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cherorts die Friedhöfe benannt. Auch im Kleinen aber dürfen wir aus der Art, wie die Friedhöfe und die Gräber gepflegt und gestaltet find, man­cherlei Schlüffe auf die Menschen ziehen, die ihre Bewahrer und Betreuer sind. Wie vieles sagt die Pflege einer Grabstätte über die aus, die hier ihrer Taten gedenken!

Sa ist eine große und tiefe Verbundenheit zwi- schen den Lebenden und den Taten. Der Unsterb- lichkeitsqlaube, der der Menschheit tief eingeboren ist, erhalt in der Farm, in der die Menschen ihre Taten ehren, einen gültigen Ausdruck. Wa immer aber die Erinnerung an die Taten sich verwischt, sei es nun, daß ein Volt seine großen Toten aus

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Santiago de Chile, Ende Oktober 1937.

Mit der gleichen Häufigkeit der deutschen Namen Müller und Schulze trifft man in den Adreß­büchern Spaniens und der Länder spanischer Zunge auf den Namen Flores. Auch in Chile wie an der ganzen Westküste Südamerikas ist das so. Aber kaum einer der vielen Flores hier wird sich dar­über Rechenschaft gblegen, daß seine Herkunft un­mittelbar auf die ersten deutschen Einwanderer zu­rückgeführt werden könnte, daß seine deutsche Ab­stammung nicht ganz unmöglich erscheint. Denn hinter dem ersten Senor Flores, deyi wir in der Geschichte Chiles begegnen, verbirgt sich, ein guter Deutscher namens Bartolornäus Blumen, der, wie es einst üblich war und auch heute immer wie­der vorkommt, seinen Namen übersetzte und der Landessprache anpaßte. So kam es, daß aus dem Herrn Blumen ein gewisser Senor Flores wurde.

Landsknecht Blumen kommt nach Amerika und wird ein reicher Mann.

Die Geschichte Deutschlands und Spaniens jener Jahrzehnte, als durch Kolumbus ein neuer Erd­teil entdeckt war und nun erobert und erschlossen werden sollte, ist ja eng mit der Person Karls V. verknüpft. Und unter den spanischen Truppen, die zu kühner Entdeckerfahrt und gewagtem Grobe« rungsfeldzug über das große Meer zogen, befanden sich auch zahlreiche Deutsche. Wie nirgends in der Welt Deutsche fehlten oder fehlen, wo es gilt, Neu- land zu erschließen, so waren sie auch hier vertre­ten, blauäugige blondhaarige Deutsche. Einer dieser Landsknechte, die, in spanischen Diensten stehend, mit den ersten Eroberern nach Südamerika kamen, waren Bartolornäus Blumen. In Nürnberg auf die Welt gekommen, zog es ihn bald in die weite Welt hinaus: war Soldat in kaiserlichen Diensten geworden. Als einer der Tapfersten stieg er zum Geschützmeister auf und kam in diesem Rang mit den kaiserlichen Truppen in die Neue Welt. Das war damals so Kriegsbrauch, die Beute wurde auch unter die Soldaten verteilt. Und Blumen, der mit­half, Peru zu erobern, wurde wie viele feiner Mit­kämpfer wohlhabend und reich durch die Wohl­habenheit und den Reichtum jener, die unterworfen wurden. Aber Blumen war nicht nur Soldat, als

Handwerk und Gewerbe nicht abhanden-gekommc.. Er häufte so nicht nur Reichtum, sondern oermt. tete ihn auch, so daß er sich schnell mehrte. Blunm galt bald als einer der wohlhabendsten MännerKi Westküste.

Ein Deutscher gibt das Geld zur Eroberung Ehiles.

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friedhöfe scheinen mir die schönste Form deutscher Totenehrung.

Anders draußen auf den Dörfern, wo der Fned- hof meist noch ein wirklicher Friedhof ist, wo er um die Kirche, die Mitte der dörflichen Lebens­gemeinschaft, gebreitet liegt. Hier sind die Toten den Lebenden noch näher. Der dörfliche Mensch hat ein engeres Verhältnis zu seinen Toten. Wenn er am Sonntag aus seiner Kirche kommt, tritt er an das Grab heran derer, die ihm nahe oder ver­wandt waren.

Und andere Gräber sieht unser Auge: die un­zähligen Kriegergräber, die weit über die Schlacht­felder des Weltkriegs verstreut liegen. Ergreifend sind die Zehntausende gleicher Kreuze auf den Hel­denfriedhöfen in Flandern und an der Somme, er­greifend ein Monument wie das Beinhaus bei Ver­dun. Was für die Franzosen dieses Monument bedeutet, das bedeutet für uns Deutsche das Tannenberg-Ehrenmal, in dem einst unbekannte deutsche und russische Soldaten beigesetzt worden sind, und das nun, seitdem der Feldmarschall des Großen Krieges seinen ewigen Schlaf darin schläft, zum Ehrenmal der Nation wurde.

Ein ganzes Volk ehrt seine Toten, vor allem die namenlos Toten seiner Kriege, die durch ihren Opfertod die Gründex und Erhalter der Volks­gemeinschaft wurden. Es ehrt seine Führer und seine Könige, und der Ort, da sie begraben liegen, ist heiliger Boden der Nation.

Aber wie das ganze Volk seine Toten ehrt und sich zu ihnen bekennt, so auch die Familie. Was wäre eine Familie, ohne die lebendige Erinnerung

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Ein Nürnberger Landsknecht Hilst Südamerika erobern.

Oie Geschichte eines tapferen Soldaten und seines romantischen Lebensweg«!

Don unserem ständigen W.Sz.-Äerichterstaster.

Lage nicht recht geheuer. Ein englischer Brigade der mit seinen Truppen bei Tel-A^io liegt, erklär^ mir:Es liegt etwas in de r Luft aber was kommen wird, wissen wir selber nod nicht und darum müssen wir Vorsichtsmaßnch men treffen." In diesem Ausspruch fand ich Qld eine Erklärung, warum fast jedes Schiff, das Doi Europa kommt und in Haifa anlegt, von Cyp^> Maultiere und Esel nach Palästina bringt. Es fir> Tragtiere für die britischen Besatzungstruppen, befil für Kampfhandlungen in Palästina sind sie ein. der wichtigsten Waffen. Die Besatzungsarmee wuy. ebenfalls erheblich verstärkt, und reger denn / patrouillieren Teile der englischen ©eeftreitfrii/ im östlichen Teil des Mittelmeeres. Denn (Engla^ weiß genau, daß durch den unglücklichen Teilung:, plan Palästinas eine Lage geschaffen wurde, ti jederzeit wieder zum offenen Kampf zwischen Ju^ und Arabern führen kann. Die Araber ^werd^ unter keinen Umständen einer Teilung jh^ Mutterlandes zustimmen, das nicht nur ihnen h.. lig ist, sondern der ganzen mohammedanischen K Wenn England eine Zwangslösung treffen fällte. - wird diese auf offenen Widerspruch stoßen, j. Araber verlangen uneingeschränkte S ot, ü eränität über ihr Land, in Erwartung. Erfüllung eines ihnen feierlich gegebenen Vech-, chens.

Reise im Nahen Orient

Von unserem $. A Sch -Korrespondenten.

Einwanderung in Südchile benannt ist, gatt einer der tüchtigsten Generäle Pizarros, fi weder Pizarro noch der Kaiser waren bereit, k- notwendige Geld für die Ausrüstung des jjec; und den Feldzug nach Chile zur Verfügung , stellen. Da sprang Blumen, der inzwischen Sei? Flores geworden war, ein. Er finanzierte mit nem Geld das gewaltige Unternehmen, das Niederwerfung der Indianer Chiles führte. Und r selbst griff wieder zu den Waffen, um mitzuzich.? nicht mehr als Kanonier, sondern als Feldherr, ta den Eroberungszug mit großem Gefolge na machte. Nach der Eroberung Chiles wurde 1541 fr heutige Hauptstadt Santiago gegründet. Blumen ihr Mitbegründer!

Wenn man heute durch das moderne Sa/' ti a go d e Chile wandert, den geraden Straf/ folgt, wenn man das amerikanisierte Leben arji

an die Ahnen, die in den Gräbern wohnen? Wir alle gedenken in den stillen oder in den großen und entscheidenden Stunden des Lebens unserer Toten. Wird, was wir tun, vor ihnen bestehen, fragen wir uns oft. Die Toten find für uns in ein Reich »gültigen gerückt, sie sind für uns Gott näher Lebenden. Gottesacker werden darum man-

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dem lebendigen Gedächtnis verliert und die Gräber feiner Helden vergißt, ober daß die einzelnen Grä­ber der Familie vergessen werden, da kündet ein solches Verhalten einen Versal! der Lebensordnung an. In einem gewissen Sinn sind so die Gräber die sichtbar-unsichtbare Mitte der Gemeinschaft. Je näher die Menschen der altheiligen Ordnung des Lebens stehen, um so reiner hat sich bei ihnen auch die Totenehrung erhalten. Wie die Toten­ehrung und die Ehrfurcht vor dem Tode eine be«. sondere Verpflichtung des Adels war, so adelt es jeden Menschen, wenn er seiner Toten würdig und lebendig gedenkt.

So ist die Ehrfurcht vor dem Tode und die Feier der Toten, die Pflege ihres Gedächtnisses zuletzt auch Ehrfurcht vor dem ewigen Leben, das von Geschlecht zu Geschlecht weitergeht, das sich in keinem einzelnen vollendet, wohl aber in jedem neu verwandelt. Die Gräber sind wohl die Wohnstätten der Toten, sie sind aber auch als Ort der Samm­lung, der Andacht und der Erhebung eine Quelle ewiger Kraft. Wie die Lebenden ohne die Toten nicht fein können, so wollen auch die Toten die Lebenden nicht entbehren. Und es bleibt immer wieder ergreifend, die Menschen zu den Fried- hösen und an die Gräber ihrer Toten treten zu sehen.

Oie ersten Kindheitserinnerungen.

Wenn man fragt, wie weit jemand sich in seine Kindheit zurückerinnern könne, so werden die mei­sten erwidern, daß sie sich an ein bestimmtes Er­eignis, das sie im dritten ober vierten Jahre er­lebt hätten, wenn auch bunte! erinnern könnten. Psychologen, die sich mit der Frage beschäftigen, haben daran gezweifelt, daß so frühe Erinnerungen möglich seien und das vierte oder füfifte Lebens­jahr als die früheste Zeit bezeichnet, in die das Gedächtnis zurückreiche. Genauere Untersuchungen haben aber doch gezeigt, daß bei geistig gut ver­anlagten Menschen schon im zweiten, sogar schon im ersten Lebensjahr Gedächtnisleistungen vorlie­gen, so daß bei ihnen sehr wohl genaue Erinne­rungsbilder in die spätere Lebenszeit aufbewahrt werden können. Man hat Umfragen veranstaltet, bei denen Erwachsene sich an Dinge erinnerten, die in ihrem zweiten Lebensjahr geschehen sind. Und auch in der Literatur liegen Berichte vor, in denen Tatsachen erzählt werden, die, wie festgestellt werden konnte, während des zweiten Lebensjahres des Er­zählers, in einigen Fällen sogar im ersten einge­treten sind. So findet sich bei Ganghofer fol­gende Schilderung des ersten Erlebnisses, das ihm im Gedächtnis geblieben ist:Ein entsetzlicher

kommenden jüdischen Staat" sprechen. Sie schmie­den Pläne, was sie dort zu tun gedenken, politi­sieren erregt. Andere wieder laufen mit hebräischen Grammatiken und Lehrbüchern unter dem Arm her­um und lernen eifrig, um nicht zu sehrFremd­ling im eigenen Land" zu sein. Sie gestikulieren und spekulieren auf Möglichkeiten im Gelobten Land.

In Haifa, dem Einwanderungshafen Palästi­nas, verwandelte sich bald die Freude der jüdischen Einwanderer in sichtliche Überraschung und Ent­täuschung. Sie erwarteten wohl, sie würden in der neuen Heimat mit offenen Armen liebevoll empfan­gen. Empfangen ja aber nicht mit der Freude von Freunden, sondern mit viel Mißtrauen von der Einwanderungsbehörde. Von Land darf niemand an Bord, es ist wie eine Quarantäne. Um so mehr Beamte der Einwanderungsbehörde be­völkern nun das Schiff. Mehr als ein Dutzend englischer Einwanderungsbeamte tontroUieren Pässe und Papiere der Fahrgäste, die an Land wollen. Wenn auch nur das geringste nicht stimmen sollte, wird die Landung verweigert. Außerordentlich ge­wissenhaft und scharf gehen die Einwanderungs­behörden bei ihrer Kontrolle vor. Selbst das Ge­päck darf von den Auswanderern nicht von Bord befördert werden, sondern es wird erst von der Einwanderungsbehörde übernommen, um Schmug­gel in jeglicher Form, den man hier schon in so reichlichem Maße fenneng^lernt hat, zu unter­binden. v..r.

Aber auch wir, die wir nicht in Palästina bleiben wollen, müssen unsere Pässe abliefern. Der Polizei­chef der Hafenbehörde tauscht uns unsere Pässe gegen eine Landungskarte aus. Auf meine Frage: Warum so streng?" erklärt er:Vorsichts­maßnahmen gegen unerlaubte Ein­wanderung diese hat zu gewissen Zeiten Uusmaße angenommen, die kaum zu schildern sind wenn man eine Volkszählung veranstalten würbe und die Zahl der in Palästina lebenden Juden vergleichen würde mit der Zahl der er­teilten Visa, so würde ein überraschendes Ergebnis zutage treten, es wurde ein Menschenschmuggel nach Palästina getrieben, der sich zu einem organisierten Geschäftszweig entwickelt hatte."

Wir gingen nun mit unserem Erlaubnisschein an Land, mußten jedoch noch an mehreren Kontroll­stellen vorbei, ehe wir in der eigentlichen Stadt waren. Wir hatten geglaubt, in eine orientalische Stadt zu kommen, wie man sie hier in dieser Gegend wohl hätte erwarten können. Aber wir waren doch überrascht. Man stand plötzlich a u f einem riesigen Bauplatz, wo Veraltetes abgerissen und Neues errichtet wird. Es wird mit fieberhafter Eile gebaut, so eilig, als wenn man eine Weltausstellung zur baldigen Eröffnung fertig haben wolle. Es fehlt aber die große, einheitliche Linie. Neben Geschäftshäusern schießen Kinos, Theater, Kaffeehäuser, die gleichzeitig Börsen sind, wie Pilze aus der Erde. Ladengeschäfte mit mo­dernsten Einrichtungen, Wechselstube neben Wechsel­stube, die Straßen' sind asphaltiert und auf ihnen flitzen Luxusautos dahin.

Aber alles das paßt nicht in die Land­schaft, es macht einen gekünstelten Eindruck. Das alles ist nur Fassade und soll den in Europa ver­lorenen Glanz vortäuschen. Beachtlich ist aber, daß viele Juden, die nach Palästtna ausgewandert sind, sich dort nun selbst nicht wohlfühlen. Viele gehen mit hängenden Gesichtern umher, es gibt viele gescheiterte Existenzen, denn hier ist der Daseinskampf schwer. Um in Palästina leben zu können, müssen sich diese ausgewanderten Herr­schaften schon verflucht anstrengen; vor allem, sie müssen untereinander und voneinander leben. In Palästina gibt es keine fertigen Nester, in die man sich mit Geschick hineinlavieren kann, lieber all dem Gehaste und Getriebe, über dem scheinbaren Luxus und Wohlergehen liegt eine' gewisse Unruhe und

Nachdruck verboten!

Das Palästina-Problem, die panarabische Bewe- gung und die Neuordnung im Irak rücken den Nahen Osten als Brücke zwischen Europa und Ostasien erneut in das politische Änteresse. Unser F. A. Sch. - Korrespondent, der unseren Lesern be­reits durch seine Kriegsberichterstattung aus Abessinien bekannt ist, wird in einer Reihe von Briefen seine Eindrücke schildern von der Reise, die er soeben nach seinem neuen Arbeitsgebiet in Bagdad, der Hauptstadt des Irak, angetreten hat.

I.

Das gelobte Land.

Jerusalem, November 1937._

Wir schifften uns dieses Mal inTriest ein, denn wir wollten mit einer italienischen Schiffslinie fah­ren, die während des abessinisch-italienischen Krie­ges auch Truppentransporte nach Ostafrika durch­führte. Man kann ja nie wissen. Vielleicht trifft man zufällig an Bord einen italienischen Afrika­kämpfer und hört Sonstiges über Abessinien, rote es dort jetzt aussieht und wie sich das Land unter italienischer Herrschaft entwickelt. Wenn man den Eroberungsfeldzug der Italiener miterlebt hat, dann ist man neugierig, wie die Dinge nun weiter gelaufen sind. _,.rr

Schon am Abend vor der Abfahrt des Schiffes trafen wir in Triest ein. Am nächsten Tage gingen wir recht früh an Bord, um das Leben und Trei­ben bei der Einschiffung zu beobachten, das immer einen eigenen Reiz hat. Wir standen über die Ree­ling gelehnt und blickten in das Gewimmel der sich einschiffenden und abschiednehmenden Men­schen. Koffer auf Koffer verschlingt das Schiff große und kleine Luxuskoffer schäbige Gepäck­stücke Pappschachteln mit dicken Bändern um« schnürt und auch Truhen wie aus Urgroßvaters Zeiten wandern an unseren Augen vorbei. Es ist ein wunderbares Spiel, sich auszudenken, welches Gepäckstück zu welchem Fahrgast gehört. Dabei kommt man zu den seltsamsten Schlüssen und Ueberraschungen.

Wir halten Ausschau nach einigen italienischen Fahrgästen, die uns als journalistischeJagdbeute" wert erscheinen. Der eine oder der andere hat viel­leicht doch in Afrika gekämpft. Je länger wir war­ten und je näher die Abfahrtszeit des Schiffes her­ankommt, um so mehr werden wir enttäuscht. Nicht ein einziger Italiener, geschweige denn Ostafrika- Kämpfer kam an Bord sondern nur Juden: Juden, die ihr Glück in ihrem neuen,eigenen" Staat versuchen wollen und jüdische Pilger, die nach Jerusalem ziehen, um vielleichtBuße zu tun". Wir glaubten, auf einem italienischen Schiff nach Palästina zu reifen, um dort eine Zwischenlandung zu machen aber als wir uns umsahen, waren wir bereits in Palästina, und obendrein hatte un­ser Schiff auch noch den bezeichnenden Namen Jerusalem". Die Schiffslinien, die den Dienst nach Palästina machen, verstehen es, aus der jüdi­schen Abwanderung nach Jerusalem ein Geschäft zu machen. Alles ist für sie eingerichtet: an Bord gibt es einen Gebetstempel, eine rituelle Schlachterei, und selbst das Bedienungspersonal und ein Teil der Schiffsbesatzung sind Juden. Bei vielen prangt der Davids-Stern da am Rvckaufschlag, wo unftre See­leute stolz ihre ehrwürdigen Seefahrtsabzeichen tra­gen. Gegen Abend füllt sich der Speisesaal zum ersten gemeinsamen Essen. Glücklicherweise treffen wir doch noch einige Goys: Engländer, die Gattin eines Brigadegenerals, der in Palästina stationiert ist, und einen Pfarrer der anglikanischen Kirche, so bilden wir eine kleine Tafelrunde, eine arische Insel im jüdischen Meer!

AmSchabbes" erscheinen die Juden im Kaftan und mit gestickten Käppchen auf dem Kopfe im Speisesaal und mürmeln Gebete. Brennende Kerzen auf den Tischen. Wir müssen uns in dieses Schick­sal Ergeben, denn wir reisen ja eben auf einem Schiff einer Palästina-Linie. Wenn man hin und wieder Gesprächsbrocken der jüdischen Auswanderer auffängt, Dann hört man sie eben nur über den

Pedro de Valdivia, heute hoch geehrt ä ||l i Freiheitsheld, war in jener Zeit dabei, ein h-i Innin auszurüsten, um Chile zu erobern. Valdivia, nci -- dem jene Stadt im Zentrum der späteren.deutsch», siiic

Hochschulnachrichten.

Lic. Dr. Carl Schneider, a°- der Ev.-Theol. Fakultät der Universität K c-t berg, üst zum Ordinarius daselbst erna den. ........ >i >

Toiengedenken.

Von Otto Heuscheie.

Immer wieder bleibt es für den nachdenklichen Menschen ein ergreifendes Erlebnis, zu sehen, wie die Menschheit durch die Jahrhunderte und Jabr- tausende die (Erinnerung an ihre Toten bewahrt hat. Wo immer der Mensch zum Menschen wird, wo er auch nur die Anfänge der Kultur errungen hat, bewahrt er die (Erinnerung an die Toten. Wo die Nomadenstämme seßhaft werden, errichten sie ihren Toten Ruhestätten und (Erinnerungsmale. Es ist, als können die Lebenden ohne die Toten nicht sein. Wir glauben, daß mit dem Augenblick, da ein Mensch stirbt, sein Bestes, seine Seele aus ihm flieht. Was uns bleibt, ist der tote Leib, der bald verfallen wird. Der Stätte, wo er ruht, widmen fast alle Völker Andacht und Ehrfurcht.

Es gab Völker, die ihre Toten verbrannten und die Asche entweder bewahrten ober in alle Winde verstreuten. Eine solche Handlungsweise ist nicht zu­fällig, sondern folgt immer aus einer bestimmten Welt- und Lebensanschauung. Diese Völker und Zeiten achteten die (Erinnerung gering, sie liebten es nicht, an den Tod oder die Vergänglichkeit alles Lebens erinnert zu werden. Sie bejahten das Leben und kannten nur eine Unsterblichkeit, die des ge­schaffenen Werkes ober der fortzeugenden Tat.

Anbere Völker haben ihren Toten eine Wohn­statt geschaffen, ein Mal ber (Erinnerung errichtet. Das Äuge, das durch bie Jahrhunberte zurück­schweift, sieht in Aegypten bie Pyramiben, an benen Tausenbe unb Zehntausend währenb vieler Jahre bauten, bamit ein toter König barin ruhe. Wir kennen bie Aschenurnen unb Grabstätten der griechischen unb römischen Zei, aus denen Anbacht unb Ehrfurcht für bie Toten spricht. Wir stehen vor ben Hünengräbern ber germanischen Frühzeit, in denen bie Helben bestattet finb.

Unser Auge schweift über bie unzähligen Fried­höfe des christlichen Abendlandes. Ueberall, wo menschliche Siedlungen sind, ward auch den Toten ein Raum bereitet Mitten in den großen Städten stehen wir plötzlich vor den Mauern der alten Friedhöfe, vor den Kreuzen und Erinnerungs­malen. Der laute Lärm der neuen Zeit tönt heute über sie hin, die einst vor den Toren der Städte gelegen waren. Wie schön ist es aber, zu sehen, daß manche Großstädte jetzt dazu übergehen, vor ihren Toren den To'ten eine wirkliche Stätte des Friedens und der Ruhe zu bereifen, indem sie sie zwischen alten Bäumen begraben. Diese Wald­

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gebeutet, sondern auch noch betrogen. Durch ben Teilungsoorschlag ist eine Atmosphäre entstanden, bie ftänbig zu explosiven Ausbrüchen führt, ähnlich wie im vergangenen Jahr, als Araber unb Juben sich heftig mit ber Waffe in ber Hand bekämpften. Kampfstellung hohen aber nicht nur Juden und Araber bezogen, sondern auch die Englän­der, die seit dey Kämpfen des letzten Jahres vor­sichtiger geworden find. Bisher war das Verhält­nis zwischen den beiden Parteien einigermaßen er­träglich gewesen, es hatte fast ben Anschein, als wenn Juben unb Araber in Palästina recht unb schlecht zusammen leben könnten. Solange die Juben eine Minberheit waren, wäre bas ja vielleicht möglich gewesen. Aber je mehr bie (Einroanberung der Juden zunahm, je mehr sich die Juden durch Grunderwerb Einfluß sicherten, je raffinierterJie durch Spekulation bie besten Gebietsteile Palästi­nas an sich rissen, um so mehr steigerte sich ber Gegensatz zwischen Juden und Arabern, die eine Judenherrschaft in Palästina immer energischer ab­lehnen. Der panarabische Gedanke hat sich in den letzten Jahren weit genug vertieft, so daß die Araber sich heute stark genug fühlen, selbst den Kampf mit dem Judentum aufzunehmen. Der Aus­bruch eines solchen allgemeinen Kampfes kann un­erwartete Folgen nach sich ziehen.

Den Engländern ist daher bie augenblickliche

Spektakel mit Geklirr unb Gerassel, grelles Ltz- bann finstere Nacht, in ber ich schreien mußte r Angst. Als ich meiner Mutter einmal sagte, bie^e (Erinnerung in mir wäre, mußte sie sich besinnen, bevor sie das Rätsel lösen konnte, v hatte mich, ein l^-jähriges Bübchen, an ein Winterabend auf den Boden der Wohnstube M und war in die Küche gegangen; da hörte sie M" und fand eine finstere Stube, in der ich schrKA machte Licht, und da saß ich zeternd auf betrug 1 während bie Stehlampe in Scherben auf bein r'' ben lag." , .

Der Dichter Fouqu 6 erinnert sich aus zweiten Lebensjahr, wie ein Onkel von ihm in - Krieg ritt. Die taubblinbe Helen Ke11er, die /' ttietfj 20. Monat nach ihrer Geburt burch eine Erkrankung Augenlicht unb Gehör verlor, eriF sich noch an vieles aus ber Zeit vor diesem baren Ereignis. An einer Auktion, bei der / Hinterlassenschaft seines Großvaters perfteifi/ wurde und die in seinem zweiten Lebensjahr V1-, fand, erinnerte sich Schulrat Eicheberg miteir/ merkwürdigen Deutlichkeit:Da sehe ich noch . . mir die lange Tafel im Sterbehause, hinter * selben steht der dicke Auktionator mit feinem10- Vollmondgesicht, ih seiner Hand eine kleine 2lr.fr roaage mit grünen Schnüren, viele Leute 001*1 Tisch, darunter auch mein guter Vater. , sitze als kleiner, höchstens r/3 Jahre alter auf den Armen einer hilfreichen Tante." .J

Während die (Erinnerungen aus dem 3% Lebensjahr öfter geschildert werden, finden / solche aus dem ersten naturgemäß sehr selten. genau sind bie Angaben, die der Dichter/-/ Spitteier über seine frühesten (ErlebmIK zweiten und im ersten Lebensjahr machte. (/ tonte dabei ausdrücklich, daß feine Zeitbestnnw'^ gen sorgfältig nachgeprüft und richtig waren- wies dabei darauf bin, daß er ein ungern^ früh entwickeltes Kind war, das am Ende des e Lebensjahres schon gehen und sprechen konnte so verlegte er eine Szene, in der er eine um tung zwischen Menschen beobachtete, vor feines ersten Jahres. Auch von dem P"ilo!^-. Giordano Bruno wird berichtet, daß er von Erinnerung erzählte, die in sein erstes Lern zurückging.

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Unsicherheit. . v

Diese Unsicherheit und Unruhe hat sich seit dem

Bekanntwerden des T e i 1 u n g s p 1 a n e s der --------n .,. .

englischen Mandatskommission noch erheblich ge- Sohn Nürnbergs und ber Zeit unb dem Geist eines steigert Die Araber fühlen sich nicht nur aus- Hans Sachs, war ihm auch ber Sinn für Handel,