Einzelbild herunterladen

Nr. 192 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Donnerstag, !9. August (957

lösen und die Lederabfälle in einen brauchbaren Dünger zu verwandeln, der für unsere Volkswirt­schaft dadurch besonders von Bedeutung ist, daß er nach dem Ausland verkauft werden kann und die so nötigen Devisen hereinbringt.

An dieser Aufgabe kann jeder dadurch niithelfen, daß er die Schuhe in den Müll wirst. Von dort aus gelangen sie auf die städtischen Müllabfall­plätze, wo der Müll von vielen fleißigen Händen ausgelesen und das Lederschuhwerk besonders ge­sammelt wird.

Licht wird zum Feuer.

In unserem Zeitalter, in dem die Elektrizität als eines der wichtigsten licht-, kraft- und wärmespen­denden Mittel der Welt gilt, müßte man anneh­men, daß allen Kreisen der Bevölkerung neben den ungeheuren Vorteilen, die der elektrische Strom uns bietet, auch dessen Gefahren ausreichend bekannt sind. Allein, wir stoßen in der Statistik der Brände immer wieder auf Fälle, wo eine Lichtleitung als Brandursache angesehen werden muß. Der nach­gewiesene jährliche Schaden vernichteter Ernte­vorräte gibt Anlaß, auf Uebelstände hinzuweifen, die hundert-, ja tausendfach heute noch in land­wirtschaftlichen Betrieben nachzuweisen sind. Oft sind Ursachen von Scheunenbränden bis auf den heutigen Tag unaufgeklärt geblieben. Warum? Weil das Feuer auch die Beweismittel mit zerstört hat und so nicht einmal ein Anhaltspunkt für die Nachforschung blieb.

Man wird fragen, wieso denn der elektrische Strom beim heutigen Stand der Technik Brand­ursache darstellen kann. Wären alle elektrischen Lei­tungen nach modernsten Vorschriften gelegt, dann

gäbe es diese Fruge nicht. Da jedoch Lichtleitungen seit einem halben Menschenalter bestehen können und solche weder überholt, noch verändert sich auf dem Lande befinden, liegen Beschädigungen der Anlagen durchaus im Bereich der Möglichkeit. Ein einziger durchgescheuerter Draht, ein beschädigter Schalter, eine offene Abzweigdose können durch die geringste und stets wahrscheinliche Funkenbildung einen Brand entfachen. Jeder Kurzschluß und jeder geringste Erdschluß bedeutet eine Gefahrenquelle. Ein besonderes Kapitel von Brandursache bilden die elektrischen Sicherungen, denn nur zu gern werden solche mit Dräht, Haarnadeln oder Stan­niol beim Durchbrennen ausgebessert. Die Folge derart leichtfertigen Handelns ist nicht selten ein Brand, und gerade in landwirtschaftlichen Betrie­ben entsteht hierdurch oftmals Schaden von beträcht­licher Höhe. Gerade jetzt, zur Erntezeit, sollten die elektrischen Anlagen der Bauernhöfe auf Güte und Zuverlässigkeit von Fachleuten überprüft werden. Die Ausgaben bedeuten ein Nichts gegenüber einer Brandkatastrophe, die unersetzliche Werte vernich­ten kann.

Der Pantherpilz, ein gefährlicher Giftpilz.

Der Pantherpilz (Amanitha pantherina) gehört mit dem grünen Knollenblätterpilz, unserem gefährlich­sten Giftpilz, und mit dem Fliegenpilz zu den Knol­lenblätterpilzen. Am Stielgrund finden wir einen Knollen, der wie beim Knollenblätterpilz mit einer mehr oder weniger dicken Haut umgeben, in den Stiel also sozusagen eingepfropft ist. In feinem oberen Teil trägt der Stiel genau wie beim grünen

Knollenblätterpilz und beim Fliegenpilz eine herab­hängende Ringhaut, eineManschette", die beim Pantherpilz manchmal ziemlich vergänglich ist und infolgedessen undeutlich oder ganz verschwunden sein kann. Diese Manschette ist der Rest eines Schleiers, der in der Jugend die weißen Blättchen auf der Hutunterseite schützend verdeckt. Der NameKnol­lenblätterpilz" wird also durch den Knollen des Stielgrundes und durch die weißen Blättchen auf der Hutunterseite genügend verständlich. Der Hut selbst ist beim Pantherpilz von mehr oder weniger graubräunlicher Färbung, kann heller oder dunk­ler sein, sogar ganz weiß, und ist am Rand fein strahliggerieft. Der im Knollen eingepfropfte Stiel ist das beste Kennzeichen des Pantherpilzes. Der Hut ist wie beim Fliegenpilz mit weißen Hautflöck­chen bedeckt, den Resten der Gesamthülle, die im Jugendzustand von der weißen Haut des Knollens aus den gesamten Pilz umhüllt. Die weißen Hut­tüpfelchen werden ebenfalls genau wie beim Flie­genpilz leicht vom Regen abgewaschen. Der Geruch ist meist etwas unangenehm. Der Pantherschwamm wächst im Laub- und Nadelwald.

Sehr oft wird der Pantherschwamm mit dem sehr ähnlichen, aber eßbaren Perlpilz verwechselt, der

Dos soll Jhre Zahnbürste schossen?

Sie soll jeden winzigen und entlegenen Winkel Ihrer Zähne erreichen? Das wird sie nicht allein schaffen. Da muß schon Nivea-Zahnpasta helfen! Die sorgt dafür, daß jedes Eckchen gründlich und doch schonend gereinigt wird und daß Ihre Zähne weiß und gesund erhalten werden

Aus -er Stadt Gießen.

Drei Tage nach Urlaubs Ende.

. Wie sag ich's meinem Kinde? Wie bringe ich die­sen Vergleich auf schickliche Weise an? Also, ich meine, was in Theaterschwänken und Filmlustspie­len gelegentlich angehen mag und sogar jedesmal heftige Heiterkeit erregt, das könnte auch hier ein­mal ...

Heraus damit! Ich meine das Aufstoßen. Nicht den Schluckauf. Der ist was anderes. Der Schluckauf hat mit dem Essen nichts zu tun. Das Aufstoßen (und damit ist das unziemliche Wort zum vorletzten gesagt) aber sehr wohl. Uns heimgekehrten Urlau­bern und Ferienreisenden geht es jetzt wie den Leu­ten, denen eine gute Mahlzeit aufstößt.

Zuerst haben wir es gar nicht so gemerkt. Da war das Wiedersehen mit denen daheim. Das Er­zählen mit den Kollegen, die man ablöste und die vor lauter Freude auf den eigenen Urlaub gar keine Gelegenheit hatten, neidisch zu sein. Der erste, kleine Aerger über liegengebliebene Arbeit, von der man heimlich gehofft hatte, der liebe Nebenmann würde sie aufarbeiten. Die erste Freude über einen befriedigend erledigten Austraa.

Drei Tage verfliegen so schnell. Und mit einemmal stößt ... nein, das wollt ich ja nicht mehr sagen, mit einemmal kommt der Urlaubstraum zurück. Mit einmal träumst du davon, wieder aufzuwachen und zu wissen, du könntest jetzt weiter schlafen. Du drehst dich gemächlich auf die Seite. Du schaust durch die Fenster hinaus (dazu brauchst du nicht aufzustehen, denn die Fenster gehen bis zur Erde) du siehst den Himmel und das Meer. Nun hörst du es aucy. Es rauscht leise herauf. Die Sonne ist schon hoch­gestiegen, viel zu hoch, denkst du und springst mit beiden Beinen aus dem Bett und ...

Und bist wach. Denn der Wecker hat dich wach­gerappelt und alles vorher war nur ein Traum.

Der Traum, der vor vier Tagen noch Wirklich­keit war. r. k.

Vornofizen.

Tageskalender für Donnerstag.

Gloria-Palast (Seltersweg):Capriolen".

Otto Gebühr im Stadttheater Gießen.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Am Samstag, 21. August, findet ein einmaliges Gastspiel des bekannten Bühnen- und Filmkünst­lers Otto Gebühr im Stadttheater Gießen statt. Otto Gebühr spielt die Rolle desAlten Fritz" in Zwischen Abend und Morgen", eine Begebenheit in drei Akten von Zdenko von Kraft mit eigenem Berliner Ensemble. Spielleitung: Direktor Carl- Heinz Klubertanz, Berlin. Anfang der Vor­stellung 20 Uhr, Ende 22.15 Uhr.

Lebensmittel -Opferring der Ortsgruppe Gießen-Oft.

Die Sammlung wird Donnerstag, 19., und Frei­tag, 20. August, von der NS.-Frauenfchaft durch­geführt. Die Mitglieder wollen die Pfundpäckchen c-ereithalten und die Mitgliedskarte zur Eintragung oorlegen. Der Inhalt der Päckchen ist außen sichtbar inzugeben.

BOM.-Unfergau 116.

Dienstbefehl.

Am 19. August um 20.30 Uhr tritt der Standort Langsdorf zu einem Appell durch die Unter« ;auführerin am Heim an.

Verbrennt keine alten Schube!

NSG. Die meisten Menschen sind der Auffassung, las altes Lederschuhwerk nichts mehr wert ist, und !a sie es nicht mehr in den Ecken Herumstehen lassen Dollen, werfen sie es kurzerhand in den Ofen. Das ist grundfalsch! ...

Ebenso wie alle übrigen Altmaterialien, msbe= bnbere das Altpapier und die Metalle, gesammelt □erben sollen, müssen auch die alten Lederschuhe noieber nutzbar gemacht werden. Natürlich sind croße Mengen nötig, um eine lohnende Verwer­fung durchzuführen. Eine Mannheimer Firma ist in der Lage, durch ein besonderes Verfahren die Holz- und Eisenbestandteile aus den Schuhen zu

Körperliche Ertüchtigungein hohes Ziel der HI.

Oie Auslese der sportlichen Breitenarbeit der HI. trifft sich beim Gebietssportfest in Gießen.

Das große Gebietssportfest der HI., bas am fommenben Samstag unb Sonntag in Gießen stattfinbet, gab Veranlassung, dem Füh­rer des Bannes 116 einige Fragen über die Er­tüchtigungsarbeit der Hitler-Jugend, sowie über die Organisation und Durchführung dieser Kundgebung vorzulegen. Bannführer Rohrbach hat uns fol­gende Angaben zur Verfügung gestellt:

Schon während der Kampfzeit, lange vor 1933, haben wir Hitlerjungen allergrößten Wert darauf gelegt, daß unsere Junggenossen eine gute kör­perliche Ausbildung erfuhren. Den Terror der Straße, den die linksradikalen Elemente damals als Mittel des Klassenhasses und der Weltrevolution durchführten, konnten wir als jüngste Kampforga­nisation des Führers nur dadurch brechen, daß un­seren Ggnern mit unerbittlicher Strenge die Ein­satzbereitschaft jedes einzelnen Junggenossen ent­gegengesetzt wurde. So zogen wir damals, verfolgt von einer systemtreuen Polizei und verraten von Jungen, die unsere Kameraden hätten sein müssen, hinaus auf die Landstraßen und in dunkle Wälder und bildeten hier heimlich unsere Jungen aus. Menn wir Zeltlager oder Fahrten durchführten, träumten wir nicht vom siebenten Himmel oder ro­mantischen Schwärmereien, sondern wirkten auch bei dieser Gelegenheit darauf hin, daß unsere Kamera­den zäh und furchtlos wurden, um dem Ringen um die Macht gewachsen zu sein. Nur so konnten wir unsere Einsatzbereitschaft erhalten, nur so konnten wir dazu beitragen, daß der Führer die Macht er­langte.

Jahre sind seitdem vergangen! Der Kampf wurde ein anderer! Es geht nicht mehr darum, dem Ter­ror auf der Straße zu begegnen, sondern der deutschen Jugend eine neue geistige Haltung zu geben und damit das deutsche Volk einer neuen und schöneren Zukunft entgegenzufüh­ren. So sind die Z i e l e andere geworden, die Ausbildung blieb die gleiche.

Nur eine sportbegeisterte, leistungsfähige Ju­gend kann der Kulturträger für die deutsche Zu­kunft werden. Deshalb haben wir die sportliche Ausbildung verfeinert, auf alle Disziplinen aus­

gedehnt und uns noch mehr der Breitenarbeit zugewandt.

Heute gibt es keinen Hitlerjungen mehr, der nicht seine sportliche Ausbildung in seiner Einheit erfährt. Seitdem der Reichssportführer von Tscham- mer und Osten als Obergebietsführer der Reichs- jugendführung angehört, hat die Hitler-Jugend ein noch größeres Arbeitsgebiet bekommen. Sie pflegt heute bereits alle die Sportarten, die früher zer­splittert durchgeführt werden.

In ihren Sportabenden werden die Jungen ein­gehend überwacht und überprüft. Oesters finden Wettkämpfe statt, die den Jungen zwingen, seine ganze Kraft und Energie zusammen^unehmen und um den Sieg zu kämpfen. Aus unserer gesunden Breitenarbeit heraus treiben wir bewußt Aus­lese. Befähigte Sportler werden zu besonderen Anlässen herausgezogen und im Wettstreit mit kampfstarken Junggenossen aus anderen Einheiten zu noch größerer Leistung veranlaßt, lieber die Ausscheidungen innerhalb der Gefolgschaften und Banne kommen wir so zum Gebietssport­fest.

Hier trifft die Auslese aus Tausenden von Einheiten zusammen. Diese Zahl allein beweist, welche Unmasse von Arbeit und Organisation zu leisten ist, bis aus Zehntausenden von Ein­zelstarts im loo-rNeter-Lauf, Zehntausenden von Kugelstoßen oder Zehntausenden von Weit- sprüngen die 50 oder 100 besten Leistungen her- auskrisiatlisiert sind. Einzel- und Mannschafts- kämpfe müssen noch gesondert berechnet wer­den. Zu einer solch ungeheuren Breitenarbeit gehört aber auch die ärztliche Ueberwachung der Junggenossen, die von der Hitler-Jugend geleistet wird. Fest steht jetzt, daß am Sams­tag 1500 Sportler aus alten Teilen des Gaugebietes hier eintreffen und um die Gebietsmeisterschaft kämpfen.

Rur ein Außenstehender kann glauben, dafür sei feine große Organisation notwendig. Aber wenn

1500 Sportler kommen, dann erscheinen noch drei-, vier- und fünfmal so viel Hitlerjungen und Zu­schauer. Schon bei der Auswahl des Sportplatzes muß darauf Rücksicht genommen werden. Wenn 1500 Sportler zum Kampf antreten, müssen aus­reichende UmkleibegelegeuhMeu sowohl auf den Sportplätzen, wie in der Schwimmanstalt vorhan­den sein. Ausreichende Waschgelegenheit muß zur Verfügung gestellt werden. Aber 1500 Hitlerjungen wollen auch essen und schlafen.

Aus diesen kurzen, bei weitem nicht vollzähligen Angaben ist ohne weiteres zu erkennen, welch ge­waltige Vorbereitungen nötig sind, um ein so gro­ßes Sportfest zum Klappen zu bringen. Die Zeiten­folge war ein besonderes Schmerzenskind für unsere Veranstaltung, denn verschiedene Banne haben stun­denlange Fahrzeiten bis Gießen zu überwinden. Beginn und Ende der Veranstaltung mußten des­halb so gelegt, werden, daß auch die entferntest lie­genden Junggenossen noch bequem hier in Gießen starten können.

Wochenlange Vorbereitungen zum Gebietssport­fest stehen vor ihrem Abschluß. Die Hitler-Jugend des Bannes 116 ist gerüstet für den Empfang ihrer Kameraden. Hoffen wir nur, daß der Wettergott ein Einsehen fjat und den Zuschauern ein son­niges, warmes Wetter beschert. Uns Hitlerjungen ist die Witterung gleich, wir führen unsere Veran­staltung durch, auch wenn es Bindfaden regnet.

Zum Schluß möchte ich noch bemerken, daß die sportlichen Leistungen auf beachtlicher Stufe stehen werden. Die Kameraden aus Frankfurt a. M., Of­fenbach, Darmstadt, Mainz, Wiesbaden und Worms sorgen dafür, daß gute Ergebnisse erzielt werden.

Aber auch die hilterjungen des Ban­nes 116 werden in den Entscheidungen e i n Wort Mitzureben haben. Nach den bis­her vorliegenden Trainingsmeldungen haben wir sogar die Aussicht, die eine oder andere Ge­bietsmeisterschaft in Gießen zu behalten.

Karnpfesstoh und einsatzbereit steht die Hitlev Jugend! Mutig voran und nimmer verzagen! Hk.

Capriolen.

Lin Gusiav-Gründgens Film der Deutschen Forst- Film Prod.-Ges. im Gießener Gloria-Palast.

{Eine Fliegerin und ein Journalist, zwei so typische Exponenten der modernen Zeit, mühten sich t nden können, so sollte man meinen, zumal wenn l!<cn jeder den Beruf des anderen schrecklich un­sympathisch sindet und sie beide zur Vermeidung r gendwelcher Komplikationen sich schwören, künfttg- nün auf jede Berufsausübung zu verzichten. Die ruhmumstrahlte Ozeanfliegerin Mabel Atkinfon und ter berühmte Frauenkenner und Journalist Jack Darren haben sich gleichsam inkognito kennen- griernt und gerade das an sich gegenseitig lieben g-lernt, was bei aller Berühmtheit an ihnen mensch­lich geblieben ist. Er liebt nicht die kühne wag­halsige Fliegerin, die es in großartigen Sport» üiftungen mit jedem Manne ausuchmeu kann, son­dern das schütz- und liebebedürftige kleine Mädchen, bis beim Zahnarzt genau so viel Angst hat und sich tt inesroegs schämt, sie zu zeigen, wie jede andere ifrer Geschlechtsgenossinnen. Und sie findet in der Schale des blasierten, von den Frauen Neuyorks verwöhnten Journalisten den Kern eines guten, i einfachen, glückshungrigen Jungen, der auf Routine und Ueberlegenheit in dem Augenblick pfeift, roo er eine echte natürliche Frau gefunden hat. Und wirk­lich würden beide in ihrer im ersten gegenseitigen Erkennen ihres wahren Jchs mit stürmischem Elan g-schlosseneu Ehe ihr Glück gefunden haben, wenn acht... ja, wenn nicht zu vieleselbstlose Freunde i sich allzu eifrig darum sorgten, ob sie auch nun mrklich glücklich sind. Das Leben beginnt ferne Capriolen mit ihnen. Wie ein Symbol des Unsterns dlvht der 180-?5-Flugmotor über dem Ehebett des jirgen Paares, den mitfühlende Hände dort als ^schenk der Flugkameraden der jungen Frau auf» gchängt haben, lind als nun sie, den Schwur, der ihr Glück begründete, vergessend, bei einer Flugver- aiftaltung die tollsten Luftsprünge macht, kann Mch der Journalist in ihm das Mausen nicht lassen, 1 jimal eine interessante Filmdiva ihm auf der Stelle Z-legenheit dazu bietet. Wer will von Schuld ! nden, wenn die Capriolen nun das Paar in einen Wirbelwind von Mißverständnissen und Euttäuschun- M hineinreißen? Erst im Gerichtssaal des Richters ir Ehescheidungssachen finden beide ihre Besin­

nung und ihren eigenen Willen gegen den ihrer guten Freunde wieder. Der Fall Warren kontra Warren geht noch einmal gut aus.

Diese fast tragisch klingende Fabel hat der Regisseur Gustaf Gründgens auf einen über­mütig heiteren, kapriziösen Lustspielton gebracht, wozu sie bezeichnenderweise von den Verfassern des Drehbuches Jochen Huth und Willy Forst in amerikanisches Milieu transponiert wurde. Gr und- gens und Marianne Hoppe sind das junge Paar, dem man sein Glück nicht glauben will. Gründgens beherrscht mit unnachahmlicher Leichtigkeit Spiel und Dialog. Wie der blasierte sensattonsmude Routinier im Wartezimmer des Zahnarztes zum fast schüchternen Liebhaber wird, ist eine besonders hübsche Szene. Sein weiblicher Gegenpart hat es leichter, Marianne Hoppe bleibt das frische, natür­liche und schlichte Mädel, das sich durch eine ver­fängliche Situation wohl einmal irremachen laßt, aber schließlich doch fühlt, daß es nur Capriolen waren, die sie beide aus der Bahn werfen wollten. Dietreueste Freundin", geschwätzig, neugierig, aufdringlich, konnte nur Fita Denkhoff fein. Der Freund, ein netter, fescher, großer Junge, ist Volker von Collan de, der Filmstar, em Vamp mit gefährlichem Augenspiel M°na B a rd . der besorgte Verleger Hans Seibel Franz

Weber, ein korrekter Diener Max Gülstorfs und Paul Henckels em äußerst beredtes An­waltspaar, und Albert Flora th, Richter mit Sinn für den Humor einer Gapnole, die das wieder zusammenlaufen läßt, was ihre Genossinnen durch­einander wirbelten. *

Im Beiprogramm sah man einen pressanten Kilm über Zinnsoldaten, deren Entstehung nicht nur eine Sache unserer Jugend ist, denn viele ernsthafte Männer verbringen ihre Mußestunden £it dem Sammeln, Unfertigen und Bemalen der zierlichen kleinen Figuren, aus denen sich eindrucks- L Schlachtenbilder und historische Szenerien zu- sammenstellen lassen, wie das Z.nnfigurenmuseum au7 der Plassenburg bei Kulmbach in Oberfranken zeigt Die Wochenschau gibt Bilder von der Ber­liner Rundfunkausstellung und vom Breslauer Sängerbund essest. Schließlich läuft ein Vorspann des FilmsMadame Bovary" nach dem berühmten Roman Gustave Flauberts.

I. D.: Dr. Fr. W. Lange.

Oie Vergeltung.

Eine Geschichte aus Weimar.

Aus dertollen Zeit", die der junge Großherzog Karl August von Weimar mit seinem Liebling Goethe verlebte, wird manch toller Streich erzählt. In stillen Nächten wurden die guten Weimarer recht oft plötzlich durch Peitschengeknall und Hunde­gebell aus dem Schlummer gerissen, wenn die lustigen Herren vom Hofe in rasselnden Wagen und unter dem Klang der Hifthörner von ihren Jagd- ausflügen heimkehrten.

Bei einem solchen Jagdausfluge kamen der Fürst und der Dichter zufällig vom Gefolge ab und kehr­ten in ein einsames Bauerngehöft ein, um ihren Durst zu löschen. Sie fanden die Bäuerin in voller Tätigkeit am Butterfaß und baten sie höflich um ein Glas Milch ober dergleichen. Und sofort hörte die Bäuerin auf, ihren unvermuteten Gästen ein Glas kühle Milch aus der Kammer zu holen.

Kaum hatte sie aber die Stube verlassen, als der übermütige Großherzog einen schwarzen Kater, den er schon vorher auf einer Bank entdeckt hatte, beim Fell ergriff, ihn in das Butterfaß steckte, den Deckel darüber stülpte und seine schwere Jagdtasche dar­über warf, so daß sich das Tier auch bei größten Anstrengungen nicht befreien konnte.

Die Bäuerin kam arglos wieder herein unb reichte ben beiben ben erfrischenben Trunk. Bis bie Gläser geleert waren, würbe sie von ihren Gästen mit Fragen nach allerlei Dingen beschäftigt. Dann ent­fernten sich bie beiben Jäger unb stellten sich ver­gnügt bas Gesicht ihrer Gastgeberin vor, wenn sie ihren Kater in seinem seltsamen Gefängnis entdecken würbe.

Dem Großherzog aber unb auch Goethe wollte bieser lose Streich nicht aus bem Sinn gehen. Sie nahmen sich vor, bie biebere Bäuerin bei der nächsten Gelegenheit reichlich für ben Schabernack unb ben Verlust ber Butter zu entschädigen. Unb wenige Wochen später, als wieber eine Jagd in ber Gegenb abgehalten würbe, suchten sie absichtlich bas abgelegene Häuschen auf. .

Ei", rief bie Bäuerin,bas sinb ja bie Her­ren ..." .

... bie Euch", fiel ber Großherzog em,damals den kleinen Schabernack gespielt haben, Mütterchen. Ader bie Herren sinb nicht so böse, wie Ähr viel­

leicht glaubt. Hier, nehmt eine kleine Entschädigung bafür, benn mit ber Butter habt Ihr bvch nichts angefangen."

Die Bäuerin strich zunächst schweigenb bas Golb» stück ein, bann blinzelte Jie schlau unb meinte lächelnb:Das war nicht so schlimm, bie Butter ist an ben Hof von Weimar gekommen!"

Einen Augenblick stauben ber Großherzog und Goethe starr von Ueberraschung. Einer sah ben an- bereu stumm an. Dann aber wandte sich Goethe mit nachdenklichem Gesicht ab und sagte nur ein einziges Wort:Vergeltung!" A. N.

Zeitschriften.

Das H e s s e n l a u d. Die in neuem Gewände von Dr. C. Hitzeroth in Marburg herausgegebeue Heimatzeitschrift für Kurhesseu bringt in Heft 7 unb 8 ihres 48. Jahrgangs eine interessante, gut bebil­derte Uebersicht über bie Autikeu-Sammluug im Laudgrafeu-Museum zu Kassel und eine ähnlich« Betrachtung Helmut Kramms über die Neugestal­tung der Räume, bie in ber Kasseler Galerie ben Nieberläubern geroibmet sinb. Ein Aufsatz von Dr. Raimunb Pissiu beschäftigt sich mit Naturforschern unb Scharlatanen am Hofe ber hessischen Laub­grafen. Johann Heinrich Schwalm erzählt Ge­spenstergeschichten aus ber Schwalm. Ein Gedeuk- aufsatz für ben 80jährigeu Carl Bantzer schließt das interessante unb vielseitig gestaltete Heft.

Nette, vorbilbliche Kleibuug für Knaben unb Mädchen im Alter van 1 bis 15 Jahren schneidert bie sparsame Hausfrau unb Mutter selbst! Es gibt so viele billige Stoffe aus Zellwolle, Kunstseide, Vistragarueu, aus denen sich entzückende Dinge für die Kleinen in luftigen bunten Farben Herstellen lassen. Aufs Beste unterstützt babei Beyers Modeführer Herbst - Winter 1937/38 Banb 2, Kiuberkleibuug (Verlag Otto Beyer, Leipzig). Ob es sich um ein Hängerchen haubelt, um Kleibuug für Schule unb Haus, Ge­schwister- ober Bach fisch kleid er, winterliche Straßeu- auzüge, Mäntel für Mädchen unb Knaben, Anzüge für bie Buben ober um Kinberwäsche, leicht wirb man unter ben 238 zum Teil farbig roiebergegebe- neu Mobellen etwas finben. Nach ben zu allen Mobellen erhältlichenBunten Beyer-Schnitten" ist bas Schueiberu so einfach, baß sich auch wenig Ge­übte baran wagen bürfen. Dem nützlichen Heft liegt ein Schnittbogen mit 38 schönen Mobellen bei.