Ausgabe 
16.12.1937
 
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OeutscheArbeitssront im Kreis'

-AX:

eiierau

Die Arbeit im November.

Graupen, Nudeln, Zucker, Grieß, Wurstwaren, Konserven erwünscht. Selbstverständlich werden auch alle anderen Pfundspenden entgegengenommen. Die Einwohnerschaft wird gebeten, die Spenden bereit­zuhalten.

BOM.- u.IM.-Untergau 116, Gießen.

Dienstbefehl!

Betr.: Sonderschar Segelflug- Modellbau.

Am Donnerstag, 16. Dezember, ist wieder ab 19.30 Uhr Uebungsabend auf der Dienststelle des Untergaues.

Betr.: Volkstanzgruppe.

Am Freitag, 17. Dezember, findet in der Turn­halle der Oeffentlichen Handelslehranstalt ein Uebungsabend der Volkstanzgruppe statt. Antreten 20 Uhr mit Turnschuhen.

Betr.: I u l f e i e r der M.» und IM. - Gruppenfüh/erinnen und Stabsmitglieder.

Am Samstag, 18. Dezember, um 19.30 Uhr, kommen alle Mädelgruppenführerinnen zu einer Besprechung auf die Dienststelle des Untergaues.

Die IM.-Gruppenführerinnen sind um 18 Uhr 3U einer Arbeitsbesprechung auf der Dienststelle des Untergaues angetreten.

Anschließend um 20 Uhr werden wir dann mit M.- und JM.-Gruppenführerinnen und den Stabs- mitaliedern eine Julfeier veranstalten. Nähere An­werfungen hierzu sind euch schon zugegangen.

Betr.: Eröffnung

des Reichsberufswettkampfes.

Am Donnerstag, 16. Dezember, findet im Cafe Leib die Eröffnung des RBWK. statt. Alle dienst­tuenden Scharen bzw. Gruppen treten um 20 Uhr vor dem Ccffö Leib an.

Betr.: HI. - Theaterring-Vorstellung Die kluge Närrin".

Wie bereits bekannt, findet am Montag, 20. De­zember, die 4. Vorstellung im Rahmen des HI- Theaterringes statt. Karlen hierzu müssen unbedingt bis Freitag, 17. Dezember, am Untergau abge- holt sein.

Weihnachis-Hifforie

von Heinrich Schütz.

Am nächsten Sonntag, 19. Dezember, bringt der Kirchenchor der Gesamtgemeinde in der Johcmnes- kircbe Heinrich Schützens Weihnachtshistorie zur Ausführung. Es ist eines der der letzten Werke des großen deutschen Musikers und eines seiner größten.

Eine kurze Sinfonie, die Geburt darstellend, leitet es ein. Das folgende Rezitativ des Evangelisten bringt die Weihnachtsbotschaft. Man beachte die ton- malerische Ausdeutung einzelner Worte, z. B.und wickelt ihn in Windeln". Zu dem Gesang des En­gels:Fürchtet euch nicht44 spielen die Instrumente Des K'mdleins Wiegen", und aufsteigende Jnstru- mentalgänge deuten die Freude an. Bei aufmerk­samem Zuhören wird man thematische Zusammen­hänge mit dem vorausgegangenen Rezitativ bemer­ken. Ein Meisterwerk Schützscher Kunst ist:Ehre fei Gott in der Höhe". Ein sechsstimmiger Chor, in dem zu den bewegten oberen Stimmen das Friede auf Erden" der Bässe wie Glockengeläute hineinklingt. Freudia bewegte Themen in den In­strumenten, wie in den Stimmen schildern die Er­regung der Hirten über die frohe Botschaft. Ebenso treffsicher im Ausdruck ist das ruhig und würdig schreitende Motiv beim Ankommen der Weisen. Man beachte die immer wiederkehrende Figur bei dem WortStern". Sie kehrt im weiteren Verlauf des Stückes bei demselben Wort immer wieder. In be­wußten Gegensatz ist das weihevolleanzubeten" der Weisen zu dem hohnoollen des Herodes gesetzt. Köstlich ist das Quartett der Schriftgelehrten in sei­ner Gespreiztheit und Gelehrtheit. Im weiteren Ver­lauf des Werkes beachte man bei dem zur Flucht mahnenden Engel die Tempoverschiebung, wenn es

Die Kreiswaltung Wetterau der DAF. zählte im Monat November insgesamt 45 092 B e - triebsführer und G e f o l g s ch a ft s a n ge­hör i g e als Mitglieder. Auch an dieser wieder ge­stiegenen Mitgliederzahl sieht man, daß auch die letzten, bisher noch abseits stehenden Kameraden in die große Front aller Schaffenden eintreten.

Die Verwaltungsstelle zahlte im gesamten Kreis- aebiet Wetterau 875 Unter st ützungen aller Art im Gesamtbetrags von 12 378,35 Mark aus.

Die Rechtsberatungsstellen Gießen und Friedberg wurden von 1223 Betriebsführern und Gefolgschaftsangehörigen aufgesucht. Auch diesmal stellte das Baugewerbe die meisten Streitfälle.

Das Deutsche Gaststätten- und Beherbergungsge­werbe wird in Gießen im Winterhalbjahr 1937/38 den letzten Meistervorbereitungslehr- g a n g durchführen.

Das Amt für Volksgesundheit führte verschiedene Betriebsbesichtigungen und Besprechun­gen, sowie Vortragsabende durch, die insbesondere der beruflichen Erziehung der Fachschaften dienten. In Gießen wurde außerdem eine geschlossene Vor­tragsreihe für technisch Assistentinnen eröffnet.

Die Abteilung für Berufserziehung und Betriebsführung hat weitere Lehrgemein­schaften für die verschiedensten Berufe in steigender Anzahl eröffnet. Nachdem die Berufserziehungs- werke bereits in Gießen und Friedberg ihre Er­

von dem Kindlein singt, ebenso die Aufhellung der Instrumentalbegleitung, um anzudeuten, daß der Anschlaa mißlingt. Ein erschütterndes Stück ist des Evangelisten:Und er stund -auf". Den Beschluß des Werkes macht ein Wechselchor zwischen Instru­menten und Singstimmen:Dank sagen wir alle".

Ein Stück von größter Eindringlichkeit. Schütz verzichtet hier ganz auf die Polyphonie, stellt nur die Akkorde des Orchesters in Wechsel zu denen des Chores; ein Brauch, den der Meister von den Ita­lienern übernommen hatte.

Anderweitige Verteilung der Arbeitszeit anläßlich des Weihnachls- und Neujahrsfestes.

In einer Anordnung des Reichs- und preußischen Arbeitsministers wird, wie das Gewerbeaufsichts­amt Gießen uns mitteilt, folgendes bestimmt:

Eine Schließung der Betriebe von Weihnachten bis Neujahr zwecks Gewährung einer längeren Freizeit zur Erholung und Ausspannung der Ge­folgschaftsmitglieder wird im Hinblick auf die Lage des diesjährigen Weihnachtsfestes im allgemeinen nicht in Betracht kommen. Von der allgemeinen Zulassung eines über die Zweiwochengrenze des § 4 hinausgehenden Ausgleichszeitraums wird da­her in diesem Jahre abgesehen. Es bestehen indes keine Bedenken, wenn die Gewerbeaufsichtsämter auf Grund des § 30 AZO. einzelnen Firmen auf Antrag genehmigen, daß sie die zwischen Weih­nachten und Neujahr ganz oder teilweise ausfallende werktägliche Arbeitszeit über die Grenzen des § 4 hinaus in einem von den Gewerbeaufsichts­ämtern jeweils festzusetzenden Zeitraum, der acht Wochen nicht übersteigen soll, durch Vor- und Nach­arbeit ausgleichen dürfen. Voraussetzung ist hierbei, daß die anderweitige Verteilung der Arbeitszeit überwiegend im Interesse der Gefolgschaftsmitglie­der erfolgt.

Ein gutes Werk der Oberschule für Mädchen.

Von den Schülerinnen der Oberschule für Mädchen wurden auch in diesem Jahre wieder eine größere Zahl von Kleidern und Wäschestücken für Kinder und Kleinkinder in dem Handarbeitsunterricht hergestellt

Öffnung in den Jahren vorher anzeigen konnten, war es im vergangenen Monat möglich, diese auch in Bad-Nauheim und in Butzbach als eröffnet zu erklären.

Das Reichsleistungsschreiben bedeutete für den Kreis Wetterau einen ganz besonders be­achtlichen Erfolg. Von 870 gemeldeten Teilnehmern für das Wettschreiben in Kurzschrift 1937 waren 751 angetreten, von denen 621 preiswürdige Ar­beiten abliefern konnten.

Die betriebliche Berufserziehungs­arbeit schreitet ebenfalls rüstig vorwärts. Die ersten Lehrlingswarttagungen in Gießen und Fried­berg gaben den kaufmännischen und gewerblichen Lehrlingswarten einen ttefen Einblick in die grund­legende Arbeit, die auf diesem Gebiete von der Deutschen Arbeitsfront geleistet wird. Und während auf diesen ersten Tagungen die Berufsfindung und der Arbeitseinsatz vortrags- und aussprachmäßig be- handelt wurden, werden die nächsten, nun monat­lich durchgeführten Tagungen die Behandlung der Gebiete wie Berufsschule, Prüfungen, fördernde Be­rufserziehung für Jugendliche und Erwachsene, be­trieblicher und überbetrieblicher Art, Reichsberufs­wettkampf und Begabtenförderung bringen.

Die Arbeit der NS.-Gemeinfchaft ,Kraftdurch Freude" wurde durch die Berichte über die an- läßlicb der 5. Jahrestagung gegebenen Sonderver­anstaltungen aufgezeigt.

und auf Weihnachten der NSV. bzw. dem WHW. überwiesen. Lehrt eure Kinder frühzeitig, anderen Freude zu bringen und dem Volksgenossen zu helfen.

Gießener Dochenmarktpreife.

* Gießen, 16. Dez. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Deutsche feine Molkereibutter, % kg 1,57 Mark, feine Molkereibutter 1,52, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier, deutsche, Klasse B 12, Wirsing, % kg 10 bis 12, Weißkraut 6 bis 7, Rotkraut 7 bis 10, gelbe Rüben 10 bis 12, Karotten 10 bis 12, rote Rüben 10, Spinat 18 bis 20, Grünkohl 15, Rosen­kohl 25 bis 28, Feldsalat, Vio 8 bis 10, Zwiebeln, % kg 8 bis 9, Meerrettich 30 bis 60, Kürbis 5 bis 6, Kartoffeln, % kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 1. Sorte 3,45 Mark, 2. Sorte 3,25, 3. Sorte 3 Mark, Aepfel, % kg 10 bis 20 Pf., Birnen 10 bis 15, Nüsse 35 bis 50 Pf., Hähne 1 bis 1,20 Mark, Suppenhühner 85 bis 90 Pf., Gänse 1 bis 1,10 Mark, Enten 1 bis 1,20 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blu- menkohl 10 bis 50, Salat 8, Endivien 8 bis 12, Lauch 5 bis 8, Rettich 5 bis 10 Pf.

*

** Der Postdienst am kommenden GoldenenSonntag wickelt sich, mit Ausnahme des Paketdienstes, im Rahmen des üblichen ab. Eine Veränderung gegenüber den anderen Sonntagen be­steht nur darin, daß beim Postamt 1 in der Bahn­hofstraße in der Zeit von 14 bis 19 Uhr Pakete angenommen werden, außerdem am Sonntagvor­mittag in Gießen eine Paketzustellung stattfindet.

** Straßensperrung. Wegen Durchführung von Straßenbauarbeiten wird die Schubert- st r a ß e vom 17.12. ab auf die Dauer von zehn Wochen zwischen Gaffkystraße und Standortlazarett für jeglichen Fährverkehr polizeilich gesperrt.

** Ehrung der Freikorpskämpfer. Auf Wunsch von beteiligter Seite sei unserem Bericht über die Ehrung der Freikorpskämpfer nachgetragen, daß es sich bei dem unter den genannten Kameraden aufgeführten Ernst Hosch nicht um Ernst Hosch sen., sondern um Ernst Hosch j u n. handelt.

** Sterbefälle in Gießen. Es verstürben in Gießen: 2. Dezember: Elisabeth« Engeler, geb. Carle, ohne Beruf, 77 Jahre, Bruchstraße 9; Karl

Jegust, Reichsbank-Obergeldzähler, 79 Jahre, Wil« Helmstraße 53. 4.: Michael Keßler, Buchdrucker, 85 Jahre, Schiffenberger Weg 7. 5.: Friedrich Dickore, Kaufmann, 76 Jahre, Kaiserallee 34. 9.: Karl Noll, Goldschmiedemeister, 72 Jahre, Seltersweg 39. 12.: Marie Röder, ohne Beruf, 73 Jahre, Ebelstraße 4. 13.: Sophie Nicolai, geb. Krauskopf, ohne Beruf, 69 Jahre, Danziger Straße 1. 14.: Luise Koch, geb. Rohr, 71 Jahre, Ludwigstraße 32; Elisabeth Weißbecker, geb. Kämmerer, 86 Jahre, Bleichstr. 14.

** Wichtiger Fristablauf. Die Justiz- pressestelle Darmstadt meldet: Nach Artikel 5 Ab­satz 2 der Ablösungsoerordnung vom 27. Februar 1937 müssen die Gläubiger der landwirtschaftlichen Schuldenregelung die in dieser Vorschrift vorge­sehene nachträgliche Ablösung mündelsicherer For­derungen bis zum 31. Dezember 1937 bei den Ent­schuldungsämtern beantragen. Der Reichs- und preußische Minister für Ernährung und Landwirt­schaft und der Reichsminister der Justiz weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, daß mit dem 31. Dezember 1937 auch die Antragsfrist für die Entschuldung der Binnen- und Küstenfischer abläuft. In allen Bezirken, in denen eine Entschuldung der Binnen- und Küstenfischer in Bettacht kommt, kön­nen bei den zuständigen Entschuldungsämtern nähere Auskünfte eingeholt werden.

** Der Stand der Farbenphotogra­phie. Die Entomologische Vereinigung Gießen» Wetzlar hatte für den gestrigen Mittwoch abend zu einer Vorttaasveranstaltung besonderer Art in dieStadt Wetzlar" eingeladen. Dr. Klein vom Forstzoologischen Jnstttut Gießen sprach zunächst über die Bedeutung der Farbenphotographie für Wissenschaft und Forschung und ging kurz auf den Nutzen für die Entomologie (Insektenkunde) ein. Anschließend sprach Dr. Schindler (Wetzlar) über die praktische Nutzanwendung der Farben­photographie in der Wissenschaft unb bewies an Hand zahlreicher Bilder die große Bedeutung dieses Fortschrittes photographischer Technik. Schließlich aab Studienrat Kühn (Wetzlar) an Hand von schematischen Darstellungen einen Einblick in die chemischen und opttschen Zusammenhänge, die für die Farbenphotographie bestimmend sind. Eine Reihe herrlicher Bilder, von zum Teil großer Doll- komrnenheit der Farbwiedergabe, ließ erkennen, wie vielseitig die Beschäftigung mit der Farbenphoto­graphie sein kann. Vor allem sah man ausgezeich­nete Landschastsbilder als herrliche Ferienerinne­rungen, Personenaufnahmen von unverfälschter Lebensfülle und vieles andere mehr.

Rmidfmikprogramm

Freitag, 17. Dezember.

6 Uhr: Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkon­zert (Kapelle der Schutzpolizei der Freien Stadt Danzig). 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Musik am Morgen. 10: Schulfunk: Ostland wartet unserer Pflüge. Berichte aus der Aufbauarbeit des Nationalsozialismus in Ostpreußen. 10.30: Hausfrau, hör zu 10.45: Mutter turnt und spielt mit dem Kind. 11.40: Deutsche Scholle: Zusammenlegung und landwirtschaftliche Folgeeinrichtungen in den Ge­meinden des Westerwaldes. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Dem Opernfreund (Konzert). 15: Volk und Wirtschaft: Unsere Kolonien früher und heute. 15.15:Pfui, ruft da ein jeder, garst'ger Struwwel­peter!" Wir bringen heute einen Funkbericht aus einer Seifenfabrik. 16: Platzkonzert auf dem Fried- richsplatz in Kassel. Der Reichssender Frankfurt mu­siziert für das WHW. 17: Nachmittagskonzert. 18: Zeitgeschehen im Funk. 19: Nachrichten. 19.10: Jun­ger Mann versetzt sein Herz. Em Funkmärchen für große Leute. 20: Aus Helsingfors: Europäisches Kon­zert. Ausführung: Das Städtische Orchester von Hel­singfors. 21: Klänge der Heimat: Die Wetterau. Don W. Philipps. 22: Nachrichten. 22.15: Weihnachtliche Bücherecke. 22.30: Tanzmusik. 24 bis 1: Nachtmusik. Werke der Moderne.

Jiamanlen-Komödie

Vornan von Horst Biernaih.

7. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Toll! Was?" sagte Humphrey.Einfach Wild­west!" Er brachte diese Feststellung mit einem ge­wissen Stolz heraus, als Sohn eines Landes, in dem solch wilde Geschichten gewissermaßen die Butter zum Brot waren.

Carola antwortete nicht.

Er sah mit Besorgnis, daß sie blaß geworden war, ehe die Seereise noch begonnen hatte. Wahr­haftig, ganz schmal sah sie plötzlich aus und schien kaum mehr Kraft genug zu haben, das Blatt zu halten. Es entglitt ihren Händen und flatterte, vom Winde aufgewirbelt, bald zu Boden gedrückt, in Zickzacksprüngen davon.

Ein ganz ungewöhnlicher Raubüberfall . . .", suchte Humphrey jetzt zu trösten, ein wenig ver­wundert darüber, daß diese Nottz Carola so sehr auf die Nerven ging.Was haben Sie nur? Kein Mord, kein Toter, em paar lumpige Steckschüsse na, und das ist auch alles."

Geht schon vorüber", sagte sie mit einem etwas kläglichen Lächeln und strich mit den Finger­spitzen über ihre Schläfen.Ich habe schlecht ge­schlafen. Kaum drei Stunden. Der Whisky gestern und der Zigarettenqualm ..." Humphrey zog plötz­lich die buschigen blonden Brauen empor.Mo­ment!" murmelte er.Warten Sie mal! Gestern abend ... Teufel ja! Da Sie mich jetzt an gestern abend und an die »Schwarze Mamba4 erinnern, fällt mir was ein .. " Seine Augen folgten dem davonwirbelnden Extrablatt.Entschuldigen Sie mich einen Augenblick!" Er jagte in langen Sprüngen dem flatternden Papierfetzen nach ... Ein wenig atemlos, aber mit einem grimmigen Frohlocken in seinen blauen Augen kam er zurück; das Extra­blatt schwenkte er wie eine Fahne.Hören Sie zu!" rief er Carola schon von weitem zu.Für mich ist die Geschichte sonnenklar! Da lesen Sie's schwarz auf weiß: »Die Polizei teilt uns mit4 und so weiter und so weiter »seit langem be- kannter Diamantengauner4 ... Ha, was sagen

Sie dazu, Carola? Feine Gesellschaft, in die ich Sie gestern geführt habe! Oder zweifeln Sie auch nur eine Sekunde lang daran, daß Martini der Halunke ist, der die Sache hier bewichst hat! Und entsinnen Sie sich? Na, selbstverständlich ent­sinnen Sie sich, daß der Kerl um elf Uhr nachts eine telephonische Besprechung hatte! Geschäft­lich ...!"

Humphrey lachte herzlich:Alberner Bursche! Das Geschäft soll er mir mal nachweisen, das er um elf Uhr nachts abgeschlossen hat! Selbstver­ständlich hat er da seinen Spießgesellen die letzten Anweisungen erteilt .."

Carola unterbrach seine Üppig wuchernden Phan- tasien:Wenn ich mich nicht irre, Humphrey, so waren Sie gestern noch der Ansicht, Marttni hätte dieses Gespräch weniger in seiner Eigen- schäft als Diamantengauner wie Sie sich vor­hin auszudrücken beliebten geführt als vielmehr zum Behufs des Mädchenhandels. Jedenfalls erklär­ten Sie mir gestern ausdrücklich, das Gespräch hätte stattgefunden, um Sie durch einen ooraetäuschten Anruf fortzulocken und mich während Ihrer Ab­wesenheit zu betäuben, zu entführen und an den Harem des Sultans von Marokko zu verkaufen!" Ich habe kein Wort vom Sultan von Marokko gesagt!" entgegnete Humphrey heftig.

Ihr Gedächtnis hat gelitten, Humphrey! Sie haben ausführlich von Betäubungsmitteln und von Mädchenhandel gesprochen!"

Na, schön!" knurrte er gereizt.Dann suchte sich der Schurke eben ein Alibi zu verschaffen oder so was Aehnliches!" Seine Vorstellungen von einem Alibi schienen sonderbar dunkel zu sein.

Etwa mit dem Mädchenhandel?" fauchte Carola. Das ist ja Heller Wahnsinn!"

Meinetwegen auch Wahnsinn! Aber das tut gar nichts zur Sache! Eins jedenfalls ist klar: Martini war der Banditenhäuptling und hat den Trans­port überfallen!"

Und ich erkläre Ihnen feierlich, daß Ihre An­nahme völlig widersinnig ist!" behauptete Carola gegen ihre Ueberzeugung.

In diesem Augenblick heulte die Sirene am Schlot derCatharina" zum erstenmal auf. Es war das Vorsignal für die Fahrgäste, sich von ihren

Angehörigen und Freunden zu verabschieden und an Bord zu gehen.

Humphrey, der den Mund bereits zu einer ent­schiedenen Erwiderung geöffnet hatte, klappte feine Sprechwerkzeuge zusammen. Er warf einen er­schrockenen Blick auf seine ArmbanduhrDie letzte Stunde, die ich mit Ihnen zusammen war, Carola!" klagte er bestürzt.Und was haben wir in dieser letzten Stunde getan? Uns gestritten' Und alles wegen dieses verdammten Banditen!"

Kein Bandit!" sagte sie knapp und hart.

Humphrey zuckte bei diesem scharfen Ton un­willkürlich zusammen.Der Kerl ist Ihnen doch nicht etwa sympathisch?" fragte er fassungslos.

Sympathisch oder nicht sympathisch das spielt in diesem Fall überhaupt keine Rolle! Jedenfalls ist er ein Landsmann von mir. Und auch wenn er das nicht wäre, so ließe ich ihn doch von nie­mand beschuldigen auch von Ihnen nicht, Hum­phrey, solange Sie Ihre Behauptungen einfach aus der Lust greifen!"

,Aus der Luft4 nennen Sie das?" Er fchlug mit der flachen Hand gegen die Extraausgabe.Das Telephongespräch gestern um elf und die dringenden Besorgungen eine halbe Stunde später nennen Sie ,aus der Luft4?!"

»Können Sie mir nicht etwas anderes erzählen?" bat sie gequält.

Bitte ganz wie Sie wünschen!" murrte er eigensinnig.Und schließlich hab' ich ja Ihre An- schrist, so daß ich Ihnen mitteilen kann, wer von uns recht hat. Sie oder ich!" Aber seine Hartnäckig- feit brach sich rasch. Die Sirene derCatharina" heulte nämlich zum zweitenmal, und 3um zweiten­mal jagte dieses Signal ihm einen tiefen Schrecken ein.Noch fünf Minuten!" murmelte er verzweifelt.

3a, es wird hohe Zeit, daß ich an Bord gehe." Und ich hatte Ihnen noch so viel zu sagen!" stammelte er.Ach, Carola, Sie haben mir in den letzten Wochen unseres unvergeßlichen Zusammen­seins so viele Körbe ausgeteilt, daß ich nicht mehr den Mut habe. Sie in dieser letzten Minute zu einer Entscheidung drängen zu wollen. Aber Sie werden ja nun Zeit genug haben, über meine Worte nachzudenken und sie zu prüfen. Ich wünsche mir feine andere Frau als Sie! Und wenn Sie jemals erkennen sollten, daß es nicht nur Freund­

schaft, sondern noch ein wenig mehr wäre, was Sie mir entgegenbringen könnten--"

bann, Humphrey, käme ich mit dem nächsten Dampfer zurück... Auf Wiedersehn! Leben Sie wohl! Und feien Sie mir wegen dieser Antwort nicht böse, aber ich kann mich so rasch nicht ent­scheiden. Und vielleicht ist's gut für uns beide, daß mir uns jetzt trennen... Dank jedenfalls für all Ihre Freundschaft!" Sie schüttelte seine Hand, eilte über die Laufbrücke an Bord und drängte sich zwischen zwei Herren an die Reling. Der Laufsteg wurde eingezogen.

Sie werden mir schreiben, Carola!" schrie er durch den Lärm. Zum letztenmal heulle die Dampf­sirene.

Schreiben auch Sie oft, Humphrey!" rief Carola mit aller Lungenkraft herüber.

Ich glaube, wir haben's geschafft, Ferguson!* sagte der Herr, der neben ihr stand, über Carolas Kopf hinweg.

Gute Fahrt! Glückliche Reffe!" brüllte Humphrey.

Die Schrauben derCatharina" wühlten das braune Hafenwaffer auf und zerrissen die bunte Oeldecke. Aus dem Schlot des Dampfers puffte eine dicke, schwere Rauchwolke wirbelnd in die Höhe. Ein Matrose machte sich daran, die Reling zusammen- zuschieben.

Da traten die Ereignisse ein, die manches ändern sollten. Hinter Humphrey ertönte ein lautesHalt!" dessen Klang ihm so bekannt vorkam, daß er sich blitzschnell umdrehte. Der Mann, der das Schiffs­geländer zusammenschieben wollte, zögerte. Carola stieß einen leisen Ueberraschungsruf aus. Die beiden stämmigen Herren, in deren Mitte sie Platz ge­funden hatte, knurrten gleichzeittg denselben Fluch, und Kapitän Zanten winkte von der Brücke aus ab.

Der verspätete Fahrgast maß die Entfernung zwischen Kai und Deck, nahm einen kurzen Anlauf und sprang, da dieCatharina" sich bis dahin kaum um Armeslänge von der Kaimauer fortmanövriert hatte, ohne sonderliche Mühe hinüber. Es war Martini. Er sah ziemlich erhitzt aus. Hinter ihm drein keuchte ein baumlanger Basuto, der zwei Koffer von beträchtlichem Gewicht mit sich schleppte.

Fortsetzung folgt

ISCH BRO H-WÜRFEL A 3