Kr.64 Dritter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Mittwoch, 17. März M7
GauleiterSprenger spricht zu den Giern und derZugend in Gießen
Eine bedeutsame Massenkundgebung der HZ. in der Volkshalle.
Wir verlangen, daß alle sich in diesen Rahmen einfügen, den der Führer gezogen Hal. wir werden vom Staat und von der Partei aus die christlichen Bekenntnisse schuhen. Alle die guten Willens sind, müssen dem beitreten. Wenn der Führer aber mit den Machtmitteln des Staates
itt
Der Gauleiter schreitet vor der Volkshalle die Fror der Gießener Hitler-Jugend ab. (Aufnahme: Neur
Gießen hatte am gestrigen Dienstag wieder einmal ein großes politisches Ereignis zu verzeichnen: Der GauleiterReichsstatthalterSprenger sprach hier in der Volkshalle. Die Vann- und die Jungbannführung 116 hatten zu einer Großkundgebung aufgerufen, die einen Besuch aufzuweisen hatte, wie wir ihn bisher nur bei ganz großen Gelegenheiten in solcher Stärke feststellen konnten. Die Volkshalle war bis zum letzten Platz besetzt; schätzungsweise mögen es rund 5000 Männer und Frauen, Jungens und Mädels gewesen sein, die sich versammelt hatten, um den Gauleiter zu der Elternschaft und zur Jugend über den bevorstehenden Eintritt eines neuen Jahrgangs von Buben und Mädels in das Jung
volk und damit in die Gefolgschaft des Führers sprechen zu hören.
Die große Versammlung zeigte wieder das gewohnte würdige und eindrucksvolle Bild der Massenkundgebungen der Partei, das schon für sich allein den Besuchern lange im Gedächtnis bleiben wird. Neben denführendenMän- nern derPartei und ihrer Gliederungen waren auch viele Offiziere der Wehrmacht und die Vertreter der Behörden erschienen. GauleiterSprenger, der kurz vor dem feierlichen Einzug der Fahnengruppen inBegleitung des Kreisleiters Dr. Hilde-
t der Ehrenformationen brandtdie Volkshalle beer, Gießener Anzeiger.) treten hatte, wurde von denVolksgenoffen mit lebhaften Heil-Rufen herzlich begrüßt. Unmittelbar anschließend wurden die Fahnen feierlich in die Halle getragen. Dann wurde den Tausenden von Männern und Frauen, Buben und Mädels ein Wort des Führers vom Nürnberger Parteitag in die Erinnerung zurückgerufen. Hierauf richtete der Führer des Bannes 116 der HI., Bannführer Heim, herzliche Grußworte an den Gauleiter, der zur großen Freude der Gießener wieder einmal hier spreche, ebenso begrüßte er die Vertreter der Partei, des Staates, der Wehrmacht und schließlich die große Masse der Gießener Volksgenossen, die auch bei dieser Gelegenheit durch ihren außerordentlich starken Besuch wiederum ihre enge Verbundenheit mit der Partei und der HI. bekundete.
Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger
empfing bei seinem Erscheinen auf der Bühne vor seiner Rede erneut den herzlichen Gruß der Versammlung, die ihm mit begeisterten Heil-Rufen und Händeklatschen zujubelte. In seiner etwa einstün- digen Rede erinnerte er zunächst an den bevorstehenden Geburtstag des Führers, der allen zehnjährigen Jungens und Mädels die Aufnahme in die Gemeinschaft des Führers durch den Eintritt in das Jungvolk bringen wird. Der Gauleiter erinnerte an den Willen des Führers, die ganze deutsche Jugend in der HI. zusammenzufassen, er wies aber auch darauf hin, daß der Reichsjugendiübrer trotz des Gesetzes über den Eintritt der I' ^d in die HI. vom 1. Dezember 1936 den fr lligen Beitritt der Jungens und Mädels beb s in den Vordergrund gestellt hat, um dadurch den alten Grundsatz der HI., die freiwillige Gefolgschaft für den Führer, besonders zu betonen. Der Gauleiter gab seiner Hoffnung Ausdruck, daß auch diesmal wieder
die deutsche Jugend, wie schon vor dem genannten Gesetz, freiwillig hundertprozentig zu den Fahnen des Führers stoßen wird.
Er betonte dabei, daß dieser Entschluß den Eltern und unserer Jugend nicht mehr schwer wird, denn beide sehen nicht nur die Vorbilder im nationalsozialistischen Wirken für unserVolk, sondern sie sehen auch die vielen großen Taten des Führers. Den Eltern rief der Gauleiter die große Aufgabe und das heilige Vermächtnis in Erinnerung, d i e Jugend zu lenken und zu leiten, ihr den richtigen Weg zu zeigen, sie zu begeistern
und anzufeuern und ihr immer wieder unsere große Zeit mit der Verlebendigung der Weltanschauung des Führers zu verdeutlichen und klar vor Augen zu stellen. In diesem Zusammenhänge lenkte der Gauleiter den Blick seiner Hörer kurz auf den grundlegenden Wandel der Dinge in der Geltung Deutschlands im Kreise der Völker hin, wo durch den Führer Adolf Hitler und den Marschtritt seiner Kolonnen unser herrliches Deutschland wieder zu einer hochgeachteten Stellung gelangt ist.
Bei einem kurzen Rückblick auf die Ereignisse im Leben des deutschen Volkes innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte erinnerte der Redner an die herrlichen Siege unserer deutschen Heere an allen Fronten des Weltkrieges, er ließ in den Herzen seiner Hörer den Schmerz über den unglücklichen Kriegsausgang wieder lebendig werden, rief den marxistischen Dolchstoß in den Rücken der kämpfenden Front und den Schandvertrag von Versailles, sowie die Vergiftung der deutschen Volksseele durch den Marxismus wieder ins Gedächtnis zurück und ließ auch den furchtbaren deutschen Niedergang in den Nachkriegsjahren vor dem geistigen Auge der älteren seiner Zuhörer wieder aufleben. Mit höchstem Stolz und im Gleichtakt mit den Herzen der Hörer erinnerte der Gauleiter daran, daß in jener furchtbaren deutschen Notzeit
dem deutschen Volke in dem Führer Adolf Hitler der Schmied des wuchtigen Instruments zur Wiedererlangung der deutschen Ehre und Freiheit erstand, der in zehnjährigem Kampfe die Seelen der deutschen Menschen gewinnen
konnte, weil er die deutsche Weltanschauung verkündete: den Nationalsozialismus,
eine Weltanschauung, die so weit gespannt ist, daß für die Geistesfreiheit des einzelnen überall Raum genug vorhanden ist, ebenso für den Aufbauwillen aller, die durch ihre Mitarbeit das Leben des Volkes fördern und befruchten wollen. Dann betonte der Gauleiter mit Nachdruck, daß im Geiste dieser weitgespannten, großen nationalsozialistischen Weltanschauung die Jugend in der Hitler- Jugend nach dem Willen des Führers erzogen wird. In diese Weltanschauung passen auch alle diejenigen hinein, die zu ihrem Herrgott stehen. In diesem Zusammenhang erklärte der Redner mit Entschiedenheit:
die christlichen Bekenntnisse schützen will, bann kann er auch verlangen, daß der Nationalsozialismus und die Partei als Staatsträgerin anerkannt werden, hier fühlen wir uns eins mik dem gesamten deutschen Volke, und in diesem Rahmen kann auch die Jugend die Wege gehen, die ihr vom Elternhaus und von der HI. gewiesen werden.
Sodann erinnerte der Gauleiter an die schweren Prüfungsjahre unseres Volkes, mit dankbaren Worten gedachte er aber auch der Tatsache, daß unser Volk unter der Führung Adolf Hitlers die Kraft aufgebracht hat und anwendet, die zum Wohle der Volksgesamtheit eingesetzt wird. Er er-
Tmppenvereidigung auf -em Gleiberg.
Flaggenhissung vor der Vereidigung. — (Aufnahme: Pfaff, Gießen.)
'n.
Gestern mittag fand auf dem Gleiberg die Feier der Vereidigung des neuen Lehrganges des E. - Bataillons J.-R. 116 Gießen statt. Unter den Klängen des Präfentiec- marsches schritt der Kommandeur des E.-Batail- lons 116, Major Junker, begleitet von dem Hoheitsträger, Kreisleiter
Dr. Hildebrandt, die Fronten ab.
Der evangelische Divisionspfarrer A u s f e l d sprach dann Worte über den Spruch aus dem Buchs der Könige: „Sei getrost und sei ein Mann!" über den von Gott gegebenen Beruf des Soldcuen und ermahnte die zu Vereidigenden, es jenem von Albrecht Dürer dargestellten Ritter gleich zu tun, der
Tod und Teufel nicht fürchtet, da ihm die Burg die ewige Heimat entgegenleuchtet. Nach dem Gebet leitete ein Choral über zu der Ansprache des katholischen Divisionspfarrers Dr. H e m m e s , der von der reichen Geschichte des Gleibergs ausgehend an die Allmacht und Allwissenheit Gottes erinnert, vor dem die hier angetretenen Männer den heiligsten Eid des Soldaten abzulegen haben. Er ermahnt sie, als Soldaten Vorbild zu sein und sich in ihrer Treue nicht übertreffen zu lassen. Das trutzige Freiheitslied Ernst Moritz Arndts: „Der Gott, der Eisen wachsen ließ", beschloß die Ansprachen.
Dann trat der Bataillonskommandeur Major Junker vor seine jungen Freunde und Kameraden und gab mit Arndtschen Dichterworten der Freude über die vor zwei Jahren wiedererrungene Wehrhoheit Ausdruck. Er würdigte die Tat des Führers, deren ganze Tragweite zu ermessen der Zukunft vorbehalten bleiben muß. Im hohen Gedankenfluge schilderte er die durch eine jahrhundertelange Entwickelung gewachsene deutsche Kultur, wobei er auch an jene Zeiten des Widerstreites der deutschen Geschlechter erinnerte, deren Luft uns heute noch auf dem Gleiberg entgegenweht. In unseren Tagen einer aktiven Schicksalsgestaltung, in dem Kampf um die Geltung in der Welt, spielt diese Kultur einen erheblichen Machtfaktor und ist unser stärkster Verbündeter. Kultur und Soldaten gehören zusammen und an den großen Vorbildern bis in unsere Tage hinein ließ Major Junker die
großen Beiträge deutscher Soldaten zur Kultus verständlich werden. Auch Hindenburgs und Ludendorffs Plan der Siegfriedstellung, die die deutsche Armee am 16. März 1917 bezogen hatte und an der der mächtige Aufmarsch der Feinde zum Stillstand kam, war ein solcher unerhört großer Beitrag zu jenem Kulturschaffen, das den Waffentechniker über den Militär erhebt und zum wahren deutschen Soldatentum bringt, dem jeder einzelne Soldat zustreben muß. Wie 1917 im Westen, so gilt es auch heute nach einem Ausspruch des Generalfeldmarschalls v. Blomberg, der ein Regimentskamerad des Majors Junker ist, an die schwerste Aufgabe heranzugehen, „die gewonnene Stellung nun auch zu halten!" In diesem Sinne forderte der Bataillonskommandeur die Mannschaften auf, an sich zu arbeiten und nach dem Sieg den Helm fester zu binden!
Dann trat der Ehrenzug unter das präsentierte Gewehr, die Offiziere traten vor die Front und auf ihre Degen schwuren die Rekruten den Treueid zu Führer und Volk, wie er ihnen vorgetragen wurde. Was die Soldaten geschworen hatten, das bekräftigten sie durch den Treugruß an den Obersten Führer der Wehrmacht, den Führer des deutschen Volkes und Kanzler des Dritten Reiches Adolf Hitler. Die vom Musikkorps vorgetragenen Nationallieder beendeten den Weiheakt.
Gießener Konzertverein.
HL Orchesterkonzert.
Die Wiedergabe von Schumanns a-moll = Konzert butd) Lubka Kolessa begegnete allerstärkstem Interesse von seiten der Hörer. Dafür sprach der nicht endenwollende Beifall; immer wieder mußte sich Lubka K o l e s s a zeigen, und sie tat es Hand in Hand mit dem Dirigenten, Professor T e m e s v a r y , der der Künstlerin mit seinem feinsinnig angepaßten Orchesterpart Klavier und Orchester zu einer idealen Klangeinheit werden ließ und in den Tuttisätzen den Gesamtstimmungsverlauf vorzeichnete.
Zu wiederholten Malen hat Lubka Kolessa uns Proben ihres großen Könnens gegeben. Die Entwicklung der vergangenen Jahre hat sie um ein gehöriges Stück weiter gebracht mit einer Vertiefung der Auffassung, der nichts mehr unerschlossen bleibt; und das nicht nur, was die Gliederung und Durchdringung des Musikalischen anbetrifft, sondern sie stößt jetzt bis zum letzten Hintergrund vor und läßt das Urerlebnis des Schaffenden unmittelbare Realität für den Hörer werden. Wie sie beispielsweise das Kopfthema des ersten Satzes in seiner mehrfachen Wiederkehr jedes Mal mit einem neuen Gefühlston durchwehte, das ist eben nicht nur durch Studium, sondern durch eindringendes Erleben möglich. Das Andante war schwärmerisch durch- vulst, voll Wärme und voll Hingegebensein an oen Urvorgang. Ihre Kantilene ist breit gesponnen, weich in der Kontur, doch nicht verschwommen. In der Kadenz fing sie die einander gegenübergestellten Themen mit charakteristischer Individualisierung auf, im Verarbeiten des Thematischen von kristallheller, technischer Klarheit, ausdrucksvollen Trillern. Das Intermezzo mit seinem Mittelsatz war ein gefühlvolles Sich-Ergehen, sein Abklingen stimmungsduftig gehaucht. Um so energischer und voller Bravour, die aber nie Selbstzweck wurde, sondern immer dem Werke diente, führte sie das Final- Rondo glanzvoll durch.
Was das Städtische Orchester im allgemeinen bei diesem Werk geleistet hatte, wurde oben schon gewürdigt. In Schuberts „R o s a m u n d e n" - Ouvertüre wurden die schweren Fermaten- Akkorde zu einem verheißungsvollen Eingangstor; die blühende Lyrik des Andante erschloß sich in Tonschönheit und weicher nachgiebiger Ausdeutung. Um so schärfer traten die Kontraste hervor. Wie nachher auch in der Symphonie, waren in dem Allegro- Teil die Uebergänge zum zweiten Thema und zur Reprise mit persönlichstem Eigenleben erfüllt. Der
Schluß dieser Ouvertüre wurde eindringlich durch die starken Krescendowirkungen.
Beethovens Zweite Symphonie ließ in der Wiedergabe durch Prof. Dr. Stefan T e m e s- v a r y aufs deutlichste die Verwandtschaft mit der Neunten erkennen, als ein persönliches Bekenntnis des Meisters, das eben diese so häufig nur formal erfaßte Symphonie darstellt. Die Einleitung erstand schicksalsbeschwert mit dem steilen Unisono-Gipfel. Die außerformalen Entwicklungsstadien waren deutlich herausgestaltet und führten dem Hörer das Ureigenste nahe. Das erwies besonders die Durchführung in ihrer Herbheit des Klanglichen. Das Larghetto war ein Schwelgen in Klangscyönheiten, ein Sich-Ueberbieten von Streichern und Bläsern an gebotener Grazie und beschwerender Innerlichkeit; gerade in dem verhältnismäßig kurzen Durchführungsteil des Satzes wurden die verborgenen Konflikte des Gefühlsablaufes durch die Kontraste kenntlich. Im Menuett waren die Bläser, vor allem das Holz, die Beherrscher des Trios, das Finale war voll innerer Spannung und rhythmischem Drängen, besonders aber sorgfältig in der Erfassung der Fermatenstellen.
Solchen Erlebnissen begegnete das volle Haus mit impulsiver Dankbarkeit.
Dr. Hermann Hering.
Münchhausen in Pommern.
Jagdabenteuer im alten Rußland.
In einem pommerschen Dorfe lebte vor etwa 40 Jahren ein alter Förster, der weit und breit als ein Meister des Jägerlateins galt. Einmal verirrte sich ein hoher Postbeamter aus Berlin, der die Postämter der Provinz inspizierte, in das entlegene Dörfchen. Er übernachtete im Gasthaus und lernte hier den alten Förster kennen, der am Stammtisch saß und von seinen merkwürdigen Erlebnissen erzählte. Da der Postrat ein großer Sonntagsjäger war, bezeigte er diesen Berichten großes Interesse.
„Ja, ja, man kann auf der Jagd seltsame Dinge erleben!" sagte der Förster ernst. „Am merkwürdigsten ging es in Rußland zu."
„So, Sie waren in Rußland?" fragte der Fremde, der das Schmunzeln der Tischrunde nicht bemerkte. „Ach, erzählen Sie doch! Haben Sie Wölfe dort getroffen?"
„Gewiß!" begann der Münchhausen. „In einem dichten Walde bei Smolensk wurde ich auf einer Schlittenfahrt von zwölf Wölfen angefallen. Ich schoß aus dem Schlitten heraus den ersten nieder. Sogleich fielen die anderen über ihn her und fraßen
ihn mit Fell und Knochen auf. Ich schoß wieder, der zweite stürzte und wurde von den anderen gefressen. So ging es fort, bis der letzte die anderen elf gefressen hatte. Dann war er so vollgefressen, daß er nicht mehr laufen konnte. Da war ich gerettet."
„Das ist wirklich sehr merkwürdig!" sagte der Herr aus Berlin.
„Ja, aber was ich Ihnen nun erzähle, ist noch merkwürdiger!" fuhr der Förster fort. „Tags darauf ging ich auf die Hirschjagd. Ich sah von weitem einen Hirsch, der auf einer Anhöhe stand. Ich schoß, die Kugel ging ihm durch den Hals und tötete einen anderen Hirsch, der tausend Schritt entfernt stand."
„Donnerwetter!" staunte der Fremde, „wirklich merkwürdig!"
„Gewiß!" gab der Erzähler zu und nahm einen tüchtigen Schluck. „Aber das Merkwürdigste kommt ja noch. Der Knall meiner Büchse erschreckte nämlich einen Bären, der auf einem Baurn saß. Er fiel herunter und brach sich den Hals. Als ich noch dabei war, ihn abzuziehen, brach ein fürchterliches Gewitter mit Blitz und Hagelschlag los. Ich kroch in einen hohlen Baurn — aber als ich drin war, merkte ich, daß ich in ein Bärennest geraten war. Die Jungen saßen darin, und nicht lange, da kam auch die Bärin den Baum heraufgeklettert und wollte hinterrücks in das Loch hinein. Schnell packte ich das gewaltige Tier beim Schwanz und schlug mit meinem Büchsenkolbön auf es ein. In ihrem Schreck kletterte die Bärenmutter wieder zum Loch hinaus und nahm mich, da ich ihren Schwanz festhielt, mit. Draußen kletterte ich am Baumstamm hinunter, während die Bärin an der anderen Seite abwärts glitt. Glücklicherweise war ich eher unten und konnte unversehrt entkommen."
Der Postrat schüttelte den Kopf.
„Teufel noch mal?" sagte er, „das ist in der Tat sehr merkwürdig. Aber — sagen Sie mal: ein Bär hat doch gar keinen Schwanz .. oder fast gar keinen!"
„Das ist es ja gerade!" schrie der alte Weidmann und schlug mit der Faust auf den Tisch. „Es war auch der einzige Bär, der jemals einen Schwanz hatte, und das ist eben das Allermerkwürdigste, was ich in Rußland erlebte." foe.
Sochslbulnacknckten
Dem Dr.-Jng. Georg I a y m e in Darmstadt ist unter Ernennung zum ordentlichen Professor in der Abteilung Chemie der Technischen Hochschule D a r m st a d t der Lehrstuhl für Cellulose-Chemie übertragen worden.
Glona-palast:
„Liebe geht seltsame Wege."
Nach einem Motiv von Scribe schrieb der Regisseur Hans H. Zerlett das Buch für einen romantischen Film, dessen Handlung in die Revolutionswirren eines mittelamerikanischen Staates führt. Die politischen Zusammenhänge, die für einen Spielfilm kaum ergiebig wären, geben nur den äußeren Rahmen für persönlichere Schicksale und Abenteuer: Hauptmann Costali, ein Gegner des soeben siegreich zur Macht gelangten neuen Regimes, roirb von einem Kriegsgericht zum Tode verurteilt, flieht und rettet sich in der Maske eines Haushofmeisters auf das Schloß einer reichen und schönen Frau, die ihn liebt und vor den Verfolgern versteckt. Dennoch gelingt es jenen, das Versteck aus- findig zu machen und den Gesuchten zu stellen. Im kritischen Augenblick, als schon alles verloren scheint, gibt ein überraschender Umschwung der Dinge dem Geschick des verfolgten Hauptmanns nicht nur dienstlich eine neue Wendung; da in dem vorausgegangenen Intrigenspiel von Flucht und Verfolgung auch die Liebe mitgesprochen hat, wie das m einem richtigen Film nicht anders zu erwarten war, endet das Abenteuer des Hauptmanns zwar friedlicher, aber nicht minder romantisch, als es begann. Costali ist Carl Ludwig Diehl; er hat hier eine Rolle, die an die Filme erinnert, in denen er feine höchst erfolgreiche Laufbahn begann: er bewegt sich und handelt auch hier mit der gleichen artigen Diskretion und der halblauten Sicherheit des Mannes von Welt, der sich auch im Kostüm eines vornehmen Haushofmeisters nur schlecht verleugnen kann. Die Tschechowa, elegante und verführerische Dame in einer phantastischen Umgebung, beherrscht mit lächelnder Liebeswürdigkeit die verfänglichsten Situationen. Fein und mit zartem, jugendlichem Gefühl gibt Karin Hardt die unversehens in ein Abenteuer nicht nur politischer Art verstrickte Delia Vigo. Das Gegenspiel wird von Edwin Jürgen- s e n (Polizeipräfekt Montefianca) geschickt und mit überlegener Leichtigkeit angeführt. Hans H. Zerlett setzte fein Drehbuch mit den gehörigen Mitteln wirksam in Szene: Liebe und Politik, Gesellschaftsspiel und Abenteuer halten sich wohlabgemessen die Waage. — (Euphono-Film G. m. b. H.)
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3m Beiprogramm: die Ufa-Wochenschau, ein Kul- turfilm „Angora-Wolle" und auf der Bühne die „Drei Florettys" in einem komischen Luftbalanee» aft, deren artistisch saubere und nicht ungefährliche Arbeit verdienten Beifall findet.
Hans Thyriot.


