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Werte. Wir wollen die Organisation und die Füh­rung unseres Staates wieder jenen Grundsätzen unterwerfen, die zu allen Zeiten die Vorbedin- a der Größe der Völker und Reiche waren. Wir 'n d i e großen Traditionen unseres

Volkes, seiner Geschickte und seiner Kultur in de­mütiger Ehrfurcht pflegen als unoesiegbare Quel­len einer wirklichen inneren Stärke und einer mög­lichen Erneuerung in trüben Zeiten. Wir wollen das Vertrauen in die gesunden, weil natürlichen und richtigen Grundsätze der Lebensführung verbinden mit einer Stetigkeit der politischen Ent­wicklung im Innern und Aeußern. Wir wollen an die Stelle des ewigen Schwankens die Festig­keit einer Regierung setzen, die unferm Volk da­mit wieder eine unerschütterliche Autorität geben soll. Wir wollen alle Erfahrungen berück­sichtigen, sowohl im Einzel- und im Gemeinschafts­leben, wie aber auch in unserer Wirtschaft, die sich in Jahrtausenden als nützlich für die Wohlfahrt der Menschen erwiesen haben. Wir wollen wiederher­stellen das Primat der Politik, die beru­fen ist, den Lebenskampf der Nation zu organi­sieren und zu leiten. Wir wollen aber auch alle wirklich lebendigen Kräfte des Volkes als die tra­genden Faktoren der deutschen Zukunft erfassen, wollen uns redlich bemühen, diejenigen zu­sammenzufügen, die eines guten Wil­lens find, und diejenigen unschädlich zu machen, die dem Volke zu schaden versuchen. Aufbauen wollen wir eine wahre Gemeinschaft aus den deutschen Stämmen, aus den Ständen, den Berufen und den bisherigen Klassen. Sie soll zu jenem gerechten Ausgleich der Le­

bensinteressen befähigt sein, den des gesam­ten Volkes Zukunft erfordert. Aus Bauern, Bür­gern und Arbeitern muß wieder werden: Ein deutsches Vol k."

Wir können jetzt, vier Jahre nach Verkündung dieser Regierungserklärung, mit Stolz bekennen, daß diese einzelnen Punkte, die wir hier genannt haben, in diesem kurzen Zeitabschnitt restlos in die Tat umgesetzt worden sind. Dor vier Jahren noch standen nicht unbeträchtliche Teile des deutschen Volkes der neuen Staatsführung ablehnend gegen­über, jetzt spüren wir auf Schritt und Trittt)ie Einheit des Geistes und des Willens der deutschen Nation". Unser Staat wird nach jenen Grundsätzen geleitet, die in dieser Erklärung verankert sind, uns sind Regierungen, die von der schwankenden Mehr­heit der einen oder anderen Partei abhängig sind und jeden Augenblick durch einen lächerlichen Zu­fall aus dem Sattel geworfen werden können, fremde und unbekannte Begriffe, dennan Stelle des ewigen Schwankens ist wieder eine unerschüt­terliche Autorität getreten." In den großen Orga­nisationen der Bewegung, in der Wehrmacht sowie im Reichsarbeitsdienst ist jedem Deutschen Gelegen­heit gegeben, seinen Einsatz für die Nation unter Beweis zu stellen. Es ist nun wirklicheine wahre Gemeinschaft aus den deutschen Stämmen, Ständen und Berufen und bisherigen Klassen aufgebaut". Der Tag von Potsdam hat ebenso wie der 30. Ja­nuar 1933 eine neue Epoche in der Geschichte un­seres Volkes eingeleitet, er hat der Regierung, die sich nun auf das Vertrauen der Mehrheit des Volkes stützen konnte, den Weg geebnet zum weite­ren Ausbau.

Kleiner WhlinManß im österlichen ©arten.

3um Frühlingsanfang am 21. März.

Von Eva Schauwecker.

Blau, weiß uni> gelb in zarten und kühlen Farben ruft die Sonne die ersten ihrer Blumen­kinder unter raschelndem Laub und dürrem Kraut hervor. Das brennende Rot entzündet sich noch nicht unter diesen Lockungen des Frühlings. Aber gerade diese schüchternen Tönungen sind es, die das Herz der Menschen rühren. Und sie gehen hinaus, um die kleinen Blüten in ihr Haus zu holen, sie pflan­zen sie in den Garten, um sie dicht bei sich zu haben, um aus ihrem Erscheinen sich Hoffnungen für das neue Leben nach den eisigen Stürmen des Winters zu bauen.

Das Schneeglöckchen, bas erste und mutigste unter den Zarten, ist ein wahrer Recke. Mit den grünen Speerspitzen hebt es die hartgefrorenen Erdbrocken hoch und wirft sie beiseite, es durchbohrt die feste Lage des alten Laubes und ringt sich so ans Licht empor, das oft noch durch eine Lage Schnee verdunkelt wird. Aber die Lebenskraft dieses Blümchens läßt sich auch dadurch nicht zurückhal­ten; eines. Februartages ist die Arbeit endlich ge­tan die silbernen Glöckchen schwingen im Luft­zug, ducken sich unter dem Sturm, öffnen sich weit unter den mittäglichen Strahlen der Sonne. Dank­bare Gäste kommen, Bienen, mutige kleine Flie­gen, verschlafene Hummeln, die sich an Schneeglöck­chens Tisch erfrischen wollen. Sie kennen es seit Jahrhunderten als Kind deutschen Landes. Die Wälder um Wien sind voll von ihm, in Schlesien und den Weichselniederungen ist es zu Hause, in Mitteldeutschland läutet es den Frühling ein. Die klugen Leute, die aus der Natur nur ihren Nutzen haben wollen, sehen es mit Verachtung an, denn keinerlei Arznei wohnt ihm inne es sei denn, daß man es ihm als Heilkraft anrechne, die Men­schen frohen Mutes zu machen, ihnen die trübe Winterstimmung zu vertreiben und der Seele zur Gesundung zu Helsen ...

Der Krokus leuchtet gelb und blau aus den Gärten zu den Freunden jenseits des Zauns hin­über, eigentlich ein Fremdling im deutschen Garten, aber jahrhundertelange Bekanntschaft machte ver­

gessen, daß er aus dem südlichen Europa, ja aus Kleinasien, einwanderte. Und nun scheint er auch dabei zu sein, seine wohlgepflegte Kinderstube auf­zugeben und sich aus der Obhut des Menschen in die freie Natur zu flüchten. Mehrere deutsche Gaue haben ihn am Wald- und Wiesenabhang ganz als eigen ausgenommen und er fühlt sich mit seinen großen leuchtenden Becherblüten herzlich wohl unter den kleineren und zarteren Einheimischen.

Gelb, lila, weiß schimmert das volle Blütenbüschel der Primel aus den flach auf den Boden ge­breiteten grünen Laubblättern, die mit dichtem Flaum überzogen sind, ein kleiner Schutz gegen die nächtlichen Fröste. Sie sind nicht mehr ängstlich zu Nadeln zusammengerollt, diese weichen grünen Blätter, sie erinnern als Erste an das Laub, das nun überall kommen wird. Zahlreich ist die Ver­wandtschaft der Primeln. Die bescheidenen Basen mit ihrer hübschen Entstehungslegende, die Him­melsschlüssel, schmückten die Waldlichtung und die frisch begrünten Wiesen. Die wilden Aurikeln Ti­rols gehören ebenfalls zu der SippePrimula" und auch jenseits der Weltmeere, in Japan und Amerika gibt es ähnliche Arten. In deutschen Gärten finden sie sich schon im 16. Jahrhundert, und ihr buntes Blühen machte sie den Blumenfreunden lieb, die sich gern gegenseitig den Samen schenkten und dann neue Kreuzungen durchführten. Das Biedermeier liebte die Aurikel vor allem, faßte damit die ge­zirkelten Beete ein und wand Kränze aus ihr.

Märzbecher, Tazetten, Narzissen, sie alle können ihre Verwandtschaft nicht leugnen, obwohl sie äußerlich zahlreiche Verschiedenheiten aufweisen. Aber die stolze Haltung der Häupter auf hohem schwankem Stiel, den Hals neugierig vorgestreckt und mit zartem Bast umwunden man kann bei dem unberechenbaren Wetter nicht vorsichtig genug sein und die zahlreichen schmalen langen Blätter, die sich über jedes andere Kraut erheben, die zeigen das gleiche Herkommen an. Weit erftrecft sich ihre Herrschaft von Europa bis nach Asien hinein, und Volksfeste werden in den Bergen zu ihren Ehren

Hr.67 Zweites Blatt

Der Tag von Potsdam.

Es ist früher oft die Rede davon gewesen, daß in ter Geschichte der Völker Jahre und Jahrzehnte keine croße Rolle spielen, daß man um das große Welt­geschehen verstehen zu können, mit Jahrhunderten jinb Jahrtausenden rechnen müsse. Gewiß hat dieses Argument manches für sich, denn niemand wird be- itreiten können, daß wir das Auf und Ab in dem »eben eines Volkes, wie überhaupt die Entwicklung }er gesamten Geschichte nur richtig nach dem Ablauf langer Epochen beurteilen können.

So viel dieses Geschichtsdenken auch für sich hat, fo dürfen wir es doch jetzt nicht mehr als allgemein- gültig anerkennen. Und auch die Vertreter dieser Auf­lassung müssen einsehen, daß ihre Lehre dann nicht mhr zutrifft, wenn ein Volk binnen kurzer Zeit eine derartige Wandlung durchmacht, daß sein Platz in der geschichte auf einmal ein gänzlich anderer ge­worden ist. Wir müssen uns stets vor Augen halten, faß die Entwicklung, welche Deutschland in den letzten Pier Jahren zu verzeichnen hatte, einmalig in der beschichte überhaupt dasteht. Seit Jahrhunderten hatten sich beste Deutsche darum bemüht, aus dem Durcheinander der deutschen Länder einen Einheits­staat zu machen, ein Ziel, das erst Adolf Hitler ver­wirklichen konnte.

Am 21. März jährt sich zum viertenmal der Tag, der einer der wichtigsten Marksteine auf dem Wege des Dritten Reiches war: der Tag von Pots­dam, bei dem im Rahmen eines feierlichen Staats­aktes in der Garnisonkirche der neue Reichstag er­öffnet wurde. Knapp zwei Monate erst waren es der, daß Adolf Hitler die Führung des Staates über­nommen hatte, fünfzig Tage erst, in denen allen Äiderständen derer zum Trotz, die da glaubten, das Hab der Geschichte aufhalten zu können von den reuen Männern eine Arbeit geleistet worden war, die das planmäßige und zielbewußte Vorgehen der reuen Regierung aller Welt klar vor Augen führte. Auflösung des Reichstages, Entscheidungskampf zwi­schen Reich und Ländern, letzter Widerstand in Vreußen, der mit Auslösung des Landtages beant­wortet wird, das Satyrspiel der Klage des Kabinetts Braun vor dem Staatsgerichtshof, Sieg der Reichs- Iewalt über die Länder, welche sich der Neuordnung er Dinge nicht fügen wollen, die erste Flaggen- rbnung, welche die Hakenkreuzfahne gleichberechtigt eben Schwarzweißrot stellt, unb schließlich die leichstagswahl des 5. März, welche der neuen Re- lerung eine klare Mehrheit bringt.

Das waren in großen Zügen gesehen b i e Etappen auf dem Wege zum Tag von Potsdam, kein schönerer Platz hätte für diesen Staatsakt cefunben werben können als biefes schlichte Pots­samer Gotteshaus, in bem der große Preußenkönig ;ur letzten Ruhe bestattet ist. In Potsdam, dieser Stadt, welche bas Gesicht Friedrichs des Großen trägt, reichten sich bas alte unb bas junge Deutfch- lanb bie Hänbe. Hier ber greife Generalseldmarschall, dort ber Frontsolbat unb Führer ber Beweaung, iie ben neuen Staat erkämpft hatte. In bem festen hänbebruck biefer beiden Männer lag bas Gelöbnis, nun, nachdem bas neue Deutschland auferftanben mar, mit allen Kräften bas begonnene Werk fort­zusetzen.Die Vorsehung läßt Sie, Herr General- ieldmarschall, Schirmherr sein über bie neue Er­hebung unseres Volkes." Diese Worte, bie ber Führer ian den Marschall richtete, waren Ausdruck ber Ver­bundenheit zwischen bem alten unb bem neuen Deutschland

Wir wollen uns an biefer Stelle bie Regie­rungserklärung ins Gedächtnis zurückrufen, iie damals in der Garnisonkirche verlesen wurde, veil diese Erklärung ebenso wie bas Parteipro­gramm mit aller Deutlichkeit zeigt, wie gradlinig unb kompromißlos bas Deutschland Adolf Hitlers stets seinen Weg gegangen ist.Wir wollen wieder­herstellen die Einheit des Geistes und des Willens der deutschen Nation! Wir wollen wahren die iroigen Fundamente unseres Lebens: unser Volkstum und die ihm gegebenen Kräfte und

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Samstag, 20. Marz (937

Fund im Walde

Ich satz schon halb im Kittchen! Die Polizei sagte bloß: Tja - hätten Sie Zeitung gelesen! Es stand doch ganz genau im Gießener Anzeiger, daß man Schlingen dem Förster an­zeigen muß. Aber im letzten Augenblick wurde ein gewisser Kahlhose verhaftet; ber war's ge­wesen, und ich kam mit dem Schreck davon ...

(Na, Glück hat auch ein Hase mal aber selten!)

UHL Seilersweg Nr. 67

adlO Telephon Nr. 3170

eparaturen ,897D

abgehalten, wenn ihre leuchtenden Sterne sich öffnen und zu Tausenden auf einer Wiese erstrahlen. Sie fühlen sich sehr wohl unter gärtnerischer Pflege, aber sie stehen in unseren Gärten mit demselben Gleichmut wie auf ihren heimatlichen Wiesen. Sie haben es nicht nötig, sichveredeln" zu lassen, ihre zarte Schönheit ist voller Stolz.

Rund und rosig erhebt sich aus seiner zierlichen Blattrosette Tausendschönchen auf glattem Stengel. Maßliebchen nennt es der Volksmund auch und mißt an feinen vielen Blütenblättchen geduldig abzählend die Liebe. Seine Mutter hat keine so schonen Namen, es ist das Gänse­blümchen, das vom frühen Lenz bis tief in ben Herbst hinein bie Grasflächen ber Natur schmückt. Tausendschön hat sich schnell im Garten gewandelt. Aus ben gelben Staubgefäßen machte es reihen­weise zierliche Blütenblätter und verstärkte ben leisen, rosigen Anhauch zu kräftigerem Ausdruck. Sie können es sich leisten, diese Frühlingsgewächse, ihre Fruchtspender in Schönheit umzuwandeln. Haben sie doch die Möglichkeit der Vermehrung durch Teilung und sind nicht auf Samenkörner angewiesen. Eine junge Verwandte gesellt sich in den letzten Jahren gern zu ihnen; sie kommt aus dem Orient, hat mehr rundliche als zungenförmige Blütenblätter und zieht den etwas steinigen Grund einer allzuwarmen Muttererde vor. Sie hat eine Absonderlichkeit an sich, denn sie blüht blau. Unb bas ist unter Blumen etwas sehr seltenes, denn entweder entschließen sie sich zur blauen oder zur roten Farbe. Es gibt nur wenige Ausnahmen Hyazinthen, Akelei, sie sind zu zählen.

Gießener Gtadttheater.

Shakespeare:Biel Lärm um nichts."

Dieses Lustspiel, 1599 entstanden und 1600 im Druck erschienen, gehört zu den romantischen Stücken Shakespeares. Man hat bie italie­nischen Vorbilder der Fabel ebenso nachgewiesen, wie man die Keime späterer Entwicklung in Shake­speares eigenem Werk erkannt fyat; auch Erinne­rungen an Vorausgegangenes tauchen auf: bie Aehnlichkeit der spröden und angeblich männerfeind­lichen Beatrice mit dem ungebärdigen Kätchen, ber gezähmten Widerspenstigen, ist kaum zu übersehen, über das mögen mehr ober minder unwesentliche Einzelheiten sein, unb wenn wir dieses Lustsviel romantisch nannten, so sollte damit gesagt sein, daß die Figuren und ihre Handlungen ganz überwiegend der Erfindung dichterischer Phantasie entspran­gen, einer Laune, einer schnellen Eingebung, ber Freude am bewegten und farbigen Durcheinander des flüchttgen Spieles auf dem Theater.

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Der Titel scheint schon anzudeuten, wie sehr hier olles auf Improvisation angelegt war, auf den lockeren StegreifiStil der italienischen Commedia dellarte. Man hat auch sicher nicht mit Unrecht davon gesprochen, daß Shakespeare sich hier ein toenig ironisch über sich selbst luftig gemacht habe, toenn er den Knoten der Verwirrung fo mit Be­dacht und vielfältigen Verflechtungen schürzte, um zuletzt alles mit einer gewissen großartigen Un­verbindlichkeit sich schlichten und losen zu lassen um nichts. Romantisch der Schauplatz, Die Umwelt, die Fabel, die Figuren, die eben nur in seinen eigenen Stücken Verwandtschaft zu finden ver­mochten; nichts von der Problematik oder der lief» finnigfeit &ie wir aus andern Shakespeare-Dramen kennen, welche wie dieses unter dem Namen der comedy erschienen: man benfe etwa an den .Sturm", anMaß für Maß" ober an benKauf­mann von Venedig", wo freilich die Komödie schon nahe daran ist, in den tödlichen und unwiderruf­lichen Emst ber Tragödie umzuschlagen.

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Zwar ist nicht zu übersehen, baß eines der Haupt­motive inViel Lärm um nichts", auf welchem sich 2ne ganze Szenenreihe aufbaut, ebenfalls bereits sehr nahe an einer, für das Lustspiel in unserem Sinne gefährlichen Grenze liegt. Das ist die Hand­lung, die sich um Hero, Claudio und Don Juan lammelt. Dieser Don Juan ist ein ausgemachter Schuft, ein Kerl. der. wenn ec sonst das Format

dazu hätte, mit jenem dritten Richard verglichen werden konnte, dem eines von Shakespeares un­heimlichsten und großartigsten Trauerspielen gilt: er handelt, ohne tiefere Begründung, aus Freude am Bosen schlechthin, aus der bitteren und trüben Lust, Unheil zu stiften also eigentlich schon außerhalb der Lustspiel-Sphäre, wenn er die dem Claudio verlobte, zarte und unschuldige Hero als Buhlerin verleumdet; vielleicht durste nur ein völlig selbstherrliches Genie wie Shakespeare es wagen, einen solchen Einfall mit Bedacht auf die Spitze zu treiben und zu Ende zu denken so, daß dem Zistchauer angst werden muß, ob dies noch alles lieber ins rechte Maß und in die alte Welt­ordnung werde zurückgeführt können. Claudio glaubt in der Tat den abscheulichen und völlig grundlosen Verdächttgungen und beschimpft die ihm Anverlobte vor dem Traualtar auf bas ärgste. Die Braut bricht, wehrlos und fassungslos, ohnmächtig zusammen, und es bleibt nur die gewagte letzte Möglichkeit, sie für tot auszugeben; erst als Claudio sein schweres Unrecht eingesehen hat und zu büßen bereit ist, darf sie wieder zum Leben erwachen und Claudio ihre Hand reichen.

In wesentlich heller angelegten Farben entfaltet sich die zweite Handlungsreihe, die sich mit jener ersten, ganz lustspielhaft, verschlingt und kreuzt: sie wird getragen von dem Paar Beatrice und Bene­dikt, die aber zunächst durchaus nicht wie ein Liebes­paar einander begegnen. Shakespeare hat es offen­bar gereizt, das Motiv derWiderspenstigen" nicht nur wiederaufzunehmen, sondern noch zu verschärfen und gleichsam zu verdoppeln. Wenn diese Peatrice nämlich, im Gegensatz zu Hero, mit einem erstaun­lichen Mundwerk und einem äußerst stachligen Witz ausgerüstet, ihren Spaß daran hat, sich über die Männer im allgemeinen und den ehrlichen padua- nischen Edelmann Benedikt im besonderen lustig zu machen, als ob sie nie und nimmer daran dächte, eines Mannes Weib zu werden, am wenigsten Benedikts Gemahlin so wird ber seinerseits als ein ausgemachter Weiberfeind und überzeugter Junggeselle eingeführt.

Gerade auf diese beiden aber hat es Shakespeare abgesehen, diesewider ihren Willen" dennoch zu­sammenzubringen, reizte ihn als ein anderes Haupt­motiv seiner Phantasie-Fabel; und ganz lustspiel­haft ist das Intrigenspiel mit beiden auch ver­doppelt dergestalt. Daß jedes vom andern (aus einem Gespräch, bas die übrigen sie in kupplerischer Absicht geflissentlich belauschen lassen) mit hohem Staunen vernehmen muß, ihm gelte bie heiße Liebe des vermeintlich spröden und spöttischen Partners: wiederum ein Einfall, den wohl nur Shakespeare

mit so überlegener Selbstverständlichkeit zum er­wünschten Ziel im letzten Akt zu führen vermochte.

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Und völlig aus feiner Hand und seiner unendlich bevölkerten Lustspielwelt gingen auch die derb­komischen Figuren hervor, welche die höfische Sphäre, in der die Haupthandlung vor sich geht, volkstümlich durchdringen und narrenhaft würzen. Die einfältigen Gerichtspersonen Holzapfel und Schlehwein machen das Rüpelspiel, das wir aus andern Shakespeare-Stücken kennen, und der Dich­ter, der sich ihrer mit sichtlicher Liebe angenommen hat, tat ihnen sogar die Ehre an, sie nicht nur als Spaßmacher und luftige Personen über die Bühne stolpern zu lassen zum Gelächter der Zuschauer, sondern die beiden in ihrer Einfalt sind es eben, die sie wissen selber nicht wie die abgründige Schurkerei des Don Juan ans Licht bringen.

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Die Aufführung wurde von Dr. (Erich Schu­macher vom Stadttheater Saarbrücken (a. G.) ae- leitet. Die Grundzüge für eine Inszenierung dieses Lustspieles lassen sich aus dem oben Gesagten un­schwer ableiten: es kommt hier, rote uns scheint, vor allem darauf an, die beiden Haupthandlungs­reihen mit möglichst leichter Hand ungezwungen zu verschmelzen... nicht nur im Sinne einer äußeren szenischen Einheit, sondern auch im Hinblick auf eine Synthese der echt lustspielhaften und der sagen wir: mehr als lustspielhaften Elemente des Stückes. Dr. Schumacher tat dies, indem er bem Ganzen die lockere, spielerische und durch­brochene Form gab, in der wir die überwiegende Mehrzahl ber comedies zu sehen gewohnt finb. Sie entwickelte sich aus einem leichtflüssigen Zusammen­wirken des Ensembles, aus übersichtlicher Austeilung ber Handlungsträger in Spiel und Gegenspiel, im Ausschöpfen vornehmlich der Partien, auf denen die entlastende Wirkung des Vorganges immer be­ruhte und beruhen wird.

Die mit vielfältigem Schauplatzwechsel verbundene Szenengliederung der fünf Akte legte bie Verwen­dung der Drehbühne nahe, die ohne Störung ber Illusion schnelle Verwandlungen bei offenem Vor­hang gestattete. Herr Löffler hatte den so ge­gebenen Raum zweckmäßig auf geteilt und mit farbenfreudigen, spielerisch leichten und schnörkligen Aufbauten den Grundcharakter ber Inszenierung insgesamt sinnfällig unterstrichen. Herrn Bräu­ers Bühnenmusik schuf eine sttlgemäße lieber» brückung und teilweise auch untermalende Beglei­tung ber vierzehn Bilder. Das Maskenfest des zweiten Aktes wurde durch den Einsatz der Tanz­gruppe rhythmisch belebt und in Fluh gehaltem

Was den darstellerischen Umkreis des Stückes an­geht, so wurde ebenfalls bereits angedeutet, wo bie im Sinne des echten Shakespeare-Lustspiels reinsten Entfattungsmöglichkeiten liegen. Fräulein Prinz war eine scharmante Beatrice, sah reizend aus, traf auch genau ben Ton, auf den die Figur ge­stimmt ist und wurde sichtlich von der kapriziösen Laune dieser andern, minder volkstümlichen Wider- spenstigen beschwingt. Herr von Gschmeidler war ein witziger und beweglicher Benedikt, dessen innere und äußere Verwandlung mit Vergnügen zu verfolgen war; in seinen Reden und Gebärden zwar überwiegend von barockem Humor, ließ er doch, als es ernst zu werden drohte, die noble Ge­sinnung des echten Edelmannes erkennen.

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Fräulein Krause war eine zarte, bräutliche Hero, Herr Rosenthal tat für den Claudio (ber ja als Charakter schwierig zu erfassen ist) in jugend­licher Kavaliershaltung das Möglichste. Herr Geiß- l e r gab den Don Juan als einen bleichen, schwarz­haarigen, heimtückischen Schurken von gallig ver­düstertem Temperament, Herr Neuhaus den Gouverneur mit weltmännischer Aufgeräumtheit, später mit starkem Ausbruch gerechten väterlichen Schmerzes unb Ingrimms.

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Ein prächtiges Duett, ganz aus ber Lustspiel­sphäre und der Shakespeare-Welt, bildeten als bie grotesken Gerichtspersonen Schlehwein unb Holz­apfel die Herren Lindt und Hub, ber hier recht eigentlich in seinem Element war und seinen Mann mit einem bombastischen Wortschwall blühenden Unsinns und mit treuherziger Biederkeit ausstattete. Von den übrigen seien Frau Stirl und bie Herren Nieren, Frickhoeffer, Geiger und V o l ck genannt.

Die Aufführung wurde mit Beifall unb Heiter« feit entgegengenommen.

Hans Thyriot

Die (^ifafoeitefur der Elefanten.

Der Londoner Zoo hat eine neue Verbesserung erhalten, um bie Schönheitspflege ber Elefanten zu fördern. Zum ersten Male sind in ihren Gehegen Pfosten aufgestellt worden, an denen sie, wenn sie die Lust dazu verspüren, ihre dicken Häute reiben können. Bisher mußten sie dieses den Elefanten eigene Bedürfnis an ben Ecken ihrer Hauswände befriedigen. Die Elefanten befanden sich ganz wohl dabei, aber dem Haus bekam es schlecht. Durch das ständige Reiben ber großen Köpfe und Leiber waren die Ecken schon ganz abgerundet unb em Teil der BEm vollkommen abgenutzt.