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ItrJZ Erster Blatt

187- Jahrgang

Donnerstag, A.Zanuar 1957

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Japans Drang nach Siiden.

» Von Otto Corbach.

Geichzeitig mit dem machtvollen Vordringen Ja­pans längs der Großen Mauer, deren verlorene strategische Bedeutung es durch eine Kette moder­ner militärischer Stützpunkte zu ersetzen sucht, voll­zieht sich eine geräuschlose friedliche Ausbreitung japanischer Kräfte in südlicher Richtung, die umso größere Beachtung verdient, als dadurch briti­sche Kreise mit der Zeit empfindlicher gestört wer­den könnten als in Nordchina und ini nördlichen Pazifik russische. Es handelt sich hierbei nicht nur um eine immer wirksamere Festsetzung auf eigenen und fremden Inseln, die als Schrittsteine über die Wasserwüste nach Australien und Neusee­land führen, sondern auch um Ausnutzung der dem Festlande vorgelagerten Inseln als Ansatzstellen für die Bearbeitung der gegenüberliegenden Küsten­striche.

Schon seit Jahrzehnten läßt sich auf den zahlrei­chen Inseln der Südsee beobachten, wie die einhei­mische braune Bevölkerung unter der Berührung mit gelben Einwanderern zusehends zusammen­schmilzt. Zuerst waren es Chinesen, die sie in ihrem idyllischen Dasein störten. Das geschäftige Treiben der Eindringlinge verdarb ihnen den Le­bensmut, soweit sie unter ihrem Wettbewerb über­haupt bestehen konnten. Wenn sie den Fremden nach von ihnen noch nicht berührten Inseln auszu­weichen suchten, so konnten sie doch nur für kurze Zeit Atem schöpfen. Die Fremden aus dem Norden hatten auch dort bald Fuß gefaßt. Schwierig aber wurde die Lage erst, als auch japanische Ein­wanderer immer häufiger auftauchten. Der harmloseste Kanake spürte bald, daß diese neuen Konkurrenten nicht vereinzelt eine unheimliche Be- triebssamkeit entfalteten, sondern unter einheitlicher Lenkung irgendeiner unsichtbaren kapitalkräftigen Führung ständen. Selbst chinesische Einwanderer räumten in immer größerer Zahl das Feld.

Mit der Zeit nahm die Planmäßigkeit der japa­nischen Ausbreitung feste geschäftliche Formen an. In den Gewässern Malakkas und Indonesiens be­trieben früher Malayen und Chinesen die Fischerei in kleinen Gruppen. Sie mußten einem japanischen Großunternehmen weichen. Dieses läßt Segelschiffe Tag und Nacht auf dem Meere treiben, zwischen denen Schleppnetze ausgespannt sind, die alle paar Stunden oon ihren Fängen befreit werden. Schnelle Motorboote verbinden diese schwimmenden Fische­reien mit den großen Hafenplätzen wie Singapur und versorgen die Märkte fortwährend mit frischen Fischen zu wohlfeilen Preisen.

Auf Formosa hat eine große japanische Koloni- sationsgcsellschaft ihren Sitz, die im Oktober gegrün­det wurde. Sie betreibt nicht nur den Fischfang im großen Stil, sondern trifft auch Anstalten, die benachbarte chinesische Provinz F u k i e n für eine japanische Masseneinwanderung auf­zuschließen. Schon gibt es dort eine größere Anzahl japanischer Pioniere, die mit wachsendem« Erfolge nach wissenschaftlichen Methoden Melonen und Ba­nanen in großen Anlagen ziehen. Kein einheimischer Wettbewerb kann sich gegen sie behaupten. Die neue Gesellschaft will auf Formosa wie in Fukien alle Zweige der Landwirtschaft und Viehzucht mit den modernsten wissenschaftlichen und technischen Mitteln pflegen und im Laufe von fünf Jahren 100 000 Japaner in Fukien ansässig machen. Kein Schiff darf auf einer Ueberfahrt mehr als 50 aus­gesuchte chinesische Arbeiter nach Formosa bringen. Jeder einzelne Kuli wird von den japanischen Ein­wanderungsbeamten untersucht; nur gesunde, kräf­tige Gestalten mit geschulten Arbeitshänden werden zugelassen.

Inzwischen wurde nach dem Muster der Formosa- Gesellschaft unter Leitung des Grafen Hiüeo K o - d a m a , eines ehemaligen Ministers für Ueberfee- angelegenheiten, eine noch größere Organisation aufgezogen, dieS ü d s e e - E n t w i ck l u n g s g e - sellschaft", die am 1. Januar 1937 ihre Tätig­keit aufnehmen soll. Das Grundkapital beträgt 20 Millionen Yen, woran die Regierung mit über zehn Millionen beteiligt ist. Der Rest wird in öffentlicher Ausschreibung angeboten. Nach dem Prospekt umfaßt der Aufgabenkreis der Gesellschaft:

1. Landwirtschaftliche, Fischerei-, Bergbau- und Schiffahrtsunternehmungen, die für die über­seeische Ausbreitung Japans notwendig sind.

2. Auswanderungsunternehmungen für die über­seeische Ausbreitung.

3. Erwerbung oon Land (einschließlich Pachtung) für überseeische Unternehmungen.

4- Derwaltungsorganisation auf Konzessionsge- bieten.

5. Beschaffung der für die überseeische industrielle Entwicklung notwendigen Ausrüstung.

6. Beschaffung von Kapitalien für denselben Zweck. 7. Alle damit zusammenhängenden Nebengeschäfte. Zu den Ländern, auf die die Japaner für ihre überseeische Ausbreitung" vorzüglich ihr Augen­merk gerichtet haben, gehört Siam. Dort hat die friedliche japanische Durchdringung bereits einen großen Umfang angenommen. Die ZeitungTschugai Schogyo" meldete kürzlich:Der neuerliche voll­ständige Fehlschlag der Verhandlungen zwischen der japanischen Zuckerindustrie-Gesellschaft und der sia­mesischen Regierung über die vorgeschlagene Grün­dung einer Zucker-Raffinerie in Bangkok unter ge­meinsamer Beteiligung Japans und Siams soll hauptsächlich durch Siams ungerechtfertige Furcht zurückzuführen sein, daß Japan auf Grundlage seiner wirtschaftlichen Ausbreitung in diesem Lande eine militärische Eroberung plane." Offenbar haben in diesem wie in andern Fällen britische Vorstel­lungen bei der siamesischen Regierung ihre Wirkung getan. Das ändert nichts daran, daß sich Siam schon sehr eng in das Netzwerk des japanischen Imperialismus verstricken ließ.

Das deutsch-japanische Abkommen gegen den Kommunismus.

Ein Faktor -er japanischen Friedenspolitik in Ostasien.

Tokio, 21. Jan. (DNB. Funkspruch.) Das ja­panische Parlament trat am Donnerstag zu seiner- 70. Tagung im großen neuen Prachtbau des Reichs­tages zusammen. Der holzgetäfelte Sitzungssaal des Oberhauses füllte sich sehr schnell. Unter ehrfurchts­voller Verbeugung vor dem leeren Thronsessel des Kaisers nahmen die Oberhausmitglieder Platz. Prinz K o n o e, der Präsident des Oberhauses, eröffnete die Sitzung und erteilte dem Ministerpräsidenten ftirota das Wort zum Rechenschaftsbericht. Nach der Rede Hirotas begab sich Außenminister A r i t a zum Rednerpult. Ihm folgte später der Finanz- mlnister Baba. Nach kurzer Pause begab sich die Regierung in das Unterhaus, um auch dort über ihre Tätigkeit Bericht zu erstatten.

Ministerpräsident Sirota.

legte die Grundlinien seiner Regierungsführung dar. Die innen- und außenpolitische Lage erfordere eine Erneuerungspolitik im Rahmen der japanischen Verfassung, wobei das Kaiserhausder Mit­telpunkt des japanischen Volkes blei­ben müsse. Die Erneuerungspolitik strebe die Fort­setzung der japanischen Friedenspolitik gegenüber allen Ländern art, darüber hinaus aber ver­st ä r k t e n Kampf gegen die kommuni- st i s ch e Gefahr. Deswegen sei auch das deutsch-japanische Abkommen notwen- d i g gewesen. Innenpolitisch sei die Arbeit der Re­gierung in erster Linie auf die Stärkung der Landesverteidigung gerichtet unter mög­

lichst weitgehender Berücksichtigung aller Bestre- strebungen, die eine Verbesserung der Le­benshaltung des japanischen Volkes zum Ziele habe. Eine Verwaltungsreform, die sich auch auf die Arbeit des Parlaments erstrecken werde, sei in Vorbereitung. *

Außenminister Arita

ging oon der Tatsache aus, daß die schwierige inter­nationale Lage ein unbeirrtes Festhalten Japans an seiner Politik als Ordnungsfaktor in Ostasien zum Wohle des Weltfriedens verlange. Einen besonderen Raum nahm in der Rede Aritas die kommunistische Gefahr und das deutsch-japa­nische Abkommen ein. Der Außenminister betonte, unter Zurückweisung aller falschen Auslegungen die Notwendigkeit des Abkommens als Gegen­maßnahme gegen die Wühlarbeit der Komintern und fotbert nochmals die anderen Mächte zum Anschluß an dieses Abkommen auf.

Auf die BeziehungenJapans zu China übergehend, schilderte Arita den Verlauf der Ver­handlungen und sprach sein Bedauern darüber aus, daß nennenswerte Ergebnisse in Richtung auf eine Beilegung aller Streitfragen und die Her­stellung freundschaftlicher Zusammenarbeit bisher ausgeblieben seien. Die letzten Ereignisse in Sianfu machten eine erhöhte Aufmerksamkeit Japans notwendig. Trotz allem sei jedoch die Hoff­nung auf eine baldige Lösung der japanisch-chine­

sischen Schwierigkeiten berechtigt. Der Außenminister unterstrich die dauernden Bemühungen Japans zur Verbesserung seiner Beziehungen mit Sowjetrußland. Als Voraussetzung hierfür verlange Japan von sowjetrufsischer Seite die Ein­schränkung der ungeheuren Rüstungen in den Ostgebieten der Sowjetunion und die Auf­gabe des ständigen Mißtrauens der Sowjetregierung gegenüber Japans Absichten.

Hinsichtlich Englunds begnügte sich Arita mit der Feststellung, daß Japan die traditionelle Freundschaft mit diesem Lande aufrecht zu er­halten wünsche. Die Beziehung xu den Vereinig­ten Stauten hätten sich gebessert. Weiter stellte Arita die erfreulichen Beziehungen zu Italien und Anzeichen für eine Beseitigung der Reibungen mit Niederländisch-Jndien fest.

Für den japanischen Außenhandel glaubte der Minister trotz des Weiterbestehens zahl­reicher Absperrmaßnahmen anderer Länder eine Fortsetz ungderAufwärtsentwicklung der letzten Jahre voraussagen zu können. Dieser Optimismus sei berechtigt, besonders wenn die anderen Völker den japanischen Forderungen nach Wieder her st ellung der Handelsfrei­heit und Eröffnung von kolonialen Rohstoffquellen entsprechen würden. Arttu appellierte an die Einigkeit des japanischen Volkes zur Ueberwindung der Schwierigkeiten, die sich der Durchsetzung der japanischen Weltpolttik entgegen­stellen.

Im Uebrigen gehört es im Zeitalter der Luftfahrt zu den selbstverständlichen Pflichten der Vorsorge für die Verteidigung seiner Hauptinseln, daß Japan beizeiten zu Wasser'wie zu Lande in möglichst wei­tem Umkreise über strategische Stützpunkte verfügt. Die rund 1400 Inseln oder Inselchen Mikrone­siens, über die es als Mandatsmacht verfügt, können ihm im Kriegsfälle für U-Boote und Flug­zeuge unschätzbare Dienste leisten. Seit Anfang die- fes Jahres läuft ein Zwölf-Juhres-Plan, der den westlichen Pazifik mit einem ganzen Netzwerk von Flugzeuglinien überziehen soll. Schon gibt es einen regelmäßigen Luftdienst nicht nur von Tokio nach Furmosa, sondern auch nach den Palauinseln, der nach Australien weitergeführt werden soll. Strecken zwischen dem frostigen Kamtschatka und den Südsee- inseln, Singapur, Borneo, Java und Australien dürften in absehbarer Zeit von japanischen Fliegern regelmäßig beflogen werden und so die japanische Ausbreitung fördern.

Australiens Landesverteidigung.

Australien ist der in die Südsee vorgeschobene bri- ttsche Besitz, der sich völlig vereinsamt vorkommt und von dem man weiß, daß er nicht mächtig genug ist, einen Gegner, von wo er auch kommen mag, ver­nichtend zurückzuschlugen. Die Küsten Australiens sind viel zu lang, das Land ist viel zu dünn besiedelt, so daß also für den Angreifer ge­radezu ideale Bedingungen für das Gelngen seines Angriffs gegeben sind. Die Versicherungen Eng­lands, im Ernstfall sofort zu Hilfe zu eilen, sind für die Australier nur ein schwacher Trost. Darum geht man jetzt mehr und mehr dazu über, sich militärisch auf eigene Füße zu stellen. Die Ausgaben für die Aufrüstung 1936/37 sind stark in die Höhe geschraubt worden. Sie machen das Dreifache der Aufwendungen von 1932/33 aus. Wenn auch diese Ausgaben als Beitrag zur Reichsver­teidigung angesehen werden, so sind sie tatsäch­lich doch Ausgaben, die in allererster Linie Austra- l i e n s e l b st wieder zugute kommen. Heer und Marine sollen an Umfang gewinnen. Die Armee wird auf Grund des neuen Rüstungsprogramms mit hochmodernen Waffen versehen, außerdem wird das stehende Heer auf 23 000, die Miliz auf 35 000 Mann erhöht Für das weite Australien ist dieses Heer nicht allzu stark. Ist es jedoch beweglich und schlagkräftig, dann kann es den Gegner Hin­halten, bis nach einigen Wochen Hilfe eingetroffen ist. Die Flotte soll ebenfalls durch Neubauten verstärkt werden. Das gleiche gilt auch für die Luftwaffe. Um das Land rüstungsmäßig unab­hängig zu machen, ist geplant, die vorhandenen Rüstungsbetriebe auszubauen und neue Anlagen aufzuführen. Namentlich eine eigene Flug­zeugindustrie soll geschaffen werden.

Roosevelts zweite Amtsperiode.

Der Eid auf die Verfassung.

Washington, 20. Jan. (DNB.) Zu Beginn seiner zweiten Amtsperiode als Präsident der Ver­einigten Staaten hielt Roosevelt heute seine An­trittsrede.

Wie bei Beginn seiner ersten Präsidentschaft, wohnte Roosevelt auch am Mittwoch früh mit seiner Familie und seinem Gefolge dem Gottes­dienst in der Kirche bei. Sodann begab er sich, be­gleitet von einer Abordnung der beiden Häuser des Bundesparlaments und von Ehrenkompanien der Polizei, des Heeres und der Marine zum Kapi­tol. Hier legten Roosevelt und Vizepräsident Gar­ner in Gegenwart aller Abgeordneten, des Kabi­netts und der diplomatischen Missionen vor einer Menschenmenge, die nach Zehntausenden zählte, trotz kalten und regnerischen Wetters auf dem Capitol- Platz den Eid auf Sie Verfassung ab.

Anschließend hielt Roosevelt seine Antrittsrede, die lediglich in großen Zügen seine Pläne für seine zweite Amtsperiode barlegte. Amerika erkenne die Notwendigkeit, durch eine st a r k e Regierung die Probleme der immer komplizierter werdenden Zivilisation zu lösen. Eine Regierung der neuen Zeit müsse die epidemischen Krankheiten der Wirtschaft ebenso heilen, wie man früher die Seuchen der Menschheit erfolgreich bekämpft habe. Vor genau 150 Jahren habe sich das amerikanische Vo.'k für diese Zwecke eine Bundesregierung geschaffen. Je komplizierter das menschliche Leben werde, desto mehr Macht müsse die Regierung bekommen, um die Beziehungen der Menschen un­tereinander zu regeln, mehr Macht, um das Böse zu vernichten, mehr Macht, um das Gute durchzu­setzen. In den letzten vier Jahren habe er die Herr­schaft des Volkes gestärkt und die Macht der pri­vaten Autokratien gebrochen. Aber das alles ge­nüge nicht. Er wolle ein besseres Amerika

aufbauen.Ich sehe eine große Nation, die mit Naturschätzen auf einem weiten Raum reich ge­segnet ist. Ich sehe ein Volk, das mit den anderen Völkern im Frieden leben will. Aber ich sehe gleich- zeittg viele Millionen Amerikaner, die nicht ein* mal bas Notwendigste zum Leben haben. Ich sehe Millionen ohne Kaufkraft für die Erzeug­nisse der Farm und der Fabrik, die wiederum da­durch anderen keine Gelegenheit zur Arbeit geben können. Ich sehe ein Drittel der Bevölkerung un­serer Nation in schlechten Wohnungen, schlecht ge­kleidet und schlecht genährt. Wir wollen uns um jeden amerikanischen Bürger kümmern und werden niemals irgendeine Gruppe, die loyal die Gesetze achtet, als überflüssig ansehen. Unsere Aufgabe ist schwer und unsere Methoden sind langsam und er­fordern Geduld. Aber das Verständnis für die auf­geführten Notwendigkeiten wird erwachen. Dann kann die politische Führung an die Verwirklichung ihrer Ziele und Ideale Herangehen."

Finanz- und Wirischastspolilik der Gemeinden.

Minister Or.Frick bei der Amtseinführung des neuen Kölner Oberbürgermeisters

Köln, 20. Jan. (DNB.) Der neue Oberbürger­meister der Stadt Köln, Dr. K. G. Schmidt, wurde durch den Reichs- und preußischen Minister des Innern, Dr. Frick, in sein Amt eingeführt. Gauleiter Staatsrat G r o h e stellte der verhäng­nisvollen Mißwirtschaft £er früheren Stadtverwal­tung die gewaltige Aufbauarbeit der nationalsozia- listischen Verwaltung der Hansestadt gegenüber und verband damit seinen aufrichtigen Dank für die unermüdliche Tätigkeit des bisherigen Oberbürger­meisters Dr. Riefen und des jetzt ausscheidenden Ersten Bürgermeisters R. S ch o l l e r , der sich wieder ausschließlich der Parteiarbeit widmen werde.

Reichsminister Dr. Frick

wies darauf hin, was ein Wechsel in der Leitung einer Großstadt bedeute, nachdem die Deutsche Ge­meindeordnung den Bürgermeister unter Beseitigung der verderblichen parlamentarischen Fesseln und Hemmungen zum alleinverantwortlichen Führer des Gemeinwesens gemacht habe. Wenn man die in den letzten Jahren geleistete Aufbauarbeit richtig bewerten und würdigen wolle, dann müsse man sich immer dessen erinnern, wel­ches kommunale Erbe der Nationalsozialis­mus nach dem Umbruch übernehmen mußte. Wenn heute die Finanzlage der Stadt Köln gefestigt fei, dann verdanken wir dies nicht allein den groß­zügigen wirtschaftlichen Maßnahmen der Reichs­regierung, auch nicht nur den gesetzlichen Regelun­gen auf kommunalem Gebiet, sondern auch der örtlichen Führung.

Vorsichtige und zurückhaltende Wirtschaftspolitik und sparsame Finanzführung müssen auch weiterhin oberster Grundsatz bleiben. Ohne Entlastung des Haushaltes durch fortlaufend verstärkte Schuldentilgung wird die Stadt die Grundlage für eine eigene schöpfe­rische Kommunalpolitik, so hart dies auch klin­gen mag, nicht wiedererlangen. Gerade die Beschränktheit der Wittel erfordert ihren plan­mäßigen Einsatz da, wo sie den größten Erfolg versprechen. Die nunmehr völlige lleberlassung der Realsteuern an die Gemeinden gestaltet die Verbindung zwischen der örtlichen Wirtschaft und der Kom­mune besonders eng und hat die Verpflichtung zu verantwortungsbewußter Führung der Fi­nanzpolitik noch gesteigert.

Entwicklung und Zusammenfassung aller eigenen Kräfte und deren planvoller Einsatz auch das kommunale Leben heißt Kampf das ist die Auf­gabe städtischer Führung! Initiative und Aktivität dürfen in einer Stadt niemals fehlen; nur der aber ist ein wahrer Führer, der diese Initiative mit sparsamem Einsatz seiner Mittel zu entfalten weiß. Ohne enge Fühlung zwischen Bürgermeister und Gemeinderäten seien eine kommunale Selbstverwaltung im Sinne der Deutschen Gemeindeordnung und eine Führung der Kommune in wahrhaft nationalsozialistischem Geist, d. h. eine Führung ganz abgestellt auf das all­gemeine Wohl, auf die Dauer unmöglich.

Oberbürgermeister Dr. Schmidt versicherte, er wolle mit der gleichen Initiative, Einsatzbereitschaft und Aktivität an seine neue Arbeit Herangehen, wie er es in seiner bisherigen Tätigkeit gewohnt ge­wesen sei. In engster Fühlung mit dem Gauleiter werde er alles tun, um der Stadt ihre Bedeutung als Brücke zu den Kulturen der Nachbarländer zu erhalten und damit einen Baustein für die so not­wendige Befriedung des westlichen Europas bei­zutragen.

Politik und Wirtschaft.

Josef Wagner zum Bierjahresplan.

B e r [ i n, 20. Jan. (DNB.) Vor dem Wirtschafts- rat der Deutschen Akademie sprach Gauleiter Josef Wagner über die Aufgaben der deutschen Wirt­schaft im zweiten Dierjahresplan. Das oberste Gesetz nationalsozialistischer Weltanschauung stellt das Volk in den Mittelpunkt aller Entschlüsse. Die Wirtschaft ist die große Funktion des eigent­lichen Arbeitens, Denkens und Schaffens, abgestellt auf den Sinn, dem Ganzen sowie dem Einzelnen die materiellen Grundlagen zu sichern, auf denen das Leben sich abspielt. Die Anschauungen und Ideen, wie sie das Denken und Leben a n derer Völker bestimmen, bleiben für unsere wirt­schaftlichen Wechselbeziehungen völlig außer Betracht. Nur wenn die Nationen bereit sind, einander unter den gleichen Voraus­setzungen von Ehre, Freiheit und Lebensrecht näherzutreten, kann ein wirklicher Friede werden. Das Gleiche gilt für die Herstellung gesun­der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen, die allein ZU einer allgemeinen Lösung der wirtschaftlichen Verkrampfung auf dem Weltmarkt zu führen ver­mögen.

Würde sich die deutsche Wirtschaft allein auf die