Mittwoch, r'.MN 1951
Aletzencr Anzeiger (ffienerabMnjeiger für ®bcrl)c|feit)
Wehr und Waffen
der
Der Apotheker im Heere.
Von Oberstabsapotheker Or Knoll.
zu sammeln. Das gilt nicht nur für den Weltkrieg, die deutschen Einheitskriege, sondern ganz besonders für die Nachkriegskämpfe Die Heeres- archive wenden sich daher an jeden deutschen Volksgenossen, sie bei der Sammeltätigkeit des Heeres- archivgutes zu unterstützen. Jeder Beitrag, ob es sich um B i l d e r , B r i e f e , N a ch l ä s s e , T a g e-. bücher oder sonstige Aufzeichnungen handelt, findet in den Heeresarchiven Aufnahme und sichere Verwahrung. Den besonderen Wünschen der Einsender auf Benutzung und Eigentumsvorbehalt werden die Heeresarchive stets Rechnung tragen In die Heeresarchive gehört alles für die deutsche Heeresgeschichte wichtige Material. Es sei deshalb besonders hervorgehoben, daß auch Privataufzeichnungen und Briefe aus der 3eit des Weltkrieges und namentlich aus d e n K ä m p f en n a ch 1 9 1 8 an der Grenze und im Innern Deutschlands für die Heeresarchive von großem Wert find. Gerade dieses Material bedarf noch drinaend der Vervollständigung
Geburtenzahl und Wehrkraft.
Durch die Aushebung der Jugendlichen zum allgemeinen Wehrdienst wird für die einzelnen Länder Europas ein Einblick in die Stärke gewisser Altersstufen des Volkes eröffnet, und in der bei I F Lehmann in München erscheinenden Monatsschrift „Volk und Rasse" wird auf einen Vergleich von Geburtenzahlen und voraussichtlicher Wehrkraft in den einzelnen europäischen Ländern von 1 930 bis 1 950, den W Donle im Archiv
General der Artillerie MaxvonGallwitz starb, wie schon gemeldet, am Sonntag in einem (Sanatorium in Neapel kurz vor der Vollendung seines 85. Lebensjahres — (Scherl-Bilderdienst-M.)
urlaubtenstandes sind, freigestellt, ob sie Offiziere d. B oder Heeresapotheker d. B. werden wollen.
Die endgültigen Bestimmungen, die durch die Einführung der zweijährigen Dienstzeit eine Abänderung erfahren, sind noch nicht erlassen worden. Nach den vorliegenden Entwürfen wird der Dienstpflichtige bei Eignung nach einjähriger Dienstzeit zum Offizier-Anwärter d. B ernannt werden und nach anschließender Ableistung des zweiten Dienstjahres aus dem aktiven Dienst entlassen Nach der Approbation hat der Anwärter unter Ueberfüh- rung in eine Sanitätsabteilung eine vierwöchige Uebung als Unterapotheker bei einem Sanitätspark abzuleisten. Nach erfolgreich abgelegter Uebung erfolgt nach Verpflichtung zur Ableistung von zwei Pflichtübungen als Feldapotheker die Ernennung zum Feldapotheker d. R Nach Ableistung weiterer Uebungen können die Feldapotheker d. R. zu Ober- und Stabsapothekern d R.. nach besonderer An
weisung des Oberkommandos des Heeres in Ein- zelfällen noch zu Oberstabsapothekern d. R. befördert werden. Während der Unterapotheker als Soldat die Uniform feiner Sanitätsabteilung trägt, tragen die Feld-, Ober-, Stabs- und Oberstabsapotheker d. B. die Uniform der aktiven Heeresapothe- ker mit den entsprechenden Rangabzeichen und den Unterscheidungsmerkmalen der Offiziere des Beurlaubtenstandes. Zum Beurlaubtenstand des Reichs- Heeres können ferner nach einer vierwöchigen Annahmeübung die Ober- und Stabsapotheker und die Offiziere des alten Heeres übertreten; sie tragen während der Annahmeübung die Uniform der Heeresapotheker d. B. mit den ihnen zustehenden Rangabzeichen. Die Einberufung zu den Uebungen veranlaßt das Generalkommando Es können gleichzeitig nur eine beschränkte Zahl von Anwärtern üben, da ihre Ausbildung sichergestellt sein muß.
als diensttauglich gewertet
man die Zahl der 1910 Geborenen zu- so hatte Deutschland im Jahre 1930 Diensttaugliche Die Zahl sank bis 1934 auf
Im Jahre 1933 tritt bereits der erste
Jahrgang des Weltkrieges, der einen starken Geburtenrückgang aufwies, in das militärpflichtige Alter, und die Zahl der Rekruten fällt von 501 000 auf 390 000 Der Tiefpunkt wird im Jahre 1 9 3 7 mit 263 000 erreicht werden Da die Geburtenzahl des Jahres 1920 durch die Rückkehr zahlreicher Familienväter aus dem Kriege stark zugenommen hatte wird man im Jahre 1940 wieder 494 000 Rekruten zählen, aber von da an sinkt die
Zahl über 396 000 im Jahre 1945 und 345 000 im Jahre 1950 voraussichtlich auf 288 000 im Jahre 1953. In den folgenden Jahren macht sich die Geburtenzunahme von 1934 und 1935 bemerkbar, so daß die Zahl der zu erwartenden Rekruten auf 362 000 im Jahre 1934 und 388 000 im Jahre 1955 zu errechnen ist, aber dieser Anstieg bleibt hinter der Zahl zurück, die bei gesunder Entwicklung unser Volk aufweisen müßte; denn um unsere zahlenmäßige Stärke von 60 Millionen zu erhalten, müßten die Rekrutenjahrgänge 400 — 420 000 zählen. Dafür reicht unsere jetzige Geburtenzahl aber nicht aus, während sie außerdem noch den Ausfall der vergangenen Jahrzehnte aufholen müßte.
Für die übrigen Länder wird nur der allgemeine Entwicklungsgang angegeben. Italien zählte im Jahre 1930 rund 305 000 Wehrfähige, und die Zahl finkt verhältnismäßig wenig; 1954 wird sie voraussichtlich noch 264 000 betragen Frankreich geht von 324 000 im Jahre 1930 auf 105 000 im Jahre 1936 zurück und steigt in den nächsten Jahren schnell wieder auf 230 000; 1954 wird die Zahl der tauglichen Rekruten voraussichtlich 208 000 betragen. Die Niederlande halten ziemlich gleichmäßig ihren Stand von 50 000. Belgien sinkt in der ganzen Zeitspanne von 53 000 auf 40 000, Polen von 280000 auf 203000. Nur in Oefterreirf) gehen die Zahlen noch weiter zurück als im Deutschen Reich; 1930 aab es 40 000 diensttaugliche Rekruten denen im Jahre 1954 nur nur 26 WO gegenüberstehen.
Wenn bei diesen Zahlen auch zu berücksichtigen ist, daß die Sterblichkeit in den verschiedenen Ländern ungleich ist, daß Verschiebungen auch durch Aus- und Einwanderungszahlen eintreten können, so gestatten sie doch einen aufschlußreichen Vergleich über den Bevölkerungsstand der einzelnen Länder, handelt es sich doch bei den Rekruten gerade um ften gesunden Nachwuchs von dem das weitere Schicksal des Volkes beftimnri wird Die Zahl der in das heiratsfähige Alter eintret"nden Mädchen geht den angeführten im entsvrechenden Zeitabstand parallel. Daß diese Verhältnisse in den allgemeinen B"völkerungszahlen nicht so kratz mm Ausdruck kommen rührt von dem allgemeinen Rückgang der Sterblichkeit und der daraus sich ergebenden Altersumschichtung und Ueberalterung unseres Volkes ber. In den Jahren 1910 bis 1935 mären bei normaler Entwicklung 40 2 Millionen Deutsche in das Sterbealter gerückt, infolge der verbesserten Lebenshaltung starben qedoch nur 23,5 Millionen. Die allgemeinen Bevölkerungszahlen geben daher kein Bild von der Lebensfähigkeit eines Volkes, die allein von der Stärke der jungen aufbauenden Jahrgänge bestimmt wird. C. K.
Bei jedem Generalkommando befindet sich ein Lorpsapotheker, der den pharmazeutisch- hemischen Dienst im Wehrkreis zu organisieren und in leiten hat. Er ist Bearbeiter der Personalange- l-genheiten der Apotheker und soll neben feiner Terwaltungstätigkeit auch als Lebensmittetchemiker tätig sein. Für ihn sind in der Untersuchungsstelle tes Wehrkreises in Verbindung mit den Laboratorien des Hygienikers und des Pathologen Räume Mr die Ausführung chemischer Untersuchungen in lern Lazarett seines Standortes eingerichtet. Wenn cmch Grundsatz ist, daß der Korpsapotheker der lienftältefte Beamte im Wehrkreis »st, so sind doch non dieser Regel Ausnahmen gemacht worden, weil lie Tätigkeit der Chefapotheker großer Sanitäts- ;«rFe nicht minder wichtig und verantwortungs- Ü0ll ist.
Jeder Wehrkreis besitzt einen Wehrkreis- |ba n i t ä t 5 p a r f, der unter Leitung eines H e e - 11 e s o p o t h e k e r s steht. Der Wehrkreissanitäts- parf versorgt die Standortlazarette und Kranken- «oiere mit Sanitätsmaterial und verwaltet die Sa- i r itätsausriistung Er beschafft die notwendigen Sa- 'itäksmittel und -geräte oder fertigt sie selbst an. |$.n der Untersuchungsstelle werden die anfallenden Gemischen Untersuchungen ausgeführt EinHa u pt- |ia n 11 d i 5 p a r f. der dem Heeres-Sanitätsinspek- l=m unterstellt ist, befindet sich unter der Leitung mies Oberfeldapothekers in Berlin Der Alil'^ä'-äritlichen Akademie ist neben einer hygie- i sich b i teriologifchen, pathologischen und gas-thera- pfpurrd)m Abteilung auch eine chemische Abteilung imgei h'ossen. m der neben einem Heeresapotheker als Leiter mehrere Heeresapotheker als Mitglieder Intig find
Die Heeresapotheker ergänzen sich aus Bewerbern die neben der Approbation als Apotheker den Ülusm«'s als geprüfte Lebensmittelchemiker besitzen, lyrer Militärpflicht mit der Waffe genügt haben und als O fizier-Anwärter des Deurlaubtenstandes mtlossen morden sind. Bis jetzt werden die Anwär- »r zunächst einer Truppe zur militärischen Aus- I iiilbung zugeteilt und darauf ein halbes Jahr als Uegierungsapotheker auf Probe eingestellt Künftig hnb für die Dauer der Probedienstleistung die Äeichsgrundsätze über Einstellung, Anstellung und Beförderung der Reichs- und Landesbeamten vom .4. Oktober 1936 maßgeblich Die Probezeit ist grundsätzlich in einem Sanitätspark abzuleiften. Ipotheker des Beurlaubtenstandes der Luftwaffe i übt es nicht, bei Bedarf werden die Stellen mit yeeresapothekern d B besetzt Mit der Heranbil- I Hing der Heeresapotheker des Beurlaubtenstandes "t jetzt begonnen worden. Es ist den Apothekern iber Pharmazeuten, die Offizier-Anwärter des Be-
für Bevölkerungswiffenschaft und Bevölkerungspolitik gezogen hat. nachdrücklich hingewiefen Dabei find die jeweils zwanzigjährigen Wehrpflichtigen berücksichtigt, die sich aus der Geburtenzahl'der betreffenden Jahrgänge, vermindert um die Sterblichkeit der durchlaufenden Altersstufen. errechnen lassen, 70 v H. von dieser Zahl werden
Legt gründe, 530 000 501 000
Die Heeresarchive.
Als eine Nachgeordnete Dienststelle des Oberkom- nandos des Heeres ist am 1 April 1937 die Dienst- Ir eller „Der Chef der H e e r e s a r ch i v e ge- Irhaffen Zum Chef der Heeresarchive wurde Generalleutnant Dr h.c. üoti fRabenau ernannt und I dem Chef des Generalstabes des Heeres unterstellt. Dem Chef der Heeresarchive in Potsdam unterstehen He Heeresarchive Dresden, München, Potsdam und - Stuttgart. Mit der Errichtung der Heeresarchive ist (Rn Wuysch aller Chefs der Generalstabe der alten Armee endlich in Erfüllung gegangen: Das Heer verfügt in eigenen Archiven über feine Archwallen. Clausewitz schreibt in feinem Buch „Born Kriege": Historische Beispiele machen alles lüar und haben nebenher 'n Erfahrungswis- enschaften die beste Beweiskraft. Mehr als rgendwo ist dies in der Kriegskunst der Fall." Von -entscheidender Bedeutung ist deshalb daß die Akten hierfür gesammelt, gepflegt und für die Forschung bereitgehalten werden
die Zerreißung der ursprünglichen zusammengehörigen Akten und ihre räumliche Zersplitterung
Das Versailler Diktat vernichtete die alte deutsche Armee. Es ist eins der großen Verdienste des verstorbenen Generalobersten von S e e ck t, daß sein Eingreifen die Bestände der militärischen Archive, vor allem die riesige Menge der Weltkriegs- akten vor der Zersplitterung bewahrt hat. Eine wissenschaftliche Erforschung des für Deutschlands Geschichte folgenschwersten Ereignisses wäre sonst unmöglich geworden. Die Akten fanden in der Hauptsache im Reichsarchiv und seinen Zweigstellen Aufnahme. Für die militärischen Bestände bedeutete die Bildung des Reichsarchws jedoch leider sehr bald eine neue Zersplitterung und sogar Abgabe wesentlicher Bestandteile an die Landerarchive. Ein Sonderdasein führte das Bayerische K r, e g s a r ch i v , dem allerdings das Versailler Diktat den militärischen Charakter genommen hatte. Erst die nationale Einigung und die Wiederherstellung der deutschen Wehrfreiheit durch den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler ließen die Forderungen und Wünsche aller Chefs der Generalstäbe der alten Armee Wirklichkeit werden. Das Heer verfügt jetzt in eigenen Archiven über feine Archivalien und damit über die Quellen feiner eige-
Das Pieri) in der Landesverteidigung
Bon Oberstleutnant a. O. Dr. Kurt Oähne.
nen Sbeengeftaltung.
Im 'Heeresarchiv Potsdam sind die Aktrn der alten preußischen Armee, im Heeresarchiv Mun- chen die Akten ber bayerischen Formationen bis in bas 17. Iahrhnnbert zurückreichenb. im cheeres- archiv Dresden die des sächsischen Kontingents, im Heeresarchiv Stuttgart die des wurttember- gischen Kontingents und des XIV. Korps, das m Baden lag, untergebracht In den Heeresarchwen werden die Akten 'des Re.chsheeres und des neuen deutschen Heeres Aufnahme fmden. Der Chef der Heeresarchive ist verantwortl'ch für die Sammlung, Erhaltung und Benutzung des Heeresarchiv- autes. Wie der Nationalsozialismus das ganze deutsche Volk als Einheit erfaßt, so ist durch ihn die Organisation der Heeresarchive ganz deutlich erkennbar, ein Schritt weiter aus dem Wege der geistigen Einheit unseres Volkes. Heute ist das Heeresarchiv München ober Stuttgart. Dresden oder Potsdam ein Teil der deutschen Heeresarchw-Orga- "'Mit"ihrer Errichtung wenden sich die Heeresarchive nun aber sofort an die Oeffentlich- feit um die Mitarbeit und Hilfe aller Schichten der Bevölkerung auszurufen Die Magazine enthaü ten riesige Mengen an Akten Und doch finden sich noch zahlreiche L Ü ck e n Aufgabe der Heeresarchive if( es daher auch Material zur Schließung dieser Lücken und zur Ergänzung der dienstlichen Akten
Der Aufschwung der Kriegsgeschichte knüpft in Preußen an den Namen Scharnhorst an. Er ®ar zwar nicht der erste und einzige der Knegs- leschichte trieb, aber bei erste, ber ihre Bedeutung Hir die praktische Schulung des Offiziers erkannte. Kriegsgeschichte konnte nur getrieben werden, wenn man dazu die Voraussetzung hatte, wenn der Soldat ielbst andieQuellen herankonnte. Das erreichte man erst durch Schalung eines militärischen Ar- Livs Noch in einem Bericht an den Kriegsminister non Doyen, kurz r.äd) den Freiheitskriegen inöen wir die Sätze: .Alle unsere Nachbarn sind uns darin voraus Oesterreich hat ein sehr gutes, chon seit vielen Jahren eingerichtetes Kriegsarchim Da-; Ddpöt de la gnerre in Frankreich ist langst Xnt unb Rußland ist l°tz. im ‘Begriff, ein Rrieqsarcf)it> von lebt arofter Ausd-hnunq anju- on.M nnx scheut keine Kosten, um sich überall die beften Nachrichten zu verschaffen " Alle Chefs der reeneralftäbe der alten Armee der letzten 100 Jahre, ^nera F r b r von M ü f f l i n g, nor allem Ge- reraTfebmarttan Graf oon Molike unb Mr- f 6 »Neffen, haben immer mieber biefe ^nrberunaen erhoben Trott aller btefer ‘Bemubun- □en mürbe aber im mililänlchen Archwwefen. mie
H* bann bis 3um Weltkriege entamtelte rocht □nn bernb ein brauchbarer Auftanb erreicht Das
«emif, '»an enKtanbene. Mftenner. lüfte ließen sich nicht wieder gut machen, wohl aber
wehrkompanie jedes Infanterie-Regiments motorisiert, die Maschinengewehr - und die Infanteriegeschütz-Kompanien dagegen sind, wie auch der Gefechtstroß sämtlicher Kompanien, pferbebefpannt. So ist es erklärlich, daß heute ein Infanterie-Regiment genau so viele Pferde besitzt, wie ein Kavallerie-Regiment der Vorkriegszeit. Aber auch die Pionier- und die Nachrichtenformationen der Einheiten bis zur Division find aus den gleichen Gründen z. T. pferdebespannt, z. T. motorisiert, und erst die der Korps und Armeen voll motorisiert. Die Gebirgstruppen gar sind ohne ihre Tragtiere, Pferde ober — in abnehmendem Maße — Maultiere, nicht zu denken.
Naturgemäß mußten sich die Ansprüche an die Güte des Pferdematerials und damit an die Pferdezucht der einzelnen Länder unter dem Einfluß des Wettbewerbs des Motors ganz außerordentlich steigern. Deshalb wurden z. B. in Frankreich auf das Drängen gerade des Generals Weygand, der die Motorisierung des französischen Heeres vorwärtsgetrieben hat, alle Anstrengungen gemocht, die Pferdezucht zu heben. Erst jüngst find aus den Beständen der französischen Kavallerie- und Artil- lerie-Regimenter die 50 besten Stuten an Züchter abgegeben worden. Gleiche Anstrengungen machen Oesterreich, Polen und Schweden. Sowjetrußland aber hat vor wenigen Tagen in England für zwei Millionen Pfund Sterling 27 Vollbluthengste und -stuten gekauft, um seine mit der Vernichtung des Bauernstandes ruinierte Pferdezucht neu auszubauen. Die deutsche Pferdezucht ihrerseits setzt alles daran, den an sie gestellten Forderungen gerecht zu werden. Sie erstrebt ein Pferd, das für alle Zwecke der Landesverteidigung wie für die der Wirtschaft verwendbar ist, dessen Härte und blutmäßigen Eigenschaften allen Anstrengungen ge- wachsen sind. Die Truppenerfahrungen, wie die ßeiftungsprüfungen in den letzten Jahren aut den Turnieren, in denen sich unsere Pferde und Reiter so glänzend überlegen gezeigt haben, und nicht zuletzt die steigende Nachfrage nach deutschem Zucht- material aus dem Auslande — ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor — beweisen, daß wir auf dem rechten Wege sind.
Zum deutschen Pferde, zum Dienst mit ihm im Heere aber gehören der deutsche Mann, der vom Blut her Lust und Liebe zum Pferde hat und mit dessen Wartung und Pflege von Jugend an
Gebirgskrieg gegen Italien oder in den ungangbaren Vogesen und Argonnen gefochten haben. Entscheidend für das Problem — das anerkanntermaßen nicht mehr „Pferd oder Motor", sondern vielmehr „Pferd und Motor" lautet — sind in den Wehrstaaten Europas die Erfahrungen auf den ehemaligen und die Eigentümlichkeiten der vermutlich zukünftigen Kriegsschauplätze geworden. Es ist dabei bemerkenswert, daß, nach einem nur natürlichen Auftrieb der Motorisierung in allen hochgerüfteten Staaten nach dem Weltkriege, inzwischen in allen Ländern eine deutliche Reaktion in der Frage des Abbaues der Kavallerie eingetreten ist.
Allerdings, die Zeit der „Attacken" ist bei der Entwicklung der modernen Feuerwaffen vorüber. Die Aufgabe neuzeitlicher Kavallerie ist, diese Waffen an den Feind zu tragen. Zu Pferde und so nahe heran, wie es nach Lage und Gelände nur angängig ist. Es sind die gleichen Waffen, mit denen auch die Infanterie, die aus ihren entscheidenden Aufgaben ebenfalls noch nicht durch die Panzerverbände verdrängt ist, den Sieg erkämpft. Sie spielen auch im Reiterkampf der Zukunft ihre Rolle.
Im übrigen darf man die Reiter nicht mehr allein bei der Kavallerie oder Artillerie suchen. Jedes Infanterie-Regiment verfügt heutzutage u. a. über einen Reiterzug, der der Aufklärung und Sicherung seines Verbandes und der so wichtigen Meldetätigkeit zu dienen hat. Pferd und Reiter sind damit als ein vorläufig gar nicht zu entbehrendes Glied in die Zusammenarbeit der Organisation ber technischen und menschlichen Nachrichtenübermittlung — Meldereiter, Fernsprecher, Funkdienst — eingeschlossen, aus der der Heerführer die Unterlagen für seine (Entschlüsse und Handlungen gewinnt
Aber auch darüber hinaus hat sich noch fern Staat zu einer völligen Motorisierung seines Heeres entschließen können. Das gilt selbst für die sogenannten „schnellen Divisione n", die überall neben den motorisierten und mechanisierten Verbänden mindestens zwei berittene Regimenter aufweisen, wie für die Artillerie, die in allen Heeren mit bespannten Regimentern vertreten ist, wie vor allem für die Infanterie. Die entscheidende Bedeutung von deren Unabhängigkeit vom Gelände, auch im Mitführen ihrer schweren Waffen und der Gefechtsfahrzeuge, ist überall anerkannt. Diese aber glaubt man bis auf weiteres sicherer mit Hilfe des Pferdes als des Motors zu erreichen. Auch in unserem Heere ist deshalb nur die Panzerab-
„Weshalb noch reiten lernen, wo doch alles motorisiert wird?" So kann man es gelegentlich von jungen Leuten hören. Eine Aeußerung, die um so erstaunlicher klingt, wenn sie aus dem Munde von Söhnen alter begeisterter Kavalleristen kommt, die auf dem Lande aufgewachsen und mit Pferden von Jugend auf vertraut sind
Dieser Zweifel, der schließlich zu der Annahme führt, die Reiterei sei durch den Motor und die Panzerwaffe überflüssig geworden und werde wohl bald ganz verschwinden, entbehrt nicht nur den tatsächlichen Verhältnissen gegenüber jeder Berechtigung, er kann auch eine Gefahr bedeuten. Denn keine Waffe verträgt es auf die Dauer, als veraltet oder als mehr oder weniger überflüssig hin- gestellt zu werden.
Sicherlich: Motor und Panzerwaffe sind unentbehrlich; sie sind da und sie werden bleiben. Die Panzerwaffe hat aber keineswegs, ebensowenig wie der Flieger, die Daseinsberechtigung der Kavallerie aufgehoben. Alle drei werden sich vielmehr in ihren wechselseitigen Aufgaben ergänzen müssen Die Aufklärung über weite Räume, in den Rücken des Gegners, die auf der Erde heute nicht mehr möglich ist, wird Aufgabe der Luftwaffe sein. Die' Nahaufklärung aber bleibt neben der Panzerwaffe der Kavallerie, der auch bedeckter Himmel nicht die Augen trübt. Und die Horch- und Schleichpatrouille, die sich bei Tag und Nacht zu Pferde und zu Fuß an den Gegner heranpirscht, kann weder das Flugzeug, noch der Panzerwagen ersetzen
Die letzte große Waffenentscheidung |eit Dem großen Völkerringen, der Krieg in Abessinien, hat die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit von Pferd und Motor eindringlich bewiesen. Auf schnell gebauten Straßen drangen die Italiener mit zahllosen Kraftwagen durch die Wüste Ostafrikas vor. Im Gewirr der Felsen aber versagte die Kraft der erprobten Modelle. An ihre Stelle traten die durch Jahrhunderte bewährten Waffenkameraden des Menschen, Pferde und Maultiere. Sie trugen Waffen und Munition, Gerät und Verpflegung über Schroffen und Abgründe. Sie legten damit die Grundlage zum Siege. Als er errungen, transportierte sie der Lastkraftwaaen über Hunderte von Kilometer an andere Stellen zur nächsten Offensive, wo sie dieselben Dienste leisteten.
Auch in Europa gibt es noch weite Landstrecken, in denen selbst das gelänbegängifte Fahrzeug versagt. Das wissen diejenigen, die an der Ostfront, in Rußland und Polen und in den Karpathen, im
Der Aufbau des Heeres und die EinfÜihrung allgemeinen Wehrpflicht haben auch die Heeres- apotheker vor erweiterte Aufgaben gestellt Jeder Pharmazeut kann wieder Apotheker des Beur- 'aubtenstandes werden. Als Spitzenftelle für öie- Heeresapotheker ist im Reichskriegsminifterium — Heeres-Sanitätsinspektion — eine Re- lerentenfteüe für pharmazeutische und chemische Angelegenheiten vorgesehen. Hier wird der gesamte Zharmazeutische Dienst des Reichsheeres organisiert, :s werden die persönlichen und Dienstverhältnisse kr Apotheker bearbeitet, die einschlägigen Dienstvorschriften ausgearbeitet Richtlinien und Anwei- imgen für die Beschaffung des Bedarfes heraus- ;;egeben und die zuständigen Verwaltungsstellen bei kr Verpflegung, Bekleidung und Unterkunft der Truppe sachverständig beraten, soweit die Fragen c:uf chemischem Gebiet liegen
Ur. 02 Zweite? Blatt
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