Ausgabe 
19.5.1937
 
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Nr.N4 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Donnerstag, 2tt.Mi I<)57

fall. Ein Wohltätigkeitsfest in dem neuen schönen IA n s e r m e t (Genf) bereits bedeutende Erfolge in 6>r,.k otmnr sRnit-in" __ nft» ift hs-m iphfpn Verliu Au verAeichnen haben. 3u ihnen wird als

Die berliner Philharmoniker aus neuen Wegen

Musik in Zahlen. - Volkskulturelle Arbeit

KlubAmor de Patna" der alte ist dem letzten Erdbeben zum Opfer gefallen dem auch die füh­renden Persönlichkeiten der deutschen Kolonie ange­hören, knüpft bei Musik und Tanz freundschaftliche Bande fester. Die schönen Klubräume bieten uns

Berlin zu verzeichnen haben. Zu ihnen wird als dritter sich der Wiener Dirigent Oswald K a b a st a gesellen. Auf besonderen Wunsch Furtwäng­lers wird die Reihe der weltberühmten Solisten

Der großartige Erfolg der Berliner Phil­harmoniker auf ihrer nunmehr abgeschlossenen Frühjahrsreise nach Paris und London unter Führung Wilhelm Furtwänglers beendete ein Spieljahr, das dem führenden deutschen Konzert­orchester eine fast erdrückende Arbeitsfülle brachte. In einem Rückblick, den der künstlerische Leiter des Berliner Philharmonischen Orchesters, Generalmusik­direktor Hans von Benda, vor den Vertretern der Presse gab, erfuhr man, daß die Philharmo­niker in der ab gelauf enen Spielzeit unter nicht weniger als 55 Dirigenten, von denen 44 Deutsche und elf Ausländer waren, 161 Konzerte gaben. Das Orchester erfaßte auf diese Weise einen Hörerkreis von 270000 Menschen, von denen auf drei Auslandsreisen 35 000 fremdländische Hörer waren. In diesen Konzerten wurden im ganzen 609 Werke von 110 Komponisten aufgeführt. Die Spitze hielt Beethoven mit 104 Aufführun­gen, dem Brahms mit 46 und Richard Strauß mit 30 folgten.

Bedenkt man, daß diese Tätigkeit mit einem Konzert an fast jedem zweiten Tag einschließlich der Proben für die Orchestermitglieder 486 Dienste im Jahr umfaßt, so kann man die Belastung er­messen, die für einen Spielkörper von knapp hundert Mann auf die Dauer ohne Einbuße an künstlerischer Qualität der Aufführungen kaum trag­bar ist. Die Leitung des Orchesters hat sich daher entschlossen, in Zukunft die Zahl der Konzerte zu vermindern und die Philharmoniker nur dann auf dem Podium erscheinen zu lassen, wenn jeder

täglich bei dem schlechten Wetter und der sonst an Abwechslung armen kleinen Stadt willkommene Möglichkeit zu kameradschaftlichem Meinungsaus­tausch. So treffen wir hier häufig mit den Leitern der portugiesischen metereologischen Ma­ri nestat io n zusammen, deren regelmäßige Wettermeldungen täglich für die Schiffahrt von enormer Bedeutung sind. Ein Fußballspiel findet bei leidlichem Wetter unter reger Anteilnahme der Bevölkerung statt. Eine mißglückte Autotour, die leider schon in wenigen hundert Meter Höhe in Wolken und Rebel endet, gibt uns auf dem Rück­weg zu Fuß Gelegenheit, die nähere Umgebung etwas kennenzulernen.

ImDeutschen Haus", in dessen schönen, grvßen Räumen das Begrüßungsfest der Kolonie am Samstag stattgefunden hat, finden wir bei den dort wohnenden Junggesellen stets einen frohen Kreis begeisterter Freunde, so daß die acht Tage trotz des üblen Wetters schnell und in bester Stim­mung vergehen. Zum Auslauftage ist Neptun so freundlich gesonnen, daß das Bordfest an Oberdeck ftattfinöen kann, wenn auch unsere Gäste eine recht feuchte Seefahrt bis an Bord überstehen müssen, wo sie von starken Seemannsarmen mit viel Hallo aufs Fallreep geholt werden. Auch heute ist das Einsetzen der Boote keine Kleinigkeit, nachdem uns die letzten Unentwegten nach ungezählten Hände­drücken verlassen haben pünktlich um 22 Uhr wird der Anker gelichtet. Unsere Scheinwerfer glei­ten noch einmal über das freundliche Inselstädtchen hin und bleiben amDeutschen Haus" kurze Zeit haften, wo die Landsleute sich winkend versammelt haben und wohl noch bis Mitternacht beisammen­sitzen werden, um von dem Ereignis des Kriegs­schiffsbesuches und den frischen Eindrücken des Bord festes zu plaudern und weiter geht die Heimreise durch den stürmisch bewegten Atlantik unter den nächtlich jagenden dunklen Wolken ostwärts, Ir­land, dergrünen Insel", entgegen.

den Seiten hin werden die transozeanischen Kabel­telegramme hier verstärkt.

Der Samstag bringt letztes Großreinemachen zum Osterfest und weitere Verschlechterung des Wetters. Da wir wegen der geringen Was-' fertiefen weit draußen auf Reede liegen müssen und der zur Sturmstärke auffrischende Wind von der offenen See her in die sonst gut geschützte Buch steht, sehe ich mich als verantwortlicher Wachoffizier gezwungen, nachdem die letzten Urlauber aus dem heftig arbeitenden Boot unter kräftigem Zupacken an Bord genommen find, auch das schwere Der- kehrsboot noch einzusetzen. Es gilt, einen günsti­gen Moment abzupassen, um bei Backbordleeseite das Boot zu hieven. Alles klappt da gleitet der booffteuernbe Oberfähnrich auf dem nassen schwankenden Verdeck aus, wo er, selbst zupackend, den schweren Schlipphaken gesichert hat im sel­ben Moment ruckst das Boot in einer schweren See ein, und der plötzlich steifkommende Heiß- ftanber schlägt ihm mit solcher Wucht unter das Kinn, daß der zuspringende Bootsgast den Tau­melnden nur noch im letzten Augenblick ins Boot ziehen kann. Als ich den Armen am nächsten Mor­gen im Lazarett besuche, strahlt er schon wieder und weiß, daß er noch Glück im Unglück gehabt hat. In W.haven bin ich wieder allright, Herr Kapitän­leutnant!" Ein fester Händedruck nach Soldatenart nach sechs Taaen treffe ich ihn schon wieder auf der Brücke, die Wunde ist gut verheilt, wenn auch noch zahlreiche Zähne wackeln und der Kiefer wohl einen empfindlichen Knacks abgekriegt hat.

Ostersonntag: Es flaut soweit ab, daß der Gottesdienst auf der Schanze stattfinden kann. Er­wartungsvoll sind die Gedanken schon auf die Hei­mat und die Lieben gerichtet, die dort im deutschen Frühlingsahnen ihr Dfterfeft begehen und mit ihren Gedanken jetzt wohl auch bei uns sind. Ein Platz­konzert unserer bewährten Bordkapelle findet auch bei der hiesigen Bevölkerung, die uns freundlich aber zurückhaltend empfangen hat, begeisterten Bei-

Kircke und Schule.

Landkreis Gießen.

A Allendorf a. d. Ld a., 19. Mai. Wie seit einigen Jahren, so fand auch am diesjährigen zweiten Pfingstfeiertag die goldene Konfirmation der vor 50 Jahren Konfirmierten in der hiesigen Kirche während des Vormittagsgottesdienstes statt. Im feierlichen Zuge begaben sich die damaligen Konfirmanden unter Vorantritt der beiden Pfar­rer und des Kirchenvorstandes vom Pfarrhof in die Kirche und nahmen vor dem mit Blumen geschmück­ten Altar Platz. 4ßon den ehemaligen 18 Konfir­manden nahmen an der Feier 12, und zwar 7 Frauen und 5 Männer, teil. Seiner Predigt legte Pfarrer Andres den Text ihres Konsir- mationstages, nämlich das Bibelwort Brief Paulus an die Kolosser, Kap. 2, Vers 6 und 7, zugrunde. Gemeinsame Abendmahls feier, an der auch die An­gehörigen der goldenen Konfirmanden teilnahmen, beschloß den Dormittagsgottesdienst. Nachmittags fand ein kleiner Gottesdienst am Grabe des frühe­ren Konfirmators, des Pfarrers H e b e r e r , statt, wobei auch der bereits verstorbenen Alterskamera­den durch Kranzniederlegung gedacht wurde. Eins Nachfeier im Pfarrhause bei Kaffee und Kuchen vereinigte sodann die goldenen Konfirmanden, wo­bei alte Erinnerungen ausgetauscht wurden.

ch Lauter, 18. Mai. Am zweiten Pfingstfeier­tag wurde in unserer Kirche das Fest der golde­nen Konfirmation gefeiert. Zu dieser Feier waren auch die Jahrgänge eingeladen worden, die 1882, 1877 und 1872, also die, die vor 55, 60 und 65 Jahren in unserer Kirche konfirmiert worden sind. Im Jahre 1887 sind es hier elf Konfirman­den gewesen. Bon ihnen sind bereits drei verstor­ben. Von den acht noch Lebenden hatten sich zu der Feier August Schlörb, Heinrich Reitz (Flensungen), Karl Schaaf, Katharine Zimmer (geb. Röder) und

XVI*.

Stürmische See vor den Azoren.

Während die Bermuda-Inseln, die jetzt schon wieder Hunderte von Seemeilen hinter uns liegen, um 1515 von den Spaniern entdeckt und 1543 durch portugiesische Kolonisten zum erstenmal besiedelt wurden, bis der durch Schiffbruch hierher verschlagene Admiral Sir George Somers die In­seln 1609 in englischen Besitz nahm (daher Somer­set-Island), waren die Azoren bereits den Phö­niziern und dem frühen Mittelalter bekannt. Um 1431 wurden sie von den Portugiesen wiederent­deckt und erhielten nach den dort in großer Zahl vorgefundenen Bussarden, die die Portugiesen für Habichte Azores hielten, ihren heutigen Na­men. Sie bestehen aus neun größeren Inseln und einigen Klippen mit einem Gesamtflächeninhalt von 2395 Quadratkilometer und werden ihrer Lage nach in drei Gruppen und Verwaltungsbezirke ein- geteilt: Die Westgruppe mit Corvo und Flores, die Mittelgruppe mit Fayal, Pico, Sao Jorge, Graci- ofa und Terceira und die Oftgruppe mit Sao Mi­guel und Santa Maria. Vulkanischen Ursprungs, wurden die Azoren häufig von Erdbeben heimge­sucht. Auf verschiedenen Inseln ist die vulkanische Tätigkeit heute noch nicht erloschen. Alle sind gebirgig, von tiefen Schluchten durchzogen, charakteristisch sind die vielen Thermen und Kraterkessel (Calderos genannt), die häufig kleine Seen bilden.

Die Inseln werden von rund 250 000 Einwohnern besiedelt, das sind über 100 auf den Quadratkilo­meter. Die überwiegende Mehrzahl sind Portugie­sen. Die früher eingewanderten Neger, Mauren, Juden und Flamen sind völlig in ihnen aufgegan­gen. Die Bevölkerung lebt von Ackerbau; Kartof­feln, Mais, Bohnen, Weizen und Gerste werden in mühevoller Arbeit angebaut und in geringen Mengen sogar ausgeführt. Südfrüchte gedeihen nur sehr spärlich. Da die Berghänge gute Weideslächen bieten, wird Viehzucht im großen Umfange betrie­ben. In mühevoller Heimarbeit werden Sttoh- geflechte und Sttckereien von den Frauen herge­stellt, die von den Fremden gerne gekauft werden. Selten sieht man noch die altertümliche schwarze Tracht, einen langen Mantel mit einer großen Kapuze, in der das Gesicht völlig verschwindet, die aber guten Schutz gegen die heftigen Winde und Regenfälle bietet. Das Klima ist unter dem Einfluß des Golfitromes gleichmäßig milde und gesund mit zahlreichen Niederschlägen. Oft verhüllen die Wol- kenmassen die Berge völlig, besonders in den Schlechtwetterperioden, wie wir sie jetzt und zur Zeit der Herbststürme hier erleben.

Die Insel Fayal mit dem freundlichen Hafen­städtchen Horta, vor dem wir nun unseren Anker werfen, ist etwa 28 Kilometer lang und 13 breit. Sie hat 24 000 Einwohner. Die höchste Erhebung der gebirgigen Insel, der Pico Gorda, ist 1021 Meter hoch. Unmittelbar gegenüber der Bucht erhebt sich auf der nach ihm benannten Insel der höchste Berg der gesamten Inselgruppe, der noch tätige Vulkan Pico Alto, malerisch aus den beweg­ten Fluten des Atlantik. Mit dem Wetter haben wir gründlich Pech dieses Mal! Schon am Karfrei­tag muß der Gottesdienst, zu dem fast die ganze Kolonie erschienen ist, unter Deck stattfinden. Fast alle Deutschen sind Angestellte der Deutschen K a b e l st a t i o n , die hier als wichtige Zwischen­station für die Ueberfeefopel über England, Irland nach den Kap-Verde-Jnseln, Neu-Schottland und Neuyork schon vor dem Kriege bestand. Das zu Be­ginn des Krieges von den Engländern geschnittene Kabel ist längst roieber ausgelegt. Ein Gong durch die Anlage ist lohnend und interessant. Nach bei­

* Den letzten Bericht siehe in Nr. 95 vom 24. April. ______

dieser Konzerte, die u. a. Namen wie Ä u I e n - tampff, Mainardi, Backhaus, Edwin Fischer und Eduard Erdmann aufweisen, durch drei junge Künstler ergänzt werden, von denen Erich Rohn als Konzertmeister und Tibor die M a ch u l a als Solo-Cellist dem Philharmoni­schen Orchester angehören, während Conrad Han­sen sich schon häufig als einer der bedeutendsten jungen Pianisten ausgewiesen hat. Außerdem sind wieder Abonnements-Zyklen unter der Leitung des Hamburger Staatskapellmeisters Eugen I o ch u m und des Professors Bruno Kittel mit feinem hervorragenden Chor vorgesehen. Auch, die Aus­tauschbeziehungen mit dem Auslande sollen weiter gepflegt werden. Don den bisher feststehenden Sonderkonzerten sind die Abende von Victor de S a b a t a und Willem Mengelberg von vorn­herein ihres künstlerischen und Publikumserfolgs sicher.

Don besonderem Verantwortungsbewußtsein ist die Leitung des Philharmonischen Orchesters gegen­über der Jugend beseelt. Dem zeitgenössi­schen Schaffen werden neben den Abonnements­konzerten zwei besondere Abende und eine inter­nationale Musikwoche gewidmet sein. In zwölf Iugendkonzerten mit klassischen Werken werden 12 000 Volksschüler und 12 000 Besucher der Auf­bau- und höheren Schulen je zwei bzw. drei Kon­zerte bei freiem Eintritt hören. Durch Vereinbarung mit der Stadt Berlin können bereits im Juni die Programme mit Werkanalysen kostenlos an die Schulen geliefert werden, so daß in den Musik­stunden eine gründliche Vorbereitung durchgeführt werden kann. Diese Einrichtung, die sich bereits bewährt hat, soll einen Stamm musikalischer Kinder regelmäßig erfassen, um dem Musikleben auch in der kommenden Generation eine tragfähige Grund­lage von der Besucherseite her zu geben.

Johannes Jacobi.

einzelne Musiker und der Dirigent die Verant­wortung für eine gleichmäßige Höchstleistung aller Veranstaltungen übernehmen können. Aus diesem Grunde werden in der kommenden Spielzeit die fogenannten populären Konzerte, die seit einem halben Jahrhundert Sonntags und Dienstags stcttt- fanden, wegfallen.

Um einerseits den billigen Konzerten das Odium minderer Leistungshöhe zu nehmen und anderer­seits die volkskulturellen Aufgaben des repräsen- tatioen deutschen Orchesters zu verstärken, werden künftig .für die NS.-GemeinfchaftKraft durch Freude" nicht eilig zusammengestellte Konzerte mit ständig wechselnden Dirigenten veranstaltet werden, sondern für die Kulturorganisation des schaffenden Volkes werden jeweils Wiederholungen der großen Abonnementskonzerte unter namhaften Dirigenten geboten. Ferner soll der jähr­liche Beethoven-Zyklus, der sich außer­ordentlicher Beliebtheit erfreut, bei gleichbleibend niedrigen Preisen von einem einzigen Dirigenten geleitet werden; es spricht für das künstlerische Ver­antwortungsbewußtsein in dieser volkskulturellen Arbeit, daß für die acht Abende des Beethoven- Zyklus, der gleichzeitig durch rahmende Hauptwerke Mozarts aufgelockert wird, eine Persönlichkeit vom Range Carl S ch u r i ch t s gewonnen worden ist.

Von den zehn repräsentativen Philharmonischen Konzerten wird Wilhelm Furtwängler sieben Abende leiten. Für die übrigen sind hervorragende Dirigenten des Auslandes verpflichtet wbrden, von denen Bernardino Molinari (Rom) und Erneste

MderSchleswlg-Holsiein"ausSchuIsWsreise

Don Karl Friedrich Birnbaum, Kapitanleuinant.

Das gute Birnenjahr."

Zur Illumination des PanzerschiffesAdmiral Graf Spee".

Als ich jetzt m den Zeitungen das Bild von der Probe-Illumination unseres PanzerschiffesAd­miral Graf Spee" für die Flottenschau in England sah, kam mir die Erinnerung an die erste Illumi­nation unseres SchiffesKaiser Karl der Große im Jahre 1905.

Wir wurden damals aus Anlaß der Feier der 75jährigen Unabhängigkeitserklärung Belgiens nach Antwerpen entsandt, wo unser Schiff nicht nur von der belgischen Bevölkerung und der starken deutschen Kolonie, sondern auch vom König Leopold II. !her^ lichst begrüßt und durch seinen persönlichen Besuch geehrt wurde.

Wir erhielten als erstes Flottenschiff zu diesen Feiern eine große Illuminations-Anlage durch die Kaiserliche Werft eingebaut, die genau wie jetzt auf unseremAdmiral Graf Spee", alle Umrisse des Schiffes in Hellem Lichterglanz erstrahlen ließ.

Die allabendliche Illumination fand nicht nur in Antwerpen freudigste Anerkennung, sondern brachte auch für uns selbst noch eine ganz besondere, nach­haltende Annehmlichkeit mit sich.

Wie mit jedem Ausrüstungsstück, mußte auch mit den elektrischen Glühbirnen an Bord peinlich ge­spart werden. Eine jede Birne hatte so ihre ge­wisseTragezeit", nach deren Ablauf es erst auf der Werft im Umtausch neue gab. Die damaligen alten Kohlenfadenlampen brannten nun aber immer bald mit noch sehr verminderter Leuchtkraft. Wenn wir Leutnants dann beimelektrischen Ingenieur , unserem prächtigen Marine-Oberingenieur Noack, vorstellig wurden zwecks Umtauschs unserer armse­ligen einzigenKammerbirne", dann schüttelte er nur bedenklich den Kopf:Herr Leutnant, Ihre Birne muß noch ein halbes Jahr aushalten, sonst komme ich mit meinem Etat nicht aus." Schoner Schaden! Wir wollten unsere jungen Augen bei den vielfachen schriftlichen Arbeiten in unserer Kammer nun aber doch auch nicht unnütz für das Vaterland opfern, da diese doch mindestens bis zumAdmi­ral" ausreichen mußten.

Deshalb wußten wir uns nun trotz allem bald zu helfen. In der Kammer des ersten Offiziers brannten die Birnen immer wie neu in hellstem Glanze. Nichts lag deshalb naher, als daß wir unserealten Birnen" abends, natürlich nur wenn der gestrenge erste Offizier von Korb war, gegen

eine Helle, neu strahlende Birne aus dessen Kam­mer vertauschten.

Der erste Offizier bekam dank feiner Machtstel­lung natürlich immer wieder gleich Ersatz, daseine Birne" ja nicht so lange zu halten brauchte. Na­türlich fluchte er, wie auch derelektrische In­genieur", jeden Tag sehr über den schnellen Ver­schleiß und die schlechte Lieferung der Werft. Eine schriftliche Beschwerde bei der Werft war dann natürlich die Folge, worauf diese die Vorwürfe wieder scharf zurückwies usw. ... Was kümmerte dieser Schriftwechsel uns Leutnants? Wir hatten so wenigstens immerfrische Birnen".

All diese Sorgen hierfür waren aber auf ein­mal beendet, als wir die Illuminations-Anlage für die belgischen Nationalfeierlichkeiten eingebaut er­halten hatten. Derelektrische Ingenieur" wußte sich nun nämlich aus der Not zu helfen, indem er von den vielen Tausenden vonIlluminations-Bir­nen" nur einige Dutzend wieder auf der Werft ab-- gab, da die anderen durch Seegang und beim Ab­montieren der Anlagezerschlagen worden wären".

Erleichtert konnte er nun feststellen:1905 war wirklich ein gutes Birnenjahr!"

Wünschen wir der Besatzung unseres stolzen PanzerschiffesAdmiral Graf Spee" nach der Rückkehr aus England also auch:Em gutes Bir­nenjahr 1937!"

Korvetten-Kapitän a.D. G. G.Frhr. v.Forstner.

Lichtspielhaus:

Man spricht über Jacqueline".

Dieser Film wurde nach dem gleichnamigen Roman von Katrin Holland gedreht; die Ver­fasserin, der Regisseur Werner Hochbaum und F. D. A n d a m schrieben das Drehbuch. Das Thema ist so beschaffen, daß es in einer menschlich und künstlerisch vollauf befriedigenden Form wohl nur im Roman gestaltet werden konnte: die große, die erste wirkliche Liebe einer Frau, die viele Aben­teuer hinter sich und eine oft und gern in aller Oeffentlichkeit besprochene Vergangenheit hat; für den Mann ist diese Begegnung das entscheidende Erlebnis nach einer bitteren Enttäuschung; die Frau hat nicht den Mut, sich zu ihrer Vergangenheit zu bekennen und versucht ihre jüngere Schwester ba= mit zu belasten. Ein delikates Motiv, dessen Ge­staltung mit fast unausweichlicher Sicherheit einem bösen Ende zutreiben muß. Der Film steuert haar­scharf daran vorbei und gelangt im allerletzten Augenblick noch zu dem glücklichen Ausgang, der im

Film lieber gesehen und auch meist selbstverständ­licher hingenommen wird als in einem Roman. Der Film wirkt anfänglich etwas sprunghaft und un­konzentriert in seiner Bilderfolge; die Stärke und Kunst der Regieführung von Werner H o ch b a u m offenbart sich erst später, wenn das Hauptmotiv an­geschlagen und der Stein sozusagen im Rollen ist: da gibt es eine Reihe hübscher, intimer, liebevoll photographierter Bilder aus Paris und einige Szenen, in denen etwas von der zarten und emp­findsamen Stimmung der literarischen Vorlage ein­gefangen zu sein scheint. Dera Engels, übrigens die Tochter des ersten Kommandanten des berühm­ten KreuzersEmden", spielt die Jacqueline, er­innert stellenweise, wohl nicht ohne Absicht, an Marlene Dietrich und findet zwischen der exzen­trischen Laune einer Abenteurerin und der be­dingungslosen Zärtlichkeit der leidenschaftlich Lie­benden die manchmal unwahrscheinlich schmale Mitte. Ihr Partner ist Albrecht S ch o e n h a l s, der sich in einer stellenweise ganz romanhaft wirkenden Rolle so elegant wie männlich, so diskret wie kava­liersmäßig bewährt. Sabine Peters ist auch hier die jüngere Schwester hoffentlich wird ihre ur­sprüngliche Begabung nicht auf ein Schema festge­legt und bestimmt mit einer winzigen, aber rührenden Szene den Ausklang des Films auf eine ganz unkonventionelle Art. Vom Ensemble seien noch Hans Z e s ch - B a l l o t und Fritz G e n s ch o w genannt; die Gießener Besucher wird überdies ein kurzes Wiedersehen mit Arzdorf, der früher am Stadttheater wirkte, interessieren. (Syndicat-Film Tobis.) *

Vorher gibt es die neue Fox-Wochenschau und einen interessanten Lehrfilm über die Technik des Fernsehens. Hans Thyriot.

Die Findigkeit der Post.

Im Reichspostmuseum. Im geheimnisvollen Dämmerlicht einer Fensternische eine Vitrine. Die Findigkeit der Reichspost. Man sieht und staunt, mit welch kriminalistischem Scharfsinn die Post die Empfänger der so sonderbar beschrifteten Postsen­dungen aufgespürt hat. Da schrieb ein kleiner Junge aus Amerika:An meinen lieben Papa, Germany, Niethen b. Pomritz, Sachs." Und ein anderer Kiek­indiewelt gab einen Brieffür Onkel Gotthard, franffortemain" auf. Die tüchtige Poft fand sowohl den lieben Papa wie auch den Onkel Gotthard in Frankfurt am Main". Aber man glaube nicht, das es nur Kinder waren, die der Poft so harte Nüsse zu knacken aufgaben. Die Zahl der Erwachsenen,

die ähnlich seltsam beschriftete Postsendungen auf­gaben, überwiegt. Manch scherzhafte, rätselhafte An­schrift in Gedichtform findet man. Alles ist an sei­nen Bestimmungsort gelangt, auch der Vrief, der als Anschrift das Lichtbild einer Dame trug, aller­dings mit dem Zusatz, daß sieBerlin S, Prinzen - straße 99 III." .wohnhaft sei. Dann die Gruppe der­jenigen, die aus Unachtsamkeit zum Beispiel den Eigennamen mit dem Wohnort verwechselten, oder nur die Straße angegeben haben. Ein kleines Rät­sel für die Postbeamten, das sie leicht gelöst haben.

Und auch unter den seltsamen Beschriftungen, die ganz offenbar aus einer Verlegenheit entstan­den sind, finden sich solche, die nicht allzuviel Mühe gemacht haben können. Wenn eine Anschrift lau­tet:An Fräulein Osmann, Bahnhof Freiberg in Sachsen, Straße gegenüber rin, erste Ecke links um, erste Haustüre 1. Treppe", so wird der mit seinem Bezirk vertraute Postbote sicher bald die Empfän­gerin entdeckt haben, was aber schon schwieriger ge­wesen sein dürfte bei derFrau Steuerassistent Müller, zu Besuch in einer Villa bei zwei Witwen, die Mutter ist Pastorenwitwe, in Friedenau". Und auch der Brief an einen Zigarrenhändler war sicher nicht leicht zu befördern, wenn er auch eine genaue Beschreibung seines Hauses und einen gut gezeichneten Lageplan als Aufschrift trug.

Diese Seltsamkeiten stammen aus zurückliegenden Zeiten, und die Zweifler werden mit dem Einwand kommen, so was gebe es heute nicht mehr.Weit ge­fehlt", meinte der Beamte, der diese Sammlung be­treut,es ist heute wie in vergangenen Jahren." Wer es nicht glaubt, der frage feinen Postboten; er weiß sicher ein Lied davon zu fingen. In Lau­benkolonien ist es nicht selten, daß es außer dem Namen der Kolonie nur noch heißt:Vierte Laube links." Nur eines hat sich geändert, die Anschriften sind heute häufiger mit der Maschine geschrieben und darum wenigstens leserlich. Aber noch immer sind Briefe an denlieben Papa" und denguten On­kel" unterwegs, und manch kleiner Knirps schickt seine Wünsche per Post an den Osterhasen. Das ist selbstverständlich und wird entsprechend aufge­nommen.

6od)fd)u1nad)rid)fen.

Professor Dr. Max Wentscher, Ordinarius für Philosophie und Pädagogik an der Universität ^B o n n, beging seinen 75. Geburtstag. Deut­scher lehrte früher in Königsberg. Von feinen Ar­beiten nennen wir seine zweibändigeEthik" und seinePädagogik. Kritische Grundlegung und System."