Ausgabe 
20.11.1937
 
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lir. 2H viertes Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffenj

Samstag, 0 November I05Z

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Friedhof Krafiquell der Seele

Feierstatt der Seele darstellt.

Novemberstimmung. (Aufnahme: E. Hase, Frankfurt a. M.)

sie wird Linderung erfahren durch die pietätvolle Erinnerung an Gutes und Schönes, das von dem Leben jener Lieben ausging für das eigene Wer­den und Gedeihen. Und ganz besonders die dank­bare Erinnerung an Vater und Mutter wird zu einem neuen Kraftquell der Seele werden, der weit hinaus wirken wird im Leben und Kämpfen des Trägers dieses kostbaren Elternerbes.

Lebensbeispiel würdig sein mag als Ansporn für die Kommenden.

Und welche erhabene Sprache zu unserer Seele reden erst die schlichten, kleinen Gedenktafeln auf den letzten Ruhestätten der Gefallenen, die im Welt­krieg oder im Kampf um unser erneuertes.Deutsch­land, um das Dritte Reich ihr blühendes Leben Hingaben für die Gemeinschaft unseres Volkes! Mit Recht sieht unser Volk diese Stätten als heilige Wallfahrtsorte aller deutschen Menschen an. Aus diesen Gräbern steigen Erinnerungen in uns Le­benden aus, die teuer sind, die wir immer aufs neue als ernste Verpflichtung für unser Wirken und Han­deln empfinden müssen. In diesen Toten begegnen gerade die Aelteren jenen guten Kameraden,' mit denen sie einst treu zusammenstanden im Einsatz für unser Volk und unser Reich, mit denen sie Schulter an Schulter schwere, aber große Zeiten kämpfend und opfernd erlebten. Beim Verweilen an diesen Gräbern werden längst versunkene Jahre mit all ihrem Auf und Ab wieder lebendig, klingen Akkorde in den Herzen an, die jeden einstigen Kampfgefährten bis ans Ende seiner Tage erfüllen werden und in denen der gute Kamerad, der bereits im ewigen Schlafe ruht, immer fortlebt.

Die eindringlichste Sprache zum Herzen aber geht von der Gruft aus, in der man den Vater oder die Mutter, die Frau oder den Mann, ein eigenes Kind, Bruder oder Schwester, den besten. Freund oder einen selbstlosen Helfer in mancher Bedräng­nis, des Lebens ruhen weiß. Da wird vielleicht manche Wunde des Herzens erneut aufbrechen, aber

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Wer den Friedhof s o sieht und s o auf sich wirken läßt, der wird immer gerne seine Schritte dorthin lenken. Er wird dort eine der schönsten Stätten finden, die seinen Lebensweg durch Sturm und Not licht und freundlich machen. Freund Hein wird zwar auch gelegentlich im Kreise der Gedanken auftau­chen, aber er wird nicht den Schrecken der Seele und des empfindsamen Gemüts durstellen, sondern er wird angesehen werden als ein selbstverständ­licher Teil des Daseins, mit dem man sich in aller Ruhe und mit getrostem Herzen bekannt macht, der aber die seelische Erbauung eines Ganges zu den Gräbern nicht zu mindern vermag.

Der Friedhof ist aber beim rechten Schauen und innerlichen Erfassen nicht nur eine seelische Stärkung, sondern er bildet auch, wenn er gärtnerisch gut an­gelegt ist und sorgsam gepflegt wird, eine Freude für das Auge. Unsere Gießener Friedhöfe können nach dieser Richtung hin den Besuchern schöne Erholungs­stunden bereiten. Erfreulich ist es weiterhin, daß neuerdings auch in den kleinen. Orten viel mehr Liebe und Sorgfalt als früher auf die gartenkünst­lerische Gestaltung der Ruhestätten verwandt wird, weil man auch dort erkannt hat, daß ein schön ge-

4|en Menschen leben in ihren Werken fort. Aus ! hvn Werken können wir Lebenden nicht etwa nur i en Erfolg jenes Schaffens, sondern auch Größe i es Geistes. Erhabenheit der Gesinnung und viel ! ßoime mitfühlender Herzen erkennen. Diese Er- I eiritnis soll uns allen nacheifernswerte Beispiele , irimferen Lebensweg erschließen Und diese Auf- i\i der Namen auf jenen Gedenksteinen, die an .Jfitr Herz, an unsere geistige Haltung, wie auch an 1 |jie Gesinnung gerichtet sind, wollen wir uns fite vor Augen halten, damit dereinst auch unser

Ein Spaziergang über den Friedhof ist manchen Menschen mindestens eine langweilige, oft sogar inangenehme, ja auch unheimliche Angelegenheit. 1 enn es gar nicht anders geht und keinerlei pas- snde Ausrede an der Hand ist, gehen sie allen- Ms zu einer Trauerfeier dorthin. Um dann nach- M desto hartnäckiger diese Stätte zu meiden, die dich bei rechter Einstellung jedem viel zu geben I HU. Meist sind es junge Menschen, die in großem | 5Dgen um diesen Platz der Ruhe und des Friedens hAumgehcn: sie meinen vielleicht, mit Freund Hein | r ch menschlichem Ermessen noch lange nicht auf Du rt) Du zu stehen, also auch keinen Anlaß zu haben, i fg dort aufzuhalten, wo der Gedanke an ihn* im- : n-r etwas starker im Vordergründe steht als sonst ir Leben. Aber auch manche ältere Leute scheuen ; dii Weg dorthin und sagen, wenn man sie bei ge- 1 gbener Gelegenheit nach dem Grunde fragt, sie kirnen immer noch früh genug zu dieser Stätte;

1 al® warum schon vorher mehr als- unbedingt not- Mndig dort weilen? Beide Teile sehen eben den ' Fnedhof nur von einer Seite her an, sie bewer­te ihn ganz unzutreffend nur unter dem Gesichts- jranft der Endstation des menschlichen Lebens. Ihnen temmt nicht der Gedanke, daß dieses irdische Reich i)( Toten auch den Lebenden vieles geben und bedeuten kann, daß sie sich dort in der Stille die­se Gottesackers neue seelische Kraft für den Le­be stampf holen können, daß er Entspannung ge- Mlhrt für mancherlei Fesseln und Hemmungen, mit fccien man sonst nur schwerer fertig zu werden ver- trug. Jene Menschen mögen einmal unter diesem (Siianfen über den Friedhof gehen, sie werden dein empfitiben, daß sie allerlei an innerer Be- retherung von dort mitnehmen in.ihren Alltag.

*

November- und Totenfeststimmung über den Grä­ben ist zwar anders für die Regungen des Ge- liiics als Heller Sonnenschein, herrliches Grün der Pi »ne, leuchtende Farbenpracht üppig blühender A men, .vielstimmiger Gesang der Vögel. Und doch istider Friedhof auch jetzt schön und eine stärkende nr ft für den seelisch aufgeschlossenen Menschen.

>ic stumme und doch so beredte Sprache der Pmbsteine übt ihre Wirkung auf die besinnlich ge- ilirimten Besucher aus. Sie lesen auf den Denk- itiiiern die Namen von Männern und Frauen, die »«leicht auch auf ihrem eigenen Lebensweg mit- zschritten sind, oder sie. werden durch sie an Taten ur. Leistungen erinnert, die das Wirken jener Men­sch a nützlich, ja weit über das Grab hinaus zum 6>'en für unsere Volksgemeinschaft werden ließen.

Tiart denke an manche Männer der Wissen- schft, deren Namen wir auf unseren Gießener Fr^dhöfen an den Grabsteinen lesen. Oder man leim seine Gedanken zurück auf das Wirken von nnern, die einst in unserer heimischen Wirtschaft iw führenden Posten standen und aus deren Ar- pei vielen Menschen Brot und Existenz erwuchs, i KU.'i wird dort auch oft an Menschen erinnert, die | ii Ihrem Leben gute Werke der Nächstenliebe voll- i lichten, die ihren Gemeinschaftsgeist durch Stif- : Inn en zum Besten hilfsbedürftiger Menschen be- I jn eten, manchem strebsamem jungen Talent den ' Se zum Erfolg und damit zum nützlichen Wir- :|en für unsere Volksgemeinschaft ebneten.

Acherlich werden die meisten Friedhofsbesucher : nfircr Zeit, die an den Ruhestätten jener Männer 1 ul Frauen stehen, keine persönliche Bekanntschaft i ite ihnen gehabt haben. Oft künden diese Gedenk- | aiiin ja auch die Namen von Männern und ! innen aus Jahrzehnten, die schon längst in den i H«ß der Ewigkeit versunken sind Und dennoch I ot n jene Erinnerungen heute noch und sicherlich iu|roiele weitere Jahre ihren großen Inhalt. Denn

stalteter und gut gepflegter Friedhof eine erbauliche B.

fflanbine seht sich durch

Vornan von

Lnn6-Joachim Freiherrn von Reihenstein

Copyright by Carl Ouncker

LBsiortsetzung. (Nachdruck verboten.)

f d cktor Schrader stand an Lucienne Molnys Bett. ' '...lchre Absicht, mich zu trösten, in Ehren, lieber üAtor. Aber wollen Sie mir einen großen Ge- fallen tun?"

Lieben, der in meiner Macht steht, gnädige

fcocienne blickte ihn ungläubig an.Sie machen Stonmente, Doktor? Ernsthaft, wollen Sie mir tfirläd) etwas Gutes tun?"

.Der Patientin und Frau Lucienne Molny", f cti Doktor Schrader herzlich.

Mo, dann sagen Sie mir, ob mein Gesicht wie- I e: m Ordnung kommt!" %

Viktor Schrader gab sich Mühe, nicht verlegen z ^scheinen.Das läßt sich doch jetzt noch nicht £ (hieben", sagte er.

LSiitte, machen Sie keine Ausflüchte, Doktor. Ich r iU mit Ihnen ganz vertraulich sprechen. Sie sind nifjl der Mann, der Geheimnisse preisgibt. Sehen (Bi, ich bin nicht mehr jung. Ich liege hier und 3i tiirnrtere mir den Kopf, wie ich einen Kontrakt hemme, der meinem bisherigen entspricht. Der n tzr ermöglicht zu leben, wie ich es gewöhnt bin.

ich weiß, daß mein Gesicht nicht mehr zu r ite: ist, dann mache ich mir deshalb keine Sorgen. 2kt löse ich meinen großen Apparat geschickt auf. I|- kostet inzwischen sonst meine letzten Pfennige, mich denkt kein anderer. Wenn ich die Sorgen n«;ai des Kontrakts nicht mehr habe, dann kann iitjnir hier, wo ich Zeit zum Nachdenken finde, liier gleich Sorgen um eine neue Existenz machen." itleiöig sah Doktor Schrader auf sie herab. Die 3vicöbie der schönen, alternden Frau rührte an Herz.

.U|fo?" Lucienne strahlte ihn mit einem warmen LWsiln an.

Zy werde mit Professor Lambertz sprechen und LHe.i bann Bescheid geben. Ist das recht?"

Sie sah enttäuscht aus.

Ehrlich, Doktor, wollen Sie den Chef um Er­laubnis fragen ober sich hinter ihm verschanzen?"

Ganz ehrlich: ich will alle Möglichkeiten noch einmal mit ihm erwägen, Heilungsmöglichkeiten und andere. Und ich will und werde Ihnen die Wahrheit sagen, sobald ich sie genau weiß."

Und er sagte sie ihr.

Am nächsten Tage kam er. So lange Zeit hatte er zum Ueberlegen gebraucht. Er hatte auch ver­sucht, Professor Lambertz mit der Patientin sprechen zu lassen. Der aber hatte gemeint, das könne Schra­der mit seinem liebenswürdigen Lächeln viel besser. Und überhaupt habe Schrader die Stimme, die der Arzt brauchte. Sein männlicher Bariton beruhig? nachweislich den unruhigsten Patienten.

Da war nichts ^u wollen. Und so blieb es auf ihm sitzen. Er mußte Lucienne Molny sagen, daß ihr Gesicht nie wieder in Ordnung kommen würde. Es müßte entstellende Narben behalten, und der Nase würde keine Schönheitsoperation mehr helfen.

Aber wie sollte er ihr das sagen? Er erkundigte sich, wer die Patientin besuche, wer dasein könne, um sie zu trösten.

Und man sagte ihm, Verwandte habe sie an­scheinend nicht. Am häufigsten besuche sie Fräulein Hertel.

*

Am Nachmittag saß Blandine Doktor Schrader an seinem Schreibtisch gegenüber.

Kurz und sachlich setzte er ihr auseinander, um was es sich handele: wenn er Frau Molny jetzt darüber aufkläre, daß sie für immer ein entstelltes Gesicht behalten werde, wenn er der verwöhnten Frau und Künstlerin das antun müsse, dann solle jemand dasein, der sie gern hatte, sie verstand und trösten könne.Frauen verstehen so etwas besser", meinte er.

Ich werde mir alle Mühe geben", sagte Blan­dine, und ihr zartes Gesicht rötete sich vor Eifer.

Ueberlegen Sie nun selbst, wie Sie es am besten machen wollen. Sie werden es schon wissen."

Er erhob sich und wollte zur Tür gehen. Plötzlich trat er auf sie zu. Er blickte ihr warm in die Augen und reichte ihr die Hand:Ich danke Ihnen, daß Sie mir helfen wollen."

Ein warmes Glücksgefühl durchströmte Blandine. Das war wie einst: sie durste ihm helfen, bei feinem

schweren Ringen um Leben und Glück seiner Pa­tienten. Es war wie in ihrer schönsten gemeinsamen Zeit. Er stand vor ihr, groß, kraftvoll, männlich, und doch appellierte er an ihre Kraft. Wieder rief er alle Fähigkeiten und alles Streben wach, die in ihr schlummerten.

Also, wir haben uns verstanden!"

Ihre Augen strahlten in die seinen. Sie nickte zustimmend.

Ich kann Mich ganz auf Sie verlassen?"

Wie immer", sagte Blandine.

Ein seines Lächeln ging um seinen Mund. Er sah sie einen Augenblick warm an. Es war, als schätze er sie ab. Dann zog ein Schatten über sein offenes Gesicht: er dachte daran, wie sie mit Harry Enge­mann an ihm vorbeigefahren war. Wahrschein­lich sah sie es letzt, nachdem das Unglück geschehen war, als ihre Pflicht als halbwegs anständiger Mensch an, die Frau, die sie betrogen hatte, zu trösten.

Sie sind eigentlich doch ein netter Kerl!" sagte er kopfschüttelnd.Schade!" Dann ließ er ihre Hand los und ging.

Als er eben die Tür wieder schließen wollte, drehte er sich noch einmal um:Es wird wohl noch eine Zeitlang dauern, bis ich Sie rufen lasse. Dort liegen Zeitschriften und Bücher. Und" er zog fein Zigarettenetui aus der Tascherauchen Sie inzwischen?" Er jegte die geöffnete Zigaretten­box vor sie auf den Schreibtisch und ging.

Blandine trat ans offene Fenster und träumte vor sich hin. Sie war glücklich. Restlos glücklich. Endlich hatte das Leben sie wieder zusammenge­führt. Es durfte sie nicht wieder trennen Sie mußte dies Glück zu halten versuchen. Sie hatte niemals aufgehört, an ihn zu denken. Sie wußte heute, sie hatte niemals aufgehört, ihn zu lieben. Wenn er jetzt zu ihr sprechen würde wie damals, sie würde nicht mehr die Kraft haben, ihm etwas zu versagen.

Sie trat an seinen Schreibtisch Zärtlich strichen ihre Hände über das Zigarettenetui. Sie drückte es an die Wange. Dann betrachtete sie es. Glattes Silber, ein Pferdekopf in der oberen Ecks. War er eigentlich Reiter? Das brauchte man zwar nicht zu sein, um ein Reiteremblem zu tragen. Aber das sah ihm nun wieder nicht ähnlich. So etwas mochte Greta Schade: mit Klubabzeichen und anderer

Kantatenabend

in der Lohanneskirche

Wie die Choralbearbeitungen so ist das musi« kalische Gewand der Kantaten nur aus dem Text zu verstehen. Hier wurzeln die Bachschen Themen.

Das kurze Orchestervorspiel der Kreuzstabkantate bringt gleich das aufsteigende Schmerzmotiv, mit dem dann auch der Solist beginnt. Es kehrt im Ver­lauf der Arie immer wieder, besonders in den Bässen. Man achte auch auf die Stelle:da leg ich den Kummer auf einmal ins Grab", wo aus der Achtelbewegung Triolen werden und die Stimme herunterins Grab" finkt. Dieselbe Stelle kommt kurz vor dem Schlußchoral noch einmal In dem Rezitativ:Mein Wandel auf der Welt ist einer Schiffahrt gleich", achte man auf die Wellenbe­wegung in den Celli, die sofort aufhört, wenn der Solist singt:tret, tret ich aus dem Schiff". Die letzte Arie will mit ihren bewegten Figuren die Todesfreudigkeit ausdrücken.

In der KantateMeinen Jefum laß ich nicht" verwendet Bach im Einleitungschor den Choral als Cantus firmus im Sopran, während die anderen Stimmen selbständig musizieren. Die Freude an Jesu deuten die schnellen Läufe der Instrumente an. Man beachte daraufhin die charakteristische Stelle: Er ist meines Lebens Licht" DenTodesschlag" in der Tenorarie:Und wenn der harte Todes­schlag" deutet Bach durch immer wiederkehrende Akkordschläge des Orchesters an. Dieses Thema geht durch das ganze Stück. In dem nachfolgenden Rezi­tativ finden sich, einzelne Worte illustriert, z B.: Lauf", durch einen aufsteigenden Lauf der Ton­leiter. Das Duett:Entziehe dich eilends" ist für Bachs Darstellungskunst besonders charakteristisch. Die beiden Singstimmen folgen sich kanonisch in eilenden Figuren bis zu der Stelle:So wird es in Jesum zufrieden gestellt". Der am Schluß stehende Chorchoral steht nun, im Gegensatz zum ersten Chor, im geraden Takt.

die Kantate:Ich armer Mensch" beginnt mit einer Tenorarie, in der das Niederdrückende der Sünde treffend geschildert ist. Singstimme und Or­chester sind dabei gleichermaßen beteiligt. Jn der Arie:Erbarm dich" fällt die bewegliche Bitte der Soloflöte, die die ebenso beweglich gehaltene Solo­stimme umspielt, auf. Von hoher Schönheit ist das Rezitativ:Erbarm dich Jesu". Gehaltene Akkorde der Streicher begleiten die ruhig dahinschreitende Singstimme. Der Schlußchoral:Bin ich gleich von dir gewichen" gibt gerade durch seine einfache und schlichte Haltung der Stimmung des Textes treffen­den Ausdruck. Heinrich Blaß.

Festlicher Abend

des Tieichsmüllerdienstes.

Der Krankenpflegelehrgang, den der Reichsmüt­terdienst in Gießen durchführte, beendete seine Abende mit einigen fröhlichen Stunden im U. C. Die Kreissachbearbeiterin, Schwester Elisabeth Müller, die den Kursus leitete, begrüßte die Schülerinnen und die Teilnehmerinnen früherer Kurse, die zahlreich erschienen waren. Gemeinsamer Gesang und Akkordeonmusik, von zwei kleinen Mäd­chen exakt ausgeführt, leitete über zu einem Vor­trag von Fräulein Dr. B o e ck e r s über Kinder­erziehung. Die Rednerin wußte dieses an sich ernste Thema der fröhlichen Stunde anzupaffen, indem sie drollige Aussprüche aus Kindermund, kleine Erleb­nisse und Geschichten zur Freude der Anwesenden erzählte. Nach der Kafseepause unterhielten Musik und Mundartgedichte die Gäste, und ein lustiges Kasperlspiel erntete großen Beifall. Zu später Stunde trennte man sich mit dem Versprechen, bald wieder einen so kameradschaftlichen Abend zu ver­leben. F. K.

gegen z- Katarrhe «t

Husten

Heiserkeit

Hauptniederlage: Jean Weisel. Gießen, Sonnenstraße ß. Tölen hon 3ks8 ..o,d

Leute Wappenringen. Hatte sie übrigens bei ihr nicht auch etwas Aehnliches gesehen?

Ganz in Gedanken öffnete sie das Etui und sann dabei weiter: richtig, solch ein silbernes Etui hatte auf Gretas Teetisch gelegen. Und es war eine Widmung eingraoiert gewesen: Seiner Greta ihr Dolfi.

Hier war übrigens auch etwas eingraviert. Sie nahm die letzte Zigarette heraus, die auf der rechten Seite steckte, und las: Ihrem Günter feine Greta. Berlin, den 12. 1. 34.

Blandine warf noch einen vergewissernden Blick auf den unendlich dumm aussehenden Pferdekopf aus Emaille. Ja, richtig, das war ihr damals bei Greta schon aufgefallen. Dumm und geschmacklos.

Beschämt schlug sie die Hände vors Gesicht. Ein tiefer Schmerz fiel sie rein körperlich an. Und die heißen Tränen schossen ihr aus den Augen.

*

Blandine kam noch manchmal zu Lucienne in die Klinik. Aber sie wußte es so einzurichten, daß sie Schrader niemals traf.

Sie durfte ohne Anmeldung Frau Molnys Zim­mer betreten. Eines Nachmittags hatte sie .bereits die äußere schalldämpfende Stubentür geöffnet, um bei Frau Mollny einzutreten. Da hörte sie im Zimmer Schrader sprechen. Er schien sich gerade von der Patientin zu verabschieden

In jähem Erschrecken faßte Blandine nach ihrem Herzen. Dann lehnte sie die Tür leise wieder an uifb floh den Gang hinunter. Sie stellte sich hinter einen großen weißen Schrank und verbarg sich so lange, bis Schrader aus dem Zimmer kam und bei einem andern Patienten wieder eingetreten war.

Als es Frau Molny besser ging, beratschlagte sie oft mit Blandine und auch mit der praktischen Frau Hertel, wie man den teuren Haushalt verkleinern und verbilligen könne.

Sie führte wieder einmal eines dieser Gespräche mit Frau Hertel, die an ihrem Krankenbett saß.

Lüdtke ist ein guter Chauffeur", sagte Frau Molny zögernd.Bei ihm wäre das Unglück wahr­scheinlich nicht passiert."

Ich werde, wohin ich komme, ein gutes Wort für ihn einlegen. Dann sind Sie ihn mit dem hohen Gehalt bald los."

Lucienne sah sie dankbar an.

Fortsitzung folgt