Farmerhaus fliegt In die Cuff. — Mutter mtt sieben Kindern getötet.
In Muskegon im Staate Wisconsin flog infolge einer furchtbaren Explosion das Haus eines Farmers in die Luft. Die Frau des Farmers und feine sieben Kinder wurden getötet, der Farmer kam mit schweren Verlegungen davon. Die Explosion erfolgte, als die Familie am Radio sah und eine Rundfunkübertragung anhörte. Die Ursache des Unglücks ist vermutlich auf die Selbstentzündung von Sprengstoffen zurückzuführen, die der Farmer in der Meinung, daß sie wirkungslos geworden seien, im Keller aufbewahrt hatte.
5rod Jagdaufseher von Wilderern erschossen.
In der Feldmark von Leese (Hannover) wurden die beiden Jaadaufseher H a m b s e r und T h ü r - N a u mit Kopfschüssen t o t aufgefunden. Die Jagdaufseher hatten sich in das Revier- begeben, um Wilderern nachzuspüren. Man sand die Ermordeten an der Straße Leese—Loccum an einem Feldwege auf.
Ein zehnjähriger Zunge als Cebensretter.
Beim Spielen an einem Bach stürzte in Baumholder (Rheinprovinz) das fünf Jahre alte Söhnchen der Familie Jungbluth in das an dieser Stelle tiefe Wasser. Das etwas ältere Schwesterchen rief laut um Hilfe» Darauf eilte der zehn Jahre alte Werner Müller herbei, sprang kurz entschlossen in das kalte Wasser, und es gelang ihm mit großer Mühe, das mit dem Tode ringende Kind an Land zu bringen. Ohne seine mutige Tat wäre das Bübchen ertrunten.
Bagdad vom Hochwasser des Tigris bedroht.
Bagdad wurde in den letzten Tagen von einer der periodischen Ueberschwemmungen des Tigris-Flusses bedroht. Rach 48 Stunden größter Besorgnis ist die Gefahr überwunden. Die diesmalige Flut war die höchste seit 25 Jahren. Der Userdamm wurde zehn Meilen nördlich von Bagdad durchbrochen, und die Flut überschwemmte 200 Meilen Wüstenland bis zu drei Meter Tiefe. Tausende von Zivilisten und Truppen sind aufgeboten worden, um die Stadtwälle zu verstärken, die den einzigen Schutz Bagdads gegen eine Ueberschwem- mung bieten.
Einweihung der neuen deutschen Schule in Valparaiso.
Die deutsche Kolonie von Valparaiso weihte am letzten Sonntag den Neubau der deutschen Schule ein. An der Feierlichkeit nahmen der Intendant der Provinz Aconcagua, Vizeadmiral Le- gario Reyes del Rio, Generalkonsul Otto So eh ring, der Generalschulinspektor Joss del Carmen Gutierrez, sowie Regierungsvertreter, ferner die Landesgruppe und Parteileitung von Valparaiso und die Vertreter der deutschen Kolonie teil. Die Einweihungsrede hielt Schulvorstand von Tiedema n n. Die chilenischen Vertreter hoben in ihren Reden besonders die hervorragende Stellung der deutschen Schulen Chiles hervor und priesen den Neubau als Mehrung deutscher Kulturarbeit für Chile.
Kapitän Lauterbach von der „Emden" gestorben.
Während einer Dortragsreise durch Nordschleswig ist Kapitän z. S. Lauterbach, der auf der ruhmreichen „Emde n" Dienst getan hatte, einem Herzschlag erlegen. Während des Weltkrieges war Lauterbach zunächst Navigationsoffizier auf der „Emden". Dann übernahm er das Kom
mando über den erbeuteten Kohlendampfer „Ex- ford", mit dem er erfolgreich im Indischen Ozean operierte. Er wurde mit seiner Mannschaft jedoch gefangengenommen. Aus der Gefangenschaft gelang es ihm bald zu entfliehen und nach vielen Schwierigkeiten nach Deutschland zurückzukehren. Nach einer glücklich überstandenen Verwundung übernahm er 1918 das Kommando über den Hilfskreuzer „M ö w e". Nach dem Kriege hatte Lauterbach
V. A. Die Erfindung der Glaswolle als eines ausgezeichneten Jsoliermaterials ist gerade heute von unschätzbarem Wert. Sie macht uns von fremden Isolierstoffen nahezu unabhängig. Wir brauchen jetzt kein A s b e st mehr aus Kanada oder Kork aus Portugal und Südspanien einzuführen. Glas bietet keinen minderwertigen, sondern völlig ebenbürtigen, ja sogar höherwertigen Werkstoff.
Aus dem Glasgespinst kann man Decken von 1 bis 1,50 Meter Breite und 10 bis 20 Meter Länge Herstellen und so jede Rohrleitung oder jeden Kessel bequem umkleiden. Glasgespinst ist anorganisch, zeigt also keine irgendwie geartete Veränderung seiner Struktur. Es ist völlig brennsicher, ebenso säurebeständig, ist ganz unempfindlich gegen Wasser und kann daher auch nicht wie etwa Kork faulen. Auch Insekten und Ungeziefer, wie Ratten und Mäuse, gehen an derartige Isolierungen nicht heran.
In Deutschland wird Glasgespinst, Glaswatte oder Glaswolle nach drei grundsätzlich voneinander verschiedenen Verfahren hergestellt. Das älteste ist das Spinnoerfahren, bei dem das Glas entweder von erhitzten Glasstangen oder durch Düsen aus kleinen Oefen abgezogen und auf schnell rotierende Trommeln aufgewickelt wird. Auf diese Weise entstehen lange, seidenartige, parallellie- gende, elastische Glasfäden von etwa 0,01 bis 0,02 Millimeter Stärke, die schleierartia geschichtet sind.
Das zweite Verfahren ist das sogenannte Schleuderverfahren, bei dem geschmolzenes Glas aus einem Behälter auf eine sehr schnell rotierende Scheibe aus feuerfestem Material fließt, die etwa mehrere tausend Umdrehungen in der Minute hat, und durch die Zentrifugalkraft zu ungleichmäßigen, feinsten, leicht gewellten Fasern auseinander gezogen wird.
In neuester Zeit stellt man endlich Glaswolle auch unter Dampfüberdruck her. Der Druckmittelstrom wird mit sehr hoher Geschwindigkeit in gleicher Richtung wie der Strom des bei etwa 16 000 Grad Celsius geschmolzenen Glasmaterials geführt, treibt das Glas durch winzig enge Düsen und zieht es zu feinen und feinsten Fäden aus. Durch diese Verarbeitung entsteht eine Jsolierglas- wolle mit einem kleinsten Durchmesser von 0,008 Millimeter aus praktisch endlosen Fasern in wolleähnlicher, homogener, fast nicht mehr glasartiger Form.
Wer die Glasgespinste zum ersten Male sieht, wird erstaunt sein über den seidenartigen Glanz — von Stapelwolle oder von Vistrafaser kaum zu unterscheiden. Dennoch kommen sie naturgemäß für die Bekleidungsindustrie nicht in Frage, weil die winzigen Glaspartikel leicht Juckreiz auf der Haut verursachen.
ausgedehnte Vortragsreisen, vor allem nach Amerika, unternommen, wo er gegen die Kriegsschuldlüge zu Felde zog.
Bachfest 1937 in Magdeburg.
Das 2 4. deutsche Bachsest der „Neuen Deutschen Dachgesellschaft" findet vom 26. bis 28. Juni in Magdeburg statt. Zu dem Bachfest werden zahlreiche deutsche und ausländische Bachfreunde erwartet.
Isolierungen aus Glasgespinst, entweder nun in Decken- oder auch in Matratzenform, bei denen sich um die Masse meist noch ein Drahtgeflecht befindet, gehen nun nach zwei Richtungen hin, einmal nach der wärme- dann aber auch nach der schalltechnischen Seite. Nehmen wir die erstgenannte, so gibt es wohl heute keinen Ozeandampfer einer unserer großen Schiffahrtsgesellschaften mehr, der nicht Glasfaser für die Isolierungen seiner Heizungsanlagen hat. Bei unseren stolzen Großschiffen „Europa" und „Bremen" haben nur die letzten und beroärteften technischen Errungenschaften Verwendung gefunden, so auch diese Isolierung durch Glasdecken. Nirgends spielt ja auch die Feuerfestig- k e i t eine so überragende Rolle. Sie ist oberstes Gesetz der Sicherheit, seine Nichtbeachtung kann zu unabsehbaren Folgen, zu furchtbaren Katastrophen auf See führen. So wird also das Glasgespinst ein wertvoller Faktor und Helfer im Dienst des Verkehrs.
Die Reichsbahn hat ebenfalls zu diesem neuen Werkstoff gegriffen, um alle Heizanlagen in ihren Zügen zu sichern. Sie stellte darüber hinaus aber noch ganz bestimmte Bedingungen, die ebenfalls das Glasgespinst ohne weiteres zu erfüllen in der Lage war: Braust da so ein moderner FD oder FDT mit einer Stundengeschwindigkeit von 140 bis 160 Kilometer durch das Land. Hinter ihm her wirbeln Steine, Papier, Blätter, Zweige. Ein Sog, wie von einer Dampferschraube aufgewühlt, zieht alles, was nicht niet- und nagelfest war, in feinen Bann. Es war daher selbstverständlich, daß die Reichsbahn verlangte, die Isolierung der Heizrohre aus Glasgespinst, die unter den Wagen langlaufen, müsse sicher gegen Steinschlag und damit den höchsten Geschwindigkeiten gewachsen sein. Auch diese Anforderung ist erfüllt. Man umkleidete den Jso- liermantel nochmals mit präpariertem, feuerfestem Papier, um ganz sicher zu gehen, und auch den stärksten Geschwindigkeiten, dem größten Sog, trotzte das Glasgespinst.
Die Feuerkastenwand der Lokomotive wie ihre gewaltigen Zylinder sind ebenso mit der neuen Jsoliermasse umkleidet. Sehr bewährt hat sich Glasgespinst auch bei Kesseltransportwagen, besonders für Asphalt. Erkaltet das nämlich, kann man den ganzen Kessel auseinanderschlagen, er wäre einfach unbrauchbar geworden. Die Erfahrungen, die man mit der Glasfaserisolierung gemacht hatte, zeitigten das überraschende Ergebnis, daß noch nach Tagen der Strom sich aus dem Kesselwagen glühend heiß ergoß, so gut hatte die Isolierung die Hitze bewahrt.
Das O l ym p i s ch e Dorf ist in seinen Heizanlagen auf dieselbe Weise isoliert worden, und nach den gemachten Erfahrungen hat sie sich bestens bewährt, so daß das Reichswehrministerium dazu
übergegangen ist, fn allen Kasernenneubauten durch Glasgespinst zu isolieren.
Ebenso wichtig ist aber auch die Schalldämp. fung. Erschütterungen können das in sich lose Iso» Hergefüge ebenso wenig zerstören und verursachen keine Veränderung des Volumens. So ist u. a. auch bas Hallenschwimmbad des Poststadions in Berlin schalldämpfend abgedichtet worden. Auch für den Hausbau ist es unentbehrlich geworden Man kann das Gespinst ja auch auf die verschiedenste Art Herstellen und entsprechend verpacken, je nachdem man es nun als lose Watte, in Form von Matten, Matratzen, Streifen, Bändern oder Glaswatteschnüren erzeugt hat. Selbstverständlich kann man nun bas Glasgespinst noch bunt färben. Schaufensterbekorationen können bamit sehr reiz- voll wirken unb mit kleinen Glasgespinstbecken fön. nen wunberbare Lichteffekte, namentlich bes Abenbs erzielt werben.
Glas ist ein ebler Stoff, den wir der Erde verdanken, denn was wären feine Urstoffe anderes, die Pottasche und der weiße Sand, als Gaben der Erde und der Allmutter Natur? Und wenn wir einen alten herrlichen Pokal in den Händen halten, den menschliche Kunst geschaffen und geadelt, in dem sich mit den Lichtern des Schliffs auch bas Golb- gelb eblen Weines zu funfelnber Farbenharmonie verbindet, dann wollen wir stets banken, baß unsere Allmutter immer neues aus ihrem Füllhorn zu schenken bereit ist, uns stets ein neues Geheimnis verrät, je mehr wir in sie einzudringen versuchen, ihr nahe zu kommen trachten, sie begreifen unb verstehen. '
Wetterbericht
des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.
Der rasche Vorstoß eines kräftigen Atlantikwirbels zur Norbsee brachte uns am Dienstag mit ber Ueberflufung burch feuchtmilbe Meeresluft weitere verbreitete Landregen von ber Rückseite bes Wirbels unter heftigen Böen. (Zwischenwerte um 70 Kilometer Stunbengeschwinbigkeit) Nachstoßenbe kältere Luft führte in ber vergangenen Nacht zu heftigen Schauern unb Abkühlung. Die Nieberschlagsmengen erreichten vielerorts mehr als 20 Liter pro Qua« bratmeter, so baß weiteres stärkeres Ansteigen ber Gewässer zu erwarten ist. Im Laufe bes Mittwoch sind noch einzelne Schauer fällig, bann setzt sich ein neues Zwischenhoch unb leichte Beruhigung burch. Die vom Atlantik ausgehenbe Wirbeltätigkeit hat ihren Abschluß bamit jedoch noch nicht erreicht.
Aussichten für Donnerstag: Nach heftiger Sturmnacht zunächst noch vielfach aufheiternd unb nur vereinzelt auftretende Schauer, später wieder zunehmende Unbeständigkeit, lebhafte Winde um West.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt ber Anzeigen: Theobor Kümmel. D. A. III 37: 10 496. Druck unb Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch» unb Steinbruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit ber Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. unb Samstags
15 Pf., mit ber Illustrierten 5 Pf. mehr Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vorn 1. April 1937 gültig.
Glaswolle — ein neuer Werkstoff.
Von Dieter von der Schulenburg.
| Verschiedenes [
Frau Juliane Noll, geb. Wolf
Fr. Groß
im 74. Lebensjahre.
Die trauernden Hinterbliebenen.
Gießen (Bleichstraße 9), den 20. April 1937.
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