Jugend und Hochschule.
satz endgültig auf die verschiedenen Gaue neu verteilt. Dem Gau Hessen-Nassau wurde für den Landdienst Oberschlesien, für den Fabrikdienst die Bayrische Ostmark zugewiesen. Anfang Januar 1937 fand das vierte Gaueinsatzlager in Oberursel statt, in dem die Gruppenreferenten in Anwesenheit der Gaureferenten von Schlesien und der Bayrischen Ostmark für die neuen Aufgabengebiete geschult wurden. In wenigen Wochen leisteten die
Einsatzreferenten und -referentinnen unseres Gaues vorbildliche Arbeit. Bereits Mitte Februar 1937 konnte der Gau Hessen-Nassau der Neichsstudeikten- führung melden, daß er trotz der kurzen Vorberei- tungszeit mit dreihundert Studenten und Studentinnen' am studentischen Einsatz teilnimmt.
In den Sommerferien nahm der Gau Hessen- Nassau mit tausend Mann an der Erntehilfe teil.
A!S Ausiauschschüler ms Dollarland
Erlebnisse eines Teilnehmers am
Das Glück, als Siebzehnjähriger nach Amerika fahren zu können, ist kaum faßbar! Eine Fahrt über den Atlantischen Ozean antreten, Neuyork sehen, sechs Wochen in der Stadt Cleveland am Erie-See als Gast einer amerikanischen Familie verbringen, die Bundeshauptstadt Washington besuchen, und mit dem in Cleveland gewonnenen „Austauschkameraden" wieder über den Ozean zurückkehren — klingt das nicht alles wie ein holder Traum? Und ist doch Wirklichkeit geworden! Denn, wie langsam auch die Wochen bis zur Abreise hinschlichen, endlich kam dennoch der ersehnte Nachmittag, an dem wir mit zwei Koffern in der Hand in Berlin auf dem Bahnhof «standen, um mit dem fahrplanmäßigen O-Zuge nach Hamburg unsere Reise in die neue Welt anzutreten. *
Helle Sonne liegt auf dem Atlantischen Ozean. Ruhig fährt'unsere „Neuyork" ihres Weges. Kaum ist eine leise Dünung zu spüren. Dennoch hat die Seekrankheit schon einige unter uns gepackt! Vielleicht hätten sie doch mehr tanzen oder mehr Skat spielen sollen!
Wir andern, die wir ob unserer „Seefestigkeit" gar stolz sind (es sollte bald anders kommen!), genießen die Ruhe, die uns nach den vielen, auf uns einftürmenden Ereignisfen endlich zur Besinnung kommen läßt. Aber'womit beginnen, um das Leben an Bord zu schildern? Zudem hat es schon viele Beschreibungen gegeben, wie es auf einem „schwimmenden Hotel" zugeht. Für uns allerdings, die wir sechzehn, siebzehn Jahre alt sind, ist alles neu, ist alles Erlebnis, nie gekannt. Fast jede Stunde am Tag bringt ein neues Stück Welt.
An Unterhaltung und Abwechselung gebricht's jedenfalls nicht. Jeden Nachmittag ist Tee-Konzert. Des Abends aber ist stets etwas anderes im Gange. Bald ist es ein Winzerfest, bald ein Bockbierfest, dann wieder ein „Weißer-Röß'l-Abend". An diesem Tage hatte sich allerdings der Speisesaal schon sehr sichtbar geleert. In der bunten Reihe unserer lustigen Kameradschaft klaffen große Lücken. Wenige nur sitzen noch an einsamen Tischen. Bis der Sturm ein Einsehen hat, wohl weil ein Kostümfest, an dem wir Austauschschüler teilnahmen, winkte.
Tagsüber machen wir das ganze Schiff unsicher. Nichts ist uns heilig! Aber wir werden auch sachkundig geführt. Wir dürfen auf die Kommandobrücke, und Hinunter in die Maschinenräume. Auch werden wir über die Gefahren aufgeklärt. Wir proben die Rettungwesten an.
Wie es sich nicht anders versteht, ist auch ein Tonfilmkino an Bord. Wir sehen den preisgekrönten Janningsfilm „Der Herrscher", aber auch amerikanische Filme, die zum Glück deutsche Untertitel tragen.
Nachdem die ersten Tage der Seereise vorüber waren, trafen wir hundert Schüler und Schülerinnen uns auch jeden Morgen zu einer Art Unterrichts- oder Besprechungsstunde. In ihr erhalten wir sachgemäße Belehrungen. Unsere Austauschreise steht unter der Leitung von Studienrat Dr. Hensel; ferner begleiten uns Herr Studienrat Dr. E g n e r und Herr Ziegast, der als Turnlehrer
Earl-Schurz-Schüleraustausch.
unseren Frühsport leitet. Die Schülerinnen stehen außerdem unter der Obhut von Fräulein Dr. phil. F r a u e n d i e n st.
Sehr viel Neues und Wissenswertes erfahren wir. Amerikanische Sillen und Gebräuche sind zu merken. Auch lernen wir die amerikanische Nationalhymne auswendig und singen sie gemeinsam. Ueber- haupt wird das Singen sehr gepflegt. Stadtschulrat Dr. M e i n s h a u s e n, ein bewährter Kämpfer bei der Eroberung des roten Berlins, hat eigens ein Liederbuch für diese Austauschfahrt zusammenge- stellt, das sich der größten Benutzung erfreut.
Wie es sich für deutsche Jungen und Mädel gehört, haben mir auch sofort „dicke" Freundschaft mit der Besatzung geschlossen. Wir besuchen sie in iihren Unterkunftsräumen auf der Back, das ist ganz vorn im Schiff. Besonders mit „Toni" und „Ede" und dem weißhaarigen 60jährigen Matrosen „Onny" haben wir uns befreundet. „Tom" spielt herrlich auf seiner Klampfe und kennt kein Abreißen beim Abspinnen seines Seemannsgarns! Wir Jungen duzen uns mit den Matrosen, während die Mädel und Matrosen einander siezen. Selbstverständlich duzen wir Schüler und Schülerinnen uns untereinander; die allermeisten unter uns gehören ja auch der Hitler-Jugend an.
Da wir nach Westen fahren, müssen wir wegen des Zeitunterschiedes in jeder Nacht unsere Uhren eine Stunde zurückstellen. Wir sind damit einverstanden, denn das bedeutet jede Nacht eine Stunde Schlaf mehr. Daß wir uns langsam nähern, ja schon die Hälfte des Weges hinter uns haben, ersehen wir aus den Speisekarten, auf denen jetzt auf der Innenseite links die englische Bezeichnung der Speisen und rechts die deutschen stehen, während es vordem umgekehrt war. Eine vorzüglich ausgestattete Leihbücherei steht uns (unentgeltlich) zur Verfügung, wenn wir uns nicht an den vielen Bordspielen, am Tischtennis oder gar an dem Boxen auf dem Sportdeck beteiligen.
Die Tage fliegen „pfeilgeschwind". Der vorletzte Tag an Bord rückt näher und ist erfüllt von Unruhe und Vorbereitungen für die Ankunft in Neuyork. Koffer werden gepackt. Sehr viele Karten sind auszufüllen für Zoll und Quarantäne. Wir müssen die Ziffern 1 und 7 in genau vorgeschriebener Form auf die Karten malen; warum bleibt uns rätselhaft. Aber warum sollen wir es nicht tun? Auch müssen alle Worte in lateinischer „Druckschrift" geschrieben werden. Das vertreibt, auch die Ungeduld und Erwartung sehr gut.
Je mehr wir uns Neuyork nähern, desto stärker kommt uns zum Bewußtsein, wie dankbar wir der Stadt Berlin, unserm Stadtschulrat Dr. Meins- hausen, unserer „Obermutti", Frau Schulrätin Kausler, und allen hüben und drüben sein müssen, die es .ermöglichten, daß wir diese herrliche Reise antreten konnten. Auch der Hapag gedenken wir dankbar, besonders der Herren Dr. Martens in Berlin und von Bergmann, der uns an Bord betreut.
Am letzten Abend gibt es ein fast schlemmerhaf- tes,. üppiges Jubiläumsmahl zum Abschied. Am letzten Tage unserer Fahrt wird es schon sehr früh auf dem Dampfer lebendig. Alles drängt an die
Stu-entlschcr Einsatz im Gau Heffen-Aassau.
Rückblick auf die Arbeit zweier Jahre.
NSG. In den letzten Sommerferien beteiligten sich die Stamm-Mannschaften und Kameradschaften des NSDStB. erstmals geschlossen am Land- d i e n st. Wir wollen die Entwicklung aufzeigen, die der studentlsche Einsatz seit seinem Bestehen in unserem Gau genommen hat. 1935 gingen Studenten der Hochschulen für Lehrerbildung in Darmstadt und Weilburg in die Grenzgebiete Pommern und Kurmark, um dort den Bauern bei der Einbringung der Ernte zu helfen. Die zurückkehrenden Land- dienstler hallen die Not des deutschen Ostens kennengelernt, sahen als Lehrer die große Aufgabe, die ihnen die Grenze stellt. Es bildeten sich Arbeitsgemeinschaften, in denen die wichtigsten Ostprobleme behandelt wurden. Im Sommer 1935 führte die NSDStB.-Gruppe Geisenheim mit zehn Kameraden in den dortigen Kaolinwerken erstmals Fabrikdienst durch. Es war dies der erste Fabrikeinsatz im Reich, nur in wenigen Großstädten hatten vorher vereinzelt Studentinnen in Verbindung mit dem Frauenamt der DAF. erholungsbedürftigen Arbeiterinnen durch ihre Tätigkeit zu zusätzlichem Urlaub verholfen.
Ende November 1935 wurde von der Reichsstudentenbundsführung eine Hauptstelle für studentischen Einsatz geschaffen. Landdienst, Fabrikdienst, NSV.-Dienst, Äutobahndienst, Wissenschaftsdienst, Kirchenbücherverzettelung usw. wurden in dieser Dienststelle zusammengefaßt. Auf einer Arbeitstagung der für alle deutschen Gaue berufenen Gaueinsatzreferenten in der Führerfchule der Landesbauernschaft Schlesien wurde das Arbeitsprogramm für das Frühjahr 1936 ausgestellt. In der, Bayerischen Ostmark, dem wirtschaftlich größten Notstandsgebiet, sollte der erste große Fabrikeinsatz stattfin- den. Für alle Gruppen wurden jetzt örtliche Einsatzreferenten berufen, deren Aufgabe es war, Mannschaften für den geplanten Einsatz bereit zu stellen. Nur spärlich liefen die Meldungen zunächst bei den Gaustudentenbundsführungen ein. Schließlich konnte die Reichsstudentenbunbsführung hundert Studenten zum Fabrikdienst in die Bayerische Ostmark einberufen. Im Autobahnlager Schödelshöhe bei Hof trafen sich diese hundert Fabrikdienstler (der Gau Hessen-Nassau stellte hiervon allein sechzig) zu einem vierzehntägigen Einsatz. Mancherlei Schwierigkeiten brachte das erste Lager mit sich. Aber der Anfang war gemacht, die Idee des Fabrikdienstes hatte sich durchgesetzt. In den darauffolgenden Sommerferien verhalfen nahezu tausend Studenten deutschen Arbeitern und Arbeiterinnen zu einem zusätzlichen Urlaub. Hessen-Nassau war diesmal mit hundertfünfzig Mann am Fabrikdienst Bayerische Ostmark beteiligt.
Die Landdienstgruppen unseres Gaues hatten im März 1936 die gesamte Ostgrenze beschickt. In Ostpreußen war die Universität Frankfurt tätig, in Pommern die Hochschule für Lehrerbildung Weilburg, in Kurmark-Grenzmark die Hochschule für Lehrerbildung Darmstadt. Oberschlesien wurde von der Universität Gießen bearbeitet. Im Sommer 1936 standen hundertzwanzig Studenten unseres Gaues an der deutschen Ostgrenze im Landdienst. Gleichzeitig hatte' die Gaustudentenbundsführung Hessen-Nassau in Verbindung mit der Landesbauernschaft einen eigenen Dorfdienst eingerichtet, an dem fünfzig Studenten und Studentinnen teilnahmen. Dieser Dorfdienst war ein großer Erfolg; er bildete den Ausgangspunkt für viele Reichsberufswett- fampfarbeiten. Sämtliche Ortsbauernführer forderten für die Ernte 1937 wieder Studenten von uns an.
Auf einer Arbeitstagung der Gaureferenten wurde durch die Reichsftudentenführung der Ein-
W ffenfchast aus neuem Geiste.
Zum 50. Geburtstage
des Philosophen Alfred Baeumler.
Zu den Männern, die mit Leidenschaft um die Neugestaltung der Wissenschaft aus nationalsozialistischem Geiste kämpfen, gehört Alfred Baeum- l e r. Schon in feinen Vorträgen und Aufsätzen vor der Zeit des nationalsozialistischen Umbruches hat Baeumler nachgewiesen, daß viele bisher gültige Begriffe der Wissenschaft überholt und einem neuen Denken Platz machen müßten, daß dieses Denken aber nicht von theoretisch hergeleiteten Meinungen befruchtet werden könne, sondern seine Kräfte wieder in den Wirklichkeiten des Lebens suchen müsse. Eine Wissenschaft, die nicht auf den Menschen bezogen sei, betrüge sich selbst. In einer seiner ersten Vorlesungen, die Baeumler in Dresden hielt, sagte er: „Nicht der Verstand erkennt, dör ganze Mensch erkennt". In diesem Satz liegt der Wesensgrund der gesamten Philosophie Baeumlers verankert und darüber hinaus auch die Zielrichtung seiner wissenschaftlichen Tätigkeit. Er ging folgerichtig den Weg vom Philosophen zum Erzieher und stellte sich somit an die vorderste Front eines entscheidenden Abschnittes im Kampf um die geistige Erneuerung unserer Zeit. So ist er zum wahren Lehrer der nationalsozialistischen studentischen Jugend geworden, die seine Sprache verstand und seine geistige Haltung bejahte, eine Haltung, die den Kampf gegen die liberale Entgegensetzung von Wissenschaft und Politik aufnahm. Baeumler hat seine Hauptaufgabe darin gesehen, den Inhalt und die Voraussetzungen der neuen Probleme mit aller Prägnanz und Schärfe darzustellen und keiner noch so schwierigen Ausgabe auszuweichen oder ihre Lösung oberflächlich und leichtfertig abzutun. So begnügte er sich auch nicht mit den Begriffen Ganzheit, Volk, organisches Denken, sondern erweiterte die Lehre ooYn Volk, vertieft durch seine Studien über Nietzsches Werk, zu einer Lehre vom Staat. „Staat und Erziehung gehören zusammen." „Die Staaten sind die größten Erziehungseinrichtungen der Völker."
Diese Auffassungen hat Baeumler in Vorlesungen, Aufsätzen und Reden unterbaut und immer wieder durch neue Gesichtspunkte als die eigentlichen Faktoren einer politischen Erziehung im nationalsozialistischen Deutschland gezeigt. Darum ist es auch nicht zu verwundern, wenn wir bei einem Rückblick auf fein Wirken nicht mit der Aufzählung umfangreicher tiefgründiger Werke und systematischer Denkgebäude aufwarten können. Er lebt mitten im politischen Kampf und stellt sich den täglich neu auftauchenden Fragen als Denker und Interpret, als ein Mann mit einem zielstrebigen Willen. Er
umgibt sich nicht mit jener oft sonderbar anmutenden Atmosphäre akademischer Ueberlegenheit, er kennt keine beschauliche Betrachtungsweise, losgelöst von den Ereignissen des Tages, sondern er stellt sich mit seinem Denken und Lehren mitten in die Ereignisse hinein und versucht aus der Einheit echten Philosophierens und eines Geschichtsbewußtseins an den Problemen gestaltend teilzunehmen. Eine seiner größten Leistungen ist die Deutung Nietzsches. Er zeichnet die Einheit und Festigkeit des Nietzscheschen Gedankengebäudes und hebt das Starke, Heroische und Willensmäßige in den Werken Nietzsches hervor. Mit seinem Nietzschebild wurde der bürgerlichen und internationalen Geisteshaltung der Krieg erklärt. Dieser Nietzsche wies in die Zukunft des neuen Staates. In feinen Werken „Männerbund und Wissenschaft", „Politik und Erziehung" und in dem soeben erschienenen Buch „Studien zur deutschen Geistesgeschichte" sind jene großen wissenschaftlichen Beiträge Baeumlers gesammelt, die Marksteine für die Neuwertung deutschen Forschergeistes und für eine neue politische Erziehung darstellen. Baeumler versucht, von den Grundlagen der nationalsozialistischen Weltanschauung her die wissenschaftliche Fragestellung zu erneuern. Diele große und vielleicht unantastbare Anschauungen sind damit angegriffen und müssen überwunden werden. Was uns aber besonders an seinem Werke freut, ist die Fülle von neuen Ausblicken, die er uns schenkt und die uns in die Lage versetzen, immer tiefer in die geistigen Auseinandersetzungen einzudringen. Schon deswegen kann man das Werk Alfred Baeumlers als einen besonderen Beitrag für die Entwicklung der kommenden deutschen Wissenschaft bezeichnen.
lieber fein wissenschaftliches Arbeiten hinaus hat Baeumler besonders regen Anteil an der praktischen Erziehungsarbeit in der Schule genommen. Die von ihm geleitete „Internationale Zeitschrift für Erziehung" genießt die Anerkennung maßgeblicher Wissenschaftler vieler Länder und dient zum Austausch der Erfahrungen aller auf dem Gebiete der Pädagogik und Erziehungswissenschaft tätigen Gelehrten. In der Zeitschrift „Weltanschauung und Schule", welche die Förderung des Reichserziehungsministers Rust genießt, entwickelt Baeumler die Erziehungsforderungen des Nationalsozialismus und kämpft um die reine deutsche Volksschule. Die nationalsozialistische Revolution hat die deutsche Schule vor der dogmatischen Erstarrung bewahrt. An die Stelle des Prinzips der formalen Bildung als Grundprinzip der Erziehung ist der Primat der unmittelbaren Erziehung „von Angesicht zu Angesicht" getreten. So wurde das System der indirekten Erziehung durch Unterricht, durch das System der direkten Erfassung durch Persönlichkeiten
verdrängt. Der eigentliche Schultypus ist daher die große deutsche Gemeinschaftsschule, die „Volksschule" im wahrsten Sinne des Wortes. Diese praktischen Forderungen sind die Ergebnisse einer kühnen, entschlossenen und zielstrebigen Denkweise, die charakteristisch für die Arbeiten Baeumlers finb. Diese Geisteshaltung verband ihn auch frühzeitig mit Reichsleiter Alfred Rosenberg, der ihn als Beauftragter des Führers für die gesamte geistige und weltanschauliche Erziehung der NSDAP, mit der Leitung der Hauptstelle Wissenschaft in seiner Dienststelle betraute. Als solcher unterstützt er die Arbeiten Alfred Rosenbergs im Kampf um die weltanschauliche Ausrichtung der politischen Erziehung und hat somit bedeutenden Anteil an der geistigen Entwicklung unserer Zeit.
Karlheinz Rüdiger.
Verusswahl und Sludenlentum in Japan.
Von unserem T.^.-Sonderberichterstatter
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Tokio, im Herbst 1937,
Vor 30 oder 40 Jahren gab es für die japanischen Eltern kaum ein Berufsproblem, wenn sie an die Zukunft ihrer Kinder dachten. Das Mädchen heiratete, der Junge erlernte den Beruf des Vaters oder blieb in der Gesellschastsschicht, in die man hineingeboren worden war. Die einen gehörten zum Adel, der für die Diplomatie und die höhere Mi- litärlaufbahn die jungen Leute stellte. Aus der Gruppe der Schwert-Adligen kamen die geringeren Offiziere und die kleinen Beamten. Und so ging es weiter, immer mehr abwärts bis zum Kuli und Lumpensammler. Heute aber ist durch die Abwanderung der Bauern vom Land in die Stadt, durch den Bau der Fabriken in den Städten, durch die Schaffung ganz neuer Schichten in der Bevölkerung, die Frage nach der Berufswahl für die Eltern vordringlich geworden, wenn sie daran denken, daß sie eines Tages ihre Kinder allein, in der Großstadt zurücklassen.
Der Werdegang des Kindes braucht allerdings erst in dem Augenblick ernsthaft ins Auge gefaßt zu werden, wenn der Knabe ober bas Mädchen mit 13 Jahren die 6jährige Grundschule hinter sich hat. Die 25 700 Grundschulen, die es in Japan gibt, liefern die nötige Vorbildung, um entweder mit 13 Jahren für die einfachsten Berufsschichten ausreichend vorgebildete Knaben und Mädchen in die japanische Welt tu entlassen ober für bie bann anschließenben Mittelschulen die Grundschule zu bie-
Reeling. Jeder will zuerst die Freiheitsstatue, jeder zuerst die Wolkenkratzer von Manhattan sehen. Das Wetter ist uns überaus gewogen! Hell und strahlend steht bie Sonne am Himmel. Um zehn Uhr legt bas Arztboot ber Qrarantäneftation an unserem Schiff an. Alle Passagiere, nachdem sie tags- zuvor „durchgezählt" worden waren, müssen an dem Arzt vorbeispazieren und dabei ihre ausgefüll- ten „inspections-cards" abgeben. Zum Glück ist alles in'bester Ordnung, so daß wir auf den Hafen von Neuyork zusteuern können.
Ueberwältigend ber Anblick der var uns liegen, den Riesenstadt mit ihren in den Himmel stoßenden Wolkenkratzern! Ein Gewirr von Schiffen und Pinassen, von Ladekähnen, flinken Schnellbooten umgibt uns. Breite, mächtige Schlepper nehmen un- ser Schiff in Empfang, „schieben" es in das schmale Dock, Taue fliegen an Land, Trossen werden aus- geworfen, Kommandos schwirren durch bie Luft, mir liegen am Pier fest, bie Lanbungsdrücke wirb ausgelegt — und um 14 Uhr amerikanischer Zeit be- treten wir zum ersten Male den Boden der neuen Welt, setzen wir unfern Fuß auf das Pflaster ber größten Stadt ber Welt, sind wir am ersten Ziel unserer heißen Wünsche — in Neuyork!
Edgar Bubendey.
überflüssiger Radiergummi.
Von Herbert Buhl.
Wir haben zuerst darüber gelacht. Oder war das etwa nicht lächerlich? Kommt da der junge Zeichenlehrer in bie Klasse, bie vor den sattsam bekannten ausgestopften Vögeln, Krügen und Tonvasen sitzt und sich mit dem „Adkonterfeien" abmüht und ordnet kategorisch an: „Die Radiergummi sind wegzu- schließen!" Wie? Das wichtigste Utensil, mit dem man so wunderschön die Fehler beseitigen konnte? Die Sekundaner sahen sich bedeutsam an. Ihre Ansicht war aus den Blicken klar und eindeutig abzulesen: verrückt!
Fortan war die Stunde der „freien Künste" ein Dornenpfad. Es hagelte die schlechtesten Zensuren, und eine begabte Klasse schien plötzlich ohne jedes Talent. Was sagte der unternehmungslustige Erzieher: „Sie werden sich bei mir daran gewöhnen müssen, von vornherein richtig zu sehen und nur Richtiges zu zeichnen!" — Gelächter! — Aber: nach sechs Wochen wurden die Zensuren besser!
Ein Wunder schien geschehen! Ein Wunder? Oder trat nur die Frucht einer richtigen Erziehung ans Tageslicht? Man begriff sich selbst nicht mehr: Der 1 Radiergummi, ohne den man früher nicht ausge- kommen war, lag längst wieder offen auf dem Arbeitsplatz — unbenutzt! Niemand von diesen Schülern hat je später einen Radiergummi benutzt, niemand sich — mit dem Radiermesser befreundet.
Die jungen Menschen waren wesentlich geworden. I Was ist denn der Radiergummi, wenn man es recht betrachtet? Ist er etwa nicht eine Eselbrücke? Fehler werden schnell und geräuschlos beseitigt, verbessert und eine Endleistung vorgetäuscht, die in Wahrheit gar nicht vorhanden ist. Auge und Jjanb haben lässig arbeiten dürfen. Es war ihnen ja immer noch die Möglichkeit gegeben, sich zu korrigieren. । Und diese Möglichkeit hatte zweierlei Folgen: eine Trägheit des Denkens und eine Feigheit des Herzens.
Träge wurde der junge Mensch. Was er schaffte, ward schlaksig, ohne Haltung, ohne Charakter. Man konnte es ja jederzeit verbessern, man konnte ja begangene Fehler stets verheimlichen, verdecken, ohne daß jemand etwas davon merkte.
Das alles hörte nun plötzlich auf. Man mußte
AlsMiisik,o"Challier
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ten. Es gibt 554 Mittelschulen für Knaben und 915 höhere Schulen für Mädchen in Japan. Hinzu kommen bann noch 1040 Berufsschulen. Wenn ein Junge fünf Jahre lang die Mittelschule besucht hot, kann er in die Kotogäkko, die Hochschule eintreten, die ihn unmittelbar für die Universität vorbereitet. Es gibt 32 solcher Hochschulen in Japan, die drei Jahre lang besucht werden müssen. Dann endlich kann sich der Student nach einer Ausbildung von also 13 Jahren für eine ber 45 japanischen Universitäten entscheiben.
Von diesen 45 Unversitäten sind 19 staatlich. Im letzten Jahre betrug bie Zahl ber Stubenten über 70 000. Der Bericht bes nächsten Jahres wird hier einen starken Rückgang aufzuweisen haben, weil viele Stubenten teils freiwillig, teils aus Grund ber Mobilisierungsverfügung in ben Militärbienst ein- treten mußten. Das wirb sich besvnbers im Univer- fitätsmertel Hongo in Tokio bemerkbar machen. Tokio hat nicht weniger als 22 Universitäten unb in normalen Zeiten 45 000 Studenten und ftit 3500 Hochschullehrer und Dozenten zur Verfügung. Es gibt nun an ben japanischen Universitäten zwei Abteilungen: man kann brei bis vier Jahre ftu= bieren unb hat bann Anspruch auf ben Titel küshi, was soviel wie „Gelehrter Herr" heißt. M bieser Vorbilbung ist man bann in ber Lage, in den höheren Universitätskreis einzutreten. Man muß bann nochmals ein bis brei Jahre ftubieren, um zur Promotion zugelassen zu werben.
Das Leben bes Stubenten in Japan ist außck orbentlid) nüchtern. Ei^ trägt eine schwarze Um* form unb ist beshald vH ne weiteres zu erkennen. Nur ausnahmsweise kann er es wagen, einmal m ein Tanzlokal zu gehen. Macht er aber irgend' welchen Lärm ober erregt er Aufsehen, bann kann es sehr leicht geschehen, baß er auf Veranlassung ber Polizei von ber Universität verwiesen wird.
Seit einiaen Jahren kennt man auch ben Wem stubenten. Man hat für ihn eine eigene Universität, bie Nonon-Universität eingerichtet. Hier werden abenbs Vorlesungen gehalten, bie um 5 ober 6 Uh, beginnen unb bis 10 Uhr bauern. Die WerkstudeN' teri Haden freilich keine Zeit, sich an ben großen sportlichen Wettkämpfen usw. zu beteiligen, bie am ben normalen Universitäten eine große- Rolle fpj len, vor allem seit ber Zeit, seit japanische Span' ler im Auslanb große Triumphe bavongetragen Haden. . ...
Wer bie Universität hinter sich hat, kann in 0 staatliche Verwaltung eintreten, kann einen tnim ren und bei Bewährung einen höheren ein poften erringen. Ader er findet auch feinen Weg die Industrie und in den Handel, wo man w und mehr bie akademische Vorbildung für bie tenben Stellungen forbert.


