M.2l8 Erstes Blatt
187. Zahrgang
Samstag, 18. September 1957
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Katsche Methoden.
In seiner Schlußrede auf dem Nürnberger Parteikongreß hat der Führer mit eindringlichem Ernst die Welt darauf hingewiesen, welch ungeheure Gefahr für den europäischen Frieden sowohl wie für den Bestand und eine ersprießliche Zusammenarbeit der Gemeinschaft europäischer Nationen der sich offen zu seinen revolutionären, auf eine Aushöhlung und Vernichtung der bestehenden Gesellschaftsordnung und Auflösung aller zwischenstaatlichen Bande hinauslaufenden Zielen bekennende Bolschewismus bedeutet, und er hat für Deutschland aus dieser durch das beunruhigende Treiben Moskaus bestimmten weltpolitischen Lage die Folgerung gezogen, daß das Dritte Reich sich unter gar keinen Umständen mit einer Verschiebung des europäischen Gleichgewichts durch Vermehrung des bolschewistischen Einflusses in irgendwelcher Form abfinden werde. Niemals ist die Richtigkeit einer These in der Praxis schneller und gründlicher bewiesen worden, als diese. Auf französische Anregung hin hatten die beiden Westmächte alle an dem durch das in Zusammenhang mit dem spanischen Krieg hochgekommene Piratenunwesen aktuell gewordenen Problem der Sicherheit der Schiffahtswege im Mittelmeer interessierte Nationen zu einer Konferenz nach Nyon, dem altertümlichen Römerstädtchen am Westufer des Genfer Sees, zusammengeladen. Deutschland und Italien waren der Einladung nicht gefolgt, einmal, weil sie den Nichteinmischungsausschuß in London gemäß der ihm gestellten Aufgabe wie auch seiner Zusammensetzung nach für das geeignete und gegebene Forum zur Besprechung einer Frage ansahen, die in so engem Zusammenhang mit den Vorgängen in Spanien steht, zum andern, weil sie nach den unerhörten und durch nichts bewiesenen Unterstellungen zweier sowjetrussischer Noten an Italien, in denen -die Havarien bolschewistischer Tank- und Transportschiffe italienischen U-Booten zur Last gelegt wurden, sich von einer Konferenz nichts zu versprechen vermochten, die auf die Zusammenarbeit mit notorischen Friedensstörern wie den Moskauer „Diplomaten" Wert legen zu müssen glaubte.
Wie richtig Deutschland und Italien die sich in Nyon ergebende Situation beurteilt hatten, hat sich schon auf der ersten Sitzung der Rumpfkonferenz herausgestellt. Der sowohl durch seine revolutionäre Vergangenheit und volksverhetzende Tätigkeit in aller Herren Länder wie als Anstifter und Antreiber der bolschewistischen Einmischungspolitik in Spanien hinlänglich berüchtigte Sowjetaußenkommissar Lit- winow-Finkelstein benutzte bie ihm in schlecht angebrachter Loyalität gebotene Möglichkeit, sich vor einem internationalen Publikum von Politikern und Diplomaten zu spreizen, zu ebenso maßlosen wie dreisten Ausfällen gegen die ebenfalls eingeladenen, aber abwesenden beiden Mächte Deutschland und Italien. Er hat seiner Sache damit einen schlechten Dienst getan, denn seine Rüpelhaftigkeit zwang sogar den sonst Moskauer Gepflogenheiten gegenüber meist überaus nachsichtigen britischen Außenminister Eden gegen den Ton der bolschewistischen Diplomatensprache sich zu verwahren, und der erste Teil der Konferenz endete überraschend schnell mit einer Entschließung, die das Fernhalten Sowjetrußlands von jeder Kontrolle im Mittelmeer bedeutet und die Bolschewisten auf das Schwarze Meer verweist, dessen größter Anrainer sie ja sind.
Abgesehen von dieser offensichtlichen Niederlage bolschewistischer Anmaßung und Überheblichkeit zeugen die übrigen Beschlüsse der Konferenz von Nyon, daß hier nur halbe Arbeit geleistet werden konnte, weil es den einladenden Mächten eben nicht gelungen war, den bolschewistischen Provokationen rechtzeitig und in gebührender Weise zu begegnen und das von Moskau frech beleidigte Italien an den Beratungstisch heranzuziehen. So trägt das in Nyon zustande gebrachte, von der französischen Presse, die ganze Verlegenheit der Si- tuation schlagartig erhellend, als „Arrangement" bezeichnete Abkommen durchaus den Charakter des Provisoriums, denn ohne Zustimmung und Mitwirkung Italiens, der bedeutendsten reinen Mittelmeermacht, ist natürlich jedes Abkommen über die Sicherheit der Schiffährtswege im Mittelmeer ein totgeborenes Kind. Das hat man sehr wohl auch in Nyon gewußt, und hat deshalb für den Fall, daß Italien dem Abkommen nachträglich beitritt, was man besonders in London dringend wünscht, um die britisch-italienischen Verständigungsbemühungen nicht zu stören und dem Abkommen von Nyon den von der Pariser Presse geflissentlich hervorgehobenen Anschein einer Erneuerung des aus dem Sankttonsfeldzug in Rom noch in schlechter Erinnerung stehenden zweiseitigen französisch-britischen Mittelmeerpakts zu nehmen, die Möglichkeit von Aende- rungen vorgesehen und bei der Einteilung der Kontrollzonen für die Ueberwachung der Schiffahrtswege auch die Teilnahme Italiens in Rechnung gestellt- m ,
Hierbei ist man allerdings in völliger Verkennung der tatsächlichen Lage oder in einem nach dem eklatanten Mißerfolg der britischen Völkerbundspolitik während des Abessinienfeldzuges immerhin erstaunlichen Rückfall in die Methoden einer zweiseitigen Pressionspolitik nicht großzügig genug verfahren, indem man törichterweise annahm, Italien, dessen Interessen am Mittelmeer als dem italienischen Lebensraum Mussolini eben erst in Palermo wirkungsvoll unterstrichen hat, mit der Kontrolle über das Tyrrhenische Meer, also seine unmittelbaren Küstengewässer im westlichen Mittel- meer abspeisen zu können, während die für den Verkehr mit dem spanischen Kriegsschauplatz wichtigen und durch das Piratenunwesen bedrohten Schiftahrts- meae sich England und Frankreich Vorbehalten wollen Und wenn dazu noch die Marinesachverstan-
Das Abkommen von Ayon wird ergänzt.
Rach Aufgabe der Geekontrolle an den spanischen Küsten wollen Frankreich und England sich auf die Patrouittentätigkeit im Mittelmeer beschränken.
Drei Zusatzabkommen in Ayon unterzeichnet.
Genf, 17. Sept. (DNB.) Die Konferenz von Nyon ist Freitag abent> in Genf noch einmal zu- sammenaetreten, um die verzögerte Unterzeichnung des Zusatzprotokolls und zweier Zusatzabkommen zu den Abmachungen von Nyon vorzunehmen. Im Zusatzprotokoll wird die Ausdehnung des Schutzes der Mittelmeerschiffe auf Angriffe von Ueberwasserfahrzeugen und Flugzeugen festgelegt. Erfolgen derartige Angriffe ohne Berücksichtigung der völkerrechtlichen Humanitätsgrundsätze, die in dem Londoner Flottenvertrag von 1930 und im Protokoll von 1936 niedergelegt sind, so haben die Fahrzeuge der englischen und französischen Patrouillenflottillen auf das betreffende Luftfahrzeug das Feuer zu eröffnen und nach Maßgabe ihrer Mittel, gegebenenfalls unter Hinzuziehung von Verstärkungen, gegen das betreffende Kriegsschiff vorzugehen. Von den beiden unterzeichneten Vereinbarungen bezieht sich eine auf die geschützten Fahrstrecken im Mittelmeer, die andere auf reservierte Zonen fürUebungszwecke.
Keine Seekoutrolle mehr längs der spanischen Küste.
England und Frankreich beschränken sich auf die Kontrolle der Schiffahrtswege.
London, 17. Sept. (DNB.) Von englischer (S*m'e wird mitgeteilt: Die englische und die französische Regierung haben beschlossen, die See- kontrolle an der spanischen Küste, die auf Grund der Beschlüsse des Nichteinmischungsausschusses eingesetzt worden war, nicht fort« zusetzen. Beide Regierungen haben ihre Entschließung den übrigen Mitgliedern des Nichteinmischungsausschusses durch Lord Plymouth mitteilen lassen. Die englische und die französische Regierung sind zu diesem Entschluß gekommen, weil sie es für richtig halten, die für diese Kontrolle verwendeten Schiffe in der „Antipiratenkontrolle" im Mittelmeer einzufetzen. Die einzige Grenze Spaniens, die jetzt noch bewacht werde, sei die zwischen Frankreich und Spanien. Längs der spanischen Küste wird also durch Kriegsschiffe im Auftrage des Nichteinmischungsausschusses keine Kontrolle mehr ausgeübt. Das System der Beobachter des Nichteinmischungsausschusses auf Handelsschiffen, die spanische Häfen anlaufen, wird beibehalten werden.
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Die „Times" erklärt in einem Genfer Bericht zum Erweiterungsbeschluß des Nyoner Abkommens, es fänden nunmehr alle Schiffe mit Ausnahme der spanischen Schutz gegen jede Art von Angriffen im Mittelmeer. Zum erstenmal versuche man auch Angriffe von der Luft aus in eine internationale Vereinbarung nach humanitären Grundsätzen einzubeziehen. Allerdings müsse man zugeben, wenn es schon bei der Abwehr der „Piraten-U- Boote" schwierig fei, den internationalen Abmachungen Folgen zu leisten, so sei es bei Flugzeugen noch schwieriger.
Im Leitartikel beschäftigt sich die „Times" kurz mit der Aufgabe der Seekontrolle, die unvollständig gewesen fei, seitdem Deutschland und Italien sich zurückgezogen hätten. Der Beschluß der französischen und der britischen Regierung werde unter den jetzigen Umstünden keine großen Folgen haben.
„Daily Telegraph" berichtet, daß das neue Erweiterungsabkommen erst am Samstag veröffentlicht werde, da man Italien vorher den g e - nauen Wortlaut Dorlegen wolle. Der französische und der britische Geschäftsträger in Rom
bigen der beiden Mächte eine wirkungsvolle Zusammenarbeit beider Flotten vereinbarten, die sich auch auf die gegenseitige Benutzung der Flottenstützpunkte und Flughäfen erstreckt, so darf man sich in London nicht wundern, daß tn Rom der peinliche Eindruck entsteht, als ob das „Arrangement" von Nyon nichts anderes fei, als em, wenn auch zunächst zeitlich begrenztes und durch den Zweck des Schutzes gegen die U-Boot-Piraterie nur getarntes Militärabkommen der beiden Weftmachte für das Mittelmeer, das die eigentliche und reine Mittelmeermacht Italien bei dem Eifer, den man bei dem Zustandekommen der „technischen" Vereinbarungen entwickelt hat, zumindest als wenig freundliche Geste empfinden muß in einem Augenblick zumal, wo das Haupt der britischen Regierung der Premierminister Chamberlain, doch anscheinend den größten Weg darauf legt, im Verhältnis zu Italien die aus dem Abefsimen- feldzug und dem Sanktionskrieg noch rückständigen Mißverständnisse aufrichtig und gründlich zu bereinigen und damit für eine Zusammenarbeit mit dem neuen Imperium die Bahn frei zu machen.
Wer die Kommentare der Pariser Presse zu der durch die Konferenz von Nyon und die Ablehnung ihrer Ergebnisse durch Italien geschaffenen neuen Lage aufmerksam studiert, wird den fatalen Eindruck nicht los, als ob diese Politik, die so gar nicht
würden den italienischen Außenminister auftuchen, ihn über das neue Abkommen genauestens unterrichten und ihm den Wunsch übermitteln, Italien möge an diesem Abkommen teilnehmen. — Zur Einstellung der Küstenkon- trolle schreibt das Blatt lediglich, obwohl die Kontrolle verschwinde, werde der Nichteinmischungsausschuß weiter bestehen, um gegebenenfalls mit Angelegenheiten feines Geschäftsbereiches befaßt zu werden. Allerdings fei für die erste Sitzung des Nichteinmischungsausschusses noch kein Zeitpunkt vorgesehen.
Die Zusammenarbeit der Flotten
Englisch-französische Fühlungnahme in Rom.
Paris, 18. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der französische Admiralstabschef Admiral E st e v a be-
ber Würde Italiens, feinen Lebensinteressen und dem Grundsatz der Gleichberechtigung gerecht wird, dem Wunsch Frankreichs entspricht, an dem sorgsam geschürten Feuer einer etwa neu entstehenden italienisch-britischen Verstimmung die eigene Suppe zu kochen und womöglich auf diesem Wege, indem man Englands bekanntes Anlehnungsbedürfnis in europäischen Dingen klug ausnutzt, zu dem Bündnis zu Zweien zu kommen, das schon seit Versailles das Ideal aller französischen Staatsmänner gewesen ist und für das man als höchst fragwürdigen Ersatz den Militärpakt mit Moskau schloß. Nicht umsonst feiert das dem französischen Generalstab nahestehende „Echo de Paris" das Arrangement von Nyon als die „Wiederherstellung der seit einem Jahr so heftig bekämpften Mittelmeerstellung Englands und Frankreichs". Es wäre kaum begreiflich und würde schlecht zu der von Chamberlain eindeutig auf den Versuch einer Verständigung mit Italien festgelegten Grundlinie britischer Außenpolitik passen, wenn Eden und die britischen Militärs aus ihrer bekannten Voreingenommenheit heraus den ftanzösischen Wünschen, die sich natürlich auch weitgehend mit den Absichten Moskaus auf Verhinderung einer britisch-italienischen Fühlungnahme decken, soweit nachgegeben hätten, daß eine Beteiligung Italiens an dem für das Mittelmeer vorgesehenen Kontrollplan ausgeschlossen ist. Das wäre
gab sich am Freitag an Bord des in den Hafen von Dran eingelaufenen britischen Kreuzers „Barha m", um dort mit dem englischen Admiral P o u n d zu beraten. Anschließend begaben sich die Admirale im Kraftwagen nach Arzöe. Die Begegnung wird mit der Aufstellung des Planes der an der Mittelmeerkontrolle beteiligten Wasserflugzeuge gebracht. Die leichteren Einheiten des französischen Mittelmeergeschwaders in Toulon liegen in Bereitschaft, um auf Befehl zu Admiral Esteva nach Dran zu stoßen. Wie aus Blätterftimmen ersichtlich ist, haben Frankreich und England gemäß den Abmachungen von Nyon und Genf ein Übereinkommen getroffen, wonach zur Erleichterung der Zusammenarbeit beider Flotten bei Ausübung der Kontrolle im Mittelmeer b ie englischen Flottenstützpunkte im Mi11elmeer den französischen Kriegsschiffen und umgekehrt den englischen Kriegsschiffen die französischen Flottenstützpunkte zur Verfügung gestellt werden.
ein neuer Beweis für die hinterhältige, friedenstörende Politik Moskaus, das jede europäische Zusammenarbeit, die, wenn sie aufrichtig und erfolgreich sein will, sich den Bolschewismus vom Leibe halten muß, hintertreibt, um die Hand in den europäischen Dingen zu behalten, unterstützt von der immer wieder spürbaren Abneigung Frankreichs und Englands gegen eine klare Scheidung vom Bolschewismus in dem dumpfen Gefühl, Sowjet- rußland als machtpolitischen Faktor in der nach dem alten Stil der Vorkriegsbündnis- und Block- -politik aufgezogenen Rechnung nicht entbehren zu können. Der Führer hat in feiner Nürnberger Rede auch den Unbelehrbaren in Paris und London deutlich gemacht, warum Deutschland in einer klaren Frontstellung gegen den Bolschewismus die wesentlichste Voraussetzung für eine gedeihliche politische, wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit der europäischen Völkerfamilie sehen muß. Der heutigen Situation Europas ist mit überlebten politischen Vorstellungen und veralteten, weil längst als unbrauchbar erwiesenen politischen Methoden nicht bei» zukommen. Rückfälle wie Nyon kann sich Europa nicht mehr leisten. Das sollte man endlich auch in Paris und London begreifen, statt auf Trugschlüssen von vornherein verhängnisvolle und in die Irre führende Kombinationen aufzubauen.
Dr. Fr. W. Lange.
Abbau her Nichteinmischung?
Die italienische presse zu den französisch-britischen Beschlüssen.
Abbau der Nichteinmischung?
Argwohn in Italien.
Mailand, 18. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die italienische Presse nimmt die Aufhebung der französisch-englischen Kontrolle an der spanischen Küste mit Argwohn auf. Die „Starnpa" spricht von einem Abbau der Nichteinmischung. Die Beziehungen der Mittelmeermächte würden von den Verantwortlichen des Abkommens von Nyon auf den Kopf gestellt. Der antiitalienische Charakter der englisch-französisch-sowjetrussischen Verschwörung, die nach Nyon geführt habe, sei offenbar. Drei Tatsachen in diesem Sinne seien zu verzeichnen. Nämlich die Aufstellung der Maßnahmen gegen die 11= Boote, Flugzeuge und Ueberwasserschiffe, die Aufhebung der Kontrolle an der spanischen Küste und die Tatsache, daß die französischen Flottenstützpunkte im Mittelmeer der britischen Admiralität zur Verfügung gestellt werden, was nichteinmal während des Krie- ges in Dstafrika geschehen sei. Alles dies stärke die UeberzeuPing, daß die englische Politik das heimtückische Manöver von Nyon veranlaßt habe. Die Aussichten für eine Rückkehr zur Vernunft und Gerechtigkeit schwänden immer mehr.
Paris hofft aus Aussprache mit Italien.
Paris, 18. Sept. (DNB. Funkspruch.) „Petit Parisien" ist der Ansicht, daß anläßlich der Ueber- reichung des Zusatzabkommens zu Nyon durch die Geschäftsträger Englands und Frankreichs i n Rom sich die Gelegenheit bieten werde, mit dem italienischen Außenminister eine allgemeine Aussprache über das Abkommen von Nyon einzuleiten, wodurch vielleicht eine Annäherung der Ansichten zwischen England, Frankreich und Italien über die Beteiligung Roms an der Polizeiaufsicht im Mittelmeer erleichtert werden würde.
Im Zusammenhang mit der Aufhebung der S e e t o n t r o 11 e an der spanischen Küste befassen sich die Blätter mit dem Problem der Nichteinmischungspolitik und stellen fest, daß das Fallenlassen der Kontrolle nicht politischen Charakter habe. Es handele sich vielmehr um eine technische Maßnahme der französischen und der englischen Ad
miralität, die die jetzt freiwerdenden Kriegsschiffe an den Mittelmeerpatrouillen teilnehmen lassen wolle. Der,Zour" stellt jedoch fest, daß jetzt das Kontrollsystem des Nichteinmischungsaus- schuffes prakttsch sein Ende gefunden habe. Es blieben jetzt auf dem Gebiete der Nichteinmischung nur noch die von jedem Lande erlassenen Gesetzesmaßnahmen übrig. „Petit Parisien" betont, daß die Lage an der Pyrenäengrenze unverändert sei. Die französische Kontrolle funktioniere nach wie vor. Die rechtsstehende „Epoque" nennt die Aufhebung der Küstenkontrolle eine Geste, „die in Rom wohlwollend aufgenommen" werden würde. Man könne sagen, die Kontrolle sei tot, aber die Nichteinmischung bleibe in Kraft.
Die rein marxistischen Blätter fordern dieAuf. Hebung der französischen Kontrolle an der Pyrenäengrenze. Der sozialdemokratische „Populaire" memet, daß die Gewerkschaftsbonzen (Eitrine, Jouhaux, de Brouckiere und Lon- guet bereits in Genf eingetroffen seien, wo sie mit Delbos und Eden Besprechungen über die Wiederher st ellung der „Handelsfreiheit" mit den Valencia - Bolschewisten und über die Aufhebung der Pyrenäen- Kontrolle haben würden. Das Gewerkschaftsblatt „Peuple" triumphiert, daß mit dem Nyonep Abkommen eine Bresche in das System der Nichteinmischung geschlagen worden sei. Die Nichteinmischung sei tot. Die kommunistische „Hu- manitd" verlangt die Beseitigung innerhalb der „nächsten Stunden".
3<alien
hat unmiQherilänblid) geantwortet.
Rom, 17. Sept. (DNB.) Giomale d'Italia betont, Italien hätte als die klassische Mittelmeermacht in jedem Falle bei der lediglich Mittelmeerfragen betreffenden Konferenz von Nyon zu den einladenden Mächten gehören müssen, während es ebenso wie Sowjetrußland, das im Mittelmeer nur Unheil anftifte, lediglich zu den eingeladenen Mächten zählte. Die italienische Antwort auf die Einladung stelle keine Weigerung zur Zusammenarbeit im Mittelmeer gegen die Seeräuberei dar. Die Regierungen von London und Paris, die unter allen Umständen schleunigst zu irgendeinem (Ergebnis kommen wollten, hätten versprochen, die italienische Regierung über alle Einzelheiten der Konferenz auf dem Laufende n zu halten, stattdessen sei die faschisttsche Regierung nur über die Schlußergebnisse


