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Samstag, 20. Zebruar 1937

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

ilr.45 viertes Blatt

Kundgang durch eine Audelfabrik

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An der Teig-Mischmaschine.

modernen Eierteigwarenfabrik: die Makkaroni-Presse.

Das Kernstück einer

Unter starkem Druck wird

schen Makkaroniröhren

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Ein mächtiger Kollergang knetet die Teigmassen

fabrik widmen

Vattaroni tm Trockenschrane.

Die Mättaront werden zum Trocknen verlegt

Kleinhändler, der die Nudeln an die Bevölkerung weiterzugeben hat, alle Schwierigkeiten zu erspa­ren, die sich ergeben würden, wenn einmal ein nicht vollwertiges Erzeugnis bis in den Laden Vordringen könnte.

horten werden Oie Nu­deln hergestellt? Es ist dabei weder etwas zu ver­tuschen, noch ist ein Be­triebsgeheimnis zu ver­raten! Der Rohstoffe sind nicht allzu viele! Eigent­lich nur zwei: Hart- bzw. Weichweizengrieß und der Dotter aus vielen hundert Eiern! Die Eisubstanz be­ziehen die Nudelfabriken in flüssiger oder in pul­verisierter Form mit einem frischen, angeneh­men Geruch. Für die Her­stellung des Teiges kommt ein wenig Wasser hinzu, das nur die Bindung des Materials zu bewerkstelli­gen hat und in stunden­langen Trockenprozessen wieder ausgezogen wird. Milch, die säuern würde, darf im Interesse der Halt­barkeit der Nudeln nicht verwandt werden. Der Hauptnahrungswert liegt im Weizengrieß und in der Eisubstanz.

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Etwas anders gestaltet sich der Berarbeltsgang für Schnitt- oder Gemüse-Nudeln, denn sie müssen, wie ja der Name sagt, geschnitten werden. Der Teig wird erst durch einige Walzengänge geschickt, bis das Teigband (etwa einen halben Meter breit) dünn genug ist und unter rotierenden Messern ge­schnitten werden kann. Fadennudeln werden, wie sich leicht vermuten läßt, aus Formen gepreßt, und zwar entstehen an dieser Spezialmaschine in einem Arbeitsgang viele hundert Fäden. Diese Faden­nudeln werden auf maschinellem Wege in entspre­chender Länge abgeschnitten und von der Maschine selbsttätig ausgehoben Die Frauen und Mädchen, welche 'an diesen Maschinen arbeiten, heben mit einer besonderen Vorrichtung die Nudeln ab und legen sie auf Trockensieben aus. Das Auslegen geschieht so, daß der Nudelfaden in seiner Gemein­schaft zu vielen gleich in jene schwungvolle 8-Form fällt, die ja jedermann kennt Das ist natürlich nur in dem Augenblick möglich, wenn die Nudeln in ihrem weichen und leicht feuchten Zustand die Ma­schine verlassen haben. Aus anderen Maschinen gehen die Eierteig-Suppeneinlagen hervor, die meist äusgestanzt, ausgeschnitten oder ausgepreßt werden. An dieser Stelle auf diese Techniken näher einzu­gehen, mag sich erübrigen. Festzuhalten bleibt als eine beachtenswerte Tatsache, daß nur an ganz wenigen Punkten des Verarbeitungsganges die menschliche Hand mit dem edlen Material, mit dem wertvollen Nahrungsmittel, in Berührung kommt.

In völlig trockenem Zustande werden die Nudeln und Suppeneinlagen gewogen und in Tüten, Cello­phan und, sofern es sich um größere Mengen han­delt, in Stark-Wellpappe verpackt und verschickt. Teigwaren gehen aus Gießen in viele Städte des Rhein-Main-Gebietes, in das Siegerland, nach Kas­sel, Fulda usw.

So wirkt auch diese Industrie, wie so manche andere unserer Stadt, weit hinaus in unser Vater­land

Die Fadennudeln werden in der eleganten 8-Form abgelegt

(Aufnahmen |7|: Neuner, Gießener Anzeiger.)

Wisser im Munde zusammen. In südlichsten Gegen ber von Bayern, Württemberg und Baden ist M ein Nationalgericht. Zünftige Skiläufer neh­me i sich für dieses Mahl dieRohstoffe" im Ruck-

Sehr erstaunt wird wohl jedermann sein, der zum erstenmal vor der Ma­schine steht, mit deren HilfeMakkaroni hergestellt werden: vor der Makka­roni-Presse! EinMammut an Gestalt, Gewicht und Leistung! 5,80Meter hoch­gebaut durch fast drei Stockwerke hindurch. Die Makkaronipresse wird hy­draulisch betrieben sie ar­beitet mit 350 Atmosphä­ren Druck, verarbeitet in einer Stunde zweieinhalb Teige" (einTeig" ist in der Sprache des Fach­manns die Menge von 100 Kilogramm) In lan­ger Strähne verlassen die Makkaroni die Maschine, werden systematisch mit einem Handmesser auf übliche Länge zugeschnit-

hc auf die Hütte mit.

daneben kennen wir alle die Schnittnudeln oder ^wüsenudeln, die Fadennudeln als beliebte Sup- ^einlagc, die Eierhörnchen und schließlich neben nbercn auch noch die lustigen Suppeneinlagen, wie Kernchen, Buchstaben und Zahlen, über die manche Mer fast das Essen vergessen können.Bo-

ölt find.Reinlichkeit zuerst", lautet hier das oberste Gesetz! Im Hauptarbeitssaal, in dem die Maschinen stehen, muß man schon laut reden, wenn man sich mit seinem Führer durch diese Welt der Technik verständigen will.

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Die langen Makkaroniröhren werden auf handels­übliche Länge geschnitten

Der eigentliche Herstel­lungsgang in der Nudel- fabrik beginnt (nach der Anlieferung des Weizen­grießes aus den Groß­mühlen des Rhein-Maini­schen Wirtschaftsgebietes) in der Teig-Mischmaschine, einer großen Tonne mit motorisch bewegtem Rühr­werk. Von hier aus wird der Teig auf Rutschen un­mittelbar .einem Koller- gang zugeführt, wo unter einem 120 Zentner schwe­ren Rad der Teig zu einer innigen Verbindung ge­bracht wird. Für die Mak­karonifabrikation wird der steife Teig in Scheiben gestanzt, die dann in eine Hülse gebracht werden und so in die Presse kommen.

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Wenn also zu Eintopfsonntagen oder auch an an­deren Tagen der Woche die Nudeln m der Schüs­sel dampfen, dann kann sie der deutsche Volksgenosse mit bestem Appetit und mit vollem Vertrauen essen, denn hinter diesem Erzeugnis der Nahrungs­mittel-Industrie itehi rnchi nur das achmanniiche Wissen und Können londern auch em starkes Ver- antwortungsbewußtsein der Volksgemeinschaft gegen­über, das gerade am diesem Gebiete von mehr als einer Schulter getragen wird. N.

ten, zum Trocknen gesta­pelt (zwischen feste glatte Pappen) und mit Frych- lüft in besonderen Schrän­ken getrocknet. Wenn man die Ueberraschung der Makkaronipresse einigermaßen überwunden hat, wird man sich mit besonderem Interesse dem orga­nisatorischen Ablaut der Arbeit m -iner Nudel­

beste Rohmaterial für Eierteigwaren! Heute ver­mag man allerdings auch aus Weichweizengrieß, Grieß von Weizen, wie er bei uns in Deutschland gedeiht, gute Teigwaren zu machen

Die Hausfrau wird nur selten aus den Gedanken kommen, nachzufragen, wie die Nudeln hergestellt werden, die man in sauberen Packungen, neuer- bings auch pickfein in Cellophan gehüllt, im Laden kaufen kann. Im übrigen kann sie ja selbst Nu­deln machen, von denen sie stets behaupten wird, daß siebesser seien als die gekauften". Aber es muß eine Hausfrau unserer Zeit doch etwas inter­essieren, wie auf industrielle Art jenes Volksnah­rungsmittel hergestellt wird, das in zweckmäßiger Verpackung schier unbegrenzt haltbar ist. Hier liegt nämlich derHase im Pfeffer", will heißen, die Bedeutung der industriell hergestellten Eierteigwaren für unsere Volksernährung!

Um der Hausfrau (und den vielleicht auch inter­essierten männlichen Volksgenossen) in Bild und Wort zeigen zu können, wie es in einer Nudelfabrik hergeht, besuchten wir die einzige Gießener Eierteig­warenfabrik in der Neustadt. Aus dem, was dort zu sehen und zu hören war, sei zunächst der erste äußere Eindruck wiedergegeben. Erstens fallen sehr viele Maschinen auf. Zweitens sieht man eine statt­liche Anzahl von jungen Mädchen in reinlichen weißen Ueberkleidern an den Maschinen stehen, hin und her huschen, Regale schieberi und wieder an die Maschinen gehen. Alle tragen das Haar unter schmucken weißen Mützen zusammengerafst. Der Arbeitsraum ist mit Kacheln und Fliesen aus- gelegt. Nirgends sieht man an den Maschinen einen Tropfen Oel blinken, obwohl sie natürlich auch ge-

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Es bedarf kaum einer besonderen Betonunu, daß ein für die Volksernährung fo wichtiger Betrieb ständigen Kontrollen unterworfen ist. Eine verant­wortungsbewußte Betriebsführung wird aber den Kontrollbehörden kaum Gelegenheit zu Beanstan­dungen geben. Betriebe der Eiertelgwaren-Industrie roeroen auch ihrerseits Wert darauf legen, dem

Nudeln sind schon lange volkstümlichSchinken- ttbefn" sind beliebt, und seitdem es einen Eintopf- jlintag gibt, fehlen die Nudeln auch nicht auf dem tzinntags-Speisezettel der zeitgemäßen Hausfrau, i, sogar für die Goulafch-Kanone ist das Gericht Vernommen worden, und wenn bei den Deutschen Timeisterschaften in Altenberg an 40 000 Zuschauer jjaffaroni mit Fleisch abgegeben wurde, dann spricht das für die Popularität der Nudeln.

Noch vor 60 Jahren waren die fabrikmäßig her- gitellten Nudeln durchaus keine Selbstverftändlich- |ft im Küchenzettel der deutschen Hausfrau, ft Italien kannte man jene Nudeln in der Form bir Makkaroni zwar schon lange, aber nicht in Lutsch!and In Anlehnung an das italienische -ibgericht machte die deutsche Hausfrau Schnitt- niheln mit oft vieler Mühe selbst, Kaufleute nützten 6h Wunsch der Hausfrau nach Nudeln aus, fer- fkten sie in beschränkter Menge an und verkauften fit noch fast feucht und nach Gewicht mit großem Htzen Aber eine Nudelindustrie gab es vor 1870 ^Deutschland kaum.

Fetzt im Winter werden in Ermangelung von Gmüse mehr Nudeln gegessen, als zu anderer |3< t des Jahres. Die Makkaroni mit Fleisch, mit fltiebenem Käse und geröstetem Weckmehl sind ein lereres Essen und, sofern man gerade hungrig ist, laist einem bei dem Gedanken daran schon das

Bleiben noch einige Worte über den Trockenpro­zeß zu sagen. Die Trocknung der Eierteigwaren unterliegt Unterschieden und bestimmten Gesetzen. Makkaronis sind z B. sehr empfindlich und müssen langsam getrocknet werden. Sie werden mit Frischluft getrocknet, die motorisch durch die Makkaroniröhren getrieben wird Würde der Trockenvorgang, viel­leicht durch Verwendung angewärmter Lust, be­schleunigt, dann würden die Makkaroni brechen oder reißen. Weniger empfindlich sind Schnitt­nudeln und Suppeneinlagen. Sie können rascher und durch angewärmte Luft getrocknet werden. Im­merhin nimmt auch biefe beschleunigte Form der Trocknung etwa ächt Stunden in Anspruch. Die für die Trocknung verwandte Luft wird dem Luft­raum entnommen, sie wird jedoch, bevor sie an die Teigwaren gelangt, durch mehrere Filtersätze gedrückt und dabei gründlich gereinigt

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der Teig durch die Form gepreßt, und das i alle Erzeugnisse der Nudelfabrik unteraebrachi mer- unmittelbare Ergebnis sind dann die charakteristi- den können Alles Material liegt dabei m einem leben Makkaroniröhren 'stetigen Luftstrom, der einmal das Material passiert.

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efer Ware" ist in der Sprache des Fachmannes Sammelbegriff für einen Teil dieser Suppen­lagen.Bologneser Ware?" Auch dieser Ausdruck st die Deutung zu, daß Italien das Stammland lei Eierteigwaren ist. Fragt man den Fachmann: ®arum gerade Italien?", dann wird man als Ürtroort hören:Italien befaß eine günstige Roh- k fbafis Hartweizengrieß aus dem nördlichen mfa!" Denn Hartweizengrieß, kleberreich, ist das

Das Trocknen geschieht in großen Schränken, die einen langen Gang bilden und viel Raum für sich .... . in Anspruch nehmen. Die Schränke selbst bergen Roh- eine Fülle von Siebkästen und Kassetten, in denen

Die Hausfrau mirD nichi umhin können, zu fragen,was zu den Nudeln alles genommen wird". Betriebswirtschaftlich gesprochen: Aus welchen Roh-