Ausgabe 
19.6.1937
 
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Br.UO Drittes Blatt Metzemr Anzeiger (Seneral-Anzelger für (Überhetzen)Samstag, tt, Juni 1*15?

Landesuniversität und Heimatforschung.

Oie Teilnehmer der Heimatbotanischen Woche in Gießen.

3.

3F M

Die Teilnehmer der Heimatbotanischen Woche im Gießener Botanischen Garten.

Die Teilnehmer der zur Zeit in Bad-Nauheim stattfindenden Heimatbotanischen Woche des NS.-Lehrerbundes weilten gestern in Gießen. Vormittags wurden sie im Forstbotanischen Institut durch den Rektor der Universität

prosesior Dr. Bqaöer

in herzlicher Weise begrüßt. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Kameraden vom Lehrstand, die an der Heimatbotanischen Woche teilnehmen einen Tag in Gießen in den Räumen der Universität weilen. Wie der Nationalsozialis­mus stehe die Biologie ganz unter dem Gedanken der Einheit und Ganzheit, auch der Wald sei eine Lebensgemeinschaft.

Professor Or. Gpilaer-Darmffadt, der Leiter der Arbeitswoche, dankte für den herz­lichen Willkomm und führte dabei aus, daß die Heimatforschung nicht auskomme ohne die Universi­tät, von der sich die Lehrerschaft immer wieder neue Anregung holen müsse. Eine erhöhte Fühlung­nahme der Lehrerschaft mit der Hochschule anzu­streben, sei auch der Zweck des Besuchs in Gießen jöorträde Gießener Forscher.

Eine feine Ergänzung zu den Vorträgen, die im Laufe der Woche schon über den Wald gehalten wurden, boten dann zwei Referate von anerkann­ten Fachleuten auf den Gebieten der Forstzoologie und Forstbotanik. Prof. Dr. Merker sprach in anschaulichen, äußerst lehrreichen Ausführungen über:

Das Gleichgewicht der lebendigen Kräfte im heimischen Wald".

Wer als Laie, so führte er u. a. aus, in unseren Wäldern Ruhe und Entspannung sucht, ahnt nicht, in welchem Ausmaß sie eine Lebensgemeinschaft widerstrebendster Kräfte sind. In dieser Lebens­gemeinschaft gibt es Tiere, die durch plötzlich em- setzende Massenvermehrung den Wald vernichten Unter diesen Schädlingen sind die wichtigsten: Nonen, Schwammspinner, Kiefernspinner, Kiefern­

eule, Kiefernspanner. Sie schaden alle nur dann, wenn sie in Massen auftreten. Dieses muß also von dem Forstmann unter allen Umständen verhindert werden, und er kann es bis zu einem gewissen Grad, wenn er die Lebensbedingungen dieser Tiere genau kennt. Kommt einmal durch günstige äußere Einflüsse solch ein Massenauftreten zustand, so hat dieser erste Schaden einen zweiten im Gefolge; denn die durch Raupenfraß geschwächten Bäume können nun den lauernden zweiten Schädlingen, den Borkenkäfern, nicht mehr genügend Abwehr­kräfte entgegensetzen. Zum Glück gibt es in der Lebensgemeinschaft des deutschen Waldes auch Hilfstruppen wie Schlupfwespen, Raupenfliegen, Raubkäfer und nicht zuletzt unsere Vögel, die das durch Massenauftreten der Schädlinge gestörte Gleichgewicht des Waldes wiederherstellen, indem sie die Raupen oder die anderen Schädlinge ver­tilgen.

Hierauf sprach Professor Dr. G. Funk, der Lei­ter der Botanischen Abteilung des Forstinstituts, in fesselnder Weise über

Die deutschen Waldbäume im Wechsel von Umwell und Rasse".

An einer Reihe von Lichtbildern zeigte der Vortra­gende zunächst am Beispiel der Fichte, wie die Ge­stalt der Krone von klimatischen und soziologischen Einflüssen abhängig ist. In ganz anderer Weise wirken sich die dem einzelnen Baum angeborenen Rassenmerkmale aus' wofür ebenfalls die Fichte eine große Zahl der ausgeprägtesten Formen bie­tet. Das alte FörsterwortJede Fichte hat ihr eige­nes Gesichte", läßt sich allenthalben im deutschen Wald bestätigen, wenn man Kronenform, sowie Haltung der Aeste und Zweige aufmerksam beob­achtet. Noch mehr aber, wenn man diejenigen Spiel­arten und in ihrem Wuchs abweichenden Formen in den Kreis der Betrachtung zieht, die in Gärten und Parkanlagen die deutsche Landschaft zieren. Hängefichten, Schlangenfichten, Kugelfichten, Zwerg­fichten, (die mit fünfzig Jahren noch kaum eine Höhe von 50 Zentimeter erreichen) u. a. sind hier nur wenige Beispiele dafür, wie vielseitig allein schon der Begriff unserer Fichte ist. In ähnlicher

Weise gab der Vortragende Beispiele für Umwelt­einflüsse und Rasseeigentümlichkeiten bei der Buche. Die Teilnehmer konnten sodann an den in der Bo­tanischen Abteilung des Forstinstituts ausgelegten Sammlungen sich einen Begriff machen von dem, was gerade die Buche, aber ebenso auch Eiche, Ahorn u. a. Laubbäume des deutschen Waldes an Viel­gestaltigkeit und Vielfarbigkeit zu leisten vermögen. Man müsse dem Vortragenden darin zustimmen, daß unsere deutschen Waldbäume hinsichtlich ihrer Vielgestaltigkeit und ihres erblichen Verhaltens noch viel zu wenig bekannt sind, und daß noch manches ihrer Lebensaußerungen zu erforschen ist. In dieser Hinsicht gab auch die sich anschließende Führung durch den Versuchsgarten des Forst- instituts eine Reihe von Anregungen. Professor Funk erklärte hier zunächst die Einrichtung des Gar­tens und die darin zum Ausdruck gebrachten The­men zur Naturgeschichte der Waldbäume und der Bodenflora des deutschen Waldes. Ganz besonderes Interesse aber erweckten eine große Zahl neuer buntbläteriger Formen von Eschen, Eichen, Buchen, Ulmen u. a. Laubbäumen, die das Ergebnis ein­gehender Forschungen des Vortragenden im deut­schen Wald d-arstellen.

Wie der Vorredner fand auch Prof. Dr. Funk lebhaften Beifall für feine interessanten Ausführun­gen und die ausgezeichnete Führung durch Institut und Garten.

Nach diesem so anregenden Aufenthalt im Forst- botanischen Institut begab man sich zum Botani­schen Institut der Universität. Hier begrüßte Prof. Dr. Küster die Teilnehmer und wünschte der heimatbotanischen Woche guten Erfolg In seinen Dankesworten sprach Prof. Dr. Spil- ger sein Bedauern darüber aus, daß infolge einer notwendig gewordenen Planänderung das reichhal­tige und heimatkundlich wertvolle Programm, das Professor K ü st e r in Aussicht gestellt hatte, sich leider nicht in vollem Umfange durchführen lasse.

Im Hörsaal des Botanischen Instituts hatte der Assistent des Instituts, Dr. Heidt, eine Photoausstellung

Geschuhte Pflanzen der hessischen heimat­eingerichtet, die er aus eigenen Aufnahmen zusam- mengestellt hatte. In einleitenden Worten wies Dr. Heidt darauf hin, wie unser hessisches Heimat­gebiet dadurch besonders ausgezeichnet ist, daß auf verhältnismäßig kleinem Raume Pflanzen aus den verschiedensten Florengebieten anzutreffen find. Neben den montanen und nordischen Pflanzen des Vogelsberges und auch des Hangelstei - n e 5 finden wir in unserer Heimat die wärmelie­benden Pflanzen der Wetterau und weiter südlich die Steppenpflanzen des Mainzer Beckens, die zum Teil dem pontisch-sarmatischen Florengebiet angehö­ren und zahlreiche Vertreter der Mittelmeervege­tation. Der Redner gab einen kurzen Ueberblick über den Aufbau der Ausstellung, die zum Teil nach Pfanzenfamilien, Pflanzengemeinschaften und Naturschutzgebieten zusammengestellt war. In einer Gruppe fand man die Enzianarten unserer Heimat: Deutscher Enzian, Gefranster Enzian uni) der Früh­lings-Enzian von Rödgen, der ih den letzten Jahren eine erfreuliche Vermehrung gefunden hat. Von den kennzeichnenden Vertretern der Vogelsberg-Flora waren Berg-Wohlverleih, Keulen-Bärlapp, Troll­blume, Türkenbund, neben Siebenstern u. a. vertre­ten. Eine andere Gruppe hießNaturschutz­gebiet Hange! st ei n", in der man neben der Frühlingsknotenblume, Silberblatt und Steinsame, die von Johann Jakob D i l l e n i u s im Jahre 1718 in lateinischer Sprache veröffentlichte erstere größere Flora von Gießen sah, die zahlreiche Pfanzenarten des Hangelsteines enthält. Um ein großes Orchideen­modell geschart, waren die Knabenkräuter, vor al­lem aus dem Biebertal der seltene Frauenschuh und die nur noch ganz vereinzelt auftretende Flie- gen-Ragwurz, daneben Waldvöglein, Nestwurz, zu leben. Auf dem Kalkboden des Biebertales gedeiht besonders der Roßkümmel, einer unserer stattlichsten Doldengewächse. Eine Strandflora im Binnenland stellen die Wesselsheimer, Münzenberger und Bad- Nauheimer Salzpflanzen dar, von denen neben

Strand-Dreizack und Strand-Milckkraut auch an­dere durch gute Abbildungen vertreten waren. Die Steppenpflanzen vom Mainzer Sand waren ver­treten durch das Federgras, Pfriemengras, Küchen­schelle und die Sandlotwurz, die dort ihren einzigen Standort in Mitteleuropa hat. Eingehend erörtert und an Hand großer Anschauungstafeln erläutert wurde die Lebensweise der insektenfressenden Pflan­zen Sonnentau, Wasserschlauch und Fettkraut die in dem Naturschutzgebiet Hengster bei Offenbach zu finden find.

Nach den mit dankbarem Beifall aufgenommenen Ausführungen Dr. Heidts fand durch Garteninspek­tor Nessel eine Führung durch den Bo­anischen Garten statt.

Ausfluq zum Hangerstein.

Dem herrlichen Waldgebiet des Hangelsteins mit seinem Bestände aller bei uns vorkommenden Baumarten, vorwiegend Eichen und Buchen, in deren Schatten üppiger als anderwärts eine, an botanischen Merkwürdigkeiten reiche Kräuterflora grünt, galt der Nachmittagsausflug. Unter Führung von Professor ©pilger und Universitäts-Garten­inspektor i. R. Rehnelt gelangte man bei Be­achtung der wechselnden Vorkommen verschiedener Charakterpflanzen am westlichen Steilhang hinauf über den Steinbruch mit seinem wundervollen Blick auf das Lahntal mit seinen burgengekrönten- henzügen und von da zum trigonometrischen Punkt. Während dieser zweistündigen Wanderung konnte das Vorhandensein der Mehrzahl derjenigen Pflan­zen festgestellt werden, die schon 1786 durch den Bo­taniker Dillenius genannt worden sind. Her- vorzuheben ist u. a. das, wenn auch nur spärliche Vorkommen von Aconitum Lycoctonum, dem gel­ben Eisenhut und Doronicum Pardalianches, einer Gemswurzart, die noch heute an das gleiche Vor­kommen gebunden scheint, wie vor 200 Jahren, lieber die Teufelskanzel mit ihrem reizenden Aus­blick auf den Staufenberg erfolgte der Abstieg. Dann begaben sich die Teilnehmer, 22 an der Zahl, weiter nach Münzenberg zur Besichtigung der dortigen S a l z w i e s e n mit ihrer eigenartigen Flora.

Dillenburg

als altnaffauisches Bildungszentrum.

LPD. Dillenburg, 17. Juni. Auf dem Ge­bietet des nassauischen Volksschulwesens bahnbrechend Dorgegangen zu sein, kann die Stadt Dillenburg durch die im Jahre 1509 von Graf Johann V. er­richtete erste und damit älteste Volksschule in Nassau mit gutem Recht für sich in Anspruch neh­men. Wilhelm der Reiche, der Vater des großen Oraniers, setzte dieses Werk, das damals allerdings nur der Unterweisung der männlichen Schuljugend im Beten und Singen sowie der Unterrichtung in der Volkssprache diente, also noch weit von den heutigen Zielen der Schule entfernt war, im Jahre 1531 durch Begründung der ersten Schule für Mäd­chen und 1537 durch Eröffnung der ersten Latein­schule fort. Letztere Schule war Vorläuferin der heu­tigen Dillenburger Oberrealschule, die in diesem Jahre auf eine 400jährige Vergangen­heit zurückblicken kann. Außerdem besitzt Dillenburg in seiner 1779 gegründeten Zeichenschule noch die älteste gewerbliche Anstalt dieser Art und seit 1858 auch die einzige Berg schule in Nassau, die im nächsten Jahr ihr 80jähriges Besteyen feiert. In ihr haben bis jetzt etwa 7 0 0 Grubenbeamte ihr fachliche Ausbil­dung erhalten.

Oer siebente Schuh.

Bon Irank St Braun.

Das Revuetheater in der 318. Straße spielte seit vielen Abenden das Revolutionsstück des beliebten Neuyorker Dichters Edgar Poole. Miß Helen Mait­land, eine junge Anfängerin mit viel Talent und noch mehr Ehrgeiz, gab die Spionin, die am Ende des Stückes erschossen wird. Eine Bombenrolle. Nur wer kommt abends noch in die 318. Straße! Reklame nützte nichts. Miß Maitland war traurig. Sie machte sich Sorgen um ihre Karriere. Da war Dr. Webb, Theaterarzt aus Neigung zu Miß Mait­land, aber so kühl zu ihr, daß sie traurig sein mußte. Als der Schauspieler Patrick sich um sie bemühte, war sie auf dem Punkt, nachzugeben. Eine unglück­liche Liebe ist für eine Künstlerin schädlich.

Der Vorgang blieb Dr. Webb nicht verborgen, und so konnte es zu dem schrecklichen Geschehen kommen. Am Abend der vierundzwanzigften Auf­führung ereignete es sich:

Miß Maitland in der Rolle der endlich über­führten Spionin steht an der Mauer und erwartet ihre Erschießung. Sechs Soldaten treten auf. Der Leutnant befiehltFeuer!" Die sechs Schüsse kra­chen wie jeden Abend, und Miß Maitland fällt um. Der Vorhang senkt sich, und erwartungsgemäß soll Miß Maitland aufstehen. Aber sie bleibt liegen. Blut läuft aus einer Brustwunde über ihr Kleid.

Dr. Webb ist in der Nähe. Er sieht die Schau­spielerin kurz an, hebt sie dann entschlossen auf seine Arme und fährt sie in seine Privatklinik.

Der untröstliche Direktor was soll er morgen spielen? benachrichtigt die Kriminalpolizei. Die ersten Reporter stürzen sich auf die Sensation: Mord im Revuetheater!

Kriminalinspektvr Bryan erscheint eine Viertel­stunde später. Er sieht sich den Schauplatz an. Die sechs Statisten müssen mit ihren Flinten antreten.

Dies sind bestimmt die Gewehre, die sie vorhin benutzt haben?"

Bestimmt. Es befinden sich keine anderen im Theater."

Inspektor Bryan prüft die Flinten, es sind un­mögliche Waffen; ein Wunder, daß die Platzpatro­nen allabendlich losgehen. Eine Kugel kann man nicht aus ihnen abfeuern.

Herr Inspektor", sagt der Leutnant,mir war, als habe es heute nicht sechsmal, sondern siebenmal geknallt." Er ist ganz blaß vor Aufregung

So ...", sagt Inspektor Bryan.Auf der Bühne kann aber niemand geschossen haben, aus dem Zuschauerraum auch nicht. Also aus den Ku­

lissen. Wer hat freie Sicht? Nur der Feuerwehr­mann, der von seinem Podest alles überwachen mußte!"

Der Feuerwehrmann wird geholt. Er ist verlegen. Ich war einen kleinen Augenblick weggegangen", sagt er,es war sowieso gleich Schluß der Vorstel­lung."Ich mache Ihnen keinen Vorwurf", sagt Inspektor Bryan abwehrend.Sahen Sie jemand an Ihrem Platz, als Sie zurückkamen?" Der In­spektor bückt sich und hebt eine Messinghülse vom Boden auf.Dr. Webb stand hier", sagt der Feuerwehrmann. Inspektor Bryan hält die Pa­tronenhülse auf der flachen Hand, er ist sehr ernst. Leise sagt der Feuerwehrmann:Dr. Webb hatte einen Revolver bei sich: ich sah es zufällig."

Inspektor Bryan ruft die Klinik des Arztes an. Dr. Webb selber? Hier spricht Inspektor Bryan. Lebt Miß Maitland? Besteht Lebensgefahr?

Nicht die geringste."

Wollen Sie als behandelnder Arzt die Anzeige erstatten?"

Ich mochte davon absehen."

Dann werde ich es tun, Herr Dr. Webb!"

Tun Sie Ihre Pflicht, Herr Inspektor. Aber vielleicht muß nicht alles in die Zeitungen? Wenn ich bitten dürfte"

Es besteht kein Anlaß für uns, etwas zu ver­heimlichen."

Der Doktor seufzte. Inspektor Bryan hängte ab. Er informierte kurz die Herren der Morgenpresse. Mordversuch aus Eifersucht. Dr. Webb verdächtig. Der Täter leugnet nicht. Die Künstlerin außer Le­bensgefahr. Dann fuhr Bryan in die Klinik.

Dr. Webb führte ihn aus seinen Wunsch in das Zimmer der Künstlerin. Der Inspektor traute seinen Augen nicht. Miß Maitland saß aufrecht, mar so­gar angekleidet und rauchte eine Zigarette,Was ist das?!" rief er ein wenig verblüfft.Sie sind nicht angeschossen?"

Angeschossen, nein, wieso?" fragte Miß Mait­land harmlos.Ich stürzte unalücklich und ver­stauchte mir den rechten Fuß. Dr Webb war so freundlich, mich in seine Klinik zu schaffen. Ich muß ein paar Tage ausspannen. Dann geht es wieder."

Aber es ist doch auf Sie geschaffen worden!" Gewiß. Im Stück, mit Platzpatronen."

Und dies hier?" Inspektor Bryan wies feine ge­fundene Patronenhülse.

Ach", mischte Dr. Webb sich ein,die dürfte von mir sein. Ich warf sie weg, nachdem ich sie wochen­lang in der Tasche herumgeschleppt hatte. Sie muß dort gelegen haben, wo der Feuerwehrmann sonst steht, denn non dort beobachtete ich den Schlußakt."

Inspektor Bryan schäumte.DieZeitungen!" rief er.

Ich bat Sie doch ausdrücklich, Herr Inspektor, den kleinen Unfall nicht erst in die Blätter gelan­gen zu lassen." Dr. Webb lächelte glatt.

Der Inspektor zersprang.Das Blut, das viele Blut!!"

Oh", Miß Maitland strahlte,ein kleiner Ein­fall, die Szene auf der Bühne überzeugender zu gestalten. Nichts als ein mit roter Farbe gefülltes Schwämmchen, das ich in der Hand hielt und im rechten Augenblick an meiner Brust ausdrückte."

Inspektor Bryan stand kurz vor dem Schlaganfall. Mit einem Panthersprung war er an der Tür, sie krachte hinter ihm zu. Stille. Dann stand Miß Maitland auf. Sie humpelte wirklich ein bißchen, als sie auf den Arzt zuging und ihm die Arme um den Hals legte.Das hast du großartig gemacht", sagte sie.Morgen lieft ganz Neuyor'k von dem Mordanschl-ag. Ich bin in aller Leute Mund. Du bist mein Mörder. Eine Bombenreklame!"

Er nickte.Die Sache wird ein Nachspiel haben", meinte er.

Sie erschrak.Der Inspektor? Aber du warst doch so vorsichtig in deinen Aussagen."

Der Inspektor? Nein, von dem erfolgt nichts. Aber nächste Woche heiratet der Mörder sein un­glückliches Opfer. Eine neue Sensation!"

Er hielt sie fest. Seine Blicke fragten; sie nickte wortlos.

Abenteuer mit Löwen

Eine Reihe persönlicher Abenteuer mit Löwen erzählt der bekannte englische Großwildjäger und Jagdschriftsteller Robert H. Foran in der Zeit­schriftAnswers":Einmal in der Nähe des Thika-Flusses folgten mir zwei Löwen und eins Löwin bis beinah in mein Lager Sie hielten einen gleichbleibenden Abstand von etwa 90 bis 100 Me­ter. Das war eine rechte Beruhigung für mich, denn ich hatte nur eine leichte Vogelflinte bei mir. Sobald ich mein Zelt erreicht hatte und meine Büchse in Händen hielt, kehrte ich um und hätte nun gern nähere Bekanntschaft mit dem neugierigen Trio ge­macht. Aber da ergriffen sie die Flucht über die Ebene. Ein andermal, als ich nördlich von Simba jagte und einen steilen Hügel erkletterte, um eine Uebersicht zu gewinnen, stolperte ich auf dem Gip­fel fast über einen großen bemähnten Löwen. Er lag stach im Schatten eines gewaltigen Felsblocks ausgestreckt und schlief fest. Vielleicht würde ich ihn gar nicht gesehen haben, hätte nicht mein Ge­wehrkolben zufällig gegen den Felsen geschlagen. Das Geräusch weckte ihn, Und er stand mir plötz­lich gegenüber mit verhaltenem drohenden Gebrüll.

Es ist schwer zu sagen, wer von uns erstaunter war, der Lowe oder ich. Ich war nach der anstrengenden Kletterei in der Sonnenglut viel zu erschöpft, um einen Schuß zu wagen, obgleich er aus nächster Nähe ein herrliches Ziel bot. Er stand in ganzer Silhoutte gegen den Himmel, sein Schweif ging hin und her, seine gelben Augen belauerten mich aufmerksam. Er war nicht mehr als 30 Schritt entfernt. Ich schrie laut. Das erschreckte ihn sichtlich. Er kehrte sich um und verschwand über dem Gipfel des Hügels. Ich ließ ihn gehen. Eines Morgens wanderte ich von Nairobi in die Ebenen von Äthi, in der Absicht, Löwen zu schießen. Es dauerte nicht lange, und ich kam glücklich zu Schuß auf eine Löwin, die ich erlegte. Wir ließen zwei Männer zurück, um sie abzuhäuten und die Trophäe nach Hause zu bringen. Gegen Mittag spürte ich einen mähnenlosen Löwen auf. Nach einer aufregenden Jagd brachte ich ihn zur Strecke. In einiger Ent­fernung stand ein dichter Busch, und ich beschloß, in seinem Schatten zu frühstücken, während die Träger das Tier abhäuteten. Dummerweise nahm ich mein Gewehr nicht mit. Langsam schlenderte ich zu dem Busch und hatte ihn fast erreicht, als ein prächtiger Löwe aufsprang. Ich glaube, es waren nicht mehr als 50 Schritt zwischen uns. Aber tat­sächlich erschien es mir im Augenblick viel weniger. Wir standen beide regungslos und starrten ein­ander an. Ich hoffte, er würde sich davonmachen, stattdessen begann er sich mir langsam zu nähern. Erst ein paar Tage vorher hatte ich mit einem Jagdkameraden Erfahrungen über Löwen ausge­tauscht, und er hatte behauptet, daß in ähnlicher Lage ungewöhnliche Bewegungen des Mannes den Löwen erschrecken und vertreiben würden. Ich hatte diese Behauptung mit einiger Ironie ausgenommen. Aber hier hatte ich eine wunderbare Gelegenheit, sie nachzuprüfen. Jedenfalls war es das einzige, was ich versuchen konnte, da ich unbewaffnet und für den Fall eines Angriffs der Bestie zu weit von den anderen entfernt war. Ich begann also, umher­zuspringen und meine Arme zu schwingen, ich duckte mich nieder, sprang dann wieder hoch in die Luft, und während der ganzen Zeit schrie ich luftig. Der Löwe blieb sofort stehen und starrte meine Ver­renkungen an. Zweifellos hielt er mich für irgend­ein seltsames, niegesehenes Tier, das darum mit dem größten Mißtrauen zu betrachten sei. Ich verdop­pelte meine Anstrengungen. Einen Augenblick spä­ter machte der Löwe kehrt, kniff den Schwanz zwi­schen die Beine und floh in wilden Sätzen davon. Ich brüllte hinter ihm her, um sein Tempo zu be­schleunigen. Die Theorie meines Freundes hatte sich vollkommen bewährt."