Ausgabe 
16.12.1937
 
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Ein Arbeitstag Hermann Görings.

Aus dem soeben erschienenen Buch seines engsten Mitarbeiters Erich Grihbachr Hermann Göring, Werk und Mensch."

Im Verlag FranzEherNachf. inMün- chen erschien soeben zum Preise von 6,50 RM. aus der Feder des Ministerialdirigenten Gritzbach, Chefs des Stabsamts des Ministerpräsidenten, ein reich­illustriertes Büch, das entstanden ist in dem Ge­danken an die innere Anteilnahme, die alle Kreise des deutschen Volkes dem Manne entgegenbringen, dem der Führer in höchstem Vertrauen schwerste Verantwortung auflud. Dieses Buch ist in besonde­rem Maße geeignet, uns den Soldaten und Staats­mann Göring in seinem ungeheuer vielseitigen Auf­gabenbereich ebenso nahe zu bringen wie den Men­schen Hermann Göring, den treuen Kampf- und Arbeitskameraden, den Natur- und Tierfreund, den verständnisvollen Förderer der Kunst, den um­sichtigen Gastgeber. Hier im Menschlichen liegt wohl Der Hauptakzent dieses Buches. Wir bringen des­halb unseren Lesern einen gekürzten Auszug aus dem KapitelDer Arbeiter und der Arbeitskame- rad".

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Abend für Abend oft erst spät in der Nacht bestimmt Ministerpräsident Generaloberst Göring die Empfänge des nächsten Tages. Wenn auf dem Zettel nichts weiter vermerkt ist als Name und Dauer der Besprechun^zeiten, dann bedeutet das für den Kammerdiener Robert, daß es beim üblichen Wecken bleibt. Sommer wie Winter steht der (3e= neraloberst zwischen sechs und sieben Uhr auf. Vom langen Schlafen hält er nichts. Fünf bis sechs Stunden genügen reichlich. Lacht ihm an herrlichen Sommertagen in Karinhall und in Ber­lin oder im Winter in Berchtesgaden die Morgen­sonne ins Zimmer seine Schlafzimmer liegen in allen Häusern nach Osten dann wird das Tages­programm oft um zwei Stunden vorverlegt. Wenn der durch den Kammerdiener benachrichtigte Adju­tant vom Dienst aus seinem gesunden Schlaf auf­gestört wird, sitzt der Ministerpräsident in der strah­lenden Sonne schon auf der Terrasse ober auf dem Balkon vor seinem Schlafzimmer.

Es geschieht nicht selten, daß bei wichtigen An­lässen mitten in der Nacht das Rasseln des Tele­phons den Generalobersten wieder zum Dienst ruft. Für die Zeit von 6 Uhr morgens bis 9 Uhr oder oft auch bis 10 Uhr aber besteht die strenge An­weisung, daß keine Verbindung mit ihm hergestellt wird, es sei denn, daß die Reichskanzlei Befehle des Führers zu übermitteln hätte. Diese Zeitspanne läuft nach einer in Jahren herausgebildeten Ge­wohnheit fast auf die Minute Tag für Tag in un­abänderlicher Regelmäßigkeit ab. Nach dem Auf­stehen gehts unter die kalte Dusche, ob Sommer oder Winter: eiskaltes Leitungswasser. Inzwischen steht die Tasse Kaffee im Ankleidezimmer immer auf demselben kleinen Tischchen. Grundsätzlich wird sie im Stehen getrunken, warum, weiß kein Mensch, wohl auch der Ministerpräsident selbst nicht, aber es ist nun schon jahrelange Gewohnheit. Dann sitzt der Generaloberst im Morgenrock und in Hausschuhen von beiden Bequemlichkeiten ist eine große Auswahl vorhanden im breiten Sessel bei schönem Wetter auf dem Balkon, sonst, ob es schneit oder regnet, am offenen Fenster seines Schlafzimmers.

Nach dem Zeitungslesen gehts an die Tele­gramme, Meldungen, Berichte, die nachts einge­laufen sind ober bie vom Vortage für biefe ruhige Stunbe von ihm zurückgelegt würben. Unb bann kommt die schönste halbe Stunbe bes Tages,

manchmal wirb es auch eine ganze: bie Bücher- stunbe. Immer liegen im Schlafzimmer bes Gene­ralobersten etwa ein Dutzenb von ihm selbst aus­gewählte Bücher, eine Lektüre, bie mit bem Dienst nichts zu tun hat. Entweber finb es Geschichts­werke ober Bücher, bie sich mit Punst unb Natur befassen. Das ist Ausspannung von ber Gebanken- arbeit, bie sich ftänbig mit bem Staate unb mit bem Staatswohl beschäftigt. Das ist bie Stunbe ber Sammlung ber Gebauten für bie fommenbe Ta­gesarbeit unb bie Stunbe ber inneren Ruhe, bet welcher ber kleine Löwe seinem Herrn Gesellschaft leistet unb bie Robert, ber vielgewanbte Kammer- biener, burch ausgewählte Schallplattenmusik noch gemütlicher macht. Musik muß sein, gerade bie Kö­nigin ber Künste barf im kunstsinnigen Hause bes Ministerpräsibenten nicht zu kurz kommen. Musik stört ben Ministerpräsibenten auch nicht bei ber Arbeit. Robert kennt genau ben Geschmack seines Herrn. Mit berechtigtem Stolz erklärt er, baß er es genau im Gefühl hat, ob es ber rechte Augen­blick ist, eine Platte vonFra Diavolo" ober Sze­nen aus berArabella" aufzulegen, ob Tschai­kowskijs 4. Sinfonie ober Beethovens 3. besser am Platze ist. Ist ber Generaloberst wie man im Volksmunbe sagt mal mit bemfalschen Bein" aufgeftanben, bann wirb ber Heldenmarsch aus ber Götterbämmerung" gespielt.Das hilft immer", sagt Robert vertraulich.

Zwischen ber Lesestunbe und 9 Uhr stehen die Lieferanten beim Kammerdiener abrufbereit. An ihrer Spitze marschiert der Schneider. Jahrelang schon bedient er den Ministerpräsidenten, aber im­mer wieder hat er einen heiligen Bammel vor die­serVerhandlung" (wie er sagt), weil es dem Herrn Generalobersten nie schnell genug geht. Nicht viel besser daran ist der Friseur, der es, wie er sagt, durchaus versteht, daß er für Montag bestellt wird und nach mehrtägigem vergeblichem Anlauf dann schließlich am Freitag die Kunst des gewandten Fi­garo ausüben kann. Nur eins versteht er nicht, nämlich, daß ber Ministerpräsibent sich selbst ra­siert ...

Wenn bann noch Zeit übrig ist, kommen gelegent­lich ber Büchsenmacher, ber Kunsthänbler, mit bem über bie Nachbildung von alten Waffen ober bie Beurteilung eines Bilbes ober einer Skulptut ge­sprochen wirb, ber Juwelier, ber Entwürfe für Ehrenpreise vorlegt, bie zu stiften finb, ober ber kleine Geschenke vorzeigt, bie ber Ministerpräsibent ben Künstlern feiner Staatstheater, oerbienten Offizieren ober anberen überreichen läßt. Solche persönlichen Geschenke sucht ber Ministerpräsibent selbst aus.Man muß beim Schenken selbst dabei sein, sonst ist bas alles wertlos." Punkt 9 Uhr wirb gefrühstückt. Das bauert nicht länger als zehn Minuten. 9.30 Uhr ist ber Ministerpräsident fix unb fertig angezogen. Bevor bie lange Kette ber für ben Tag vorgesehenen Besprechungen, Empfänge unb Sitzungen abgewickelt wirb, erteilt ber Mi­nisterpräsident seinen nächsten Mitarbeitern die Weisungen für den Ablauf der Tagesarbeit.

Die Post bringt bem Ministerpräsidenten Tag für Tag über ein halbes tausend Briese unb Karten ins Haus. Allein bie erste Durchsicht bieser Briefe nimmt mehrere Arbeitskräfte voll und gana in An­spruch. Schrift unb Ausbrucksweise lassen schon ohne weiteres erkennen, daß sich diese Schreiber aus allen Volksschichten zusammensetzen. Viele,

viele befassen sich in ihren Zuschriften mit ber Sorge um bie Gesundheit bes Führers, andere wieder wollen nur, daß ber Ministerpräsibent Grüße an ihn ausrichtet. Wieber anbere machen Vorschläge, bie Zeugnis bavon ablegen, wie auch ber letzte Volksgenosse sich mit ben staatspolitischen Fragen unserer Zeit beschäftigt. Zwischendurch liest man auch höchst merkwürdige unb luftige Dinge. ---

So schreiben Männer für ihre Frauen, diese wie­derum für ihre stärkere, oder hier besser gesagt schwächere" Ehehälfte natürlich ohne Wissen des Mannes sehr oft an Frau Göring, weil sie hoffen, hier eine Bunbesgenosfin für bie Erfüllung ihrer Anliegen zu haben. Der eine glaubt, baß Her­mann Göring ohne weiteres bie Vorschriften über Alimentationsverpflichtungen abänbern könne. Ein anberer schlägt vor, eine von ihm vor zehn Jahren ausgearbeitete Denkschrift als Grundlage für den Vierjahresplan zu benutzen. Rührend ist die Zu­schrift von vier kleinen BDM.-Mädeln, denen der Ministerpräsident im Düsseldorfer Stadion vordere Plätze besorgen soll, damit sie wirklich mal den Führer sehen unb ganz bicht bei ihm finb. Hitler- jungen wieder erbitten die Stiftung eines neuen Fähnleins, unb wenn sie baneben noch ein Kanu bekommen könnten, würben sie besonders dankbar sein. Auf der anderen Seite aber läuft ein Stoß von Briefen ein, bie in ihrer äußeren Form neben­sächlich erscheinen müssen, bie bem Inhalt nach aber doch tiefernste Nöte ober umgekehrt eine Be­geisterung über irgendwelche bie Öffentlichkeit stark angehenbe Eingriffe bes Ministerpräsibenten aufzeigen, so baß man sie bem Generalobersten nicht vorenthalten kann.

Von 10.30 Uhr ab empfängt der Ministerpräsi­bent ob er sich in Berlin ober in Karinhall be­findet im sogenannten großen Arbeitszimmer die Zahl der Besucher, Minister unb Staatssekretäre, Diplomaten unb Wirtschaftler, Offiziere des Gene­ralstabes ober die Attaches fremder Mächte, Ge­schäftsgruppenleiter bes Vierjahresplans ober Ober» Präsidenten, Männer der Partei ober Vertreter ber Länber, Künstler ber Staatstheater ober Journa­listen. Die Vielseitigkeit ber Aufgabengebiete Her­mann Görings bringt einen ständigen Wechsel der zu besprecherälen Themen mit sich. Einmal sind es Angelegenyeiten des Vierjahresplanes, ein ander­mal rem künstlerische Fragen. Dann kommen Be­sprechungen, welche die Verwaltung Preußens an­gehen ober bie auswärtige Politik. Rein militärische Fragen wechseln mit solchen ber Geheimen Staats­polizei ober mit Angelegenheiten bes Reichsforst­amtes und der Deutschen Jägerschaft, ber Partei ober bes Reichstages. Bei dieser Arbeit muß bei­nahe von Viertelstunde zu Viertelstunde von einem Aufgabengebiet auf das andere god anteilmäßig um­geschaltet werden. Das verlangt strengste und schärffte Konzentration und ein unerhörtes Einfüh­lungsvermögen.

So geht es ununterbrochen bis zum Mittagessen. Auch hier ist ber Ministerpräsibent mit seiner Fa­milie nicht allein. Zwei- bis breimal in ber Woche ißt er beim Führer in ber Reichskanzlei oder, fqlls der Führer auf bem Obersalzberg weilt, im Berghof Wachenfeld. Im Anschluß an das Essen beim Füh­rer ist Göring oft noch stundenlang mit ihm allein beisammen. Dann kann er Vortrag halten ober in eingehenben Besprechungen über wichtigste Fragen Richtlinien empfangen. Diese manchmal bis zum Abend ausgedehnte Zwiesprache mit seinem Führer

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Reichsfinanzminister Gras Schwerin von Krosigk in ber Uniform bes höchsten Zoll­beamten im Gespräch mit Gauleiter Staatsrat Weinrich (Kassel) bei ber Einführung bes neuen Oberfinanzpräsidenten. Links im Hinter- grunb Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger. (Scherl-Bilberdienst-M.)

bebeutet für ihn bie schönsten Stunben, ein uner­hörter Kraftquell, aus bem er neue Energien schöpft. Nachts kehrt er bann in gehobener Stimmung unb voller Tatendrang an feine Arbeit zurück. An ben übrigen Tagen hat er selbst Gäste am Tisch. Sie wollen nichts Besonderes, aber schließlich haben sie alle etwas zu sagen, und ber Ministerpräsibent will ihre Ansicht hören. Daraus entwickeln sich lebhafte politische Gespräche. Solche Unterhaltungen beendet weisungsgemäß der Adjutant vom Dienst mit dis­kretem Vorzeigen der Uhr, denn um 15.30 Uhr, spätestens aber 16 Uhr, muß das Tagesprogramm weiterlaufen. Es kann aber auch geschehen, daß erst um 16 Uhr aegessen wirb, wenn wichtige Dinge vorher zum Abschluß gebracht werben müssen. Bei ber Tasse Kaffee nach bem Essen hat ber Staatssekre­tär bes Preußischen Staatsministeriums, ber alte Weggenosse Körner, bas Vorzugsrecht, seine Sachen an den Mann zu bringen.

Der Nachmittag des Ministerpräsidenten ist mit laufenden Geschäften ausgefüllt. Meistens sind es längere Besprechungen. In ben Nachmittag fallen auch bie Sitzungen bes Reichskabinetts, bes Preu-, ßischen Ministerrats, des Generalrats des Vier­jahresplans, spezielle Wirtschaftsverhandlungen, Oberpräsidentenkonferenzen, Sitzungen bes Preußi­schen Staatsrats und die sogenannten Ministerbe­sprechungen, an denen je nach der Materie bie ver­schiedenen Fachminister teilnehmen. Wenn der Ge­neraloberst mit ben Empfängen am Morgen nicht fertig geworden ist, ober wenn er den ober jenen persönlich boch länger sprechen wollte, als es ur­sprünglich vorgesehen war, bann liegen diese Ter­mine meistens in ben späten Abendstunden. Vor 21.30 Uhr oder 22 Uhr kommt er selten zum Abend­essen. Häufig wirb bas Programm des Vormittags ober des Nachmittags burch einen Anruf aus der Reichskanzlei unterbrochen, dann ruft der Führer

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50 GÜLDENRING 2 RM SU.it Qoldmundftücl^ 48 OVERSTOLZ 4 RM ©tyne SUund/lüd^ f

48 RAVENKLAU 2.40 RM SM.it ^oldmundßücl^

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