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Hr.45 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesftn)

§amstag.29.5ebruar (937

Der Heidengedenktag in Gießen

Am morgigen Sonntag vereinigen sich auch in unserer Stadt alle Volksgenossen mit der Wehr­macht unseres Standortes zum feierlichen Gedenken an die im Kampfe für das deutsche Vaterland im Kriege und im Freiheitskampf der Bewegung ge­fallenen Brüder.

Trauerbeflaggung.

Entsprechend der Aufforderung des Reichsmini­sters Dr. Goebbels an die Bevölkerung, am Sonn­tag, 21. Februar, Trauerbeflaggung zu setzen, wer­den auch in unserer Stadt morgen die Fahnen auf Halbmast wehen.

Die militärische Gedenkfeier.

Um 10 Uhr wird auf dem Trieb vor der Volks­halle die militärische Heldengedenkfeier der Wehr­macht unseres Standorts beginnen. Die Partei und ihre Gliederungen sowie die Kameradschaften der alten Soldaten werden sich an dieser Feier be­teiligen. Die Formationen werden sich an ver­schiedenen Sammelplätzen in der Stadt ausstellen und von dort aus, geschlossen in ihren Einheiten, zum Trieb marschieren. In diesem Zusammenhang sei auf die verschiedenen Anzeigen hingewiesen, die in den letzten Tagen in unserem Blatte erschienen sind und den Angehörigen der Kameradschaften die Zeiten des Antretens bekannt gaben.

Die Feier auf dem Trieb beginnt pünktlich um 10 Uhr. Alle Teilnehmer müssen bis 9.50 Uhr ihre Plätze eingenommen haben. Der Standortälteste, Generalleutnant Oßwald, wird in Begleitung

Heroische Heimkehr.

Zum Heldengedenkiage am 21. Februar 1937.

bekleidungen ließen viel zu wünschen übrig. Ein Teil der Leute ritt in Leinenhosen. An den Beinen hatten sie Binden von Schaffell. Aber alle trugen wir den Stahlhelm und den praktischen Reitermantel. Die Wege waren hart, glatt und teil­weise zerstört. Nachts lag man mit dem Gewehr neben sich, fertig, jede Minute aufzuspringen und für sein Leben zu kämpfen. Das war auch das ein­zig richtige, denn der Feind hatte ja keine Uniform und war unmöglich von den Bauern zu unter­scheiden. Um während der Nächte wenigstens vor Ueberfall durch die Bevölkerung geschützt zu sein, wurden in den Nächten alle Männer in die Kirchen gesperrt. Heute macht man sich wohl schwerlich eine Vorstellung davon, wie es war, wenn man Nacht für Nacht nicht richtig schlafen konnte, an den Tagen sich schlagen und bei schlechtestem Wetter auf den übelsten Wegen marschieren mußte." Am Heili­gen Abend 1918 aber war mit dem Einmarsch in Kiew das schlimmste überstanden. Der Weiter­transport nach Ostpreußen konnte in Ruhe durch­geführt werden.

Durch die AoWo-Sümpfe.

Heber den Rückmarsch des Kavallerie- Schützen-Regiments 85, der mitten durch die Rokitno-Sümpfe führte, berichtet der Regiments-Kommandeur von Alten u. a.:

Mein Adjutant, Oberleutnant Schacht, zeich­nete eine große bunte Landkarte. Auf dieser wurde der versammelten Truppe der Weg gezeigt, den wir, unter Umgehung des gefährlichen Festungs­dreiecks, durch das weite Gebiet der einsamen Ro­kitno-Sümpfe nehmen würden. Richtung Ostpreu­ßen, Heimat, mit der Waffe in der Hand! Vor­wärts und durch! Wie einst bei Brzezhiny. Mit Hurra wurde diese Landkarte zusammenqefaltet und täglich wieder heroorgeholt und den Mannschaften gezeigt, wo während des 42tägigen Marsches der tägliche Standort der Truppe war. Hieraus schöpfte man Kraft, alle Widerstände zu überwin­den. In mein Herz verschloß ich den Gedanken, wenn nur der Himmel uns in den Rokitno-Sümpfen Frost senden würde, wenigstens keine Dauerschnee­fälle, sonst geht es uns wie damals Napoleons großer Armee auf dem Rückmarsch von Moskau ...

des Hoheitsträgers der Partei, des Vertreters des Staates und des höchsten inaktiven Soldaten die Front der Truppen, der Gliederungen der Partei und der alten Soldaten abschreiten. Danach wird Generalleutnant Oßwald die Gedenkansprache halten. Die Feier findet ihren Abschluß mit dem Vorbeimarsch der Truppen, der Formationen der Partei und der Kameradschaften der alten Soldaten vor dem Standortältesten. Der Vorbeimarsch wird vor der Volkshalle stattfinden.

Kranzniederlegungen.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Kreisgruppe Gießen, ehrt anläßlich des morgigen Hekdengedenktages die Gefallenen des Weltkrieges durch Kranzniederlegungen. Für unsere gefallenen deutschen Brüder werden am 116er-Denkmal auf dem Landgraf-Philipp-Platz und auf dem Ehren­friedhof des Neuen Friedhofes Kränze niedergelegt. Ferner wird mit einem Kranze der auf dem hiesigen Friedhof beigesetzten nichtdeutschen Krieger gedacht.

(Eine kirchliche Heldengedenkfeier

findet am morgigen Sonntag, 18 Uhr, in der Stadt­kirche statt. Der Abend bietet Musik für Orgel, Solo-

Gefährliche Regentage erweichten die sumpfigen Wege Frost hals wieder vorwärts. So ging es im häufigen Wechsel. Eine P e t l j u r a - T r u p p e von 40000 Mann war in Anmarsch gegen uns gemeldet. Wir streuten die Nachricht aus, mir seien die Vorhut eines Armeekorps; starke deutsche Truppen seien dicht hinter uns.

Schließlich wurden die Schwierigkeiten des Mar- sches so groß, daß ich mich schweren Herzens ent- schließen mußte, meine Minenwerfer zu vernichten. Die Rohre wurde gesprengt und im Sumpfgelande versenkt. r

Ende Januar 1919 endlich, bei starkem Frost, näherten wir uns der ehemaligen Stellungskriegs­zone. In etwa 60 Kilometer Breite nur Schutzen- grüben, Stacheldrähte und verfallene Unterstände, kein Haus, kein Dach weit und breit! Ein letztes Biwak in eisiger Januarnacht, auf Unterftand- aelände, auf dem mit Fleckfieber behaftete arme Panjefamilien ihren zerstörten Heimatsort suchten.

Trotz aller Ansteckungsgefahr suchten wir in die­ser grimmigen Winternacht stundenweise Erwär­mung und Windschutz in den überfüllten, von Panjefamilien bewohnten Unterständen, um ab­wechselnd wieder, durch die erstickende Luft vertrie­ben, uns zwischen die frierenden, treuen Pferde zu stellen, die draußen in der Eiseskälte mit hängenden Köpfen zu schlafen suchten. In der Morgendämme­rung des folgenden Wintertages wurde in gehobe­ner Stimmung der letzte Gewaltmarsch durch die trostlose Zone der Stacheldrähte und der verfallenen Unterstände angetreten. So erreichten wir abends den jenseitigen Rand dieser Eiswüste, die rettende Gegend von Kowel, wo die Eisenbahn noch in deutscher Hand war. Es war geschafft durch den Willen, mit der Waffe nach Deutschland durch­zubrechen, in Zusammenhalt, Disziplin und Ka­meradschaft.

Dort stieß auch der Teil des Regiments wieder zu mir, den die bayerische 4. Kavallerie-Brigade auf ihrem Ritt mitgenommen hatte. Nach kurzen Tagen des Wartens wurde das Kavallerie-Schützen- Regiment bei hohem Schnee und bei 20 Grab R in der deutschen Eisenbahn nach Allenstein in Ost­preußen transportiert. Mit den Waffen in der Hand unb mit noch gutem Pferdematerial rückte das Regiment in die Dragonerkaserne ein.

ohne Rückhalt an vorgesetzten Dienststellen und fast ohne Unterstützung durch andere Truppen. Die Bayern haben sich hier auch noch nach dem Waffen­stillstand soldatischen Ruhm erworben, die Offiziere und Mannschaften, die keinen Augenblick wankend wurden in ihrer Treue zu den Offizieren und in der Hochhaltung der Waffenehre.

Von Poltawa nach Ostpreußen.

Im Jahre 1709 verlor Karl XII. von Schwe­den trotz aller seiner Tapferkeit die Schlacht von Poltawa. Im großen Kriege waren bis hier­her deutsche Truppenteile vorgedrungen, um die Ukraine zu sichern. Hier stand die 1. Kavallerie- division, Kürassiere, Dragoner und Ulanen, und von hier aus mußten diese Truppen den weiten Weg in die Heimat zurücklegen. An der Spitze des Kürassier-Regiments 3 stand Graf Hamilton, der als schwedischer Offizier einen Teil des Welt­krieges als Freiwilliger in den Reihen der deutschen Armee mitgemacht hatte. Er wurde noch im No­vember in den Kampf mit ukrainischen Aufständi­schen hineingerissen, und es bedurfte der größten Anstrengungen, um dieser Aufständischen Herr zu werden. Die Verhältnisse, unter denen der Rück­marsch dieser Truppen sich vollzog, hat Major Gras Hamilton in einem Vortrage sehr anschaulich geschildert, den er in seiner schwedischen Heimat gehalten hat.Unsere Ausrüstung war äußerst mangelhaft. Besonders die Reithosen und die Fuß-

Deutsches Soldatentum war auch mit den trüben : Novembertagen 1918 noch nicht erloschen. So trübe auch das Bild war, das die damals sich auflösen­den Armeen vielfach boten, so leuchten in diesem Bild um so heller die Beispiele von Mannesmut und Disziplin. Vielfach folgte auf das Heldentum des Krieges die heldenhafte Heimkehr, und davon lesen wir herrliche Berichte in den Darstel­lungen aus den Nachkriegskämpfen deutscher Trup­pen und Freikorps. Im Auftrage des Reichskriegs­ministeriums werden diese Darstellungen von der Forschungsanstalt für Kriegs- und Heeresgeschichte bearbeitet. Der erste Band schildertDie Rückfüh­rung des Ostheeres" (Verlag E. S. Mittler & Sohn, Berlin). Diese Darstellungen haben, wie General­feldmarschall von Blomberg in dem Geleitwort ausführt, den Zweck, dem deutschen Volk und seiner Wehrmacht die Leistungen der Männer näherzu­bringen, die in schwerster Zeit, nach viereinhalb Jahren unerhörten Ringens, noch einmal zum Schwert griffen, um dem Vaterlande in seiner äußersten Not zu helfen. Der Chef des General­stabes des Heeres, General der Artillerie Beck, sagt in dieser Darstellung einleitend:

Viele der besten deutschen Feldsoldaten sind trotz den hinter ihnen liegenden schweren Kriegsjahren im Felde geblieben oder wieder zu den Waffen ge­eilt, um das Reich gegen den von drinnen und draußen drohenden Bolschewismus zu schützen. Diele haben in den Reihen der heimkehrenden Truppen oder in den neuentstehenden Frei­korps Gesundheit und Leben dem Vaterlande ge­opfert und immer von neuem gezeigt, daß unter all dem Ungeist der Revolution von 1918 der kämpferische Sinn und die Pflichttreue des alten Heeres nicht erstorben waren.

Auch in der Nachkriegszeit ist eine Fülle von Heldentaten, Leistungen organisatorischer, tech­nischer und taktischer Art vollbracht worden, die deshalb nicht verschwiegen zu werden brauchen, weil sie in eine trübe Zeit des Niedergangs gefallen sind. Heute, nachdem die deutsche Wehrmacht in alter Stärke neu erstanden ist, liegt kein Grund vor, tot­zuschweigen, was damals geschehen ist, gleichviel ob die Ereignisse jener Zeit als abschreckendes Bei­spiel gekennzeichnet werden sollen, oder als Muster deutscher Treue in oft verzweifelten Lagen auf die Generation des Weltkrieges und auf künftige Ge­schlechter zu wirken geeignet sind."

Von der Krim bis nach Vayern.

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Wohl den ro e i t e ft en Rückmarsch haben bayerische Truppen, und zwar die bayrische vierte Kavallerie-Brigade, zurücklegen müssen. An der Küste des Schwarzen Meeres, auf der Krim-Halb­insel, wurden diese Truppen von der Revolution überrascht. Am 13. November 1918 erfolgte der Be­fehl zur Räumung der Krim. Am gleichen Tage be­richtet die Brigade über die durchweg gute Stim­mung der Mannschaften, die Verständnis dafür zeigten, daß Aufrechterhaltung von Ordnung und DWplin das Gebot der Stunde sei. Der Brigade­kommandeur gab der Ansicht Ausdruck, daß die Marschtätigkeit an sich schon geeignet wäre, die Mannschaften von müßigen Grübeleien abzuhalten. Die Aufgabe war gewiß nicht klein, denn der Weg war zweitausend Kilometer lang. Schon die erste Etappe bis zum Dnjepr sollten die Schwie­rigkeiten dieses Unternehmens zeigen. Unmittelbar nach Eingang des Abmarschbefehls trat mehrtägiger Regen ein, der die Marschstraßen in grundlose Sümpfe verwandelte. Beim Dnjepr-Uebergang konnte die Brücke nur von einem Teil der Truppen benutzt werden, sie fiel später dem Eisgang zum Opfer, so daß die letzten Nachkommandos sich zu Schiff den Weg durch die Schollen bahnen mußten.

Die bayerischen Truppen mußten, um zur Heimat zu gelangen, die Ukraine durchqueren, und es war für sie gewiß nicht angenehm, zu hören, daß in der Ukraine neue Wirren ausgebrochen waren. Jetzt durch den russischen Winter zu marschieren, das war weit mehr, als damals von den Truppen Napoleons verlangt worden war, denn die Marsch­strecke war viel größer, außerdem war die Beklei­dung für einen Marsch durch das winterliche Ruß­land unzureichend. Die Mäntel waren zu dünn, die Handschuhe nicht haltbar, die Wäsche unzulänglich. Die unbestimmte Hoffnung und der Wunsch, viel­leicht doch irgendwo von der Bahn ausgenommen zu werden, waren daher erklärlich. Sie haben aber bei keinem Teil der Brigade zu ungebührlichem und unerfreulichem Drängen oder zur Erschütterung des Vertrauens geführt. Wiederholt kam es auch zu Kämpfen, die aber siegreich bestanden wurden. Versuche, durch Drohungen die Abgabe von Waf­fen und Pferden zu erzwingen, scheiterten stets an der festen Haltung der Offiziere und Mannschaften der Brigade, die sich auf keinerlei entehrende Be­dingungen einließen. Bei den Kämpfen um Zas- law verlor das 1. Ulanenregiment vier Offiziere, sechsundneunzia Mann und oreiunddreißig Pferde. Der weitaus überlegene Gegner wagte nicht, die abziehenden Ulanen ernsthaft zu verfolgen. Tags­über blieb die ganze Brigade eng beisammen, bei Einbruch der Dunkelheit wurden Quartiere bezo­gen, die mit Tagesanbruch wieder verlassen wur­den. Das mitgenommene Geld reichte nicht, um die Verpflegung sicherzustellen. Der Brigadekomman­deur mußte infolgedessen die Offiziere und Mann­schaften um Abgabe ihrer Barmittel gegen Emp­fangsbescheinigung und Versprechen der Rückzah­lung in der Heimat ersuchen. Das Ergebnis war, daß soviel Geld zusammenkam, daß bis zum Ein­treffen in die Heimat keine Schwierigkeiten entstan­den. Endlich, im Februar, traf die Brigade an der deutschen Grenze bei Prostken ein, um dann nach Bamberg und Ansbach abtransportiert zu werden. Insgesamt wurden auf diesem heldenhaften Marsch neunzehnhundert Kilometer in zweieinhalb Mona­ten zurückaelegt. Das ist eine Tagesdurch- ichmttsleistung von sechsunozwanzig Kilometer mitten durch ein aufständisches Land,

Kamerad?"An den Steinbruch von Montauban! Meine Haubitzen stehen dort. Ist der Steinbruch in unserer Hand?"Am Rande liegen vorgeschobene Posten. Es wird ein schweres Stück Arbeit sein! Die Engländer haben Maschinengewehre auf den Weg eingestellt!"

Erdtrichter neben Erdtrichter, in allen Größen. Dann wieder Erdhaufen, wo Geschosse einschlugen, die mit Verzögerung versehen waren. Zwei Pferde stürzen..., der Vorderreiter reißt sie hoch. Der Feind streut den Weg mit Schrappnells ab, ein Maschinengewehr fängt an zu rattern. Jetzt geht eine Leuchtrakete hoch... Dann leuchtet ein Schein­werfer auf... Sein Lichtkegel kommt näher ... Mit einem Schlage ist die Artilleriemulde hell erleuchtet!

Unbeweglich bleiben die Wagemutigen stehen ... Zwei Minuten banger Sorge... Sie bleiben un­entdeckt ...!

Sie sind im Tal. Die Stellung sieht furchtbar aus. Ein Geschützstand ist verschüttet. Die Gegend ist völlig verändert. Da stehen die Geschütze! Jetzt kommt es darauf an. Der Oberleutnant steigt vom Pferde...Na, nun los! Aber kein Wort!" Minuten, die eine Ewigkeit scheinen... Endlich ist die erste Haubitze aus dem Geschützstand heraus. Einen Augenblick verschnaufen!..." Inzwischen ist das Geschütz marschfertig. Es setzt sich in Bewegung. Jetzt kommt der schwerste Teil des Wagestücks. Schritt für Schritt geht es denselben Weg zuruck, durch das Trichterfeld und durch das Schrappnell- feuer, das in einzelnen Gruppen vor der deutschen zweiten Linie liegt. Sie kommen durch das Draht­hindernis der zweiten Linie. Infanterie drangt sich heran. , . . .

Sie kommen durch Longueval und wollen-durch das Dorf. Da kommt es herangeheult! 10 ober 12 Meter vor ihnen fchlägt es ein: Mitten auf die Dorfstraße!... Die Pferde bäumen sich ... Schwefel- geftank... Rauch... Gott fei Dank, es ist nichts ^Batterie Teraaab!" Sie biegen um die Ecke die Mittelpferde stürzen.Mein Bein ist zer­quetscht!" schreit der Mittelreiter.Absitzen!" Die Mittelpferde bleiben liegen... der Mann wird mit­genommen! Sie arbeiten fieberhaft. Der otan- genreiter hat seine beiden Pferde in Ordnung. , Vorderreiter, reiten Sie vor! Die Stangenpferde ziehen das Geschütz allein vorwärts!" Jetzt sind sie am Park von Longueval... jetzt an der Stelle, wo die andern Protzen warten. .

Noch dreimal geschieht das gleiche. Dreimal fahren wenige Männer hinaus in den Tod, um ihr Geschütz zu holen, die ganze Nacht. Erst gegen Morgen rückt das letzte Geschütz in das Waldlager hinter Ginchy ein. Einer der neun Braven, Unter­offizier Haß, ist tödlich verwundet Es ist em schweres Opfer. Aber die vier Haubitzen der 4. Bat-

Zehn Männer und vier Kanonen.

Episode aus der Sommeschlacht 1916.

Dies ist die Geschichte der 4. Batterie des Feld­artillerie-Regiments von Clausewitz. Sie wurde Er­eignis am zweiten Tage der blutigen Wochen, die in der Geschichte den Namen der Sommeschlacht tragen.

Sieben Tage lang hat feindliches Feuer die deutsche Front zerschlagen. Dann ist der Feind aus den Gräben gestiegen. Am Steinbruch nördlich von Montauban steht die Batterie, dort, wo weiter vorn der Engländer tief in die deutsche Stellung eingebrochen ist. Seine Flieger haben sie entdeckt, schweres Feuer des Gegners hat die Lage unhalt­bar gemacht. Die Munition ist verschossen. Ein Ge­schütz ist verschüttet, die andern drei sind beschädigt, und immer näher kommt der Feind.

Um 1.40 Uhr weiß der Oberleutnant, daß es nur eins gibt: den Weg nach rückwärts. Die Zähne knirschen ihm, als er Befehl gibt, die Stellung auf­zugeben. Nach Stunden find sie wieder beisammen, weit hinten im Waldlager bei Ginchy. Eine Batterie ohne Kanonen, also eigentlich keine Batterie mehr. Als der Tag dem Ende zugeht, weiß der Batterie­führer, was zu geschehen hat.Wachtmeister, lassen Sie die Batterie antreten!"

Kameraden! Ich weiß, es geht euch wie mir Unsere Haubitzen... Wollen wir sie dem Feind lassen? ... Oder wollen wir sie uns holen ... heute nacht... freiwillig... ohne Befehl? Dem Vater­lande zuliebe! Ich frage: Wer kommt mit? Alle treten vor.Ich danke euch, Kinder, aber ich kann nur neun Mann gebrauchen." Der Oberleutnant nennt neun Namen.Um 8 Uhr fahren wir los!

Die Protzen stehen zum Abmarsch bereit.Batte­rie marsch!" .

Der Weg ist weit bis in die vordere ßime. Gut fünf Kilometer. Vor Ginchy erreicht der Batterie­führer die vorausgefahrenen Protzen. Es ist eine wunderbare, sternenhelle Nacht. Longueval! Em Drittel des Weges. Ein Dorf, auf dem das feind­liche Feuer liegt. Mit schweren Kalibern zerschlagt der Engländer dem Bundesgenossen die Hauser. Hinter dem Schloßpark macht der kleine Trupp

Leute, hört zu! Ich führe den ersten Wagen selbst in die Feuerstellung. Die anderen Protzen warten bis zum Morgengrauen. Ist der erste Wagen dann nicht zurück, so macht ihr Kehrt und fahrt wieder ins Lager. Unteroffizier Schreyer, Sie begleiten mich. Batterie marfo)!

Sie kommen an die deutsche zweite Linie. Sie ist stark von Infanterie besetzt. Ein Offizier tritt zu dem Batterieführer:Wo wollen Sie hin, Herr

terie des Feldartillerie-Regiments von Clausewitz sind sämtlich gerettet!

Das tat die 4. Batterie fteiwillig, ohne Befehl, dem Vaterland zuliebe!...

Der Mensch und das Tier.

Don Dr France

Man hat für den Menschen den Ausdruck ge­prägt, er seidas Hirntier" und wollte damit be­tonen, daß er ein einseitig angepaßtes Geschöpf sei, Gehirn vor allem, als Geist vollendeter denn als Körper, der in vielen Beziehungen wenig leistungsfähig ist und darin sogar hinter vielen Tieren zurücksteht. Man hat mit dieser Prägung in einer gewissen Beziehung auch tatsächlich recht, denn einige Organe und Leistungen des Menschen­leibes sind tatsächlich von einer ziemlich betrüb­lichen Unvollkommenheit.

Im besonderen gilt das von dem menschlichen Auge, von dem ein berühmter Anatom in seinem Kolleg zu sagen pflegte, er würde einem Optiker, der ihm ein derartiges Sehinstrument verkaufen wollte, es wegen Pfuscherarbeit zurückgeben. Und dieser Scherz hat auch vollauf recht, denn in bezug auf Sehschärfe werden wir von den Raubvögeln, in bezug auf Brauchbarkeit des Nachts von den Katzen und Eulen, in Hinsicht derVergrößerung" kleiner Gegenstände von den fporenfreffenden Käfern um ein Erhebliches übertroffen. Wie kläg­lich ist doch unser Riechorgan, gemessen an dem eines Hundes oder gar einer Biene, die sich in dem hundertgerüchigen Wirrsal einer Wiese ohne weiteres zurecht findet. An Schnelligkeit und Leichtfüßigkeit übertrifft uns die Gazelle, an Kraft jede große Raubkatze, der Gorilla oder der Bär. Wir können weder so gut schwimmen wie der Frosch, das Fliegen ist uns persönlich überhaupt versagt, um hundert Eigenschaften stehen wir hinter der Tier­welt zurück und auch die Geistestätigkeit fft nicht gegenüber dem Tier als solchem, sondern erst innerhalb der Menschenreihe so spezialisiert und hochgesteigert worden. Denn verglichen mit den höchst entwickelten Menschenaffen sind die geistigen Leistungen der elend dahinlebenden Feuerländer oder der Zwerge im großen Kongo-Urwald oder der weder das Feuer, noch den Hausbau oder den Bootbau kennenden Uraustralier dem Tiere nicht in dem Maße überlegen wie der Kulturmensch jenen niedrigsten Menschenrassen. Man hat mit Recht auch bezüglich des Geistigen sagen können, zwischen den höchsten Tierarten und den niedrigsten Menschenformen ist ein kleinerer Unterschied als zwischen diesen und den edelsten Vertretern der Menschheit.

Und dennoch ist der Mensch, den wir hier einmal von der Seite seiner Unzulänglichkeiten aus be­trachtet haben, für immer und unüberbrückbar von der Welt der reinen Natur geschieden durch eine geradezu ihn der Gottheit würdig machende, nur ihm allein zukommende Fähigkeit, die merkwürdiger­weise sowohl von der reinen Naturwissenschaft wie von der der Philosophie nicht genügend unserer Zeit ins Bewußtsein geprägt wird.

Das ist die Fähigkeit des Menschen, alle Eigen­schaften gleichzeitig zu entfalten und miteinander in einen Ausgleich zu bringen. Er fft gleichsam die zusammengelegte Natur. Er hat von allen Ge­schöpfen etwas, die gesamte Schöpfung hat zu­sammengewirkt, um ihn hervorzubringen, und es fft nicht bloß rein bildlich gesprochen, wenn man ihn die Krone der Schöpfting nennt. Er steht mit Recht an der Spitze des ganzen Systems, nicht nur als das zeitlich letzte Meisterwerk des Welten­werdens, sondern auch als das Geschöpf, in dem sich alles niedergeschlagen hat, was in den großen Schritten der Vervollkommnung und der einseitigen Anpassung durch die Leiter des Lebens vom ein­fachen Wesen bis zu ihm aus dem Lebensstoffe herausgekommen fft.

Der Mensch ist das erste wirklich harmonische Geschöpf auf Erden. Vielleicht erst ein erster, noch unglücklicher, wieder verworfener, darum unter- gehender Versuch der weltbauenden göttlichen Kraft. Jedenfalls aber eine Möglichkeit, harmonisch zu leben und darin Glück und Vollendung zu finden. Eine Möglichkeit, die allen übrigen Ge­schöpfen versagt war, was sie in den Bann eifern festgehaltener Unfreiheit und Instinkte schlug. Die erstaunliche Termite hat zweifelsohne eine Zivili­sation, aber sie fft ein Sklave der in sie gelegten undurchbrechbaren Lebensregel, der stolze Raub­vogel ist eine Marionette ein für allemal in ihn gelegter Gesetze, nur der Mensch kann alles sein, elend, tierisch, erbärmlich, häßlich, selbstmörderisch in seinem Gebaren und sinnig, genial, gut, vor­nehm, schön, veredelt und nach höchstem Adel, der Gottähnlichkeit selbst greifend, weil er innerhalb frei ist und dadurch auch fähig der Erhebung über sich selbst. Er kann den Teufel und den Gott in seiner Brust in einer Harmonie verschmelzen, seine Schwäche und seine Stärke zu einem Aus­gleich bringen, als einziger und erster das Leben meistern, statt ihm untertan zu sein.

Das prägt sich schon in dem Adel seiner Gestalt und seiner Gesichtszüge man halte ein griechi­sches Götterbild neben den Gorilla, das durch­dringt sein ganzes Wesen und hat ihn noch immer, wenn er in Einseitigkeiten verrannt war, zurück­geführt zu dem Leitstern, der leuchtend über der Menschheit glänzt: zu der Harmonie als Welt­anschauung und Lebensführung.