Ausgabe 
19.3.1937
 
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Belgien beharrt auf strikter Neutralität.

Zurückweisung der pariser Pressionen.

London, 18. März. (DNB.) Der belgische Staatsmann Hyrnans, der sich als Präsident der englisch-belgischen Kriegsgräberfürsorge in London befindet, traf mit Außenminister Eden zusammen. DerStar" berichtet, daß der Besuch hauptsächlich mit den Meinungsverschiedenheiten in Zusammen­hang stehe, die slch zwischen Frankreich, England und Belgien hinsichtlich des Westpakt-Vor- ch l a g e s ergeben hätten. Die Schwierigkeit be- tehe darin, daß die Belgier nicht gewillt eien, irgendeiner Macht das Durchmarsch­recht für Truppen oder das Ueberfliegungs- r e ch t für Flugzeuge zu gewähren. Trotz aller diplomatischen Künste und Drohungen sei es nicht gelungen, Belgien von seiner Forderung nach striktesten Neutralitätsgarantien ab­zubringen. Die Kriegsministerien in London und Paris seien entsetzt über dieUninteressiertheit" Belgiens an der Fortsetzung der Generalstabsbe­sprechungen zwischen den drei Ländern. Die Belgier erklärten, daß derartige Besprechungen, zu denen Deutschland nicht zugezogen werde, h e r- ousfordernd seien. Die Meinungsverschieden­heiten seien so stark, daß der belgische Minister­präsident und der belgische Außenminister den Wunsch hätten, zur Klarstellung der Lage nach London kommen. Auch König Leopold s e l b st, der Befürworter der belgischen Neutrali­tätspolitik, habe sich mit dem Gedanken eines B e - suches in London befaßt, um den Standpunkt Belgiens darzulegen.

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Die belgische Presse hat zu dem deutschen und dem italienischen Memorandum zu der West­paktfrage, deren mutmaßlicher Inhalt hauptsächlich durch entstellte Kommentare der französischen Presse bekannt geworden ist, nur vereinzelt Stellung ge­nommen. Die katholische TageszeitungLibre Belgique" belehrt die französische Presse darüber, daß die Garantie, die Belgien fordere, nicht ein Almosen sei, das Belgien von dem Groß­mut seiner Nachbarn erbitte. Belgien habe ange-

Der Generalstreik in Paris.

Oie kommunistische Hetze gehl weiter.

Paris, 18. März. (DNB.) Die vom marxisti­schen Gewerkschaftsuerband in Paris erteilte Streik­parole ist allgemein befolgt worden. Paris ist Donnerstagvormittag ohne Autobusse, ohne Un­tergrundbahnen und ohne Kraftdroschken geblieben. In den Fabriken ist die Befolgung der Streikpa­role z. T. von Streikposten überwacht worden. Auch sind rote Fahnen gehißt worden. Die Mehr­zahl der großen Warenhäuser hatte vormittags ge­schlossen. Die Angestellten des Metallarbeitergewer­bes, des Baugewerbes, des städtischen Transport­wesens, der Möbelindustrie, des Bankgewerbes haben geschlossen gestreikt, während im Lebens- mittelgewerbe, in den Markthallen und Schlacht­häusern wenigstens in Geringem Umfange gearbei­tet wurde; zahlreiche Kaffeehäuser waren geschlossen. Während am Nachmittag im allgemeinen in Paris d i e Arbeit wieder ausgenommen wurde, konnten einige Werke der Pariser Bann­meile aus technischen Gründen verschiedene Werk­ballen nicht öffnen. Die Belegschaften ent­sandten Abordnungen zu den Werksleitungen, um die sofortige Eröffnung der Betriebe zu fordern, was jedoch nicht möglich war. Daraufhin sind die Belegschaften dieser Werke, darunter Citroen, Re­nault und einer großen Flugzeugfabrik in den Aus­stand getreten.

Die Kommuni st en hielten am Donnerstag­abend eine Massenversammlung im Pa­riser Sportpalast mit Genehmigung der Regierung ab, was um so bemerkens­werter ist, als am Donnerstag drei Kundgebungen nationaler Gruppen von der Regierung ver­boten worden sind. Hauptredner waren die Ober­hetzer T h o r e z und D u c l o s. Wiederum waren die französische Sozialpartei de la Rocques, die französische Volkspartei Doriots und die Pariser Polizei Zielscheiben der Hetzreden. Besonders albern gebärdete sich Duclos, der die demagogische Be­hauptung aufstellte, daß die französische Sozial­parteizugunsten Hitlers den Bürgerkrieg in Frankreich vom Zaune brechen wolle" (!!). Dar­an knüpfte er die dreiste Forderung, daß diese Partei aufgelöst und de la Rocque ins Gefängnis oeworfen werden müsse. Dasselbe müsse mit dem Abgeordneten Doriot geschehen, der mit de la Rocque gemeinsame Sache mache. Schließlich müsse eine rascheSäuberung" der Polizei von allen rechtsgerichteten Elementen durchgeführt werden.

Thorez stellte dann die heuchlerische Behauptung auf, die blutigen Unruhen in Clichy hätten vermie­den werden können, wenn nicht ein ungewöhnlich

sichts seiner geographischen Lage einen A n - sprach auf die Unterstützung seiner Nachbarn. Wenn Frankreich sich gegenüber Belgien zu nichts verpflichten wolle, dann könnte Belgien unter Um­ständen dieselbe Haltung einnehmen.

Das national - flämischeVolk e n Staat" schreibt u. a.:Die Äußerungen der französischen Presse haben den Vorzug, daß sie Klarheit schaffen. Wir kriechen entweder in das französische Garn, oder man läßt uns bei einem deutschen Angriff im Stich. Dabei glaubt niemand auch nur einen Augenblick daran, daß Deutschland Angriffsabsich­ten auf Belgien hat. Locarno lag nicht in unserem Interesse, wohl aber im Vorteil von Paris. Bel­gien ist ein wichtiger Faktor für den Frieden in Westeuropa. London und Pa­ris wissen das sehr wohl. Es hat den Anschein, als ob in belgischen Kreisen d i e Nüchternheit immer mehr die Oberhand gewinnt, und daß man auf dem Gebiete der internationalen Verpflichtun­gen nur s o weit marschieren will, als es mit den Interessen Belgiens übereinstimmt."

Holland tritt selbst für die Unverletz­lichkeit seiner Grenzen ein.

Amsterdam, 18. März. (DNB.) Der hollän­dische Außenminister de G r a e f f berührte in einer Rede vor der Ersten Kammer auch den Teil der Führer-Rede vom 30. Januar, der auf die Bereit­willigkeit Deutschlands Bezug nahm, die Unver­letzlichkeit der niederländischen Gren­ze n zu gewährleisten. Ein Garantievertrag komme für Holland nicht in Frage, da es den Wunsch habe, selbst für die Unverletzlichkeit seiner Gren­zen einzutreten. Hollands Gründe würden von Deutschland völlig verstanden. Sollten die Locarno-Mächte einen Nichtangriffspakt schließen und dabei die Verletzung der holländischen Gren­zen als kriegerische Handlung bezeichnen, so könne Holland das nicht verhindern. Vielleicht auch würde es ihm willkommen sein.

großes Polizeiaufgebot erschienen wäre. Mit todernster Miene protestierte er dagegen, daß kom­munistische Kundgeber verhaftet würden, weil man bei ihnen Eisenstücke vorgefunden habe mit denen die Polizei beworfen worden ist. Diese Eisen­stücke seien gerade einBeweis für die fried­lichen Absichten der Kundgeber, die sich ledig­lich gegen einen ungerechtfertigten Angriff verteidigt hätten. (!)

Das radikalsoziale ParteiblattEre Nouvelle" stellt die verfängliche Frage, wozu dem Lande am Donnerstag der G e n e r a l st r e i k aufgezwun­gen worden sei. Anstatt den Generalstreik anzuzet­teln, hätte man sich fragen sollen, wer dieKund- gebungen in Clichy provoziert habe, wer schon Tage vorher durch Maueranschläge die Bevölkerung aufgewiegelt habe, wer ferner verant­wortlich dafür sei, daß die Sirenen gerade in dem Augenblick in Tätigkeit gesetzt wurden, als es ange­bracht war, die Bevölkerung zu beruhigen, statt sie noch mehr zu erregen. Trotz allem ist mit einer neuen kommunistischen Kundgebung zu rechnen bei der Beisetzung der Opfer von Clichy am kommenden Sonntag. Der Verband der Pariser Gewerkschaften wird auch diesen traurigen Anlaß zu einer Hetzkampagne benutzen.

Das Echo in London.

Die Dame auf dem Tiger.

London, 19. März. (DNB. Funkspr.)Mor- ning Post" meint zu den Vorgängen in Paris, trotz der geschickten Art, die Blum in der Behandlung derartiger Affären habe, befinde er sich offensichtlich in der beängstigenden Lage, nicht ganz Herr irneigenen Hause zu sein. Etwas respektwidrig knüpft dann das konservative Blatt an in England weitverbreitete Klapphornverse von einer Dame, die einen Tiger zu m Reittier wählte, und meint, man könne Blum mit dieser Dame ver­gleichen. Solange das Tier guter Laune sei, könne man es in die Richtung bringen, in der man es zu haben wünsche. Sobald sich aber sein Tempera­ment rege, sei es nicht mehr der Reiter, der die Richtung bestimme. Die Kommunisten würden Zurückhaltung und Geduld solange zeigen, solange sie ihren Weg ungehindert gehen könnten. Die gegenwärtige Schwierigkeit könne mit Blums Hilfs­mitteln vielleicht noch einmal überwunden werden; aber für wie lange? Das fei die Frage, die alle Freunde Frankreichs beunruhigen müßte.

wird. Es ist dies die AusstellungSchaffendes V o l k", die einen ersten geschloffenen Ueberblick über den Vierjahresplan und insbesondere d i e neuen deutschen Werkstoffe darstellen wird. Besonderer Wert ist bei dem Aufbau der Ausstellung darauf gelegt worden, daß die neuen deutschen Werkstoffe und ihre Verarbeitung und Anwendung nicht nur dem Fachmann, sondern ge­rade dem Laien verständlich sind. Wir hatten an dieser Stelle schon mehrfach Gelegenheit, darauf hinzuweisen, daß die Findung und Herstellung neuer deutscher Werk- und Austauschstoffe nicht fo schwierig sei, wie die Beseitigung manches Vor­urteils und mancher Unkenntnis der Anwendung in den einzelnen Gewerben und Verbrauchergrup­pen. Selbstverständlich werden in Düsseldorf Leicht­metalle, Kunst- und Preßstoffe, Buna, die neuen Treibstoffe, Glas und Keramik, die neuen Textil- rohstoffe und vieles andere im Vordergrund stehen, alles Dinge, die den mit der Zeit lebenden Volks­genossen aufs Höchste interessieren werden. Aber auch dem Ausland wird durch die große Ausstel­lung Gelegenheit gegeben werden, sich über das Wesen des Dierjahresplanes zu unterrichten und die Möglichkeiten zu studieren, die durch die neuen deutschen Werkstoffe gegeben sind. Es dürfte fein Zweifel darüber bestehen, daß sich die neuen deut­schen Erkenntnisse auch für manche anderen Indu­strieländer wertvoll auswirken werden.

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Die kommende große Textilausstellung in der Reichshauptstadt, die vom 24. März bis 11. April stattfinden wird, wird den neuen deut­schen Rohstoff Zellwolle in den Vordergrund des Interesses rücken. Die Zellwolle hat sich heute bereits als einer der hervorragendsten, künstlichen Textilstoffe bewährt. Der Vorzug, daß sie in ganz bestimmten, genau abgemessenen Stapellängen und auch mit sonst sehr gleichmäßigen Eigenschaften hergestellt werden kann, während wir bei den Naturrohstoffen, gleichgültig ob es sich um Seide, Wolle ober Baumwolle harckelt, immer Unregel­mäßigkeiten und Schwankungen mit in Kauf neh­men müssen, macht sie den genannten älteren Roh­stoffen überlegen. Es kann überdies als erheblicher Fortschritt betrachtet werden, daß in den letzten Jahren im Zusammenhang mit dem ersten und zweiten Vierjahresplan der Anteil der Textil­rohstoffe an der gesamten Rohstoffeinfuhr von 31,7 v. H. im Jahre 1933 auf 25,9 v. H. im Jahre 1936 zurückgegangen ist. Wenn es heute möglich ist, die Versorgung der deutschen Textil­wirtschaft zu 31,4 v. H. aus inländischen Nohstoffen sicherzustellen, während dies 1933 nur zu 15,6 v. H. möglich war, so ist das in erster Linie der Zellwolle zu verdanken. Diese Entwick­lung ist noch nicht abgeschlossen. Die Steigerung in der Herstellung von Zellwolle vom Jahre 1936 bis zum Jahre 1937 beweist bas. Erhebliche Vergröße­rungen der im Betrieb befindlichen Werke sind ge­plant. An der Spitze der Zellwolle-Verarbeitung in Deutschland steht Augsburg, die alte Textil­stadt, in der schon verschiedene Betriebe zur Her­stellung dieses wichtigen Spinnstoffes übergegangen sind. Seine wichtigsten Vorzüge sind: Gleichmäßig­keit, vollkommene Reinheit, gute Saugfähigkeit, ge­ringes Schmutzen und die stets gleichbleibende Qua­lität. Bedürfte es noch eines Beweises für die Hochwertigkeit des neuen Rohstoffes, Zellwolle, so könnte es wohl keinen besseren als die Tatsache geben, daß die Länder, die über hinreichend hei­mische Naturrohstoffe für Textilien verfügen, wie Japan, Amerika oder England längst eigene Zell­wollfabriken aufgebaut haben. Auch Schweden, Ka­nada und die Tschechoslowakei haben in den letzten Jahren bereits große Mengen Zellwolle für das Inland hergestellt und darüber hinaus ausgeführt.

Das neue Lloydsregister für 1936 verzeichnet einen gewaltigen Aufschwung im Handels- fchiffbau. Insgesamt liefen 2,1 Millionen Brutto- regiftertonnen von Stapel, das ist eine Steigerung von 63 v. H. gegenüber 1935, und zwar verteilen sich diese Schiffsbauten auf Großbritannien mit 856 000 Bruttoregistertonnen, Deutschland 380 000, Japan 295 000, Schweden 154 000, USA. 112 000 und Dänemark mit 98 000, Holland mit 94 000. Zu Beginn des Jahres 1937 lagen an Neu­bauten auf Stapel: Großbritannien 964 000, Deutschland 409000, Japan 203 000, Holland 151 000, Schweden 124 000, UÄH 110 000, Däne­mark 76 000, Frankreich 67 000. Ende 1936 stand Deutschlands Handelsflotte mit 3,7 Mil­lionen 23ruttoregiftertonnen an fünfter Stelle. Großbritannien hatte nämlich rund 20 Millionen Bruttoregistertonnen, die USA. 12 Millionen, Japan und Norwegen stehen an vierter Stelle mit 4,2 bzw 4,1 Millionen Bruttoregistertonnen, und Deutschland ist an die fünfte Stelle vor Frankreich gerückt, das mit 3 Millionen jetzt an sechster Stelle steht. Das deutsche Vordringen ist um so bemerkens­werter, als durch das Versailler Friedensdiktat Deutschland alle Handelsschiffe über 1600 Brutto­registertonnen den Gegnern ausliefern mußte.

Meine politische Nachrichten.

Der Deutschlandsender sendet und alle Reichs­sender übernehmen am Freitag, 19. März, von 19.55 bis 20 Uhr einen Senderuf des Reichs­organisationsleiters Dr. Ley zur letzten Reichs- st r a ß e n s a m m l u n g am 20. und 21. März.

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Wegen einer Erkrankung des Jugendführers des Deutschen Reiches wird die Jugendkundge- bung in Frankfurt am Main, die am 20. März stattfinden sollte, auf unbestimmte Zeit verschoben. Die bereits gelösten Karten behal­ten ihre Gültigkeit.

Die Reichsschrifttumskammer, die Deutsche Ar­beitsfront und die Hitlerjugend veranstalten am 23. März von 15 bis 16 Uhr eine Kundgebung zur Fachbuchwerbung im Werk der Adam Opel AG. Rüsselsheim am Main. Der Vizepräsident der Reichsschrifttumskammer Ministerialrat Dr. Heinz W i s m a n n, der Leiter des Reichsberufs­wettkampfes Obergebietsführer Axmann und der Leiter des Reichspropagandaamtes der DAF. Gei­ger werden sprechen. Sie rufen damit alle deut­schen Schaffenden auf, sich zum deutschen Fach­schrifttum, und damit zum Gedanken der Steiae- rung der ßeiftung und des Könnens des einzelnen im Dienst für das Ganze, zu bekennen.

Der Führer und Reichskanzler hat be­stimmt, daß an die Stelle der Behördenbezeichnung L a n d e s f i n a n z a m t" undDer Präsident des Landesfinanzamtes" die BehördenbezeichnungD e r Oberfinanzpräsident" tritt. Mit dem glei­chen Erlaß sind geändert worden:Präsident des Landesfinanzamtes" inOberfinanzpräsident"; Landesfinanzamtsdirektor" inF i n a n z p r ä s i - den t";Finanzgerichtsdirektor" inFinanzge­richtspräsiden t".

Der österreichische Bundeskanzler Schusch­nigg ist in Budapest eingetroffen. Von maß­gebender Seite wird mitgeteilt, daß für die Be­sprechungen ein Verhandlungsprogramm nicht vor­liegt, da von österreichischer Seite lediglich der all­gemeine Wunsch nach einer Erörterung der im Vor­dergrund stehenden Fragen ausgesprochen wor­den ist.

In Berlin ist eine Tagung der deutsch-nieder­ländischen Regierungsausschüsse beendet worden. Seit Oktober 1936 mußte die Einfuhr aus den Niederlanden im Hinblick auf die Unsicher­heit der deutschen Ausfuhr in Zusammen­hang mit den niederländischen Währungsmaßnah­men, nicht unwesentlich gedrosselt werden. Die

günstige Entwicklung der Verrechnungskonten hat es nun möglich gemacht, für das zweite Vierteljahr 1937 eine Erhöhung der Einfuhr aus Hol­land vorzusehen. Sofern die deutsche Ausfuhr sich weiterhin günstig entwickelt, kann damit gerechnet werden, daß der Rückstand auf dem Verrechnungs­konto auch weiterhin abnehmen wird.

Wehrmachtsbeamte des Beurlaubtenstandes.

Das neue Wehrgefetz sieht im § 4 vor, daß Un­teroffiziere und Mannschaften, die nach ehrenvollem Dienst aus dem Wehrdienst ausscheiden, bei Be­währung und Eignung zum Beamten des Beur­laubtenstandes ausgebildet und befördert werden können. Auf Anfragen, ob für militärisch nicht aus­gebildete Personen die Möglichkeit bestehe, Wehr­machtbeamte des Beurlaubtenstandes zu werden, teilt das Oberkommando des Heeres jetzt mit:Als Uebergangsmaßnahme können Angehörige der Ge­burtsjahrgänge 1900 bis 1912 zur Laufbahn der Wehrmachtsbeamten des Beurlaubtenftandes nur dann zugelassen werden, wenn sie bis 30. Septem­ber 1937 bei einer Ergänzungseinheit sowohl die Mannschaftsausbildung, auch auf die Un­terführerausbildung von je zwei Monaten erfolg­

reich abgeleistet haben und bei der Entlassung zum Gefreiten der Reserve befördert und zum Un- teroffizieranwärter ernannt worden sind. Personen, die die obigen Voraussetzungen erfüllen und den Wunsch haben, Wehrmachtbeamte des Beurlaubten« standes zu werden, müssen sich bei der für ihren Be« zirk zuständigen Wehrkreisverwaltung melden, wo sie das weitere über die Ausbildung zum Wehr­machtsbeamten des Beurlaubtenstandes erfahren werden."

Kunst und Wisiensckast.

Geh. Kirchenrat Professor D. Rendlorff f.

Im Alter von 77 Jahren ist nach längerem schwe« ren Leiden Geheimer Kirchenrat Prof. D. Dr. Franz Rendtorsf in Leipzig g e ft o r b e n. Er war ordentlicher Professor für praktische Theologie und Neues Testament an der Universität Leipzig und ist hervorgetreten durch seine Tätigkeit als Präsi­dent des Evangelischen Vereins der Gustav-Adolf» Stiftung, zu dessen Ehrenpräsidenten er 1934 er­nannt wurde. Um das Auslandsdeutschtum, nament­lich das im Baltikum und in Osteuropa, Hot er sich große Verdienste erworben. An feinem 70. Geburts­tage wurde in Leipzig das Frgnz-Rendtorff-Haus als Haus für auslanddeutfche Studierende der evan­gelischen Theologie errichtet.

Der Kampf gegen die Tuberkulose.

In Wiesbaden fand eine gemeinsame Tagung der Deutschen Gesellschaft für innere Medizin und der Deutschen Tuberku­lose-Gesellschaft statt. Professor Hübsch- mann (Düsseldorf) sprach über Tuberkulose als Allgemeinerkrankung. Die Bemühungen, einer Tu­berkulose-Infektion ihre Gefahren zu nehmen, müß­ten sich auf die Kräftigung des Gesamtorganismus beziehen, die am besten erreicht werde durch die Allgemeinhebung der Volksgesundheit und vor allem durch eine in jeder Weife fördernde Jugender­ziehung. Dr. von der Weth (Beelitz) sprach über Fragen, die den Ablauf des krankhaften Geschehens im menschlichen Körper bei der Infektion mit Tu­berkelbazillen betrafen. Weth betonte, daß Erkennt­nisse, Eindrücke und Beobachtungen am Kranken­bett den Ausgangspunkt für die Tuberkulofefor- fchung bilden. Mit modernen Hilfsmitteln feien wir heute in der Lage, die Tuberkulose schon zu einer Zeit zu erkennen, ehe der Mensch sich krank fühle. Dr. D e i st (Ueberruh) beschäftigte sich mit bestimm­ten Krankheitszeichen, die ausschließlich durch die Giftwirkung des Tuberkelbazillus ohne erkennbare Lokalisation im Organismus hervorgerufen werde.

Tagung der

Deutschen Gesellschaft für Vererbungswissenschaft.

Die diesjährige Tagung der Deutschen Ge- sellschaft für Vererbungswissenschafk, die vom 18. bis 20. März in Frankfurt a. M. statt­findet, wurde von dem Vorsitzenden Professor F i - scher (Berlin) eröffnet. Zu der Tagung haben sich zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland ein­gefunden. Das erste Referat hielt Professor P. v o n W e t t st e i n (Berlin-Dahlem) überDie genetische und entwicklungsphysiologische Bedeutung des Cyto­plasmas". Es folgten eine Reihe von weiteren Vorträgen. Professor Dr. Eugen Fischer, Direk­tor des Kaiser-Wilhelm-Jnstitutes für Anthropolo­gie, spricht überRasse und Kultur."

Internationales zeitgenössisches vlusikfest in Baden-Baden.

In Baden-Baden wurde das zweite inter­nationale zeitgenössische Musikfest, das Tonwerke deutscher und elf ausländischer Kom­ponisten vermitteln wird, eröffnet. Innenminister Pflaumer hieß die ausländischen Gäste wie die deutschen Künstler herzlich willkommen und erklärte, daß Deutschland auch auf kulturellem Gebiet feines» roeas die Absicht habe, sich abzuschließen. Deutsch­land freue sich über den künstlerischen Gedanken­austausch, durch den mit beigetragen werde zur Völkerverständigung und Völkerversöhnung. Im Auftrag der Reichsmusikkammer überbrachte Prof. Dr. Hugo R a s ch die Grüße von Dr. Paul Grae - n e r, dem Betreuer aller deutschen Komponisten. An den Führer und Reichskanzler, an Reichs­minister Dr. Goebbels und an Prof. Dr. Raabe, den Präsidenten der Reichsmusikkammer, wurden Grußtelegramme gesandt. Dem Musikfest kommt insofern Bedeutung zu, als Werke junger Komponisten, die bisher wenig heroorgetreten sind, zum ersten Male einem größeren Kreis zu Gehör kommen werden. Anwesend sind Tonsetzer aus Dänemark, England/Finnland, Frankreich, Holland, Italien, Oesterreich und aus der Schweiz.

Aus aller Welt.

Das Urteil im 5. Altonaer Dlulsonnlagsprozeh.

Im 5. Altonaer Blutsonntagspro­zeß verkündete das Sondergericht das Urteil. Die Angeklagten Hipler, Stockfleth und Ruh- n o w wurden wegen versuchten Mordes in Tat­einheit mit Beihilfe zum vollendeten Mord, wei­ter in Tateinheit mit schwerem Aufruhr und schwerem Landfriedensbruch zu je zehn Jah­ren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. Ein Angeklagter erhielt sieben Jahre Zuchthaus, ein weiterer Angeklagter fünf Jahre. Elf Angeklagte wurden zu je vier Jahren Zucht­haus verurteilt, zwei Angeklagte zu je drei Jahren und ein weiterer Angeklagter zu zweieinhalb Jah­ren Zuchthaus. In einem Falle erfolgte Freispruch. Dem Prozeß lagen die Vorgänge in Altona am 17. Juli 1932 zugrunde. An diesem Sonntag hatten linksradikale Elemente in Altona einen Propa­gandaumzug der SA. und SS. planmäßig über­fallen und beschossen. Dieser bolschewistische Feuer­überfall und die zur Niederfämpfung des Aufruhrs notwendigen Maßnahmen der Polizei hatten 18 Tote und etwa sechs Verletzte gefordert. Es sind bereits vier andere Prozesse um denBlutsonntag" vorangegangen, in denen die Schuldigen ihre ge­rechte Strafe erhalten haben.

Sturmfahrt des Segelschulschiffes Lommodore Johnson".

Das Segelschulschiff des Norddeutschen Lloyd, Commodore Johnson", das sich auf der Rückreise von Buenos Aires nach Hamburg befand, war nördlich der Azoren in einen schweren Südwest« Orkan geraten. Jetzt lief das Schulschiff im Ham­burger Hafen ein. Generaldirektor Dr Firle vom Norddeutschen Lloyd begab sich an Bord, um die Besatzung zu begrüßen und ihr seinen Dank aus- zusprechen für den in der so schwierigen Lage be» wiesenen echten Seemannsgeist. Das Schulschiff

PALMOLIVE - SEIFE

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