzung seiner Pflanzen­welt zu geben. Betrachten mir zunächst den Wald, so herrscht der Laubholzmischwald vor, der wohl die ursprüngliche Waldform darstellt. Kiefern, Fich­ten, Lärchen, Schwarzkiefern, Douglasien als Ver­treter der Nadelhölzer sind erst durch die forstliche Bewirtschaftung hineingebracht worden Buche und Eiche sind die Hauptholzarten, neben denen sich ein­gesprengt Hainbuche, Aspe, Birke, Schwarzerle, Feldulme, Bergulme, Winterlinde, Bergahorn, Spitzahorn, Elsbeere, Vogelbeere, Vogelkirsche und Esche finden. Unter den großen Waldsträuchern sind zu nennen: Haselnuß, Salweide, Ohrweide, Weiß­dorn, Rosen, Kreuzdorn, Roter Hartriegel. Ge­meine Heckenkirsche, Schlingendes Geißblatt, Ge­meiner Schneeball, Bergholunder, Liguster u. a., unter den kleineren vor allem der Seidelbast.

Auf dem kalkhaltigen, verhältnismäßig frucht­baren Basaltboden dieses Bergwaldes blüht eine Menge schöner und zum Teil auch botanisch be­merkenswerter Pflanzen. Den Reigen eröffnet im zeitigen Frühjahr der betäubend duftende Seidel­bast. Ganz vereinzelt zeigt der Märzbecher noch seine weißen Glocken, der bezeichnenderweise in Gießen früher dasHanget st einer Schnee­glöckchen" hieß. Vor allem der Höhenweg, der vom Turm zum großen Steinbruch führt, verwan­delt sich im Frühjahr in die reinste Blütenwiese, be­stehend aus Lerchensporn, weißen und gelben Ane­monen, Lungenkraut und Goldnessel, aus Schlüssel­blume und Frühlingsplatterbse. Zahn- und Hasel­wurz-, Wald- und Wunderveilchen, Waldvergiß­meinnicht und später der blaue Steinsame gesellen sich hinzu. Gemswurz, Gelber Sturmhut und Aus­dauerndes Silberblatt sind seltenere Gäste. Mai­blumen wachsen dagegen in Menge hier, daneben der seltsame Aronstab, die Einbeere, Knabenkräuter, die Waldhyazinthe; auch die Nestwurz findet sich nicht selten. Gegen den Sommer hin blühen Toll­kirsche, Pfirsichblättrige Glockenblume, Wollkraut, Pechnelke, Färberginster und Schwalbenwurz und viele andere mehr.

Erfindungen zuerst immer auch der italienischen Wehrmacht zur Verfügung stellte, daß er persön­lich an dem Handstreich d'Annunzios in Fiume teil­nahm. Die italienische Nation, die in ihm einen ihrer Größten verloren hat, darf unseres tiefen Mitgefühls sicher sein. _

Marconi, am 25. April 1874 in Gnffone bei Bologna geboren, beschäftigte sich schon während seiner Studienzeit mit Versuchen, drahtlos zu

Catalogus plantarum cirea Gissam nascentium" iber die auffallende Flora des Hangelsteins, wo- urch wohl Johann Christian Senckenberg zu iner botanischen Exkursion in den Hangelstein am 0. August 1732 veranlaßt wurde, über die L Spil- er inHeimat im Bild" in Nr. 39 vom Jahre 935 berichtet hat. Des botanischen Kleinods, wie jpilget den Hangelstein dort nennt, haben sich fer- er die Floristen Heyer-Roßmann 1860, > osch und Scriba 1873 und 1888 und Spil - e r 1903 besonders angenommen. Eingehende intersuchungen über die Waldflora des Hangel­eins liegen vor von dem Direktor des Berliner Bo- tmifchen Gartens, L. Diels, während in- und

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Daß der Tod Marconis schon wenige Stunden bonad) auf der ganzen bewohnten Erde bekannt Dir, das hat er sich selbst zu verdanken: Er war btr eigentliche Schöpfer der drahtlosen Telephome ur-b Telegraphie, wie sie sich in knapp vierzig 3d)ren von den ersten zaghaften Versuchen dis zu ihrer heutigen Vollkommenheit entwickelt hat. too trauert nicht nur Italien um diesen Mann, den Itan als den König des Aethers bezeichnen konnte, loribern auch wir Deutsche und alle anderen Kultur­völker, die sich des modernsten technischen Nach- nt)tenmittel5 bedienen. Marconi war em Gerne für alle, und man könnte ihn, der stets unterwegs ötr und mit seiner JachtElektra den Atlantik 87mal überquert hat, einen Weltbürger nennen. Sb er er würde einen solchen Titel abgelehnt haben, berm er war nicht nur ein Wohltäter der Mensch­heit, sondern vor allem auch em italienischer $itriot. Er hat stets für sein Vaterland gekämpft, er schloß sich der faschistischen Bewegung an und vZrde ein Freund Mussolinis. Man erzählt von ifyti, daß er \" 1 "7 ' K-- -*«***a®« wrienes.

« im Alter" von 61 Jahren, ben Waffen gemeldet habe. Man weiß,

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Der Erfinder der drahtlosen Telegraphie.

Rom, 20. Juli. (DNB.) In der Nacht zum Dienstag ist der Erfinder der drahtlosen Telegraphie Guglielmo M a r c o n i im Alter von 63 Jahren an einem Herzschlag gestorben.

Der unerwartete Tod Marconis hat in der ita­lienischen Hauptstadt tiefe Trauer ausgelöst. In Sonderausgaben widmet die römische Presse dem großen Sohn Italiens ausführliche Nachrufe, in dlnen der Werdegang des genialen 'Erfinders ge­schildert und seine bedeutenden Verdienste um die Dissenschaft und Technik des 20. Jahrhunderts ge­würdigt werden. Am Dienstag erschien der Duce im Trauerhaus, um dem Entschlafenen in größter Ergriffenheit die letzte Ehre zu erweisen Md seinen Angehörigen sein Beileid auszusprechen. Eie Leiche ist nach der Farnesina, dem Sitz der Königlich-Italienischen Akademie, übergefuhrt war- btn, wo Marconi in der Uniform des Präsidenten btr Akademie öffentlich aufgebahrt wurde. Die Tatenwache halten Mitglieder der Akademie und Schwarzhemden. Mit.einem feierlichen Staats­begräbnis wird Italien am Mittwoch von fernem großen Sohn letzten Abschied.nehmen. Auf Anordnung Mussolinis wird Marcom m Bologna bügesetzt.

Der Reichsstatthalter in Hessen hat am 29. Mai äiie Verordnung erlassen, die bestimmte Teile des ,Hangelsteins" als zukünftigesNaturschutz- gebiet" im Sinne des Reichsnaturschutzgesetzes ,e j n st w e i l i g s i ch e r st e l l t, also bereits Schutzmaßnahmen anordnet, die denen entsprechen, welche bei der endgültigen Erklärung zumNatur­schutzgebiet" durch Eintragung in das Reichsnatur­schutzbuch in Kraft treten werden. Praktisch ist da- mit derHangelstein" bereits Naturschutzgebiet ge­worben und hat damit in einem großen, 43,2 Hek­tar umfassenden Teil den wirksamsten Schutz er» sahren, der ihm zuteil werden konnte. Es ist ver- siändlich, wenn sich an diese Verordnung sehr viele fragen nach den Gründen und dem Ausmaße des Schutzes knüpfen. Ich will daher versuchen, darauf siachstechend die Antwort zu geben.

DerHangelstein" und sein Nachbar, derLol- hrer Kopf", stellen die am weitesten nach Westen vorgeschobenen Ausläufer des Vogelsberges dar und wirken auf den Beschauer am meisten, wenn dieser jenseits der Lahn seinen Standort hat, deren Tal- hild sie weiter beeinflussen. Der Hangelstein erreicht eine Höhe von 304 Meter, der Lollarer topf bleibt mit 280 Meter nicht sehr viel hinter )M zurück. Die Nordwest- und Nordostseite des )angelsteins zeigen vielfach eigenartige Felsbildun- en, von denen die sog.Teufelskanzel" die be- anntefte ist. In den alten Steinbrüchen, die man n verschiedenen Stellen findet, treten die Basalt­säulen oft noch deutlich hervor.

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falls einbezogeneTeufels- oder Felfenkanzel" im Wiefecker Gemeindewald und gelangen schließlich dem Wege folgend zum Ausgangspunkte zurück. Die Skizze soll das Bild noch vervollständigen.

Ein lang gehegter Wunsch, für den sich Wissen­schaftler, Natur- und Heimatfreunde schon lange eingesetzt haben, geht in Erfüllung! Es ist nun ein­mal so, daß leider alle derartigen Maßnahmen mit Strafen bedroht werden müssen, weil es immer wieder Menschen gibt, denen nur ihr Ich gilt. Schö- nur ist es, wenn aus einem Gefühl der Einord­nung in das Ganze heraus der einzelne sich zur Selbstzucht zwingt, schöner noch, wenn er die Eigen­art und Schönheit mitempfinden lernt und bann aus biesem Gefühl heraus, bas als eigenes Gesetz empfinbet, was zunächst Derorbnung war, und wenn er jeben Verstoß gegen bieses eigene Gesetz aus eigenem Antriebe heraus ablehnt. Denn bann hat er bas roieber, was so viele naturentwöhnte Menschen vorloren haben, Achtung unb Liebe zur Natur unb ihren Geschöpfen! Kaum einen schöne­ren Platz in ber Umgebung von Gießen kenne ich, um zu solchem Denken unb Fühlen zu kommen als bie Bank über bem Steinbruch im Naturschutzgebiet. Wer hier einmal am frühen Sommermorgen ge- . sessen hat, wenn bie Sonne in seinem Rücken auf­steigt unb ihre Stahlen ausgießt über Wald und Feld, über die grünen Wiesen und den silberglän­zenden Strom, wenn ihn Dünsberg unb Stoppel­berg grüßen unb fern Braunfels austaucht im Morgenlicht, wenn ber Ringeltauber unter ihm über ben Wipfeln ber Kiefern unb Fichten aufsteigt zum Balzflug, wenn ber Turmfalke seinen Weibruf hä­ren läßt, wenn ber Gabelweihe, bie hier horstet, herrliches Flugbilb über ihm schwebt unb ber Grau­reiher mit rauhem Ruf zur Lahn streicht, wer bafür offene Augen unb ein offenes Herz hat, ber lernt sie empfinden unb lieben in ihrer ganzen Schönheit: bie beutsche Heimat."

Aus der Stadt Gießen.

Das kleine Wunder.

Schön ist es in ber Anlage. Ich habe mick für ein Weilchen auf ber Bank niebergelaffen unb ge­nieße gemächlich bas Fleckchen Naturfrische, bas sich inmitten ber Stabt auftut wie ein kleines Paradies. Hohe Staudengewächse blühen seitwärts von den Bänken, in dem Blattgrün der Bäume irrlichtert die Sonne und über die Rasenflächen stolzieren unbekümmert gelbschnäblige Amseln. Es ist ein Bild des Friedens und der wohltätigen Ruhe.

Da spüre ich ein leises Krabbeln auf ber linken Hand. Eben will ich mit ber Rechten instinktiv her­über hinfahren, als ich bie Ursache sehe und die bereits erhobene Hand sinken lasse. Sonderbares Ereignis: ein Falter, ein kleiner bunter Schmetter­ling sitzt auf meiner linken Hand, als ob das selbst­verständlich wäre. Ich halte die Hand so still, wie ich es nur vermag, und betrachte den kleinen leicht­beschwingten Burschen. Er hat zarte lichtblaue Flügel, bie mit bräunlichen Tupfen gezeichnet finb. Die Spannweite ber Flügel beträgt vielleicht zwei Zentimeter, er ist also wirklich nur ein winzig kleiner Schmetterling.

Was er wohl auf meiner Hand suchen mag? Schmetterlinge lieben doch für gewöhnlich nicht die Nähe der Menschen. Aber er scheint zu wissen, daß ihm nichts geschieht. Er bewegt ein wenig die Fühler und betastet meine Haut dann eingehend mit seinem Säugrüssel. Es ist ein zierliches Ding, dieser Säugrüssel, kaum vorstellbar, daß er zur Nahrungsaufnahme dient. Und wenn schon: auf meiner Hand läßt sich sicher keine Nahrung ent­decken, die einem Schmetterling angemessen ist.

Deshalb hebe ich die Hand ein wenig, um ihn zum Hochklettern zu ermuntern. Richtig, er geht daraus ein und steigt langsam erst auf dem Hand­rücken, dann auf dem Mittelfinger empor. Oben breitet er bie Flügel, es sieht ganz nach einem Start aus, aber plötzlich scheint er sich zu besinnen unb klettert ohne Hast roieber zum Handrücken her- unb ben Reichsfestspielen in Heibelberg hin, ben einzigen vom Reiche getragenen Freilichtspielen. Hier entspringe auch bie Forderung, Dichtung, Dar­stellung unb Teilnahme breitester Schichten bes Vol­kes in einer Gemeinschaft großen Erlebens zusam- menzuschroeißen. Dr. Ne in haus teilte mit, baß er sich im Einvernehmen mit ber Reichsschrifttums- fammer entschlossen habe, ben im vorigen Jahr ge­schaffenen Dichterpreis ber Stabt Hei­delberg in eine Stiftung mit einem Jahresbetrag von 4000 RM. umzuroandeln. Dieser Betrag solle dem Verfasser solcher dramatischen Dichtungen zu­fließen, die sich für die Aufführung in den Reichs­festspielen eigneten. An den Schirmherrn der Reichs­festspiele, Reichsminister Dr. Goebbels, sei am Tage der Eröffnung ein Grußtelegramm gesandt worden. Die Ouvertüre zuCoriolan" von Beetho­ven leitete über zu Heinrich von Kleists Lustspiel A m p h i t r y o n", das unter der Spielleitung von Hans Schweikart, München (Künstlerischer Bei­rat Traugott Müller, Musik Leo Spieß) in Szene ging. Die Aufführung erstmals in der deutschen Theatergeschichte unter freiem Himmel wurde mit großem Beifall ausgenommen. L.

Suchet, so werdet ihr finden ..

Dor genau 125 Jahren erschien in einem Leip­ziger Blatt die erste Heiratsanzeige. Sie hatte fol­genden Wortlaut:

Vier honette, sehr schöne 18- bis 24jährige Mäd­chen guter Erziehung vom Lande, wovon jede so­gleich 3000 Gulden Heiratsgut erhält, wünschen in einer größeren Stadt durch Heirat bald eine Ver­sorgung zu finden. Sie schmeicheln sich, gute Haus­wirtinnen zu werden, jeder Wirtschaft gewachsen und nur wegen Abgelegenheit ihres Vaterorts von anständigen Heiratslustigen ungesucht zu sein, denn sie sehen mehr auf Rechtschaffenheit und Geschick­lichkeit als auf Vermögen. Um das Nähere können nicht nur 40 Jahre alte und mit keinem leiblichen Gebrechen behaftete Subjekte sich schriftlich erkundi­gen mit der AufschriftSuchet, so werdet ihr fin­den". Abzugeben im Derlagskontor. Daß habet strengstes Stillschweigen gewahrt wird, versteht sich von selbsten."

Diese Anzeige erregte großes Aufsehen unter den «Bürgern, und die Mehrzahl der Leser verurteilte derartige Anzeigen alsunschicklich". Jedoch liefen beim Verlag ber Zeitung zwanzig Briefe ein, in benen sichDie Heiratslustigen zehnmal sorgfältiger unb eingehenber beschrieben als bie Spitzbuben im Steckbrief." Leiber sagt bie Ueberlieferung nichts barüber, ob bie vier wagemutigen Jungfrauen diej paffenbenSubjekte" gefunben haben...