Mittwoch. 18.August IQ37
Nr. 191 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Aus der Stadt Gießen
betrieb
Tätigkeit.
Vornoiizen.
wertvolles Nahrungsmittel; im Dotter ist besonders Hel Lezithin enthalten.
* Teil I in Nr. 188 vom 14. 8.
Loets
(Aufnahme: Archiv des Stadttheaters.)
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! ornbrot vorzuziehen.
Ein vollkommenes Nahrungsmittel, wenigstens
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traktivstoffe des Fleisches aus, wie sie in der Fleischbrühe enthalten sind; sie regen besonders zur Nahrungsaufnahme und zur Sekretion des Magensafts an. Ein Gießener sollte wissen, was unser großer Landsmann I. v. Liebig mit seinem Fleischextrakt wollte; er glaubte, die billige Pflanzenkost dadurch der teuren Fleischkost gleich machen zu können, daß er zu Pflanzenkost Fleisch- extrakt hinzufügte. Ganz hat sich aber dieses Ziel nicht erreichen lassen, wie erst spätere tiefere Einblicke in den chemischen Aufbau des Eiweißes ergeben konnten.
baulich fertiggestellt und durch einen seitlichen Eingang, eine Tür in der Friedhofsmauer, nahe dem Hause, erreichbar. Die Transformatorenstation wird naturgemäß dem Publikum nicht zugänglich sein; man hat nicht zuletzt deshalb einen besonderen Eingang dafür geschaffen. Die Einrichtungen für diese Anlage sind allerdings noch nicht vorhanden, sie werden jedoch, sobald die Umformer eingetroffen sind, montiert werden.
Die übrigen Einrichtungen des Hauses werden in nächster Zeit ihrer Bestimmung übergeben. Die Anlagen der Bedürfnisan st alten sind fertiggestellt, die Einrichtungen für den Verkaufs- st a n d sind beschaffen, schöne, schwere Holztüren sind bereits eingefügt, und die Fenster für den halbkreisförmigen Derkaufsstand sind ebenfalls fertig.
Sicherlich wird es allgemein begrüßt, daß mit diesem Gebäude gleichzeitig die Schaffung einer U n - terstell halle für die Fahrgäste der Straßenbahn möglich wurde. Einen besonderen Schmuck erhält der Warteraum durch eine dekorative und malerische Ausgestaltung. Die Wandfläche über der großen Sitzbank wird von Maler K i e n z l e in verschiedene Felder aufgeteilt, in denen dann einige hervorragend schöne Punkte unserer engeren Heimat, insbesondere die Burgen und Ruinen (Gleiberg, Schiffenberg, Staufenberg, Burg Münzenberg usw.) künstlerisch dargestellt werden.
Ein Teil des Balkenwerkes für den Bau wurde übrigens aus dem Abbruch des Hauses an der
g e r „Die Windsbraut" (Uraufführung), „Esmoreit und Damiet" (Uraufführung).
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ihre Drachen steigen. Einsam und verlassen die Spielplätze. Das weite Feld lockt zu
Das Giadtiheaier rüstet zur neuen Spielzeit. Einem uns soeben zugänglich gemachten Werbeseft des Stadttheaters für die kommende Spielzeit entnehmen wir die Verpflichtung einer Reihe neuer Künstler, besonders im Schauspiel. Als Oberspiel-
ftiter wurde Dr. Erich Schumacher vom Stadt- tr eater Saarbrücken gewonnen. Als Kapellmeister Öüt Operette Joachim Popelka vom Neuen Thea- ttir in Leipzig, als Chordirektor Heinz Mark- narbt vom Landestheater Neustrelitz und als Konzertmeister Ewald Lassen vom Staatsthea- tir Schwerin. Erster Kapellmeister bleibt Paul Walter, Ballettmeisterin Irmgard Zenner, Bühnenbildner Karl Löffler. Dramaturg Gun- ti.er Winkel. Im Schauspiel wurden wie-
Der Professor inkognito.
Von einem Besuch bei Jakob Burckhardt, dem berühmten Schweizer Kulturhistoriker, dessen Todestag sich in diesen Tagen zum 40. Male jährt, erzählt Wilhelm Bode: Bode hatte sich in Basel nach dem Hause Burckhardts in der St.-Alban-Vorstadt durchgefragt und fand vor dem bezeichneten Haus ein paar Männer in Hemdsärmeln sitzen. Auf seine Frage, ob hier der Herr Professor wohne, erhob sich einer der Männer mit einem charaktervollen Schweizerkopf und führte den Gast hinauf. Oben zog sich der Mann eine Jacke an und stellte sich vor: „Professor Burckhardt." — Ein andermal hatte Burckhardt auf das Drängen seiner Freunde eingewilligt, sich photographieren zu lassen. Um elf Uhr erschien bei dem bekanntesten Photographen der Stadt ein bescheidener Mann, mit dem Hut in der Hand und fragte, ob er sich wohl photographieren lassen könne. „Da müssen Sie schon ein andermal wiederkommen", sagte der Photograph. „Jetzt erwarte ich jeden Augenblick den berühmten Professor Burckhardt." Mit listigem Lächeln verschwand Burckhardt, und seine Freunde warteten vergeblich auf das Bild.
sten mitspielen.
So erginge uns auch gestern, als wir den ersten Drachen sahen. Wir blieben stehen und nahmen teil an der Freude der Jungen. In stolzer Höhe stand ein großer Drachen am Himmel. Bald stieg ein kleinerer Bruder auf. Doch ein Windstoß kam und brachte ihn aus dem Gleichgewicht. Einige Versuche, ihn in der Luft zu halten, scheiterten. Er trudelte ab und landete in einem Kartoffelacker. Dem Drachen war nichts geschehen. Vielleicht war er etwas zu leicht. Wir mischten uns unter die Buben und gaben „unfern Senf" zu der Unterhaltung. Nach unserer Ansicht mußte der Schwanz verlängert, d. h. er mußte etwas beschwert werden. Die Buben folgten unserm Rat, und nun stieg er kerzengerade auf und blieb auch schön in der Luft stehen. Ja, er kam noch höher als der große...
Gemäht sind die Felder, der Stvppelwlnd weht, hoch droben in Lüften mein Drache nun steht... Die Buben wissen nichts von Abschied vom Sommer und von WehrnuL Sie lärmen und lassen
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Zur Ausstellung nach Düsseldorf.
Wegen der starken Nachfrage wird am 4./5. September 1937 noch eine Wochenendfahrt zur Ausstellung 5374D
„Schaffendes Volk" in Düsseldorf durchgeführt. Abfahrt Samstag mittag 12 Uhr. Preis mit Uebernachtung, Frühstück und Eintritt 12,50 RM. Nähere Einzelheiten und Anmeldung Kreisdienststelle Gießen, Schanzenstraße 18.
Gemeinnütziges Haus Licher Straße vor der Vollendung.
Das neue Haus an der Licher Straße, unmittelbar am Alten Friedhof in die Friedhofsmauer eingefügt, das in mehrfacher Hinsicht der Gemeinschaft dienen soll, geht jetzt seiner Vollendung entgegen. Es bietet sich nun in seiner endgültigen Gestaltung dar. Die Transformatoren st ation ist
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liür den Vogel, muß das Ei sein, baut doch das Junge Tier mit den Stoffen des Eies allein feinen Körper auf. Auch für den Menschen ist das Ei ein
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Tageskalender für Mittwoch.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Capriolen".
Lebensmittel -Opferring der Ortsgruppe Gießen-Off.
Die Sammlung wird Donnerstag, 19., und Freitag, 20. August, von der NS.-Frauenschaft durchgeführt. Die Mitglieder wollen die Pfundpäckchen
Ein einseitiges und damit für den Menschen un- ivllkommenes, aber doch sehr wichtiges Nahrungs- nittel ist das Fleisch, es ist die Muskulatur der Schlachttiere. Nicht weniger als 20 v. H. des be-
Unser täglich Brot.
Von Professor Or. Bürker, Direktor des physiologischen Znsiituts der Universität Gießen.
I bereithalten und die Mitgliedskarte zur Eintragung oorlegen. Der Inhalt der Päckchen ist außen sichtbar | anzugeben. ____________________
2uth Ines Eckermann, die für die neue Spielzeit des Gießener Stadttheaters als jugendliche J eldin und zweite Salondame verpflichtet wurde, trautem Eckermann kommt von der Kölner Schauspielschule. Gießen ist ihr erstes Engagement. —
dunkler aussieht, hat sich doch auch in Asien gezeigt, laß ausschließlicher Genuß von geschältem Reis zu kr gefürchteten Krankheit Beriberi führt, einer Mangelkrankheit in bezug auf Vitamine, daher Avi- mrninvse genannt. Dem Feinbrot ist daher Voll
en Eiweißkörpern dieser Nahrungsmittel um pflanzliche, die nicht so vollwertig und für die Der- itaungsfäfte nicht so leicht zugänglich wie die tie- lischen sind. Besonders reich sind diese Nahrungsmittel an Stärke. Von großer Bedeutung hat sich $ie Schale der Getreidekörner erwiesen; nicht das weißeste Mehl ist das beste, sondern das, das auch Bestandteile der Schale enthält und damit
der verpflichtet Rose Stirl, Gerhard F r i ck h o e f f e r, Gert Geiger, Hans Geiß- l e r Victor von Gschmeidler, Wolfgang Kühne, Karl-Ludwig Lindt, Anton Neuhaus, Peter Schorn, Hans Seitz, Karl Volck. Neuverpflichtet wurden: Ruth Ines Ecker- m a n n (Kölner Schauspielschule) als jugendliche Heldin und zweite Salondame, Anneliese Garbe (Städtische Bühnen Frankfurt a. M.) als Naive uni) Naiosentimentale, Emmy Güngerich als Chargenspielerin, Else M o n n a r b (Stadttheater Brünn), als erste Salondame und Liebhaberin, Helga R e t s ch y (Stadttheater Heilbronn), als Sentimentale und jugendliche Salondame, Ernst Ditt- mar (Stadttheater Linz) als jugendlicher Liebhaber und Naturbursche, Hans Paschen (Städtische Bühnen Hamburg), als Charakterkomiker, Erich Weiland (Stadttheater Heidelberg) als erster jugendlicher Held und Bonvivant.
Weniger stark sind die Veränderungen im Personal der Oper und der Operette. Wieder verpflichtet wurden: Friedel F o r n al l az, Hilde I a ch n o w, Gustav Bley, Alfons F o r st n e r, Wilhelm Greif, Ernst August Waltz. Neuver- pflichtet wurden: Elfriede Grell (Stadttheater Linz) als erste Operettensängerin, Margarethe M e- rian (Städtische Bühnen, Frankfurt a. M.) als jugendliche dramattsche und lyrische Sängerin, Jupp Müller als Spieltenor (München).
Für den Chor wurden wiederverpflichtet: Christel Balcke, Irene Duill, Anne GIgg, Imanda Fischer, Elisabeth Franke, Anne Jülfs, Tilly Keitzer, Friedel Sander, Marta Schadt, Hary Braunwarth, Wolfgang Froherz, Fritz Koch, Walter Kohlermann Ottmar Mayr, Max Schneider-Oest Neuverpsl.chtet wurden: Maria Mair (München), Rudolf Himberg (Stadttheater Wuppertal-Elberfeld), Rudolf Lanzer (Wiesbaden). Wiederverpflichtet für das Ballett: Ballettmeisterin Irmgard Zenner, Helga Kannen, Gisela Kern, Ellen Lehrmund. Neuoerpflichtet wurden: Liesel Gönner, (Stadttheater Mainz), Gertrud Lischka (Stadttheater Beuthen), Erika Tomaschofski (Stadttheater Beuthen), Gertrud Ruland (Frankfurt a. M.). . _
Du Winter,pielzeit b-zmnt °m 2^S°p- h>mhor mit Shake peares „Maß ,ur Maß in der neuen Uebersetzung von Walter Josten unter der SpM-ttung °°n Intendant Schultze-Grie-He.m. Ms nächst,olgende Aufführungen find vorgefehen tm Schauspiel Birabeau „Mein Sohn der cherr Minister", V o m h o f „Im R-beloch rumorts und Ddünen „Uta von Naumburg", in der Oper Lortzing „Der Wildschütz", Purem, „Boheme", Mozart „Don Juan", m der Operette Jmvekvven- Verhveven-Nick: „Das kleine Hof- k°7,ert" Kollo „Drei alte Schachteln", Strauß „Eine Nacht in Venedig"; Morgenfeiern: Billin-
Oie ersten Drachen steigen!
Auf die heißen Wochen folgten Regen und Wind.^ Der Sommer will Abschied nehmen. Ein Ton vom Scheiden zieht durch die Natur. Abschiedsstimmung erfüllt auch die Menschen.
Unter dem Schnitt der Sensen sank das Getreide. Fleißige Hände banden die Garben. Die Sonne hals. Auf großen Wagen wurde der Segen — unser täglich Brot — in die Scheunen gefahren. Die Aecker sind leer. Der Wind fährt über die Stoppeln. Die leuchtenden Blumen fielen mit den Getreidehalmen. Auf den Wiesen blühen sie noch. Aber auch ihre Zeit ist gekommen. Der zweite Grasschnitt wird die Herrlichkeit vernichten.
Die Nächte werden kühler. Am Morgen lagern schon dichte Nebel über den Tälern. Am Nachmittag aber, wenn der Wind die Wolken am Himmel vor sich hertreibt, ziehen die Buben hinaus, um nun ihre Drachen steigen zu lassen.
Gestern sahen wir die ersten am Himmel stehen. Beim Anblick der Jugendspiele zeigt es sich, ob die Erwachsenen ein Stück ihrer eigenen Kindheit im Herzen aufbewahrt haben, ob fie jung geblieben sind. Wir können nur diejenigen bedauern, die kalt lächelnd vorübergehen und von „Kinderei" sprechen. Wir sind anderer Meinung. Wenn im Frühling die Buben mit Klickern spielen, oder ihren Kreisel tanzen lassen, bann möchten wir am lieb-
deutsamsten Nahrungsstoffes, des Eiweißes, enthält das Fleifck.
Gegen oen Fleischgenuß hat man Bedenken erhoben, die aber meist ungerechtfertigt sind. Zunächst sind die Bedenken religiöser Natur: Du sollst nicht töten! Als ob die Vegetarier ohne Töten auskämen, müssen doch auch sie lebende Substanz opfern, eben Pflanzen. Ein Blick in die Natur zeigt außerdem, daß hier für Weichlichkeit fein Platz ist, das Leben ist ein Kamps und wird es bleiben, der Tod des einen ist das Leben des andern,
„Das ist es, was uns bleibt, Man muß in Schweigen Sich ehrfurchtsvoll vor den Gesetzen beugen, Wie sie die Vorsehung der Schöpfung gab." Die Schöpfung hat die Raubtiere geschaffen, ihre fast ausschließliche Nahrung ist Fleisch, es sind wagemutige mächtige, Tiere, immer zum Angriff und Herrschen bereit. Die pflanzenfressenden Tiere verhalten sich im allgemeinen viel passiver, sie suchen ihr Heil meist in der Flucht. Nicht Pflanzenfresser werden in der Kunst als Symbole der Macht benutzt, sondern Fleischfresser, wie der Löwe, der Adler. Herrenvölker sind starke Fleischesser. Fleisch verleiht also offenbar Kraft, aus der die Macht entspringt. Es gibt freilich auch mächtige Tiere, die Pflanzenfresser sind, wie der Elefant und Büffel.
Ein weiteres Bedenken weist auf die giftigen Schlacken hin, die der Fleischgenuß mit sich bringe, wie Harnstoff und Harnsäure. Als ob nicht für die Beseitigung dieser Dissimilationsprodukte gesorgt wäre und nicht auch Kohlehydrate und Fette Schlacken gäben! Arteriosklerotische Veränderungen findet man nicht etwa nur bei animalischer Kost, sondern auch bei vegetabilischer.
Und endlich sei Fleisch ein teures Nahrungsmittel. Das trifft zweifellos zu, aber mit weniger tierischem Eiweiß wird hier das gleiche erreicht, als mit mehr pflanzlichem Eiweiß.
Alle diese Bedenken werden außerdem entkräftet durch einen Vergleich unserer Derdaungs- organe mit denen der Fleisch- und Pflanzenfresser. Das ganze Gebiß und seine Verwendung beim Kauakt, die Art und Länge des Darmkanals beim Menschen weisen auf gemischte Kost hin, hat doch der Fleischfresser in bezüg auf die Körperlänge einen kurzen, der Pflanzenfresser einen langen Darm, während der des Menschen dazwischen steht. Ein großer Versuch zur Beantwortung der Kostfrage war auch die Olympiade in Berlin, gerade die Sieger nahmen bei freier Wahl der Kost auffallend viel Fleisch zu sich und außerdem tranken sie viel Milch. Auch Flieger wählen eine fleisch- reiche Kost.
Fleisch ist es auch, das bei dem geringen Volumen und leichter Verdaulichkeit keine Verdauungsbeschwerden macht; wie ganz anders war dies im großen Krieg in der Kohlrübenperiode. Gerade ein Mensch, dessen Beruf ihn zum Sitzen zwingt, wobei sich diese Beschwerden besonders geltend machen, sollte deshalb einen Teil seines Nahrungsbedarfs mit Fleisch decken. Es geschieht dies mehr mit zunehmendem Wohlstand des Volkes.
Von Fleischsorten kommt neben dem Fleisch der Schlachttiere heutzutage auch besonders das der Fische in Betracht, das zwar nicht so kräftigend und sättigend wirkt, aber durch Zutaten wirkungsvoll gemacht werden kann, billiger ist und außerdem die Möglichkeit zu dem so notwendigen Wechsel in der Ernährung bietet. Bedenkt man ferner, daß Seefische das für die Funktion der Schilddrüse so notwendige Jod in größerer Menge enthalten und daß im Zusammenhang damit wohl der Kropf an der Meeresküste seltener ist, so sollte auch dieser Umstand zum Seefischessen anregen.
Eine sehr günstige Wirkung üben auch die Ex-
Bardowiek.
Der Dichter über sein Werk.
NSG. Hans ©eifern, der Dichter des „Bar- dowiek", schreibt zu diesem Werk, das zum ersten Male im Stadttheater Gießen am 22. August aufgeführt wird, folgende Einführung:
Mein „Bardowiek" habe ich ein „dramatisches Gedicht" genannt. Es soll in jeder Zeile Gedicht bleiben, soll durch seine Sprache und seine Gedanken wirken. Ob es dieser Aufgabe gerecht wird, kann einmal der Leser entscheiden, wenn das Werk in Buchform vorliegen wird. Der Theaterbesucher, der nicht zurückblättern kann, an dem das Werk an einem Abend vorüberrauscht, wird nur ein Urteil darüber gewinnen, ob es ein dramatisches Gedicht ist, ob es ihn mit der Wucht, die die Bühne von einem dramatischen Werke verlangen muß, ergreift und erschüttert. Die deutsche Sprache besitzt ein dramatisches Gedicht höchster Vollendung in Goethes „F a u st". Kein Bühnenwerk, das sich der gereimten, gebundenen Rede bedient, hat das fortgesetzt, was uns Goethe in seinem Lebenswerk hinterlassen hat. — Auch „Bardowiek" ist weit entfernt davon, sich dessen vermessen zu wollen. Es schlägt schon äußerlich einen ganz anderen Weg damit ein, daß es für die Bühne bestimmt und geschrieben ist, während Goethe niemals an eine Ausführuna des „Faust" gedacht hat, ja sie nicht einmal wünschte.
Wenn ich nun aber doch den Bogen über die Geschehnisse zweier Tage Mittelalter hinausgespannt habe in das Dauernde und Zeitlose, wenn der Ewige und Luzifer redend eingeführt werden, so soll dies kein „Prolog im Himmel" sein, sondern ein Hinführen des Zuschauers zu den letzten, ewigen Quellen, aus denen der Kampf zwischen Licht und Finsternis steigt, seit dem ersten Tage der Schöpfung. Unmittelbar, ohne daß sich der Vorhang senken soll, gleitet das Spiel vom Dauernden ins Zeitliche, um am Schicksal einer deutschen Stadt den endlichen Sieg des Lichtes über die Finsternis im Bilde zu zeigen. Wir wissen von Bardowiek nur, daß das heute so unscheinbare, nur von einem hohen Dom überragte Städtchen in der Limburger Heide einstmals die reichste Stadt Norddeutschlands gewesen ist. Heinrich der Löwe hat sie am 28. Oktober 1189 zerstört und auf dem Dom, der allein vom Feuer verschont blieb, kann man heute noch die Worte „Vestigia Leonis* lesen. , .f.
Das ist der ganze historische Rahmen; aber er ist meit genug, um in ihm das Hinundherwogen von
Menschenschicksalen, das Ringen um machtpolitische, soziale und religiöse Fragen zu gestalten und durch sie dem tiefen Grunde des Glaubens arischer Menschen, dem Kampf der Finsternis gegen das Licht, die dichterische Gestaltung zu geben. Woher der Dichter seinen Stoff nimmt, ist einerlei. Wenn er seine Sendung erfüllen soll, Künder und Gestalter der Sehnsucht seines Volkes zu fein, dann kann er jede beliebige Zeit aus der Geschichte dieses Volkes auf greif en; denn das Volk ist ja ewig, solange es an sich glaubt; und ewig ist auch sein Suchen und Ringen. Darum wird man in „Bardowiek" trotz der Erscheinung des heldischen Einzelmenschen vergebens nach dem „Helden des Stückes" suchen. Das werdende Volk, das sich aus einer Masse durch Leid zu- sammenschmiedet, der Organismus, der aus dem Chaos auseinandergelebter Menschen wird, der Kosmos voll Zucht und Ordnung ... das ist der „Held des Stückes". Auf einem ihm gemäßen Wege ist meine Dichtung nun auch, nachdem sie meine Hand verlassen hat, weitergegangen zu ihrem Ziel, zur Bühne. Junge Bühnenkünstler, meist werdende und reifende nach, haben das Werk aufgegriffen, sich von der Unrast des Berufes zurückgezogen und auf der alten Gleibergfeste in Zucht und Ordnung eines Lagers sich erarbeitet. Darin liegt das Neue. Ohne „Bühnenoertrieb", durch gemeinsames Wirken von Dar st eil er und D i ch t e r ist es auf die Bühne gegangen, und keinen z schöneren Lorbeer kann der Dichter gewinnen, als wenn er junge, strebend sich bemühende Künstler von seinem Werke sagen hört: „U n s e r B a r d o w i e k".
Neben dem Fleisch kommen auch innere Organe der Schlachttiere als Nahrungsmittel zur Verwendung, wie Leber, Kalbsmilch, Nieren. Diese enthalten neben Vitaminen als lebenswichtige Stoffe Hormone, die den chemischen Wechselbeziehungen im Körper dienen und die auch, als Nahrung genossen, ihre Wirkungen entfalten können, bekämpft man doch mit dem Leberstoff Kampolon die verderbliche Blutarmut.
Zusammenfassend muß noch einmal betont werden, daß rein vegetarische Kost für den Menschen unphysiologisch ift
1. Fortsetzung*.
, Zu 1: In der wunderbar zweckmäßigen Weise, in der die Natur verfährt, stellt sie ein aus Nah- rungsstofsen bestehendes Nahrungsmittel her, das allen Erfahrungen nach qualitativ richtig zusammengesetzt ist und damit als vollkommen bezeichnet werden muß, die Mil ch. Diese Wunderspeise enthält nicht weniger als drei verschiedene Eiweißkörper, einen höheren phvsphvrhaltigen, das Kasein, und zwei einfachere, das Milchalbumin und Milchglobu- lin. Das Milcheiweiß ist ein für die Ernäyrung besonders hochwertiges Eiweiß und wird von keinem andern übertroffen. Von Kohlehydraten ist der Doppelzucker Milchzucker, von Fetten und fettähnlichen Stoffen Palmitin, Stearin, Olein, Cholesterin und Lezithin vorhanden, von Salzen besonders Chloride und Phosphate der Alkalien und alkalischen Erden, vor allem des Kalks, und ferner Eisensalze, ober auffallend wenig. Wegen des vielen Kalks, den die stillende Frau an die Milch abgeben muß, find die Knochen und Zähne der kalkarm ernährten Mutter gefährdet. Man muß auch wissen, daß schon vor der Stillperiode und spater überschüssiger Milchzucker in den Harn der Frau übergeht und dann fälschlich Zuckerkrankheit, Diabetes, angenommen wird. Don Schmeckstoffen ist Zitronensäure in der Milch enthalten, auch an den so wichtigen Vitaminen fehlt es nicht. Das Fett kommt in der Milch, als Emulsion, also in Form feinster Tröpfchen vor, die als spezifisch leichter nach oben steigen und den Rahm bilden. Entrahmte Milch wird als Magermilch bezeichnet, sie verdient aber viel mehr den jetzt eingeführten Namen der Kernmilch, denn sie enthält, abgesehen vom Rahm, alle weiteren wichtigen Nahrungsstoffe und sollte mehr als bisher zur Ernährung benutzt werden, wie überhaupt diesem idealen Nahrungsmittel, der M i l ch, in Deutschland mehr Beachtung geschenkt werden sollte, Sorgfältige Milch- und Viehkontrolle vorausgesetzt. Auch in England hat man sich bemüht, die Milch wieder mehr zu einem allgemeinen Dolksnahrungs- mittel werden zu lassen Außer der Milch kommen für die Ernährung auch noch Milcherzeugnisse in Betracht.
Weitere wertvolle Nahrungsmittel sind die Getreidekörner der Zerealien und die Hälsen- trächte der Leguminosen, wie Erbse, Linse, Bohne. Neuerdings findet auch die nährstoffreiche Sojabohne viel Beachtung. Es handelt sich aber bei


