Eilz u
Dbot von I. S. Bach und G. F. handel, Sologesang für Baß und Chorlied ebenfalls von Bach sowie von Melchior Vulpius und Adolf Strube. Eintritt frei.
Nunmehr hat die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. in verständnisvoller und dankenswerter Würdigung der Verkehrserfordernisse angeordnet, daß ab 22. Mai 1937, dem Beginne des neuen Fahrplans, wieder Lilzugverkehr auf der Strecke Gießen—Fulda eingerichtet wird. Zu diesem Zwecke bringt der neue Fahrplan eine Kombination zwischen den Strecken Frankfurt a.TN—Gießen und Gießen—Fulda dergestalt, daß ein Lilzugpaar von Frankfurt a. 2IL über Gießen—Alsfeld nach Fulda und umgekehrt gefahren wird.
Wieder Cilzug-Verkehr auf der Strecke Gießen-Fulda
ß en —Fulda gewirkt. Dieser beschleunigte Zugverkehr war Ende 1922 ein Opfer des damaligen Niedergangs auf allen Gebieten des deutschen Lebens geworden. Seitdem blieb dieser Mangel im Verkehrswesen unserer Provinz in der Querverbindung Gießen — Fulda — Mitteldeutschland bestehen, obwohl die dringende Notwendigkeit eines derartigen Schnellverkehrs immer wieder zutage trat.
der und Freunde der Luthergemeinde sind herzlich zu diesem Singabend eingeladen, der um 17 Uhr in der Alten Friedhofskapelle stattfindet. (Siehe heutige Anzeige.)
Sondervorstellung im Lichtspielhaus.
Am morgigen Sonntagnachmittag wird im Lichtspielhaus eine Sondervorstellung des Fllmwerkes „Deutschland, mein Deutschland" stattfinden. In dem Filmwerk wird an die größten Ereignisse des Weltkriegs erinnert. Auf die Anzeige in unserem heutigen Blatte sei hingewiesen.
Hausbesitzer-Verein Gießen.
Der hausbesitzeroerein Gießen veranstaltet im „Prinz Carl" kommenden Mittwoch, 24. Februar, seine 30. Hauptversammlung. Auf die heutige Anzeige sei hingewiesen.
Hitler-Jugend Bann 116 Gießen.
Bett.: Heldengedenkfeier in Gießen.
An der Gießener Heldengedenkfeier auf dem Trieb nehmen folgende Einheiten als Ehrenabordnung teil: ___
Marine-HI., Motor-HI., sowie Flreger-HJ.
Die Einheiten stehen pünktlich 9.15 Uhr auf dem Ludwigsplatz. Tadelloser Dienstanzug ist Selbstverständlichkeit.
Bett.: Wochenendschulung.
Wie schon bekanntgegeben, finden am Sonntag die Wochenendschulungen für folgende Einheiten statt:
Gießen: Ges. 1, 2, 3 4/116, Marme-HJ., Motor-HI., Flieger-HI. und Nachrichtenschar.
Grohen-Buseck: Gef. 6, 7, 8, 9, 17/116 und SZ. Großen-Buseck.
L i ch : Gef. 11, 12, 16/116, Bann-MZ. und SZ. Klein-Linden: Gef. 5, 13, 14, 15/116, SZ. Großen-Linden.
Die Wochenendschulungen beginnen jeweils am Samstag, 20 Uhr. Ende Sonntag gegen 16 Uhr.
Anläßlich der Wochenendschulungen finden folgende Besichtigungen statt:
Gef. 2/116, Gießen-Nord, 9 Uhr, Studentenheim.
Standort Großen-'Bufeck, 14.30 Uhr, vor dem HI.-Heim.
Standort Lich, 13 Uhr, vor dem Rathaus.
Standort Klein-Linden, 10 Uhr, im HI.-Heim.
Befr.: „Berge in Flammen".
Den Gießener Einheitsführern find Karten zu diesem Film für 30 Rpf. zugegangen. Alle Jgg. können diese dort in Empfang nehmen. Der Film läuft am 22., 23. und 24. Febr. im Lichtspielhaus zu Gießen. Es können alle Vorstellungen besucht werden. Nach Möglichkeit werden von uns die Mit- tagsoorstellungen besucht.
Befr.: Bannführerschule.
Der letzte Kurs der Bannführerschule findet am Sonntag, 21. Februar, erst 19 Uhr statt, damit alle Teilnehmer noch die Wochenendschulung beenden können.
Ordnungsgemäße Lehrverträge ausstellen!
Die Industrie- und Handelskammer Gießen teilt mit: Es ist immer noch festzustellen, daß Lehrlinge nicht im Besitze ordnungsmäßig abgeschlossener Lehrverträge sind, wie sie reichseinheitlich von der Arbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern in der Reichswirtschaftskammer, in Verbindung mit der Reichsgruppe Industrie, der DAF., HI. ufw., ausgestellt sind. Der Reichs- und Preußische Wirtschastsminister weist nochmals ausdrücklich darauf hin, daß die Eintragung der Lehrlinge in die Lehrlingsrolle für die kaufmännischen und Facharbeiter-Lehrlinge zwingende Voraussetzung für die Prüfung der Lehrlinge bei den Industrie- und Han- , delskammern ist. Jedem Lehrverhältnis mit kaufmännischen Lehrlingen sowie mit industriellen Fach-
Akademische Gesangverein, verstärkt durch den Herrenchor des Theaters. Die Leitung hat Professor Dr. Temesvary. — Die Vorstellung findet außer Miete als 6. Konzert des Gießener Kon- zertvereins statt. Kartenverkauf am Sonntagoor- mittag von 11 bis 12.30 Uhr und an der Abendkasse ab 18 Uhr. Die Intendanz macht noch einmal darauf aufmerksam, daß die Aufführung um 19 Uhr beginnt, Ende 21 Uhr.
Dienstag, 23. Februar, Anfang 20 Uhr, Ende 22.15 Uhr „heiterer Tanzabend". Leitung: I. Zenner. Musikalische Leitung: Ernst Bräuer, hierauf: „Die schöne Galathee", Operette von Fr. v. Suppe. Musikalische Leitung: Ernst Bräuer. Spielleitung: Paul Wrede. Dienstag-Miete. 20. Vorstellung.
Mittwoch, 24. Februar, Anfang 19.30 Uhr, Ende 22 Uhr, „Kupferne Hochzeit", Komödie von Rindom. Spielleitung: Hans Geißler. Mittwoch-Miete. 20. Vorstellung.
Freitag, 26. Februar, Anfang 20 Uhr, Ende 22.45 Uhr, Erstaufführung „Die verkaufte Braut", Komische Oper von Smetana. Musikalische Leitung: Hans h. Hampel. Spielleitung: Paul Wrede. Freitag-Miete. 22. Vorstellung.
Sonntag, 28. Februar, Anfang 19 Uhr, Ende 22.15 Uhr „Carmen", Oper von G. Bizet. Musikalische Leitung: Paul Walter. Spielleitung: Der Intendant. Außer Miete.
Londschaffsbund Volkstum und Heimat.
Der Heimatabend des Ortsrings Gießen findet, wie zur Richtigstellung der Notiz vom vorigen Donnerstag betont fei, am heutigen Samstagabend (nicht erst am morgigen Sonntag) statt. Der Gesangverein „Heiterkeit" wird den Vortragsabend durch den Gesang von Liedern bereichern.
Singabend für die Lufhergemeinde am heldengedenkfag.
Am dritten Weihnachtsfeiertaa veranstaltete der Lutherkirchenchor zum ersten Male einen Gemeindesingabend, bei dem die Gemeinde im Wechsel mit dem Chor das alte Liedgut unserer Kirche, wie es in bescheidener Auswahl in dem Quempasheft zusammengetragen ist, neu kennen und schätzen lernte. Diesmal sollen es Passionslieder sein, die gemeinsam erarbeitet werden sollen. Ein sechsstimmiger Kanon soll wieder den Höhepunkt bilden. Daneben werden noch gesangliche und instrumentale Einzeldarbietungen zu ihrem Recht kommen. Die Glie-
Jahrelang haben der frühere Verkehrsbund Ober- hesfen und die Derkehrsvereine von Gießen und Alsseld mit tatkräftiger Unterstützung der Behörden, sowie mit eifriger Förderung durch den früheren hessischen Verkehrsverband und den jetzigen Landes- oerkehrsverband Rhein-Main bis in die jüngste Zeit hinein für die Wiedereinführung des gsverkehrs auf der Strecke ©iß- Fulda gewirkt. Dieser beschleunigte Zug-
Die Fahrt von Gießen nach Fulda wird derart geleitet, daß der Eilzug 371, der im jetzigen Plane in Frankfurt a. M. um 9.23 Uhr abfährt und um 10.26 Uhr in Gießen ankommt, in Gießen auf dem Oberhefsischen Bahnhof einfährt und von hier aus über Grünberg—Alsfeld—Lauterbach nach Fulda weitergeführt wird. Der Gegenzug aus Fulda über Lauterbach—Alsfeld wird voraussichtlich gegen 18 Uhr in Gießen eintreffen und von hier aus etwa um 18.15 Uhr nach Frankfurt a. M. weiterfahren. Wahrscheinlich werden die Haltepunkte des neuen Eilzugpaares wieder so bestimmt werden, wie sie bei dem Eilzugverkehr bis Ende 1922 bestanden, nämlich Grünberg, Mücke (AnsHluß nach Laubach), Burg- und Nieder-Gemünden (Anschluß nach Homberg), Alsfeld, Lauterbach, Bad-Salzschlirf, Fulda.
Die Mebereinrichlung dieses Eilzugverkehrs bedeutet für unsere Verkehrsinteressen in Ober- Hessen, aber auch für die Querverbindung von Gießen nach Mitteldeutschland und zurück, wie auch für die Anschluhgebiete an Lahn und Dill und das Siegerland einen bedeutsamen Fortschritt.
Diese Erweiterung des Reichsbahndienstes wird sicherlich allenthalben aufrichtig begrüßt werden. Die Wünsche der Oberhessen richten sich jetzt nur noch vor allem auf die Einrichtung eines ebenso zeitgemäßen Eilzugverkehrs auf der Strecke Gießen —Gelnhausen, der vielleicht im Anschlußverkehr von K a s s e l oder von Siegen her eingerichtet werden könnte. B.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Heldengedenken. I $
Die für das Vaterland starben, ehren wir f am besten, wenn wir für das Vaterland !. leben. Peter Rosegger. i
Als die Kunde vom Tode des deutschen Flieger- - Helden Jmmelmann in seiner Heimatstadt Dresden eintraf, ließ die Familie Jmmelmann durch die Zeitung mitteilen, daß sie keine Trauerkleidung an- ; legen würde. Diese Mitteilung ließ viele aufhor- ] chen und verwundern.
So mag es auch manchen Angehörigen eines ; fremden Volkes vielleicht verwundern, wenn - am Heldengedenktage die Fahnen des Deutschen ; Reiches nicht auf halbmast stehen und keinen Trauerflor tragen.
Aber wie der Familie Jmmelmann damals wohl niemand nachgesagt haben wird, daß sie keinen Schmerz über den Verlust des Sohnes und Bruders empfunden hätte, so wird auch kein fremder Volksangehöriger uns Deutschen am Heldengedenktage nachsagen, daß wir in unserem Herzen, in unserem Innern keine Trauer über den Verlust unserer im Kampf für Volk und Vaterland dahin- gegangenen Väter, Söhne und Brüder empfänden.
Eins aber wird die Welt wiederum am helden- gedenktage sagen, wie sie es auch beim Tode Jm- melmanns sagte: welch eine Wandlung der äußeren Haltung zum Opfertod! Die Nachdenklichen werden ahnen, daß diese Handlung der äußeren Haltung nur die Folge einer Wandlung der inneren Haltung zum Opfertod ist.
Wir begehen am Sonntag der Erinnerung („Re- miniscere^) keinen Volkstrauertag mehr, sondern einen Heldengedenktag! Wohl legen wir Kränze an den Totenmalen unserer Helden nieder, aber es sind keine Trauerkränze, sondern Sinnbilder unserer Treue. Wie denn auch die Totenmale. und Ehren- Haine unserer Helden keine Trauerstätten, sondern heilige Weihestätten sind, und wir selbst, die wir an diesen völkischen Weihestätten im Anblick der aufragenden Steine und Quadern und unter den hochflatternden Fahnen des Dritten Reiches uns zum Gedenken derer zusammenfinden, die als Helden im Kriege und in der Kampfzeit der Bewegung gefallen sind, keine Trauernden sind, sondern Bekenner! Denn das allein ist der Sinn des Heldengedenktages, daß wir ein Bekenntnis ablegen und schwören, im Geiste der toten Helden für unser ewiges Volk und unser ewiges Deutschland leben zu wollen.
Um wieviel tiefer, um wieviel echter, um wieviel erhabener ist doch ein solches Bekenntnis zum Leben, als alles Klagen, Weinen und Schluchzen, als alle Zeichen äußerer Trauer! Wie auch der einzelne unter uns zum verborgenen Sinn des Todes stehen mag, niemand wird sich der deutschen Pflicht entziehen wollen, wenn es gilt, in die Bresche zu sprin- gen, die Lücke aufzufüllen, und einzustehen für den der dahinsank. Erst dieses Einstehen für das begonnene Werk der Gefallenen ist wahres helden- aebenken, denn wir ehren die, die für das Vaterland starben, am besten, wenn wir für das Vaterland leben. Das aber heißt: kämpfen für unfer deutsches Volk.
Bornotizen.
Tageskalendet für Samstag.
Ortsgruppe Gießen-Süd der NSDAP., Zellen 3 und 5: 20.30 Uhr Gemeinschaftsabend im Studentenhaus, Vortrag von Pg. Heß über „Kolonien und Dierjahresplan." — Deutsche Arbeitsfront, Ortsgruppe Gießen-Ost: 20.30 Uhr Mitgliederversammlung im Schützenhaus; Ortsgruppe Gießen- Nord: 20.30 Uhr Mitgliederversammlung im Cafe Leib. — Stadttheater: 20 bis 22.15 Uhr heiterer Tanzabend und „Die schöne Galathee." — Gkoria- Palast, Seltersweg: „Das schöne Fräulein Schragg." — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ball im Metropol." — Oberhefsischer Kunftverein, Turmhaus am Brand: 17 bis 18 Uhr Ausstellung „Forscher als Künstler." — Landschaftsbund Volkstum und Hei
mat: 20.15 Uhr Lichtbildervortraa von Professor Mindner, Darmstadt, in der Aula des Gymnasiums über „Praktische Fragen der Denkmalvflege und des Heimatschutzes." — Bezjrks-Obstbauverband Gießen: 14 Uhr ordentliche Hauptversammlung im Katholischen Dereinshaus. — Artillerie-Verein, Gießen: 20.30 Uhr Hauptversammlung im hessischen Hof.
Tageskalender für Sonntag.
10 Uhr Heldengedenkfeier des Standorts Gießen auf dem Trieb. — Gießener Konzertoerein: 19 bis 21 Uhr Festaufführung „Herakles", dramatisches Oratorium von Händel im Stadttheater. — Gloria- Palast, Seltersweg: „Das schöne Fräulein Schragg." — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, 14.15 Uhr „Deutschland, mein Deutschland", „Ball im Metropol". — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand: 11 bis 13 Uhr Ausstellung „Forscher als Künstler." — Reichsfachgruppe Imker, Ortsgruppe Gießen: 14 Uhr Versammlung im Restaurant „hopfeld". — Deutscher Reichsound für Leibesübungen: Gau-Gerätemeisterschaften in der Turnhalle des Turnvereins von 1846. Musikalische Abendfeier: 18 Uhr in der Johanneskirche. — Liturgische Heldengedenkfeier: 18 Uhr in der Stadtkirche. Singabend für die Luthergemeinde: 17 Uhr in der Kapelle des Alten Friedhofs.
Stadttheater Gießen.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: heute abend findet eine Wiederholung des „heiteren Tanzabends" und „Die schöne Galathee", Operette von Fr. v. Suppe, statt. Das Programm setzt sich aus Tänzen, meist heiteren Charakters, zusammen. Diese Vorstellung findet gleichzeitig als neunte Vorstellung für die NS.-Kulturgemeinde statt. Anfang 20 Uhr, Ende 22.15 Uhr.
Am Sonntagabend, 21. Februar, gelangt zur Feier des Heldengedenktages Händels dramatisches Oratorium .Herakles" zur Aufführung. Das großartige Werk wurde im vergangenen Sommer während der Olympiade auf der neuen Dietrich-Eckart- Bühne in Berlin mit sehr großem Erfolg aufgeführt. Für die Partie des Herakles ist Prof. Albert Fischer aus Berlin gewonnen morden, die Dejanira singt Johanna Egli (Berlin). Irmgard Genzel- Roehling, Leipzig (Sopran) singt die Jole; Paulus Kuen den hyllos; Gustav Bley den Priester. — Ausführende: das verstärkte Städtische Orchester, der
las
Gießener Gtadttheater.
Svend Rindom: „Kupferne Hochzeit."
Rindom ist, wie wir dem Programmheft entnehmen, ein bei uns wenig bekannter, auch wohl noch junger dänischer Dramatiker. Sein Uebersetzer Per S ch w e n z e n hat sich bereits vor einiger Zeit mit dem Segelfliegerstück „Am Himmel Europas" bei uns vorgestellt; über die erfolgreiche Premiere feines neuen Lustspieles in Berlin haben wir erst kürzlich berichtet; außerdem kennen ihn unsere Leser aus gelegentlichen Beiträgen im Feuilleton.
Rindoms Stück, das wir gestern sahen, nennt sich „Eine Komödie von der Liebe". Was die kupferne Hochzeit betrifft, so wird sie, was manche vielleicht nicht wissen, sieben Jahre nach der richtigen, der „grünen", gefeiert; erst viel später kommen die silberne, die goldene, die diamantene, die eiserne, die aber ziemlich selten ist. Mit den sieben Jahren hat es etwas auf sich: das siebente Jahr in der Ehe soll, einem verbreiteten Aberglauben zufolge, das sogenannte kritische Jahr in der Ehe sein. Da muß es sich zeigen ...
*
Es zeigt sich. Und zwar in einer Weise, baß einem manchmal Himmelangst wird. Wenn uns der Zettel nicht tröstlich versicherte, baß man sich in einer Komödie befinde, könnte man um den Ausgang biefer Familienfeier ernstlich besorgt werben. Zumal wenn man gelegentlich an Rindoms skandinavischen Landsmann Strindberg erinnert wird, der das Thema der Liebe und bas Verhältnis von Mann und Frau auf seine Weise zu behandeln und abzuwandeln pflegte. Wenn die junge Frau das Bild ihres Mannes vor Wut zerschneidet, baß es nur mit Mühe roieber geflickt werden kann, wenn sie die Worte „Ich hasse dich" in die Fensterscheibe ritzt und mit Holzscheiten nach ihm schmeißt, bann fühlt man bie „Totentanz"-Atmosphäre beklemmend aufsteigen.
„Das Leben ist eine Rutschbahn"; diese Erkennt- nis stammt zwar von Wedekind, aber hier heißt es einmal so ähnlick, unb so geht es auch bei biesen „kupfernen" Eheleuten Per unb Mette zu. Im ersten Akt tollen unb albern sie umher wie zwei ausgelassene Kinder und küssen sich zur Freude aller Mitbewohner unb natürlich auch des Publikums immerzu ab. Aber bereits im zweiten Akt „hat's eingeschlagen". Mette macht Per in seinem An- waltsbürö eine schreckliche (völlig unbegründete)
Eifersuchtsszene wegen einer Klientin, deren Scheidung er betreibt. Mette „haßt" Per, will sich scheiden lassen und nur mit Rücksicht auf bie als Gäste zur kupfernen Hochzeitsfeier erwarteten Jugend- freunde wird ein dürftiger „Burgfrieden" geschlossen.
Kaum sind bie Gäste, auch zwei Ehepaare, ein- getroffen, unb kaum sind die ersten Jugenderinne- rungen ausgetauscht, da verfolgt Per seinerseits Mette mit ebenso grundloser Eifersucht. Es geht wirklich abwechselnd rauf unb runter wie in einer Schiffschaukel; die beiden haben sich offenbar „zu" lieb und fallen, bald himmelhoch jauchzend, bald zu Tode betrübt, von einem Extrem ins andere. Und erst im dritten Akt, wenn man bereits befürchtet, dieses Wiedersehensfest werde einer Leichenfeier ähnlicher sehen als einer (wenn auch kupfernen) Hochzeit — kommt der Umschwung, die Erkenntnis, die Heilung unb bie Versöhnung.
♦
Mit ben beiben anberen Paaren nämlich, den Iugenbfreunben auf Besuch, stimmt wirklich nicht alles, und Mette, schon hochzeitlich angetan, obwohl sie „tobunglücklich" ist, muß zu ihrer Ueberrcüchung gleich zwei Gestänbnisse entgegennehmen: ber eine Ehemann, Lehramts-Kandidat, hat sich ernstlich in eine Schülerin verliebt und „geht schweren Zeiten entgegen"; und bie anbere Ehefrau liebt eigentlich gar nicht ihren Mann, sondern einen fremden, bleibt aber, resigniert unb hält aus. (Da sinb ja auch noch bie Kinder.) Mette aber, bie solches nicht erwartet hatte, wen liebt bie? Ihren Per natürlich. Und alles andere ist Spuk und Einbildung. Unb ihr Kind, bas sie aus lauter falschverstandener Liebe in Pension getan haben, werden sie schleunigst heim- holen. Und das hochzeitsfest wird, wenigstens für Per unb Mette, ein schönes Fest ber Versöhnung, der Erinnerung unb ber Liebe. Diese Liebe gilt es in ber Ehe zu bewahren.
♦
Herr Geißler, ber bie Spielleitung hatte, schrieb eine kleine Einführung im Programmheft, in der er Rindoms Stück geziemend von Berg» mans Komödie „Seiner Gnaden Testament" absetzt, auf bie Unterschiebe zwischen ben beiben nordischen Lanbsleuten hinweist unb sich dementfpre» eßend für einen Kammerspielstil seinör Inszenierung entscheidet. Zugegeben, baß es nicht ganz einfach war, hier bie Uebergänge zu finden und bie Entwicklung vor einem Umschlagen ins schroff Unwiderrufliche zu bewahren. Doch kamen sowohl die Flitterwochen-Tollheiten im ersten wie die Wiedersehens-Verlegenheiten des zweiten Aktes hübsch
heraus; am meisten echte Komödien-Stimmung hatte der dritte, ber von ernsthafter Besinnlichkeit in einen ungequälten Feierklang ausmündete. —
*
Frl. Krause und Herr Schorn als Mette unb Per, schwankend und stürmisch hin- und hergerissen vom Wellengang ihres jäh von Pol zu Pol umspringenden Gefühls, hatten es ebenfalls nicht ganz leicht, sich auf der schmalen Grenze des komödienhaft Glaubwürdigen zu behaupten und halfen sich mit temperamentvollem Schwung über gefährliche Klippen hinweg — am ungezwungensten ganz zu Anfang unb ganz zuletzt, wo bas wahre Empfinben unverstellt unb ungetrübt durchbricht. — Herr von Gschmeibler, hier viel versöhnlicher unb minber kantig als in „Seiner Gnaden Testament", stand den jungen Leuten als ein prächtiger Papa, mit Zartgefühl unb nicht ohne wohltuende Ironie, zur Seite.
*
Von ben Gästen nahmen Frl. Birfmann unb Herr Geißler burch ben einfachen unb menschlichen Ton ihrer stillen Bekenntnisse unb Geständnisse gefangen. Frl. Gerhardt und Herr Frick- doeffer entspannten burch humorvolle Ansprachen bie Gewitterstimmung bes zweiten Aktes aufs Erfreulichste. Mit hübsch und witzig ausgearbeiteten Chargen belebten Herr Nieren und Frau S ch u» bert-Jüngling als ehrwürdige Hausfaktota das Ensemble.
Das Publikum schien sich vorwiegend an bie unbestritten heiteren Szenen zu halten unb bereitete bem Stück eine sehr freunbliche Aufnahme.
Hans Thyriot.
Der bucklige Geiger.
Eine Sage von Wilhelm Schäfer.
In Honnef mar ein buckliger Geiger mit solcher Kunst begabt, baß, wer ihn einmal hörte, nicht gern mehr nach einer andern Musik tanzen mochte, so sehnsüchttg quoll sein Ton. Sie riefen ihn weithin zu spielen, und wenns ihm nur ums Geld gewesen wäre, so hätte er ein schönes Leben haben können. Doch war er inwendig voll Gram und Sehnsucht, denn weil er selber noch ein Jüngling war, geschah es einmal, baß er mit seiner Geige dazwischen sprang und mittanzte: obwohl sein Ton nun erst recht wie eine Amsel zur Freude lockte, stob alles im Gelächter um seinen Buckel auseinander.
So kam es, daß er wochenlang in seiner Kammer faß unb nirgendhin spielen ging, so baß bie
Mutter, eine kranke Frau, viel Not mtt ihm unb ben jungen Leuten hatte, die feiner zum Tanz benötigten. Da ging er einmal tief hinein ins Land, weit über bas Gebirge und spielte in einem fremden Dorf; unb als sie alle lustig waren und die Augen der Tänzerinnen vom Klang seiner Geige brannten, da wagte er es noch einmal und hüpfte mitten unter sie. Die Mädchen aber kreischten auf und die Burschen klopften ihm den Buckel wie eine Trommel: drum holte er fein Messer vor, schnitt die Saiten mitten durch mit einem Schnitt und lief hinaus bis in bie sieben Berge, sich aufzuhängen.
Doch als er in ber stillen Wald lüft an bie blasse Mutter dachte, unb baß sie feinen Sorger hätte, besann er sich unb schlich um Mitternacht nach Haus, bie Nachtigallenschlucht hinunter. Da trat ihm aus bem Walbrand ein feines Mädchen in ben Weg; bas war zu weiß und windig für die Nacht gekleidet und hatte eine Stimme, bie dünn wie Heimchenzirpen klang. Sie bat ihn innig, er möge hier am alten Cichenbaum zum Tanz aufspielen, damit sie auf dem Wiesenplan dahinter tanzen konnte; unb als ber Geiger ihr mürrisch feine Fiedel zeigte, darauf kein Steg und keine Saite mehr mar: nahm sie Mondstrahlen her unb stellte ihren Silberkamm darunter. Er hatte sich schon selber um seiner Bosheit willen gescholten, griff freudig in bie Saiten, und als sie hell unb silbern klangen, nahm er ben Bogen in bie Hand unb spielte, was ber Mond ihm sagte.
Es war kein Walzer und kein Rheinländer, unb was bie Elfenkönigin mit ihren Gespielen danach tanzte, sah aus, wie wenn ein Rauch vom Wind im Kreis getrieben würbe. So spielte er bis in ben Morgen unb buchte nicht baran, selbst mitzutanzen, so wohl tat seinen Augen das Gewoge der silbernen Gewänder. Unb als bie erste Frühe kam, da wurden ihre Leiber blaß; doch sah er sie noch alle, wie sie in ftiller Ruhe kamen, ihm für fein Spiel zu danken. Unb während er bedachte, baß dies viel schöner als mit Gold zu lohnen fei, tat ihm bie Königin einen Schlag auf feinen Buckel, daß er ben Stab zerbrechen hörte. Sogleich verschwanden alle in der Helligkeit, unb nur ihr klingendes Gelächter blieb lange in der Luft. Da glailbte er sich hier wie sonst verhöhnt unb stieg mit bittrem Herzen in fein Tal zurück.
Zu Hause ftanb feine Mutter vor ber Tür am Wasser unb wusch sich ben Schlaf aus ihren Augen, sie tat vor Freude einen Schrei; unb als er feine Geige fast in den Strom geworfen hätte, so weh tat ihm bas: da riß sie ihn am Arm zum Wasser hin, unb in ber grünen Morgenflut sah er sein Spiegelbild wie einen schlanken Lebensbaum.
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