Ausgabe 
19.5.1937
 
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t 1

Elisabeth 21 ff (geb. Traum) eingefunden. Von den fünf Konfirmanden des Jahrgangs 1882 war leider niemand anwesend. Von den 13, die das Fest der diamantenen Konfirmation hätten feiern können, leben heute noch drei, von denen sich Karl Viehl und Katharine Euler (geb. Sprankel) aus Wallen- ro»d eingefunden hatten. Das Fest der eisernen Konfirmation konnten noch Heinrich Pfeffer, Char­lotte Wießner (geb. Kornmann) und Elisabeth Me- bus (geb. Happel) feiern.

Kahrradpflege und Aekehrssicherheit.

LPD. Die schöne Zeit des gesteigerten Radfahr- verkehrs ist wiedergekommen. In der stilleren Zeit wurde das getreue Stahlroß vom Fachmann gründ­lich durchgesehen. Manchem 2lerger und mancher Enttäuschung beugt man dadurch vor, Leben und Gesundheit, als kostbarste Erdengüter, vertraut man ihnen wieder an. Kritisch überprüft man noch ein­mal, ob auch alle gesetzlich vorgeschriebenen Einrich­tungen in Ordnung sind. Der mit dem Prüfzeichen versehene Rückstrahler darf nicht verschmutzt und muß in einer Höhe bis zu 50 Zentimeter am Hinte­ren Ende des Fahrrades unverdeckt und gut sichtbar angebracht sein. Die Bremse muß einwandfrei ar­beiten, damit unter allen Umständen Unfälle ver­mieden werden. Wenn das Rad keine Freilauf- Rücktrittbremse besitzt, sind zwei Handbremsen er­forderlich, da sich durch Kabelrisse und ähnliche Ver­sager Unfälle ereignet haben. Rostige Felgenräder verursachen häufig Wulstbrüche und schaffen 23er» druß. Auch durch zu starken, oder zu geringen Luft- druck wird ebenso, wie durch zu scharfes Bremsen die wertvolle Gummibereifung vorzeitig verbraucht. Denkt auch an die Pedale, die Stiefkinder des Fahr­rades. Einige Tropfen Oel von Zeit zu Zeit ver­längern ihre Lebensdauer und Widerstandskraft trotz des gewaltigen und ständigen Hebeldruckes. Auch die Kette dankt die geringste Pflege mit größe­rer Haltbarkeit.

Wer häufig zur Nachtzeit fahren muß, sichert sich am besten durch ein Rücklicht gegen die Verkehrs­gefahren, die zur Nachtzeit drohen. Durch eine aus­reichende, gepflegte Lichtquelle beugt man vielen Ungelegenheiten vor. Die Fahrradglocke darf nur als Warnzeichen benutzt werden. Jeder Verkehrsteil­nehmer ist gesetzlich verpflichtet, die Aenderung sei­ner Fahrtrichtung rechtzeitig durch mechanische oder andere deutlich wahrnehmbare Zeichen anzudeuten. Vor allem sind Derkehrsunfälle zu vermeiden, denn sie schädigen die Volksgemeinschaft und werden mit sehr empfindlichen Geld- oder Freiheitsstrafen ge­ahndet. Der grundlegende § 25 der Reichsstraßen­verkehrsordnung lautet:Jeder Teilnehmer am öffentlichen Verkehr hat sich so zu verhalten, daß er keinen anderen schädigt, oder mehr als erforderlich belästigt oder behindert." Dieser Paragraph besagt alles.

Wer sein Fahrrad in der vorgeschriebenen Weise behandelt und stets mit Ueberlegung fährt, bewahrt sich vor Gesetzwidrigkeiten und Schäden aller Art. Außerdem handelt er im Sinne der Regierung und des Vierjahresplanes. Unser Stahlroß jedoch, der anspruchslose, immer bereite, zuverlässige und zeit­sparende stumme Diener und Freund in Beruf und Sport dankt auch die geringste Pflege und lieber- wachung durch jähre- und jahrzehntelange Zuver­lässigkeit.

Durch die Decke in ein Schuhgeschäft eingebrochen.

Drei Jahre Zuchthaus für den Täter.

LPD. Frankfurt a. M., 19. Mai. In der Nacht zum 3. März wurde in einem Frankfurter Schuhgeschäft eingebrochten. Don der über dem La­den liegenden Werkstätte hatte der Täter ein Loch durch die Decke gebrochen, durch das er in das Innere des Geschäfts gelangte. Dort erbrach er die Laden- und Registrierkasse und eignete sich dann 20 Paar Schuhe an. Mit einer Wäscheleine zog er die Schuhe durch das Loch in der Decke nach oben. Der Täter sollte sich feiner Beute nicht lange er­freuen, denn schon am nächsten Tage wurde er yon der Polizei verhaftet. Der Täter, der mehrfach vor­bestrafte Friedrich Zeimet, erhielt jetzt vom Schöffengericht als Rückfalldieb drei Jahre Zuchthaus, fünf Jahre Ehrverlust und Polizei­aufsicht. Don der Maßnahme der Sicherungsver- nkayrung wurde diesmal noch abgesehen, weil die Braut des Angeklagten erklärt hatte, daß sie den Beschuldigten ohne Rücksicht auf seine Strafen hei­raten werde.

Rundfunkprogramm

Freitag, 21. März:

6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nach­richten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Musik am Morgen. 10: Schulfunk. 11: Mutter turnt und spielt mit dem Kind. 11.15: Hausfrau, hör zu! 11.45: Deutsche Scholle. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. Offene Stellen. 13.15: Mit­tagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Das Stündchen nach Tisch ... 15.10: Zehn Paar Schuhe vor der Tür. 15.30: Volk und Wirtschaft. 16: Unterhal­tungskonzert. 16.45: Lieder mit Klavierbegleitung. 17.10: Sport und Gesundheit. 17.20: Der Schatz­gräber des deutschen Liedes, Ludwig Erk. 17.50: Bodenständigkeit und Kinderreichtum. 18: Musik aus Dresden. 19.40: Der Zeitfunk bringt den Ta­gesspiegel. 20: Nachrichten. 20.10: Das Fünfgestirn am Operettenhimmel. 22: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 22.30: Tanzmusik. 24 bis 2: Nacht­musik.

Oie Gießener Zuchtviehversteigerung.

Zu der gestrigen Gießener Zuchtviehversteigerung des Landesverbandes der Rinderzüchter in Hessen- Nassau, Gruppe Fleckvieh und Ratvieh, und des Landesverbandes der Schweinezüchter hatten sich außer den oberhessischen Interessenten auch wieder viele Züchter aus dem Dillkreis, dem Kreise Wetz­lar, von der Lahn und dem Taunus und aus Mainz eingefunden.

Zuerst wurden die Bullen des Hessischen Fleck­viehes ausgeboten, für die einigermaßen Interesse bestand, wenn die Angebote auch nicht so flott er­folgten wie sonst. Dennoch wurde der Bestand fast restlos abgesetzt. Die Tiere erbrachten einen guten Mittelpreis von 550 Mark, bessere Exemplare wur­den mit 700 und 800 Mark bezahlt, der errechnete Durchschnittspreis machte 541 Mark aus. Den Höchstpreis von 1020 Mark erhielt das Tierzucht­institut Oberer Hardthof Gießen für einen Bullen, der als Stationstier nach Rüddingshaufen kommt. Für die Dullen des Hessischen Rotviehes lag un­zureichendes Interesse vor, weil die Gemeinden mit den Ankäufen zurückhielten. Infolgedessen blieben die Preise hinter denen früherer Versteigerungen zurück. Die der Wertklasse I zu geteilten Tiere er­brachten Preise von 700 und mehr Mark, die der Wertklasse II überwiegend einen guten Mittelpreis

von 550 Mark. Den Spitzen preis von 1280 Mark erzielte die Züchterin Johs. Schad Wwe., Angers­bach, für ein Tier, das als Stationsbulle nach Schwarz im Vogelsberg bestimmt ist. Der errech­nete Durchschnittspreis für diese Bullen betrug 450 Mark.

Aus der Zucht des Deutschen Edelschweines waren nur einige Eber angeboten, für die geringes Inter­esse bestand. Es verblieb daher Ueberstand. Die wenigen verkauften Tiere erbrachten aber annehm­bare Preise von 160 bis 180 Mark. Regeres Inter­esse bestand für die Eber des Veredelten Land­schweines, die fast restlos abgesetzt wurden. Die Preise für diese Datertiere bewegten sich zwischen 140 bis 200 Mark, der Spitzenpreis machte 390 Mark aus, der errechnete Durchschnittspreis betrug 168 Mark.

Insgesamt wurden die Bullen und Eber über Oberhessen hinaus in die Kreise Wetzlar, Dillen­burg, Limburg, den Westerwald und Taunus sowie nach Mainz verkauft.

Durch die schleppenden Angebote entsprach die Versteigerung nicht ganz den Erwartungen, wenn auch der Gesamtumsatz von rund 25 000 Mark beachtlich war.

Neues für den Büchertisch.

Der Gleiberg, das Wahrzeichen unserer Heimat. Im Auftrage des.Gleiberg- vereins bearbeitet von Ernst Praß. (140) Die kleine Schrift kommt zum 100jährigen Bestehen des Gleibergvereins gerade recht; sieentstand aus Heimatliebe, und... soll auch bei andern wieder Heimatliebe erzeugen und festigen, und als kleiner Führer den lieben, alten Gleiberg jedem Heimat­freund zu einem guten Bekannten werden lassen..." Lehrer Emst Praß in Krofdorf-Gleiberg, einer der besten Kenner des Gleibergs, feiner Umgebung und feiner wechselvollen Geschichte, hat auf knappem Raum in ansprechender Form übersichtlich alles Wissenswerte zusammengestellt: er behandelt zu­nächst die Geschichte der Burg von den ersten An­fängen bis zum Jahre 1816. Anschließend unter­nehmen wir, von kundiger Hand geführt, einen Gang durch die Burg. Ein weiterer Abschnitt ist der Geschichte des Gleibergvereins gewidmet; in ihr ist auch die Geschichte der Burg in den letzten hundert Jahren im wesentlichen enthalten. Eine Ab­handlungAus der Vergangenheit des Dorfes Gleiberg" rundet die treffliche Darstellung ab, die, miteinem alten Stich (um 1600), einen Grundriß der Anlage und einer Reihe neuerer Aufnahmen bebildert, eine erfreuliche Bereicherung unseres Heimatschrifttums bildet und alten wie neuen Freunden des Gleibergs auf kommenden Fahrten ein willkommener Begleiter fein wird.

Ernst Wiechert. Der Weg eines Dichters. Von Hans Ebeling. Mit einem Bildnis. 258 Seiten. Geb. 2,80 Mk. G. Grote, Verlag, Berlin, 1937. (131) Zum 50. Geburtstage Ernst Wiecherts (18. Mai 1937) erschien bei G. Grote in Berlin ein Buch, das allen Freunden des Dichters willkommen sein wird. Mit feinem Einfühlungs­vermögen und Gründlichkeit geht Ebeling den Spuren dieses Lebens und Werdens nach^ Nicht nur die Vorfahren, deren Blutftröme in Wiechert weiterwirken, läßt Ebeling lebendig werden, auch das Eigentümliche der heimatlichen Landschaft er­schließt sich dem Leser. Alle Abschnitte des Lebens, das Glück des Kindes in feinen Wäldern, das schmerzliche Vorwärtstasten des Studierenden, die Erschütterung des Kriegserlebnisses, die Heimkehr, das Berufsleben werden aufgezeigt. So entsteht ein eindrucksvolles Bild, wie der von Idealen erfüllte Mensch zum Dichter wird, wie unter schweren seelischen Kämpfen Werk auf Werk entsteht. Ernst Wiechert ist der Dichter seines Lebens. Darum wird die Kenntnis dieses Lebens zu einem tieferen Ver­stehen der Dichtungen Wiecherts führen, manches Rätselhafte klären und verborgene Zusammenhänge beleuchten.

Männer, Kurven und Rekorde. Von A. Büttner und K. Feez. Franckhsche Derlagsbuch- handlung, Stuttgart. 140 Seiten mit vielen Bildern. (17) Das Buch wird gerade in der Gegen­wart lebhaft interessieren, denn gerade jetzt ist alle Aufmerksamkeit der Freunde des Autorennsportes auf die Versuchsfahrten auf der Avus gerichtet worden und man sieht mit großer Spannung den Starts der sieggewohnten deutschen Wagen auf internationalen Rennen entgegen. Das vorliegende Buch schildert in umfassender und sehr lebendiger Weife die Entwicklung des Autorennsportes von jenem Tage an, da der erste Wagen die Werkstatt verließ. Namen von Rennfahrern werden in der Erinnerung wieder wachgerufen, die nicht weniger mutig am Steuer saßen, wie ein Rosemeyer, ein Stuck, ein Caracciola. An Hand von Tatsachen­berichten ist in diesem Buch ein Ueberblick geboten über alle die großen Triumphe und die großen Enttäuschungen, die einander im Autorennsport noch immer ablösten. Die Bilder, die dem Buche beigeheftet sind, dürfen fast als Dokumente ange­sprochen werden. H. L. Neuner.

Ulrich Sander: Das Gefecht von Kalkehmen. Erzählung. Mit einem autobio­graphischen Nachwort. (Nr. 7349.) Kart. 35 Pf., Pappband 75 Pf., Ganzleinen 1 Mark. Philipp Reclam jun., Verlag, Leipzig. (90) Ein Kind­heitserlebnis ist hier mit einer Kampfhandlung aus dem Weltkrieg verknüpft: Der Junge, der mit fei­ner Schwester köstliche Ferientage auf einem ost- preußischen Gut verlebt hat, kommt als Soldat bei

Ausbruch des Krieges mit der Ostarmee in eben diese Gegend und macht das Gefecht im Schloßpark mit, bei dem der ganze schöne Besitz in Trümmer gelegt wird. Die tapfere Behauptung dieses Platzes gegen russische Uebermacht wird zum Ausgangs­punkt der großen ostpreußischen Siege Hindenburgs. Der eigentliche Reiz der kleinen Geschichte liegt in dem Kontrast zwischen dem zarten Kindheitsidyll und dem großen Kriegsgeschehen, das über diesen mit Liebe gehegten, stillen Fleck Erde dahinrollt. Im Nachwort erzählt Sander von dem schweren Aufstieg in den Nachkriegsjahren, von seiner Arbeit als Dichter und Erbhofbauer und von seiner Ver­bundenheit mit der pommerschen Erde.

Johannes Wäller: Don Jütland b i s I a v a. Aus dem Reisetagebuch eines dänischen Arztes. Aus dem Dänischen übersetzt von Tyra Derenburg. 272 Seiten mit 14 Zeichnungen im Text. Ganzleinen 5.40 Mark. Societäts-Derlag Frankfurt a. M. (99)Jütland und Java sind nicht nur die beiden geographischen Pole eines Le­bens, von dem der dänische Arzt Johannes Wäller rückschauend erzählt, sondern bezeichnen zugleich eine äußerste Spannung: auf der einen Seite Däne­mark, die Heimat, auf der anderen Seite Java, die Fremde, die tropische Insel der Vulkane, des Ur­waldes und der großartigen Ueberrefte versunkener Kulturen. Mit der heiteren Überlegenheit des welt- erfahrenen Mannes, dem die Ferne den Sinn für die kleinen und zärtlichen Dinge des Alltags ge­schärft hat, verweilt Dr. Wäller an den Stationen des Weges, der ihn in die Dienste der holländischen Kolonialarmee führte. Die Art des Sehens macht die Eigenart und den Wert dieses Buches aus, das die Betrachtung der sichtbaren Welt mit oft über­raschenden, immer klaren und entschiedenen Gedan­ken über diese Welt verbindet. Bekannte Städte wie Brüssel, Paris, Venedig oder Kairo erscheinen so neu und originell in ihrem Wesen ergriffen und dargestellt. Und die Beschreibung etwa eines Ter­mitenzuges, eines Abends am Indischen Ozean ober einer Nacht in den Ruinen von Borobudur ist eben­so voll dramatischer Spannung wie die Episoden aus den. holländischen Kolonialkämpfen. Mit knap­pen Strichen hat der dänische Zeichner Magnus Bengtsson charakteristische Bilder beigetragen.

Brettspiele. Gespielt und beschrieben von B. Arbeiter und W. R u h n k e. lieber 90 Zeich­nungen, 1 Spielplan als Beilage. Steif kartoniert 1,75 Mark. Ludwig Voggenreiter Verlag, Potsdam. (86) Dieser 4. Ergänzungsband zumDeut­schen Spielhandbuch" bringt in Wort und Bild die schönsten Brettspiele. Neben den allgemein bekann­ten Spielen wie Schach, Dame, Mühle und Domino enthält der Band viele bewährte alte und auch einige reizvolle neue Spiele. So finden wir das Bohnenspiel, Belagerungsspiel, Salta und Laka, Raummühle, das Go-Spiel der Japaner und viele andere mehr. Durch aufschlußreiche Hinweise auf Herkunft und Entstehungszeit der Spiele und auf ihren Entwicklungsgang ist das Büchlein auch volks­kundlich wertvoll und ein wertvoller Helfer für den Feierabend. Die vielen Spielplanzeichnungen und eingefügte Winke für das Selbstherstellen von Spie­len sowie der beigefügte Spielplan erhöhen die Brauchbarkeit.

Gertrud von Karger: Manfred Kyber, Dichter und Tierfreund. Mit 6 Bildern und 2 faksimilierten Gerichten. Brosch. 2,50, Leinen 3,50 Mark. Hesse und Becker Verlag, Leipzig C1. (109) Die erste Lebensbeschrei­bung des Dichters. Die Verfasserin kannte Kyber persönlich und schöpfte daher zum Teil aus dem Schatz ihrer Erinnerungen. Die große Gemeinde des feinen Poeten und Tierfreundes wird diese Gabe mit Freude und Dankbarkeit aufnehmen. Tritt ihr doch hier der Mensch Kyber in seiner Treue und Hilfsbereitschaft, aber auch in feinem Leiden und Entbehren entgegen. Das Leben des Dichters, das scheinbar so still verlief, war reich an inneren und äußeren Erlebnissen. Was er während der Bolsche­wistenherrschaft in Riga (1919) durchmachte, hat die Erkenntnis in ihm befestigt, daß die europäische Menschheit nur gesunden könne, wenn sie in das Reich der Seele zurückfinde.

Der Besuch.

Zugenderinnerung von Gunnar Gunnarsson.

Der isländische Dichter Gunnarsson, der große nordische Freund Deutschlands, hat von der Hansischen Universität Hamburg für das Jahr 1937 den Hendrik-Steffens-Preis er­halten.

... Sehr deutlich erinnere ich mich Mr. Howells, obwohl nein, es ist wohl eigentlich nur das Gepäck des Mannes, dessen ich mich erinnere. Eines Tages kam er in einem Regenguß in Ofeigsstadur an, regnete zur Tür herein ein kleiner Mann mit großem Gepäck, völlig unverständlich für alle andern außer Halldor und meinem Vater. Groß war sein Gepäck. Meiner Meinung nach waren seine roten Koffer, die auf die Gästestube und zwei Wirt­schaftshäuser verteilt wurden, unzählig. Diese roten Koffer öffnete und schloß, öffnete und schloß Mr. Howell die ganze Zeit, die er sich auf Ofeigsstadur aufhielt außer, wenn er sich auf einen von ihnen setzte und etwas in ein Buch kritzelte. Und wo sollte ich sein, wenn Mr. Howell einen Koffer öffnete, außer dicht neben ihm? Und wo sollte ich Hinsehen, wenn er in ihnen suchte, außer direkt hinein? Und was enthielten nun Mr. Howells unzählige Koffer? An verständlichem Inhalt enchielten sie Dosen mit Keks Kisten mit Keks, Keks, die überaus eßbar, mehr als eßbar aussahen ... Der übrige Inhalt der roten Koffer, der zu einem großen Teil aus Dosen von verschiedener Größe bestand, war mir bis auf einige Kleidungsstücke rätselhaft. Aber die Zettel" auf seinen Dosen waren sehr hübsch und sehr verständlich mit ihren bunten Abbildungen von Seetieren, Landtieren und merkwürdigen Früchten. Eines Tages erdreistete ich mich, Mr. Howell um einen Zettel, der lose saß, zu bitten. Mr. Howell sah mich mit großen Augen an und schwatzte lange in seinem Englisch, schien zu erwarten, daß ich eine Antwort geben sollte, wies immer wieder in den Koffer, und als ich keine andre Antwort finden konnte, als den Kopf zu schütteln, schüttelte er auch den Kopf und warf den Deckel zu. Gleich darauf öffnete er ihn jedoch wieder, leerte eine blecherne Keksdose und reichte sie mir mit strahlendem Lächeln. Ich flüsterte einen Dank, er nickte und nickte, ich reichte ihm die Hand und bedankte mich wieder. Aber es war für mich sicher eine gewisse Enttäuschung, daß er die Dose bis auf ein paar Kekskrümel auf dem Boden sorgfältig geleert hatte. Von diesen Krümeln kam mir das meiste in die falsche Kehle der Rest schmeckte ein wenig nach Staub, ein wenig nach Rost, ein wenig nach Blech, aber überaus gut und

fremdartig. Unter den geheimnisvollen Dingen in Mr. Howells Koffern befand sich ein großer Kasten auf drei Beinen, mit dem er sehr behutsam, und immer mit einem schwarzen Tuch über dem Kopfe, umging. Als ich von meinem Vater erfuhr, daß es ein Photographierapparat, eineBildermaschine" war, verstand ich durchaus Mr. Howells ehrfürch­tige Haltung ... Mein Vater zeigte ihm die Wasser­fälle, den Birkenwald und die übrigen Sehenswür­digkeiten der Gegend, und ließ sich photographieren, wie er zu Pferde saß ober einen großen, mit vieler Mühe herbeigeschafften Widder flott an einem Horn hielt. Mr. Howell blieb eine Woche auf dem Hofe, dann reiste er weiter ins Land hinein, wobei er meinen Vater, verschiedene Koffer und die meisten Pferde des Hofes mitnahm. Wie lange sie fortblie­ben, weiß ich nicht mehr, die Zeit erschien mir lang, aber endlich kehrten sie doch zurück, beide sehr auf­geräumt, beide ganz braun von Jökeln und Ge­birgsluft. Mein Vater hatte keine Zeit, meiner Mutter und uns Kindern von ihren großen und munteren Taten zu erzählen: wie sie einen Schnee- sturm überstanden, einander bis über die Hüfte im Schnee photographiert,ausgenommen", abgebildet und dies Mr. Howell die .Stelle beschrieben hatten, wo unser Elf aus dem Gletscher brach wie sie fast das Dreibein und die Bildermaschine in die Elf hätten fallen lassen, fast selber bei der Rettungsarbeit hineingefallen wären, was, wie er durchblicken ließ, jedoch nur ein Unglück zweiten Ranges und mehr von der Art gewesen wäre, wie man es in guter Gesellschaft in den Bergen erleben kann. Mein Vater schloß mit den Worten, daß er überhaupt fände, Mr. Howell sei einvortrefflicher Mitmensch", worauf er ging, um diesen seinen Mit­menschen aufzusuchen. Mr. Howell blieb einige Tage auf Ofeigsstadur, photographierte Gräber, photographierte Kirchgänger, photographierte die Sonntagsbegga, photographierte Bjössi mit all sei­nen Schafen, einen Fluch im Munde und Teufelchen auf den Hinterbeinen neben ihm stehend, photogra- phierte mich auf Raudur, den mein Vater unter­dessen am Zaume hielt, photographierte alles Er­denkliche und wollte auch die Alltagsbegga und meine Mutter photographieren, erhielt aber keine Erlaubnis dazu. Zum Schluß schenkte er mir feine leeren Blechdosen und Blechkisten, erlaubte mir, viele wertvolleZettel" abzupflücken, stieg mit jedem Tage, jeder Dose, jeder Kiste und jedem Zet­tel in meiner Achtung und würde mir doch zweifel­los als ein noch vortrefflicherer Mitmensch vorge­kommen sein, wenn er unter den Krümeln auf dem Boden der Dosen und Kisten auch nur ein Achtel nicht zerkrümelten Keks übriggelassen hätte. Schließ­

lich gab er meinem Vater seine Adresse auf einem Stück Papier, das noch seine englischen Krähen­füße bewahrt, versprach, ihm Bilder und nach Jahr und Tag ein illustriertes Reisebuch über die Fahrt zu schicken, entging mit Mühe und Not dem salzi­gen Schicksal der seligen Frau Lots, da die Alltags­begga, der er etwas Strickzeug abgekauft hatte, ihm zum Abschied einen feierlichen Kuß gab, und zog dann verblüfft, aber glücklicherweise unbeschä­digt mit all seinen roten Koffern und dem Rest seiner Kekse in sein armes sprachwirres Vaterland zurück. Mein Vater bat ihn, Königin Viktoria zu grüßen ... keiner bat ihn, Mr. Pickwick zu grüßen!

Wie der Kuckuck seine Gier in fremde Nester legt.

Es ist zwar zu einer sprichwörtlichen Redensart geworden, daß der Kuckuck feine Eier in fremde Nester legt, aber genaue Beobachtungen darüber, wie er dies anstellt, sind doch sehr selten, so daß die Angaben eines englischen Vogelkenners, dem es gelang, das Verhalten des Vogels in allen Einzel­heiten zu verfolgen, von Interesse sind. Er hatte drei Sommer lang Gelegenheit, einen weiblichen Kuckuck beim Legegeschäft zu verfolgen. Die Art und Weise, wie dieser dabei vorging, ist so ge- heimnisvoll, und es geschah so blitzschnell, daß man versteht, wieso man bisher keine genauen Beobach­tungen darüber mitteilen konnte.Der Kuckuck", erzählt der Vogelkundige,wurde zuerst in einem kleinen Gelände festgestellt, und ich fand, daß er neun Eier legte. Im nächsten Jahr kehrte er wieder an Ort und Stelle zurück, und ich stellte 16 Eier fest, die alle in Nester des Wesenpiepers gelegt waren. Damals kam ich zur Erkenntnis, daß der Kuckuck jeden folgenden Tag ein Ei legte und unter­brachte, so lange erreichbare Nester der Pflegeeltern vorhanden waren. Es wurde mir auch klar, daß das Geheimnis des Eierlegens beim Kuckuck darin lag, daß er vorher genau das Nest kennen mußte, dessen er sich für fein neu gelegt es Ei bedienen wollte. Im nächsten Jahr machte ich nun folgendes Experiment, daß ich vorher die Zahl der vorhan­denen Mesenpieper auf dem Gelände feststellte und ihre Nester so anordnete, daß sie von dem Kuckuck beobachtet werden konnten, wenn er wiederkehrte; es waren 21 Nester. Der Kuckuck kam wieder, und wirklich legte er 21 verschiedene Eier in sämtliche erreichbaren Nester der Wiesenpieper. Ich war unterdessen mit seinen Gewohnheiten bereits so ver­traut geworden, daß ich mehrere Freunde ebenfalls sein Legegeschäft beobachten lassen kannte. Der

Kuckuck sucht sich zunächst die Nester aus, indem er die Lieblingspflegeeltern genau beobachtet. Zu die­sem Zwecke sitzt er lange Zeit auf einzelnen Bäu­men, die einen guten Ueberblick über die Nester ge­währen. Wir sahen ihn mit diesem Aussuchen sehr beschäftigt, und manchmal flog er näher, um fest- zustellen, ob das betreffende Nest fertig fei. In ein solch fertiges Nest legte er dann unweigerlich nach zwei oder drei Tagen ein Ei. An den Nachmittagen, an denen Frau Kuckuck ihre Eier legte, trieb sie alle sie begleitenden Männchen fort und flog auf einen Baum, von dem aus sie das Nest sehen konnte. Hier verharrte sie etwa eine Stunde vollkommen bewegungslos, flog dann zu dem Nest hin und wie­der zurück, manchmal mehrmals, wie, um sich zu versichern, daß es noch da fei. Dann faß der Kuckuck auf dem Zweige längere Zeit wieder im Zustande vollkommener Ruhe. Plötzlich flog er mit ausgebrei- teten Flügeln zu dem Nest, ließ sich darauf nur wenige Sekunden nieder und legte in dieser kurzen Zeit sein Ei. Zu gleicher Zeit entfernte er eins der Piepereier aus dem Nest. Die Zeit des Eierlegens ist so kurz, daß die Chancen der Beobachtung des Vorganges fast gleich Null sind; man kann das Legen nur beobachten, wenn man einen bestimmten Kuckuck vorher lange studiert hat und imftanbe ist, seine Bewegungen genau vorauszusehen."

Zeitschriften.

DieBerliner Monatshefte", Zeit­schrift für neueste Geschichte (Berlin W 15, Quader- vertag August Bach, Einzelheft 1 Mark) beschäftigen sich in ihrem Machest mit den Friedensgesprachen während des Weltkrieges. Im Dezember 1916 fan­den in Genf Unterredungen zwischen einem Vertre­ter Oesterreich-Ungarns, dem Botschafter Graf Mensdorff, und einem Vertreter Großbritanniens, dem General Smuts, über die Möglichkeit einer Herbeiführung von Friedensverhandlungen statt. Lloyd George hat in feinen Memoiren die Auf­zeichnungen des Generals Smuts wiedergegeben, aus denen hervorgeht, welch hohe Bedeutung Eng­land damals diesem Friedensfühler beigemessen hat. Nun liegen auch die Berichte des Botschafters Graf Mensdorff vor, die erstmalig in der Mainummer derBerliner Monatshefte" in ihrem vollen Wort­laut veröffentlicht werden. In der gleichen Num­mer veröffentlicht Geheimrat Professor Dr. Richard Fester den 1. Teil einer größeren Studie über: Die Friedensvermittlungsversuche von 1917. Seine Ar­beit stellt eine Ergänzung seines Werkes überDie Politik Kaiser Karls und der Wendepunkt des Weltkrieges" bar.