Montag. 19. Juli 1957
lir.165 Erstes Blatt
187. Jahrgang
stein sein auf Ihrem Wei
Der Führer spricht
nur ein Gefühl der allge-
Traurig war es aber auch zu erleben, wie durch ~ Wörter und Blödeleien all-
Nun erhebt sich der Schöpfer dieses Kunsttempels und Schirmherr der deutschen Kunst, der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, um das Wort zu einer groß angelegten Rede zu ergreifen, mit der er die „Große Deutsche Kun st aus-
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
in anderer Weise Förderung zuteil werden ließen. Die Walter dieses Werkes, die Sie berufen, übergeben Ihnen nun das Haus. Es möge ein Markige, auf dem Sie das deut- id Glück führen werden.
alle Anwesenden auf, den Führer und Reichskanzler mit einem Siegheil als Gelöbnis des Dankes und der Treue zu begrüßen. Begeistert stimmten die Versammelten in den Ruf ein.
Der Vorsitzende des Vorstandes des Hauses der deutschen Kunst,
August von Finckh
übergab nunmehr dem Führer das Haus mit folgenden Worten: „Mein Führer! Ihnen gilt in die-
lichen Zusammenbruch der Nation viel schwerer durch Schlagworte oder Phrasen zu verbergen als den politischen.
Hier vermochten es wenigstens eine gewisse Zeitlang die der Novemberrepublik bei ihrer Geburt mit auf den Weg gegebenen demokratischen und marxistischen Redensarten, sowie fortgesetzte Hinweise auf die verschiedenen Faktoren der internationalen Solidarität, auf die Wirksamkeit internationaler Institutionen, im deutschen Volke das Verständnis für den beispiellosen politischen Zusammenbruch und Verfall zu trüben oder wenigstens seine Einsicht in das volle Ausmaß dieser Katastrophe zu behindern.
Dennoch war auch hier auf die Dauer — allerdings nur dank der nationalsozialistischen Aufklärung — das Schlagwort der Wucht der Tatsachen erlegen. Immer mehr Menschen erkannten, daß die durch die marxistisch-parlamentarische Demokratie und Zentrumswirtschaft erreichte und sich dauernd steigernde weltanschauliche und politische Zersplitterung zu einer allmählichen Auflösung des einheitlichen Volksgefühls und damit der Volksgemeinschaft und infolgedessen zur Lähmung der inneren und äußeren Lebenskraft unseres Volkes führen mußte.
Diese eintretende Schwächung des deutschen Volkskörpers aber führte zu jener internationalen Rechtlosigkeit, die ihren außenpolitischen Lohn in der konstanten Verweigerung der deutschen Gleichberechtigung fand. Es ist nur dem Glauben an die Vergeßlichkeit der Menschen zuzuschreiben, wenn heute von feiten ausländischer Politiker oder Diplomaten sehr oft der Eindruck zu erwecken versucht wird, als ob man ja sehr gerne bereit sein würde, einem demokratischen, sprich also: marristisch-demokratisch'parlamenla- risch regierten Deutschland weiß Gott was für Lebensvorteile auf dieser Well schenken, oder wenigstens gewähren zu wollen. Run, diese parlamentarisch-demokratische, dem Ausland abgesehene und nachkopierte Regierungsform hat es vor wenigen Jahren nicht im geringsten verhindert, gerade dieses damalige Deutschland zu unterdrücken, zu erpressen und auszuplündern, solange und so weit es von unserem Volk etwas zu erpressen gab.
Nein: So sehr sich auch aus verständlichen Gründen unsere inneren und äußeren Gegner bemühten, die deutsche Ohnmacht mit einem förmlichen Dunst international üblicher Phrasen zu umschleiern, so sehr hat doch die Härte der Tatsachen geholfen das deutsche Volk zu erziehen und ihm dieAugen zu öffnen über das Ausmaß seines Zusammenbruches und Verfalls, den es unter den Aulvizien seiner westlich orientierten demokratischen Vöskerbundsideologen erlitten hatte.
Die Zerstörung unterer Kustur.
Diel erfolgreicher und vor allem anhaltender war demgegenüber die durch Schlagworte und Phrasen erreichte Verwirrung der Ansichten über das Wesen d e r Kultur im allgemeinen und des deutschen Kulturlebens und Kulturverfalles im besonderen. Zunächst ist
1. der Kreis derer, die sich bewußt mit kulturellen Dingen befassen, natürlich nicht annähernd so groß wie die Zahl jener, die sich mit wirtschaftlichen Aufgaben beschäftigen müssen: , . .
2 hatte sich auf diesem Gebiet mehr rote aus jedem anderen das Judentum jener Mittel und . Einrichtungen bemächtigt, die die öffentliche Meinung
Deutschlands voWscher Verfall nach 1918
Der Zusammenbruch und allgemeine Verfall Deutschlands war — wie wir wissen — nicht nur ein wirtschaftlicher oder politischer, sondern in vielleicht noch viel größerem Ausmaß kultureller gewesen. Dabei war auch dieser Vorgang nicht durch die Tatsache des verlorenen Krieges allein zu erklären. Solche Katastrophen haben Völker und Staaten sehr oft heimgesucht, und gerade fie sind dann nicht selten der Ansporn für ihre Läuterung und damit innere Erhebung gewesen. Jene Flut von Schlamm und Unrat, die aber das Jahr 1918 an die Oberfl äche unseres Lebens gespien hat, war nicht durch,den Verlust des Krieges entstanden, sondern durch ihn nur frei geworden. Ein an sich schon durch und durch verdorbener Körper erfuhr erst durch die Niederlage den ganzen Umfang seiner inneren Zersetzung Run nach dem Zusammenbruch der scheinbar noch in Ordnung befindlichen früheren gesellschaftlichen, staatlichen und kulurellen Formen begann die darunter schon längst vorhanden gewesene Gemeinheit zu triumphieren, und zwar auf allen Gebieten unseres Lebens.
Freilich, der wirtschaftliche Zerfall war naturgemäß am fühlbarsten, weil nur e r der großen Masse am eindringlichsten zum Bewußtsein kom^n konnte. Ihm gegenüber wurde der menbruch von zahlreichen Deutschen glatt abgest it- ten oder zumindest nicht anerkannt, wahrend der kulturelle von der überwiegenden Mehrheit unseres Volkes weder gesehen, noch verstanden wurde.
Es ist bemerkenswert, daß in dieser Zeit des allgemeinen Verfalls und Zusammenbruches die Schlagworte und Phrasen m eben demselben Ausmaße steigend zu triumphieren begannen Allem auch hier war es natürlich am schwierigsten aus die Dauer gegen den allgemein fühlbaren wirtschaftlichen Zusammenbruch mit dem Schwulst Hasser Theorien anzukämpfen. Gewiß, es wurde auch dagegen unendlich viel geredet von modernen Errungenschaften sozialistischen oder kommunistischen Inhalts, von liberalen Wirtsckaftsauffassungen von den ewigen Gesetzen nationalökonomischer Tatsachen oder Bedingtheiten. Allein, die allgemeine Not, besonders das durch die Erwerbslosigkeit millionenfach bedingte Elend waren damit nicht wegzubrm- gen noch waren den davon Betrogenen die Folgen auszureden. Daher gelang es auch den Wirtschaft-
Schaffens. Vielen war es schwer gefallen, das Wort „Münchener Glaspalast" zu verlieren und diesem Neubau auch einen neuen Namen zu geben. Trotzdem fanden wir es damals für richtig, das Haus, das in feinen Räumen die Fortsetzung jener einst berühmtesten deutschen Kunstausstellung erfahren sollte, nicht als Neuen Glaspalast, sondern als das „Haus der deutschen Kun ft" zu proklamieren. Denn gerade dadurch war auch die Frage, ob es denn noch überhaupt eine deutsche Kunst gebe, zu prüfen und zu beantworten.
Der Führer betritt die Ehrenhalle
Nach dem feierlichen Akt der Uebergabe des Hauses betritt der Führer von der Freitreppe kommend in Begleitung von Gauleiter Staatsminister Adolf Wagner und dem Vorsitzenden des Vorstandes des Hauses der deutschen Kunst, August v. Finckh, die Ehrenhalle. Die Festversammlung begrüßt den Schirmherrn der deutschen Kunst ehrerbietig mit erhobener Rechten. Der Städtische Ehor Augsburg bringt unter der meisterhaften Stabführung von Prof. Otto I o ch u m ein Vorspiel von Gerhard Strecke zum Vortrag. Andächtig lauschen die Festgäste der weihevollen Hymne, die den Festakt einleitet. Sodann tritt der Staatskommissar für
Traurig war es aber auch zu erleben, rote ourcp diese Schlagwörter und B l ö d e leien allmählich eben doch nicht nur ein Gefühl der allgemeinen Unsicherheit in der Beurteilung künstlerischer Leistungen oder Bestrebungen aufkam, sondern wie dies mithalf, jene Feigheit und Angst groh- zuzüchten, die selbst ansonsten verständige Menschen hinderte, gegen diesen Kulturbolschewismus Stellung zu nehmen bzw. sich den niederträchtigen Propagandisten dieser kulturlosen Narreteien zu widersetzen. Daß sich die Presse in den Dienst der Propaganda für diese Vergiftung unseres gesunden Kultur- und Kunstempfinden stellte, habe ich schon erwähnt. Daß sie es aber fertig brachte, die Einsicht ihrer Leser allmählich zu verderben, daß diese teils aus Unsicherheit, teils aber auch aus Feigheit einfach nicht mehr wagten, dieser Art von Kulturverderben entgegenzutreten, war das Entscheidende. Denn jetzt erst konnte es den geschäftstüchtigen jüdischen Kun st Händlern gelingen, die größten Schmieragen von heute auf morgen einfach als die Schöpfungen ihrer neuen und damit modernen Kunst zu offerieren und vor allem zu taxieren, während man umgekehrt hochgeschätzte Werke kurzerhand abtat und ihre Meister als unmodern einfach zur Strecke brachte. Denn in diesem Wort „modern" liegt naturgemäß die Vernichtung all jener, die diesen Unsinn nicht mitmachen wollen, begründet. Und so roie man leider heute die Kleider nicht beurteilt nach ihrer Schönheit, sondern nur nach ihrer Modernität und somit nicht nach ihrem eigentlichen Schönheitswert, so werden denn auch alte Meister einfach abgelegt, weil es nicht mehr modern ist, sie zu tragen bzw. sie zu kaufen. Natürlich wird sich gegen eine solche Auffassung der wirkliche große Künstler wenden. Allein wieviel wahre und große Künstler hat es zu allen Zeiten auf der Welt auf einmal gegeben?
stellung 193 7" eröffnet:
Als vor vier Jahren die feierliche Grundsteinlegung dieses Baues stattfand, waren wir uns alle bewußt, daß nicht nur der Stein für ein neues Haus gefetzt, sondern der Grund gelegt werden mußte, für eine neue und wahre deutsche Kunst. Es galt, eine Wende herbeizuführen in der Entwicklung des gesamten deutschen kulturellen - - -- ' schwer gefallen, das Wort
zu verlieren und diesem
Cm Markstein der denischen Kulturgeschichte.
Weihe des Hauses der deutschen Kunst und Eröffnung der „Großen Deutschen Kunstausstellung 1931" durch den Führer
Die Teilnahme des deutschen Volkes an dem gro- ’ jjen kulturellen Ereignis entsprach ganz seiner weit- , Nagenden Bedeutung. Schon am Vorabend beweg- : In sich im Märchenglanz der Illumination, im , Hauber des Festschmuckes und gepackt von den «längen der musikalischen und gesanglichen Aufsüh- , klingen buchstäblich Hunderttausende in der Stadt. Von der dritten Morgenstunde des Sonn- togs an strömten neue Zehntausende von auswärts mit Bahn, Kraftwagen und Autobussen herbei und so herrschte schon am frühen Vormittag ein gewaltiger Verkehr, in dessen Brausen sich der Marsch- tlitt und der Gesang der Formationen mischte.
Gegen 10 Uhr marschierten in der Prinzregentenstraße die Ehrenkompanien und Ehrenformationen auf, ein Musikkorps der Wehrmacht, je eine Kompanie des Heeres, der Luftwaffe und der SS.- Lerfügungstruppe, je ein Sturm SA., NSKK. und Politische Leiter, eine Abteilung Reichsarbeitsdienst md ein Block HI. und BDM. Auf der dem Haufe der deutschen Kunst gegenüberliegenden Straßenseite nahmen rund 3000 Ehrengäste Platz. Die Mitglieder der Reichsregierung, das Diplomatische Korps, das Führerkorps der Bewegung und andere Ehrengäste begaben sich in das Haus der deut- sihen Kunst, um dort den Führer zu erwarten.
Kurz von 10.30 Uhr hörte man von der Ludwlg- straße her das Brausen des Jubels: der Führer kommt. Unter den Klängen des Präsentiermar- sches schritt Adolf Hitler die Fronten der angette- tenen Formationen ab.
Die feierVrbe Lebergabe des Hauses.
Der Führer betrat dann die Freitreppe des Hauses der deutschen Kunst, wo er vom Staatskommis- jar für das Haus der deutschen Kunst, Staatsmim- ster Gauleiter Adolf Wagner, und dem Vorsitzenden des Vorstandes des Hauses der deutschen Kunst, August v. Finckh, begrüßt wurdet Feierliche Fanfarenklänge aus der 3. Sinfonie An ton Pruckners leiteten den Festakt ein, mit dem das haus der deutschen Kunst seiner Bestimmung über- geben wurde.
Staatskomniiffar Gauleiter Adorf Wagner
richtete folgende Worte an den Führer: „In einem bisher ungeahnten und noch nie J^annten Ausmaß ist das Künfttertum des Deutschen Reiches unö des deutschen Volkes heute hier angetreten, um bem feierlichen Akt der Uebergabe des Hauses der deutschen Kunst beizuwohnen. Als 6taat5tomminar des Hauses der deutschen KuM darf ich melden, dvß das Haus entstanden ist und errichtet mürbe, io wie Sie, mein Führer, es befohlen haben. Wir in München sind glücklich, und es erfüllt uns schon seit Beginn der nationalsozialistischen Beroegmig mit unendlichem Stolz, daß un ere Stadt die Ge- inertsstadt der nationalsozialistischen Bewegung geworden ist. Zu diesem Glück kommt heute em it-ues großes Glück: daß unsere Stad zur Stadt der Wiedergeburt der deutschen Kunst wurde^ . Staatskommissar Gauleiter Adolf Wag ne forderte zum Schluß die deutschen Künstler und
Ifrldjeira täglich, außei LG Cv Annahme von Anzeige»
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Infolge höherer Gewalt _ < < Stellen-, Vereins-, gemein-
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gianf?uttiam<tmain liess Drti* unö Verlag: vriihl'sche UnwerfilätL Such- und Steinöruderei «.Lange In Siegen. Schristleiluna und SeschSsttftelle: Schulstraße 7 M-ng-nabschiüss-Staffelt
sche Volk zu Friede und Glück führen werden. Möge das Haus selbst und alles, was es jemals zu bergen bestimmt ist, sich würdig erweisen einer großen deutschen Kunst!
jer feierlichen Stunde unser erster Gruß! Von Ihnen ist der Wille ausgegangen zu dieser Schöpfung. Ihrem Wollen hat die Form gegeben die hohe Kunst unseres verewigten Paul Ludwig Troast, dem ein tragisches Geschick verwehrt hat, heute das Werk vollendet zu sehen. Dem Opfersinn vieler deutscher Männer, die Sie, mein Führer, begeisterten, dankt der Bau Ausführung und Vollendung. So ist denn das Werk drei echt deutschen Kräften entwachsen: unbeugsamem Willen, gottbegnadeter Kunst und ergebener Treue. Um Beginn, Werden und Vollendung wachte Ihre nimmermüde Sorge. Dafür dankt Ihnen am heutigen Tage die ganze Nation, allen voran die deutschen Künstler, deren Kunst Sie dieses Haus weihen werden. Dank sei aber auch gesagt allen, die des Meisters Troast Arbeit ausgenommen, allen, die mit ihrer Hände
München, 18. Juli. (DNB.) Als in der Nacht des 6. Juni 1931 die Flammen eines riesengroßen Prandes den alten Münchener Glas- sala st mit unersetzlichen Werten deutscher Maler- tomantif zerstört hatten, da war München seines «kößten Ausstellungsbaues für die neuere bildende Kunst beraubt, und an der Stätte des abgebrannten tzebäudes breitete sich ein Ruinenfeld aus, das tas Straßenbild verunstaltete und gleichsam ein trauriges Symbol jener trostlosen Zeit war. Das Damalige System hatte weder den ernsthaften Wll- in, noch die hindernisüberwindende Kraft und das idturette Verantwortungsgefühl, München und da- mit Deutschland ein neues großes, repräsentatives Kunstausstellungsgebäude zu schenken.
In Adolf Hiller aber entstand schon damals der feste Entschluß, daß München einen großen neuen Kunsttempel erhalten müsse, der der Hoheit der Kunst, der Bedeutung Münchens als Kunststadt und der Kulturgesinnung des zu erkämpfenden neuen Reiches entspreche.
Nach der nationalsozialisttschen Machtergreifung Hürde dann auch hier sofort zur Tat geschritten, Ad schon im Herbst 1933 sand die feierliche Grund- fieinlegung für den nach den Entwürfen des großen Lrchitekten Paul Ludwig T r o o ft in enger Zusammenarbeit mit dem Führer erdachten Bau statt.
Mit den für die deutsche Kunstgeschichte denkwürdigen 18. Juli 1937 ist nun die Stunde gekommen, in der der Führer den wundervollen Pau, der in seiner edlen Form ein steingefügter Zeuge der Gestaltungskraft, des Schönheitswillens unb der Kunstliebe des jungen Deutschland ist, feierlich einweihen und zugleich die „Große Deutsche Kunstausstellung 1 9 37", die eiche repräsentative Schau der bildenden Kunst im Stiche Adolf Hitlers, eröffnen kann.
GewaWer Zusirom der Volksmaffen.
das Haus der deutschen Kunst Gauleiter Adolf Wagner vor und verkündet, „zur Eröffnung der großen Kunstausstellung im Hause der deutschen Kraft' und'"Fleiß am Werk schufen, allen, die ihm Kunst in München spricht der Führer!"
formen und diese damit letzten Endes regieren. Das Judentum verstand es, besonders unter Ausnutzung seiner Stellung in der Presse, mit Hilfe der sogenannten Kunstkritik nicht nur die natürlichen Auf assungen über das Wesen und die Aufgaben der Kunst sowie deren Zweck allmählich zu verwirren, andern überhaupt das allgemeine gesunde Empfinden auf diesem Gebiete zu zerstören. An Stelle des normalen Menschenverstandes und Instinkte traten bestimmte Schlagworte, die dank ihrer dauernden Wiederholung gleichsam doch einen großen Teil der sich mit Kunstdingen beschäftigenden oder die Kunstaufgaben beurteilenden Menschen entweder unsicher machten oder zumindest so einschüchterten, daß es diese dann nicht mehr wagten, gegen den dauernden Strom solcher Phrasenflüsse ernstlich und offen an- zukämpfen. Angefangen von Behauptungen allgemeiner Art, wie z. B. der, daß die Kunst international sei, bis zu den Analysierungen des Kunstschaffens durch bestimmte, im Grunde genommen aber nichtssagende Ausdrücke bewegte sich der fort» gesetzte Versuch der Verwirrung des gesunden Menschenverstandes und In- tinktes. Indem man die Kunst einerseits nur als ein internationales Gemeinschaftserlebnis ausgab und damit Überhaupt jedes Verständnis für ihre Volksverbundenheit tötete, verband man sie dafür desto mehr mit der Zeit, d. h. also: Es gab nun gar keine Kunst der Völker oder besser 'der Rassen mehr, sondern nur jeweils eine Kunst der Z e i t e n.
Nach dieser Theorie haben damit auch nicht die Griechen die griechische Kunst geformt, sondern eine bestimmte Zeit hat sie als deren Ausdruck entstehen lassen. Dasselbe gilt natürlich ebenso von der römischen, die ebenfalls dann nur zufälligerweise mit dem Emporsteigen des römischen Weltreiches zu- sammenfiel. Ebenso sind auch die späteren Kunstepochen der Menschheit nicht durch Araber, Deutsche, Italiener, Franzosen usw. geschaffen worden, sondern desgleichen nur zeitbedingte Erscheinungen. Daher gibt es auch heute keine deutsche, keine französische, japanische oder chinesische Kunst, sondern es gibt einfach eine „Moderne". Demnach ist also die Kunst als solche nicht nur vollkommen losgelöst von volklichen Ausgängen, sondern der Ausdruck eines bestimmten Jahrganges, der heute mit dem Wort „modern" gekennzeichnet ist und mithin morgen natürlich unmodern, weil veraltet, fein wird.
Durch eine solche Theorie wird bann allerdings die Kunst und Kunstbetätigung endgültig gteich- gefeht dem Handwerk unserer modernen Schneidereien und Modeatetiers. Und zwar nach dem Grundsatz: Jedes Jahr mal was anderes. Einmal Impressionismus, dann Futurismus, Kubismus, vielleicht aber auch Dadaismus. Es ist dann weiter klar, daß man selbst für die verrücktesten Ausgeburten tausend sie kennzeichnende Ausdrücke finden wird — und ja auch gefunden hat. Wenn es auf der einen Seite nicht so traurig wäre, könnte es fast lustig wirken, einmal festzustellen, mit wieviel Schlagworten und Phrasen die sogenannten „Kunstbeflissenen" in den letzten Jahren ihre jammervollen Produkte ausgeschrieben und gedeutet haben.


