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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Samstag, 20. November |057

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Abschied von der Großherzoglichen Kamille.

OerlehteWegderTodesopfervonOstendedurchdie trauernde Landeshauptstadt zur!Nosenhöhe

Bor dem Mausoleum in Erwartung des Trauerzuges,

Juna Ludwig im Trauerzug auf dem Wege durch die Stadt.

Egener Bericht des Gießener Anzeigers.

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war das feierliche Grabgeleit für den ver- tcrbeien Großherzog E r n ft Ludwig von Hef­en uiö bei Rhein in Darmstadt in lebhafter Er- n-^enng, fast ließe sich sagen, daß die Kränze und BMim n, die ihm zu Ehren gegeben wurden, noch inn int) und die Blumen noch duften da müs- cr p schon neue Särge zu dem seimgen ae- 'I/n, da müssen sich schon neue Berge von Blu- rtat nd Kränzen im und um das Mausoleum des

.'n 5rauergefolge herschritt. Diele Frauen und )ä n vermochten sich der Tränen kaum zu er- ellrj:, die Männer standen mit tiefernsten Ge­ht? ri nicht weniger bewegt an der Straße. Am ace 7es Begräbnisses des Großherzogs, seines a«t- sah Prinz Ludwig den älteren Bruder 2 bim fid), wußte die Mutter am Mausoleum, als ' Mich die Straßen der Stadt schritt; nun hatte

D n r-rßhczoglichen Hauses häufen Unvorstellbar un° UDen 2i?.r menschlichen Phantasie mögen die Augen- os?lt (itie Des entsetzlichen Unfalles fein, dem die Mit- lrlde des großherzoglichen Hauses zum Opfer -uUlt ebm, unvorstellbar und kaum nachzufühlen' aber uiq ivs Leid, das den Prinzen Ludwig traf, Öen1 e^eioärtig letzten männlichen Hinterbliebenen iiiet Familie, der gestern unmittelbar hinter den )äcgci schritt, als die Toten in feierlichem Kon­uk nm Fürstenbau am Bahnhofe zu Darmstadt im Zbsenhöhe gebracht wurden. Dieser Weg mag )NV dcht leicht gewesen fein. Aber männlich trug rriPrnz sein schweres Schicksal, als er allein vor

f ZLhntausende erwiesen der großherzoglichen Familie mit dem deutschen Gruß die letzte Ehre.

[eh den schmerzlichen Weg zu gehen. Den

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der Stadt säumten, die der Trauerzug

Der Traumua

Schvi' ist es, mit den uns Menschen gegebenen

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fy s Leben hinter sich, ein Leben der Erfül-

ngeinnib der Vollendung. Als er zu Grabe getra- n liuööe, schien Helle Oktobersonne. Nun. da

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^Herzogin, bewiesen. Abordnungen der in

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lrafiM'erkehr ruhte. Nur der verhaltene Schritt r ehr arschierenden Formationen unterbrach die

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- ii buhjc, |u;ien yeue uiiuutijuiuie. viun. uu iftl. ÄAüheqil Menschenleben ihre letzte Fahrt antraten. cdir.7os-,jernL>hst die Natur zu trauern. Tief hingen die n rSue9e über der Stadt, schwere Nebel lagen -igere^br i|j.i ganzen Lande, leichter Sprühregen ging unbewegt hingen die Fahnen halbmast, der

-täJteWe 'VRsrschütterliche Verbundenheit mit ihrer - und Gönnerin, der verstorbenen ehemali-

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^^Jtiüe/. 3 i Trauerzug fanden sich alle Kreise unserer , lolksAmeinschaft. Die Politischen Leiter waren in IiniagB^feirzahl erschienen, Militärs aller Ränge, ^^^>r xxiir wie auch der neuen Wehrmacht, die Glie- 'uniam der Partei (SA., Flieger - SA., SS., '^lorZen- SKT NSFK. usw.), zahlreiche andere Organisa- nstaltWfDneM ^Reichsluftschutzbund, Reichskolonialbund, HoiPJ eichrWigerbund, Sanitätskolonnen, Feuerwehren) MWü^ teil g: sich, einen großen Teil des Trauergefol- >MM;s jnlttm auch die im Deutschen Roten Kreuz und n "auenverein vereinigten Frauen und Mäd- * 'er Tracht der Schwestern, die mit ihrer MW"eilriäh_ aus vielen Ortsgruppen des Landes

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pomp «uszudrücken, welchen Ernst und welche raiun üe Straßen der ehemaligen Landeshaupt- r|JIIten. Der verstorbene Großherzog hatte

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l läe gestern in Darmstadt zu Grabe getragen in, galt das ehrende Gede/iken und jene Ehr- l;:e uns Menschen dem Tode gegenüber ge= 1Ch®Or"c"j2beii| i dem Prinzen Ludwig aber galt alles ü!iniischliche Mitgefühl der vielen Dolksgenos- in dichter, undurchdringlicher Mauer die

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Darmstadt liegenden Regimenter der neuen Wehr­macht (Kavallerie-Regiment 6 und Infanterie-Regi­ment 115) waren zum Trauergefdlge kommandiert, das Artillerie-Regiment 33 hatte den ehrenvollen Dienst der Ueberführung der Särge nach der Rosen­höhe zu leisten Die Musik für die Trauerfeierlich­keit stellte das Jns.-Rgt. 115.

Vor dem Fiirffenhau.

Feierliche Stille lag über dem Bahnhofsvorplatz, als vor dem Fürstenbau die Särge von Kameraden der Flieger-SA. aus dem Hause gebracht und auf die Wagen gehoben wurden. Offiziere brachten zu­nächst auf Kissen die Ehrenzeichen des Erbgroß- herzogs, dann folgte dessen Sarg, der mit der Haus­flagge bedeckt war Auf dem Sarg lagen auch der Stahlhelm und der Degen des Verstorbenen. Dann folgte der Sarg der ehemaligen Großherzogin, eben­falls bedeckt mit der Hausflaage. Der Sarg, der die sterbliche Hülle der Erbgroßherzogin barg, war je zur Hälfte mit der großherzoglichen Hausflagge und mit der griechischen Flagge (weißes Kreuz im blauen Feld) bedeckt. Schließlich wurden die beiden Särge der Knaben gebracht, die weiß bedeckt und am Kopfende mit dem Flaggentuch des Groß­herzoglichen Hauses geschmückt waren. Je vier Rappen zogen die Leichenwagen der Großherzogin Eleonore und des erbgroßherzoglichen Paares, prächtige Apfelschimmel die Wagen der beiden jungen Prinzen.

Niemand in der großen Zahl der Trauergäste

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Vor dem Fürstenbau. Offiziere mit den Orden und Ehrenzeichen des Erbgroßherzogs und der Groß­herzogin Eleonore. (Aufn. [4]: Neuner, Gieß. Anz.)

vermochte sich eines tiefen, schmerzlichen Eindrucks zu erwehren, als die Särge auf die schwarz ver­hängten Wagen gebracht und mit Blllmen und Kränzen umgeben wurden. Allgemein und tief war aber die Bewegung, als der Hinterbliebene Prinz Ludwig an die Spitze des Trauergefolges und hinter die Wagen trat und sich nun der Trauerzug unter den Klängen des ChoralsJesus meine Zu­versicht" in Bewegung setzte Mehrere Male auf dem Wege durch die Stadt erklang diese Melodie, wie ein Leitmotiv, das auch den verstorbenen Groß­herzog auf feiner letzten Fahrt begleitet hatte.

Der Weg du A d-e Stadt.

An die Spitze des Trauerzuges setzte sich das Musikkorps des Infanterie-Regiments 115, dem der Ehrensturm des NSKK.. Sturm 1/77, mit Fahne und Kränzen folgte. Hinter ihm schritten Offiziere mit den Ordensauszeichnungen und die drei Pfarrer, Dekan Müller, (Darmstadt), Pfarrer Win­termann und Pfarrer Monn ar d (Egelsbach). Hinter dem Prinzen Ludwig folgten die näch­sten männlichen Verwandten des großherzoglichen Hauses, Staatsrat.Reiner, als Vertreter des Gauleiters und Reichsstatthalters, der Standort- älteste General Müller, Kreisleiter Dr Schil­ling Oberbürgermeister Dr Wamboldt die Kömmandeure der drei Darmstädter Regimenter, Oberst Berlin Oberst V o e l ck e r s und Oberst­leutnant v. L e n s kmit weiteren Angehörigen der Offizierskorps, Ehren'abordnungen der Partei und ihrer Gliederungen, die Geistlichkeit Mitglieder des Roten Kreuzes und des Alicefrauenverems mit mehreren hundert Schwestern Beamte, Angestellte und Freunde des großherzoglichen Hauses Unteroffi­ziere und Mannschaften der Traditionsregimenter und die Kriegerkameradschaften mit ihren Fahnen, auch drei Offiziere der belgischen Flugverkehrsgesell­schaft erwiesen den Opfern von Ostende die letzte Ehre.

Als sich der Zug in Bewegung setzte, Huben von

allen Türmen der Stadt die Glocken zu läuten an. Tiefe Bewegung ergriff überall die unübersehbaren Menschenmengen an dem langen Weg zur Rosen­höhe, als ihnen jeweils die fünf Wagen, die fünf Särge sichtbar wurden. Mit zum deutschen Gruß er­hobener Hand erwies jedermann den Verstorbenen ksie letzte Ehre.

Vor dem Mausoleum.

Der Abend brach schon herein, als der Trauer­kondukt das Löwenportal passierte und die Weisen der Trauerkapelle im Parke erklangen. Von den Bäumen flatterten die letzten Blätter. Aus den Hallen des Mausoleums schimmerte das Licht vie­ler Kerzen. Ueber dem großen Blumenkreuz vor dem Mausoleum lag das letzte Licht des Tages.

Unmittelbar nach der Ankunft des Zuges wurden die Särge in das Mausoleum gebracht. Die Toten fanden neben dem Sarge des vorausgegangenen Großherzogs ihre Aufbahrung. Großherzog und Großherzogin, Erbgroßherzog und Erbgroßherzogin lagen als Vater, Mutter, Sohn und Schwieger­tochter zur letzten Ruhe.nebeneinander. In der Vor­halle wurden die beiden Knaben aufgebahrt.

Vor dem Mausoleum häuften sich die Kränze. Unter ihrer Fülle wurde die Form des großen Blumenkreuzes aufgelöst. Unter den vielen Kranz­spenden fielen vor allem die Kränze der Königin von Belgien und der anderen Mitglieder des bel­gischen Königshauses auf, ferner jene der belgischen Luftfahrtgesellschaft Sabena, die für jedes der ver­unglückten Mitglieder des großherzoglichen Hauses einen Kranz entsandt hatte. Ferner sah man viele herrliche Kränze von Stadtgemeinden des hessischen Landes, die Kränze zahlreicher Organisationen, vie­ler Persönlichkeiten der Partei und des Staates und anderer Volksgenossen, die sich dem Trauer- Hause besonders verbunden - fühlen.'

Nachdem Prinz Ludwig und feine junge, ihm vor Tagen angetraute Gemahlin zu einigen Minuten stillen Gedenkens das Mausoleum betreten hatten, fand eine kurze liturgische Feier statt, in der der Hausgeistliche Pfarrer Monnard (Egelsbach), so­wie Pfarrer Wintermann und , Dekan Müller (Darmstadt) Worte des geistlichen Trostes spendeten. Dann erwiesen die vielen Teil­nehmer der Feier den Dahingeschiedenen die letzte Ehre. Unter ihnen sah man die beiden Schwestern des verstorbenen Großherzogs Lady Milford Haven, geb. Prinzessin Älice von Hessen, und Prinzessin Heinrich von Preußen, die beiden Schwestern der Großherzogin Für st in Dohna und Baronin von Ledebour, die beiden Brüder der Prinzessin Ludwig von Hessen, sowie Lord Louis Mountbatten, die Eltern der Erbgroß­herzogin Prinz und Prinzessin Alexan­der von Griechenland mit Prinz Philipp von Griechenland, Markgraf und Markgräfin von Baden, Erbprinz und Erdprinzessin Hohen­lohe, Prinz August Wilhelm von Preußen mit Prinz Louis Ferdinand Prinz und Prinzessin Waldemar von Preußen, Prinz und Prinzessin G u st a v von Hessen, Prinz Wolf­gang von Hessen, "Prinz Philipp von Hessen, Erbprinz und Erbprinzessin von S o l m s - L i ch.

In langem Zuge betraten sie bas Mausoleum, um Abschied zu nehmen. Die Nacht war völlig hereingebrochen, als die letzten Trauergäste das Mausoleum verließen und sich, noch ganz im Banne der ernsten Feier, nach der-Stadt zurück­wandten. N.

Weisheit des Todes.

Gibt es so etwas überhaupt Weisheit des Todes? Man redet wohl von Lebensweisheit Le- benskunst und Lebenskünstlern, aber von einer Kunst des Sterbens, einer Todesweisheit redet man gewöhnlich doch nicht. Es gibt ja nichts Gewisseres und Selbstverständlicheres auf der Welt als den Tod, was ist da noch zu lernen? Wozu sich da noch Gedanken darüber machen, wenn doch alles kommt wie es kommen mufjr

Da klingt heute am Tag der Toten ein altes Weisheitswort an unser Ohr und Herz:Lehre uns bedenken, daß wir sterben müs­sen, auf daß wir klug werden" Dies ernste Wort sieht alle Weisheit darin, den Tod recht zu bedenken nicht bloß das Leben Und ist es nicht in der Tat so, daß die meisten Menschen dahinleben, als wüßten sie gar nicht, daß sie einmal sterben müssen! Und erst ein solcher Tag, wie der heutige, läßt sie einmal aufhorchen und nachdenklich werden. Ja, lehre und bedenken ...

Arnold B ö ck l i n hat auch einmal fein Selbst­bildnis gemalt. In der Blüte des besten Mannes­alters steht er da, Pinsel und Palette in der Hand, vor einem Bilde, selbst ein Bild freudigen Schaf­fens. Aber fein Ohr lauscht aufhorchend den ge­heimnisvollen Klängen, die hinter ihm ertönen: über feine Schulter blickt der Tod und spielt ihm auf feiner Geige das letzte Lied, das Lied des Todes. Das ist die beste Illustration zu dem ernsten Wortauf daß wir klug werden", das ist die echte Weisheit des Todes.

Freilich, wie wenige kennen sie und lernen fiel Wie vielen ist und bleibt der Tod das furchtbare Schreckensgespenst, der grausige Feind des Lebens, aber nie der Freund, der Gottesbote, der auch seinen Dienst an uns hat. So verstehen wir jene Klage des Todes über das ewige Mißverständnis der Menschheit:

So bin ich rastlos Tag und Nacht und steh als Zöllner ungerührt

Das Leben fordernd auf der Brücke, die in das Ungewisse führt.

Gefürchtet und gehaßt vom Glücke, ersehnt vom Leid, das nicht mehr hofft

Beschworen und gerufen oft als letzter Retter in der Not Willkommen nie: ich bin der Tod!

Willkommen nie... das liegt doch daran, weil wir noch nie die rechte Weisheit des Todes gelernt und erkannt haben. In einem tiefsinnigen Märchen wird erzählt, wie die Menschen eines Tag^'s zu Gott kommen und ihn bitten: Nimm uns den Tod weg, unfern furchtbarsten Feind, und wir wollen dir ewig dankbar fein! Gott erfüllt ihnen die Bitte, groß ist der Jubel der Menschen. Aber schon nach kurzer Zeit ändert sich das Bild. Die Alten, die nicht sterben können, reden überall drein und weh- ren allem Neuen, und die Jungen verlieren all­mählich den Mut und die Lust. Die Tüchtigen hatten zuerst geglaubt, sie würden jetzt wunder wieviel leisten, aber allmählich läßt es auch bei ihnen nach, denn es ist ja Zeit übergenug vorhanden, die Leicht­sinnigen leben noch schlimmer in den Tag hinein, denn die drohende Mahnung des Todes fehlt, die Mühseligen aber ringen nur um so aussichtsloser um Erlösung, weil die Aussicht au) eine letzte Stunde ihnen genommen ist. Ja, selbst die Liebe unter den Menschen nimmt immer mehr ab, weil ja kein Verlust zu fürchten ist Und während die Menschen zuerst geglaubt hatten, daß nun eitel Lebensfreude einziehen würde, erleben sie jetzt, wie eine unsagbare Freudlosigkeit über allem auf der Erde liegt. Schließlich findet einer ein altes, ver­gessenes Wort, das einst einer aus früherer Zeit gesprochen:Damals, als die blühende Erde ent­stand, empfahl der Allmächtige deiner Obhut, o Tod, feine gesegnete Welt!" Da begreifen sie, was sie ge­tan haben mit ihrem törichten Wunsch und Bitten Gott:Gib uns unseren Freund, den Tod, wieder!" So müssen wir den Tod auch, ansehen lernen und aus dem Leben die Weisheit des Todes lernen, bis wir den Tod schon in unserem Leben als unseren Wohltäter erkannt haben. Wer das leise Lied des Todes schon im Leben vernommen hat, dem gibt es vieles Gute ein, dem geht der Sinn jenes Wor­tes auf:Lebe, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst gelebt zu haben!"

Der Tod scheidet unerbittlich das Echte vom Un­echten. Rückert sagt:Der Tod deckt auf die Hül- len, zu die Blößen." Vor dem Tode fällt der Her- melinpelz ebenso ab wie das Bettlergewand, die Maske der Seele ebenso wie jede unechte Farbe des Anttitzes und des Geistes. Aber wo ein Fehler an den Lebenden ist, da deckt der Tod ihn zu und er zählt nicht mehr. So werden wir angesichts des Todes größer, wachsen an Einsicht und vermögen das Leben eines Menschen zu einem Bilde abzu­runden, wie es uns zu Lebzeiten nie gelang. Aber warum warten wir bis zum Tode? Diese' Frage stellt uns der Totensonntag. Goethe sagt:

Was räucherst du nun deinen Toten?

Hälfst du's ihm so im Leben geboten."

Jeder fühlt angesichts dieser Frage, wie viel er feinen Toten abzubitten hat. Sie verlangen diese Abbitte nicht, aber wir leisten sie gerne; sie ver­wandelt sich für uns in die Mahnung, sie da in die Tat umzusetzen, wo es noch nicht zu spät ist: bei den Lebenden. Ihnen gilt unser Wille und unser Werk, wenn wir von den Gräbern heim­gekehrt sind und dem Lebei> wieder ins Auge blicken dürfen.

Arbeitstagung der Gemeinschaft Das Ahnenerbe".

Berlin, 19. Nov. (DNB.) Unter dem Vorsitz ihres Präsidenten, ---Sturmbannführer Professor Dr. Walther Wüst (München), fand die erste wis­senschaftliche Arbeitssitzung der Forschungsgemein­schaftDas Ahnenerbe" statt. ---Hauptsturmführer Professor Dr. Hermann Wirth, der Leiter der Abteilung für Schrift- und Sinnbildkunde, konnte an Hand der von ihm hergestellten zahlreichen Ab­güsse nordischer Felsbilder die Grundelemente indo- arischen Glaubens barlegen, bildliche Darstellungen, die durch den Indogermanisten Professor Wüst, der die Lehr- und Forschungsstätte für Wortkunde lei­tet, auf Grund der ältesten indoarischen Texte als urarisches Ueberlieferungsgut bestätigt wurden. Die­selben Grundelemente finden wir in deutschen Sagen und Märchen wieder, wie auch aus dieser Gesamt­schau ganz neue Erkenntnisse für die Erforschung und Deutung unserer Hausmarken und Sippen­zeichen hervorgehsn, deren immer noch sehr reicher Bestand vomAhnenerbe" unter Leitung des Ab­teilungsleiters Konrad A. R u p p e l gesammelt und ausgewertet wird.