Die Hitter-Iugend des Gebietes 13 startet
am
war-
m ZI Z * v , r// ,,lcl'r vaiie, ?yrauenia)Qfi roojte Marmelade ein und lie-
außer Betrieb und sollte verkauft werden. Em Ent- l ferte die Gläser an die NSD. ab. Hier wurde auch
27 Fortsetzung
lNachdruct verboten.)
,Und was
ist ja...
Renz und läßt kein Auge die erste Seite — dann
„Lesen Sie nur", sagt von ihr.
Und Irina überfliegt wird sie todblaß und
fest, sie wird jedoch nicht mehr lange auf sich ten lassen.
Renz nickt ernst. ,La, es ist bitter für Sie, Irina Kontschakowna. Aber es ist gut, daß Sie es erfahren. Eines Tages mußten Sie es ja erfahren."
Wie Zentnerlasten drückt Irinas unsinniger Plan auf Renz. Droht ihm damit nicht das Heft ganz aus der Hand genommen zu werden? Werden die Ereignisse nun über ihn hinweg gehen und Ausmaße «nnehmen, an die er nie gedacht hat? Er wollte doch bloß Sabine vor diesem Menschen bewahren, weiter nichts... Und nun hat sich diese unberechenbare Irina eingemischt — durch seine Schuld — und redet mit flackernden Augen von Rache... Am Abend erfährt er. daß die alte Exzellenz Easelli krank zu Bett liegt — gerade zur rechten Zeit, um Irina an ihrer verrückten Reise zu der anderen Frau au hindern? Irina selbst hat es ihm in ein paar flüchtig hinoeworfenen Zeilen mitgeteilt und ihn nochmals um Schweigen gebeten.
Und was tut ein Menlch wie er. wenn ihm plötzlich eine solche erfreuliche, erleichternde Nachricht zukommt? Er trinkt sich einen Rausch an. Lächelnd urtb mit sich selbst schwatzend, zufrieden mit der Welt und leise summend, beseligt und beschwingt, kommt er zu später Stunde heim.
Und nun steht er, ein wenig unsicher und schwankend, die Schuhe in der Hand, in seinem Zimmer. Sie Lust bedrückt ihn — das Fenster auf. weit auf Und auch die Kammertür auf, Durchzug gemacht. Nachts um zwei Uhr wird keiner mehr vorbeikommen und hineinsehen, wie der Knecht Renz sich mit feinem Rausch ins Bett legt...
Er sitzt auf dem Bettrand und starrt vor sich hin. War das eigentlich heute, daß Sabine mit dem Rechtsanwalt einen Mondscheinspaziergang gemacht
Weiterhin standen der A. Schm, und der H. Schn, aus Büdesheim vor der Großen Strafkammer. Die Anklage lautete gegen Schm, auf schweren Diebstahl in sechs Fällen, gegen den Schn, wegen Hehlerei in fünf Fällen. Schn., ein Mann mit einem gutgehenden Betrieb, hatte sich ein Automobil gekauft. Da er keine eigne Garage besaß, brachte er es in der Scharmühle bei Rendel unter, wo der Wagen auch gewaschen und geschmiert wurde. In der Mühle hatte der Mitangeklagte Schm., ein Detter des Schn., feine Wohnung. Im Laufe der Zeit bot Schm, dem Schn, ab und zu Del, einen Ballen Putzwolle, Getriebefett u. a. mehr, insgesamt fünfmal an, mit der Behauptung, diese Gegenstände würden in der Mühle nicht mehr gebraucht und wären sowieso überflüssig. Tatsächlich war die Mühle, die kein Kontingent mehr hatte.
wird wie mich. Wissen Sie, was das heißt, so zu lieben, daß man nur noch für diesen einen Menschen lebt und bann zu erkennen, daß man nur ausgenutzt worden ist und weggeworfen wird, wenn das Spiel anfängt lästig zu werden? Das können Sie gar nicht wissen! Ach, geben Sie mir doch die Adresse zum Abschreiben her. Aha, Oesterreich! Sehen Sie, vorsichtshalber also jenseits der Grenze. Ganz geschickt, nicht wahr?"
Renz nickt. Dieser Ausbruch hat ihn erschüttert.
„Und nun schaffen Sie den Brief bitte schnell in Michailows Zimmer, damit er nicht mißtrauisch wird. Und noch eins, Renz: Halten Sie vorläufig den Mund. Ich werde mir gleich morgen Urlaub erbitten. Und dann, wenn ich zurück bin, kann der Tanz beginnen!"
„Ich bin in Sorge um Sie, Irina Kontschakowna. Handeln Sie nicht im ersten Impuls! Denken Sie nach über die Dinge, bedenken Sie, was Sie tun."
Irina winkt hastig ab: „Ja, lassen Sie nur. Ich will mich nur rächen! Zittern soll er vor Angst, der schöne Igor Michailow, zittern!"
In allen Gauen des Reiches rüstet die Hitler- Jugend zum Adolf-Hitler-Marsch. Es gehört nun schon zur Tradition der Hitler-Jugend, daß sie jedes Jahr chre Bannfahnen nach Nürnberg 3um Reichsparteitag marschieren läßt. Große Vorbereitungen sind notwendig damit eine derartige Großveranstaltung reibungslos durchgeführt werden kann.
Insgesamt umfassen die Marschleistungen aller
Teilnehmer zusammengefaht mehr als den Erdumfang.
Nur gesunde und stramme Jungs, Hitler-Jungs, können eine derartige Belastung aushalten und Kilometer über Kilometer auf staubiger Landstraße, durch Regen und Sonnenschein marschieren, immer ein lustiges Lied auf den Lippen und abends bereit für den Heimabend mit der Hitler-Jugend des durchwanderten Gebietes.
Die Hitler-Jungen aus Pommern und Ostpreußen haben schon vor Wochen chren Adolf-Hitler- Marsch begonnen. Je mehr der Reichsparteitag in die Nahe rückt, desto mehr Bannfahnen begeben sich auf den Marsch nach Nürnberg.
Von Gießen nach Nürnberg.
Adolf-Hitler-Marsch der heffen-naffauischen Hitler-Jugend
Susannes Tochter.
Vornan von Hedda Westenberger.
Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlins35
CO Klein-Linden, 17. Aug. Für den Sonntag hatte die Kleinkinderschule die Eltern der Kinder und die Freunde der Schule zum diesjährigen Sommerfest in den Turngarten eingela- den. Unter den Klängen des Posaunenchors marschierte der Zug der festlich geschmückten Kinder in den Festgarten. Hier boten sie unter Leitung von Schwester Lina Mario schöne Spiele dar, denen großes Interesse entgegengebracht wurde. Als zum Schluß der Darbietungen der mit Sommerblumen geschmückte Wagen die Brezeln der Kinder anfuhr, erreichte die Freude der Kleinen ihren Höhepunkt. Der Vorsitzende der Station, Pfarrer König, dankte allen Besuchern, besonders der Schwester für ihre aufopferungsvolle Arbeit. Er sprach ferner davon, daß die Kinderschule nicht nur eine Kinderbewahrungsanstalt sein solle, sondern daß in ihr die Kinder schon von frühester Jugend zur Ge- meinschast erzogen werden sollten, damit sie sich später in die große Volksgemeinschaft einfügen lernten. Auch sollten die Kinder schon von klein auf der christlichen Gemeinschaft zuqeführt werden. Die Kollekte des Festes mit 34,57 Mark kommt der Station der Kinderschule zugute.
gfs. Klein-Linden. 17. August. Unsere Frauenschaft kochte Marmelade ein und lie-
Aus der engeren Heimat.
Immer wieder das Streichholz in Kinderhand.
LPD. Schotten, 17. August. In dem Kreisorte Ulfa brach in einem Seitenbau auf dem Grundstück eines Arbeiters Fe ue r aus, dem der Schuppen mitStrohzumOpferfiel, während das an- grenzende Wohnhaus durch schnelle Hilfe noch gerettet werden konnte. Die Brandursache: ein bei Verwandten zu Besuch weilendes, etwa 5 Jahre altes Kind hatte mit Streichhölzern gespielt und dabei das Stroh angezündet.
Landkreis Gießen.
hat? Nein, bas mar vorgestern. Haha, ja, vorgestern. So rennt die Zeit. Vorgestern. Und qe« ftern? Ja, gestern hat der gute alte Renz sein Sa- binchen überhaupt nicht zu sehen bekommen In aller Frühe ist sie mit Lyk und Wünsch aufgebro« chen, die Haushälterin sagte: auf eine Tour...
Aber er ist nicht traurig darüber, soll sie nur ruhig mit den beiden losziehen, da paßt bann einer auf ben anderen auf. Ueberhaupt paßt hier immer einer auf den anderen auf, er und Irina auf Mi- chailow, Lyk und Michailow auf ihn, Michailow und er auf Lyk--luftig ist das, teuflisch lustig ...
Und dazwischen sitzt ahnungslos und lieb und süß das Kind, Sabinchen, sein Sabinchen ...
Da knackt es plötzlich irgendwo unten im Haus — Renz horcht auf. Ratten? Eine Weile bleibt es still, dann knackt es wieder. Nein, das sind keine Ratten, das sind die Stiegen.
Renz ist plötzlich ganz nüchtern. Er hockt reglos auf dem Bettrand, das Gesicht vorgereckt und lauscht. Lange geschieht nichts. Dann hat er auf einmal das sichere Gefühl, daß sich in der reglosen Stille des Treppenhauses etwas langsam bewegt. Da legt er vorsichtig die Schuhe, die er immer noch in der Hand gehalten hat, auf das Bett, steht ebenso vorsichtig und lautlos auf und schleicht ans Treppengeländer.
Nichts! Das Treppenhaus liegt dunkel und still.
Halt — doch?
Unb wieder ist es mehr fein Spürsinn als fein Auge, das ihn irgendwie etwas auf der Treppe erkennen läßt. Umriffe einer Gestalt ..
In diesem Augenblick fällt für den Bruchteil einer Sekunde Licht auf den Mann im Treppenhaus, er hat einen Streifen Mondlicht durchschreiten müssen. Mit stockendem Herzschlag erkennt Renz: Michailow, der jetzt in den Korridor des ersten Stockes einbiegt.
Dort liegt Sabines Zimmer !
Sollte das etwa abgekartetes Spiel sein, sollte Sabine ...
Nein, ausgeschloffen!
Lautlos, mit verhaltenem Atem schleicht Renz über die Treppe. Einmal knackt auch unter seinem §uß die Stiege, da hält er an und lauscht. Aber Michailow hat wohl mit sich selbst zu tun.
In dem Augenblick, als er die Hand auf Sabines Türklinke legt, schlägt Renz ihm heftig auf die Schulter.
Entsetzt fährt Michailow herum und sieht in der Dunkelheit kaum mehr, als bas schimmernde Weiß in Renz' Augen. Dennoch weiß er sofort: es ist Renz. Vollkommen fassungslos starrt er ihn an.
Fortsetzung folgt
** Eine Achtzigjährige. Am morgigen Donnerstag, 19. August, kann Frau Elisabethe Diez, geb. Wallenfels, Steinstraße 74, in körperlicher unb geistiger Frische ihren 80. Geburtstag feiern.
** (Sterbefälle in Gießen. Es verstorben in Gießen: 1. August, August Deibel, Bäckermeister, 70 Jahre, Neuenweg 50; 3. August, Fritz Keller, Postamtmann, 63 Jahre, Liebigstraße 80; 3. Aug., Heinrich Reuter, 72 Jahre, Kaufmann, Ludwigs- platz 4; 4. August, Elisabethe -ßinZ geb. Stürz, o. B., 39 Jahre, Wilsonstraße 10; 7. August, Lud- wig Lüll, Bankbeamter,' 65 Jahre. Großer Steinweg 9; 9. August, Wenbelin Dehler, o. B., 82 Jahre, Licher Straße 74; 10. August, Karoline Bräuning, o. B., 25 Jahre, Wetzlarer Weg 80; 11. August, Eleonore Klinkel, o. B., 66 Jahre, Eichweg 6; 12. August, Margarete Dönges, geb. Drehwald, o. 23., 44 Jahre, Bubbestraße 9; 14. August, Rosalie Therese Martha Snethlage, geb. Brehme, o. 23., 76 Jahre, Hofmannstraße 10; 16. August, Otto
läßt beide Hände sinken: „Nein, Renz, ich kann nicht weiter lesen. Das
nächsten Sonntag zu ihrem Adolf-hitter-Marsch.
Dieses Jahr beginnt der Abmarsch in Gießen, denn die Schlußkundgebung ist mit dem Ge- bietssportfest verbunden.
Jngefähr 40 Bannfcchnenträger sind in den Bannen ausgesucht worden, die morgen in Gießen eintreffen und in der Jugendherberge untergebracht werden. Hier werden die Jungen neu eingefleibet und ihnen noch Verhaltungsmaßregeln gegeben. Dann beginnt am Sonntag nachmittag der Abmarsch. Gebietsführer Brandt wird sich von jedem einzelnen Bannfahnenträger persönlich verabschieden unb bann bas Kommando zum Start geben. 4 0 Bannfahnen setzen sich in Bewegung. In drei Wochen werben sie in Nürnberg anlangen.
Der Marsch ber Bannfahnen durch G i e- ßen wirb durch folgenbe Straßen führen: Univer- sitätssportplatz, Kaiserallee, Lubwigsplatz, Garten- strahe, Neuenbäue, Sonnenstraße, Kreuzplatz, Sel- tersroeg, Frankfurter Straße. Hk.
gelt für die Gegenstands wurde nicht bezcchtt. Der Angeklagte Schn, gab zu, die Gegenstände von Schm., der seinerseits im vollen Umfange geständig ist, erhalten zu haben, behauptete jedoch, ihm sei nichts davon bekannt gewesen, daß die Gegenstände aus einem Diebstahl herrührten. Diese Einlassung wurde von Schm, bestätigt. Weiterhin wurde dem Schm, zur Last gelegt, aus dem Mühlenbetrieb in der Nacht vor dem 1. Mai 1937 mehrere Treibriemen im Werte von 400.— RM. gestohlen zu haben. Der Angeklagte bestritt dieses ganz entschieden unb gab folgerte Darstellung: An dem fraglichen Abend sei er gegen 9 Uhr aus ber Stabt in feine Wohnung zurückgekehrt. Dabei habe er fest- gestellt, baß bas Licht nicht funktioniere. Er habe daraufhin einen Elektriker kommen lassen, ber ben Schaben behob. Gegen 10.30 Uhr will der Angeklagte gehört haben, daß in dem Mühlengebäude ein Treibriemen schlug. Er habe nachgesehen und dabei festgestellt, daß dieser Riemen, welcher schad- haft war, noch vorhanden gewesen sei, während alle übriger^ fehlten. Er benachrichtigte daraufhin sofort den Mühlenbesitzer, der iyn mit dem Wagen nach Heldenbergen zur nächsten Polizeistation schickte. Dort ist er auch gewesen und hat Anzeige erstattet. Am anderen Morgen wurde ein Polizeihund auf die Fährte gesetzt, ber bis zu einer gewissen Stelle eine Spur verfolgte unb bann absetzte. Der Angeklagte geriet deshalb in den Verdacht, weil ein Zeuge ihn ganz in der Nähe des Platzes am Abend mit dem Wagen, und zwar ohne Licht, hatte halten sehen. Das Gericht kam zur Bejahung ber Schuld- frage bei beiden Angeklagten in ben ersten fünf Fällen, unb zwar bei bem Angeklagten Schn, aus dem Grund, weil der Angeklagte in Anbetracht der Menge des ihm geschenkten Materials wissen mußte, daß der Schm, dieses nicht rechtmäßig erworben hatte. Das Urteil lautete gegen den Schm, wegen fortgesetzten schweren Diebstahls auf einen Monat Gefängnis, ber burch die Untersuchungshaft als verbüßt gilt. Gegen ben Schn, wegen fortgesetzter Hehlerei auf 5 0.— R M. Geld- strafe. Im Falle des Treibriemens erfolgte trotz dringendem Tatverdacht Freispruch mangels 23e« weises.
sradtkirche gewonnen, die überarbeitet wurden unb hier eine glückliche Verwendung finden konnten. Es handelt sich insbesondere um die Eichenbalken- lagen über dem Verkaufsstand.
Das Gebäude harrt jetzt nur noch des äußeren Anstrichs. Dafür soll der Darmstädter Maler K i e n z l e gehört werden, ber sich auch um die Ausmalung ber Kapelle des Alten Friedhofs verdient gemacht hat. Das Hoch- unb Tiefbauamt ist bemüht, bas ganze Gebäude feiner Umgebung gut anzupassen, nachdem aus vielen technischen Erwägungen ein anderer Platz für dieses Gebäude nicht verfügbar gemacht werden konnte.
In diesem Zusammenhana sei noch darauf hin- gewiesen, daß in der Folge Das Straßenbild an der Ecke Kaiserallee-Licher Straße eine Verbesserung erfahren wird. Es ist beabsichtigt, unmittelbar nachdem das Haus am Alten Friedhof seiner Bestimmung übergeben ist, die Anlage an ber Ecke Licher S t r a ß e - K a i s e r a l l e neu z u g e - st a 11 e n. Das Derkausshäuschen an ber Kaiserallee, ber Wellblechpavillon, bie Persil-Uhr unb voraussichtlich auch ber große eiserne Mast, ber bort bie Stromleitungskabel für bie Straßenbahn trägt, werben beseitigt. Der Platz wirb bann als Grünfläche angelegt, die durch ein Beet Blumen in vielen Farben belebt werden soll. Die Rasenfläche wird von einer Mauer umjogen. Außerdem wird eine kleine Freitreppe geschaffen. Die Fläche, bie gegenwärtig nach der Kaiserallee zu ab fällt, wird auf mittlere Höhe planiert. Diese Aenderung des Straßenbildes wird sicherlich von allen Volksgenossen begrüßt werden. Zu welchem Zeitpunkt diese Umgestaltung geschehen wird, steht heute noch nicht
Renz schält unständlich den Brief aus der Tasche: ,^sch muß Ihnen erst noch bie Vorgeschichte erzählen. Wissen Sie, von wem ich den Brief habe? Von Sabine. Als ich heute früh zum Weiher ging, kam Sabine mir mit bem Brief in ber Hanb entgegen. Ob ich wisse, wo Herr Michailow sei, fragte sie mich. Nun hatte ick ihn gerabe zuvor nach Brunsbichel hinunter gehen sehen. Das sagte ich ihr, unb sie schien barüber ziemlich erleichtert zu sein. Oh, wenn er nicht ba fei, bann wolle sie nur ben Brief mir übergeben. Sie habe ihn hinten am Wasser unter ben Bäumen gefunden. Ich möchte doch so freunblid) sein unb ihn in Herrn Michailows Zimmer legen. Na, also, ich nahm ben Brief unb zog — natürlich erst, als ich schon in Michailows Zimmer ftanb — ben Briefbogen ein Stück heraus unb sah, daß er russisch geschrieben war."
„Und?"
,Hch kann ein bißchen Russisch, Irina Kontschakowna. Und schon aus den paar Worten, die mir da in die Augen fielen, geht hervor, daß wir einen guten Fang gemacht haben."
Kirsckbaum, Invalide, 55 Jahre, Hindenburgwall 5; 16. August, Heinrich Launspach, Malermelster, 72 Jahre, Alicenstraße 34.
** Skiklub Gießen. Wegen des Gebiets- Sportfestes der HI. ist das Sommertreffen der Gießener Skiläufer, das am kommenden Samstag auf dem Schiffenberg stattfinden sollte, auf Samstag, 4. September, verlegt worden. Das auf dem Universitäts-Sportplatz durchgeführte Sommertraining weist eine gute Beteiligung auf. Die Leistungsprüfungen für das Reichssportabzeichen wurden von einer Anzahl Skiläufer unb Skiläuferinnen sowohl in ben leichtathletischen Uebungen, als auch im Schwimmen, erfolgreich abgelegt. Die Autobusfahrt zu bem nationalen Segelflugwettbewerb auf ber Wasserkuppe war bei herrlichem Sommerwetter für alle Teilnehmer ein unvergeßliches Erlebnis. Die Geschäftsstelle mit der Skibibliothek wird auch in den Sommermonaten stark in Anspruch genommen. Zu bem Bergfest auf bem Hoherobskopf werben voraussichtlich mehrere Autobusse fahren. Sowohl an ben Einzel- als auch an den Mannschaftskämpfen werden sich die Skiläufer erstmalig beteiligen. Im Herbst werden wieder Trockenskikurse und Filrn- bzw. Lichtbilderabende stattfinden.
** Unfälle. Ein 73jähriger Invalide, wohnhaft in der Wolkengasse, stürzte so schwer, daß er mit einer Kopfverletzung, sowie unter bem Verbacht auf innere Verletzungen in bie Chirurgische Klinik gebracht werben mußte. — Ein 74jähriger Mann aus ber Walltorstraße zog sich burch einen Sturz einen Unterschenkelbruch zu. — Ein 21jähriger junger Mann aus ber Neustabt erlitt durch einen Sturz einen Knöchelbruch; ein anderer junger Mann aus ber Licher Straße burch einen Sportunfall eine erhebliche Kopfverletzung. Sämtliche Verunglückten mußten zur ärztlichen Behanblung in bie Klinik gebracht werben.
Amtsgericht Gießen.
Die 28 Jahre alte R. H. aus Hungen war durch Strafbefehl wegen fahrlässiger Körperverletzung und Uebertretung der Reichsstraßenverkehrsordnung vom Amtsgericht in eine Geldstrafe von 50 M k. genommen worden, wogegen sie Einspruch erhob, der gestern vor dem Amtsgericht verhandelt wurde. Die Angeklagte hatte am 27. Mai auf dem Sel- tesweg geparkt. Als sie wieder anfuhr, verabsäumte sie ein Warnzeichen zu geben. Durch eine Reihe vor ihr parkender Autos war die Fahrbahn stark beengt, so daß sie beim Ueberholen dieser Wagen eine Radfahrerin, die unmittelbar daneben fuhr, mit dem Hinteren Teil des Wagens erfaßte und diese dabei am Arm verletzte. Die Einlassung der Angeklagten ging dahin, daß zwischen chr und den parkenden Autos noch genügend Platz für eine Radfahrerin gewesen sei. Es könne daher keine Rede davon sein, daß sie den Unfall verursacht habe,
Linser Arbeitsgau stellt Jühreranwärter ein.
NSG. Zum 1. Oktober 1937 werden bei allen Arbeitsgauen Führeranwärter eingestellt. In Frage kommen Bewerber, die zum 1. Oktober 1937 ihrer aktiven Wehrpflicht genügt haben und nicht über 25 Jahre alt sind. Bevorzugt werden Bewerber, die bereits im Arbeitsdienst gedient haben.
Der Bedarf erstreckt sich vornehmlich auf Bewerber für die untere Laufbahn, erwünscht ist eine handwerkliche, oder kaufmännische Vorbildung. In der unteren Laufbahn ift die Beförderung zum Truppführer, Obertruppführer und bei entsprechender Bewährung zum Unterfeldmeister möglich. Bei vorzüglichen Leistungen und Nachweis einer angemessenen geistigen Veranlagung ist der Aufstieg in die mittlere Laufbahn nicht ausgeschlossen.
Ueber die einzelnen Laufbahnen, die gestellten Anforderungen, Besoldungs- und Versorgungsver- hältnisse im Reichsarbeitsdienst und die Art der Unterlagen, die den Bewerbungen beizufügen sind, ist Näheres aus dem Merkblatt „Führer- und Amtswalterersatz des Reichsarbeitsdienstes" zu entnehmen.
Dieses Merkblatt kann von allen Dienststellen erlangt werden und liegt außerdem bei den polizeilichen Meldebehörden zur Einsicht aus.
Gesuche sind nach Möglichkeit sofort an die Ar- beitsgauleitung XäV Wiesbaden, Luisenplatz 10, einzusenden.
sondern die Radfahrerin sei ihr in den Wagen gefahren. Die Beweisaufnahme und ein Augenscheinstermin ergaben jedoch einwandfrei die Schuld der Angeklagten, so daß der Einspruch verworfen wurde.
Große Strafkammer Gießen.
Gestern hatten sich der 29 Jahre alte H. V. aus Heuchelheim und der 19 Jahre alte F. Z. aus Frankfurt a. M. vor der Großen Strafkammer wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung zu verantworten. Der Angeklagte V. befuhr am 2. April 1937 die Fernverkehrsstraße zwischen Lang- Göns und Großen-Linden. Er hatte dabei trotz starken Nebels keine Lichter brennen. Sein Tempo betrug, wie ihm nicht widerlegt werden konnte, etwa 40 Kilometer. An der fraglichen Stelle überholte der Angeklagte einige Radfahrer. Er mußte daduurch naturgemäß nach links abkommen, verab- säumte jedoch, sogleich wieder auf die rechte Straßenseite zu gelangen. In diesem Moment tauchte der andere Angeklagte Z. aus der entgegengesetzten Richtung auf. Er hatte eine Geschwindigkeit von 60 bis 70 Kilometer. Auch er bewegte sich, wie durch Zeugenaussagen festgestellt wurde, nicht auf der rechten Straßenseite, sondern in der Mitte. Um einen Zusammenstoß zu vermeiden, versuchte Z. nach links auszubiegen, im selben Augenblick steuerte der Angeklagte 23. nach rechts, so daß ein Zusammenstoß unvermeidlich war. Die vier Insassen beider 2ßagen erlitten dabei schwere Verletzungen und wurden in die Klinik nach Gießen einqeliefert, wo der 32 Jahre alte Heinrich Sehl aus Gleiberg am anderen Tage starb. Die Beweisaufnahme ergab einwandfrei, daß beide Angeklagten in Anbetracht des starken Nebels zu schnell gefahren sind und ebenfalls beide nicht vorschriftsmäßig die rechte Straßenseite einhielten. Das Urteil lautete gegen beide Angeklagte auf je drei Monate G e - f ä n g n i s.
Sie stehen eine Weile still voreinander, und nur der Brief in Irinas Hand knistert ein wenig.
„Wissen möchte ich nur, was er davon hat, so viele Frauen an sich zu fetten", klagt Irina. „Und wissen möchte ich, wie er es anfängt. Aber, ach — wie hat er’s denn bei mir angefangen! Und wie bin ich mit Haut und Haar an ihm hängen geblieben. Und mit dieser Maschinka scheint er ja einen gutgehenden Fuchshandel oder so etwas Aehnliches zu betreiben. Er stiehlt hier die Jungfüchse, und sie zieht sie auf... Und weiß vielleicht nicht einmal, daß es gestohlene sind. Außerdem scheint sie zu hoffen, daß er eines Tages seinen Posten hier aufgibt, um zu ihr zu ziehen und mit ihr die Farm zu betreiben. Die eigene Farm... Wenn es nicht so bitter wäre, könnte man darüber lachen. Fast tut's gut, daß da noch eine andere sitzt, die auch auf ihn hofft und zum Narren gehalten wird." Sie lacht böfe auf und wirft den Kopf in den Nacken.
Renz schabt mit dem Schuh im Sande herum. „Ich glaube gar nicht, daß es ein Mädchen ist, das auf ihn hofft, ich glaube, es ist feine Frau."
Irina schnellt hoch: „Seine Frau? Renz! Seine Frau — — und dabei erzählen Sie mir, daß er Absichten auf Sabine hat?"
Renz schabt noch immer im Sand, die Hände in den Hosentaschen: „Haben Sie vergessen, Irina Kontschakowna, daß die Flüchtlinge aus Rußland meistens keine Papiere mehr besitzen? Wer kann also Igor Michailow nachweisen, daß diese Maschinka seine Frau ist? Niemand. Höchstens sie sei- ber. Aber sie ahnt wahrscheinlich nichts davon, daß Michailow sie hier verleugnet. Sie haben ja selbst gelesen: sie glaubt, wenn er Geld genug erarbeitet hat, kommt er und arbeitet mit ihr auf der eigenen ijarm. Nun — statt dessen wird er eben nicht kommen, wird die andere heiraten und sich davonmachen. Sehr einfach, nicht wahr?"
Irina verzieht den Mund: „3a, sehr einfach. Aber er wird sich wundern!"
„Was soll das heißen?"
„Daß ich zu der anderen hinfahren werde!"
Renz erschrickt: „Was haben Sie davon, Irina Kontschakowna? Jst's nicht genug, wenn wir ihm hier den Boden heiß unter den Füßen machen und wenn Sie nun endlich aus diesem Brief die Kraft gewinnen, sich von ihm loszureißen? Was geht Sie die Dritte an?"
Aber Irina schüttelt eigensinnig den Kopf: „Er soll sich wundern! Er soll mich kennenlernen? Ich werde keine ruhige Minute mehr haben, bis ich weiß, was für ein gemeines Doppelspiel er da gespielt hat und bis ich die andere aufgeputscht habe, die er genau so betrogen und ausgenutzt haben
Irina starrt den Brief an, ohne ihn zu nehmen.
Renz lächelt hochmütig: „Sie brauchen ihn nicht zu lesen. Ick weiß, es ist eine Gemeinheit, anderer Leute Briefe zu durchstöbern, aber ich bin entschlossen, so gemein zu sein. Weil mein Gefühl mir sagt, daß dies Schriftstück eine Handhabe für mich ist gegen Herrn Michailow. Also?"
Irina krampft die Hände ineinander, wird es für mich fein?"
Renz betrachtet sie warm: für Sie
„Kann es schlimmer werden, als es jetzt ist?"
Irina schüttelt den Kopf. „Geben Sie her!" sagt sie rauh und zerrt den eng beschriebenen Bogen heraus. Sie sieht nach Unterschrfft und schüttelt verwundert den Kopf: „Deine Maschinka? Wer ist Maschinka?"


