innerte Lab ei an die Kämpfe der Bewegung zur Ueberwindung des Bolschewismus in Deutschland, ließ die furchtbaren Zustände unmittelbar vor der Machtübernahme vor den geistigen Blicken aller Volksgenossen wieder lebendig werden, und hob hervor, daß die Machtübernahme durch Adolf Hitler den Weg zur Aufwärtsentwicklung und zur Gestaltung einer glücklichen Zukunft des deutschen Volkes freigemacht hat. Dann wies er auf die in der deutschen Geschichte einzig dastehende Tatsache hin, daß sich das ganze Volk zu 98 v. H. für seinen Führer ausgesprochen hat und die Volksgemeinschaft tag« täglich die großen Aufbauwerke des Führers vor ihren Augen beginnen und wachsen sieht. Er würdigte dankbar die Tatsache, daß unser Volk das fleißigste Volk der ganzen Welt ist, und stellte dieser Tatsache jene soziale und wirtschaftliche Zer- rütung gegenüber, die wir heute in zahlreichen anderen Ländern vor uns sehen. Mit Genugtuung verzeichnete der Gauleiter weiter die Tatsache, daß
unsere Jugend den Führer heule immer wieder hört und ihn kennt, sein wollen dankbar empfindet und mit heißem herzen den Nationalsozialismus verlangt, um in diesem Geiste am Aufbau der deutschen Zukunft mltzuarbeiten.
Die Eltern wies er auf die bisherigen praktischen Leistungen der Jugenderziehung in der HI. hin, wie sie in vielfältiger Weise in der geistigen und seelischen Ausrichtung der jungen Menschen zutage tritt, die aber auch in ihrem handwerklichen Können und in den Handfertigkeiten ständige Förderung erfahren. Aus diesen zahlreichen eindrucksvollen Beweisen der guten Jugenderziehung in der HI. entnahm der Gauleiter den Rat an die Eltern,
ihre Kinder mit vertrauen der HI. zu übergeben, denn diese Jugend, die Jugend Adolf Hitlers, ist auf dem richtigen Wege und der wertvollste Garant für eine gute deutsche
Zukunft.
Sodann betonte der Gauleiter überzeugend die Notwendigkeit der Sicherung des gleichen Marschtrittes des ganzen deutschen V o l k e s , um den vom Führer klar vorgezelchneten Weg mit vollem Erfolg beschreiten zu können. Keiner dürfe dabei müde werden und sich etwa auf Lorbeeren ausruhen wollen. Der Lorbeer, den wir zum Kranze winden wollen, gebühre nur einem einzigen Manne: Adolf Hitler!
In kurzen Worten wies der Redner dann noch auf die großen Aufgaben und die gewaltigen Ziel- fetzungen für unser Volk durch den zweiten Vierjahresplan des Führers hin, und er betonte dabei den starken Willen der Volksgemeinschaft, alle Kräfte anzuspannen und einzu- setzen, um auch diesen Plan des Führers zu verwirklichen und unserem Volke dadurch die wirt- schaftliche Freiheit zu erringen. Unter dem stürmischen Beifall der Versammlung hob der Gauleiter hervor, daß
wir alle für die Erringung dieser großen Ziele zum Vesten unseres Volkes auch zu Opfern bereit fein müssen und bereit sind, daß aber deswegen niemand vot zu leiden braucht, sondern für die Lebensbedürfnisse aller Volksgenossen genug da ist, wenn unsere Vorräte nur immer richtig und den Jahreszeiten entsprechend benutzt werden.
In diesem Zusammenhänge richtete er einen besonderen Appell an unsere Hausfrauen und Töchter, sich bei der Haushaltführung stets den jeweiligen Gegebenheiten unserer Lebensmittelversorgung aus deutschem Boden anzupassen, da auch hierbei die Gewißheit besteht, daß jeder satt und gut ernährt werden kann. Wenn unser ganzes Volk sich so mit aller Kraft einsetzt, werden wir in jeder Richtung der Versorgungswirtschaft frei und
unabhängig vom Ausland werden, und damit wird dann das Ziel des zweiten Vier- ahresplanes in vollem Umfange erfüllt fein.
Am Schluffe seiner Rede betonte der Gauleiter unter jubelnder Zustimmung der Versammlung, daß unser Volk unter der Führung Adolf Hitlers und beschirmt nach außen hin von der durch den Führer wiedergeschaffenen herrlichen deutschen Wehrmacht vertrauensvoll und sicher, in Treue zum Führer, in friedlicher Arbeit, in unbeugsamem Willen zur Erfüllung der vom
NSG. Millionen deutscher Volksgenossen hat der Nationalsozialismus ihre Arbeitsstelle gesichert, Millionen hat er wieder Arbeit und Brot gegeben, Hunderttausende konnten ihren Arbeitsplatz wechsln und kamen wieder an die Stelle, die ihrer Ausbildung und ihrem Können entspricht. Noch ind wir nicht am Ziel, denn wir wollen erreichen, »aß jeder schaffende deutsche Mensch so leben kann, wie es seinen berechtigten wirtschaftlichen und kulturellen Ansprüchen entspricht.
Der Erfolg von vier Jahren Aufbauarbeit gibt uns die Gewißheit der Erreichung des Zieles. Bis dahin aber wollen wir alle hilfsbereit für die ein- tehen, die in der planvollen Gestaltung unseres Wirtschaftslebens noch nicht voll eingeschaltet werden konnten. Hieran mitzuarbeiten ist die Pflicht jedes Volksgenossen, dem heute der nationalsozialistische Staat seine Existenz sichert. Die Gabe sei der Dank, die jeder am 20. und 21. März der Deutschen Arbeitsfront für die Winterhilsssamm- lung gibt.
Aus den Richtlinien
für die Sammlung der DAF.
Zur Sammelaktion verpflichtet sind sämtliche DAF.-Walter, sämtliche Warte der NSG. „Kraft durch Freude", sämtliche Betriebsführer, sämtliche Vertrauensmänner und deren Stellvertreter.
Für die 7. Reichsstraßen-Sammlung kommen
Der Pflug.
Lange Monate hat er im Geräteschuppen gestanden, zusammen mit seinen Brüdern. Winterstürme gingen durchs Land, Regen schlug hart auf die Erde, Schnee bedeckte Wald und Feld. Ein leichter Rostanflug setzte sich an die blinkende Pflugschar. Müde und verdrossen sah er aus.
Da kommen nun die warmen Frühlingstage. Die Sonne hat die Erde abgetrocknet. Die Frühjahrsarbeit kann beginnen. Unruhig scharren die Pferde. Der Pflug wird aufgeladen. Er ist zu neuem Leben erwacht.
Da liegt das Feld, tiefbraun und glänzend. Ein herber, frischer Erdgeruch steigt empor. Der Pflug zieht seine erste Furche. Krähen und Stare tummeln sich zwischen den Schollen, um Regenwürmer und anderes Getier zu erhaschen. Die Pferde sind ausgeruht, und ununterbrochen reiht sich Furche an Furche.
Mit schweren Schritten stapft der Bauer hinter den Pferden, auch er freut sich, daß nun die Winterruhe vorbei ist, daß er wieder draußen im Feld seiner Arbeit nachgehen kann. Der Pflug geht tief. Am Ende des Ackers wird kurze Zeit gerastet. Der Bauer überschaut die Furchen und atmet auf. Er spürt den eigentümlichen, herben Erdgeruch, der dem
Führer gestellten Aufgaben einer großen und glücklichen Zukunft entgegenmarfchiert.
Mit stürmischem Beifall, der lange Zeit nicht enden wollte, dankte die große Versammlung dem Gauleiter. Mit großer Begeisterung.stimmte alles in den Treuegruß an den Führer ein. yead) ?)em Ausmarsch der Fahnengruppen verließ der Gauleiter unter erneuten herzlichen Grußrufen der Menge die Versammlung, die damit ihren Abschluß fand.
Deine Gabe sei dein Dank!
Am 20. und 21. März sammelt im Gau Hessen-Nassau die DAI. für das WHW.
Aus der Provinzialhauptstadt.
10 verschiedene Trachtenfiguren aus Porzellan zum Verkauf.
In den Betrieben
wird am Samstag, 20. März, im Rahmen des Möglichen ein Sonderoetrieb-Appell abgehalten; der Betriebsführer spricht kurz. Anschließend veranlassen Betriebsführer und Betriebsobmann die Durchführung der Büchsensammlung, wobei Betriebsführer, Betriebsobmann und Vertrauensrat zuerst spenden. Abzeichen können bei der Sammlung in den Betrieben ausgegeben werden. Diese Sammlung wird selbstverständlich auch in den öffentlichen Betrieben und Behörden durchgeführt.
Sammlung in den Geschäften bes Einzelhandels.
In den Geschäften des Einzelhandels wird ebenfalls die Büchsensammlung durchgeführt.
Sfrafeenfammtung.
Samstag, 20. März, 16 bis 22 Uhr.
Sonntag, 21. März, 9 bis 22 Uhr. . .
Jeder Sammler hat die Pflicht, durch dstzipll- liiertes, bestimmtes und korrektes Auftreten den Volksgenossen zur freiwilligen und freudigen Spende anzuregen.
Die Gaststättensammlung.
Es muß vor allem darauf geachtet werden, daß nicht nur die Groß-Gaststätten besucht und sogar überlaufen werden, sondern daß alle Gaststätten von den dazu bestimmten Sammlern besucht werden.
Boden entströmt. Dann wendet er wieder, langsam und gelassen, und wieder schneidet die blitzende Pflugschar, die längst vom Rostanflug befreit ist, tiefe Furchen in das Land.
Wir können uns kein schöneres Bild des erwachenden Frühlings- vorstellen, wie einen pflügenden Bauer. Da schreitet er einher auf seiner Scholle, in ernster Ruhe den Pflug haltend, den Pferden ab und zu ein aufmunterndes Wort zuwerfend. Tausend Fäden verbinden sein Denken, sein Fühlen mit der Mutter Erde. Er pflügt und sät nicht nur, sondern legt auch zahlreiche Wünsche für das Wachsen und Gedeihen in die braune Erde. Er weiß, daß er nicht allein alles machen kann, er erkennt dankbar an, wenn Gott seine Arbeit segnet. Kommen aber schwere Wetter, dann verliert er nicht die Ruhe, er beugt sich einem höheren Willen,
Welche Gedanken mögen den jungen Bauern erfüllen, wenn er zum ersten Mal den Pflug durchs Feld führt, wenn er zum ersten Mal den Samen auswerfen kann! Unwillkürlich wird diese Arbeit zu einer feierlichen Handlung.
Die Lerchen steigen zum Himmel, und die Wiesen überziehen sich mit neuem Grün, am Rain erscheinen die Gänseblümchen, und unter Hecken und Büschen blühen die ersten Veilchen.
Liese ersten Frühlingstage sind die schönsten im
g-mzen Jahre, auch für den Bauern. GrfiiKt non Zukunftshoffnungen und im Vertrauen auf Gott pflügt er seinen Acker, sät seinen Samen und freut sich im voraus auf die Ernte.
Dank des SlandorMesten.
Der Slanbodälteffe, Generalleuknank Oßwald, spricht der Bevölkerung Gießens seinen herzlichsten Dank für ihre Unterstützung und Gebesreudigkeit anläßlich des Winterhilfswerkes des Standortes am 13. und 14. Wärz aus. Durch die Einsatzbereitschaft der Volksgenossen wurde der Veranstaltung ein voller Erfolg beschieden. und ein namhafter Betrag konnte dem Whw. zugeführt werden.
Lornotizen.
Tageskalender für Mittwoch.
Stadttheater: 19.30 bis 21.45 Uhr .„Wasser für Canitoga". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Liebe geht seltsame Wege". - Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Lumpaci Bagabunbus". — Bekenntmsge- meinschast Gießen: 20.15 Uhr Dortrag von Vikar Schmandt, Gießen, im Johannessaal.
Stadllheater Gießen.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend findet die letzte Wiederholung des Schauspiels „Wasser für Canitoga" von Georg Turner statt. Spielleitung Anton Neuhaus. Die Vorstellung findet als 23. Vorstellung der Mittwoch- Miete statt. Anfang 19.30 Uhr, Ende 21.45 Uhr.
IHänner-Babeoerein 1836.
Im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes wird zur Generalversammlung am nächsten Samstag ein« geladen. Siehe heutige Anzeige.
Bon der llmversität.
Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns geschrieben: Der Führer und Reichskanzler hat den nichtbeamteten außerordentlichen Professor DL Rudolf S t a d e l m a n n zum planmäßigen außerordentlichen persönlichen ordentlichen Professor für Neuere Geschichte in der Philosophischen Fakultät der Universität Gießen und zum Direktor des Historischen Seminars ernannt
Neuer Pfarrer der Anstaltspfarrei.
Die seit dem Tode von Pfarrer Ernst Amandus. Müller verwaiste Anstaltspfarrei ist nunmehr wieder besetzt worden. Der Landeskirchenausschuß hat mit Wirkung vom 1. April den Pfarrer Adolf Grießmer in Raunheim zum Pfarrer der Kliniken und Anstalten ernannt. Der neue Pfarrer wurde am 7. November 1892 zu Staden im Kreise Friedberg geboren und wurde nach beendetem Stu« dium und Aufenthalt auf dem Predigerseminar zu Friedberg am 25. Oktober 1921 Assistent zu Michelstadt im Odenwald. Am 22. November 1922 wurde er zweiter Pfarrer zu Beerfelden und kam am 28. Januar 1929 nach Raunheim am Main.
Auch die 11-, 12- und 13jährigen jetzt ins Jungvolk.
NSG. Nachdem zur Erfassung des Jahrgangs 1927 im Deutschen Jungvolk alle Zehnjährigen durch die Schulen in den Besitz der Aufnahmescheine gelangt sind, finden gegenwärtig in allen Standorten die Voruntersuchungen statt und die neuen Einheiten werden ausgestellt. Der Einführungsdienst
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Schuhcreme ö
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Das Mädchen mit dem Gilberhaar.
Roman von Anny von panhuys.
30. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Berthe!, hältst du so dein Versprechen? Wolltest du nicht zufrieden sein, wenn ich dich gern hätte? Wolltest du nicht geduldig auf meine Liebe warten?"
Sie schlug die Hände vor das Gesicht, holte keuchend Atem und stieß schluchzend hervor: „Weshalb quälst du dich und mich? Ich bin ja schon ganz wirr im Kopf. Ich möchte nur Ruhe und Stille! Möchte den Lärm nicht mehr hören hier und die Scharen von Menschen nicht mehr sehen, die mir alle vorkommen wie müde Zugtiere. Und das mit der Liebe, was soll ich darauf antworten?" Sie ließ die Hände vom Gesicht fallen. „Ich sagte dir damals in allem die Wahrheit, ehe mich deine Mutter fragte, ob ich deine Frau werden wollte, und du kannst es mir glauben: Ich habe dich mehr als gern, Berthe!. Das andere, was mich hier wieder quält, nachdem ich erfahren, wo er lebt, das wird wieder still werden. Laß mir doch Zeit, Berthe!, erst wieder ganz ruhig zu werden! Die Bilder mit dem Diadem, die Erinnerung an meine Mutter hier, alles kam zusammen. Das eine aber weiß ich heute schon: Günther Grevenstein könnte mir von Liebe sprechen, ich bliebe bei dir. Sieh, es ist doch schon jetzt ein Unterschied in meinen Gefühlen. Grevenstein bedeutet für mich Unruhe und falschen Glanz, du bist Frieden und Echtheit."
Sie hob ihre Arme. „Berthe! hab' Geduld mit mir! Ich spüre es deutlich, nur noch irgendein Hindernis ist zu überwinden, ein kleiner Berg, über den man weg muß, um geraden Weg zu gewinnen. Habe Geduld, du allerbester Mann, laß Paris erst hinter uns liegen, daheim kommt dann vielleicht das große Glück."
Er schämte sich schon seiner Heftigkeit von vorhin und nahm ihre Hände, küßte sie. „Fränze, verzeih mir, ich bin ein selbstsüchtiger Kerl. Sei ruhig, ich kann und will warten. Aber das sage ich dir: Im Augenblick, wo du mir erklärst, daß mir dein ganzes Herz gehört, stoße ich einen solchen Freudenschrei aus, daß man's wer weih wie weit hört!"
Sie mußte lachen, und damit war die Stimmung wiederhergestellt.
Franziska lehnte sich wie schutzbedürftig an seine Schulter und er schlang die Arme um sie, hielt die
blonde Frau fest, ganz fest, als hätte er Angst, man könne sie ihm entreißen.
23.
Das Telephon des kleinen Hotelsalons meldete sich. Berthold Radix nahm den Hörer ab. Am Apparat war der Graf. Franziska, die im Nebenzimmer war, hörte ihren Namen sagen: „Einen Augenblick, bitte, ich möchte erst mit meiner Frau darüber reden." '
Gleich darauf kam ihr Mann zu ihr, erklärte ihr: „Der Graf möchte uns beide sprechen. Es handelt sich um das Diadem, er sagte, ihm sei noch etwas Wichtiges eingefallen, was er uns mitteilen möchte. Ob wir zu ihm in die Rue de Grenelle kommen wollten, wir wären dort ungestört, da sein Sohn mit seiner Verlobten das Theater besuchen wollte; halb neun Uhr würde es uns erwarten."
„Könnte er nicht Herkommen?" fragte Franziska.
Er wollte schon wieder eifersüchtig auffahren: Fürchtest du dich so sehr, Günther Grevenstein zu begegnen?" Aber er besann sich noch und anwor- tcte nur: „Der Graf betonte eigens, wir wären bei ihm ungestörter, und es scheint sich wirklich um etwas sehr Wichtiges zu handeln. Ich habe jetzt die feste Ueberzeugung, daß seine plötzliche Fassungslosigkeit mit dem Diadem zusammenhängt."
Franziska entschloß sich: „Gut, dann fahren wir zu ihm, aber sage ihm gleich, daß wir vorher hier im Hotel Abendbrot essen, dann brauchen wir uns bei ihm nicht lange aufzuhalten." '
Berthold Radix gab dem Grafen Antwort, und Punkt halb neun Uhr fuhr eine Taxe vor dem Palais Rethel vor.
Der Graf führte die Besucher in eins der Zimmer — es war das, in dem die Bilder seiner Eltern hingen —, und, nachdem er Platz genommen, erklärte er: „Ich habe heute nach Ihrem Weggehen noch eine böse Stunde durchgemacht. Ich wollte mit allem, was mich quälte, allein fertig werden, aber ich schaffte es nicht, und nun will ich Ihnen beiden die Wahrheit über das Diadem erzählen. Ich muß es einfach tun." Er lächelte schwach. „Man lieft zuweilen von Menschen, die auf dem Totenbett noch irgendeine schwere Schuld eingestehen und wundert sich dann, warum sie mit einem Male nicht mehr für sich behalten, was sie oft jahrzehntelang verschweigen konnten. Die Einleitung berührt Sie ein bißchen merkwürdig, nicht wahr? Ich begreife es, aber ich möchte damit sagen: Mir geht es fast ebenso, wie jenen Leuten, die auf dem Totenbett bekennen. Ich bin zwar leidlich gesund und habe noch gar kein Verlangen zu sterben, aber mick bedrückt allerlei, und das muß ich loswerden. Er richtete sich im Sessel auf. „Die Vorrede war schon zu lang, deshalb muh die eigentliche Erzählung ober richtiger Beichte um so kürzer werden. Also: Ich sagte Ihnen beiden heute nicht die Wahrheit. Das Diadem, das sich im Besitz der Mutter der gnädigen Frau befunden hat, ist sicher dasselbe Diadem, das man auf den Bildern der Gräfinnen Rethel sieht. Er zeigt auf das Bild feiner Mutter. „Das Diadem erbte mein Sohn von meiner Mutter, und ich händigte es ihm bei feiner Volljährigkeit aus. Ich war bisher davon überzeugt, daß er es verkauft hätte, um sich Geld zu verschaffen, und kam nie auf die Vermutung, er könnte es verschenkt haben, wie es sicher geschah. Er wird es wohl einer Dame, die er gut kannte, aegeben haben. Sie hatte das gleiche silberblonde Haar wie die gnädige Frau, und solche
Augen hatte sie auch. Nur einmal war sie bei mir, ein einziges Mal, aber ich vergesse sie nie." Seine Stimme mürbe immer schwerfälliger. „Sie sagte
mir, ich sei an allem Unheil schuld! Es war kurz nach dem Begräbnis meines Sohnes, und sie verließ mich kalt und feindselig. Ich hörte dann nichts mehr von ihr, erführ aber, daß sie nach Deutschland, wo sie herstammte, zurückgekehrt sei."
Für Franziska Radix war es nicht schwer, zu erraten, wer die Frau gewesen. Sie fragte scharf: „Und was hatten Sie getan, daß meine Mutter Ihnen sagen konnte, Sie seien an allem Unheil schuld?"
„Ich glaubte nur an eine vorübergehende Liebschaft meines Sohnes, wenn ich immer wieder von Bekannten erfuhr, daß er hier und dort mit einem schönen blonden Mädchen zusammen gesehen worden fei. Ich hatte ihm eine sehr reiche junge Dame ausgesucht, die er heiraten sollte, also durfte er sick nicht mehr mit der Blonden so öffentlich zeigen. Ich stellte ihn zur Rede, ich machte ihm Vorwürfe, und schließlich kam ein Tag, ein ganz verfluchter Tag. Mein Sohn und ich gerieten wieder einmal wegen der Blonden aneinander. Und da erklärte er mir, ich müsse sie als seine Gattin anerkennen, er habe sich schon vor beinahe Jahresfrist mit ihr in London trauen lassen, gelegentlich einer aus anderen Gründen vorgeschobenen Reise, und es wäre Pflicht, endlich mir die volle Wahrheit zu sagen, denn feine geliebte Frau erwarte bald die Geburt eines Kindes. Ich verwünschte seinen Leichtsinn, wie ich seine Handlungsweise nannte, ich schrie ihn an, daß ich diese Frau nie und nimmer als Gräfin Rethel anerkennen würde und gab ihm den Rat, er solle nur gleich die Uniform ausziehen. Seine Vorgesetzten dürften seiner heimlichen Ehe wahrscheinlich nicht genügend Verständnis entgegenbringen. Er verließ mich in furchtbarer Aufregung und muß bann unterwegs so von Sinnen gewesen sein, baß er nicht mehr wußte, joas er tat und wo er sich befand. Ein schwerer Autobus fuhr ihn an, er stürzte und erlitt einen derartig harten Schlag, daß er auf der Stelle tot war."
Graf Rethel atmete tief und schwer.
„Ich glaubte, recht gehandelt zu haben; aber als man mir dann meinen Sohn tot ins Haus brachte, wandte sich mein ganzer Zorn, um mich nicht selbst antlagen zu müssen, der Frau zu. Ich kümmerte mich nicht um sie, bis sie nach dem Begräbnis zu mir kam und mir sagte, ich trüge die Schuld an dem ganzen Unheil. Sie verschwand bann, wie ich bereits sagte. Ich fand später im Schreibtisch meines Sohnes den Trauschein, aber da war die blonde Frau wohl schon fort. Es schien übrigens niemand etwas von der heimlichen Ehe zu wissen, doch rechnete ich immer damit, daß sich die Frau meines Sohnes noch eines Tages melden würde. Aber sie schwieg, und ich forschte nicht nach ihr."
Er sprach jetzt immer rascher, als könne er nicht schnell genug fertig werden. „Die ersten Jahre danach lebte ich als verbitterter vereinsamter Mensch, aber bann kam Sehnsucht nach Vergessen über mich. Ich würbe der, ber ich früher gewesen, und blieb es bis jetzt. Als ich bie Verlobungskarte las, die mir Herr Direktor Radix gesandt, stutzte ich bei dem Namen Karsten, denn der Name stand auch auf
dem Trauschein, und der Geburtsort ber blonben Frau war dieselbe Stadt, in ber sich die Radix- werke befinden. Ich hoffte aber, es handle sich nur um eine Namensgleichheit, wie sie oft vor- kommt." Seine Hände bebten. „Nun lernte ich aber die gnädige Frau kennen, und, ob ich wollte ober nicht, ich sah zugleich die Frau meines Sohnes im Geiste neben ihr. Doch auch da wollte ich noch nicht glauben, was doch schon so klar erwiesen war. Ich floh förmlich vor ber Wahrheit, täuschte mein Gewissen mit scheinbaren Gegenbeweisen, bis Sie heute beide zu mir tarnen unb nach bem Diadem fragten. Da brach aller Wiberstand in mir zusammen. Ich glaubte jetzt meinen Sohn neben ber jungen Frau zu sehen, wie ich anfangs ihre Mutter neben ihr zu sehen vermeinte. Dennoch wollte ich noch weiter für mich behalten, was ich wußte, aber nachbem Sie fortgegangen, befiel mich wilbe Der« zweiftung." Er preßte die Hänbe auf das Herz. „Hier hämmerte es rafenb, unb mein Kopf schmerzte zum Zerspringen. Da lief ich an das Telephon und bat um Ihren Besuch." Er schien völlig erschöpft. „Sv, nun wissen Sie alles. Es ist die volle Wahrheit."
Er sah Franziska beinahe flehend an.
„Ihre Verzeihung wage ich nicht zu erbitten, aber ich darf Ihnen wohl den Trauschein Ihrer Ettern geben, gnädige Frau. Ihr Name auf den Verlobungskarten war somit ein Irrtum; Sie sind eine Komtesse de Rethel."
Er entnahm seiner Brieftasche ein zusammenge- faltetes Papier und reichte es ihr mit bittendem Blick.
Franziska hatte bisher still bagefeffen. Nur ihre leicht geöffneten Lippen und die vorgeneigte Haltung verrieten ihre Spannung. Auch jetzt sprach sie noch nicht, faltete aber das kleine Dokument auseinander und überzeugte sich, daß ihre Mutter mit bem Grafen Rethel in Lonbon vor beinahe breiunbzwanzig Jahren getraut worben war.
Heiße Tränen über bas Schicksal der Mutter brannten in ihren Augen, aber hier mochte sie nicht meinen.
Berthold Radix nahm ihr sanft bas Dokument fort, warf einen Blick barauf unb steckte es bann sorgfältig ein. Er beteuerte: „Es soll in Deutschlanb meine erste Aufgabe fein, deiner Mutter noch nach ihrem Tode ihren richtigen Namen zu verschaffen unb dir deinen rechtmäßigen Geburtsnamen zu geben, meine Fränze." Er erhob sich, zog feine Frau empor. „Nun wollen wir gehen, Fränze. Ich glaube, du wirst jetzt das Verlangen nach Ruhe haben."
Der Graf erhob sich ebenfalls, aber mübe unb schwerfällig.
„Ich darf Sie nicht auffordern, länger zu bleiben, unb ich darf Sie nicht einmal um das kleinste freundschaftliche Wort bitten, denn ich verstehe voll« kommen, daß Sie mich scharf verurteilen mflffen. Ich bitte, mich meiner Stellung zu entheben, denn auf den Platz eines Rabixvertreters gehöre ich nicht mehr."
(Fortsetzung folgtI)


