Ausgabe 
18.9.1937
 
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Aus Natur und Technik.

Technik und Hochseefischerei.

-Don Joachim Boehmer

Der Beruf der Hochseefischer zählt zu den gefahr­vollsten, aber von den Entsagungen, die der Hochsee- fischer auf sich zu nehmen Hal, ist dem Binnenländer nur wenig bekannt. Obwohl die Technik bemüht ist, die Fischerei auf dem freien Meere durch Bereit­stellung verschiedener Hilfsmittel zu erleichtern, bleibt der Fischer auf den verhältnismäßig kleinen Dampfern von nur 200 bis 400 Tonnen Größe doch nach wie vor den Launen des Wetters ausgesetzt. Im Laufe der Jahrzehnte ist Bremerhaven mit dem benachbarten Wesermünde-Gestemünde neben Altona und Cuxhaven zum Mittelpunkt der deut­schen Hochseefischerei geworden. Von hier aus gehen in regelmäßigem Wechsel ungefähr 200 Fischerboote auf Fang und kehren ebenso regelmäßig mit der silbernen Beute des Meeres zurück. Leider bleiben auch alljährlich einige Fischdampfer ver­schollen und finden mit ihrer Besatzung ein Grab in den Wellen. Während die Fischer zu Beginn der Hochseefischerei um die Mitte des vorigen Jahr­hunderts noch mit Tausenden von Angeln auszogen, findet heute ausschließlich das Schleppnetz für Masfenfische, wie Kabliau, Schellfisch und Börse Verwendung. Die Schleppnetze werden an langen Stahltrossen durch die Fischgründe gezogen und an Bord geholt, wenn sie sich gefüllt haben. Der Inhalt ergießt sich über das Deck der Dampfer, auf dem die Fischer auch bei Sturm und Kälte die Tiere aus­weiden und für den Rücktransport in Eis schichten. Dieses Eis nehmen die Dampfer in der Regel von ihrem Ausgangshafen mit oder sie ergänzen es an der norwegischen Küste. Die Fangplätze liegen näm­lich keineswegs in unmittelbarer Nähe der deutschen Nordseeküste, sondern mitunter weitab vom Nord­kap, bei den Bäreninseln oder im Weißen Meer. Die Wissenschaft gibt für das Vorkommen der Fischmassen in diesen Gegenden die Erklärung, daß dort durch das Aufgleiten der wärmeren an den kalten Meeres­strömungen günstige Nahrungsbedingungen für die Fische vorhanden sind. Bis die Hochseeflotte an diese Stellen gelangt, vergehen mitunter acht Tage. Da die Rückfahrt ebenso lange dauert, muß die Lage­rung an Bord in Eis erfolgen, um die Ware frisch zu erhalten. Ein wichtiges Hilfsmittel in der Fischerei ist Funkentelegraphie und - t e l e p h o n i e. Alle Dampfer sind damit ausgerüstet, um sich in den weiten Gewässern über ihren Standort zu verge­wissern und rechtzeitig vor heraufziehenden Stürmen gewarnt zu werden. Auch ist es Brauch, daß die Fischer beliebiger Nationalität sich untereinander über die Unterbringung besonders reicher Fänge ver­ständigen. Was einmal im Netz ist, wird dem Meere nicht wieder zurückgegeben, auch wenn der eigene Dampfer gefüllt ist.

Ein anderes interessantes Anwendungsgebiet der Funktechnik ist die Echolotung zur Festste!- lung großer Fischschwärme. Aus der durch die Fische verursachten Verdichtung des Meeres kann man auf das Vorhandensein und die Zuarichtung von Fischschwärmen schließen. Die Funktelegraphie dient ferner dazu, den Ausgangshafen einige Tage vor der Ankunft von Art und Menge des Fanges zu unterrichten, damit der Handel sich einstellen kann. Die Empfindlichkeit des Fisches verlangt schnellste Arbeit bei seiner Verteilung. Daher werden die in Bremerhaoen-Wesermünde ankommenden Ladungen sofort in der Nacht gelöscht. Winden und Krane heben in Körben die Fische aus dem Innern des Schiffes, fleißige, auch bei Wind und Wetter nicht rastende Hände sortieren die Ladung und stellen sie in einheitlichen Kisten in den viele hundert Meter langen Versteigerungshallen zum Verkauf. Die Ver­steigerung erfolgt in den frühen Morgenstunden und umfaßt täglich viele tausend Zentner. Um Angebot und Nachfrage schnell in Einklang zu bringen, wer­den während der wenigen Versteigerungsstunden Hunderte von Ferngesprächen zwischen den Versteige­rungshallen und den Abnehmern ausgeführt. Die Reichspost hat bei derartigen Stoßbelastungen unge­heure Leistungen zu vollbringen. Die weitere Ver­teilung der Fische ist eine Transportfrage. Einen vorbildlichen Dienst hat die Reichsbahn zur schnellen Abwicklung der Fischverteilung nach allen größeren Orten des Reiches eingerichtet.

An zahlreichen Laderampen stehen dickwandige Kühlwagen, die in beschleunigten Fisch- Zügen an jedem Nachmittag Wesermünde verlassen und in den ersten Morgenstunden in Berlin, im Rheinland und in Mitteldeutschland eintreffen. Auf- gabe des örtlichen Fischhandels ist es, die Ware so

schnell zu verteilen, daß sie noch am gleichen Vor­mittag auf den Wochenmärkten ihre Käufer finden kann. Die um Mitternacht in Bremerhaven aus­geladenen Fische können also schon 1% Tage später auf dem Tisch großstädtischer Hausfrauen stehen. Diese Leistung wäre nicht möglich, wenn nicht die Reichsbahn die aus besonders isolierten Wänden ge­bauten Kühlwagen noch zusätzlich durch Trocken­eis, in Form von Bomben unter der Decke der Wagen, vor dem Verderb schützen würde.

Ein großer Teil der Fische wird auch den Ver­wertungsstellen am Landeplatz, insbesondere den Konservenfabriken, zugeführt. Wieder andre Mengen werden unmittelbar neben der Versteige­rungshalle enthäutet, von Kopf und Schwanz befreit und zu Filetstücken geschält, die in besonderen eis­gefüllten Körben zum Versand kommen. Bei aller Schnelligkeit der Verteilung und angesichts der rie­sigen Mengen von Fiscken, die in wenigen Stunden bewältigt werden müssen, sind umfassende Sicher­heitsmaßnahmen durch die Gesundheitspolizei ge­troffen, damit auch nur wirklich frische Wa r e zur Verteilung kommt. Erscheint die Weitergabe von Fischen bedenklich, so werden sie zwangsläufig für die Fischmehlbereitung bestimmt und damit dem menschlichen Genuß entzogen. Das Fischmehl, das heute noch in großen Mengen eingeführt werden muß, ist ein wichtiges Kraftfutter und Düngemittel. Wenn sich der Verbraucher daran gewöhnen würde, dem Handel Fische ohne Kopf und Schwanz abzu­nehmen, würde er damit der Fischmehlindustrie viele Devisen ersparen. Denn diese im Haushalt mitgekoch­ten Teile wandern als wertloser Abfall in den Müll­eimer, während sie bei der Abtrennung am Lande­platz infolge des großen Anfalles wertvolle Dienste leisten könnten.

Ein besonderes Gebiet der Hochseefischerei ist die Heringsfischerei. Da diese Fische in großen Schwärmen zu bestimmten Zeiten bei der Dogger­bank und an den Küsten Englands auftreten, sind die Laufzeiten der Heringsdampfer mitunter kürzer

als die der anderen Hochseeschiffe. Der Hering wird in der Regel in Treibnetzen gefangen, die, über hun­dert Meter lang, eine senkrecht stehende Wand aus Maschen unter Wasser bilden. Die Heringe geraten mit dem Kopf in die Maschen und fangen sich bei dem Versuch, wieder herauszuschlüpfen, an den Kie­men. Kleine und noch nicht brauchbare Tiere schlüpfen durch die Maschen durch. Im Gegensatz zur Schleppnetzfischerei legt sich der Dampfer bei der Treibnetzfischerei vor das Netz und erwartet den Fang. Das Netz wird als breites Maschenband an Bord gezogen, die Fische fallen durch loses Auf­schlagen des Netzes aus den Maschen heraus. Das Einsalzen der Heringe erfolgt bei gleichzeitiger Ein­lagerung in eisgekühlten Räumen in Fässern an Bord. Ungesalzene Fänge wandern am Landeplatz in die Räuchereien und werden Bückinge. Die Tiere werden vor dem Räuchern auf rostähnlichen Gestellen aneinandergereiht und einem hellbrennen­den Buchenholzfeuer ausgesetzt, bis sie gar sind. Daran schließt sich das eigentliche Räuchern im stark­schwelenden Buchenholzfeuer, dessen Beendigung die goldene Färbung des Bückings verrät. Im Gegensatz hierzu wird der Lachshering nur durch Räuchern (zwei bis drei Tage) im Rauch des Buchenfeuers gewonnen.

Die Fangergebnisse unserer Hochseefischerei sind von 234 000 Tonnen im Jahre 1932 auf 350 000 Tonnen im Jahre 1935 gestiegen. Hinzu kommt, daß der Ertrag an Heringen in den gleichen Jahren von 30 000 auf 35 000 Tonnen angewachsen ist. Um den Fisch noch mehr als bisher zum Lebensmittel der gesamten Bevölkerung zu machen, sind weitere tech­nische Verbesserungen an der Hochseeflotte, den Ver­lade- und Derteilungseinrichtungen erforderlich. Aber heute schon sollte sich jeder zu einem verstärkten Fischverbrauch entschließen, um den um ihr Brot und Leben ringenden Fischern, die während der vier­zehntägigen Hochseefahrt meist nicht einmal Gelegen­heit haben, in ausgestreckter Lage zu schlafen, ihr Dasein zu erleichtern.

Deutscher Aaturschutz von heute.

Meisenkästen Helsen dem Wald. Autobahnen dienen dem Naturschutz!

Von Or. Heinrich Irieling, München.

gerneinschaft und seines Lebensraums ist, aus dem es ohne Schaden für das Ganze nicht entfernt wer­den kann. Zu dieser Lebensgemeinschaft gehört aber auch der Mensch. Seine Ansprüche an den Le­bensraum sind ebenso zu beachten wie die der an­deren Lebewesen, und zwar so, daß die Umwelt nicht nach den Bedürfnissen des einzelnen umge­staltet werden darf, sondern daß dabei die Liebe des Volkes zur Heimat unverletzt bleibt. Daraus entsteht von selbst ein Schutz der Tier- und Pflan­zenwelt, die der Heimat erhalten werden müssen. Die Ansprüche eines jeden Gliedes der Lebensge­meinschaft müssen untersucht werden, und die Ent­scheidung kann nicht nach einem einzelnen getroffen werden. Ein Beispiel, wie es deren massenhaft gibt: hier das Bedürfnis, aus einem unzugänglichen Moor fruchtbares Ackerland zu schaffen und damit tausend Menschen Brot und Arbeit zu geben dort die Tatsache, daß der Spring- frösch, ein seltener Bewohner der Moore, ver­schwinden muß, wenn das Moor schwindet. Die Entscheidung kann nicht zweifelhaft sein.

Nun gibt es aber auch Tiere, die sozusagen der deutschen Landschaft ein Gepräge geben, wie es ein

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Das neue Deutschland fördert mit allen Kräften die Bestrebungen des Natur­schutzes im Interesse der zu schützenden Tiere oder Pflanzen, aber auch im Inter­esse des Menschen, denn es ist beispiels­weise von größter praktischer Bedeutung, unseren Wald durch Schutz der Vögel vor dem Insektenfraß zu schützen, der unter Umständen riesige Schäden anrichten kann. Auch die modernste Technik kann sehr wohl den Bestrebungen des Naturschutzes dienen, wie der nachstehende Artikel beweist, der sich mit einigen besonders aktuellen Fragen des deutschen Naturschutzes beschäftigt.

In den kahlen Fichtenwipfeln knistert es un­heimlich. Auch die letzten Nadeln rieseln in ge­heimnisvoller Regenmelodie zu Boden. Alles öde und leer: Nonnenfraß! Wie ein drohendes Gespenst schwebt dieses Wort über dem Wald, der uns nicht mehr als reine göttliche Schöpfung vor­kommt, sondern der ebenso vom Leiden heimge­sucht erscheint wie das Menschliche, Unvollkom­mene. Und gewiß ist nicht der Forst, so wie wir ihn vor Jahrzehnten anlegten, etwas Künst­liches? Weil der einseitige Baumbestand den be­sten Nährboden für allerlei Schäden (und Brände!) darstellt, sind wir mit Recht davon abgerückt und streben wieder den Mischwald an, die natür­liche Pflanzengemeinschaft. Aber jene Einseitigkeit hat ihre Folgen hinterlassen, und die Schädlings­bekämpfung ist immer noch ein wichtiger Zweig der Forstwissenschaft. Hier hatte man sich, neben der Anwendung chemischer Kampfmittel, frühzei­tig auf natürliche, biologische Methoden besonnen: auf die Meisen und andere Singvögel als die na­türlichen Feinde der Forstschädlinge. Aber die in den Forsten brütenden Vögel reichten bei weitem nicht aus, um der Schädlinge Herr zu werden. Die Tiere fanden ihre heimatlichen Bedingungen nicht dort wieder, wo nur eine bestimmte Pflanze ge­deihen sollte, wo nur gleichalterige Bestände vor­handen waren, wo jegliches Unterholz fehlte.

Es blieb nichts übrig, als künstliche Nist­höhlen zu schaffen, damit die Vögel nicht ab-

wanderten. Allenthalben wurden Meisenkästen aufgehängt. Was der Mensch einmal mit grober Hand am biologischen Gleichgewicht zerstörte, das mußte er notgedrungen durch künstliche Anglei­chung der Verhältnisse an die natürlichen wieder ersetzen.

So ergibt sich zweierlei: die mehr oder weni­ger notwendigen Eingriffe des Menschen in das Naturganze können ihres schädigenden Einflusses einmal dadurch enthoben werden, daß die na- türlicke Lebensgemeinschaft, wo sie noch erhalten ist, bestehen bleibt und zum ande­ren, daß dort, wo die Eingriffe schon erfolgten, ein Ersatz des Natürlichen angeftrebt werden muß. Beide Wege sind beschritten worden und stellen die eigentliche Grundlage jedes Naturschutzgedan­kens dar.

Der Gedanke, mit natürlichen Mit­teln Schäden in der kultivierten Natur zu be­kämpfen, führte aber zweifellos auch zu jenem kleinlichen Standpunkt, den wir kurz den des Schadens und Nutzens" nennen wollen. Hatte man die Meisen z. B. als wichtige Helfer des Forstmannes erkannt, so erschien ein Raubvogel, der ihnen nachstellte, als schädlich und naturfeind­lich! Andererseits mußte man einem Raubvogel, der das Schwächliche im Revier ausrottete, wie­derum ein Plus verbuchen: kurz, an Stelle eines biologischen Naturschutzes der Tat trat die kauf­männische Bilanzrechnung mit dem Stift. So kann es nur als Fortschritt bezeichnet werden, wenn auf diese in der Zeit des Materialismus geborene, kranke Naturschutzidee eine Reaktion kam, die den Schutz des Lebewesens um feiner selbst willen zum Standpunkt erhob.

Nach diesem Heb erb lief über die geschichtliche Ent­wicklung erscheint die Frage nach den Aufgaben des heutigen Naturschutzes angebracht. Mehr denn je herrscht heute das Wissen um die große orga­nische Ganzheit in Staat und Volk, Leden und Wirken. Der biologische Ganzheitsbegriff muß in­sofern Grundlage des Naturschutzgedankens sein, als ja jedes Wesen ein Einzelglied seiner Lebens-

Berg oder eine Kirche tun farm. Tiere, die mit dem Bild unserer Landschaft von jeher verwachsen sind, ohne die wir uns unsere Ahnen nicht vorstellen können und die eben gleichgültig, obschädlich oder nützlich" zu uns gehören. Für solche Tiere ist es an der Zeit, Banngebiete zu schaffen, in denen sie sich noch aufhalten können. Wir erin- nern an die Elche und Wisente in der Schorf- beide, an die Verwirklichung eines Gedankens un­seres Reichsjägermeisters. Elche sind Tiere, die sich nicht der Kultur anpassen können und die wie Bär und Luchs unweigerlich verschwinden müs­sen, wenn ihr ureigener Lebensraum ihnen ge­nommen wird. Indem wir auf die Ausnützung sumpfiger Waldgebiete verzichten im Interesse dieser Tiere un6 ihrer Lebensgemeinschaft dienen wir wieder der Allgemeinheit und gleichen somit an­dere Fälle aus, in denen das Tier weichen mußte.

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Die Anlage von Autobahnen ist für das deutsche Volk von außerordentlicher Wichtigkeit. Man muß dabei freilich große Strecken Waldes abholzen, und mit dem Dahinschwinden der Baum­bestände verlieren auch viele Vögel ihren Nistplatz. Anstatt den verschwindenden Waldvögeln nachzu­trauern, sucht der Naturschutz von heute Vögeln und Menschen dadurch gerecht zu werden, daß er den Mittelstreifen der Autobahn mit einer Hecke bepflanzen, läßt, die viele Vögeln willkommenes N i ft r e d i e r ist. Durch die Unterbrechung des Wal­des leidet nämlich die Vogelwelt durchaus nicht, im Gegenteil: je dunkler und ausgedehnter ein Forst ist, desto weniger Vögel beherbergt er. Im Park gibt es z. B. bedeutend mehr Vögel als im Ur­wald. Durch die Autobahnen mit samt der Roll­fläche und Hecke wird also der Lebensraum er­weitert, d.h. mehr Arten als bisher finden nun zum Segen des benachbarten Waldes ihren Brutplatz.

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Daß sich Natur und Technik durchaus nicht feind­lich gegenüberzustehen brauchen, zeigt wohl 'ein­drucksvoll der Speich er see bei München. Die einstige Moortierwelt war durch Trockenlegung des

Aus dem Meeresgrund.

Abenteuer eines Tauchers.

Fünfundzwanzig Jahre Dienstzeit für einen Taucher sind sehr lang. Die Strapazen und Gefah­ren dieses Berufes find so groß, daß nur wenige so lange Zeit aushalten. Der englische Tiefseetaucher Thomas Ferris M i l n e gehört zu diesen wenigen. Er lief mit 16 Jahren von zu Hause weg, um zur See zu gehen. Aber dieWunder der Tiefe" hatten es ihm angetan, und so trat er in eine Taucher­schule ein. Sein erstes gefährliches Erlebnis hatte er, so erzählt Walter G. Hartland in Answers", am Ende seiner Lehrzeit. Es war ein strenger Winter, und im Hafen von Portsmouth trieb das Eis. Nelsons altes Flaggschiff, dieVic- tory", war am Eingang mit zwei schweren Ankern festgemacht. Ein anderes Schiff, das seinen Anker in der Flut weggeworfen hatte, war abgetrieben, und der treibende Anker hatte sich in die Anker­kette derDictory" verwickelt. Dabei war sein eige­nes Ankertau gerissen, und das Schiff fuhr ohne Anker weiter. Milne erhielt den Befehl, zu tauchen und den verlorenen Anker heraufzubringen. Es war so kalt, daß er unter seinem gewöhnlichen Taucheranzug noch besonders dicke Wollkleidung trug. Doch trotz aller Vorsichtsmaßregeln herrschte in der Tiefe von achtzehn Metern, wo der Anker lag, grimmige Kälte. Damals war das Tauchertele­phon noch nicht erfunden, und Milne konnte nur mit einer Rettungsleine Zeichen geben ober Bot­schaften auf eine Schiefertafel schreiben. Die Flut wühlte dicke Massen von Schlamm aus dem Mee­resbett auf und gab dem Wasser eine tintige, un­durchdringliche Schwärze. Nachdem er über viele unterseeische Pflanzen gestolpert war, gelang es Milne, die Ankerkette derVictory" festzustellen. Große Teile von ihr waren im Schlamm begraben. Indem er der Kette folgte ober vielmehr ben Bruchstücken von ihr, bie freilagen, kam er enblich zu bem Anker, der in eins der ©lieber verhakt war. Ihn loszumachen, würbe weiter keine Schwierig­keiten machen, aber der Flaschenzug mußte jetzt vom Schiff niedergelassen werden. Milne signali­

sierte um eine Tafel, auf die er die Botschaft schrei­ben könnte. Ein paar Augenblicke später kam die Tafel herab, aber die Flut trieb das Seil seitwärts und wickelte es um seine Seinen, so daß die Tafel ein paar Handbreit oberhalb seiner Reichweite stehen blieb. Auf diese Weise war Milne ausschließ­lich von Leinensignalen abhängig. Die Gewalt der Flut nahm rasch zu, und die Macht des Wassers so groß, daß er sich an den Anker klammern muhte, um sein Gleichgewicht zu erhalten. Er entschloß sich, zu warten, bis die Flut wieder fiele. Inzwischen wurde noch mehr Schlamm vom Grunde aufge­wühlt, und der Taucher sah sich von schwarzen wir­belnden Massen eingehüllt. Die schneidende Kälte verursachte ihm Schmerzen in den Knöcheln, bas Glas in seinem Taucherhelm beschlug.

Unb plötzlich machte er eine fürchterliche Ent- beckung. Bei seinen verzweifelten Anstrengungen, bie Tafel zu erreichen, waren seine Rettungsleine unb sein Luftschlauch von der Flut um den Anker­hals gewickelt worden. Seine einzige Verbindung mit der Oberwelt war unentwirrbar mit diesem gigantischen Stück Metall verknotet. So war er also ein Gefangener des eisigen Wassers, umgeben von einem Meer von Schlamm. Dann kam eine neue Gefahr. Die oben, erschreckt darüber, kein Signal mehr von ihm zu erhalten, entschlossen sich, ihn hinaufzuziehen. Es gab plötzlich einen heftigen, unerwarteten Ruck, der alle Schlingen festzog und ihn kopfüber in den Schlamm unter dem Anker riß. Da hing er, mit dem Kopf nach unten und dem Druck der je fünfzehn Pfund wiegenden Stiefel auf den Füßen. Es war kaum möglich, zu atmen. Die schreckliche Möglichkeit kam ihm zum Bewußtsein, daß er an den Anker gefesselt bleiben könnte, bis er erstickte. Endlich gelang es ihm, sein Taschen­messer aufzuklappen, und blindlings hieb er auf alles ein, was der Klinge erreichbar war. Und da geschah das Wunder, das sein Leben rettete. Seine Füße in den schweren Stiefeln waren an den Luft- schlauch geraten und hatten ihn losgeriffen, nicht nur von dem Anker, sondern auch aus der Reich­weite des Messers. Die Rettungsleine war zer­schnitten, aber der Luftschlauch, der heil geblieben und jetzt frei war, diente dazu, ihn hochzuziehen

in bewußtlosem Zustand. Er hatte auf dem Punkt, die Sinne zu verlieren, selbst seine Ret­tungsleine zerfetzt, aber er wußte nichts davon. Seine Hände bluteten an vielen Stellen von den Schnitten, die er sich beigebracht hatte in den rasen­den Anstrengungen, sich zu befreien. Noch wenige Minuten länger, und er wäre tot gewesen.

Aus All wird Heu.

Kleine Funktechnik.

Es geschieht nicht selten, daß man einen Rund­funkempfänger älteren Jahrganges geschenkt be­kommt oder billig erwerben kann. Da taucht natür­lich sofort die Frage auf, ob er für unsere Zwecke noch geeignet ist. Entscheidend für die Empfangs­leistung ist dabei weniger die Zahl der hörbaren Sender, als vielmehr die Klanggüte unb die Laut­stärke. Gerade in dieser Beziehung aber lassen die Empfänger aus früheren Jahren oft viel zu wün­schen übrig. Sehen mir vom vollständigen Umbau alter Geräte ab, an den sich sowieso nur erfahrene Bastler heranmachen sollten, so gibt es immerhin eine Reihe von Zusatzeinrichtungen, solchealte Kisten" wieder aufzufrischen.

Einmal leiden die älteren Empfänger an zu ge­ringer Trennschärfe, die sich in der Nähe eines Senders besonders empfindlich bemerkbar macht. Da hilft ein Sperrkreis, der in die Antennenzuführung geschaltet wird. Besser noch ist ein sogenannter Trennkreis, der aus einem Ein­kreis- einen Zweikreisempfänger ober aus einem Zweikreis- einen Dreikreisempfänger macht. Um ben Energieverlust auszugleichen, ber burch biese Zu­satzeinrichtungen entsteht, unb außerbem bie Trenn­schärfe weiter zu steigern, kann man noch eine Hoch­frequenzstufe vorsetzen, bie sich ohne besonbere Schwierigkeiten aus wenig Material Herstellen läßt.

Zur Steigerung ber Lautstärke, z. B. für ben Gemeinschaftsempfang, ist eine Enbstufe geeignet, bie zwischen Empfänger unb Lautsprecher geschaltet

wirb, baburch wirb auch ber Anschluß weiterer Laut« sprecher möglich.

Haben wir ein Batteriegerät, so läßt sich zunächst einmal ber Netzanschluß burch eine Netzanode erreichen. An ber Stelle ber Heizbatterie tritt bei Wechselstrom ein Netzheizgerät, bei Gleichstrom aber wirb der Akkumulator beibehalten und über einen Ladestöpsel vom Lichtnetz her immer wieder aufge­laden.

Um den Apparat für den Empfang von Kurzwellensendern einzurichten, bedarf es nur eines Kurzwellen-Vorsatzgerätes mit der Ver­bindung entweder zur Antennenbuchse ober zum Schallplattenanschluß.

Das Wichtigste ist bie Güte des Empfangs. Viel ist dabei an der rechtzeitigen Erneuerung der Röhren gelegen. Nach 1500 bis 2000 Betriebsftunden müssen die Röhren unbedingt ausgewechselt werdem Manchmal nützt auch schon die Erneuerung der End­röhre, die ja am meisten dem Verschleiß unterworfen ist. Die Klanggüte hängt natürlich auch vom Laut­sprecher ab. Am besten wird ein dynamischer Laut­sprecher gewählt. Voraussetzung bleibt natürlich, daß der Empfänger einigermaßen einwandfrei arbeitet; denn auch der beste dynamische Lautsprecher kann nur das wiedergeben, was ihm zugeführt wird. Der dynamische Lautsprecher braucht außerdem einen sog. Erregerstrom, der dem Gleichstromnetz und bei Wechselstrom über einen Gleichrichter entnommen wird. Fehlt der Anschluß ans Lichtnetz, so ist ein permanent-dynamischer Lautsprecher anzuraten.

Gegen Störungen, die aus dem Lichtnetz in den Apparat kommen, gibt es Störschutzgeräte, die zwischen Netzsteckdose und Empfänger geschaltet wer­den. Sonst hilft im allgemeinen nur eine abge­feimte Antenne, die aber eine große Empfänger­leistung verlangt, da viel Energie verlorengeht.

Sv manches Gerät kann durchaus noch feinen Dienst tun, wenn man sich nur etwas auf dis (Er­neuerung versteht. Das eine ober anbere Hilfsmittel kann dabei schon zum Erfolg führen. Fron ja.