Nr. 138 Erstes Blatt
187. Jahrgang
Donnerstag, 17.)uni 1957
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Das Experiment -er Volksfront.
Von unserem v. G.-Äerichierstatier.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Paris, Juni 1937.
Der Eintritt der Volksfrontregierung in das zweite Jahr ihres Bestehens ist nicht nur von sozialen, sondern vor allem von ernsten finanziellen Sorgen begleitet: die Kassen des Schatzamtes find leer, der Bedarf an flüssigen Mitteln groß. Der Fehlbetrag des Haushalts geht schon in die Milliarden, aber neue Vorlagen werden angekündigt oder gefordert, die die Belastung des Staates noch erhöhen werden. Das Kabinett Blum sucht nach einem Mittelweg zwischen einer scharfen Finanzkrise und einer Abkehr vieler seiner Anhänger aus Enttäuschung über eine Verzögerung der versprochenen Reformen. Das Kabinett will sogar das für die Stimmung so gefährliche Spiel mit neuen Steuern wagen.
In der letzten Zeit ist in diesem Zusammenhang wieder von einem Sturz oder einem Rücktritt der Regierung die Rede gewesen, nicht nur bei der Opposition, sondern selbst im Lager der Mehrheit — hier allerdings in Form einer Warnung vor den angeblich so gefährlichen Folgen eines Scheiterns der Volksfrontminister. Die vergangenen zwölf Monate haben zwar gezeigt, daß von einer Auseinandersetzung über die Möglichkeit eines Kabinettswechsels bis zu seinem Eintritt ein weiter Weg ist, die Tatsache, daß eine neue Krise besprochen wird, beweist jedoch, daß die inneren Spannungen in Frankreich nicht behoben sind und die Unzufriedenheit sogar wächst. Fest steht aber, vorläufig, daß ein parlamentarischer Sturz Blums im üblichen Sinne dieses Begriffes zunächst nicht vorausgesagt werden kann. Die Mehrheit in der Kammer ist auch durch ihre zeitweise Lockerung an beiden Flügeln nicht gespalten.
Die Kommunisten, die häufig schonungslose Kritik an Blum üben und ihn zu einem eindeutig marxistischen Kurs zu bestimmen bemüht sind, haben von der Komintern wiederholt Anweisung erhalten, das Experiment der Volksfront nach besten Kräften auszunutzen. Ihre Kammergruppe wird den Bogen also nie Überspannen, solange das heutige Regime ihren Zielen förderlich ist. Die Sozialdemokraten, das Kernstück der Mehrheit und die Träger der Regierung, sind, auch wenn sie aus taktischen Gründen gerne einen grundsätzlichen Unterschied zwischen der heutigen Auftragsregierung der Volksfront und dem anzustrebenden rein sozialdemokratischen Zeitabschnitt machen, an den jetzigen Zustand gebunden. Sie können nicht ohne weiteres sich enger mit den Kommunisten zusammentun, da sonst zu viele radikalsoziale Stimmen der Mehrheit verloren gehen würden. Sie können ebensowenig mit den Jüngern Moskaus brechen und sich etwa einer Zusammenarbeit mit allen Gruppen zu ihrer Rechten über die Radikalsozialen bis zu Flandin hingeben, weil sie den Einfluß der kommunistischen und antikapitalistischen Kritik auf einen großen Teil ihrer Anhängerschaft befürchten.
Innerhalb der R a d i k a l s o z i a l e n endlich — die kleinen Zwischengruppen können wir übersehen — hebt sich der Widerstand der Gegner der Volksfront von ihrer Abhängigkeit von der 3. Internationalen mit dem Streben des entgegengesetzten Flügels der Partei nach einem bestimmteren Linksdreh oder betonterem Antifaschismus ungefähr auf, so lange im Lande nicht alles durcheinander geht. Wir haben gesehen, daß nicht nur Willkür und Demagogie, sondern auch wilde Streiks, Ausschreitungen und sogar blutige Zusammenstöße, bei den Radikalsozialen im ganzen genommen nichts mehr wie warnende Artikel, Reden und Entschließungen, allenfalls ein vorsichtiges UmschaUhallt.il nach einer neuen Lösung zur Folge hatten. Ab und zu wird der Senat, dessen Haltung im wesentlichen den Stempel seiner radikalsozialen Mehrheit trägt, eingeschaltet, um der Regierung Halt zu gebieten, aber solch ein Druck wurde bisher stets mit einer Vermittlung hinter den Kulissen verbunden. So wurden dem Kabinett goldene Brücken geboten und den radikalsozialen Senatoren ein Festhalten an Blum ermöglicht.
Man darf nicht vergessen, daß das Wahlbündnis der Volksfront, das vor einem Jahr die Zusammensetzung der Kammer bestimmte, vor allem eine Rückwirkung des seit dem Februar 1934 von außerparlamentarischen, ihrer Grundhaltung nach rechts gerichteten Kräften unternommenen planlosen Vorstoßes gegen den Parlamentarismus darstellt, den die damals stärkste Partei der Radikalsozialen verkörperte. Gewiß haben auch außenpolitische Gründe und sogar — vorsichtig gesagt — außenpolitische Quellen dazu beigetragen, daß durch die Wahlen eine Abkehr der französischen Politik von der Linie Paris—London—Kleine Entente—Moskau verhindert wurde. Die Außenpolitik kann bei der Betrachtung des Verhältnisses der Radikalsozialen zum Volksfrontkabinett aber in den Hintergrund treten, da die von dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Blum und dem radikalsozialen Außenminister Delbos befolgte Richtung sogar bis nach rechts yin Zustimmung findet. Den Radikalsozialen sind die Augen über die Gefahren einer Zusammenarbeit mit Vertretern des internationalen Bolschewismus nur in geringem Maße aufgegapgen, obwohl aus ihren Tagungen häufig einsichtige Stimmen laut wurden, und das radikalsoziale Blatt „R6publique" zielbewußt und aufklärend über die roten Genossen schreibt. Die Erinnerung an die Fehde mit der äußersten Rechten und die überlieferte Ausrichtung nach links hin ist bei den Radikalsozialen aber noch wirksam. Zusammenfassend kann man also sagen,
Die toten Helden der „Deutschland" kehren heim.
Wilhelmshaven, 16. Juni. (DNB.) Wilhelmshaven steht im Zeichen der Trauer für die 31 deutschen Matrosen, die im Dienste des Vaterlandes und in treuer Pflichterfüllung dem feigen bolschewistischen Flugzeugüberfall auf das Panzerschiff „Deutschland" zum Opfer fielen. Die Fahnen der öffentlichen und der Privatgebäude, der im Hafen liegenden Kriegsschiffe, der Betriebe und Geschäfte wehen halbstock. Schon in den frühen Morgenstunden ist ein großer Teil der Angehörigen der beklagenswerten Opfer in Wilhelmshaven ein» getroffen. Das Panzerschiff „Deutschland" war am Mittwochoormittag auf der Schilling-Reede an der Jademündung vor Anker gegangen. Die Wilhelmshavener Jugend, 2000 Schüler und Schülerinnen, entboten als erste den heimkehrenden Toten ihren Gruß. In langsamer Fahrt näherte sich der Dampfer „Roland", auf dem sich die Jugend befand, dem Panzerschiff, wo unter den Geschützrohren auf dem Achterdeck die Särge der toten deutschen Seeleute aufgebahrt waren, bedeckt mit der deutschen Kriegsflagge. Kameraden hielten die Totenwache. Die deutsche Jugend ehrte die Gefallenen während der langsamen Dorbeifahrt mit dem deutschen Gruß und einem stillen Gedenken, an das sich die Lieder der Nation anschlossen.
Gegen 20 Uhr gleitet das Panzerschiff „Deutschland" langsam in die Nordschleuse der dritten Hafeneinfahrt, wo sich eine Offiziersabordnung unter Führung des Kapitäns zur See Thilo von See b ach an Bord der „Deutschland" begibt, um den Toten in der Heimat den ersten Gruß zu entbieten. Nur kurze Zett noch währt es, bis
das Panzerschiff „Deutschland", auf dem die gesamte Besatzung in straffer Paradeaufstellung angetreten ist, sich langsam unter lautloser Stille der am Kai harrenden Menschenmenge der Gazellebrücke nähert. Langsam gleitet der graue Schiffsleib der „Deutschland" an die Kaimauer, von der Bevölkerung in ehrfürchtigem Schweigen mit erhobenem Arm begrüßt.
Am Kai haben die Angehörigen Platz genommen. Zu ihrer Rechten ist eine aus drei Kompanien bestehende Trauerparade von der II. Marineartillerieabteilung und der I. Schiffsstammabteilung Nordsee mit den Spielmanns- und Musikzügen angetreten, um den Toten die letzten militärischen Ehren.zu erweisen. Nach dem Anlegen des Schiffes begibt sich der Flottenchef, Admiral Carls, in Begleitung des Kommandierenden Admirals der Nordsee, Admiral Schultze, des Feftungskommandanten von Wilhelmshaven, Konteradmiral Schrader, des Chefs des Stabes des Flottenchefs, Kapitän zur See Sch nie wind, und des Kreisleiters Meyer an Bord. Der Kommandant des Panzerschiffes „Deutschland", Kapitän 3ur See Fänger, erstattet dem Flottenchef Meldung. Dann begibt sich der Flottenchef mit seiner Begleitung zum Hindenburgturm, um bei den toten Kameraden in einer Minute stillen Gedenkens zu verharren. Nach dem Abschretten der angetretenen Besatzung des Panzerschiffes durch den Flottenchef betreten nun auch die Angehörigen über den mit Trauerflor und grünen Girlanden versehenen Laufsteg das Schiff, um die Toten zu begrüßen.
im gemeinsamen Grab die ewige Ruhe zu finden, nachdem sie auf gleichem Platz geblutet haben und gefallen sind. Der Flottenchef wandte sich dann an die Angehörigen, denen er sein tiefes Mitgefühl zum Ausdruck brachte. „Wir trauern mit euch", fo führte er aus, „aber wir bitten euch, seid mit uns zusammen stolz auf eure Söhne, stolz auf eure Brüder, macht uns damit leicht, den Verlust der Kameraden zu tragen, macht es den Kameraden leicht, wenn sie erneut in Gefahren und in den Kampf ziehen müssen mit dem Gedanken, daß, falls der Tod an sie herantreten sollte, sie wissen, wie stolz deutsche Eltern sein können, wenn sie einen Sohn trauernden Herzens hingeben müssen für das deutsche Vaterland und unseren Führer!"
Die letzte Fahn.
Nach den Abschiedsansprachen wurden die Särge von Kameraden auf bereitgestellte Kraftwagen gehoben, während die Trauerparade das Gewehr präsentierte. Durch ein Fackelspalier von Tausenden von Männern aus allen Gliederungen der Bewegung und des Reichsarbeitsdienstes bewegte sich der lange Zug der Trauerparade durch die von dichten Menschenmassen umsäumten Straßen bei feierlichem Glockengeläut aller Kirchen und unter dumpfem Trommelwirbel der Spielmannszüge zumEhren- friedhof. Drei Ehrenkompanien der Kriegsmarine gaben den toten Kameraden das Geleit. Hinter der Kraftwagenkolonne mit den Särgen folgten die Angehörigen in Begleitung der beiden Sla- tionspfarrer, dahinter die Flaggoffiziere, das Offizierkorps der „Deutschland" und eine Abordnung des Panzerschiffes Deutschland" mit den übrigen Abordnungen der See- und Landstreitkräfte der Kriegsmarine und der Luftwaffe. Abordnungen der Parteigliederungen und Verbände bildeten den Schluß. Auf dem letzten Stück des Weges zum Ehrenfriedhof loderten aus den auf hohen Pylonen ruhenden Opferschalen die Flammen in den nächtlichen Himmel empor. Auf jedem der mit Trauerflor umspannten 31 Pylonen war der Name eines Gefallenen zu lesen. In nächtlicher Stille wurden dann die Toten neben den Helden vom Skagerrak und von der Doggerbank in die Gruft gesenkt. — Am Donnerstag um 11 Uhr findet der feierliche Staatsakt der Beisetzung statt.
Alle Verwundeten der „Deutschland" außer Gefahr.
Berlin, 16. Juni. (DNB.) Nach Meldung des Kommandos des Panzerschiffes „Deutschland" ist das Befinden al le y. Verwundeten, auch der zur Zeit noch im englischen Militärlazarett in Gibraltar befindlichen, zufrieden st el- l e n d. Nach menschlichem Ermessen besteht bei kei-' dem der Verwundeten noch Gefahr, auch dürften voraussichtlich kaum noch wesentliche Gesundheitsschädigungen Zurückbleiben.
Abschied von den Kameraden.
DesKommandanlen lehlerGrnß.
Inzwischen nahm die Besatzung auf dem Achterschiff Aufstellung, um sich von den toten Kameraden zu verabschieden. Mit bewegter Stimme nimmt dann der Kommandant der „Deutschland", Kapitän z. S. F a n f e r, das Wort zu einer Abschiedsansprache, in der er ausführt:
„Meine toten Kameraden! In dieser letzten Stunde, in der ihr hier auf eurem Schiff, das ihr alle so geliebt habt, mit euren Kameraden versammelt seid, will ich als Kommandant mit euch noch einmal Zwiesprache halten. Gesund, lebensfroh, einsatzbereit seid ihr damals am 10. Mai hinausgefahren mit eurem Schiff in die spanischen Gewässer, jederzeit dienstbereit, jeder von euch immer auf feinem Posten stehend, untadelig, pflichtbewußt und treu seinen Dienst verrichtend. Bis an jenem schwarzen 29. Mai ein harter Schlag euch aus unserer Mitte riß. Gemäß dem Befehl des Führers haben wir euch nun heimgebracht auf eurem Schiff zu euren Lieben in eurer deutschen Heimat, und morgen wird nun da draußen ein Heldengrab entstehen,
weil ihr gefallen seid wie Helden. Zu diesem Heldengrab soll fortab jeder deutsche Soldat wallfahren: Wir, die wir mit euch hinausgefahren sind, und die, die noch nach euch kommen, um euch immer wieder zu ehren, die ihr in der Blüte der Jugend gefallen seid für unser Volk und Vaterland, das gelobe ich euch als euer letzter Kommandant."
Der Flottenchef spricht.
Dann sprach der Flottenchef, Admiral Carls. „Oftmals", so führte er aus, „wenn Schiffe aus Spanien zurückkamen, habe ich ihnen meinen Willkommensgruß entgegengerufen. Wenn ich ihn heute auch wieder entgegenrufe;-ifl er noch inniger gemeint. Mein Willkommensgruß gilt der ganzen Besatzung, er gilt den Toten, denen, die im Dienste des Reiches, im Dienste des Führers, geblutet haben, gilt auch all denen, die ihre Pflicht und Schuldigkeit getan haben in schwerer Stunde bis zum letzten Augenblick. Unsere Kameraden sind gefallen für die Ehre der deutschen Flagge, für die Ehre Deutschlands, für unseren Führer. Auf Befehl unseres Obersten Befehlshabers sind sie heute heimgekehrt auf deutschen Boden, um in deutscher Erde
daß Blum nach wie vor auf seine Mehrheit in beiden Kammern zählen kann, wenn er den Senat mit nötiger Rücksicht behandelt
Die Opposition ist geteilt und beschränkt sich noch immer auf eine, wenn auch sehr scharfe, so doch hauptsächlich negative Kritik. Manche Parteien der Mitte sind sich nicht darüber im klaren, ob sie den Sturz L6on Blums und die Beseitigung der Volksfront auf alle Fälle anstreben sollen oder nur unter der Voraussetzung, daß die Radikalsozialen und vielleicht sogar die Sozialdemokraten zu einer tragfähigen Front der Mitte bzw. einer linken Mitte bereit wären. Das Ausweichen der Mittelpartei vor dem Aufruf des Abgeordneten D o r i o t zur Schaffung einer Freiheitsfront gegen den Bolschewismus ist sehr bezeichnend für diese Einstellung. Der Gedanke, daß Frankreich seiner Entwicklung nach stets zu einer gemäßigten Regierung der Mitte zurückfinden werde, selbst wenn es vorübergehend zum Ausgleich untragbarer Zustände sich weiter nach links oder rechts entwickeln sollte, liegt dieser Ueberlegung zugrunde. Hinzu kommt bei vielen Abgeordneten der Wunsch, wieder oder auch einmal eine Rolle zu spielen, und es ist bekanntlich einträglicher, das Zünglein an der Waage zu sein, als in einer großen Front gleicher unter vielen zu sein. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Radikal- sozialen und besonders einige ihrer Führer für den Fall revolutionärer Unruhen oder eines Zusammenschlusses zwischen den Marxisten und Kommunisten Besprechungen mit Vertretern der Mittelpartei über ein Kabinett zur Sicherung des Mittelstandes unter der Hand verhandelt haben. Bisher fehlt diesem Plan aber noch die notwendige Dynamik. Die wiederholt angeregte organisatorische Erfassung des Mittelstandes hat daher zunächst noch keinen nennenswerten Fortschritt gemacht.
Auf der äußersten Rechten ist die Einstellung gegen das Kabinett Blum allerdings deutlich. Die vernichtende Kritik ihrer bisherigen Tätigkeit und die im wesentlichen sympathisch aufgenommene Aufforderung Doriots zum Zusammenschluß gegen den Bolschewismus bringen dieses zum Ausdruck. Aber gerade in der letzten Frage ist ein Kampf um die Führung der Freiheitsfront und um die Urheberschaft ihres Planes ent» brannt. Kurz, im Parlament ist, so wie die Dinge heute liegen, für das Kabinett Blum keine sofortige Gefahr zu finden.
Man kann sich jedoch fragen, ob die Entscheidung
über die seit einem Jahr angebahnte Entwicklung nicht außerhalb des Parlaments fallen wird. Auf der äußersten Linken sind neben der kommunistischen Partei anarchistische und sonstige unkontrollierbare Elemente am Werk, um die Massen, auf die sich nicht nur die Regierung der Volksfront, sondern auch der marxistische Gewerk- schaftsverband stützt, zur offenen Revolution zu treiben. Der Gewerkschaftsverband wird auf diesem Wege ständig unter Druck gehalten und kann aus Sorge um die Erhaltung seines in einem Jahr plötzlich auf fünf Millionen gewachsenen Mitgliederbestandes gezwungen werden, einen noch stärkeren Druck auf die Regierung auszuüben. I o u° haux hat zwar in einer umstrittenen Kundgebung feine Treue zur Volksfront bekräftigt, aber fein Einfluß ist nicht allein entscheidend. Außerparlamentarisch, wenn auch gestützt auf den Rahmen zweier Parteien sind ferner die Bestrebungen, alle kommunistischen und marxistischen Elemente zu einer großen Partei zum Endkampf gegen den Kapitalismus und den Faschismus zusammenzuschließen.
Als/ Gegenstück auf der anderen Seite ist die von de la Roque geleitete Sozialpartei mit rund zwei Millionen Anhängern und die Volks- Partei Doriots zu nennen. Man glaubt vielleicht nicht mit Unrecht, daß es den Anhängern des Obersten de la Roque beschieden sein wird, sich gegenüber einem marxistisch-bolschewistischen Chaos durchzusetzen, daß aber die Führung dann von den Aktivisten um Dvriot erobert werden könnte. So weit ist es nun freilich noch lange nicht, aber es trifft zu, daß viele jüngere einsatzbereite Kräfte, die früher bei den Feuerkreuzlern zu finden waren, zu Dvriot hinübergewechselt sind, weil ihnen die Forderung de la Roques nach Sauberkeit und Anständigkeit nicht genügt. Doriot ist nicht ein Mann, der langsam und vorsichtig Truppen sammelt, und sich allmählich überlegt, was er mit ihnen gegebenen» falls tun sollte, sondern ein aktiver Kämpfer. De la Roque betont ßroar ständig, daß er weder Rechts- noch Linkspolitik treibe, aber in weiten Kreisen wird seine Bewegung doch mit dem Begriff einer gemäßigten Reaktion verknüpft. Doriots Anhängerschaft hingegen setzt sich aus ehemaligen Kommunisten und Marxisten, aus ehemaligen nationalen Freiwilligen aus dem Lager der Feuerkreuzler und aus Faschisten zusammen, ist also tatsächlich weder links noch rechts. Doriot geht ungestüm auf fein Ziel los, de la Roque überlegt beständig. Sehr be
zeichnend war es zum Beispiel, daß Doriot zu der Bildung einer Freiheitsfront schlechthin aufrief, in die er alle Gegner des Kommunismus zusammen- fassen wollte. De la Roque hingegen verlangte, daß die Freiheitsfront republikanisch würde, augenscheinlich mit der Absicht, die Kreise der Aktion Fran» ?aise auszuschließen, mit denen er früher scharfe Auseinandersetzungen hatte.
Die Front der Freiheit ist in der Bildung begriffen, wie sie ausfallen wird, läßt sich nicht übersehen, jedenfalls ist ihr unterwegs durch die vielen Zwi» schenoerhanolungen viel von der Stoßkraft genommen, die ihre Urheber erhofften. Immerhin wird sie ein Sammelbecken bilden für den Fall, daß die Frage Volksfront oder nicht, sei es im Zusammenhang mit einer plötzlichen Finanzkrise oder mit Zusammenstößen in Stadt und Land akut wird. Die Ausstellung scheint trotz ihrer Verspätung und ohne daß sie die an diese Veranstaltung geknüpften wirtschaftlichen Hoffnungen rechtfertigt, dem Burgfrieden, der zur Zeit herrscht, eine ausreichende Grundlage zu bieten. Aber was wird geschehen, wenn die „Pause" vorüber ist?
Hodzas Besuch in Bukarest.
Bukarest, 17. Juni. (DNB. Funkspruch.) Der tschechoslowakische Ministerpräsident H o d z a hat am Mittwoch seine Besprechungen mit Ministerpräsident Tatarescu und Außenminister An tone s c u beendet. Um Mitternacht reiften Hodza, Ta- tarescu und Antonescu nach Turnu Severin, wo sie am Donnerstag an Bord des Dampfers „König Carol II." gehen werden, um mit dem jugoslawischen Ministerpräsidenten Stojadinowitsch zusammenzutreffen. lieber den Besuch Hodzas wurde ein Kommunique veröffentlicht, in dem es u. a. heißt, die Unterredungen Hodzas mit den rumänischen Staatsmännern erlaubten eine vollkommene Uebereinftimmung über die verschiedenen Fragen der Politik und Wirtschaft festzustel- len. Die Lieferung von Kriegsmaterial, die Rumänien in der Tschechoslowakei bestellt hat, werden in beschleunigtem Tempo durchgeführt. Die Vereinbarungen über ihre Finanzierung arbeiten zur vollsten Zufriedenheit beider Parteien.


