Flachsrupferinnen zu Kaffee und Kuchen ein. Sc» faßen denn am Sonntagnachmittag die beiden grauen und die jugendfrischen Mädchen im Schrot- yaus um den gedeckten Eichentisch und aus aller Augen leuchtete das Glück heimatstarker Verbundenheit.
Oie Narrenkappe.
Splitter und Sparren vom Redaktionstisch.
Trotzdem.
Der Großherzog Paul Friedrich von Mecklenburg-Schwerin begegnete eines Tages auf einem Spaziergang in der Umgegend der Residenz einem Bäuerlein, das ihn augenscheinlich nicht kannte. Dec Großherzog hielt ihn an und bat um Feuer für seine Zigarre. Der Bauer, dem auch die Bekanntschaft mit den „neumodischen Streichhölzern" ab» ging, holte Feuerstein und Zünder hervor und be» gann umständlich Feuer zu schlagen. „Hei kennt mi woll nid)?" fragte der Großherzog. „Nee", war die kurze Antwort. „Ich bin fin Großherzog." „So?" meinte der Bauer, indem er weiter Feuer schlug, „Füer soll'n Sei trotzdem hebben." Und damit reichte er ihm den glimmenden Zunder.
Der sparsame Herr.
Auf meiner Sommerreise wurde ich in einem kleinen Caf6 in Stolp in Pommern Zeuge folgenden Zwiegespräches. In dem sonst einsamen Lokal saß am Nebentisch ein Mann vom Lande, der mit dem einzigen Kellner feine Ansichten über diesen und jenen der Gegend tauschte. Plötzlich hörte ich ihn sagen: „Was der alte Graf war, der Kammerherr, der kam nach Berlin in seinem ganz alten unmodernen Anzug. Da sagte sein Enkel zu ihm: „Aber, Großpapa, du kannst doch hier in Berlin nicht so Herumlaufen!" — „Warum denn nicht?" fragt der alte Herr. „Hier kennt mich ja keiner." —. „Was ziehst du denn bei dir zu Hause an", fragt der Enkel, „und wenn du nach Stolp fährst?" — „Na", sagt der alte Herr, „da ziehe ich dasselbe an, da wissen ja die Leute, wer ich bin."
Die Exzellenz.
Kuno Fischer, der Heidelberger Philosoph, hatte einen berechtigten Stolz auf seine Erfolge, der aber auch Formen annahm, die man bei einem gewöhn* lichen Sterblichen als Eitelkeit bezeichnen würde. So war er besonders stolz auf den ihm verliehenen Titel „Exzellenz", und er konnte ungemütlich werden, wenn man ihm diesen Titel nicht gab. Das wußten die Studenten, und so glaubte einer von ihnen dem Herrn Professor ganz besonders zu gefallen, wenn er diesen Titel in jedem Satz wiederholte. Schließlich meinte Fischer aber doch freundlich lächelnd: „Nicht immerfort Exzellenz — nur fo hin und wieder!"
HrJ90 Zweites Blatt
Dienstag,17. August (937
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Aus -er Stadt Gießen.
Der Abendspaziergang.
1 Der Abendspaziergang ist in jeder Beziehung das beste Schlafmittel, das man sich vorstellen kann. Viele Menschen klagen über Schlaflosigkeit. Oft schläft man nur unruhig oder man träumt lebhaft. Alle diese Zeichen, wie auch häufige Unterbrechungen des Schlafes, deuten darauf hin, daß die Entspannung der Nerven nicht vollständig erfolgt ist. Fast möchte man sagen, daß es gar nicht darauf ankommt, wie lange man schläft, sondern w i e man schläft. Der Wert des Schlafes liegt in der absoluten Nervenruhe.
Die Entspannung der Nerven ist von einer ganzen Menge von Faktoren abhängig, unter denen die Arbeit der Verdauungsorgane sowie der Genuß von Tabak, Kaffee, Alkohol eine wichtige Rolle spielen. Der Abendspaziergang erfüllt u. a. die wichtige Aufgabe, der Nervenruhe der Verdauungsorgane vorzuarbeiten. Der Abendspaziergang soll von der Tagesarbeit ganz allmählich zur Neroen- ruhe während der Nacht überleiten.
Jeder von uns kann erleben, daß man oft keinen Schlaf finden kann, obwohl man vollkommen ermüdet ist. Wie kommt das? Die Antwort lautet kurz: die Nerven sind nicht entspannt worden. Der Abendspaziergang stellt den Uebergang dar von angestrengter Nerventätigkeit zu möglichster Nervenuntätigkeit. Je größer die Nervenanspannunng tagsüber ist, um so schwieriger und um fo wichtiger wird die Entspannung, um wirklich stärkeren Schlaf finden zu können.
Wie erreicht man die völlige Entspannung und den Ruhezustand der Nerven? Nicht jeder Abend- spaziergang leitet zur erwünschten Nachtruhe über. Alle lebhaften Eindrücke müssen auf dem Spaziergang gemieden werden, z. B. Geräusche, Musik, lebhafte Unterhaltung usw. Man geht am besten ganz allein durch eine ruhige Gegend spazieren, wenn man mit dem Abendspaziergang die Entspannung der Nerven bezweckt. Nur so kann man erreichen, daß der Gedankenapparat zur Ruhe kommt. Zuerst wird es lange dauern, bis Man mit den Abendspaziergängen das gesteckte Ziel innerer Ruhe vollkommen erreicht, aber bald erzieht man seine Nerven, sich binnen einer Stunde zu vollkommener Ruhe zu entspannen.
Diese Entspannung der Nerven ist ein Mittel Les Lebenskünstlers, mit all seinen geistigen und körperlichen Kräften wirtschaftlich umzugehen. Der regelmäßige Abendspaziergang ist ein sicherer Weg zu innerer Lebensharmonie. Wenn man dann nach Hause kommt, ist alle Vorarbeit zum Einschlafen geleistet, denn die Nerven befinden sich bereits in vollkommener Ruhe, und es dauert nur wenige Augenblicke, bis uns stärkender, kräftigender und aufbauender Schlaf befchieden ist. G.-H.
Vornoiizen.
Tageskalender für Dienstag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Die Unschuld vom Lande".
Spotfamf Kraft durch Freude.
Heute beginnen wieder die Schwimmkurse im Volksbad, Seltersweg. 20 bis 21 Uhr für Männer und Frauen gemeinsam, 21 bis 22 Uhr nur für Frauen. 5361D
Lebensmittel-Opferring der Ortsgruppe Gießen-Ost.
Die Sammlung wird Donnerstag, 19., und Freitag, 20. August, von der NS.-Frauenschaft durchge-
An die Bevölkerung der Stadt Gießen.
Parteigenossen! Nationalsozialisten!
Sie haben inzwischen mehrfach gehört, daß am 21. und 22. August die Hitler-Jugend des Bannes 116 die Ehre hat, das Gebietssportfest des Gebietes Hessen-Nassau durchzuführen. Wir haben damit eine große Verantwortung übernommen.
Der Blick, die Erwartung der Jugend des ganzen Gaugebieles ist auf Gießen gerichtet.
Wir sind für eine würdige Durchführung der Veranstaltungen und gute Unterkunft der jungen Sportler verantwortlich! Ungefähr 15 0 0 Hitler- jungen haben wir in diesen Tagen unterzubringen. Dank Ihrer Opferfreudigkeit sind uns bereits eine große Zahl von Quartieren zur Verfügung gestellt worden. Aber sie reichen noch nicht aus. Wir bitten deshalb:
Wenn in den nächsten Tagen ein hitlerjunge an
Ihre Wohnungstür klopft und um Quartier für feine Kameraden fragt, weisen sie ihn bitte nicht ab! Tragen auch Sie dazu bei, unsere Großveranstaltung gelingen zu lassen!
Sie wissen ja, ein Hitlerjunge ist nicht verwöhnt, ein einfaches Essen und eine einfache Lagerstatt genügen ihm, um für die Sportleistungen wieder gerüstet zu sein! Und denken Sie auch daran, wie gastfreundlich Ihr Junge im Spessart und Kinzigtal ausgenommen wurde! Im Voraus herzlichen Dank!
Bannführung 116 der Hitler-Jugend.
von der Wehrmacht nicht für den zweijährigen Dienst, sondern nur zu kurzfristiger Ausbildung ein» gezogen sind. Auch diese Leute wären an sich grundsätzlich wehrsteuerpflichtig. Wenn nun diese Männer im Anschluß an die kurzfristige Ausbildung ein Jahr als Reserveoffizieranwärter aktiv dienen, dann sind sie auf Grund des nuen Erlasses nach Ablauf dieses Dienstjahres wehrsteuerfrei.
Wechsel im Forstoml Echiffenberg.
Mit Wirkung vom 1. Oktober 1937 wurde der Forstmeister Hugo S u ß n e r beim Forstamt Nie- der-Ohmen in Grünberg in gleicher Diensteigenschas^ an das Forstamt Schiffenberg in Gießen versetzt.
Der jetzige Leiter des Forstamtes Schiffenberg, Oberforstmeister Nicolaus, tritt am 1. Oktober als Forstmann in den Ruhestand und wird von da ab in ehrenamtlicher Tätigkeit als Beigeordneter der Stadt Gießen noch im Dienste unserer Volksgemeinschaft wirken.
Glühende Asche
nicht auf den Misthaufen schüfen!
Kleine Sünder—großer Schaden.
Stündlich ein Erntebrand durch Kinderhand.
„Klack", machte das Streichholz und entzündete sich mit bläulicher Flamme. Peterchen mußte husten von dem beizenden Qualm, aber er hielt es fest und starrte mit weit aufgerissenen Kinderauyen auf das lockende Feuer. Erst als es ihm fast die Fingerspitzen versengte, öffnete er das Händchen und ließ den glimmenden Rest fallen. Ein herrliches Spiel! Nur gut, daß noch viele Hölzer in der Schachtel waren. „Klack", machte das nächste; und „klack", ging es noch eine ganze Weile. Sieh mal an, da tanzten ja auch auf der Erde lauter kleine Flammen. Peterchen sah ihnen mit vor Aufregung tropfender Nase zu. Aber wie sie immer größer und größer wurden, packte ihn plötzlich die Angst. „Mutter!" schrie er, „Mutter!" und rannte aus dem Stall.
Ja, wenn die Mutter nur da gewesen wäre! Leider war sie mit allen anderen auf dem Feld. So stand denn am nächsten Tag in der Zeitung: „Auf dem Gehöft des Bauern P. in D. wurden gestern Stall und Scheune eingeäschert. Das Feuer kam im Kuhstall aus und ist durch den vierjährigen Sohn des Besitzers verursacht worden. Sechs Kühe, fast die ganze Getreideernte, sowie eine Menge Heu und Rübensamen fielen dem Brand zum Opfer. Durch den Funkenflug schwebten auch die Nachbarhäuser lange in Gefahr."
Es wird niemand glauben wollen, daß so etwas — freilich nicht immer in dieser verhängnisvollen Ausdehnung — in den Sommermonaten in Deutschland jede Stunde einmal vorkommt. Und doch ist das der Fall. Wir verzeichnen jährlich 5 000 Brände durch Kinderhand, also dreizehn im Tagesdurchschnitt. Sie ereignen sich zum größten Ttil auf dem Land, und zwar in den Monaten Juni bis Oktober; betroffen werden in der Hauptsache Vieh und Erntefrüchte. Fügt man hinzu, daß von den Jahr für Jahr verbrennenden Vorräten laufend 200 000 Menschen ernährt wer-
führt. Die Mitglieder wollen die Pfundpäckchen bereithalten und die Mitgliedskarten zur Eintragung vorlegen. Der Inhalt der Päckchen ist außen sichtbar anzugeben.
Erleichterungen bei der Wehrsteuer.
DNB. Der Reichsfinanzminister hat für die Durchführung der Wehrsteuer einen Runderlaß herausgegeben, der weittragende Bedeutung hat. Bekanntlich ist es nach dem Gesetz über die Wehrsteuer gleichgültig, aus welchem Grunde der betreffende männliche deutsche Staatsangehörige nicht zur Ab-
den könnten, so wird es wohl jedem einleuchten, daß es so nicht weiter gehen darf.
Die Einzigen, die hier wirklich durchgreifen können, sind die Eltern. Sie müssen den Kindern — insbesondere in dem für Brandstiftung gefährlichsten Alter zwischen zwei und acht Jahren — grundsätzlich jede Möglichkeit verschließen, in den Besitz von Streichhölzern, Feuerzangen oder an ein offenes Feuer zu gelangen. Im Hinblick auf den Vierjahresplan darf man erwarten, daß sie diese Pflicht von jetzt ab bitter ernst nehmen werden.
Schützt die deutsche Ernte vor Brandgefahr:
DRV. Anläßlich einer Aktion der Reichsarbelts- gemeinschafl Schadenverhütung zum Schuhe der deutschen Ernte vor Brandgefahr hat der Chef der deutschen Polizei und Reichsführer SS. himm - l e r nachstehendes Geleitwort veröffentlicht.
Der deutschen Volkswirtschaft entsteht jährlich unermeßlicher Schaden durch Erntebrande, die zum großen Teil durch Fahrlässigkeit und Brandstiftung verursacht werden.
Schon die Erhaltung der vernichteten Werte als solche für das Volksvermögen ist jeder Bemühung zur Verhütung von Ernte- b r ä nden wert. Weit mehr erforderlich werden jedoch diese Bemühungen mit Rücksicht auf die Sicher st ellung der Ernährung unseres Volkes — eine Aufgabe, die der Führer im Rahmen des Vierjahresplanes gestellt hat.
t). Himmler.
leiftung der zweijährigen Dienstpflicht einberufen wird. Er wird zur Wehrsteuer herangezogen, wenn er nach dem 31. Dezember 1913 geboren ist. Es sind also auch solche Männer grundsätzlich wehr- steuerpflichtig, die schon vor Einführung der allgemeinen Wehrpflicht (16. März 1935) freiwillig aktiven Wehrdienst geleistet haben. Aus Billigkeitsgründen verfügt der Erlaß des Reichsfinanzmini- fters, daß solche Männer nicht wehrsteuerpflichtig sind, wenn sie mindestens neun Monate aktiven Wehrdienst geleistet haben.
Eine weitere Erleichterung ist geschaffen worden für diejenigen Leute, die an sich tauglich sind, aber
Eine große Gefahr zur Entstehung von Bränden, besonders auf dem Lande, ist das Entleeren von Aschekasten mit glühender Asche in die Mist- ober Düngergruben. Wenn hierbei auch manchmal angenommen wird, die Asche sei bereits falt, oder der Mist sei Naß und es könne kein Brand entstehen, so ist dies doch ein großer Irrtum. Verschiedene Vorkommnisse verpflichten erneut, auf diese große Gefahr der Entstehung von Bränden hinzuweisen. Die Asche gehört nicht auf den Misthaufen, sondern in den Mülleimer, oder in ein feuersicheres Gefäß! Auch dürfen keine Holzkisten, Pappkartons oder brennbare Gefäße zur Aufbewahrung glühender Asche benutzt werden. Glimmende Asche ist ein heimtückischer Brandstifter, denn gewöhnlich denkt niemand mehr an die Entleerung des Aschekastens, und bei der Abwesenheit von Haus und Hof, oder meist nachts, macht sich der Brand breit. Der Mist' und Düngerhaufen, der sich in den meisten Fällen in der Nähe von gefüllten Scheunen, Holzschobern usw. befindet, ist die erste Nahrung der Brände. Hiedurch sind schon große Werte an Volksgut verlorengegangen. Also merke dir, Volksgenosse: keine Asche auf ben M i st - ober Düngerhaufen!
Gießener Wochenmarktpreife.
* Gießen, 17. Aug. Auf bem heutigen Wochen» markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60, Lanbbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, bas Stück 4 bis 10, Eier, beutsche, Klasse B 12, Wirsing, kg 9 bis 12, Weißkraut 8, Rotkraut 9 bis 12, gelbe Rüben 9, Karotten 8 bis 12, rote Rüben 9 bis 12, Spinat 20, Römischkohl 8 bis 12, Bohnen, grün 15 bis 25, gelb 15 bis 22, Erbsen 20 bis 35, Tomaten 12 bis 22, Zwiebeln 10 bis 12, Kürbis 5 bis 7, Kartoffeln, neue, H kg 5 Pf., 5 kg 45 bis 50 Pf., 50 kg 4,20 bis 4,50 Mark, Frühäpfel, % kg 15 bis 35 Pf., Falläpfel 5 bis 6, Pfirsiche 25 bis 35, Brombeeren 30 bis 35, Preiselbeeren 35 bis 38, Birnen 18 bis 40, Pflaumen 15 bis 20, Zwetschen 12 bis 15, Mirabellen 30 bis 35, Renekloden 20 bis 30 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mark, Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Blumenkohl 10 bis 45, Salat 8 bis 9, Salatgurken 4 bis 20, Einmachgurken 1% bis 2, Endivien 4 bis 12, Oberkohlrabi 5 bis 8, Lauch 6 bis 8, Rettich 5 bis 10, Sellerie 10, Radieschen 8 bis 10 Pf.
** Silberne Hochzeit. Am heutigen Dienstag, 17. August, begehen der Monteur Philipp S ch m a l l und Ehefrau Christine, geb. Neeb, Schulstraße 2 wohnhaft, das Fest der silbernen Hochzeit.
♦* Straßensperre. Seit gestern ist die Landstraße Steinbach — Oppenrod wegen Ausführung von Reichsautobahnarbeiten für jeglichen Verkehr gesperrt. Die Umleitung des Perkehrs erfolgt über Albach—Burkhardsfelden und umgekehrt.
Iungniädel helfen.
Von Ernst Eimer, Groß-Eichen.
Bachpitters Anneliese im Erlenhain sprang in der Frühe eines Sommermorgens ins Nachbarhaus. ,Karline", fragte sie zur Küchentür hinein, .kann ich denn einmal euren Schubkarren kriegen?"
,Za freilich", erlaubte die Schrot-Bäuerin, „er ' steht im Holzschuppen, was willst du denn darauf ffahren?"
„Ei wir wollen am Blaukopf unser Raingras I* holen", eiferte die Pitterin, „mein Mann ist schon Dorausgelaufen und mäht es ab. Und weil es nicht ■; viel ist, wollen wir nicht gern mit dem Kuhwagen dort hinaufkraxeln."
„Ach ja, Anneliese", seufzte die Karline und wusch :j die Milchkanne blank, „bein Friedrich ist doch immer auf dem Damm, aber mein Peter hat sich vorige Woche im Buckel weh getan, und da kann er sich nun nicht bücken und keinerlei schwere Arbeit schas- ;en. Aber unser Hafer im Eulenloch und am Fauste- iierg ist überreif und unser Flachs auf dem Blau- 'opf hätte auch schon längst gerupft werden müs- en — doch ich kann's nicht ändern, denn wenn man allein auf den Aeckern umherstolpert, da gibt -s kein großes Stück."
,Das glaube ich dir gern Karline", sagte teil» nehmend die Pitterin, „aber dein Mann soll sich doch den Buckel mit Franzbranntwein einreiben, dann werden seine verrenkten Glieder schon wieder - • i ns rechte Geleise kommen."
„Du liebe Zeit, Nachbarin, wir reiben ja schon l eit Dienstag, doch kein Riebelchen will's besser werden. Aber wenn es nicht bald anders wird, muß Der Dokter her."
„Gott ja, Karline", meinte die Pitterin, „wer zesund ist, hat das große Los gewonnen, und wenn s auch sonst einmal kratzig zu geht. Und ich will's Hnridjten, daß ich euch am Montag einmal beim Haferschneiden helfe."
,Za Anneliese", fragte froh überrascht die Schrot-Bäuerin, „wird denn das möglich sein? Du weißt doch selbst nicht ein noch aus vor lauter Urbeit."
„Ich mache es einfach möglich", versprach die Anneliese, „und was man will, das kann man Luch." Und eilig sprang nun die Bäuerin in den Schuppen, langte dort den Schubkarren und schob ihn dem Blaukopf zu.
Als die Pitterin aus der Heckengasse in die Landstraße bog, traf sie mit einer Schar Erlenhainer Sungmäbel zusammen. Die rotwangigen Bräunend Blondköpfe zogen singend des Wegs und Die lebenherlaufende Anneliese konnte sich gar Nicht
satthören an dem schönen, wohlklingenden Morgenlied. '
„Ei Kinder", lobte sie, „ihr könnt es ja so gut wie die Lerchen, aber wo wollt ihr denn in aller Frühe schon hin?"
„Zu den Jungmädeln nach Merlerod", verriet Böchers Gretel, die Führerin der fröhlichen Schar, „dort sind wir schon lange einen Besuch schuldig."
„So, so, nach Merlerod. No ja, das ist recht, daß ihr Freundschaft zusammen haltet, aber ließe es sich wohl einrichten, daß ihr euren Ausflug bis zum nächsten Samstag verschiebt?"
„Warum?" fragte voller Staunen die Gretel, „sollen wir denn heute nicht hingehen?"
„Weil es etwas anderes für euch zu tun gibt, und nun hört einmal zu. Der Schrot-Peter hat sich im Buckel weh getan und kann deshalb an der Ernte gar nichts schaffen. Da steht nun die Karline überall allein und will fast verzwazzeln vor lauter Arbeit: Sie hat noch eine Menge Hafer auf dem Halmen stehen, und ihr Flachs auf dem Blaukopf ist überreif. Ihr Mädchen wollt ihr mit mir gehen, damit wir den Flachs jetzt rupfen?" . „
„Ja", riefen die Jungmädel im Chor, „wir hellen .
„Und Flachs rupfen", verriet die blonde Pau- line, „tue ich überhaupt gar zu gern. Ich habe vorige Woche meinen Eltern dabei geholfen und auch meiner Tante Jule." .
„Und eine schwere Arbeit ist es nicht, meinte ote Gretel, „wenn wir jetzt alle dahinter gehen, sind wir schnell damit fertig."
„Gewiß Kinder, so ist es auch", schmunze te; bte Anneliese, „und ich bin ja so froh, daß chr solchen Eifer habt. Ach und es gibt überhaupt nichts Besseres als Leinenstoff aus selbstgesponnenem Flachs — der hält eine ganze Ewigkeit. Aber es ist auch nötig, daß die Ernte gut unter Dach kommt und nichts davon verloren geht."
Das sagt auch öfters mein Vater", plapperte die' dralle, braunzopfige Muller-Trude, „aber ich sehe nun schon dort oben vor der großen Hecke ^^Ei^du?"^ftagte Böchers Gretel, „woher kennst bU Da? stt" doch keine Hexerei", lachte die Trude, „unser Kleeacker liegt daneben und fast jeben Tag helfe ich dort Futter holen."
Eine kleine Weile später buckelten bereits die Mädel und Anneliese, emsig schaffend, über dem
Tausend aber auch", schmunzelte die Pit- ter'in, „das geht ja bei euch wie am Schnürchen Und saubere Arbeit macht ihr, es ist all der Staat.
Ach ja", eiferte die Gretel, „wir sind ja auch gerade ein Dutzend Mädchen, und da schafft man Diel lieber, als wenn eins allein am Rupfen märe."
Drüben aus dem Feldbuckel hantierte der Bach- pitter-Friedrich am Raingras herum und äugelte immer wieder neugierig nach dem Flachsland hin, denn das zahlreiche Mädchengekrabbel wußte er sich nicht zu erklären. Als aber dann die Anneliese den Schubkarren brachte und ihm von dem fleißigen Völkchen erzählte, da war seine Freude so groß wie die seiner Frau. „Aneliese", lachte er schallend hinaus, „das hast du fein gemacht. Und wie wird die Karline gucken und glücklich sein, wenn sie ihren Flachs rupfen will und er liegt schon am Boden. Aber geh nur gleich wieder zu den Mädchen hin, ich besorge das Raingras schon allein nach Haus."
„Gewiß, das will ich auch tun", eiferte die Anneliese und eilte wieder dem Flachsfeld zu.
Um die Mittagsstunde war die Arbeit bereits geschafft. Singend zogen die braven Mädel wieder dorfwärts und die Bachpitterin lief schmunzelnd hintendrein.
Gegen Abend wankte die Schrot-Karline mit Sense, Sichel und Kafeekännchen totmüde über das Stoppelfeld dem Blaukopf zu. Sie hatte im Eulengraben Hafer geschnitten und wollte nun auf dem Heimweg ihren überreifen Flachs noch einmal begucken. „Morgen", sann die Bäuerin vor sich hin, „sehe ich mich nach Leuten um, und am Montag in aller Frühe muß der Flachs aus dem Boden, sonst fällt ja noch aller Samen aus. Ach und unsere Kühe fressen ihn doch so gern. Eijeijeiü" krisch aber die Frau nun schon hinaus und ließ vor Ueberraschung ihr Kännchen fallen, „ja, sehe ich denn recht? Er ist ja wahrhaftig schon gerupft!" Rasch hob sie eine Hand voll auf, warf ihn wieder hin und sprang trotz aller Müdigkeit flink wie in ihren Jungmädchenjahren den ganzen Acker entlang. Dann hastete die Bäuerin innerlich beglückt und doch wieder kopfschüttelnd ins Dorf zur Bachpitterin. „Gelt Anneliese", sprudelte sie heraus, „bu weißt über meinen Flachs Bescheid? Wer hat ihn denn gerupft?"
„Ach so, ja, ja", lachte die Pitterin, „bas haben die Heinzelmännchen getan ober man kann sie auch Jungmädel nennen. Die haben heute morgen fleißig mitgeholfen und gegen Mittag waren wir mit dem Rupfen schon fertig."
„O Anneliese, ich bin ja so froh darüber und was bin ich euch denn nun schuldig?"
„Nichts, Karline, nichts, es ist gern „geschehen, und du hast ja immer noch Arbeit genug."
Da lief die Schrot-Bäuerin nach vielen Dankes- roorten heim an ihr Gewerksei. Und trotz dem Kochen, Putzen und Füttern des Viehes fand sie noch Zeit, in ihrem Garten die golbgelben Frühäpfel zu schütteln und zur mitternächtlichen Stunde noch einige knusperige Apfelkuchen zu backen.
| Am folgenden Tag lud Karline die hilfsbereiten


