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Tage der Landw-'rischast" in Frankfurt.

Fwd. Frankfurt a. M., 18. Febr. Hier begann heute ein umfassender Vortragslehrgang der Landesbauernschast Hessen - Nassau, der bis zum 20. Februar dauert und mit einer Sitzung des Landesbauernrates abschließen wird.

Der Lehrgang wurde von Hauptstabsleiter Dr. Mentzel von der Landesbauernschaft Hessen- Nassau eröffnet. Anschließend begrüßte

Landesbauernführer Dr. Wagner

die Vertreter derGauleitung und der Behörden und dankte allen denjenigen, die sich zur Mitarbeit in denTagen der Landwirtschaft" zur Verfügung ge­stellt haben. In seinen weiteren Ausführungen ging Dr. Wagner auf die Hauptprobleme der Land­wirtschaft ein. U. a. behandelte er die Markt­ordnung, weiter wandte er sich der La ndar- beiterfrage zu und betonte, daß diese für ihn kein wirtschaftliches Moment, sondern eine Lebens­frage für das Volk fei. Der Landesbauernführer be­faßte sich dann mit der E r z e u g u n g s st e i g e - r u n g auf den landwirtschaftlichen Gebieten und erhob hier die Forderung, daß nun auch der Ver­braucher der Notwendigkeit Rechnung tragen müsie. Die Schwierigkeiten in der Fettversorgung müßten durch eine freiwillige Einschränkung behoben werden. Es werde dabei nicht zu viel verlangt, sondern nur, daß die Bevölkerung sich auf den Fett­verbrauch einstellt, den p)ir im Jahre 1913 hatten, als wir nicht nur ein wohlhabendes, sondern trotz eines um 25 v. H. geringeren Fettverbrcmches, ein sehr gesundes Volk waren.

Im Anschluß an die Rede Dr. Wagners sprach der Leiter der Rechtsabteilung der Landesbauern­schast Hesien-Nassau

Assessor Manke

über das ThemaBauern - undBodenrecht" Er zeigte die Entwicklungslinien auf, die früher zur Abwanderung landwirtschaftlichen Grundbesitzes in die Hand von Geldmännern und der Zerschla­gung lebensfähiger landwirtschaftlicher Betriebe ge­führt haben. Durch das Reichserbhosgesetz und die Neufassung der Grundstücksoerkehrsbekanntmachung sind im nationalsozialistischen Staate der Bauer und der Boden wieder geschützt worden.

Dr. Denker, Berlin

sprach über den Einsatz der landwirtschaftlichen Maschinen im bäuerlichen Betrieb. Die Erzeugungs­schlacht erfordere Mehrarbeit. Dazu fehlen aber in sehr vielen Betrieben Arbeitskräfte. Infolgedessen müssen Maschinen eingesetzt werden. Dabei darf die Maschine aber nicht einfach wahllos an die Stelle der fehlenden Menschen treten, sondern es muß ernstlich ein weiteres Abwandern der Menschen vom Lande verhindert werden. Wirtschaftlich gesehen droht bei einem vermehrten Maschineneinsatz die Ge­fahr einer viel zu hohen Belastung der Betriebe. Diese Gefahr ist um so größer, je kleiner der Be­trieb ist. Eines der wirksamsten Mittel zur Ver­minderung der Maschinenkosten bietet die gemein­schaftliche " Benutzung. Außerdem sollten vielseitig verwendbare Geräte gekauft werden. In seinen wei­teren Ausführungen ging der Vortragende näher auf eine Reihe landwirtschaftlicher Geräte ein.

Professor Dr. SessouS, Gießen

behandelte denAnbau von Oel- und Faser­pflanzen in Hessen". Ausgehend von der Tatsache, daß Deutschland ein rohstoffarmes Land geworden sei, entwickelte er die Notwendigkeit, die im deutschen Boden steckenden Produktionsreseroen zu mobilisieren und die inländische Erzeugung auf wichtigen Gebieten zu steigern. An Hand von statistischem Material stellte der Vortragende fest, daß die Anbaufähigkeit der in Frage stehenden Oel- und Faserpflanzen für unsere Gebiete durch ihre frühere starke Verbreitung bewiesen sei. Zwar

seien nicht alle Pflanzenarten für alle Anbaulagen gleichermaßen geeignet, aber in fast jedem Betrieb dürfte sich wohl die eine oder andere davon gut einführen. Eine Erleichterung für die Wiederein­führung des Oel- und Gespinstpflanzenanbaues sei ohne Frage die sehr wichtige Begleiterscheinung, daß dadurch Fruchtfolge und Arbeitsoerteilung gün­stig beeinflußt würden. Flächenverluste, die Getreide urtb andere Feldfrüchte durch den Anbau der Oel- und Gespinstpflanzen erlitten, würden durch höhere und gesicherte Erträge als Wirkung einer gesunden Fruchtfolge ausgewogen. Bei richtiger Saatzeit wür­den Pflege- und Erntearbeiten in arbeitsruhigere Zeiten des Jahres fallen. Im Verlaufe seiner wei­teren Ausführungen berichtete Prof. Sessous über aufschlußreiche Erfahrungen und Dersuchsergebnisie, die anhand von eingehenden Versuchen gewonnen wurden.

Stabsleiter Dr. Fabian

berichtete in seinem VortragDie Gestaltung der Marktordnung" zunächst über die in den Jahren nach dem Umbruch durchgeführten organisatorischen Maßnahmen zur Steuerung des Marktes in der Ernährungswirtschaft. Er schilderte im einzelnen Aufbau und Arbeitsbereich der Marktverbände im Reichsnährstand und wies darauf hin, daß es durch deren Organisation erstmalig gelungen fet den Landwirt und Bauern als Erzeuger, den Händler in seiner Eigenschaft als Verteiler und den Be- und Verarbeiter zu gemeinsamer Arbeit zu vereini­gen. Maßgebend für alles Tun sei immer das Ziel der Marktordnüng, wie es in den BegriffenEr­zeugerschutz Derbraucherschutz geordnete Wa­renbewegung" ausgesprochen ist. Die laufenden Ar­beiten der Marktordnung seien jeweils stark durch die Marktlage bedingt. Man müsse vor allen Dingen in der Marktordnung auf eine gerechte Verteilung der Erzeugnisse den größten Wert legen. Vor allen Dingen habe die Marktordnung mitzu­helfen, daß die Preisstellung in der Ernährungs­wirtschaft keine Ausweitung nach oben erfahre. Hierzu helfe vor allen Dingen die Berufung eines Reichspreis-Kommissars, mit dem der Reichsnähr­stand auf diesem Gebiet in engster Zusammenarbeit steht, gleich wie mit den zuständigen Stellen der Partei.

Landesiierzuchtdireklor Dr. Schneider sprach über die Bedeutung und Ausrichtung der landwirtschaftlichen Tierzucht und Tierhaltung. Er wies darauf hin, daß die jährliche Erzeugung die­ses Betriebszweiges einen Wert von sechs Millionen Mark und damit einen wichtigen Posten der land­wirtschaftlichen Gesamterzeugung darstellt. Aufgabe der Tierzucht und Tierhaltung ist die Sicherung der Volksernährung und die Verwertung der nicht direkt marktgängigen landwirtschaftlichen Erzeug­nisse. Tierzucht und Tierhaltung seien nur dann erfolgreich, wenn sie auf der wirtschaftseigenen Futtergrundlage aufgebaut seien.

preuhen.

Kreis Wetzlar.

«^Rodheim a. d. Bieber, 19. Febr. Gestern abend bestätigte NSKK.-Gruppenführer Richard Prinz von Hessen den Sturm 21/M147. In Vertretung des zur Eröffungsfeierlichkeit der Reichsautoausstellung in Berlin kommandierten Obersturmführer Schlierbach meldete Obertrupp­führer Süß (Bieber) dem Gruppenführer, in dessen Begleitung sich u. a. der Führer der Motorstandarte 147, Oberstaffelführer Nagel (Gießen), und als Führer der Motorstaffel III/147 Sturmhaupt­führer Hartmann (Wetzlar) befanden, den Sturm im Unterrichtslokal (Saalbau Bender, Rod­heim). Befehlsgemäß wurde dann im Unterricht durch die verschiedenen Referenten fortgefahren, in dessen Verlauf der Gruppenführer wiederholt ein­griff. Eine Ansprache des Gruppenführers, in wel­

cher er die Männer zu nie ermüdendem Pflicht­bewußtsein und nie erlahmender Dienstfreudigkeit ermahnte, beendete die Dienstbesichtigung. Im An- chluß an diese begab sich der Gruppenführer nach Bieber, wo die Dienststelle des Sturmes in Augen- chein genommen und die Meldung des Sturm- Geldverwalters" gehört wurde. Die Besichtigung, die allen Kameraden des Sturmes zu einem erhebenden Erlebnis wurde, dürfte im Sinne der Ausführungen des Gruppenführers allen Männern erneut Antrieb zu restlosem Einsatz sein für die hohen Aufgaben des NSKK. und darüber hinaus für die Bewegung und unfern Führer Adolf Hitler, in besten Dienst zu stehen höchste Ehre jedes NSKK.-Mannes ist.

EisenbahndirektionsprSsident i. K Neuleaux gestorben.

LPD. Frankfurt a. M., 19. Febr. Im Alter von 85 Jahren ist der ehemalige Präsident bei Eisenbahndirektion Frankfurt, Franz Lorenz Reu. l e a u x, g e ft o r b e n. Der Verstorbene leitete von 1907 bis 1919, wo er in den Ruhestand trat, die ehemalige Preußische Eisenbahndirektion Frank, furt und widmete sich vornehmlich der Förderung des internationalen Verkehrs.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinden.

Sonntag, den 21. Februar.

Gießen. Stadlkirche. 9.30 Uhr: Pfarrverwalter Da­merau; 11: Kinderkirche für die Matthäusaemeinde; Pfarrverwalter Damerau; 18: Pfr. Becker; Liturgische Heldengedenkfeier. Zohanneskirche. 9.30: Pfr. Bechtolsheimer; 11: Kinderkirche für die Lukas- gemeinde; Pfr. Bechtolsheimer; 18: Pfr. Ausfeld; Musikalische Abendfeier; 20: Bibelbesprechstunde im Johannessaal; Pfr. Trapp. Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfarrvikar Weckerling; 11: Kinder­kirche für die Luthergemeinde; Pfarrvikar Wecker­ling; 17: Singabend für die Luthergemeinde. Petruskapelle (Wetzlarer Weg 59). 9.30: Pfr. Trapp; 10.45: Kinderkirche für die Petrusgemeinde; Pst. Trapp Wiefeck. 10: Gottesdienst; 15: Bibelstunde. Allen-Dufeck. 10: Gottesdienst; Kollekte; 13: Kin- dergottesdienst. Rödgen. 13: Gottesdienst. Annerod. 10: Gottesdienst. Heuchelheim. 10: Hauptgottesdienst; Kollekte. Kirchberg. 10: Fest- Sottesdienst. Daubringen. 13.30: Gottesdienst. llainzlar. 20: Gottesdienst. Klein-Linden. 10: Gottesdienst; Kollekte. 11.15: Kindergottesdienst. Watzenborn-Steinberg. 13: Gottesdienst. Garben­teich. 13: Gottesdienst. Hausen. 10.15: Gottes- dienst; 11.15: Gedenkfeier auf dem Friedhof. Langsdorf. 11: Hauptgottesdienst; Kirchenchor; Po­saunenchor; Kollekte; 20: Abendgottesdienst. Bet­tenhausen. 14: Hauptgottesdienst; Gesangverein; Kol­lekte. Birklar. 9.30: Hauptgottesdienst; Kollekte. Bluschenheim. 11: Gottesdienst. Münzenberg. 11: Gefallenen-Gedächtnisgottesdienst; Kollekte; anschlie­ßend kirchliche Feier am Gefallenen-Denkmal; 20: Passionsgottesdienst; Kollekte. Trais-Alünzenberg. 9: Gefallenen-Gedächtnisgottesdienst; Kollekte; an­schließend kirchliche Feier am Gefallenen-Denkmal; 18.30: Passionsgottesdienst; Kollekte. Hungen. 10: Gottesdienst; 13.30: Kindergottesdienst. Ober- Gleen. 9.15: Kindergottesdienst; 10: Hauptgottes­dienst; 19.30: Lichtbildfeierstunde zum Heldengedenk­tag. Kirtorf. 11.15: Kindergottesdienst; 13: Haupt­gottesdienst. veitsberg. 9: Gottesdienst; Kollekte. Mrberg. 10.30: Gottesdienst; Kollekte. Belters­hain. 12.30: Gottesdienst; Kollekte. Harbach. 14: Gottesdienst; Kollekte. Steinbach. 10: Gottesdienst unter Mitwirkung des Gesangvereins Einttacht Steinbach; Kollekte. Albach. 12.30: Gottesdienst; Kollekte.

Montag, den 22. Februar.

Trais-Münzenberg. 20 Uhr: Frauen- und Mäd­chenabend. Kirtorf. 20: Frauenabend.

Dienstag, den 23. Februar.

Kirtorf. 20 Uhr: Bläserchor.

Mittwoch, den 24. Februar.

Gießen. Stadtkirche. 20 Uhr: Abendandacht. Zohanneskirche. 18: Passionsandacht; Pfr. Bechtols­heimer. Münzenberg. 20: Frauen- und Mädcken- abend. Daubringen. 20: Passionsandacht. Klein- Linden. 20: Passionsandacht. Kirtorf. 20: Bibel­stunde.

Donnerstag, den 25. Februar.

Gießen. Johannessaal. 20 Uhr: Bibelstunde; Pfr. Ausfeld. Kirchberg. 20: Passionsandacht. Lollar.

20: Passionsandacht. Ober-Gleen. 19.30: Bibel« stunde.

Freitag, den 26. Februar.

Gießen. Kapelle des Alten Friedhofs. 20: Paf, sionsandacht; Pfarrvikar Müller (Dotzheim). pe- truskapelle (Wetzlarer Weg 59). 18: Pastionsandacht Mainzlar. 20: Passionsandacht.

Evangelische Stadtmission, Löberstrahe 14. Sonn, tag, 21. Februar. 8.30 Uhr: Morgenandacht; 13.30: Sonntagsschule; 16: Soldatenbibelstunde; 20.15: Evang.-Dortrag. Mittwoch, 24. Februar. 20.30: Bibelstunde.

Gemeinschaft innerhalb der Kirche (Landeskirch. liche Gemeinschaft), Gutenbergsttaße 9. Sonntag, den 21. Februar. 20.30 Uhr: Evangelisationsstunde. - Mittwoch, den 24. Februar. 20.30: Bibelstunde. - Donnerstag, den 25. Februar. 20.30: Jugendbund stunde.

ireuaposlolische Gemeinden, Händelstraße 1, Eder straße 13. Sonntag, den 21. Februar. 9.30 Uhr: Got. tesdienst; 16: Gottesdienst. Mittwoch, den 24. Fe> * bruar. 20.30: Gottesdienst.

Vapliftengemeinde, Gartenstraße 13. Sonntag, de, 21. Februar. 11 Uhr: Kindergottesdienst; 16: Predigt Mittwoch, den 24. Februar. 20.15: Bibelstunde.

Katholische Gemeinden.

Samstag, den 20. Februar.

Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte.

Sonntag, den 21. Februar. 2. Fastensonntag. Beginn der österlichen Zeit.

Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunioi der Kinder; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt 17.30: Christenlehre und An­dacht Grünberg. 9.45: Hochamt mit Predigt. - Hungen. 8: Hochamt mit Predigt. Laubach. 10: Hochamt mit Predigt. Lich. 10: Hochamt 1 Predigt. Nidda. 8.15: Hochamt mit Predigt. - Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt.

K Dienstag, den 23. Februar.

Gießen. 20 Uhr: Fastenandacht; 20.30: BibelstundL | Mittwoch, den 24. Februar.

Hungen. 7.15 Uhr: Messe.

Freitag, den 26. Februar.

Gießen. 20 Uhr: Fastenandacht.

OeffeuMcher Sonntagsdienst.

Polizei: Telefon 2751, nur in dringende» Notfällen Telefon 01.

Feuerwache: Telefon 2244/45, Notruf Tel» fon 02.

Hauptpostamt: Beschränkter Echalterdtech 8 bis 21 Uhr.

Stadtpostamt: Für Schließfachabholer f i bis 13 Uhr.

Sanitätskolonne: Telefon 2500.

Falls behandelnder Arzt nicht zu erreichen:

A e r z t e : Frl. Dr. Gürtler, Dr. Geyer.

Zahnarzt: Dr. Kockerbeck.

Apotheke: Pelikan-Apotheke.

Autohilfe: Rufnummer 04 beim Postamt Gießen..

Das Mädchen mit dem Gilberhaar.

Roman von Anny von panhuys.

9. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Der Weg, den er plötzlich vor sich sah, zeigte ihm die Möglichkeit, vollständig mtt der Vergangenheit zu brechen. Niemand würde ihn dann noch Günter Grevenstein nennen, der wegen seines Mißgeschickes kläglichem Bedauern preisgegeben war, kein Frank­furter Bürger würde es wagen, in ihm den Mann au erkennen, der ihn um zwanzigtausend Mark be­schwindelt hatte.

Er lächelte ein wenig. Er hatte immer eine be­sondere Vorliebe für klingende Namen gehabt. Er hatte sich letzthin, seit er Frankfurt verlassen, öfter von Frank" genannt.

Er las noch einmal ganz langsam und aufmerk­sam die Annonce, die ihn auf eine Idee gebracht, die ihm glänzend schien.

Da stand:

Graf,

m Paris wohnend, fünfundsechzig Jahre alt, französischer Staatsangehöriger, mit glänzen­den Beziehungen, wäre bereit, sinanzkrästtge Persönlichkeit zu adoptieren.

Zuschriften unter ...."

Er sprang aus dem Bett vor Unruhe, denn die Idee beherrschte ihn immer mehr. Sie wurde Über­stark, und es drängte ihn, sofort auf die Annonce zu antworten.

Er starrte nachdenklich auf die Hellen Wände des Zimmers und überlegte besorgt, vielleicht käme fein Brief gar nicht mehr zurecht. Die Zeitung war schon vor beinahe Wochenfrist in Wien erschienen.

Unsinnl ttöstete er sich, sein Schreiben kam noch zurecht! Sicher! Aber er mußte gleich schreiben und den Brief auch sofort besorgen.

Er legte sein Briefpapier zurecht, schraubte den Füllfederhalter auf und antwortete auf die An­nonce:

Bin nicht gerade reich, aber finanzkräftig genug, um mich für eine Adoption, die mit dem Grafentitel verbunden fein müßte, erkennt­lich zu zeigen. Reise in den nächsten Tagen nach Paris. Nachrichten erreichen mich ab 10. März im Hotel Meudon, Boulevard Hauß­mann."

Das kleine Hotel war ihm früher einmal von einem Bekannten empfohlen worden. Er selbst, ob­wohl er schon mehrmals in Paris gewesen, wenn auch nicht als ausübender Künstler, hatte noch nie­mals dort gewohnt. Aber jetzt war es vielleicht der passende Aufenthalt für ihn, um abzuwarten,

ob sich der alte, geldsuchende Aristokrat melden würde.

Er zog sich wieder an, besorgte den Brief und wollte nun noch irgendwo ein Glas Bier trinken. Jetzt war es ja doch mit seinem Ruhebedürfnis vorbei. Er machte Pläne, viele Pläne, neue Pläne.

In Paris würde er Steine fassen lassen, Steine verkaufen, der alte Graf würde zu bezahlen sein.

Er lief einem Mädel nach, sie gefiel ihm und schien kokett. Dunkelblond war sie, und lächelte ein wenig, als er ihr dreist ins Gesicht schaute. Er sprach sie an. Sie lächelte betonter, erwiderte im schönsten Deutsch:Oh, ich freue mich sehr, den berühmten Geiger Grevenstein zu sehen. Voriges Jahr habe ich Sie mit den Eltern in Berlin ge­hört, Herr Grevenstein, es war wunderschön." Sie gestand begeistert und offen:Ich habe mir damals sogar Ihr Bild gekauft und Sie so sehr bedauert, als ich von Ihrem Unglück las."

Er schüttelte abwehrend den Kopf.

Ich heiße Walter von Frank, mein Fräulein, eine Ähnlichkeit täuscht Sie. Aber wollen wir nicht in ein Caf6 gehen? Landsleute^die sich im Ausland treffen, dürften doch die Gelegenheit, sich in heimi­scher Sprache unterhalten zu können, nicht ver­säumen."

Sie verzog den hübschen Mund, blieb stehen.

Schade, daß Sie nicht der berühmte Geiger sind, sehr schade. Die Aehnlichkeit ist geradezu fabel­haft. Aber ich gehe mit keinem fremden Herrn ins Cas6, auch muß ich nach Hause, meine Eltern woh­nen jetzt hier." Sie ließ ihn einfach stehen, eilte schnellen Schrittes davon.

Er war sehr ärgerlich. Immer handelte es sich um dasselbe, ohne feinen Ruhm war er nichts.

Er dachte plump: Her mit dem Grafentitel! damit er endlich wieder etwas mehr war als eine ge­fallene Große, an die sich das Mitleid drängte.

6.

Franziska Karsten betrat schon am nächsten Mor­gen das Büro der Radio-Radix, in dem sie bisher gearbeitet hatte. Alles war wie immer. Gleich nach ihr erschien Eva Zoll und umhalste die Freundin stürmisch.Wie froh bin ich, daß du wieder ein» treten durstest! Unser Direktor ist doch ein riesig anständiger Mensch. Nun brauchst du doch wenig­stens keine Möbel zu verkaufen und keine Angst vor der Zukunft zu haben."

Mit sehr verkniftenem Gesicht zeigte sich Proku­rist Wüst an der Tür. Franziska dachte verblüfft, es ist ja kaum acht Uhr. Wo kam denn der Macht­habende heute schon her?

Eva flüsterte:Seine Uhr muß falsch gehen!"

Er rief in gereiztem Ton:Sie sollen sofort zum Herrn Direktor kommen, Fräulein Karsten."

Im nächsten Augenblick flog die Tür zu.

Was, der Direx ist auch schon da?" staunte Eva iZoll.Dann muß seine Uhr ebenfalls falsch gchen."

Franziska schob die schwarze Halsrüsche an ihrem einfachen Trauerkleid zurecht und beeilte sich, der Aufforderung zu folgen.

Berthold Radix saß an seinem Schreibtisch, und Franziska bemerkte sofort den gütigen Ausdruck seiner Augen, der ihr schon gestern an ihm aus­gefallen, als er ihr auf dem Friedhof die Hand gedrückt.

Er hatte sich erhoben und schob ihr einen Stuhl zurecht.

Nehmen Sie Platz, Fräulein Karsten, bitte."

Sie tat es, erinnerte sich, daß er sie neulich hatte stehen lassen. Warum war ei jetzt viel höflicher zu ihr? Warum hatte er ihr überhaupt so schnell ver­ziehen, daß sie ihn beleidigt hatte?

Sie sah ihn ruhig an, sagte leise: ,Lch bin Ihnen sehr dankbar, Herr Direktor, für die Wieder­einstellung. Ich bin dadurch von einer großen Sorge frei geworden."

Er nickte flüchtig: ,Zch freue mich, wenn Sie dadurch sorgloser geworden sind, aber ich möchte Ihnen vor allem mitteilen, daß ich Ihre Stellung verändern, ja sogar ein wenig verbessern möchte, da die Veränderung Ihrer Stellung mit einer Ge­haltszulage verbunden ist. Ich habe neulich erkannt, daß Sie helle Augen für nun, sagen wir mal, geschäftliche Mißstände haben, das hat mir nach­ttäglich gefallen. Fräulein Mausler war bisher meine Privatsekretärin, von heute an möchte ich Ihnen das Amt übertragen. Sie stenographieren ja schnell und auch fremdsprachig, was Fräulein Mausler nicht konnte." Er lächelte flüchtig.Um aber auf die geschäftlichen Mißstände zu kommen, Herr Wüst tritt ab heute pünktlich um acht Uhr morgens an, und ich, wie Sie sehen, tue das eben­falls. Ich hoffe, Sie werden das anerkennen."

Franziska Karsten dachte erschreckt, wollte sie der Direktor verspotten, weil sie neulich zu dreist ge­wesen? Und feine Privatsekretärin sollte sie sein? Würde die Kollegin das so ruhig hinnehmen und nicht etwa dumme Bemerkungen darüber machen?

Sie kannte sich nicht recht freuen. Ihr war bange zumute, statt froh.

Er sprach schon weiter:Fräulein Mausler ar­beitet jetzt direkt unter Herrn Wüst, und eine kleine Gehaltserhöhung hat es ihr leicht gemacht, auf meine Stenogramme zu verzichten. Also, Fräulein Karsten, fangen wir gleich mit der Arbeit an. Da drüben liegen Block und Mei Ich möchte Ihnen mehrere sehr wichtige Briefe bittieren.

Franziska fühlte sich noch immer sehr beengt Das war ein ganz anderer Ches, der ihr heute entgegentrat, als der, den sie bisher gekannt. Sie kam noch immer nicht davon los, hinter allem, was er sprach, berge sich Spott. Aber sie nahm mechanisch nn dem Tischchen Platz, an dem sonst Fräulein Mausler gesessen und g-'tnartct.

Er schvb voraus:Es handelt sich um einen französischen Brief, Sie sind ja in der Sprache firm."

Franziska arbeitete schnell, auch anscheinend oollb kommen ruhig, und doch klopfte ihr Herz ftarH, nein, Überstark. Es war so eigen, daß sie jetzt bt® Manne gegenübersah, dem sie, wenn sie es richtii; bedachte, doch zu dreist begegnet war. Wie eil Druck lag das auf chr. Und wie einen Druck trug sie es noch tagelang mit sich herum.

Jedoch allmählich wurde sie ruhiger, und ihre Arbeit, die sich täglich, wie sie fand, interessant-l gestaltete, machte ihr viel Freude. Aber auf ihre n Gesicht lag ständig ein leidvoller Zug. Der ftörit Berthold Radix.

Er hätte das weiche, klare Gesicht gern forgte und vielleicht ein wenig heiter gesehen. Doch begtri er ihren Kummer. Ihre einzige Verwandte dxi gestorben, sie stand nun ganz allein auf der Writ.

Er hatte wohl recht, Franziska trauerte tief ujh den Verlust der alten Dame, aber es war zu glei­cher Zeit noch etwas anderes, was sie traurig stimmte.

Sie dachte zu oft an den Fremden, in dessei Armen sie für wenig selige Minuten gelegen, dessen Lippen auf ihrem Mund geruht und ihr heiße ©* regung und Sehnsucht ins Herz gegossen.

Eines Mittags ging sie vom Büro nach Hai und Eva Zoll trippelte mit ihren viel zu hobln Hacken nebenher, plauderte dabei über Dinge, bit Franziska interessant waren und ihr zugleich aN ein wenig wehtaten.

Weißt du, wer dein Domino auf dem Masken­ball gewesen ist, Fränze? Mein Vetter, der Obs'' kellner im Einhorn, hat es mir verraten. Also brt Fremde ist abends um neun Uhr erst angefomnt-i' und hat nur eine Nacht hier gewohnt. Er heiz! Walter von Frank und ist aus Karlsruhe. Ein f^r feiner Herr fti es gewesen, faat mein Detter. M hat ihm morgens den Kaffee aufs Zimmer griuad Silberne Toilettengegenstände habe er gehabt, einij seidenen Pyjama und so was." Sie seufzte.Es !> wirklich traurig, Fränze, daß er so rasch wievl weitergefahren ist, du schienst chm doch sehr ff* fallen zu haben."

Franziska dachte auch, schade, daß er so ro wieder weitergesahren war, aber daß sie ihm sonders gefallen, fing sie an zu bezweifeln, forli hätte er doch wohl versucht, dem Schönen Plötzlichen, was für sie ein so wundervolles leben gewesen, eine Fortsetzung zu geben. er auch nur den Versuch zu einem Heimlichs Wiedersehen gemacht hätte.

Sie malte sich aus, wie das wähl gewesen nM wenn er an Stelle ihres Chefs mit einem Mo auf dem Friedhof aufgetaucht und ihr die W* gedrückt hätte. Wie das wvhl genw wäre?

Sie lachte kurz auf.

(Fortsetzung folgt!)

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