fahre, sich der Machtmittel der Gewerkschaften bedienen, also streiken und die Betriebe besetzen müssen. Somit taucht das Gespenst einer neuen Streikwelle auf. Es wird sehr viel Geschick und Festtgkett dazu gehören, wenn die Regierung Blum diese Gefahren abwehren will.
Das Lager der nationalen Einigung in Polen.
Warschau, 21. April. (DNB. Funkspruch.) Der Stabschef des Lagers der nationalen Einigung, Oberst Kowalewski, erklärte, bis jetzt seien Beitrittserklärungen von über 5000 Organisationen eingegangen aus sämtlichen Woiwodschaften und aus allen Schichten der Bevölkerung. Labei sei kein Druck auf die Organisationen ausgeübt worden. Außerdem seien mehr als 10 000 Einzelerklärungen von Privatpersonen eingegangen. Es werde versucht, die aktiven Kräfte aus allen Parteien zur Mitarbeit zu gewinnen. Man werde aber von den betreffenden Personen verlangen, daß sie aus ihren alten Parteien austreten. Juden dürfen nicht Mitglieder der neuen Organisation sein.
Die Organisation habe die Zustimmung aller über der Regierung stehenden Faktoren. Deshalb sei das Lager der nationalen Einigung unabhängig von der Regierung.
Kommunistischer Terrorplan in der Provinz Buenos Aires.
Buenos Aires, 21. April (DNB. Funkfpr.) Die Polizei hat in der Provinz Buenos Aires einen großangelegten terroristischen Plan der Komm uni st en aufgedeckt, der nach dem 1. Mai durchgeführt werden sollte, und hat zahlreiche Verhaftungen in Mar del Plata und Bal- carce vorgenommen. Geplant waren Attentate auf die Verkehrsmittel zur Einschüchterung der Oeffentlichkeit. Im Hause eines Zeitungsverkäufers in Mar del Plata wurde Sprengpulver zur Bombenherstellung und umfangreiches kommunistisches Propagandamaterial beschlagnahmt. In Balcarce ist die Sowjetfahne bei verschiedenen Gelegenheiten gehißt worden. Den Kommunisten gelang es, belastende Schriftstücke zu verbrennen, ehe die Polizei Zugriff.
Deutschlands Wirtschastsausstieg.
Iteichsbankpräsident Or. Schacht über das „Geheimnis" der Finanzierung.
Berlin, 20. April. (DNB.) Reichswirtschaftsminister Dr. Schacht hielt zur Einweihung der neuen Ehrenhalle des Hauses für Wirtschaft und Arbeit des Reichswirtschaftsministeriums und des Reichsarbeitsministeriums eine Rede über die nationalsozialistischen Aufbauleistungen auf dem Gebiete von Wirtschaft und Währung. Er erklärte u. a.: Wir haben nahezu jedem arbeitswilligen und arbeitsfähigen Volksgenossen wieder zu Lohn und Brot verholfen. Wir haben die Rentabilität der Wirtschaftsunternehmungen wiederhergestellt. Wir haben der Wirtschaft den Arbeitsfrieden Gegeben und haben' sie mit. einer neuen Wirtschaftsgesinnung vertraut gemacht, die Betriebsführer und Gefolgschaft als gleichberechtiate und gleichwertvolle Glieder der Betriebsgemeinschaft betrachtet, die in der wirtschaftlichen Arbeit in erster Linie einen D i e n st am Volksganzen sieht und die alle wirtschaftlichen Maßnahmen den großen Zielen der Staatsführung anpaht. Dies alles ist erreicht worden unter grundsätzlicher Anerkennung der freien Unternehmerinitiative, ohne die eine Volkswirtschaft und eine Kulturnation des 20. Jahrhunderts nicht existieren kann. Die Gesundung der Wirtschaft gaben den Kreditinstituten die Möglichkeit, ihre Krisenengagements bei der Reichsbank abzr^ecken, die Krisenverluste abzuschreiben und sich eine neue Rentabilitätsgrundlage zu schaffen. Auch die Reprivatisierung der von öffentlichen Stellen übernommenen Großbankaktien hat schon beachtliche Fortschritte gemacht. Von ganz außerordentlicher Bedeutung ist es schließlich, daß den zuständigen Reichsorganen ausreichende Möglichkeit gegeben worden ist, die Geschäftsführung der Banken zu überwachen und insbesondere darauf hinzuwirken, daß sie den gemeinschaftlichen Belangen und vor allem den währungspolitischen Notwendigkeiten Rechnung tragen.
Der Kapitalmarkt befand sich vor vier Jahren im Zustande völliger Stagnation. Es ist uns gelungen, auf organischem Wege die Zinssätze auf ein vernünftiges Maß zu senken. Eine sorgfältige Marktkontrolle machte es möglich, die neu einsetzende Kapitalbildung in erster Linie für die vordringlichen Anleihebedürfnisse des Reiches nutzbar zu machen, die sich aus der Arbeitsbeschaffung und der Wiederwehrhaftmachung unseres Volkes ergaben. Ein ansehnlicher Milliardenbetrag konnte auf diese Weise bereits konsolidiert werden. Die bisher verfolgte Methode wird allerdings noch Jahre lang weiterhin eingehalten werden müssen, bis die Gesamten Sonderausgaben des Reiches endgültig festgeschrieben sind.
Der ganze „geheimnisvolle Zauberlrick" unserer Vorfinanzierung besieht einfach darin, daß wir alle jeweils brachliegenden Geldmarkt- mittel für die Vorfinanzierung der außerordentlichen Reichsbedürfnisse heranziehen, daß die Reichsbank in ihren Deckungsbeständen die Währungsreserven, die sie den ausländischen
Gläubigern Deutschlands geopfert hat, durch Sonderziehungen ersetzte, und daß sie weiter bei der großen Flüssigkeit des Geldmarktes auch im großen Umfange solche Sonderziehungen an die Stelle privater Diskontierungen treten lassen konnte. Das währungspolitisch Entscheidende dabei ist, daß es der Reichsbank gelang, den Umlauf an Waren und unbaren Zahlungsmitteln für das zur Bewältigung des gestiegenen Güterumschlages notwendige Rlaß steigen zu lassen. Eine darüber hinausgehende Vermehrung des Geldumlaufes würde allerdings Inflation bedeuten. Unsere ganze Währungspolitik aber ist darauf eingestellt, das Lohn- und Preisniveau und damit die Kaufkraft unserer Währung stabil zu erhalten.
Hieran wird auch unser chronischer Devisenmangel nichts ändern, obwohl er uns in den nächsten Jahren wahrscheinlich kaum weniger zu schaffen machen wird. Es ist uns als einzigem größeren Lande gelungen, die Parität unserer Währung unverändert aufrecht zu erhalten. Obendrein haben wir in den lebten vier Jahren auch beträchtliche Rückzahlungen auf unsere Auslandschulden geleistet, obwohl uns das Ausland, so widersinnig dies klingt, nach Kräften an der Schuldenrückzahlung zu hindern gesucht hat, durch prohibitive Zölle und Kontingente, durch Entfesslung der Boykotthetze. Das alles hat uns gezwungen, unsere Außenhandelspolitik von Grund auf umzustellen. Wir find dazu übergegangen, nur das z u kaufen, was wir unbedingt brauchen, und zwar nur so viel, wie wir bezahlen können, und dabei vornehmlich in den Ländern einzukaufen, die unsere Waren im Austausch gegen ihre Waren abnehmen.
Eine Entwirrung des derzeitigen Währungschaos ist undenkbar, so lange nicht eine vernünftige Regelung der internationalen Verschuldung, der internationalen Wirtschaftsbeziehungen und der Rohstoffvertei- l u n g getroffen worden ist. Wir haben uns immer wieder bereiterklärt, an einer solchen mitzuarbeiten, sind aber damit bisher auf wenig Gegenliebe gestoßen. So sind wir denn bis auf weiteres allein auf unsere eigenen Kräfte angewiesen. Wir haben aus dieser Erkenntnis die Konsequenzen gezogen und haben den neuen Vierjahresplan aufgestellt, der die bestehende Knappheit an ausländischen Rohstoffen verringern soll. Der neue Vierjahresplan muß in seiner Anlaufzeit der Volksgemeinschaft manche Unbequemlichkeit und auch manches Opfer zumuten — erfordert doch der Aufbau der neuen Werke einen vorübergehenden stärkeren Devisenverbrauch—, er wird aber dafür sehr bald wesentlich zur EntlastungunsererHan- d e l s b i l o n z beitragen.
SieuemWlillW in England W Finanzierung des Ausrüsiungsprogrannns.
Attlee spricht vom neuen „Kriegsbudget".
London, 20. April. (DNB.) Jrn Unterhaus erklärte Schatzkanzler Neville Chamberlain über die Deckung des Haushalts: Er erwarte, daß Sich die Einnahmen vom Finanzjahr 1937/38 ouf 847 950 000 Pfund stellen würden. Demgegenüber seien die Ausgaben auf 862 848 000 Pfund veranschlagt, so daß ein voraussichtlicher Fehlbetrag von 14998000 Pfund (183 Millionen RM.) zu decken bleiben werde. Es fei somit notwendig, neue Ansprüche an den Steuerzahler zu stellen, trotz der Verteidigungsanleihe, Die zur Beschleunigung des Rüstungsprogramms beitrage. Er schlage eine Erhöhung der Einkommensteuer um 3 Pence für das Pfund vor. Er erwarte hieraus 13 Millionen Pfund im laufenden Jahr und 15 Millionen Pfund im gesamten Finanzjahr. Ferner schlage er eine Steuer auf Gewinne über 2000 Pfund (24 500 RM.) vor, die im kommenden Jahre erzielt werden würden. Dieser „nationale Dertei- öigungsbeitrag" solle von Gesellschaften erhoben werden, sobald ihr Gewinn 6 v. H. und von Privatkaufleuten, sobald ihr Gewinn 8 v. H. übersteige. Bei einem Gewinn von 6 bis 10 v. H. soll ein Fünftel des Gewinnzuwachses gegenüber dem Vorjahr als Steuer eingezogen werden, zwischen 10 und 15 v. H. ein Viertel und über 15 v. H. ein Drittel des Gewinnzuwachses gegenüber dem Vorjahre. Er hoffe mit diesen beiden Steuern den Fehlbetrag voll zu decken.
Die Erhöhung der Einkommensteuer um 3 Pence bedeutet, daß die Einkommensteuer für das Pfund Einkommen von vier Schillingen und 9 Pence a u f 5 Schillinge (3,10 Mark) erhöht wird. Diese Steuer stellt keine Ueberraschung dar. Dagegen ist Die Steuer auf übermäßige Gewinne etwas völlig Neuartiges für England, nämlich eine ©teuer auf Nüstungsgewinne. Chamberlain schätzt Die Einnahmen aus dieser Steuer auf 2 000 000 (24^5 Millionen Mark) für dieses Jahr und auf 25 000 000 Pfund für das nächste Jahr.
Chamberlain wandte sich noch in optimistischen Darlegungen gegen einige Unglückspropheten, die Zweifel daran geäußert hätten, ob Großbritannien überhaupt diese ungeheuren Lasten tragen könnte, ohne unter ihnen zusammenzubrechen. Die Lasten würden dem Lande zu einem Zeitpunkt auferlegt, in dem fein Kredit ungewöhnlich groß sei und seine Einnahmen im Steigen begriffen seien. Aus den kurzen Antworten, die die Opposition dem Schatzkanzler erteilte, verdient festgehalten zu werden, daß Attlee namens der Arbeiterpartei den Haushalt als den ersten einer neuen Se- rie von Kriegsbudgets ablehnte. Von mehr als 800 Millionen Pfund dienten etwa 540 Millionen für die Bezahlung früherer Kriege und für die Vorbereitung des künftigen Krieges. Wenn diese Politik weiter verfolgt werde, marschiere man direkt in einen neuen Brand hinein. Der liberale Oppositionsführer Sinclair warf vor allem die Frage auf, wie England derartige Summen aufbringen wolle, wenn Handel und Wirtschaft einmal nicht mehr so blühen sollten wie heute.
Das Echo der presse.
London, 21. April (DNB. Funkspruch.) Der neue Haushalt findet in den Morgenblattern eine günstige Ausnahme. Die Blätter geberf zu, daß der nationale SSerteibigungsbeitrag, der an die Sondergewinnsteuer des Weltkrieges erinnere, den Industrie- und Handelskreisen keine Freude verursachen werde, aber angesichts der gewaltigen Anforderungen des englischen Aufrüstungsprogramms sei es wahrscheinlich die glücklichste Lösung. In Abgeordnetenkreisen sind die Ansichten geteilt. Bemerkenswert ist, daß sie in den Reihen der Labour-Opposition Zustimmung findet, während zahlreiche Regierungsanhänger, besonders solche, die mit Jndustriekreisen in Verbindung stehen, starke Befürchtungen äußern, daß
Deutsche Schüler rüsten zur Amerikafahrt.
Wenn der Dampfer „New P o r k" am 22. April [eine Anker in Cuxhaven lichtet, wird er frohe Fracht über den Ozean in die Stadt seines Namens tragen: rund 80 Berliner Schüler und Schülerinnen, die — wen wundert es? — jetzt schon reiselusttg und reisefiebernd zu ihrer Fahrt in die Neue Welt rüsten. Immer wieder lläutet der Fernsprecher auf dem Schreibtisch der Magistratsschulrätin Kausler im Berliner Stadthaus, wo die Aus- l a n d s st e l l e der Städtischen Schulen ihren Sitz hat. Immer wieder werden Fragen gestellt und immer wieder freundlichst beantwortet, obwohl doch bereits in den gemeinsamen Besprechungen alles bis ins kleinste geregelt wurde und auch die Auskunftsbogen der Auslandsftelle und der Hamburg-Amerika-Linie Richtlinien genug enthielten.
Aber eine Reife nach Amerika ist selbst heute im Zeitalter der Erdteilüberbrückung eine Reise i n fernes Land — jedenfalls für die Eltern, die, wären sie nicht eben die Eltern, voll Neid auf diese glückliche Jugend Berlins blicken würden. Denn: wann gab es das früher, in der „guten alten Zeit"? Wann gab es das, daß Jungen und Mädel, kaum flügge, einen „Tripp" ins Dollarland machten? Da aber drüben, jenfeits des großen Teiches, auch eine reiselustige und reisefiebernde Jugend auf dem Sprunge steht, im Hochsommer nach Berlin hinüberzuwechseln, da dort in Cleveland, im Staate Ohio, Rechtsanwalt Fricke, Vorsitzender der Deutschen Zentrale, mit dem „Board od Education of the City of Cleveland“ ebenfalls alles bis ins kleinste regelt, so brauchen weder Eltern noch Schüler und Schülerinnen zu befürchten, daß irgend etwas nicht „klappen" könnte.
Welche Aussicht, auf einem Riesendampfer in See zu stechen, Englands Küsten zu streifen, sich auf dem Atlantischen Meer zu wiegen, um dann im Anblick der Freiheitsstatue und der Wolkenkratzer in Neuyork zu landen! Kaum faßbar, daß dann um die Ecke herum jene Wall-Street, jene Fifth- Avenue, jener Broadway liegt, dessen Melodie man
kennt, der aber doch bisher im Reich der Unmöglichkeiten lag. Die Kraftwagen der amerikanischen Bslegeeltern' werden am 30. April pünktlich am Kai von Neuyork zur Stelle sein, um die Berliner Schüler und Schülerinnen durch die Acht-Millionenstadt zu fahren, die wie ein Film vorübergleiten wird, um dann quer durch Pennsylvanien nach Cleveland zu jagen nach den Gestaden des Erie- Sees, bisher nur vom Kreuzworträtsel bekannt.
Ja — und was dann? Sechs Wochen werden vergehen im Beschauen, im Kennenlernen, im Austausch mit.der Jugend Nordamerikas. Amerikanisches Familienleben, amerikanische Sitten, Gebräuche, Gewohnheiten, Ansichten, Tugenden, Weltanschauungen werden zum Vergleich stehen; amerikanische Wälder und Steppen, Werkstätten und Hörsäle, Größen und Ausdehnungen werden sich in das jugendliche Bewußtsein einprägen; Volk sich zu Volk, trotz Gegensatz und Andersfein, finden. Bis die Abschiedsstunde am 12. Juni schlägt und das Motorschiff „St. L o u i s" im Hafen von Neuyork die Trossen abwirft, und es wieder heimwärts geht. Doch wer denkt jetzt daran? Was ist noch alles zur Hinfahrt zu besorgen! Da muß der Reisepaß von der Polizei geholt werden; da muß chei. den älteren Schülern das Wehrkreiskommando sein Ja hineinschreiben; da muß das Visum im USA=&onfuIat erbeten werden; da muß ein Fragebogen für den Eintritt ins Pankeeland ausgefüllt und eidesstattlich bezeugt werden, daß niemand drüben Umsturz treiben will! Im übrigen: Verpflegung und Taschengeld für die sechs Wochen Aufenthalt werden drüben und hüben von den Pflegeeltern wechselseitig getragen. Es geht eben alles, wenn der Wille zur zwischenvölkischen Kameradschaft vorhanden ist. Diese aber soll gedeihen! Daher und darum rüsten die Berliner Schüler und Schülerinnen zur Amerikafahrt. Und den Eltern und kelteren will dünken, daß gegen eine „Rüstung" dieser Art wirklich von niemandem etwas einzuwenden ist.
Dr. F. By.
Ehrung eines deutschen Offiziers durch Mussolini.
Major von Donat, ein Vorkämpfer für dieTrockenlegung derpontinischen Sümpfe.
Der italienische Regierungschef hat befohlen, daß in den Pontinischen Sümpfen ein Straßenzug nach dem verstorbenen Kyl. Preuß. Major Fedor von Senat benannt wird, um dessen besondere Verdienste um die Austrocknung der Pontinischen Sümpfe zu ehren. Fedor von Donat entstammte einer schlesischen Familie und ist 1847 in Grottkau geboren. Er widmete sich der Ofsiziers- lausbahn, nahm am Kriege 1870/71 teil, wurde später zur Kriegsakademie und in den Großen Generalstab kommandiert. Im Jahre 1898 nahm er als Bataillonskommandeur des Infanterie-Regiments 83 in Kassel seinen Abschied, um an die Verwirklichung eines Projektes zur Austrocknung der Pontinischen Sümpfe zu gehen, für das er schon seit frühester Leutnantszeit Vorbereitungen getroffen hatte.
Sein Projekt bestand in folgenden Hauptpunkten: 1. Ab halten aller von den Volsker- und Lepiner Bergen in die Pontinischen Sümpfe strömenden Fluhläufe in Randkanälen und deren direkte Ableitung in das Meer. 2. Verbesserung des Kanal- systems in den Sümpfen selbst durch Verkürzung der Flußläufe, Schaffung einer neuen Mündung für den Fluß Sisto, Reinigung des teilweise nicht funktionierenden Kanalnetzes. 3. Isolierung der unterhalb des Meeresspiegels fliegenden tiefsten Stellen der Sümpfe und ihre künstliche Entwässerung durch Pumpwerke. 4. Aufforstung der Volsker- und Lepiner Berge. Anlage von Stauseen, um den Absturz der Hochwasser zu verlangsamen und Kraft für die Bedienung der Pumpwerke usw. zu erzeugen. 5. Intensivste sofortige landwirtschaftliche Kultur der Sümpfe.
Fünf Jahre kämpfte und warb von Donat mit größter Energie für fein Projekt. Mitten in den Sümpfen am Ponte Maggiore zeigte er durch Detailarbeiten an einem Versuchsgut, welch großartige Erträge sich aus dem fruchtbaren Boden erzielen ließen. Erfolg war von Donat jedoch nicht beschieden, obwohl er in Italien und in Deutschland durch zähe Propaganda dem Projekt viele Freunde gewonnen hatte, in Deutschland u. a. den Grafen Hutten Czapsky. Donats großzügiger Plan scheiterte nach Erschöpfung seines Vermögens
an der Indolenz der ponttnischen Lattfundien- befitzer, die für eine gemeinsame Aktton großen Stils sich damals nicht einigen konnten.
Es bedurfte der Willenskraft eines Mussolini, um 20 Jahre später das gigantische Werk der Austrocknung der Pontinischen Sümpfe zu vollenden, das durch zwei Jahrtausende immer wieder versucht worden, jedoch nie gelungen war. Mit Recht ist jetzt die ganze italienische Natton stolz auf diese erste Großtat des Faschismus. Wir Deutschen können uns freuen, daß einer unserer Söhne wertvolle Vorarbeiten für das Projekt geleistet hat, welche die Anerkennung des Duce gefunden haben.
Von Donat trat auch später auf dem Gebiet des Wasserbaues mit großen Projekten an die Oeffentlichkeit. 1904 veröffentlichte er ein Projekt, den Abfluß des Achensees nach Bayern zu sperren, und das Wasser nach Durchbohrung eines Bergmassivs in das 400 Meter tiefer liegende Jnntal zur Erzeugung elektrischer Kraft stürzen zu lassen. Das Achenseewerk gelangte erst einige Jahre nach dem Tdde des Majors v. Donat zur Ausführung. 1905 entwickelte v. Donat das Walchenseeprojekt. Dieses Projekt wurde nach dem Kriege von der bayerischen Regierung ausgeführt, allerdings wurde es nur mit kleinerer Leistungsfähigkeit ausgebaut, als Donat vorgeschlagen hatte. Das Fehlen dieser beiden Werke im Kriege hat sich bitter bemerkbar gemacht; wären sie zu Kriegsbeginn fertig gewesen, so wäre das für die Kriegswirtschaft und durch Stickstoffgewinnung auch für die Landwirtschaft von unschätzbarem Vorteil gewesen. Weitere Arbeiten widmete von Donat der Kraftgewinnung und dem Hochwasserschutz der Oder, des Rheines, der Elbe und des Regens.
Am Weltkrieg nahm Major v. Donat 1914 zunächst als Kommandeur eines Reserve-Jägerbataillons trotz feines hohen Alters von 66 Jahren teil; später wurde er als Sachverständiger für Wasserbau der Heeresgruppe Rupprecht von Bayern in Flandern zugeteilt. Es war von Donat nicht vergönnt, die Verwirklichung seiner Ideen zu erleben. Er starb am 9. Mai 1919 in Wien, als er dort nochmals für den Bau des Achenseewerks und für die Austrocknung des Neusiedler Sees werben wollte.
der nationale Verteidigungsbeitrag den Unternehmungsgeist der Industrie behindern könnte.
„Times" schreibt, Chamberlain vertraue auf die Bereitschaft des englischen Volkes, jedes Opfer zu bringen, wenn es von seiner Notwendigkeit überzeugt sei. Glücklicherweise fei die Notwendigkeit neuer Lasten in einem Augenblick gekommen, wo der Kredit Englands außergewöhnlich hoch stehe. Dennoch würde England erleichtert fein, wenn d i e Lage geändert werden könnte.
„Ehrenbuch der deutschen Familie."
Lpd. Frankfurt a. M., 16. April. Die erb- gesunde, kinderreiche Vollfamilie wird eine besondere Auszeichnung erfahren. Der Reichsbund der Kinderreichen gibt in Zusammenarbeit mit dem Reichsinnen- und Reichsfinanzministerium sowie der Polizeiverwaltung ein „Ehrenbuch der deutschen Familie" heraus, das Reichsbundesleiter Stüwe anläßlich des Reichstreffens des RDK. im Juni in Frankfurt a. M. zum ersten Male verleihen wird. Das neue Ehrenbuch wird einen Familienpaß mit urkundlicher Beweiskraft darftellen. An feinen Besitz werden jene Vergünstigungen geknüpft fein, die zugunsten der Kinderreichen bei der Reichsbahn usw. gewährt werden. Die Vorzeiger des Buches werden als „Staatsbürger erster Klasse" — nach den Worten des Führers — überall bevorzugt abgefertigt und gefördert werden. Die RDK.-Familien sollen allmählich sämtlich in den Besitz des Buches kommen. Voraussetzung ist die Erfüllung der sehr scharfen Aufnahmebedingungen des RDK. Reichsbundes- teiter Stüwe übernahm die Organisation 1933 mit etwa 40 000 Mitgliedern. In 354 Jahren ist die Mitgliederzahl, obwohl rund 80 000 Familien nach und nach wieder ausgeschlossen wurden, auf etwa 300 000Familien gestiegen. Der Ausschluß erfolgte, weil die Bedingungen der Blut- auslese gemein schäft, wie sie heute der RDK. darstellt, nicht erfüllt werden konnten. Diese Bedingungen verlangen die Erbgesundheit der Sippe, einen Kinderreichtum, der im Sinne der Vvllfamilie wirklich wertvoll für die Nation ist, und geordnete Verhältnisse.
Aus aller Welt.
Deutfchlandflug des „Hindenburg" am 1.7Nai. -
Das Luftschiff „Hindenburg" wird am 1. Mai, dem Tag der nationalen Arbeit, eine acht- bis zehnstündige Fahrt über Deutschland durchführen. Auf dieser Fahrt, die morgens zwischen 7 und 8 Uhr auf dem Flug- und Luftschiffhafen Rhein-Main bei Frankfurt beginnt, sollen nach Möglichkeit diejenigen Teile Deutschlands berührt werden, die das Luftschiff bisher noch nicht besucht hat. Jedoch ist der genaue Fahrtwea naturgemäß von der Wetterlage abhängig. lieber Berlin wird das Luftschiff voraussichtlich zwischen 11.30 bis 12.30 Uhr kreuzen. Alle verfügbaren Plätze für diese Fahrt waren innerhalb weniger Stunden nach Bekanntgabe der Fahrt aus» verkauft. Zwei Tage später nimmt das Luftschiff „Hindenburg" seine diesjährigen Nordamerikafahr- ten wieder auf.
lleberführung der Leiche
des Generals von Gallwih nach Deutschland.
Am Dienstag fand die feierliche U e b e r f ü t) • r u n g des in Neapel verstorbenen Generals der Arttllerie von G a l l w i tz nach Deutschland statt. Der in eine Hakenkreuzfahne gehüllte Sarg wurde auf einer Lafette aufqebahrt und, flankiert von Carabinieri in Galauniform, zum Bahnhof geleitet. Dem Trauerzug folgten der Sohn des Verstorbenen, Major von G a l l w i tz, der deutsche Militärattache, Oberst von R i n t e [ e n, der deutsche Ge- neralkonsul von Neapel, Vertreter der Partei, der deutschen Kolonie, des Präfekten von Neapel und eine große Abordnung italienischer Offiziere sämtlicher Waffengattungen. Eine Kompanie erwies dem Toten die militärischen Ehren.
Ein Kind
verursachte die Brandkatastrophe von Kreuzebra.
Die furchtbare Brandkatastrophe in dem Eichsfelddorf Kreuzebra, der, wie gemeldet, mehr als 30 Gebäude, darunter drei Wohnhäuser, zum Opfer fielen, hat nunmehr ihre Aufkläruna gefunden. Wie der Oberstaatsanwalt mitteilt, haben die Brandermittlungsbeamten der Landeskriminalpolizeistelle Erfurt 'festgestellt, daß am Ausbruch des Großfeuers ein fünfjähriger Knabe die Schuld trägt. Weitere Ermittlungen sind noch im Gange.


