Ausgabe 
20.10.1937
 
Einzelbild herunterladen

Ur. 245 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzetger für Oberhessen)

Mittwoch, 20. Oktober (937

Aus der Stadt Gießen.

Wirtschastsäpfel und Kartoffeln verwerten!

Tafeläpfel wurden lebhaft verlangt, Wirtschafts­äpfel hatten nicht genügende Nachfrage." Diese und ähnliche Formulierungen kann man noch oft in den Berichten über die Verbrauchermärkte lesen. Warum wird Wirtschaftsobst weniger stark verlangt? Allein deswegen, weil die Hausfrauen sich sagen, daß die beste Ware auch immer die billigste sei? Gewiß, in vielen Fällen trifft das zu, aber beim Wirt­schaftsobst wohl kaum, denn dies läßt sich genau so aut zu allen Küchenzwecken verwenden, wie das Tafelobst. Es besteht nur der Unterschied, daß das Wirtschaftsobst bedeutend billiger ist. Wir haben in diesem Jahr bei unserer reichen Aepfelernte so viel preiswertes Wirtschaftsobst, daß es unverantwortlich wäre, wenn wir das gute Tafelobst, das sich bis in den Frühling hinein lagern läßt, jetzt verkochen und das Wirtschafts­obst, das nicht so lange haltbar ist, wegen zu ae- ringer Nachfrage verderben lassen würden. Es gibt so viele Gerichte, für die Wirtschaftsäpfel voll­kommen genügen! Denken wir an das Einkochen von Apfelmus, an das Trocknen von Aepfeln, an das Backen, an die Obstsäfte und Apfelgelees, an Obstsuppen usw. Zu diesen und vielen anderen Ge­richten genügt vollkommen das Wirtschaftsobst, das in den Obstanbaugebieten in Süddeutschland, in Rheinhessen und Hannover in riesigen Mengen jetzt bereitsteht und das verderben müßte, wenn unsere Hausfrauen sich nicht auf seine Verwendung ein­stellen würden.

Noch ein anderes Erzeugnis ist uns in diesem Jahre in reicher Fülle zugewachsen: die Kar­toffel. Die Ernte in diesem neben dem Brot wichtigsten Nahrungsmittel ist diesmal größer als in den letzten Jahren, so daß die Vor­aussetzung für die Umstellung unserer Ernährung von Brot auf verstärkten Kartoffelverzehr erfüllt ist. Wir wissen, daß Kartoffeln eine Fülle von un­entbehrlichen Nährstoffen enthalten. So haben 500 Gramm mit der Schale gekochte Kartoffeln nach Abzug von 25 Gramm Schalenabfall ohne Zusatz von Fett oder Milch ungefähr denselben Kalorien­wert wie 370 Gramm mageres Rindfleisch ohne Knochen und Sehnen. Der Vielzahl der neuzeitlichen Kartoffelgerichte verdanken wir, daß uns diese wertvolle Nährstoffquelle auch dann nicht über wird, wenn wir mehrmals am Tage Kartoffel­speisen essen. Das warme Abendessen unter reichlicher Verwendung von Kartoffeln ist heute schon viel zu selbstverständlich, als daß man es noch als Forderung erheben müßte, um Brot zu sparen. Ueberall im Land kellern vorsorgliche Haus­frauen ihren Winterbedarf an Speisekartoffeln ein, um auch dann unabhängig zu sein, wenn anhaltende Fröste das Ausmieten der Kartoffeln beeinträchtigen sollten.

So läßt uns ein früchteschwerer Herbst mit seinem reichen Erntesegen unsere Ernährung nach dem ein­richten, was wir in großen Mengen im eigenen Lande erzeugen. Bo.

Dornotizen.

Tageskalender für Mittwoch.

Stadttheater: 19.30 bis 22 UhrIm Rebeloch rumort's". Gloria-Palast, Seltersweg:Ka­russell". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die gelbe Flagge".

Stadttheater Gießen.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend findet zum letztenmal die Aufführung des DolksstücksIm Rebeloch rumort's" von Domhof statt. Spielleitung: Dr. Erich Schumacher. Die Vor­stellung findet als 4. Vorstellung der Mittwoch-Miete statt. Anfang 19.30, Ende 22.30 Uhr.

3 Monate Gefängnis und 20000 Mk. Geldstrafe wegen Steuerhinterziehung.

Eine Ermahnung und ein guter Rat.

Von dem Vorsteher des Finanzamtes Gießen wird uns geschrieben:

Drei Monate Gefängnis und 20 000 Mark Geld­strafe wegen Steuerhinterziehung war die Strafe, die kürzlich in Gießen vom Gericht verhängt wurde, lieber die Verhandlung ist im Gießener Anzeiger bereits berichtet. Aber sie regte auch 3U weiterem Nachdenken an. Einmal zeigt die Strafe, d. h. ins­besondere die Verhängung einer Freiheitsstrafe, daß mehr und mehr die Steuerhinterziehung streng bestraft wird. Es galt früher manchmal beinahe als Sport, sich auf dem Gebiet der Steuerhinterziehung zu betätigen und demRacker Staat" soviel wie möglich Geld abzujagen. In der liberalistischen Periode hat man vielfach auch in der Bestrafung diesem Gedanken Rechnung getragen. Der Natio­nalsozialismus sieht in der Steuerhinterziehung mit Recht einen schweren Verstoß gegen die Pflichten der Volksgemeinschaft; denn das, was der einzelne an Steuerleistung dem Staat entzieht, bürdet er seinen Volksgenossen wieder auf. Der einzelne steht nach nationalsozialistischer Auffassuna nicht mehr als Fremder dem Staat gegenüber, sondern er ist selbst Mitträger der Volksgemeinschaft und des Staates und mit verantwortlich. Aus dieser Auf­fassung ergab sich notwendig eine andere Einstellung zu der Strafe der Steuerhinterziehung. Wenn man in der Uebergangszeit noch der früheren Auffassung Rechnuna getragen hat und auch der Verteidiger hat das für seinen Klienten in Anspruch genommen |

, so zeigt das Urteil, daß diese Auffassung heute nicht mehr gelten kann.

Zum Schutze gegen Steuerhinterziehung sind in neuerer Zeit eine Reihe von Bestimmungen erlassen worden, die eine schärfere Kontrolle der Steuer­pflichtigen ermöglichen, wie die Verordnung über Führung des Wareneingangsbuches, sog. Waren­ausgangsverordnung, verstärkte Buch- und Be­triebsprüfung usw. Hierbei wird immer wieder festgestellt, daß viele noch nicht ihre Pflichten ken­nen, die sie der Volksgemeinschaft gegenüber durch richtige Steuererklärungen haben. Es werden also weitere Strafverfahren folgen müssen.

Unter diesen Umständen erscheint es angebracht, darauf zu verweisen, daß nach den Bestimmungen des § 410 der Reichsabgabenordnung jeder in der Lage ist, die Folgen einer unrichtigen Steuer­erklärung, insbesondere des Verschweigens von Kapitalvermögen, dadurch abzuwenden, daß er freiwillig dem Finanzamt gegenüber feine unrichtigen Angaben richtig- stellt. Er bleibt dann vollständig straffrei, muß allerdings die hinterzogene Steuer nachzahlen.

Es kann nur allen, die es angeht, dringend ge­raten werden, von dieser Bestimmung Gebrauch zu machen und rechtzeitig, bevor das Finanzamt selbst die erforderlichen Feststellungen getroffen hat, früher unrichtige Angaben richtigzu- st e l l e n und verschwiegenes Vermögen anzugeben.

Werbung für die RGB. in Betrieben

OAI. und RGB. hatten gemeinsamen Betriebsappett.- Erfreuliche Ergebnisse.

In engster Zusammenarbeit zwischen den Dienst­stellen der D A F. und der NSV. führt die NSV. im Kreis Wetterau im Rahmen der zur Zeit laufenden Mitgliederwerbung auch eine verstärkte Betriebswerbung durch. Dank des Einsatzes aller beteiligten Stellen, nicht zuletzt der Betriebsführer und der Gefolgschaftsmänner selbst, hat die B e - triebsroerbung im Kreisgebiet schon beachtliche Erfolge gezeitigt.

Besonders verdient die Einstellung der Butz­bacher Betriebe hervorgehoben zu werden. Nachdem die Schuhfabrik Rumpf und die Firma Samesreuter schon vor Wochen lOOprozentig als Mitglieder für die NSV. gewonnen worden sind und bei der Firma A. I. Tröster nur noch wenige Gefolgschaftsmänner ausstehen, um hier dasselbe Ergebnis zu erzielen, versammelten sich am Montag auch die Gefolgschaftsangehörigen der Butzbacher Werke für Ei s e n v e r a r b e i- tu n g zu einem Betriebsappell, bei dem der Gau­amtsleiter der NSV. und Gaubeauftragte des WHW. Pg. Haug (Darmstadt) zu der vollzählig versammelten Belegschaft über die Aufgaben der Nationalsozialistischen Dolkswohlfahrt und die Ein­stellung jedes einzelnen deutschen Menschen zu ihr sprach.

Die riesige Halle war würdig geschmückt. Eine ganze Reihe von Lautsprechern sorgte dafür, daß jeder alles vernahm. Nach dem Einmarsch der Fahne der Betriebswerkschar meldete der Betriebs­obmann Pg. Müller dem Betriebsführer Pg. F i s ch l e r den angetretenen Betrieb. Pg. Fisch - l e r ergriff das Wort und brachte zum Ausdruck, daß sowohl er, wie seine Betriebsgefolgschasts- männer dem Appell zum Eintritt in die NSV., die große Wohlfahrtsorganisation der Bewegung, gerne Folge geleistet hätten. Er überreichte als Beweis dafür dem Gauamtsleiter Pa. Haug die Auf­nahmescheine zur NSV. von rund 660

Betriebsangehörigen, die bis dahin der NSV. noch nicht angehörten, so daß nunmehr auch die Butzbacher Werke für Eisenverarbeitung nahe- z u lOOprozentig der NSV. angehören.

Pg. Haug dankte sowohl dem Betriebsführer als der Gefolgschaft für dieses einzigartige Bekennt­nis zum Tatsozialismus und appellierte an die Männer der Faust und der Sttrn, es nicht dabei bewenden zu lassen, nun nur einen Mitglieds­schein ausgefüllt zu haben, um in der Kartei der NSV.-Mitglieder geführt zu werden, sondern aus dem inneren Verstehen heraus das großartige Auf­bauwerk des Führers und seiner Bewegung als wahre Kämpfer zu unterstützen, damit das hohe Ziel, die Erreichung einer festgeschmiedeten und durch nichts mehr zu zerstörenden Volksgemeinschaft erreicht wird, dem ja auch die Arbeit der NSV. einzig und allein dient. Die vielseitige Arbeit der NSV., die den Frauen und Kindern sowie den Volksgenossen, ihrer Gesunderhaltung und Gesund­heitsführung dient, schafft glückliche Menschen, die den Nationalsozialismus wirklich erlebt haben und sich durch nichts mehr in ihrem Fühlen und Denken beeinflussen lassen.

Die begeisterten Ausführungen des Pg. Haug fanden lebhafte Zustimmung der Männer der blauen Arbeitstracht. Brausend klang zum Schluß des Appells das Sieg-Heil auf Führer, Volk und Vaterland durch die hohe Werkshalle.

Die Werbearbeit der NSV. ist hiermit im Kreise Wetterau ein gutes Stück weitergekommen. Sie soll damit nicht beendet sein. In den nächsten Wochen werden die in Frage kommenden Stellen an alle Betriebe des Kreisgebietes herantreten, um auch sie zu veranlassen, dem Beispiel dieser Betriebe zu folgen.

Wie sie üben...

Berühmte Pianisten am Flügel.

Einen Blick in die Werkstatt großer Kiinst- ler läßt uns eine Umfrage tun, die den neuen Jahrgang derDeutschen Tonkünstler- Zeitung" einleitet. Wir freuen uns, mit Er­laubnis der Schriftleitung daraus einige be­sonders interessante Antworten zum Thema Wie Künstler üben" bringen zu können.

Professor Wilhelm Backhaus:

Ich habe mein Lebtag nicht mehr als höchstens drei Stunden täglich geübt und auch das nur mit Unterbrechungen, da ich nach ein- bis eineinhalb­stündigem Ueben unbedingt eine Pause von min-j bestens 15 bis 30 Minuten einschalten muß. Das Ueben geschah stets unter intensiver Hingabe des ganzen Menschen, eine gleichzeitige Lektüre eines Romans, wie man es von anderen Pianisten er­zählt (allerdings ist mir der Beweis davon nie er­bracht worden), ist bei mir ausgeschlossen. Infolge­dessen finde ich es ebenso anstrengend wie das Kon­zertieren, und es ist mir schwer vorstellbar, wie man sechs und mehr Stunden täglich klavierspielend zu­bringen kann ...

Da ich fast mein ganzes Leben auf Reisen zu­bringe, besser gesagt in einer unaufhörlichen Hetz­jagd, so ist mein Ueben das Unregelmäßigste, was man sich vorstellen kann, manchmal müssen mir zehn Minuten hier und da genügen, sehr oft habe ich auch gar kein Klavier zur Verfügung, und alles ' Ueben unterbleibt. An Konzerttagen halte ich es am liebsten wie folgt: Eine Stunde Ueben (keines­falls mehr, mit Vorliebe Bach oder Chopin-Etüden, bei Vermeidung des bevorstehenden Konzertpro- pramms, um am Abend mit geistiger Frische an dasselbe heranzutreten), eine Stunde spazierengehen und zwei Stunden Schlafen vor dem Konzert, aber dieses Jdealprogramm kommt oft nicht zur Aus­führung.

Professor Walter Gieseking:

Es ist mir bekannt, daß über meine Art des Uebens und des Auswendiglernens schmeichelhafte, aber mehr ober weniger phantastische Geschichten erzählt werden darum gebe ich gern authentische Auskunft, wie ich übe. Technische Hebungen mache ich nie. Ich halte diese überhaupt für fast gänzlich überflüssig. Wenn der Schüler Tonleiter, Arpeggien und ähnliche Grundelemente der Klaviertechnik ein­mal gelernt hat, kann er sie doch! Wozu also die Finger anstrengen und langweilen?. ...

Jedes komplizierte und schwierige Werk lerne ich nicht am Instrument, sondern nur lesend! Ebenso repetiere ich länger nicht gespielte Werke, indem ich diese, mit dem Notenbuch in greifbarer Nähe, im Gedächtnis ablaufen lasse, wobei zur Erleichterung der Kontrolle die Finger, die jeweils zu spielen hätten, andeutungsweise bewegt werden können. Hierdurch werden die vom Kopf (von der musika­lischen Vorstellung) ausgehenden Impulse sozusagen durchprobiert, um festzustellen, ob die Übertra­gung in die Finger einwandfrei funftioniert. Wenn diese Übertragung ohne Störung verläuft, ist kein lieben am Klavier mehr nötig.

Dieses Lernen durch Lesen ist nicht nur die sicherste Art des Auswendiglernens, sondern auch eine praktische Verwendung der Zeit, die die Eisen­bahnfahrten in Anspruch nehmen

' Ganz unpraktisch ist es meines Erachtens, kurz vor dem Auftreten zu üben. Ausruhen und Aus­schlafen sind wichtiger und nützlicher als jede tech­nische Hebung, und Unsicherheiten des Gedächtnisses werden ja viel sicherer und müheloser durch Lesen von Noten (auf die obenerwähnte Art und Weise) behoben, als durch noch so häufiges (und ermüden­des) Spielen der unsicheren Stellen.

Professor Gori Wendling:

Es gibt Künstler mit großem Können, die im methodischen Sinne nicht richtig üben, und zähe Systematiker, die es nicht zu künstlerischen Leistun­gen bringen. Zwischen diesen Grenzsällen liegen die vielfältigen Möglichkeiten, die bei der Betrach­tung des ProblemsHeben" in Frage kommen. Im allgemeinen muß meiner Ansicht nach zum Ta­lent auch zur großen Begabung unermüd­liche, konsequente Arbeit kommen, wenn die in Er­scheinung tretende Leistung den vorhandenen An­lagen voll entsprechen soll. Das richtige Arbeiten ist eine Kunst, aber eine erlernbare; mancher kommt freilich erst spät dahinter.

Die Frage nach meinem persönlichen Heben be­antworte ich folgendermaßen: Wenn ich gut in Form bleiben will, brauche ich heute etwa eine bis eineinhalbe Stunde täglichen Hebens. Hngefähr eine halbe Stunde dieser Zeit gehört Hebungen, die den technischen Apparat in Bereitschaft bringen hel­fen ... Die Hauptzeit gehört den gerade neu ein­zustudierenden Werken. Diese werden zunächst im Zusammenhang durchgespielt, bis ein Hebetblick über das ganze Werk möglich ist. Der Erkenntnis des geistigen Gesichtes ordnet sich dann das Studium der 'technischen Schwierigkeiten unter, und solche schwierigen Stellen werden, immer im Hinblick auf die beabsichtigte geistig-musikalische Wirkung, tech­nisch zerlegt, für sich geübt _

Maria Gibylla Merian.

Kupferstecherin und Naturforscherin.

Im Britischen Museum in London findet der Besucher unter unzähligen anderen Kostbarkeiten Kupferstiche und Zeichnungen, die erstaunlicherweise den Namen einer Frau tragen: Maria Sibylla Merian ... Hnd plötzlich verschwimmen die Gegenstände ringsum, eine Erinnerung taucht auf, ein Frauenporträt im Museum zu Basel:Bildnis der Maria Sibylla Merian. Meister unbekannt". Bildnis und Werk verschmelzen zu einer Einheit und erzählen von einer Frau, die sich durch ihre einzigartige Begabung als erste deutsche Kupfer­stecherin und Naturforscherin einen Namen in aller Welt gemacht hat.

Maria Sibylla Merian wurde 1647 als Tochter des berühmten Kupferstechers Matthäus Merian in Frankfurt am Main geboren. Sibyllas Mutter, eine hausbackene Frau, hat später versucht, der seltsamen Neigung der Tochter zu Schmetterlingen und Blu­men, eine etwas phantastisch klingende Erklärung zu gebtn. Sie will kurz vor der Geburt Sibyllas beim Aufräumen eines Schrankes auf eine merk- würdige^Raritatensammlung von Schmetterlingen und getrockneten Blumen gestoßen sein, deren An­blick sie in ihrem Zustand besonders erregt habe. Wie dem auch sei, die kleine Sibylla zeigte jeden­falls eine tiefe Liebe zur Natur. Sie wußte auch schon in ihrer Jugend ebenso geschickt mit Stichel und Kupferplatte umzugehen wie die älteren Ge­schwister. Die Mutter jedoch wollte Sibylla zu einem gutenHausweib" machen und hat dem ern­sten Streben der Tochter stets nur Widerstand ent­gegengesetzt. Sibylla, die den feinsinnigen Vater schon im dritten Lebensjahr verloren hatte, mußte harte Kämpfe ausfechten. Erft mit Hilfe des Stief­vaters erhielt sie den sehnlichst erträumten Hnter- richt bei einem der bedeutendsten Blumenmaler jener Zeit, den sie in ihrer Kunst bald überflügelte. Aber sie malte nicht nur, sondern ebenso eifrig be­obachtete sie schon damals das Leben der Schmetter­linge und Pflanzen.

Mit 19 Jahren heiratete Sibylla den Maler Graff. Dem mütterlichen Widerstand endlich ent­ronnen, stürzte sie sich nun in ein ernsthaftes Stu­dium. Eine Frau des 17. Jahrhunderts lernte La­tein, um Naturwissenschaft studieren zu können! Hnd selbst nach der Geburt der beiden Töchter, denen sie eine liebevolle Mutter war, blieb sie ihrer Leidenschaft, die Natur zu erforschen, treu. Jahre­lang hat sie die Entwicklung eines Tieres oder einer Pflanze gründlich verfolgt. Die gesammelten Be­obachtungen hat sie dann mit bezwingender Klar-

Hitler-Jugend Bann 116 Gießen.

Delr.: Arbeitsgemeinschaft der Hitler-Jugend.

Am 20. Oktober beginnt die Arbeitsgemeinschaft der Führerschaft der Hitler-Jugend. Alle Unterbann- sichrer, Gefolgschaftsführer und Stabsmitglieder des Bannes 116 haben am 20. Oktober, pünktlich um 20.15 Uhr, an der ^-Standarte anzutreten.

BOM. llntergau 116.

Die Mädel-Führerinnenbesprechung ist von Diens­tag auf Mittwoch, 20. 10., verlegt. Die Gruppen­führerinnen gehen anschließend zur HJ.-Llrbeits- gerneinschaft in der ^-Standarte. Verpflegung ist mitzubringen. Die Untergauführerin.

Voraussetzungen für die Iamilienwochenhilse.

NSG. Nach dem Gesetz erhalten Wochenhilfe auch die Ehefrauen von Versicherten, die in den letzten zwei Jahren vor der Niederkunft mindestens zehn Monate hindurch, im letzten Jahre vor der Nieder­kunft aber mindestens sechs Monate auf Grund

der Reichsversicherung gegen Krankheit versichert waren, wobei ein einheitlicher Zusammenhang der zehn bzw. sechs Monate nicht erforderlich ist. Es ist auch gleichgültig, ob der versicherte Ehemann bei einer Pflichtkrankenkasse ober bei einer Ersatz­kasse versichert war, auch die Mitgliedschaft bei meh­reren Kassen hintereinander genügt. Voraussetzung ist aber Pflichtmitgliedschaft für den Leistungsan­spruch, nicht dagegen genügt für die Familien­wochenhilfe freiwillige Versicherung.

OAF.-Kaffeenachmittag der Arbeitsopfer.

Die Deutsche Arbeitsfront bereitete gestern älteren Volksgenossen bzw. Arbeitsopfern einen unterhalt­samen Kaffeenachmittag imBurghof". Die Abtei­lung für Arbeitsopfer in der DAF. hatte Kaffee und Kuchen in ausreichender Menge zur Verfügung ge­stellt, so daß die Besucher sich sehr wohl fühlten.

Der Soziasrefernt für die Arbeitsopfer Pg. Bie­nengräber begrüßte die Teilnehmer, überbrachte die Grüße des Kreisobmanns der DAF. Hermann Wagner und gab dann Mitteilungen von künf­tigen Veranstaltungen bekannt, die große Freude auslösten. So soll demnächst gemeinschaftlich von den Arbeitsopfern das Theater besucht werden. Auch für die Zukunft soll den Arbeitsopfern hin und wieder eine Möglichkeit zum Theaterbesuch gegeben werden. Vorgesehen ist ferner eine Weihnachtsfeier. Der Redner machte darauf aufmerksam, daß sich Männer und Frauen der Arbeitsopfer noch an dreiwöchigen Freizeiten in Erholungsheimen beteiligen könnten. Mit dem Sieg-Heil auf den Führer, in das die Teilnehmer des Kaffee-Nachmittags freudig und dankbar einstimmten, schloß der Sozialreferent seine Ausführungen.

Der weitere Verlauf der Veranstaltung war hu­morvoller Unterhaltung gewidmet. Der Frankfurter Humorist und Volkstypen-Komiker Balzer» Backes brachte mit allerlei Schnurren, sowie mit humoristischen Dichtungen in Wetterauer Mundart die Lacher auf seine Seite. Allzu rasch vergingen die Stunden, und dankbar verließen die alten Leutchen das Haus.

heit und Sachlichkeit in einem BuchDer Raupen wunderbare Verwandlung und sonderbare Blumen­nahrung" niedergelegt. Wenn auch ein großer Teil ihrer Beobachtungen durch die neueste Wissenschaft, überholt ist, so greifen doch selbst heute noch bife Gelehrten auf dieses Buch ebenso wie auf ihr zwei-v tes Werk zu Dergleichszwecken zurück. Dieses zweite Surinam"-Buch war das Ergebnis einer For» schungsreise in das südamerikanische Sumpfgebiet, die sie noch als Fünfzigerin unternommen hatte. Der Wert beider Bücher wird noch durch die zahl­reichen eigenen Zeichnungen und Kupferstiche wesentlich erhöht.

Zwischen diesen bedeutsamen Lebenswerken liegt aber nicht nur die Entwicklung der Künstlerin Si­bylla Merian, sondern auch viel menschliches Rei­fen und Erleben. Nach Jahren einer überaus glück­lichen Ehe hatte sie sich von ihrem Manne getrennt und war mit ihren Kindern nach Holland über­gesiedelt. Was trieb die tief religiöse Frau zu die« fern Schritt? Vielleicht hatten sich die Ehegatten infolge ihrer verschiedenen Lebensauffassungen aus- einanbergelebt, vielleicht aber war es auch der Ein­fluß eines Wanderpredigers, der die empfindsame Sibylla zum Eintritt in eine Sekte beroeat hatte.

Die Anerkennung, die gerade dasSurinam"- Buch fand, und ihre eigene Freude am Gelingen ihrer Arbeit ließ den Plan zu einer zweiten For­schungsreise entstehen, die jedoch nie verwirklicht wurde, denn seit ihrer Rückkebr kränkelte sie. Das ungesunde Klima und die großen Strapazen einer zweijährigen Forschungsarbeit hatten ihre Kräfte aufgebraucht. Sibylla konnte nicht einmal mehr ihr Werk allein zu Ende führen, ihre Tochter hat den zweiten Band vollendet. Aber sie ließ es sich nicht nehmen, trotz schwerer Krankheit die Arbeiten zu überwachen. So gehörten selbst die letzten Lebens­jahre dieses an Wirken und Schaffen reichen Frauenlebens der Erfüllung ihres Lebenszieles.

1717 starb, geachtet und weitgerühmt, Deutsch­lands erste Naturforscherin Maria Sibylla M'rian, als eine Frau, die nie in ihrem Leben ngch Ruhm gestrebt hat. Lisa Peck.

Alte Goldmünze in einem Stör.

In einer Bucht des Schwarzen Meeres in der Nähe von Burgas machte ein bulgarischer Fischer eine merkwürdige Entdeckung in dem Leib eines Störs, den er zur Gewinnung des Kaviars zer­legte. Er fand eine große arabische Goldmünze, dis viele hundert Jahre alt ist und aus der Zeit der türkischen Herrschaft zu stammen scheint. Wie diese Münze, die der Fischer den Behörden übergab, in den Fischkörper gekommen ist, bleibt ein Geheimnis,