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Mussolini in Tripolis

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land an erster Stelle nennt, ist bei einem Fran­zosen selbstverständlich: im übrigen rechnet er aber auch Italien dazu, weiter noch Polen , Ruß - land und Japan. Petain muß aber dann doch zugestehen, daßselbst ein demokratisch regiertes Land wie die Bereinigten Staaten, das sicher mehr damit beschäftigt ist, seinen Besitz zu wahren als seine Herrschaft auszudehnen, den Ober­befehl in den Händen des Präsidenten der Republik zusammengefaßt hat": ja daß auch Großbri­tannien, das bisher die Leitung der militärischen Operationen einem Komitee anoertraut hatte, neuer­dings einen eigenen Minister für die Zusammenfas­sung seiner Wehrmacht ernannt hat. Wenn also sämtliche Großmächte hier einen gleichen Weg eingeschlagen haben, erscheint die erwähnte Kenn­zeichnung eines Teiles als mehr ober minder an­griffslustig zum mindesten hier recht überflüssig.

sowieso verborgen. Durch ein äußerst strenges Schießverbot geschützt, werdet, so scheint es, halb Afrika da unten, und der Anblick dieses Tierpara­dieses, als ich im überwältigend hellen Mittagslicht am Abhang stand, ein wenig unterhalb des Camps, war sehr seltsam, befremdend fast und doch wieder bezaubernd durch seine Weite und stumme Größe, eine großartige und doch intensiv belebte Einsam­keit. Nach einem letzten umfassenden Blick, der prüfen wollte, ob alles denn Wirklichkeit sei, wandte ich mich zum Camp zurück, schon außer Atem nach wenigen Schritten in der dünnen Lust und fand, daß die Gefährten der Safari, die wartend herum­standen denn es sollte Schakulla (Essen) geben , auch nichts zu sagen wußten zu diesem Phä­nomen. Und es war so still, daß ich die Uhr an meinem Unterarm ticken hörte, ganz leis und fern ...

Tagung der Deutschen Gesellschaft für Vererbungswissenschafl.

In den Beratungen der Deutschen Gesell­schaft für Vererbungswissenschaft in Frankfurt wurden die Vererbungsprobleme aus Botanik und Zoologie erörtert. Das Hauptrc^at hielt Prof. v. Wettstein (Berlin) über Die genetische und entwickelungsphysiologische Bedeu­tung des Cytoplasmas". Anschließend sprachel Noak (Berlin), Schiemann (Berlin), Knapp (Müncheberg) und Z i ck l e r (Frankfurt a. M.) über botanische Dererbungsprobleme und Hage« boom (Utrecht), Treiber (Müncheberg) uni) Daneel (Königsberg) über Vererbungsfragen aus bcr Zoologie. Im Römer fand ein Empfang dec Teilnehmer durch die Stadt Frankfurt statt.

Was das Camp betrifft, so haben die Engländer mit dessen Errichtung am Ngorongoro-Krater eine ausgezeichnete Idee gehabt, die ihnen allerdings auch einiges Geld man schätzt etwa 50 000 Mark, gekostet hat. Um eine freie Wiese am Kraterrand gruppieren sich, unter moosbedeckten Bäumen, etwa sieben oder acht Blockhäuschen, gebaut wie die ame­rikanischen in der Kolonialzeit, aus roh zugehaue­nen Stämmen, mit Moos zwischen den Fugen und mit einem dicken Strohdach. Die Inneneinrichtung ist denkbar einfach, ein Gestell, auf das man aller­hand Gegenstände legen kann, ein paar Haken in der Wand und eine Kitanda, das Bettgestell der Eingeborenen, mit einer Matratze darauf. Wasch­gelegenheit, sogar warmes Wasser und Badewanne befindet sich in einem abgelegenen besonderen Block­haus. In keiner der Hütten fehlt der Kamin, der auch bitter nötig ist. In dem großen, säst saalartigen Gemeinschaftshaus, ganz vorn am Abhang, nimmt dieser Kamin die ganze Breitseite des Raumes ein und sein Ueberbau ist so hoch, daß man darunter stehen, vor allem aber sitzen kann in jenen wunder­voll bequemen Sitzmöbeln, die man in Afrika hat.

Die sonstige Einrichtung dieses Saals besteht aus einer langen, unpolierten Holztafel und einem Dutzend Lehnstühlen aus Holz. Des Abends war er durch eine einzige Petroleumlampe erleuchtet und ein Arm, ebenso dunkel wie der ganze Raum, der Arm des bedienenden Boys, langte ab und zu aus dem Duster hinter einem vorbei und bot irgend­welches Essen, Jmpallabraten ober Rühreier, an. Es wurde wenig gesprochen und Die Holzscheite im Kamin knackten dazu. Aber nachher, als alles unter den Kaminvorbau gekrochen war, wurden natürlich Jagdgeschichten erzählt, haarsträubender Natur. Aber die afrikanischen scheinen mir den Vorzug zu haben, daß sie erheblich wahrer sind als die in Europa.

Den Beschluß der Erlebnisse dieses Abends bildete ein Glühwürmchen, das sich an der Ecke meiner Hütte wie eine Weglaterne niedergelassen hatte, so­wie die kleine schwarze Katze, über die ich im Dun­keln stolperte, und die mir bann solange schmusend um die Beine strich, bis ich sie in die Hütte mit­nahm. Ich hatte nicht das Herz, sie draußen zu lassen, denn schließlich steht das ganze so zivilisierte Camp mitsamt seinem Badekomfort in der nackten Wildnis. Als Gegenleistung unternahm es die Katze während der Nacht und mit Erfolg, mir den Magen zu wärmen, was auch nottat, denn es war scheuß­lich kalt.

Wann der Ngorongoro-Krater schöner ist im Wechsel der Stunden, ist schwer zu sagen. Besonders eindrucksvoll war unwahrscheinlicherweise die Nacht, in die mich ein die ferne Straße laut ent« langschaukelnbes Auto rief, während beim Oeffnen meiner Haustür ein Schatten, mindestens so groß

wie ein starker Bernhardinerhund Hunde gab es aber nicht im Camp vor mir stand und mich anglotzte. Leider verschwand er, ehe ich mein flashlight aufleuchten lassen konnte. Es war kein Laut von ihm zu hören. Und droben am Himmel standen die fremden Sterne dieser Erde und irgend, wo Harste der Wind durch die fast meterlangen Moosbärte an den Bäumen. In der noch schwärze« ren Tiefe des Kraters aber geschah ein seltsames, fast Helles Glimmen, es war der schon erwähnte Salzsee, der auf eine unerklärliche Weise von innen heraus zu leuchten schien, wobei nicht zu ver- gessen ist, daß er 600 Meter tiefer lag und gut fünf, vielleicht zehn Kilometer entfernt. Er war fast so deutlich zu erkennen wie am Tage, wie eine Fata Morgana, ein Riesenirrlicht, unheimlich und verlockend zugleich. Leider war keine Zeit hinunter- ^Au^eine andere Weise schön war der Mor. gen, der in düsterstem Grau anhob. Und dann stieg, rosa zuerst, später weiß und sofort blendend hell der Tag auf und hob die Sonne mit Zauber- schnelle fast senkrecht vom Ostrand des Kraters empor durch die weißen Wolken der Höhe, gleißte auf den Nebelbänken, die über der blauenden Tiefe chwebten und funkelte im klatschnassen Grase um erer Camp-Wiese. Drunten aber die wilden und riedlichen Herden schienen noch zahlreicher gewor­ren zu sein, sie grasten, die Rücken den Sonnen- strahlen darbietend, wie jeden Morgen seit Anbe­ginn des Lebens in diesem uralten Krater und wie sie in erhabener Gleichförmigkeit roeitergrafen werden in alle Zukunft hinein dieses ewigen Afrika.

VI.

Ein Vulkan voller Tiere.

Nachdruck verboten!

Daressalam, Anfang 1937.

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dem rasend treibenden Nebel, aus einer Wildnis von Regenwald und immergrünem Busch­werk emporkletternd mit hämmernden Motoren, hielten die drei Autos auf einer Art Grat an, der wenige Meter rechts von dem schmalen Feldweg ins Bodenlose-abzusinken schien. Und die elf Euro­päer eilten zum Absturz und starrten mit den An­zeichen höchster Neugier und allen verfügbaren Ferngläsern in die Tiefe. Ader zu sehen war, außer einigen unbestimmt hellgelben Flecken, gar nichts. Der Wind, von der Oldeani-Fläche heraufkommend,

Der Duce In Tripolis während des Fackelzuges, der ihm zu Ehren daraedracht wurde. Dor ihm stehen zwei Wüstenreiter, die die Liktorenbündel tragen. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Bummel durchs Suaheli-Land.

Folge. Und umgekehrt: die Franzosen, die im Frieden mit größtem Eifer den Durchbruch ge­pflegt und als die bessere Kampfform betrachtet hatten, wagten gar keinen Versuch zu einem sol­chen, als die 50 Kilometer breite Lücke in der deut­schen Front sie förmlich dazu einlud, hier einmal die Probe auf den Ernstfall zu machen

In einem zweiten Abschnitt berichtet Pötain ziem­lich ausführlich darüber, in welcher Weise die wich­tigsten Großmächte eine Lösung der Frage des ein­heitlichen Oberbefehls gefunden haben. Der Raum gestattet nicht, das hier im einzelnen aufzuführen. Unerwähnt Darf aber doch nicht bleiben, daß er vor allem diese einheitliche Regelung bet jenen Staaten als gegeben sieht, die aus wirtschaftlichen, bevölke­rungspolitischen oder ideologischen Gründen einer Ausdehnungspolitik zuneigen und daher einen A n - g r i f f s f r i e g vorsehen: daß er dabei Deutsch-

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stieß immer neue und immer dickere Nebelschwaden über den Grat in bte Tiefe.

Die Europäer waren leicht enttäuscht. Sie hatten eine Fahrt von gut 150 englischen Meilen, von über 200 Kilometer eigens gemacht, um dieses Na­turwunder zu sehen: den Ngorongoro-Kra­ter. Und nun standen sie da, vom Nebel um- faucht und frierend in der Morgenkälte auf 2400 Meter Seehöhe, eingemummt bis an die Zähne und oben auf dem Kopf die weißen Korkhüte. Ostafrika ist, witterungsmäßig und kleidungmäßig, überhaupt eine eigentümliche Kombination von Wintermantel und Tropenhelm. Schließlich rief der, der das beste Fernglas hatte, aufgeregt:Ich sehe was Schwar­zes da unten, vielleicht Gnus!"Oder gar Büffel", meinte ein anderer. Die Nebel waren für einen Augenblick zerrissen. Man ließ die Frage indes unentschieden. Frostzitternd, eine der Damen mit leichter Uebelkeit infolge der großen Höhe, kletterte man -wieder in die Autos. Man sagte sich, so wäre Afrika halt»bei schlechtem Wetter und war doch ganz zufrieden. Denn man hatte einen ersten Blick in den größten Zoo, das größte Frei­gehege der Welt getan, in den Vulkan voller Tiere.

Der enthüllte sich dann gegen Mittag, als wir uns längst im Camp verstaut hatten, in aller wün­schenswerten Vollständigkeit. Man denke sich den Krater eines erloschenen Vulkans, einen richtigen Krater mit flachem Boden und recht steilen, wenn auch nicht unersteiglichen Wänden, von einigen 20 Meilen Durchmesser und etwa 600 Meter Tiefe. Das heißt: Man kann sich ja weder 20 englische Meilen noch 600 Meter Tiefe auf Verlangen vor­stellen, ein so exaktes Raumgefühl hat kein Mensch. Um es kurz zu sagen: Man steht vor einem gigan­tischen Gebilde, einem riesigen, an den Rändern stark ausgezackten Bottich, in dem einst die Ur­gewalten der Erde ihre Lava kochten, vor vielen, vielen Zeiten. Jetzt kocht die tropische Sonne eine friedliche, gelbbraune Steppe dort unten und den Salzsee mitten in ihr, der gut ein Viertel des ge­samten Areals einnimmt. Drüben über den Zacken des Kraterrandes aber brauen blaugrau die Nebel, und es ist ein wunderschönes Bild in den gedämpf­ten, leicht überhauchten Farben Afrikas.

Aber was das Unfaßliche ist an der Sache, fo daß man nicht ganz wagt, feinen Augen zu trauen: Die ganze Steppe drunten ist wie gesprenkelt von den unzähligen Rücken riesiger Herden afrika­nischen Wildes, von Antilopen jeder Größe, Springböcken, Kudus, Kvngonis, Jmpallas und wie sie alle heißen, von Zebras, Büffeln oder Gnus niemand vermag zu sagen, wie sie ursprünglich da hineingekommen sind. Nur Giraffen schienen zu fehlen, jedenfalls konnten wir mit aller Mühe keine 1 mtdeck-m, die Raubtiere halten sich bei Tage ja

Reichstreffen der ehemaligen Flakwaffe und des Lustschutzes.

Der Oberbefehlshaber der Luftwaffe General­oberst Göring hat das Reichstreffen der ehema­ligen Flakwaffe und des Luftschutzes auf den 8. und 9. Mai 1937 in Frankfurt a. M. ange­fetzt. An dem Treffen sind folgende Verbände ve- teiligt: 1. Der Waffenring der Flugab- w e y r unter feinem Führer General der Arttllerie a. D. Grimme, dem Inspekteur der Flak im Weltkriege. 2. Der zivile Luftschutz unter Führung des Ministerialrates Dr.-Jng. e. h. K n i p- f e r, Ches des zivilen Luftschutzwesens, mit der Organisation des Reichsluftschutzbundes (RLB.) unter seinem Präsidenten Generalleutnant von Roques. Das Programm sieht einst­weilen vor: Am Samstag Einzeltagungen, Emp­fang der Ehrengäste im Römer, 20.30 Uhr General­appell in der 'Festhalle mit einer Ansprache des Ministerialrats Großkreuz über den Luftschutz. Sonntag 10 Uhr auf dem Flugplatz Rebstock Gedenk­feier für die Opfer feindlicher Luftangriffe; Vor­führungen der aktiven Luftwaffe, auch Flak und Flieger. Durch diese Veranstaltung soll die Zusam­menarbeit von Luftwaffe und zivilen Luftschutz, Selbstschutz und Luftschutz von Reichsbahn, Reichs« post und großen Werken in der Oeffentlichkeit her- ausgestellt werden. Frankfurt a. M. ist als Tagungs­ort deshalb gewählt worden, weil es als Dienstsitz des Kommandeurs des Heimatluftschutzes im Welt­kriege gewissermaßen die Traditionsstätte für den Gesamtlustschutz ist.

Kunst und Wissenschaft.

70. Geburtstag des deutschen Astronomen Philipp Fauth.

Am 19. März vollendete ein berühmter deutscher Astronom, der bedeutendste lebende Mondforscher der Welt, Philipp Fauth, sein 70. Lebens­jahr. Die Sternwarte Grünwald bei Münch n, die infolge einer hochherzigen Stiftung das (Eigen­tum Fauths ist, hat als Mondobservatorium M-lt« ruf. Die Ergebnisse seines 52jährigen Forschms sind in acht Sonderveröfentlichungen und in seinen beiden WerkenMondesschicksal" undUnser Mond" enthalten. Als Krönung seines Schaffens erscheint demnächst eine Riesenkarte des Mondes im Durchmesser von 3Vs Meter. DieInternational Astronomical Union in London, die bedeutendste internationale astronomische Institution, hat in Würdigung der überragenden Verdienste Fauths um die Mondforschung als höchste internationale Auszeichnung einen Doppelkrater am Monde noch ihm benannt. Neben seiner Mondforschertätigkeit fand Fauth noch Zeit, ein weltbekanntes wissen« schafttiches Standardwerk herauszugeben: die auf« sehenerregende Hörbigersche Welteislehre.

Mit dem vorbezeichneten Lebenswerk Philipp Fauths wird Deutschland nicht nur die unbestrittene Führung in der Mondforschung, sondern auch das Erstgeburtsrecht an einem der großartigsten wissen« schaftlichen Weltbilder der neueren Zeit gesichert.

Der Kampf gegen die Tuberkulose.

In ihrer Wiesbadener Schlußsitzung befaßte sich die Deutsche Tuberkulose-Gesellschaft mit der chemischen und spezifischen Therapie Der Tuberkulose. Wie von verschiedenen Rednern ausge­führt wurde, liegen Die größten Schwierigkeiten in Der Bekämpfung Der Tuberkulose wohl darin, daß bisher weder ein chemisches Mittel gefunden wurde, mit dem man den Tuberkel-Bazillus sicher abtöten kann, noch ein Serum, das wie das Diphtherie- Serum, dem Körper hilft, die tuberkulöse Ansteckung durch Bildung von körpereigenem Gegengift zu überwinden. Dennoch seien die Fortschritte im Kampf gegen die Volksseuche beachtlich. Hierüber sprachen Dr. Bacmeister (St. Blasien) und Dr. Schloß« berget (Berlin), die über die Anwendung von Goldpräparaten zur Stärkung der allgemeinen Ab« Wehrkräfte berichteten. Den letzten Teil der Ver­handlungen bildeten die Maßnahmen der Tuberku« losen-Fürsorge. Dr. Hein (Tönsheide) betonte, daß Das zu erwartende Tuberkulose-Gesetz einen Asy« lierungszwang für Asoziale enthalten müsse. Eine erfolgreiche Bekämpfung der Krankheit verlange Den Schutz der Gesunden gegen Diejenigen Kran« fen, Die sich nicht in eine entsprechende Behandlung begeben wollen

9er einheitliche Oberbefehl im Kriege.

Don (Generalleutnant a. O. Karl von Schoch

I.

Die Frage Des einheitlichen Oberbefehls im Krieg ist ungefähr so alt wie Der Krieg überhaupt; schon Der alte Homer schilDert in klassischer Form die Schwierigkeiten, die dem obersten Führer, Aga­memnon, dauernd aus dem vielköpfigen Kriegsrat Der unbotmäßigen Fürsten erwachsen, mögen sie Achilles heißen oDer Thersites, und er hat Dafür das unsterbliche Wort geprägt:Nicht gut ist Viel­herrschaft, Einer sei Führer". Und Schil- l e r läßt seinen Wallenstein im Unmut über Die Bevormundung Durch Wien ganz ähnlich ausrufen: Was machte Diesen Gustav unwiderstehlich, unbe­siegt auf Erden? Dies, daß er König war in seinem H e e r!" Auch Durch die neuere Kriegs­geschichte zieht sich die FrageKriegsrat oder ein­heitlicher Oberbefehl" wie ein roter Faden hindurch; selbst ein Moltke und Bismarck stritten in Der Frage Der Beschießung von Paris. Der Weltkrieg vollenDs hat Die Frage keineswegs befrieDigenD ge­lost, vielmehr neue Rätsel aufgegeben; namhafte militärische wie politische Führer haben sich nach Dem Krieg Darum bemüht, sie zu klären.

Zu ihnen ist auch Marschall Petain getreten, Der in DerRevue Des Deux Mondes" sich ein­gehend mit Dem Problem Des einheitlichen Ober­befehls auseinandersetzt, wobei er allerdings die (besonders heikle) Frage Der gemeinsamen Führung in einem Koalitionskrieg außerhalb Des Bereichs seiner Betrachtungen läßt. Petain geht von Der unbestreitbaren Voraussetzung aus, Daß gleich Dem Weltkrieg auch Der Krieg Der Zukunft einVolkskrie g" fein und sich auf alle Gebiete des Landes erstrecken werde. Hieraus ergibt sich für ihn Die Kernfrage, ob es in einem solchen Kampf genüge, Daß Die Drei in Frankreich vorhan­denen Befehlshaber der Land-, See- und Luftstreit- fräfte sich untereinander einigen oder ob eine Dienststelle geschaffen werden muß, die Der ganzen Wehrmacht Befehle erteilt; Die Unterfrage lautet Dahin, ob schon im Frieden ein Organ zu bilden fei, das die Kriegsvorbereitungen der Drei militärischen Ministerien gemeinsam regelt.

Für den Frieden stellt Pötain zunächst fest, daß Die Regierung im Rahmen der allge­meinen Politik die Richtlinien für die militärischen Vorbereitungen und die Hohe Der erforderlichen Geldmittel zu bestimmen habe. Er fügt an, Daß ein Schiedsrichter nötig sei, Der über Die Ansichten Der verschiedenen Wehrmachts-Befehls­haber entscheiDet und eine einheitliche Auffassung herbeiführt, Daß Dieser Schiedsrichter aber auch Die Geldmittel auf Die verschieDenen Mini­sterien zu verteilen habe; dieses Schiedsrichteramt kann Der Regierungschef entweder selbst ausüben, wenn er über ein vorbereitendes Studienorgan verfügt, oder aber er kann dieses Amt einem be­sonderen Landesverteidigungsminister übertragen, der Vorgesetzter Der Drei militärischen Ministerien sein muß.

Für Den Krieg hält Pötain Die Einheit Des Oberbefehles für noch Dringlicher, Da getrenntes HanDeln zu einer untragbaren KräfteverschwenDung führen würDe, Der Sieg aber Das Zusammenfassen aller verfügbaren Machtmittel verlangt. Wenn Pötain aber fortfährt, daß Die Aufgaben Der Land- unD Seestreitkräfte einfach und klar sinD, weil sie sichnebeneinanDer" Das soll wohl heißen getrennt von einander abspielen, so kann man dies nur insofern gelten lassen, als ein örtliches Zusammenarbeiten von Heer und Flotte immer auf seltene Ausnahmefälle beschränkt bleiben wird, wie etwa die Landung einer großen Armee unter Dem Schutz der Flotte, oder umge­kehrt die gemeinsame Abwehr eines solchen Lan- Dungsversuches. Die zeitliche Zusammenfassung aber zu einem großen gemeinschaftlichen Schlag kann in einem künftigen Krieg unter Umständen von ausschlaggebender Bedeutung werden. Wäre es z. B. im März 1918 möglich gewesen, unsere Flotte gleichzeitig mit Der Landarmee zum Angriff vorbrechen zu lassen und den Engländern zur See eine Niederlage beizubringen, so wären Die Aus­sichten auf einen deutschen Endsieg gewaltig ge­stiegen.

Man wird Pötain zustimmen, daß gerade die Ausgaben Der Luftwaffe recht mannigfacher Art sein können. Als solche zählt er auf: Angriffe auf Die lebenswichtigen Punkte des feindlichen Ge­bietes, Abwehr von Unternehmungen Der feind­lichen Bomber auf unser eigenes Land und Mit­wirken bei Den Operationen sowohl Der LanD- wie Der Seestreitkräfte. Aus Diesen Hauptaufgaben er­geben sich für Den Verfasser folgenbe schwierige Fragen: Sollen alle Kampfmittel Der Luftwaffe zusammengefaßt werden für weitreichende Unter­nehmungen gegen Das feindliche Hinterland, um Dadurch sowohl Die materielle wie moralische Wider­standskraft des gegnerischen Volkes zu brechen, oder aber muß man zuerst umgekehrt Dem Heer und Der Flotte Die nötigen ßuftftreitfräfte beigeben, um Die feinDliche LanD- unD Seemacht niederzukämpfen: im letzteren Fall wäre nach Pstains Meinung Die Luftwaffe Die Gehilfin der beiden anderen, andern­falls würde sie ganz selbständig auf treten. Der Ver­fasser ist weit davon entfernt, sich grundsätzlich für Die eine oder andere Lösung auszusprechen, begnügt sich vielmehr mit der Feststellung, man müsse die Luftwaffe,weil sie in allen Elementen zum Er­folg beiträgt", für beide Möglichkeiten nach Be­darf bereithalten.

Man wird Dieser Auffassung um so mehr bei­pflichten müssen, als wirkliche Kriegserfahrungen über Die Verwendung großer Luftheere gegen das feindliche Hinterland noch vollkommen fehlen; im Weltkrieg waren Die Flieger bis zum Schluß noch ausgesprochene Hilfswaffe. Aber ganz abgesehen davon: nichts scheint gefährlicher, als sich im Frie­den auf eine gewisse Kampfmetbode allzu einseitig festzulegen. Die Marneschlacht liefert Dafür einen überzeugenden Beweis, Der nm so merkwürdiger anmutet, weil er für beide Gegner zutrifft. Im deutschen Heer war man zu einer Derartigen lieber« schätzung Der Umfassung als einzige aussichts­reiche Kamvfsorm für Den Sieg geraten, Daß das WortD u r ch b r u ch" im ganzen Ererzierregle- ment überhaupt nicht ermähnt rom-De. Al§ nun in Der Marneschlacht die 1. deutsche Armee sich genö- tigt sah, um Die feindliche Umfassung abzuwehren, zwei Armeekorps mitten aus Der Front herauszu­ziehen, da reckte sich plötzlich Das Gespenst eines englisch-französischen Durchbruchs zwischen Den Ar­meen von Kluck und von Bülow auf; Der vorzeitige R'">ck»'ig bis zur Aisne war Die verbänanisv^ll-

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