Belgien beharrt auf strikter Neutralität.
Zurückweisung der pariser Pressionen.
London, 18. März. (DNB.) Der belgische Staatsmann Hyrnans, der sich als Präsident der englisch-belgischen Kriegsgräberfürsorge in London befindet, traf mit Außenminister Eden zusammen. Der „Star" berichtet, daß der Besuch hauptsächlich mit den Meinungsverschiedenheiten in Zusammenhang stehe, die slch zwischen Frankreich, England und Belgien hinsichtlich des Westpakt-Vor- ch l a g e s ergeben hätten. Die Schwierigkeit be- tehe darin, daß die Belgier nicht gewillt eien, irgendeiner Macht das Durchmarschrecht für Truppen oder das Ueberfliegungs- r e ch t für Flugzeuge zu gewähren. Trotz aller diplomatischen Künste und Drohungen sei es nicht gelungen, Belgien von seiner Forderung nach striktesten Neutralitätsgarantien abzubringen. Die Kriegsministerien in London und Paris seien entsetzt über die „Uninteressiertheit" Belgiens an der Fortsetzung der Generalstabsbesprechungen zwischen den drei Ländern. Die Belgier erklärten, daß derartige Besprechungen, zu denen Deutschland nicht zugezogen werde, h e r- ousfordernd seien. Die Meinungsverschiedenheiten seien so stark, daß der belgische Ministerpräsident und der belgische Außenminister den Wunsch hätten, zur Klarstellung der Lage nach London kommen. Auch König Leopold s e l b st, der Befürworter der belgischen Neutralitätspolitik, habe sich mit dem Gedanken eines B e - suches in London befaßt, um den Standpunkt Belgiens darzulegen.
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Die belgische Presse hat zu dem deutschen und dem italienischen Memorandum zu der Westpaktfrage, deren mutmaßlicher Inhalt hauptsächlich durch entstellte Kommentare der französischen Presse bekannt geworden ist, nur vereinzelt Stellung genommen. Die katholische Tageszeitung „Libre Belgique" belehrt die französische Presse darüber, daß die Garantie, die Belgien fordere, nicht ein Almosen sei, das Belgien von dem Großmut seiner Nachbarn erbitte. Belgien habe ange-
Der Generalstreik in Paris.
Oie kommunistische Hetze gehl weiter.
Paris, 18. März. (DNB.) Die vom marxistischen Gewerkschaftsuerband in Paris erteilte Streikparole ist allgemein befolgt worden. Paris ist Donnerstagvormittag ohne Autobusse, ohne Untergrundbahnen und ohne Kraftdroschken geblieben. In den Fabriken ist die Befolgung der Streikparole z. T. von Streikposten überwacht worden. Auch sind rote Fahnen gehißt worden. Die Mehrzahl der großen Warenhäuser hatte vormittags geschlossen. Die Angestellten des Metallarbeitergewerbes, des Baugewerbes, des städtischen Transportwesens, der Möbelindustrie, des Bankgewerbes haben geschlossen gestreikt, während im Lebens- mittelgewerbe, in den Markthallen und Schlachthäusern wenigstens in Geringem Umfange gearbeitet wurde; zahlreiche Kaffeehäuser waren geschlossen. Während am Nachmittag im allgemeinen in Paris d i e Arbeit wieder ausgenommen wurde, konnten einige Werke der Pariser Bannmeile aus technischen Gründen verschiedene Werkballen nicht öffnen. Die Belegschaften entsandten Abordnungen zu den Werksleitungen, um die sofortige Eröffnung der Betriebe zu fordern, was jedoch nicht möglich war. Daraufhin sind die Belegschaften dieser Werke, darunter Citroen, Renault und einer großen Flugzeugfabrik in den Ausstand getreten.
Die Kommuni st en hielten am Donnerstagabend eine Massenversammlung im Pariser Sportpalast mit Genehmigung der Regierung ab, was um so bemerkenswerter ist, als am Donnerstag drei Kundgebungen nationaler Gruppen von der Regierung verboten worden sind. Hauptredner waren die Oberhetzer T h o r e z und D u c l o s. Wiederum waren die französische Sozialpartei de la Rocques, die französische Volkspartei Doriots und die Pariser Polizei Zielscheiben der Hetzreden. Besonders albern gebärdete sich Duclos, der die demagogische Behauptung aufstellte, daß die französische Sozialpartei „zugunsten Hitlers den Bürgerkrieg in Frankreich vom Zaune brechen wolle" (!!). Daran knüpfte er die dreiste Forderung, daß diese Partei aufgelöst und de la Rocque ins Gefängnis oeworfen werden müsse. Dasselbe müsse mit dem Abgeordneten Doriot geschehen, der mit de la Rocque gemeinsame Sache mache. Schließlich müsse eine rasche „Säuberung" der Polizei von allen rechtsgerichteten Elementen durchgeführt werden.
Thorez stellte dann die heuchlerische Behauptung auf, die blutigen Unruhen in Clichy hätten vermieden werden können, wenn nicht ein ungewöhnlich
sichts seiner geographischen Lage einen A n - sprach auf die Unterstützung seiner Nachbarn. Wenn Frankreich sich gegenüber Belgien zu nichts verpflichten wolle, dann könnte Belgien unter Umständen dieselbe Haltung einnehmen.
Das national - flämische „Volk e n Staat" schreibt u. a.: „Die Äußerungen der französischen Presse haben den Vorzug, daß sie Klarheit schaffen. Wir kriechen entweder in das französische Garn, oder man läßt uns bei einem deutschen Angriff im Stich. Dabei glaubt niemand auch nur einen Augenblick daran, daß Deutschland Angriffsabsichten auf Belgien hat. Locarno lag nicht in unserem Interesse, wohl aber im Vorteil von Paris. Belgien ist ein wichtiger Faktor für den Frieden in Westeuropa. London und Paris wissen das sehr wohl. Es hat den Anschein, als ob in belgischen Kreisen d i e Nüchternheit immer mehr die Oberhand gewinnt, und daß man auf dem Gebiete der internationalen Verpflichtungen nur s o weit marschieren will, als es mit den Interessen Belgiens übereinstimmt."
Holland tritt selbst für die Unverletzlichkeit seiner Grenzen ein.
Amsterdam, 18. März. (DNB.) Der holländische Außenminister de G r a e f f berührte in einer Rede vor der Ersten Kammer auch den Teil der Führer-Rede vom 30. Januar, der auf die Bereitwilligkeit Deutschlands Bezug nahm, die Unverletzlichkeit der niederländischen Grenze n zu gewährleisten. Ein Garantievertrag komme für Holland nicht in Frage, da es den Wunsch habe, selbst für die Unverletzlichkeit seiner Grenzen einzutreten. Hollands Gründe würden von Deutschland völlig verstanden. Sollten die Locarno-Mächte einen Nichtangriffspakt schließen und dabei die Verletzung der holländischen Grenzen als kriegerische Handlung bezeichnen, so könne Holland das nicht verhindern. Vielleicht auch würde es ihm willkommen sein.
großes Polizeiaufgebot erschienen wäre. Mit todernster Miene protestierte er dagegen, daß kommunistische Kundgeber verhaftet würden, weil man bei ihnen Eisenstücke vorgefunden habe — mit denen die Polizei beworfen worden ist. Diese Eisenstücke seien gerade einBeweis für die friedlichen Absichten der Kundgeber, die sich lediglich gegen einen ungerechtfertigten Angriff verteidigt hätten. (!)
Das radikalsoziale Parteiblatt „Ere Nouvelle" stellt die verfängliche Frage, wozu dem Lande am Donnerstag der G e n e r a l st r e i k aufgezwungen worden sei. Anstatt den Generalstreik anzuzetteln, hätte man sich fragen sollen, wer dieKund- gebungen in Clichy provoziert habe, wer schon Tage vorher durch Maueranschläge die Bevölkerung aufgewiegelt habe, wer ferner verantwortlich dafür sei, daß die Sirenen gerade in dem Augenblick in Tätigkeit gesetzt wurden, als es angebracht war, die Bevölkerung zu beruhigen, statt sie noch mehr zu erregen. Trotz allem ist mit einer neuen kommunistischen Kundgebung zu rechnen bei der Beisetzung der Opfer von Clichy am kommenden Sonntag. Der Verband der Pariser Gewerkschaften wird auch diesen traurigen Anlaß zu einer Hetzkampagne benutzen.
Das Echo in London.
Die Dame auf dem Tiger.
London, 19. März. (DNB. Funkspr.) „Mor- ning Post" meint zu den Vorgängen in Paris, trotz der geschickten Art, die Blum in der Behandlung derartiger Affären habe, befinde er sich offensichtlich in der beängstigenden Lage, nicht ganz Herr irneigenen Hause zu sein. Etwas respektwidrig knüpft dann das konservative Blatt an in England weitverbreitete Klapphornverse von einer Dame, die einen Tiger zu m Reittier wählte, und meint, man könne Blum mit dieser Dame vergleichen. Solange das Tier guter Laune sei, könne man es in die Richtung bringen, in der man es zu haben wünsche. Sobald sich aber sein Temperament rege, sei es nicht mehr der Reiter, der die Richtung bestimme. Die Kommunisten würden Zurückhaltung und Geduld solange zeigen, solange sie ihren Weg ungehindert gehen könnten. Die gegenwärtige Schwierigkeit könne mit Blums Hilfsmitteln vielleicht noch einmal überwunden werden; aber für wie lange? Das fei die Frage, die alle Freunde Frankreichs beunruhigen müßte.
wird. Es ist dies die Ausstellung „Schaffendes V o l k", die einen ersten geschloffenen Ueberblick über den Vierjahresplan und insbesondere d i e neuen deutschen Werkstoffe darstellen wird. Besonderer Wert ist bei dem Aufbau der Ausstellung darauf gelegt worden, daß die neuen deutschen Werkstoffe und ihre Verarbeitung und Anwendung nicht nur dem Fachmann, sondern gerade dem Laien verständlich sind. Wir hatten an dieser Stelle schon mehrfach Gelegenheit, darauf hinzuweisen, daß die Findung und Herstellung neuer deutscher Werk- und Austauschstoffe nicht fo schwierig sei, wie die Beseitigung manches Vorurteils und mancher Unkenntnis der Anwendung in den einzelnen Gewerben und Verbrauchergruppen. Selbstverständlich werden in Düsseldorf Leichtmetalle, Kunst- und Preßstoffe, Buna, die neuen Treibstoffe, Glas und Keramik, die neuen Textil- rohstoffe und vieles andere im Vordergrund stehen, alles Dinge, die den mit der Zeit lebenden Volksgenossen aufs Höchste interessieren werden. Aber auch dem Ausland wird durch die große Ausstellung Gelegenheit gegeben werden, sich über das Wesen des Dierjahresplanes zu unterrichten und die Möglichkeiten zu studieren, die durch die neuen deutschen Werkstoffe gegeben sind. Es dürfte fein Zweifel darüber bestehen, daß sich die neuen deutschen Erkenntnisse auch für manche anderen Industrieländer wertvoll auswirken werden.
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Die kommende große Textilausstellung in der Reichshauptstadt, die vom 24. März bis 11. April stattfinden wird, wird den neuen deutschen Rohstoff Zellwolle in den Vordergrund des Interesses rücken. Die Zellwolle hat sich heute bereits als einer der hervorragendsten, künstlichen Textilstoffe bewährt. Der Vorzug, daß sie in ganz bestimmten, genau abgemessenen Stapellängen und auch mit sonst sehr gleichmäßigen Eigenschaften hergestellt werden kann, während wir bei den Naturrohstoffen, gleichgültig ob es sich um Seide, Wolle ober Baumwolle harckelt, immer Unregelmäßigkeiten und Schwankungen mit in Kauf nehmen müssen, macht sie den genannten älteren Rohstoffen überlegen. Es kann überdies als erheblicher Fortschritt betrachtet werden, daß in den letzten Jahren im Zusammenhang mit dem ersten und zweiten Vierjahresplan der Anteil der Textilrohstoffe an der gesamten Rohstoffeinfuhr von 31,7 v. H. im Jahre 1933 auf 25,9 v. H. im Jahre 1936 zurückgegangen ist. Wenn es heute möglich ist, die Versorgung der deutschen Textilwirtschaft zu 31,4 v. H. aus inländischen Nohstoffen sicherzustellen, während dies 1933 nur zu 15,6 v. H. möglich war, so ist das in erster Linie der Zellwolle zu verdanken. Diese Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen. Die Steigerung in der Herstellung von Zellwolle vom Jahre 1936 bis zum Jahre 1937 beweist bas. Erhebliche Vergrößerungen der im Betrieb befindlichen Werke sind geplant. An der Spitze der Zellwolle-Verarbeitung in Deutschland steht Augsburg, die alte Textilstadt, in der schon verschiedene Betriebe zur Herstellung dieses wichtigen Spinnstoffes übergegangen sind. Seine wichtigsten Vorzüge sind: Gleichmäßigkeit, vollkommene Reinheit, gute Saugfähigkeit, geringes Schmutzen und die stets gleichbleibende Qualität. Bedürfte es noch eines Beweises für die Hochwertigkeit des neuen Rohstoffes, Zellwolle, so könnte es wohl keinen besseren als die Tatsache geben, daß die Länder, die über hinreichend heimische Naturrohstoffe für Textilien verfügen, wie Japan, Amerika oder England längst eigene Zellwollfabriken aufgebaut haben. Auch Schweden, Kanada und die Tschechoslowakei haben in den letzten Jahren bereits große Mengen Zellwolle für das Inland hergestellt und darüber hinaus ausgeführt.
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Das neue Lloydsregister für 1936 verzeichnet einen gewaltigen Aufschwung im Handels- fchiffbau. Insgesamt liefen 2,1 Millionen Brutto- regiftertonnen von Stapel, das ist eine Steigerung von 63 v. H. gegenüber 1935, und zwar verteilen sich diese Schiffsbauten auf Großbritannien mit 856 000 Bruttoregistertonnen, Deutschland 380 000, Japan 295 000, Schweden 154 000, USA. 112 000 und Dänemark mit 98 000, Holland mit 94 000. Zu Beginn des Jahres 1937 lagen an Neubauten auf Stapel: Großbritannien 964 000, Deutschland 409000, Japan 203 000, Holland 151 000, Schweden 124 000, UÄH 110 000, Dänemark 76 000, Frankreich 67 000. Ende 1936 stand Deutschlands Handelsflotte mit 3,7 Millionen 23ruttoregiftertonnen an fünfter Stelle. Großbritannien hatte nämlich rund 20 Millionen Bruttoregistertonnen, die USA. 12 Millionen, Japan und Norwegen stehen an vierter Stelle mit 4,2 bzw 4,1 Millionen Bruttoregistertonnen, und Deutschland ist an die fünfte Stelle vor Frankreich gerückt, das mit 3 Millionen jetzt an sechster Stelle steht. Das deutsche Vordringen ist um so bemerkenswerter, als durch das Versailler Friedensdiktat Deutschland alle Handelsschiffe über 1600 Bruttoregistertonnen den Gegnern ausliefern mußte.
Meine politische Nachrichten.
Der Deutschlandsender sendet und alle Reichssender übernehmen am Freitag, 19. März, von 19.55 bis 20 Uhr einen Senderuf des Reichsorganisationsleiters Dr. Ley zur letzten Reichs- st r a ß e n s a m m l u n g am 20. und 21. März.
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Wegen einer Erkrankung des Jugendführers des Deutschen Reiches wird die Jugendkundge- bung in Frankfurt am Main, die am 20. März stattfinden sollte, auf unbestimmte Zeit verschoben. Die bereits gelösten Karten behalten ihre Gültigkeit.
Die Reichsschrifttumskammer, die Deutsche Arbeitsfront und die Hitlerjugend veranstalten am 23. März von 15 bis 16 Uhr eine Kundgebung zur Fachbuchwerbung im Werk der Adam Opel AG. Rüsselsheim am Main. Der Vizepräsident der Reichsschrifttumskammer Ministerialrat Dr. Heinz W i s m a n n, der Leiter des Reichsberufswettkampfes Obergebietsführer Axmann und der Leiter des Reichspropagandaamtes der DAF. Geiger werden sprechen. Sie rufen damit alle deutschen Schaffenden auf, sich zum deutschen Fachschrifttum, und damit zum Gedanken der Steiae- rung der ßeiftung und des Könnens des einzelnen im Dienst für das Ganze, zu bekennen.
Der Führer und Reichskanzler hat bestimmt, daß an die Stelle der Behördenbezeichnung „L a n d e s f i n a n z a m t" und „Der Präsident des Landesfinanzamtes" die Behördenbezeichnung „D e r Oberfinanzpräsident" tritt. Mit dem gleichen Erlaß sind geändert worden: „Präsident des Landesfinanzamtes" in „Oberfinanzpräsident"; „Landesfinanzamtsdirektor" in „F i n a n z p r ä s i - den t"; „Finanzgerichtsdirektor" in „Finanzgerichtspräsiden t".
Der österreichische Bundeskanzler Schuschnigg ist in Budapest eingetroffen. Von maßgebender Seite wird mitgeteilt, daß für die Besprechungen ein Verhandlungsprogramm nicht vorliegt, da von österreichischer Seite lediglich der allgemeine Wunsch nach einer Erörterung der im Vordergrund stehenden Fragen ausgesprochen worden ist.
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In Berlin ist eine Tagung der deutsch-niederländischen Regierungsausschüsse beendet worden. Seit Oktober 1936 mußte die Einfuhr aus den Niederlanden im Hinblick auf die Unsicherheit der deutschen Ausfuhr in Zusammenhang mit den niederländischen Währungsmaßnahmen, nicht unwesentlich gedrosselt werden. Die
günstige Entwicklung der Verrechnungskonten hat es nun möglich gemacht, für das zweite Vierteljahr 1937 eine Erhöhung der Einfuhr aus Holland vorzusehen. Sofern die deutsche Ausfuhr sich weiterhin günstig entwickelt, kann damit gerechnet werden, daß der Rückstand auf dem Verrechnungskonto auch weiterhin abnehmen wird.
Wehrmachtsbeamte des Beurlaubtenstandes.
Das neue Wehrgefetz sieht im § 4 vor, daß Unteroffiziere und Mannschaften, die nach ehrenvollem Dienst aus dem Wehrdienst ausscheiden, bei Bewährung und Eignung zum Beamten des Beurlaubtenstandes ausgebildet und befördert werden können. Auf Anfragen, ob für militärisch nicht ausgebildete Personen die Möglichkeit bestehe, Wehrmachtbeamte des Beurlaubtenstandes zu werden, teilt das Oberkommando des Heeres jetzt mit: „Als Uebergangsmaßnahme können Angehörige der Geburtsjahrgänge 1900 bis 1912 zur Laufbahn der Wehrmachtsbeamten des Beurlaubtenftandes nur dann zugelassen werden, wenn sie bis 30. September 1937 bei einer Ergänzungseinheit sowohl die Mannschaftsausbildung, auch auf die Unterführerausbildung von je zwei Monaten erfolg
reich abgeleistet haben und bei der Entlassung zum Gefreiten der Reserve befördert und zum Un- teroffizieranwärter ernannt worden sind. Personen, die die obigen Voraussetzungen erfüllen und den Wunsch haben, Wehrmachtbeamte des Beurlaubten« standes zu werden, müssen sich bei der für ihren Be« zirk zuständigen Wehrkreisverwaltung melden, wo sie das weitere über die Ausbildung zum Wehrmachtsbeamten des Beurlaubtenstandes erfahren werden."
Kunst und Wisiensckast.
Geh. Kirchenrat Professor D. Rendlorff f.
Im Alter von 77 Jahren ist nach längerem schwe« ren Leiden Geheimer Kirchenrat Prof. D. Dr. Franz Rendtorsf in Leipzig g e ft o r b e n. Er war ordentlicher Professor für praktische Theologie und Neues Testament an der Universität Leipzig und ist hervorgetreten durch seine Tätigkeit als Präsident des Evangelischen Vereins der Gustav-Adolf» Stiftung, zu dessen Ehrenpräsidenten er 1934 ernannt wurde. Um das Auslandsdeutschtum, namentlich das im Baltikum und in Osteuropa, Hot er sich große Verdienste erworben. An feinem 70. Geburtstage wurde in Leipzig das Frgnz-Rendtorff-Haus als Haus für auslanddeutfche Studierende der evangelischen Theologie errichtet.
Der Kampf gegen die Tuberkulose.
In Wiesbaden fand eine gemeinsame Tagung der Deutschen Gesellschaft für innere Medizin und der Deutschen Tuberkulose-Gesellschaft statt. Professor Hübsch- mann (Düsseldorf) sprach über Tuberkulose als Allgemeinerkrankung. Die Bemühungen, einer Tuberkulose-Infektion ihre Gefahren zu nehmen, müßten sich auf die Kräftigung des Gesamtorganismus beziehen, die am besten erreicht werde durch die Allgemeinhebung der Volksgesundheit und vor allem durch eine in jeder Weife fördernde Jugenderziehung. Dr. von der Weth (Beelitz) sprach über Fragen, die den Ablauf des krankhaften Geschehens im menschlichen Körper bei der Infektion mit Tuberkelbazillen betrafen. Weth betonte, daß Erkenntnisse, Eindrücke und Beobachtungen am Krankenbett den Ausgangspunkt für die Tuberkulofefor- fchung bilden. Mit modernen Hilfsmitteln feien wir heute in der Lage, die Tuberkulose schon zu einer Zeit zu erkennen, ehe der Mensch sich krank fühle. Dr. D e i st (Ueberruh) beschäftigte sich mit bestimmten Krankheitszeichen, die ausschließlich durch die Giftwirkung des Tuberkelbazillus ohne erkennbare Lokalisation im Organismus hervorgerufen werde.
Tagung der
Deutschen Gesellschaft für Vererbungswissenschaft.
Die diesjährige Tagung der Deutschen Ge- sellschaft für Vererbungswissenschafk, die vom 18. bis 20. März in Frankfurt a. M. stattfindet, wurde von dem Vorsitzenden Professor F i - scher (Berlin) eröffnet. Zu der Tagung haben sich zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland eingefunden. Das erste Referat hielt Professor P. v o n W e t t st e i n (Berlin-Dahlem) über „Die genetische und entwicklungsphysiologische Bedeutung des Cytoplasmas". Es folgten eine Reihe von weiteren Vorträgen. Professor Dr. Eugen Fischer, Direktor des Kaiser-Wilhelm-Jnstitutes für Anthropologie, spricht über „Rasse und Kultur."
Internationales zeitgenössisches vlusikfest in Baden-Baden.
In Baden-Baden wurde das zweite internationale zeitgenössische Musikfest, das Tonwerke deutscher und elf ausländischer Komponisten vermitteln wird, eröffnet. Innenminister Pflaumer hieß die ausländischen Gäste wie die deutschen Künstler herzlich willkommen und erklärte, daß Deutschland auch auf kulturellem Gebiet feines» roeas die Absicht habe, sich abzuschließen. Deutschland freue sich über den künstlerischen Gedankenaustausch, durch den mit beigetragen werde zur Völkerverständigung und Völkerversöhnung. Im Auftrag der Reichsmusikkammer überbrachte Prof. Dr. Hugo R a s ch die Grüße von Dr. Paul Grae - n e r, dem Betreuer aller deutschen Komponisten. An den Führer und Reichskanzler, an Reichsminister Dr. Goebbels und an Prof. Dr. Raabe, den Präsidenten der Reichsmusikkammer, wurden Grußtelegramme gesandt. Dem Musikfest kommt insofern Bedeutung zu, als Werke junger Komponisten, die bisher wenig heroorgetreten sind, zum ersten Male einem größeren Kreis zu Gehör kommen werden. Anwesend sind Tonsetzer aus Dänemark, England/Finnland, Frankreich, Holland, Italien, Oesterreich und aus der Schweiz.
Aus aller Welt.
Das Urteil im 5. Altonaer Dlulsonnlagsprozeh.
Im 5. Altonaer Blutsonntagsprozeß verkündete das Sondergericht das Urteil. Die Angeklagten Hipler, Stockfleth und Ruh- n o w wurden wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit Beihilfe zum vollendeten Mord, weiter in Tateinheit mit schwerem Aufruhr und schwerem Landfriedensbruch zu je zehn Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. Ein Angeklagter erhielt sieben Jahre Zuchthaus, ein weiterer Angeklagter fünf Jahre. Elf Angeklagte wurden zu je vier Jahren Zuchthaus verurteilt, zwei Angeklagte zu je drei Jahren und ein weiterer Angeklagter zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus. In einem Falle erfolgte Freispruch. Dem Prozeß lagen die Vorgänge in Altona am 17. Juli 1932 zugrunde. An diesem Sonntag hatten linksradikale Elemente in Altona einen Propagandaumzug der SA. und SS. planmäßig überfallen und beschossen. Dieser bolschewistische Feuerüberfall und die zur Niederfämpfung des Aufruhrs notwendigen Maßnahmen der Polizei hatten 18 Tote und etwa sechs Verletzte gefordert. Es sind bereits vier andere Prozesse um den „Blutsonntag" vorangegangen, in denen die Schuldigen ihre gerechte Strafe erhalten haben.
Sturmfahrt des Segelschulschiffes „Lommodore Johnson".
Das Segelschulschiff des Norddeutschen Lloyd, „Commodore Johnson", das sich auf der Rückreise von Buenos Aires nach Hamburg befand, war nördlich der Azoren in einen schweren Südwest« Orkan geraten. Jetzt lief das Schulschiff im Hamburger Hafen ein. Generaldirektor Dr Firle vom Norddeutschen Lloyd begab sich an Bord, um die Besatzung zu begrüßen und ihr seinen Dank aus- zusprechen für den in der so schwierigen Lage be» wiesenen echten Seemannsgeist. Das Schulschiff
PALMOLIVE - SEIFE
ViA oliv vSeZfe — eZct
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