ebenfalls zu den Knollenblätterpilzen gehört. Beim Perlpilz ist der Knollen nicht mit dem charakteri- stisch in eine Hülle eingepfropften Stiel versehen wie beim Pantherpilz, und das Fleisch läuft vor allem bei Bruch oder Schnitt langsam rötlich an. Das ist das beste Kennzeichen für den Perlpilz. Da die Verwechslung beider Pilze zu leicht möglich ist, sollte der Perlpilz nur von dem ganz erfahrenen Kenner zum Genuß gesammelt werden
Der Pantherpilz hat durch Verwechslung mit dem Perlpilz in den letzten Jahren überraschend viele, zum Teil recht schwere Vergiftungen verursacht, im Jahre 1934 allein in Plauen mehr als 50 23er« giftungsfälle. Während sich die Vergiftung durch den schlimmsten Giftpilz, den grünen Knollenblät« terpilz, erst nach vielen Stunden (6 bis 40) be« merkbar macht, wenn ost, keine Hilfe mehr möglich ist, wirkt sich die Pa'ntherpilzvergiftung schon bald nach dem Genuß aus.
Benommenheit, Schwindelgefühl, Kopfschmerzen usw. sind die ersten Anzeichen der Vergiftung. Meist folgen Leibschmerzen und Erbrechen. Wenn nicht sofort der Arzt eingreift, fteigern sich die Schwindel« anfälle bis zum trunkenheltsähnlichen Umhertaumeln. Krampfartige Zuckungen mit anschließender Gliederstarre folgen dann. Das Nervensystem versagt mehr oder weniger. Jrrereden und Toben sind häufig, auch auffallende Sehstörungen mit Pupillenerweiterung.
Wie bei jeder Pilzvergiftung ist natürlich auch hier die sofortige ärztliche Behandlung notwendig, am besten die Ueberführuna in das nächste Krankenhaus. Dort wird die sofortige Leerung von Magen und Darm durch Abführ- und Brechmittel, durch Einläufe und Magenspülungen herbeigeführt. Völlige Gesundung tritt dann rasch, meist innerhalb weniger Tage ein.
Um Mitteilung aller Pilzvergiftungen mit der genauen Angabe sämtlicher Einzelheiten bittet das Mykologische Institut der Deutschen Gesellschaft für Pilzkunde, Hessische Landesstelle für Pilz- und Hausschwamm-Beratung, Darmstadt, Fernruf 4755.
Gießener Wochenmarktpretje.
* Gießen, 19. Aug. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, ausländische, Klasse B 11%, Wirsing, % kg 9 bis 12, Weißkraut 8, Rotkraut 9 bis 12, gelbe Rüben 9, Karotten 8 bis 12, rote Rüben 9 bis 12, Spinat 20, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 15 bis 25, gelb 15 bis 22, Erbsen 20 bis 35, Tomaten 12 bis 22, Zwiebeln 10 bis 12, Kürbis 5 bis 7, Kartoffeln, neue, % kg 5 Pf., 5 kg 45 bis 50, 50 kg 4 bis 4,50 Mark, Frühäpfel, % kg 15 bis 40 Pf., Falläpfel 5 bis 6, Pfirsiche 30 bis 45, Brombeeren 30 bis 35, Preiselbeeren 35 bis 38, Birnen 18 bis 40, Zwetschen 14 bis 30, Mirabellen 35 bis 40, Renekloden 25 bis 30 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mark, Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Blumenkohl 10 bis 45, Salat 8 bis 9, Salatgurken 4 bis 20, Einmachgurken 1% bis 2, Endivien 9 bis 12, Oberkohlrabi 5 bis 8, Lauck 6 bis 8, Rettich 5 bis 10, Sellerie 10, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Pf.
*
** 23 e i der Arbeit verunglückt. Am gestrigen Mittwochnachmittag stürzte der 19 Jahre alte Weißbinder Adolf Schmidt aus Rodheim an der Bieber bei Weißbinderarbeiten an dem Gebäude der Oeffentlichen Handelslehranstalt Ecke Wernerwall-Steinstraße aus etwa fünf Meter Höhe so unglücklich vom Gerüst, daß er bewußtlos mit einem Schädelbruch und einem Bruch des linken Unterarms von der Sanitätskolonne nach der Chirurgischen Klinik gebracht werden mußten. Dort liegt der bedauernswerte junge Mann heute vormittag noch in ernstem Zustande darnieder.
Amtsgericht Gießen.
Gegen einen Strafbefehl über zwei Wochen Gefängnis wegen Körperverletzung hatte der L. H. aus Gießen Einspruch eingelegt, der gestern vor dem Amtsgericht verhandelt wurde. Die Feststellun- fien ergaben, daß der Angeklagte ein Kind aus einer Nachbarschaft schlug, weil dieses sein eigenes Kind an den Haaren gezogen hatte. Da der Angeklagte das Kind nicht mißhandelt, sondern regelrecht gezüchtet hatte, hielt das Gericht eine Geld-
[träfe für ausreichend und erkannte auf eine solche in Höhe von 3 0 Mark.
Weiterhin hatten sich der K. Sch. und der E. B. aus Wetzlar wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und Beamtenbeleidigung zu verantworten. Die Angeklagten, von denen der Sch. stark ange- trungen war, kamen vor einiger Zeit durch den Nie- gelpfad und wollten in Richtung Bahnhof gehen. Unterwegs begegnete ihnen ein Mädchen, dem der Angeklagte Sch. nachlief, um es anzuhalten. Diese Szene beobachtete ein Polizist, der darauf einschritt und die Personalien festzustellen versuchte. Der Angeklagte riß sich jedoch los und beschimpfte den Beamten in der wüstesten Weise. Als der Polizei
beamte zur Festnahme schreiten wollte, bequemte sich der andere Angeklagte, die Personalien beider anzugeben, worauf die Festnahme unterblieb. Die Hauptoerhandlung ergab einwandfrei, daß der Angeklagte B. an dem Vorfall schuldlos war. Er wurde daraufhin frelgesprochen. Der Angeklagte Sch. gab die Möglichkeit zu, daß der Vorfall sich so abgespielt habe, er behauptete jedoch, sich infolge seiner großen Trunkenheit auf Einzelheiten nicht mehr entsinnen zu können. Da der Angeklagte bisher unoorbestraft ist, den Vorfall bereute und sich auch bei dem Polizeibeamten entschuldigte, sah das Gericht von einer Freiheitsstrafe ab und erkannte auf 200 Mark Geldstrafe.
Vorsicht! — Spione am Werk!
Das deutsche Volk und der deutsche Durchschnitts- bürget haben immer in dem Rufe gestanden, ver- trauensselig und manchmal gutmütig zu fein. Wir wissen, daß sich andere Nationen nicht gescheut haben, diese Eigenschaften der Deutschen gebührend auszunutzen. Der Nationalsozialismus hat auch auf diesem Gebiete ein Stück Erziehungsarbeit geleistet, das einen Wandel herbeiführte. Heute hört man im Auslande oft die „Klage", daß die Deut- fchen in allen Dingen ihres Staates und chres Volkes überaus selbstbewußt, manchmal auch verschlos- sen und abweisend seien. Wenn dieses Urteil zutrifft, so könnte man damit zufrieden sein, denn noch keinem Ausländer ist es eingefallen, einem Deutschen die wichtigsten Geheimnisse feines eigenen Staates auf die Nase zu binden. Aber es gibt im Ausland genug Leute, die ein Interesse daran haben, möglichst viel und möglichst wichtige Dinge aus Deutschland zu erfahren. Hier fetzt Der ausländische Geheimdienst ein, die Spionage. Die Spionage ist also nicht nur eine Sache, die es im Kriege gibt, sondern sie ist ganz besonders Daran interessiert, laufend und dauernd über Vorgänge und Entwicklungen in Deutschland unterrichtet zu sein.
Die moderne Form der Spionage arbeitet allerdings ganz anders, als es im Film oder in manchen Romanen geschieht. Sie sucht durch ihre Aaen- ten nach neuen Wegen und benutzt gern die Notlage einzelner Mitmenschen, um diese für ihre Zwecke einzufangen. Dann, wenn sie erst einmal eine Auskunft gegeben haben, hat der Spionagedienst ihr Schicksal in der Hand. Mit der Drohung,
solche Menschen, die ihm ins Garn liefen, bei ihren eigenen Behörden au verraten, wird es ihm möglich fein, immer neue Angaben von ihnen zu erpressen. Dor einigen Tagen hat ein Zeitungsartikel gezeigt, nach welchen Methoden gearbeitet wird. Ein Ausländer, wohnhaft nicht weit von der deutschen Grenze in Böhmen, bietet Geld durch Inserate und zu günstigen Bedingungen an. Der geldbedürftige Zeitgenosse erhält die freundliche Einladung, nach dem Ort jenseits der Grenze zu kommen und alles Nötige zu verabreden. Er wird ausgefragt und sagt, was er weiß, ohne den Zweck Der Fratzen zu ahnen. Er bekommt etwas Geld und erhält die Einladung, die nächste Rate demnächst abzuholen. Nun werden die Fragen deutlicher, und das Opfer dieser raffinierten Taktik merkt endlich, worum es sich handelt. Der Agent der deutschfeindlichen Macht hat aber bereits das Druckmittel in der Hand, um sein Opfer weiter einzuschüchtern und gefügig zu machen.
Es gibt auch andere Methoden, um auf ähnliche harmlose Art an deutsche Menschen heranzukommen und von ihnen Auskünste über alles Mögliche zu erhalten: über die Beschäftigung der Industrie, Die Rohstofflage, Die Flugzeugwerke, über neue Garnison, Eifenbahnanlagen usw. überall sitzen die Agen- ten: in manchen Städten in Böhmen, in Antwerpen, Brüssel, Lüttich, Derviers, Warschau, Gdingen usw.
Wer allem Unglück vorbeugen will, soll sich auf keinen noch so freundlichen und harmlosen Brief verdächtiger Herkunft einlassen, sondern ihn einfach der Staatspolizei übergeben!
Verhütet Brände!
Die Reichsarbeitsgemeinschaft Schadenverhütung unternimmt zur Zeit eine große Aufklärung s- attion zur Brandschadenverhütung. Wenn sie im Augenblick vor allem dem flachen Lande nahegebracht wird, damit die kostbare Ernte nicht durch Torheit und Fahrlässigkeit Der Menschen gefährdet wird, so appelliert diese Aufklärung auch an die Menschen Der Städte und unter ihnen ganz besonders an die Frauen. Ihnen kommt bei Der Sckadenverhütung jeder Art eine bedeutsame Aus- gäbe zu.
Als Mutter vor allem kann sie durch Erziehung und Beispiel ihre Kinder vor Schadenstiftung bewahren, die oft genug auch für sie selbst zur Lebensgefahr wird.
Wenn wir erfahren, daß es in Deutschland täglich dreizehnmal brennt, nur weil Kinder allein gelassen, mit Streichhölzern spiellen, an Herd und Ofen stocherten u. ä„ so wird uns deutlich, welche Sorgfalt aufzuwenden ist, um die schuldig-unschuldigen Schadenstifter vor ihrem Tun zu schützen.
In zehn Jahren, so sagt uns die Brandenburgische Feuersozietät, entstehen in Deutschland durch Kinderhand so viele Brandschäden, daß sie einem Brandunglück gleichkommen, das eine ganze Stadt in Trümmer legt. In jedem Jahr aber kommen dabei etwa tausend Kinder in Den Flammen um.
Jede Mutter hat darum die Pflicht, ihre Kinder vor dem Spiel mit Streichhölzern aufs eindringlichste zu warnen und ihnen vor allem die Möglichkeit dazu durch eigene Achtsamkeit zu nehmen. Streich-
holzschackteln müssen immer so hoch liegen, daß ein kleines Kind nicht heranreicht. Auch vor Dem Spielen am Gasherd muß sie ihre Klemen nötigenfalls mit Strafe nzurückhalten. Oefters eine Inspektion Der Hosentaschen ihrer Schulbuben kann auch nicht schaden; Die haben oft Streichhölzer, kleine Feuer- zeuge, Brenngläser und andere Brandstifter zum Inhalt.
Auch die Hausfrau selbst muh sich immer wieder prüfen, ob sie auch für ihre Person jede Brandgefährdung vermeidet.
Wieoiele Opfer fordert allein das Handschuhreini- gen mit Benzin! Und immer wieder geschieht es unter Außerachtlassen der nötigen Vorsicht. So ging erst jüngst eine Mitteilung durch die Presse, daß eine Frau durch eine Benzinreinigung eine Explosion verursachte, die nicht allein einen großen Brand auslöste, sondern sie selbst schwer zu Schaden brachte. Es brannte in der Küche kein Feuer — aber die zu Boden gesunkenen Benzindämpfe (Benzinbämpse sind schwerer als Luft und sammeln sich daher am Boden) entzündeten sich von unten her an der winzigen Flamme des Gastühlschrankes und das Unglück war geschehen.
Die Elektrizität im Hause ist eine Wohltat und wird zur Gefahrenquelle, wenn wir die Leitungen und Kontakte nicht pfleglich behandeln. Das elektrische Bügeleisen muß ausgeschaltet werden, auch wenn wir meinen, daß wir nur auf Minuten abge- rufen sind. Solche Handgriffe müssen uns so zur Gewohnheit werden, daß sie einfach automatisch ausgeführt werden. Wenn wir Gasgeruch wahrzu
nehmen meinen, Dürfen wir Die Leitung nicht mit einem offenen Licht nach Der schadhaft gewordenen Stelle ableuchten, die Gefahr einer Explosion ist rie- sengroß. Wir ermitteln die Ursache durch Bepinseln mit Seifenlauge — der kleinste Riß im Rohr zeigt sich dadurch an, daß sich Schaumblasen bilden. Der Gasschlauch muß von Zeit zu Zeit auf seine Dichtigkeit nachgeprüft werden; ebenso, ob er fest sitzt. Gasbadeöfen verlangen sorgfältige Bedienung. Man achte Darauf, ob beim Anzünden gleich sämtliche Flammen brennen. Leicht brennbares Mate, rial: Benzin, Terpentin u. ä. dürfen nicht in der Nähe des Herdes aufbewahrt werden, sondern mög. lichst weit Davon entfernt, im besten in Fensternähe. Holz und Jeuerzünder nickt im oDer unterm Herd verstauen, wenn er feuerbereit wird.
Trotz aller Warnungen entstehen immer wieder Brände und Unglücksfälle durch die Unsitte, schlecht brennendes Feuer in Ofen oder Herd mit Petroleum anzufachen. Nur zu oft kommt es vor, daß dabei die Flamme zurückschlägt und das kleid der Hausfrau erfaßt.
Ader auch Dem Hausherrn kann ein Wort Der Mahnung nicht schaden: wie oft wirft er das Streichholz mit dem er feine Zigarette entzündete,
Im hilferocch „Mutter und Kind" SR1 liegt unser Bekenntnis zur Öeutfdien
Mutter ole Trägerin Oie völkisches tedene.
sorglos in Den Papierkorb in Der Meinung, es ausgelöscht zu haben. Auch Durch glimmenDe Zigarrenstummel, Durch Funkenflug aus Der Pfeife sind schon BränDe entfacht roorDen. Das Zigarettenrau« chen im Bett hat schon manches Menschenleben gekostet.
Nur wenn wir uns bei jeglicher AnwenDung von Feuer und Licht bewußt sind, Daß jede Fahr- lässigkeit nicht nur uns selbst, sonDern Die Gesamtheit aufs schwerste mit Gefahren beDroht, wird es gelingen, Die Zahl Der BränDe, Die heute noch zu Drei Vierteln Durch Unvorsichtigkeit entstehen, zu ver- mindern.
Itandsunkproqramm
Freitag, 20. August.
6 Uhr: Choral. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bäderkonzert. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau, hör zu! 10.45: Mutter turnt und spielt mit Dem Kinde. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. Offene Stellen. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Kleines Raritätenkabinett. 15: Volk und Wirtschaft. Was einem zwischen Tür und Angel passieren kann ... 16: Nachmittagskonzert. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Wasserspiele. 21: Nachrichten. 21.15: Heiterer musikalischer Abend. Neue Liedmusik aus Oesterreich. 22: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 22.15: Europa-Wasserball-Turnier: Deutschland — Oesterreich. 22.30: Tanzmusik. 24 bis 1: Nachtkonzert.
Samstag, 21. August.
6 Uhr: Choral. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 8.10: Gymnastik. 8.30: Morgenmusik. 10: Schulfunk. 10.30: Hausfrau, hör zu! 11.40: Gau- nachrichten. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten, auch aus Dem Sendebezirk. Offene Stellen. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Alles in Dur. 15.15: Volk und Wirtschaft. Allerlei Neuigkeiten. 15.30: Alle Tage ist kein Sonntag ... Volkstümliche Lieder. 16: Stuttgart soielt auf. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Heute abend großes Extra-Konzert. Schmunzelnde Rückerinnerung an Klänge eines Biergartens um 1910. 21: Nachrichten. 21.15: Herzlichen Gruß aus Swinemünde, Dein ... Ein heiterer Reisebrief mit Musik. 22: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 22.30: Wir tanzen in Den Sonntag.
Susannes Tochter.
Vornan von Hedda Westenberger.
Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlins35
28 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Sie haben sich wohl in der Tür geirrt!" flüstert Renz verhalten und voller Hohn. „Haben Sie wirklich geglaubt, daß Sabine Ihnen öffnen wird?"
Michailow zuckt Die Achseln. Sie stehen eine Weile stumm und ratlos voreinander mit stoßendem Atem, beide die Fäuste geballt, beide blaß vor Wut.
Schließlich drückt Michailow sich an Renz vorbei, um denselben Weg, den er gekommen ist, wieder davonzuschleichen.
Renz sieht erstaunt dem andern nach: ein so schnelles Nachgeben hat er nicht erwartet. Dann folgt er entschlossen Michailow über die Treppe hinunter.
Por Michailows Tür, wo die kleine Notlampe brennt, nimmt diese unheimliche, stumme Wanderung der erbitterten Feinde ein jähes Ende. Michai- low dreht sich mit einem Ruck nach Renz um und zisckr ihn wütend an: „Bestie du .. "
Renz gibt keine Antwort. Er lächelt nur voll Hoh und Triumph.
Michailow, die Fäuste geballt, mißt ihn zornbebend von oben bis unten und stößt einen wütenden russischen Fluch zwischen den Zähnen hervor, Den Renz wieder nur mit einem kalten, hohnvollen Lächeln beantwortet.
Das macht Michailow halb besinnungslos vor Zorn: „Ich schlag' dich nieder du ..." und schon fährt seine Hand mit gutgezieltem Schlag Renz ins Gesicht.
Aber Renz hat sich katzenhaft geduckt und schnellt nun hoch, um Michailow anzugreifen. Eine Sekunde später ist das stille, nächtliche Haus erfüllt von dem wilden, kaum verhaltenen Keuchen der beiden kämpfenden Männer, vom dumpfen Stoßen ihrer Körper, vom harten Auftreffen ihrer Fäuste, von ihrem Aechzen und Stöhnen und ihren wütend heroorgeprehten Flüchen.
Renz taumelt ein paarmal wie betäubt gegen Die Wand, aber dann gelingt es ihm, Michailow umzulegen, und nun, da beide schon am Boden sich wälzen, gewinnt Renz langsam die Oberhand. Mit Aufbietung letzter Kräfte setzt er Michailow ein Knie auf die Brust. Noch keuchend vor Anstrengung sagt er ihm ins Gesicht: „Noch ein Annäherungsversuch an Das Mäbel — unD Die Sache mit Den gestohlenen Füchsen wird in Umlauf gesetzt. Verstanden? ..."
Michailow, der tzerade zu neuem Angriff aus» holen will, zuckt zusammen. „Welche Sache ... mit den Füchsen ..." fragt er mühsam.
„Du weißt schon ganz gut", sagt Renz heiser und merkt gar nicht, daß er Den feinen Herrn 3gor Michailow mit du anredet. „Verstell' dich nur nicht! Und wenn du leugnest, so fahr' ich über die Grenze und hol' dir die Tiere her. Dann wird Dir das Leugnen vergehen, denk' ich."
- Michailows Gesicht sieht beinahe grün aus, in dem fahlen Licht. Er wendet es ab und schließt wie in Schwäche die Augen. Als er sie wieder öffnet und sie nun gerade auf Renz richtet, ist ein verkniffenes Lächeln darin. „Wieviel willst du?" fragt er leise.
Ein verächtlicher Stoß vor die Brust trifft Mi- chailow. „Schuft, du ... daß du Sabine in Ruhe läßt, will ich. Sonst nichts."
Renz gibt Michailow angeekelt frei. Er steht auf, lehnt sich gegen die Wand und sieht zu, wie auch Michailow sich vorsichtig aufsetzt, übertrieben sorgsam den Rock säuoert und danach mit zitternden Fingern nach der Zigarettenschachtel tastet. Dann flammt ein Streichholz auf, und während Michailow den Rauch genießerisch durch die Nase aus« stößt, fragt er unsicher: „Du bist also bereit zu schweigen, wenn ich dir Sabine lasse?"
Ihm Sabine lassen? Was soll das heißen? Was denkt sich denn der Kerl? Ach, soll er doch denken, was er will. Soll er sich doch in seiner schmutzigen Phantasie ruhig vorstellen, Renz habe ihm nur darum nachgestellt, um Das Mädel nachher für sich Zu gewinnen. Soll er doch! Die Hauptsache ist ja, daß Sabine endlich vor diesem Windhund Ruhe bekommt.
Kühl und sachlich antwortet er setzt: „Gut, ab- gemacht. Solange du Sabine in Ruhe läßt, weiß ich nichts von der Sache mit Den Füchsen."
Michailow atmet erleichtert auf und wiederholt zufrieden: „Abgemacht also. Aber vielleicht sagst du mir nun, woher du die Weisheit hast? Ich meine, wieso du ..."
Renz betrachtet ihn angewidert. „Vielleicht von Maschinka selber..."
„Don Maschinka? ..." ♦
Es ist hoher Sommer. Die Tage sind so warm, daß man schon in aller Herrgottsfrühe im Weiher bähen kann. Wünsch hat es als erster festgestellt, dann hat Sabine es ihm nachgetan, und neuerdings gesellt sich auch Lyk manchmal zu ihnen.
2luch heute taucht er plötzlich auf und läßt sich 'plumpsend in das kühle Wasser fallen, um dann eifrig neben Wünsch herzuschwimmen, Der korrekt
sein DutzenD Runden arbeitet und sick durch nichts von seinem Kurs abhalten läßt — nicyt einmal von Sabine.
Lyk hat heute etwas auf Dem Herzen. Aber Wünsch will schwimmen und nicht reden. Er kann es überhaupt nicht leiden, wenn jemand so dicht neben ihm herschwimmt und so schnauft und plätschert und alle Minuten die Lage wechselt. Wünsch ist der Meinung, daß dies in Der Taufrische des Morgens ein Vergehen an Der Natur ist. Hätte Lyk ihn nicht so herzlich aufgeforDert, seinen ursprünglich Doch rein geschäftlich geDachten Besuch auf ein paar Wochen auszuDehnen unD sich als Gast auf Dem Gut zu Hause zu fühlen — Wünsch hätte sich wahrhaftig Dies Nebenyerschwimmen grünDlich verbeten.
Heute will es ihm gar nicht gelingen, Lvk abzu- hängen. Vielmehr wirD Lyk plötzlich aggressiv, legt sich quer vor Wünschs Bahn, tritt Wasser unD sagt einDringlich: „Hören Sie — haben Sie sich mal Den Renz angesehen?"
Wünsch versucht, um Lyk herum zu schwimmen, unD Die Frage mit Kopfschütteln zu beantworten unD abzutun, aber Lyk läßt ihn nicht vorbei: „Sie müssen sich Den Renz aber mal ansehen ... sagt er beDeutsam.
Wünsch gibt mit einem heimlichen Seufzer das Weiterschwimmen auf unD legt sich auf Den Rücken. „Was ist Denn? Ist er roieDer betrunken?"
Lyk beobachtet vorsichtig Sabine, Die zwischen Dem Schilf am anDeren EnDe Des Weihers herum- olätschert: „Nein, Das glaub’ ich nicht. Aber er hat so merkwürDige Augen. UnD von Joseph weiß ich, haß Renz immer zu sich selbst spricht, keine Arbeit zu EnDe macht unD sich beim Essen komisch benimmt."
„Na, unD?"
Lyk schwimmt halb um Wünsch herum und legt sich Dann gleichfalls auf Den Rücken: „Ich fürchte, Daß es ihn jetzt wieDer mal packt Er soll Doch Ouartalssäufer sein. Na, und was machen wir bann?"
Was für eine Sünde, an so einem köstlichen Mor- gen so widerwärtiges Zeug reden zu müssen, denkt Wünsch betrübt. Laut sagt er: „Dagegen ist kein Kraut gewachsen. Höchstens können Sie dafür sorgen, daß er hier nichts Trinkbares oorfinbet."
„3a, das werbe ich auch tun. Aber ich weiß nicht, ich sinbe überhaupt, daß unbehagliche Luft auf dem Hof ift Michailow rennt auch mit einem finsteren Aesicht herum und macht auf einmal einen hinter- haltigen lichtscheuen Eindruck Schwimmen will er nicht mit uns, ausreiten will er nicht.mit Sabine, und komischerweise will Sabine auch nicht. Jetzt,
wo es so heiß sei, bade sie lieber, sagte sie verlegen. Wie finden Sie das? Manchmal hab' ich direkt das Gefühl, daß es hinter meinem Rücken einen Krach gegeben ober baß iemanb irgendeine Intrige gesponnen hat — weiß der Teufel. Jedenfalls gefällt mir die Luft unter den Leuten auf dem Gut nicht, und am wenigsten gefällt mir Der Renz."
Wünsch schweigt eine Weile unD rudert ein bißchen mit den Armen. Dann legt er sich wieder still hin und faßt vorsichtig: „Mir ist nur ausgefallen, daß Fräulein Sabine Kummer hat."
„Sabine? Nanu!"
„Ja", nickt Wünsch und fügt Dann rasch hinzu: „Aber mehr weiß ich auch nicht. Und ich kann mich irren."
Dann wirft er sich herum, und jetzt gelingt es ihm, an Lyk oorbeizukommen und seine Runde wieder aufzunehmen.
Lyk starrt seine Beine an, die beim Wassertreten so merkwürdig kurz und gedrungen aussehen. So, Sabine hat Kummer. Aber das ist im Augenblick nicht so wichtig. Renz beunruhigt ihn mehr. Wenn er wirklich einen Anfall bekommt, daß er dann wenigstens nichts Dummes sagt. Ob er einmal mit ihm Darüber spricht?
Lnk sieht einen Augenblick geDanfenlos Sabine AU, Die zu kraulen versucht unb Dabei immer unter Wasser gerät unD pruftenD hochkommt — Dann schwimmt er plötzlich an ßanD, nimmt Den Bademantel und geht triefend davon.
„Warum gehen Sie denn schon, Herr Lyk? ruft Sabine hinter ihm her.
Lyk winkt nur ab, was besagen soll: laßt euch nicht stören, Kinder...
Wenig später sieht Lyk Renz beim Stallausmtsten zu. Renz' Gesicht ist eingefallen, krank und unruhig erscheint es Lyk. Und die Augen flackern, als ob bas Fieber in ihnen hockte, irgendein böses Fieber kurz vor Drm Ausbrechen ...
Und wie hastig und fahrig er mit Dem Strobbesen herumwirtschaftet... Und da — Die in Der Ecke. Nein, Drei!
Gezwungen munter fragt Lyk: „Was fehlt Ihnen eigentlich, Renz? Sie sehen ja jämmerlich aus. Essen Sie nicht genug? WirD Ihnen Die Arbeit zuviel?'
Renz stützt sich etwas zittrig auf Den Besen: „Mir fehlt nichts, Herr Lyk. Nicht, Daß ich wüßte. Aber zugleich geht ein Zittern auch über sein Gesicht, unD Der MunD unter dem wirren Bart zuckt in Den Winkeln.
Lyk wartet eine Weile, bann tritt er tiefer in Den Dämmerigen Stall hinein. „Wollen wir nicht fieber Deutsch reDen, Renz?"
Fortsetzung folgt


