Nr.138 Zweites Blatt_______________Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)___________Donnerstag, 17.Zuni 1937
Das Deutsche Haus in Paris.
Das Deutsche Haus auf der Pariser Weltausstellung erregt die Bewunderung aller Besucher. Durch seinen Stil und seine Ausführung hebt sich das Gebäude wirkungsvoll von vielen anderen ab. Diese Aufnahme zeigt einen Blick in die Empfangshalle des Deutschen Hauses. (Scherl-Bilderdienst.)
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Tiere als Baumeister.
Neue Ergebnisse deutscher Forschung.
Don Dr. E. Watther.
Der folgende Artikel berichtet über neue Forschungsergebnisse deutscher Gelehrten, die ein besonders reizvolles Gebiet der Biologie betreffen: die „Baukunst" der Insekten. Derartige Bauten, wie wir sie etwa in den Ameisenhaufen oder Wespennestern vor uns haben, gehören wegen ihrer geradezu vollendeten Zweckmäßigkeit und ihrer denkbar größten Raum- und Materialersparnis zu den höchsten Leistungen tierischer Handlungsweise überhaupt.
Während der letzten deutschen Sunda-Expedition gelang es Professor Weyer, ein höchst seltsames Bauwerk der Ameisen zu entdecken und dabei ganz neuartige Beobachtungen über die Lebensgewohnheiten dieser Tiere anzustellen. Er fand nämlich in den großen Mangroveblüten eigenartige Bauten, die von kleinen braunschwarzen Ameisen stammten, die Tiere hatten den Blütenboden mit regelrechten Dächern aus zerkautem Holz überbaut und darin ihre „S ch i l d l a u s h e r d e" und — in besonderen Nebenbauten — ihre Brut untergebracht. Die Schildläuse sind, ebenso wie die Blattläuse, beliebte „Haustiere" der Ameisen: sie werden ihrer süßen Ausscheidung zuliebe, die eine Delikatesse für die Ameisen ist, von diesen forgfam gehegt und gepflegt. Biele Ameisenarten sind nun dazu übergegangen, ihre Schützlinge ins Nest zu schleppen und dort sozusagen „Viehzucht" zu treiben: die Blatt- oder Schildläuse werden gefüttert, vor Feinden 'beschützt, und ihre Brut wird mit der gleichen Sorgfalt aufgezogen wie die eigene. Ganz anders liegen die Dinge bei den von Professor Weyer beobachteten Ameisen auf den Sunda- Jnseln. Diese Tiere halten ihre Schildlausherde außerhalb des Nestes in den Mangroveblüten und
schaffen dorthin auch ihre Brut, um sie mit der „Milch" der Schildläuse aufguziehen. Das Haus ist von einer ständigen Wache von Ameisen besetzt, die Herde und Brut vor feindlichen Angriffen zu schützen hat.
Nicht weniger interessant sind die eigentlichen Ameisennester, die aus verschiedenstem Material in mannigfaltigen Formen je nach der Ameisenart angelegt werden. Da gibt es die E r d n e st e r, die aus einem Labyrinch von in die Erde gegrabenen Gängen und Kammern bestehen. Manche dieser Nester sind ganz unter der Erde angelegt, andere unter Steinen oder sie sind von großen Erdhaufen überdacht — schließlich hat man neuerdings auch Erdnester auf Bäumen entdeckt, die dort oben aus dem mühsam hinauftransportierten Material gebaut werden. Zur Befestigung dieser sogenannten „Ameisengärten" dient das Wurzelwerk bestimmter Pflanzen, die von den Ameisen selbst zu diesem Zweck-auf ihren Bauten aus gesät werden! Die oberirdischen Teile der sonstigen Erdnester werden ost mit Grashalmen und anderen Pflanzenteilen — auch mit herbeigeschlepppten Steinchen — gestützt Im übrigen dient das Wasser als Bindemittel, und aus diesem Grunde sehen wir die Ameisen nur im Regen bei der Bauarbeit.
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Diese oberirdischen Bauten sind für das Nest von großer Bedeutung, und zwar einmal für den Abfluß des Regenwassers, vor allem aber für die „Wärmeregulierung" im Nest. Mit Hilfe der sich rasch erwärmenden Steine und Erdkuppeln werden die oberen Stockwerke des Nestes geheizt, während die unteren kühl bleiben. Diese Temperaturunterschiede sind für die Aufzucht der Brut äußerst wichtig, da die Larven je nach dem Alter verschiedene Wärme
grade brauchen; aus diesem Grunde werden sie von den Arbeiterinnen je nach Bedarf herumgeschleppt. Der Wärmegewinnung dienen auch die großen, bis zu IV2 Meter hohen. Ameisenhaufen in unseren Wäldern, die aus Tannennadeln und anderem pflanzlichem Material bestehen, während darunter Erdnester angelegt sind. Nach neueren Messungen übertrifft die Temperatur in solchen Nestern die Außentemperatur um 10 bis 15 Grad Celsius. Manche Ameisenarten verwenden zum Nestbau auch ausschließlich pflanzliches Material, nämlich für die „Holznester", die ebenfalls aus einem Labyrinth von Gängen und Kammern bestehen, das jedoch im Holz ausgenagt wird; in hohlen Baumstümpfen sind solche Bauten häufig zu finden. Ferner wird für die sogenannten Kartonnester, die von den tropischen Ameisen vielfach gebaut werden, Holz verwendet. Es wird zu diesem Zweck besonders „verarbeitet", nämlich zu Holzmehl zerkaut und mit einer leimigen Drüsenabscheidung verklebt.
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Die höchste Vollendung der Baukunst unter den Ameisen, ja den Insekten überhaupt erreichen jedoch die „W e b e r a m e i s e n". Sie bauen auf lebenden Bäumen und Sträuchern, deren Blätter als Wände benützt und untereinander mit einem Gespinst verbunden werden. Für die Wissenschaft war es lange ein Rätsel, wie diese Bauten Zustandekommen, da den erwachsenen Ameisen jegliche Drüse, die ein Spinnsekret liefern könnte, fehlt. Kürzlich entdeckte man schließlich, daß die Larven dieser Ameisen mit großen Spinndrüsen ausgestattet sind und tatsächlich zum Hausbau verwendet werden. Zu diesem Zwecke werden zuerst die Blätter von einer Schar von Arbeiterinnen aneinander gehalten, indem sie mit den Kiefern das eine Blatt, mit den Beinen das andere packen und einander nähern; ist der Zwischenraum für ein Tier zu groß, so wird eine Kette von mehreren Ameisen zur Ueberbrückung des Spaltes gebildet. Ist dieser eng genug, so kommt eine andere Schar von Arbeiterinnen, die je eine Larve zwischen den Kiefern tragen und damit
eine höchst seltsame Tätigkeit beginnen. Sie drücken nämlich den Kopf der Larve fest an den Rand des einen Blattes an, bis das Spinnsekret austritt; darauf wird die Larve an den Blattrand jenseits des Spaltes gedrückt, dann wieder an den Rand des ersten Blattes und so fort, bis schließlich der Spalt von einem feinen Gespinst ausgefüllt ist. Das ist einer von den äußerst seltsamen Fällen im Tierreich, in denen ein Werkzeug verwendet wird.
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Wie bringen nun diese „niederen" Tiere derartig schwierige Bauwerke zustande? Mit dieser Frage hat sich die moderne Forschung sehr eingehend beschäftigt, als Studienobjekt dienten vor allem die mit den Ameisen verwandten Wespen, deren Bauten ebenfalls Spitzenleistungen tierischer Handlungsweise darstellen. Ihr Baumaterial ist ebenso wie bei den „Kartonnestern" der Ameisen Holz, das mit dem leimigen Speichel der Wespen verknetet wird — die Zusammensetzung des fertigen „Baustoffes" entspricht unserem Zeitungspapier. An Bretterzäunen und Telegraphenmasten kann man ja häufig beobachten, wie Wespen Holzspäne abnagen. Nicht nur das Baumaterial, sondern auch die Anlage des Nestes ist bei allen Wespen ziemlich gleich: es besteht aus einer oder mehreren „Waben", die in gewissen Abständen waagerecht übereinander gelagert und durch Pfeiler aus Papiermasse verbunden sind; das Ganze ist von mehreren Hüllen, die einen vortrefflichen Wärmeschutz bieten, bis auf das Einflugloch umschlossen. Jede Wabe ist aus zahlreichen Zellen zusammengesetzt, die infolge ihrer sechseckigen Gestalt ohne Zwischenraum aneinander grenzen.
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Der deutsche Forscher Professor Weyrauch hat in letzter Zeit durch eingehende Versuche die Frage zu klären versucht, wie die Baukunst der Wespen zustandekommt. Dabei zeigte sich, daß eine große Zahl — bisher konnte er 57 feststellen — von einzelnen Bauinstinkten oder „Tendenzen" in ganz bestimmter Folge zusammen-
Das Haus der Deutschen Kunst.
Mitte Juli wird in München das Haus der Deutschen Kunst feierlich eröffnet. Unser Bild links zeigt die Säulenreihe der Vorderfront des neuen Gebäudes. (Scherl-Bilderdienst-M.)
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Lievekensmarkt.
Geschichte aus Holland von Hilde Heisinger.
Wenn die Rosmarienheide blüht, ist in Aarlen Lievekensmarkt. Dann schreiben Wochen vorher alle heiratslustigen Mädchen einen Brief an Gastwirt Buijsselman. Einen langen Brief, in dem genau ausgezeichnet ist, was die hohe Brauttruhe an Schätzen birgt: ein Dutzend rosa Nachtjacken aus festem Köper, ungebleichte Baumwollstrümpfe, und viele Meter selbstgeklöpfelte Brabanter Spitze. Im Sparstrumpf stecken verborgen blanke Reichstaler. Von den fetten Erbaussichten ganz zu schweigen.
Gastwirt Buijsselman liest das alles mit hochgezogenen Brauen und sortiert. Denn auch die jungen Burschen haben Briefe geschrieben, mit allem darin, was sie besitzen und sich wünschen. Und alle Ehen, die in himmlischer Voraussicht nicht geschlossen wurden, fügt Gastwirt Buijsselman mit pfiffiger Berechnung zusammen.
Morgen ist wieder Lievekensmarkt.
Aleida Potta hat ihre glatten schwarzen Haare in dreißig kleine Zöpfe geflochten, mit Zuckerwasser angefeuchtet. Das gibt einen Krauskopf, der sich sehen lassen kann und abends wird sie einen Schatz am Arme haben! Sie geht mit tänzelndem Gang zur Pumpe auf dem Marktplatz und läßt den Schwengel auf und nieder fliegen, bis das Wasser übern Tötenrand fließt. Morgen ist Lieoekens- marftl Sie sieht sich herausfordernd um. Aber niemand ist da, der spöttisch lächelt.
Mit festem Griff nimmt sie die vollen Töten und geht summend nach Haus. Als sie an der Gracht vorüberkommt, sieht sie Anneke van der Heyden hinterm Fenster. Nur den gebeugten Kopf kann sie sehen, denn Anneke sitzt übers Klöppelkissen geneigt und nutzt die letzte Tageshelle aus. Aleida stellt die Töten vorsichtig hin und klopft ans Fenster. — „Laß sehen, wie weit du bist", sagt sie und besteht staunend die verschlungenen Lämmchen, Trauben und Kreuze, die Anneke für oie Altardecke der Beginnen klöppelt. _ ,
„Morgen ist Lievekensmarkt, Anneke, komm doch mit —"
Aber Anneke wehrt erschrocken ab und die Rote steigt ihr bis zur Nasenwurzel, wo die Sommersprossen wie goldene Punkte sitzen Lievekensmarkt? Erbarme dich! Das ist nichts für Anneke van der Heyden, deren Mutter den ganzen Tag betet, daß ihr Kind ein Nönnchen wird. Nein, nein. Sie schüttelt noch lange hinterher den Kopf, als Aleida längst mit ihren Waffertöten'jenseits der Brücke ist
Aber mit einemmal wollen die fünfen Finger nicht mehr so recht. Netzschlag — Leinenschlag, im
mer hin und her. Lievekensmarkt? Sie muß doch einmal nachsehen, was alles in ihrer Truhe steckt. An der schlummernden Mutter huscht sie vorüber ins Schlaskabinettchen und holt aus dem Kleiderspind das grüne Kleid mit den bunten Perlen. Sie schiebt die Passionsblumen zur Seite, die den Spiegel zwischen den beiden Fenstern überwuchern, und sieht verlegen hinein. Wie blaß sie ist. Das macht die Stubenluft tagaus, tagein. Wie überanstrengt sind ihre Augen! Sieben Meter Spitze für die Altardecke sind schuld daran. Und ihr Haar, das so kupfern ist, wie die Mörser und Kessel auf dem Gesims, sind in ein schwarzes gehäkeltes Netz eingezwängt.
Lievekensmarkt — sie sitzt auf dem Bettrand und träumt. Nein, nein, das ist nichts für Anneke van der Heyden.
Aber als hie Mutter fragend aus der Stube ruft, geht sie mit rotem Kopf hinüber und sagt, daß sie morgen neues Garn von den Nönnchen in Aarlen holen wird, für die Spitze
Am andern Morgen ist Anneke schon in aller Frühe auf den Beinen. Sie versorgt das Haus und kocht eine große Kanne Kaffee für die Mutter. Sie hat ihr grünes Kleid angezogen und rote Flecke im Gesicht vor Erregung. Jeder wird es ihr an- fehen, daß sie nicht zu den Nönnchen will, denkt sie verschämt, als sie mit gesenktem Kopf über die Straße zum Bahnhof rennt.
Es ist gar nicht weit bis dorthin. Aber Anneke hat nicht an die Ziehbrücke gedacht, die kurz vor dem Bahnhof über die Gracht führt. Als sie atemlos ankommt, sind die beiden Brückenhälften hochgewunden. Ein breiter Lastkahn wird vorsichtig und langsam durch die enge Wasserstraße gestatt. Vorn am Bug steht ein grauer Spitz und bellt in den frühen Morgen hinein. Der Kahn hat nur wenig Stückgut geladen und ragt hoch aus dem Wasser. Für Anneke ist es nur ein kleiner Sprung hinab aufs Boot. Hilfesuchend sieht sie sich um, ob nicht irgend jemand sie auf der anderen Uferfeite die kleine Kaimauer hinaufziehen wird. Schon weitet sich die Gracht zum Kanal, und ehe Anneke sich versieht, liegen Ziehbrücke und Ufer weit, weit hinter ihr. Sie steht mit hängenden Armen. Bis der bellende Spitz sie aufschreckt und der junge Schiffer am Steuer sie mit vergnügtem Schmunzeln mustert.
„So, so nach Aarlen? Eben dahin wollte ich auch —" Er kneift ein Auge zu, als er das sagt, und Anneke weiß vor Verlegenheit nicht, wohin sie sehen soll.
Sie setzt sich auf die aufgeschlossenen Taue und zieht ihr arünes Kleid bis über die Fußspitzen herab Die kleinen Perlen am Halsbork glitzern in der Sonne. Aber heller noch funkelt ij^ kupfernes
Haar, das in dicken Flechten den ganzen Kopf bedeckt. Sie ist so hochrot vor Aufregung im Gesicht, daß man die Sommersproßen gar nicht erkennen kann.
Der Schiffer raucht aus seiner weißen Tonpfeife und sieht Anneke an. Die Ufer gleiten sachte vorüber. Im Wasser spiegeln sich Himmel und Weiden und die grasenden Kühe. Manchmal zeigt der Schiffer mit der Pfeife auf eine Windmühle oder ein Gehöft und sagt einen Namen. 'Nur als sie nach drei Stunden an einer kleinen Stadt vorüberkommen, sagt er nichts. Vielleicht, weil der Schiffjunge gerade Kaffee in blauen Kümpchen heraufbringt, mit Kandiszucker darin, und ihn am Steuerrad ab- löst. Mittags steigt Anneke in die kleine Kombüsse hinunter und hantiert mit flinken Bewegungen, während der Schiffer auf der halben Treppe fitzt, und mit der Pfeife weist, wo Kartoffeln und Salz zu finden ist.
Gegen Abend sind sie immer noch nicht in Aarlen. Aber der Schiffer weiß nun ganz genau, was alles in Annekens Brauttruhe ist daß sie das Haus an der Gracht später erben wird. Und daß sie niemals ein Nönnchen wird! Sie hat ihm beim Erzählen die Socken gestopft während der langen Fahrt.
„Das Haus", meint der Schiffer, „brauchen wir ja gar nicht, Anneke, wir haben ja unser Boot . ."
Als die ersten Sterne funkeln, wundert Anneke sich schließlich doch, daß sie immer noch nicht in Aarlen sind. Aber der Schiffer legt im Dunkeln den Arm um sie und sagt, daß er in Aarlen, an dem Lievekensmarkt, längst vorübergefahren sei. Um die Provision für sie beide an Gastwirt Buijssel- man zu sparen
Go kann em Traum entstehen
Von den mancherlei physiologischen Vorgängen, die sich im Körper auch während des Schlafes ab= spielen, gelangen dauernd Eindrücke zum Gehirn, die oft als Iraumerieger wirken und je nachdem, ob sie von Lust- ober Unlustgefühlen begleitet sind, erfährt der Traum eine heitere ober düstere Ausgestaltung. Der Einfluß von Hunger- unb Durstemp- finbungen auf bie Bilbung ber Traumvorstellungen ist ja bekannt; ein starkes Hungergefühl ruft Träume von wohlschmeckenben Gerichten unb von Lieblingsspeisen hervor, so baß also eine Befriebigung bes Bebürfnisses im Traume geschaffen wirb, bie luft- betont ist. Noch bestimmter erzeugt bas Durstgefühl bie Traumvorstellung bes Durstlöfchens, unb erst wenn bas Durstgefühl trotz ber vermeintlichen Befriebigung bestehen bleibt, kommt bie Enttäuschung in bem sich weiter fortfpinnenben Traum in Form von vermeintlichen Störungen bes Trinkens zum
Ausbruck. Die Wirkung ber Allgemeinempfinbungen als Traumerreger geht aber, wie Prof. Dr. B a e g e in ber Leipziger „Jllustrirten Zeitung" zeigt, viel weiter. Sv würben bie sogenannten Magenträume schon frühzeitig beobachtet, unb bie Volksmeinung kam sogar zu ber falschen Anschauung, baß alle Träume „aus dem Magen" kämen. Die Lage und die Funktion des Magens geben ihm in der Tat einen bedeutsamen Einfluß auf die Träume. Die Aufnahme schwer verdaulicher Speisen kurz vor dem Schlafengehen ober ein überfüllter Magen rufen fast immer unangenehme Träume hervor; man erwacht aus einem Angsttraum mit bem Einbruck, baß je- manb auf einem liege ober einem bie Bettbecke wegziehen wolle, unb bei überfülltem Magen glaubt ber Träumenbe sich burch eine besonbers enge Deff= nung burchzwängen ober eine sehr enge Wenbel- treppe besteigen zu müssen. Auch bie Art ber Speisen hat einen wesentlichen Einfluß auf bie Gestaltung unserer Träume.
Bebeutfam sinb hier auch bie Allgemeinempfinbungen, bie vom Blutkreislauf zum Gehirn gelangen. Den Traumerlebnisfen, baß man sich in einem Gebränge ober in einem Gebäube mit vielen Räumen unb Gängen befinbet ober sonstwie in Verwirrung gerät, liegen Allgemeinempfinbungen zugrunbe, bie von ber Blutbewegung herrühren. Der Pulsschlag im Gehirn ist bie Grunblage für alle taktmäßigen Hanblungen im Traum, wie Tanzen unb Marschieren, Blutanbrang zum Kopf für alle Zornhanblun- gen ober Aergernisfe. Die Herztätigkeit wirb nur bei Störungen bemerkbar. Ein Herzkranker träumte, baß Einbrecher im Stockwerk über ihm mit schweren Tritten umhergingen, unb er bemerkte beim Erwachen sofort, baß es in Wirklichkeit ber eigene Herzschlag war, ber bas Dröhnen hervorrief. Ein anberer träumte, baß Nägel in ben Fußboben ein- geschlagen würben. Ueberhaupt beeinflussen Schrnerz- empfinbungen ben Traum in vielgestaltiger Weise. Ein leiser stechenber Schmerz im Unterschenkel rief ben Traum von einer Verwunbung burch Messerstich hervor, rheumatische Schmerzen in ben Armen, besonbers in ben Ellenbogengelenken, verursachten einen Traum, baß ber Träumer einen wilbgeworbe- nen Ochsen sestmhalten versuchte, inbem er ihm in die Nüstern griff, wobei bas Tier mit ben Hörnern in seine Ellenbogengelenke zu stoßen versuchte.
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Von den amtlichen Verpflichtungen wurden entbunden die ordentlichen Professoren Dr. Erich Blunck (Bauwesen) an der Technischen Hochschule Berlin: Dr. Carl Zimmer (Zoologie) an ber Universität Berlin, Dr. Otto D i m r 0 t h (Che- mie) an der Universität Würzburg.


