Gute Bilanz in Gießen.
Oberbürgermeister Ritter hat am Donnerstag vor den Ratsherren unserer Stadt einen Rechenschaftsbericht über die nationalsozialistische Aufbauarbeit in Gießen von 19 3 3 bis heute gegeben. Der Leiter unserer Stadtverwaltung sprach dabei, da auch die Presse in der Sitzung zugegen war, zugleich zur Gesamtheit der Gießener Bevölkerung. Wenn wir auch in den Sitzungen der Ratsherren in) Verlaufe der verflossenen vier Jahre nationalsozialistischer Gemeindesührung immer wie- der erkennen konnten, daß ein guter Steuermann unser Gemeindeschiff durch die Wellen und die Brandung des wirtschaftlichen Ringens unserer Zeit führt, so machte doch das, was der Oberbürgermeister am Donnerstag in seiner zusammenfassenden Darstellung über die Entwicklung unserer Stadt in den letzten vier Jahren zu sagen hatte, auf alle Hörer einen starken Eindruck.
Wer mit dem Oberbürgermeister vorurteilsfrei die Blicke rückwärts lenkt und die Sprache der Tatsachen auf sich wirken läßt, der wird zugeben müssen, daß Oberbürgermeister Ritter mit vollem Recht sagen konnte: „Wir alle können mit Stolz auf die Entwicklung während dieser vier Jahre zurückblicken." Wer die Entwicklung der Dinge als Beobachter aus nächster Nähe wahrnimmt, der weiß, daß die handelnden Personen dieser kommunalen Aufbaufront im Verlaufe der letzten vier Jahre ein außerordentlich schweres Stück Arbeit zu leisten hatten. Da ging nicht alles so glatt und programmgemäß vor sich, wie es bei einem summarischen Ueberblick den Anschein erweckt. Wer an die in den letzten Jahren fast wie Pilze aus der Erde ernpor- gcwachsenen großen Bauten und die umfangreichen neuen Wohnhaüs-Bezirke denkt, an die Erschließung und Einrichtung der zugewachsenen Stadtviertel sich erinnert, dazu in Betracht zieht, daß alle diese großen neuen Bauleistungen nicht etwa fein geordnet hintereinander zustande kamen, sondern in scharfem Wettlauf nebeneinanderher, der wird mit dem Oberbürgermeister einer Meinung sein dahingehend, daß allein auf diesem Arbeitsgebiet ein Werk vollbracht wurde, dem nichts Gleichwertiges aus all den Jahren vor 1933 zur Seite gestellt werden kann. Dennoch denkt nun niemand in der Stadtverwaltung daran, sich vielleicht für einige Zeit, im Besitz des Lorbeers der Leistungen, auf so eine Art „Altenteil" zurückzuziehen. Vielmehr zeigt der gestern von uns berichtete Plan der Stadtverwaltung über neue große Bauprojekte der nächsten Zeit, daß in dem rüstigen Marschtritt unserer Stadt auf diesem Gebiete des Aufstiegs keine Pause ein- tritt. Mit besonderer Genugtuung kann man dabei die Feststellung machen, daß es sich bei diesen Projekten um Dinge handelt, die den dringenden Notwendigkeiten der Allgemeinheit in guter Weise Rechnung tragen. Wir begrüßen daher diese neue Etappe des Aufbaus mit voller Zustimmung, denn auch hier wieder geht das Marschziel dahin, unsere Stadtgemeinschaft weiter ooranzubrinaen.
Steuerzahlen ist — darüber sind sich alle Gelehrten und Nichtgelehrten einig — für die Steuerpflichtigen niemals eine Freude. An der Notwendigkeit der Erfüllung dieser staatsbürgerlichen Pflicht besteht natürlich nirgendwo Zweifel. Denn wenn der Gesamtorganismus unserer Volksgemeinschaft leben und arbeiten soll, dann muß er die erforderliche Nahrung, in diesem Falle also die Steuerzahlungen, erhalten. Diese Erkenntnis wird noch vertieft und angenehm gemacht durch das Bewußtsein, daß wir alle unter der Staats- und Dolks- führung Adolf Hitlers wissen, in welch guter und produktiver Weise die Steuermittel verwandt werden, welche gewaltige, fruchtbare Aufbauarbeit damit geleistet wird. Wie außerordentlich erfreulich diese wirtschaftliche Wiedergeburt unseres Volkes sich bis in die Gemeinden hinein auswirkt, das hat Oberbürgermeister Ritter mit wenigen, aber eindrucksvollen Zahlen seiner Steuerbilanz von 1936 allen Volksgenossen unserer engeren Heimat deutlich erkennbar gemacht. Und aus diesen Zahlen des hauptsächlichsten Steueraufkommens von 1936, aber auch aus dem Umfang der Schaffung neuer Vermögenswerte der Stadt Gießen im Verlaufe der letzten vier Jahre ist einwandfrei die aufwärts- aericktete Entwicklung unseres Wirtschaftslebens er- rennvar. Ein solches Anwachsen des Steueraufkommens und eine so erfreuliche Möglichkeit zu werteschaffenden Investierungen sind nur dann gegeben, wenn alle deutschen Menschen in die Arbeit ein- aegliedert smd, ihre Kaufkraft weit mehr als in früheren Jahren den Warenumlauf steigert und da- Susannes Tochter.
Vornan von Hedda Westenberger.
Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin W 35. Nachdruck verboten!
Albert Lyk sitzt am Schreibtisch und müht sich vergeblich, eine Zigarre in Brand zu setzen. Bombenelement— das Ding will und will nicht brennen, das ist doch... Da meldet ihm seine Haushälterin, draußen sei eine junge Dame, ein Fräulein Lorenz. Sie wünsche Herrn Lyk zu sprechen, Herr Lyk erwarte sie.
Lyk richtet sich auf, schiebt die Briefe und Zeitun- aen auf der Tischplatte beiseite und läßt nur den Aschenbecher dicht vor sich stehen. „Ja", sagt er angeregt, „das ist die neue Sekretärin. Sie soll hereinkommen. Sieht sie nett aus?"
Aber die Tür hat sich schon wieder hinter der Haushälterin geschlossen. Lyk hört sie den Gang entlang gehen und in der Diele laut und hastig reden; an diese Art hat er sich erst gewöhnen müssen.
Lyk atmet hörbar; das kommt bei ihm einem Seufzen gleich. Stirnrunzelnd bemüht er sich dann wieder um die Zigarre, die immer noch nicht zieht.
Na, nun bin ich aber wirklich neugierig, wer da zu mir hereinschneit! Wenn das Bild im Bewerbungsschreiben nur einigermaßen wahrheitsgetreu ist, muß sie Susanne aufs Haar gleichen. Dazu trägt sie Susannes Namen — sie kann niemand anders als Susannes Tochter sein. Und das wäre dann der größte Witz, den ich je erlebt habe
Während er, gegen den Schreibtisch gelehnt, vorsichtig ein Stück Deckblatt von der Zigarre ab- brockelt, geht die Tür auf, und Sabine Lorenz tritt ein.
Lyk macht eine Bewegung, die einer Verbeugung gleichkommen soll. Die Stimme ist überaus förmlich: „Fräulein Lorenz, ja?"
„Jawohl, Inge Sabine Lorenz."
Jetzt erst sieht Albert Lyk richtig auf.
Die Unverhohlenheit dieses Blickes, der Sabine an einen Vogel erinnert, ist ihr nicht angenehm. Trotzdem zwingt sie sich, die noch notwendigen Schritte aus dem schützenden Halbdunkel an der Tür bis zum Schreibtisch am Fenster zu tun.
Was für ein kalter Mensch — geht es ihr durch
mit immer und immer wieder anderen Menschen Arbeit und Brot erschlossen wird. In dieser Tatsache liegt auch ein noch weit stärkerer Gewinn als in der guten Vermögensbilanz allein. Denn was würden wohl ein ansehnliches Vermögen und eine verhältnismäßig geringe Schuldenlast bedeuten, wenn auf der anderen Seite das Wirtschaftsleben still stünde oder den Weg abwärts gehen würde? Mit Freude können wir aber sagen, daß der Gang der heimischen Wirtschaft und der Arbeitseinsatz auf allen Gebieten so außerordentlich lebendig und fruchtbar sind, wie niemals vorher in den Jahren des überwundenen volksfremden Systems. Während in jenen Jahren arbeitswillige Kräfte überall in den Straßen untätig herumstanden, mürrisch und verzweifelnd mit dem Schicksal hadernd, während sich von der Staatsführung niemand um die Beschaffung von Arbeit für diese unglücklichen Volksgenossen bekümmerte, ist es heute unter Adolf Hitlers und seiner Mitarbeiter Führung auch in Gießen und in seiner Umgebung so, daß bei weitem nicht genug Arbeitskräfte vorhanden sind, um der Nachfrage genügen zu können, ja daß sogar Facharbeiter und ungelernte Arbeitskräfte von weither herangezogen werden müssen, wenn auf dem Felde der ununterbrochen andauernden Arbeitsschlacht
alles so glatt und gedeihlich vorwärts gehen soll, wie es geplant und notwendig ist. Zu dieser erfreulichen Entwicklung hat unsere Gießener Stadtverwaltung unter Leitung von Oberbürgermeister Ritter in den letzten vier Jahren mit vollem Einsatz aller ihrer finanziellen und wirtschaftlichen Möglichkeiten weitgehend beigetragen, und sie hat dadurch nicht nur dem eigenen Gemeinwesen wertvolle Dienste geleistet, sondern ist auch zahlreichen anderen Gemeinden in wirtschaftlich ärmeren Gegenden und vielen Hunderten von Volksgenossen unseres engeren Heimatgebiets ein guter Förderer geworden.
Von dieser Warte aus betrachtet ist die Feststellung gerechtfertigt, daß unsere Stadtverwaltung dem großen Vertrauen, das ihr im Verlaufe der verflossenen vier Jahre allenthalben dargebracht wurde, nach jeder Richtung hin in vollem Ausmaß Genüge geleistet hat. Die großen und erfreulichen Erfolge dieses vierjährigen Wirkens im Dienste des Aufbauwerks des Führers sind guter Grund zu dem unveränderten Fortbestand des starken Vertrauens und der guten Wünsche, mit denen die Gießener Volksgenossen die weitere Arbeit ihrer Stadtverwaltung zum Besten der Allgemeinheit für die Zukunft begleiten. B.
Aus der Stadt Gießen.
Das Gartenparadies.
Es gibt sicherlich schönere Gärten als den meinen. Er ist ein einfacher Dorfgarten, aber einen Vorzug hat er vor seinen vornehmeren Brüdern in der Stadt: er ist sehr geräumig. So kann denn manches ein Plätzchen in ihm finden, was sonst verachtet ist. Gewiß, auch Obstbäume hat er, vom Kirschbaum bis zur Quitte ist alles drin — daneben die Büsche und Sträucher: Holunder, Salweide, Haselnuß, Hainbuche, Schneebeere, Tanne. Es ist stellenweise eine rechte Wildnis, vom Frühjahr bis zum Herbst blüht es in allen Farben. Kein Wunder, daß ich viele Mieter im Garten habe, die ebenfalls ihre Freude daran zu haben scheinen.
Da sind zunächst die gefiederten Freunde. Königin ist Frau Amsel, sie hat ihren Stammsitz in der hohen Edeltanne. In der Abendkühle erfreut sie mich mit ihrem Gesang. Dor vierzehn Tagen fand ich eine junge Amsel betrübt auf dem Boden sitzen. War sie krank, hatte sie sich beim ersten Flugversuch verletzt, — sie starb vor meinen Augen.
Am Dach hat sich eine Latte gelöst, darunter wohnt eine Starenfamilie, ein muntres Völkchen, tätig von morgens bis abends. Die Kästen für Meisen habe ich aufgehängt, von meinem Ruheplätzchen aus sah ich die unermüdlichen Meisen ihre Nimmersatten Schreihälse versorgen. Im Durchgang durch die Remise hat ein Rotschwänzchen auf einem Balkenvorsprung sein Nest gebaut. Daß wir aus- und eingehen, hot es nicht gehindert. Fünf Eierchen hat es gelegt, es hat gebrütet und eines Tages da war das erste ausgeschlüpft, die andren folgten. Sie wachsen rasch, schon schauen sie über den Nestrand und richtig, das freche Erstgeborene versucht den Ausflug und landet auf der Erde. Dreimal haben wir es an einem Tage wieder ins Nest gehoben. Die alte Hauskatze erhielt Arrest, um der Familie Rotschwanz schreckliche Aufregungen zu ersparen.
Im Gebüsch irgendwo ist Familie Grasmücke wohnhaft, gesehen habe ich das Nest nicht, aber am Samstag war ein großes Geschrei: im Weinstock fotzen die jungen Flugschüler und schrien jämmerlich um Hilfe. Nach stundenlanger Aufregung gelang der zweite Start, und abends sang die glückliche Grasmücke ihr Freudenlied. Von den Spatzen will ich nichts erzählen, sie fehlen nicht, sind aber unbeliebt. Auch ohne sie zählten wir sieben Nester mit jungen Vögelchen.
Damit sind aber die Mitbewohner meines Gartens noch lange nicht zu Ende aufgezählt. Wie jedes Jahr hat sich eine dicke Kröte angesiedelt, sie ist gerade keine Zier, aber nützlich. Einen heimlichen Gast fand ich dieser Tage im Grase liegen: Freund Igel. Beim Nachbarn hat er im vorigen Jahr vier junge Igel im Holzstalle in einer Ecke gehabt. Er ist ein geehrter und willkommener Gartenfreund, besonders dieses Jahr wegen der vielen Schnecken. Noch andere heimliche Gäste sieht der stille Beobachter: eine Eidechse und eine Blindschleiche sind ebenfalls vorhanden.
Heute ftüh aber hotte ich die größte Ueberra- schung: Ich goß meine Clematis, da bewegt sich etwas, vom Wasser aufgeschreckt, eine Ringelnatter!
So fehlt auch die Schlange nicht im Paradies. Und vom Schweiße des Angesichts und Dornen und Disteln will ich lieber nichts reden ...
Dornotizen.
Tageskalender für Samstag.
Standarten-Sportfeft der Standarte 116: ab 16 Uhr Kleinkaliber- und Pistolenschießen im Hardt- wäldtchen, ab 18 Uhr Schwimmwettkämpfe und Floßsackrennen an der Lahn (Pionier-Depot). — Gloria-Palast (Seltersweg): „Sonnenscheinchen". — Verein ehemaliger 116er Gießen: 20.30 Uhr Schützenhaus, Kameradschaftsabend.
Tageskalender für Sonntag.
Standarten-Sportfest der Standarte 116: 6 Uhr Zehn-Kilometer-Marsch (Abmarsch Standartenhof); Schießen auf den Schießständen am Schützenhaus, ab 8 Uhr leichathletische Wettkämpfe. — Gloria- Palast (Seltersweg): „Sonnenscheinchen". — Schiffenberg: 15.45 Uhr, Großes Militärkonzert, ab 19 Uhr Großer Tanzabend.
Gießener SA. im Sportwettkampf.
Es fei noch einmal darauf hingewiesen, daß am heutigen Samstagabend und am morgigen Sonntag für den Bereich der Standarte 116 der Stan- darten-Sporttag stattfindet. Die Angehörigen der SA.-Standarte 116 werden ihre Leistungsfähigkeit in körperlicher Hinsicht in vielen und verschiedenartigen Wettkämpfen unter Beweis stellen. SA.- Männer und SA.-Führer treten zu Einzel- und Mehrkämpfen an, bestreiten Wettkämpfe im Schießen, im Schwimmen, im Marschieren und fn vielen Disziplinen der Leichtathletik und des Deutschen Wehrkampfes. Aüch ein Handballspiel wird ausgetragen werden. Es ist eine Reihe spannender Kämpfe zu erwarten, die ihren Eindruck aus die Zuschauer nicht verfehlen werden.
Zu Öen Reichswettkämpfen der SA. in Berlin.
In der Zeit vom 13. bis 15. August finden in Berlin die Reichswettkämpfe der SA. statt, die im Reichssportfeld ausgetragen und die SA. aus dem ganzen Reich in Wettstreit sehen werden. Für diese Wettkämpfe werden nun für SA.-Angehörige und für Zuschauer aus allen Teilen des Reiches Vergünstigungen im Hinblick auf die Reise und auf die Unterbringung in Berlin geboten. Eintrittskarten können bei den Dienststellen der SA. — in Gie- ß e n bei der S A. - S t a n d a r t e 11 6 im N e u e n Schloß am Landgraf-Philipp-Platz — erworben werden. Die Eintrittskarte berechttgt zu einer außerordentlich verbilligten Reife nach Berlin, für die der Kilometer der Strecke nur mit 1 Pfennig berechnet wird. Durch ein Abkommen mit dem Gauamt „Kraft durch Freude" in Berlin ist außerdem für eine günstige Unterbringung der Wettkämpfer, wie auch der Zuschauer gefolgt worden. Der Satz für Uebernachtung und Frühstück in
Berlin beträgt 2,70 Mark je Tag und Kopf. Ferner ist die Möglichkeit einer verbilligten Essenausgabe geschaffen. Es besteht also Gelegenheit, bei einem verhältnismäßig geringem Aufwand an den großen Ereignissen der SA.-Reichswettkämpfe teilzu- nehmen.
BOM.-llntergau 416.
Achtung!
Die Mädelgruppen 1 (Süd) und 3 (Mitte) und die JM.-Gruppe 1 (Süd) und 2 (Nord) treten am Sonntag, dem 18. 7. 37, um 11.30 Uhr am Bahnhof an, um die Mädel aus Pommern zu begrüßen. Entschuldigungen gehen an die stellvertretende Gruppenführerin.
I Unser neuer Roman.
Nachdem wir in der gestrigen Nummer des Gießener Anzeigers den Abdruck des Romans „Fogg brinat ein Mädchen mit" von Walther Kloepffer beendet haben, beginnen wir in der heute erscheinenden Ausgabe unseres Blattes mit der Veröffentlichung eines neuen großen Romanwerkes, von dem wir uns einen nicht minder durchschlagenden Erfolg versprechen dürfen. Die Verfasserin dieses Romans ist bisher noch nicht in unseren Spalten zu Worte gekommen, aber ihre früher erschienenen Arbeiten haben ihr allenthalben eine große und anhängliche Gemeinde von Leserinnen und Lesern geschaffen. Der heute beginnende Roman heißt
„Susannes Tochter" von Hedda Westenberger und vereinigt die Vorzüge des Gesellschafts- und Liebesromans mit der Spannung eines ungewöhnlichen Kriminalfalles. Hedda Westenberger hat früher bereits überzeugend bewiesen, daß sie mit erzählerischer Gepflegtheit anziehend und fesselnd zu schreiben versteht, und daß sie dabei die eigentümlichen Erfordernisse des Zeitungsromans zu würdigen weiß. Wir haben in „Susannes Tochter" einen Roman, dessen Lektüre uns nicht allein durch sauberen Stil, lebhafte Spannung und natürliche Schilderung bis zur letzten Fortsetzung in Bann schlägt, sondern auch durch die romanhaft verschlungene Vielfalt der menschlichen Beziehungen und die dramatische Steigerung des Handlungsablaufes.
So dürfen wir gewiß sein, mit. dem heute einsetzenden neuen Roman ein Werk erworben zu haben, das allen unseren Leserinnen und Lesern in Stad't und Land Freude bereiten und ihnen eine von Tag zu Tag mit Spannung erwartete und begrüßte Lektüre sein wird.
Neubau von 46 Dolkswohnungen.
Am Leimenkauterweg und am Läufertsröder Weg werden 46 Volkswohnungen von der Stadt erbaut. Die Erd- und Maurerarbeiten, sowie die Zimmerer-, Spengler- und Dachdeckerarbeiten sollen jetzt vergeben werden.
Einstellungen ohne Arbeitsbuch sind strafbar.
NSG. Nach der siebenten Anordnung zur Durchführung des Vierjahresplanes dürfen Arbeiter und Angestellte der Eisen- und Metallwirtschaft, des Baugewerbes, der Ziegelindustrie und der Landwirtschaft im Interesse eines geregelten Arbeitseinsatzes in diesen Wirtschaftszweigen nur nach ordnungsgemäßer Lösung des Arbeitsoerhältnisfes ihren Arbeitsplatz verlassen. Der Unternehmer kann daher im Falle einer unberechtigten vorzeitigen Lösung des Arbeitsverhältnisses durch den Arbeite oder Angestellten das Arbeitsbuch bis zu dem Zeitpunkte zurückbehalten, in dem die Beschäftigung im Falle einer ordnungsmäßigen Lösung des Arbeits- Verhältnisses enden würde. Die Vorschriften können jedoch ihren Zweck nur erfüllen, wenn die Unternehmer und Betriebsführer Arbeitskräfte ohne Arbeitsbuch nicht einstellen. In letzter Zeit ist aber wiederholt beobachtet worden, daß Einstellungen ohne Arbeitsbuch vorgenommen wurden. Sowohl der Betriebsführer, als auch der Beschäftigte setzen
l)a$ \
Schönhßifs
den Sinn. Vielleicht sollte ich mich um diese Stelle I ähnlich sich manchmal wildfremde Menschen fein | kindliche Art lieber gar nicht bewerben... können. Als Sie vorhin hereinkamen, hatte ich für! schämung uni
VI nPT* TT)n nt*Ptrn f to iahnrtr nnhflr Ivill mmX — Qf.. . - .v . . <r\ r •• r < • < ' J ' O
, t von Befangenheit, ja, beinahe Beschämung und fährt hastig fort: „Ich habe vor, ein Buch zu schreiben. Lebenserinnerungen. Ich bin sehr weit herumgekommen, vielleicht ist Ihnen das bekannt."
„Und vorher?"
„Da war ich doch noch auf dem Lyzeum."
• r so, ja, das schrieben Sie ja schon
m Ihrem Gesuch. Nun — für meine Zwecke ist öas auch ziemlich gleichgültig. Die Hauptsache ist, daß Sie anständig und sauber und schnell nach ,’iat schreiben können, daß Sie eine gewisse gestrige Selbständigkeit haben und auch mal einen kaufmännischen Brief auf eigene Faust verfassen können. Und daß Sie —"
Da Sabines Gesicht so unbeweglich geblieben ist, oengi Lyk sich etwas vor und fragt eindringlich: „Können Sie das?"
Sabine Lorenz lächelt mit einem Anflug von Hochmut: „Ich glaube, ja."
Dies Lächeln bringt Lyk beinahe wieder um seine Ballung — genau so lachte Susanne. Und dieser merkwürdige Strahlenkranz in den Augen, der manchmal aufschimmert, als entzünde sich hinter chch em helles Licht, und die auffallend hoch hin- aufgezogenen Nasenflügel und der hingetupfte Leber- steck oberhalb des Kinns — eine zweite Susanne! Jiur mar die Mutter weicher und weiblicher als die Tochter.
Sabines dunkle Stimme unterbricht feine Ge° bauten: „Darf ich wissen, Herr Lyk, um welche Art oon Arbeit es sich bei Ihnen handeln würde?"
Tyk rafft sich energisch zusammen. Er legt die ßtgarre betfeife, faltet die breiten Hände und beugt fid) weit über den Schreibtisch zu Sabine hin: „Ja das sollen Sie natürlich wissen. In der Hauptsache ... Er fühlt plötzlich eine ihm ganz fremde,
einen Augenblick das Gefühl, nicht ein fremdes Fräulein Lorenz, sondern meine kleine Nichte aus Buenos Aires stünde vor mir. Wahrhaftig. Ich hätte mich nicht gewundert, wenn Sie mich mit Onkel Albert angeredet hätten."
Und bann sachlicher werbend: „Na, hoffentlich ist es ein gutes Omen für unsere Zusammenarbeit."
„Vielleicht", antwortete Sabine höflich, aber es klingt nicht sehr überzeugt.
Lyk betrachtet sie noch eine Weile mit unverhohlener Neugier. Er kann sich das jetzt ja leisten, die Ausrede mit der Nichte war doch recht geschickt, silier. Dann findet er die anfängliche Sachlichkeit und Sicherheit zurück. „Sie haben bisher im Union-Verlag gearbeitet?"
„Ja."
Aber während sie langsam näher tritt und damit ins volle Licht des Fensters gerät, geht auf dem Gesicht des Mannes eine merkwürdige Wandlung vor sich: es ist, als wische eine unsichtbare Hand plötzlich alle harten Züge weg, um ein verwirrendes, fast liebevolles und heiteres Lächeln darüber zu legen. In den eben noch so gespannt-kühlen Augen zeigen sich Weichheit und Bewegung. Sogar die schmale, bittere Lime des Mundes löst sich.
Was hat er denn auf einmal? Sabine ist betroffen und senkt den Kopf.
Aber das weiß Lyk selber nicht. Da steht nun tatsächlich Susannes Tochter vor ihm, es gibt keinen Zweifel mehr, und diese Gewißheit ist verwirrender als er je geahnt hätte. Am liebsten würde er bas Mäbel bei den Schultern packen und sie sich so recht von Herzen und in aller Ruhe ansehen. Aber er unterläßt es, weil er es für das beste hält, zunächst Abstand zu wahren, abzuwarten.
„Bitte, nehmen Sie doch Platz", murmelt Lyk endlich, und nur mit Mühe bekommt er seine Augen los von Sabine.
Er schickt einen forschenden Blick zu Sabine hinüber, weil er jetzt von ihr ein ganz bestimmtes Lächeln erwartet. Er weiß ja doch ganz genau, wie er gelächelt haben würde, wenn ein Mann seines Schlages — etwa irgendein breitschultriger Tee- Plantagenbesitzer aus Ceylon oder ein Gummikönig von Sumatra — dahergekommen wäre und ihm gebeichtet hätte, daß er ein Buch zu schreiben ge- dachte, ein Buch... Er hätte gebrüllt vor Lachen.
Aber bei Sabine forscht er vergebens, selbst nach einem Hauch oon Lächeln. Sie sieht ihn ernsthaft an, und zwischen den geraden Augenbrauen hockt nur ein kleines Mißtrauen, Lyk kann es ganz deutlich lesen — so deutlich, als ob Susanne vor ihm säße.
„Nun?" fragt er leise.
Sabine errötet ein wenig. „Und das wäre meine ganze Arbeit, daß Sie mir dies Buch diktieren?"
„Die Hauptarbeit", nickt Lyk, richtet sich etwas auf und stemmt die Hände breit auf die Tischplatte, ,>e Hauptarbeit allerdings, Fräulein Lorenz. Und Sie dürfen das nicht unterschätzen, Sie ahnen gar nicht, wieviel Arbeit in so einem Buch steckt, bis es endlich fertig ist. Ja, und außerdem müßten Sie mir noch etwas Kleinarbeit abnehmen, die mir durch meine Häuser hier in Berlin entsteht. Ich habe zwar einen Verwalter, aber vieles muß man doch selbst erledigen und bestimmen. Und da ich beab- stchtige, mein Buch nicht hier, sondern außerhalb Berlins zu schreiben, wird es mit dem Verwalter unö mit meinem Rechts anwalt einige Korrespon- oenz geben, die zum größeren Teil Ihnen über- UDen bleibt. Und um nun auf den wesentlichsten Punkt zu kommen, Fräulein Lorenz: könnten Sie es gegebenenfalls möglich machen, mich auf mein AU zu begleiten? Ich habe ein Gut in Tirol, das id) selbst noch nicht kenne und das ich jetzt endlich kennen lernen möchte. Ich habe es vor Jahren, als ich noch in Brasilien war, einmal als Schulden- tilgung übernehmen müssen, und ich denke mir, daß man. es dort ganz gut einen Sommer über aushalten kann. Es soll sehr schön fein, aber das tut ja nichts zur Sache, die Hauptfrage ist jetzt, ob Sie auf dies Angebot eingehen wollen?"
Fortsetzung folgt.
Sabine blickt an Lyk vorbei auf das Blumenmuster der dunkel-weinroten Tapete und auf den hellen Sonnenfleck, der langsam über die Wand kriecht.
Umständlich setzt sich auch Lyk.
Dann ist es still zwischen ihnen, eine lange und peinliche Stille. .
Lyk räuspert sich ein paarmal und suchst um sich
•rJrn^e‘n von Beschäftigtsein zu geben, hastig zwischen den zusammengeslyobenen Papieren auf dem Schreibtisch herum.
Was weiter? Sie hat etwas gemerkt, sie wundert sich natürlich, denn man lacht doch einen wild- [remben Menschen nicht so albern an. Warum hab' s? das auch getan, ich alter Esel? Ob ich ihr am Cnoe doch gleich sage, was für alte Beziehungen puschen ihr und mir bestehen? Nein, lieber nicht! Wenn sch sie anstelle, ist es besser, daß sie auf keinerlei „Beziehungen" pochen kann. Und ich will sie doch anstellen, jetzt erst recht, jetzt sogar unter allen Umstanden!
Er schließt für den Bruchteil einer Sekunde die Augen, um sich ein wenig zu sammeln. Dann öffnet er sie wieder und hißt ein neues, aber weit sparsameres und förmlicheres Lächeln.
„Es ist sehr luftig", jagt er verbindlich, „wie


