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Ur. 268 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Dienstag, 16. November |937

Aus der Stadt Gießen.

Buß- und Bettag.

Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeige­kommen!" Dieser Rus des Täufers Johannes, aus­gezeichnet auf den ersten Seiten des Neuen Testa­ments, wird jetzt in den letzten Tagen eines ent­schwindenden Kirchenjahres vor uns lebendig. Buß- und Bettag läßt uns den hohen Feiertag gegenwär­tig werden, der dem letzten Sonntag des Kirchen­jahres, dem Totensonntag, unmittelbar vorausgeht. Der lebhafte Widerhall, den dieser Feiertag in den evangelischen Gemeinden Deutschlands findet, die Leichtigkeit, mit der die Einführung des neuen Ter­mins für ihn in unserem engeren Heimatgebiet in Angleichung an seine in fast ganz Norddeutsch­land bräuchliche Feier sich vor wenigen Jahren vollziehen konnte, legt offenbar davon Zeugnis ab, daß dieser Tag mit seinem Gehalt, seinem eigen­tümlichen Ernst die Seele unseres Volkes weithin anspricht.

Der Ruf des TäufersTut Buße" heißt dem wörtlichen Sinn des Urtextes nach: ändert euern Sinn! Damals vor über 1900 Jahren hineingeru­fen in eine Welt, der ungeheure Umwälzungen je« vorstanden, eine Welt, der der allmächtige Gott sich offenbaren wollte, indem er ihr seinen Sohn sandte, hat der Bußruf seitdem sein Gewicht und seinen zwingenden Ernst behalten. Wo Gott dem Menschen begegnet, wie es in Christus damals geschah und stets von neuem geschieht, da wird der Mensch bezwungen, da wird angesichts des unermeßlichen Abstands zwischen Schöpfer und Geschöpf gebiete­risch die Forderung laut: ändere deinen Sinn, richte ihn hin auf Gott, der dir das Leben gab.

Buß- und Bettag stellt uns vor die gleiche Frage, die den Reformator Dr. Martin Luther bewegte. Den Augustinermönch in Erfurt, der mit unerhör­ter Hane gegen sich selbst und mit unerreichtem Eifer Bußübungen treibt und sich kasteit, läßt die Frage nicht zur Ruhe kommen: Wie kriege ich einen gnädigen Gott? Und er macht in seinen schweren, im Volk der Reformation unvergessenen Kämpfen die beseligende Erfahrung: in Christus reicht der ewige Gott mir die Vaterhand, in Chri­stus ist die Kluft überbrückt zwischen Gott und Mensch. Er fühlt das große Wunder, wie ihm neues Leben, neue Gemeinschaft mit Gott ge­schenkt wird. Durch dasStirb und Werde" muß der büßende (zur Erneuerung bereite) und betende Mensch hindurch, das nach Goethe Vorbedingung alles wahren Menschentums ist. Buße tun heißt, sich von Gott zu einem neuen Leben rufen lassen, in tiefgreifender innerer Wandlung, die keinem ge­schenkt wird ohne ständige ernste Arbeit an sich, zu einer neuen, besseren Gesinnung heranreifen. So kann Luther, hinausgewachsen über die strengen Bußübungen des Mittelalters, in seiner berühmt gewordenen 1. These schreiben: Da unser Herr Chri­stus spricht: Tut Buße, will er, daß das ganze Leben der Gläubigen eine Buße sei.

Die alte hessische Kirche kannte eine ganze An­zahl von Buß- und Bettagen, zumeist in schweren Kriegsläuften, dem Eindruck einer hart lastenden Not folgend, eingeführt. Ihr Ziel war das gleiche, wie das des heutigen Buß- und Bettags, wie auch der ihm folgenden Adoentszeit mit' ihrem von der Kirche betonten Bußernst: Durch Gottes wunder­bares Handeln an uns erneuerte, aus Gottes Geist wiedergeborene Menschen!p.

Dornoiizen.

Tageskalender für Dienstag.

Stadttheater: 20 bis 22.45 UhrDer Wildschütz". Gloria-Palast (Settersweg):Der Mustergatte". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Ein Volks­feind". Stadtmission (Loeberstraße 14): 15 und 20.30 Uhr Vorträge. Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde, Abteilung für Veterinär­medizin: 20 Uhr Hörsaal des Physiologischen In­stituts: VortragMaul- und Klauenseuche".

Tageskalender für Mittwoch (Buh- und Bettag).

Stadttheater: 19.30 bis 22 UhrFuhrmann Hen­schel". Gloria-Palast (Settersweg):Arzt aus

Goethe-Bund.

IL Dichter-Abend: Hanns Johst.

Der zweite der vom Goethe-Bund und dem Kauf­männischen Verein in Verbindung mit der Volks­bildungsstätte Gießen der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" veranstalteten Dichter-Abende war dem Werke des Präsidenten der Reichsschristtums- kammer, ^-Oberführers und Staatsrates Hanns Johst gewidmet. Oberbürgermeister Ritter stat­tete zu Beginn dem Goethe-Bunde und dessen Ver­einsleiter Dr. Henning herzlichen Dank ab für die Veranstaltung einer Feierstunde, die den Prä­sidenten der Schrifttumskammer zu einer Lesung nach Gießen geführt habe, und für seine Verdienste um die Förderung des kulturellen Lebens in unse­rer Stadt: mit herzlicher Freude begrüßte der Ober­bürgermeister Parteigenossen I o h st als den Ver­trauten des Führers und den Dichter der Bewe­gung, der den Weg weise, welchen der Dichter heute zu gehen habe, um seinem Volke zu dienen.

Hanns I o h st begann mit einer Erzählung,Die Mutter ohne Tod", mit einer langsam und verhal­ten, behutsam und fast zärtlich gesprochenen Schil­derung aus einem kleinen, alltäglichen, bürgerlichen Leben; hier wird beschrieben eine Begegnung zwi­schen Vater und Sohn auf dem Bahnhof nach dem Tode der Mutter, eine Familienszene, schlicht, ein­fach und rührend; die zarten Beziehungen werden sichtbar, die den kleinen Kreis engster Gemeinschaft verbanden und die nun für immer aufgelöst sind. Die beiden stehen sich gegenüber,Mann gegen Mann", ohne Mutter, sie kehren heim ins ver­waiste Haus, dem die lebendige, beseelte Mitte fehlt; der Sohn hält eine stumme Zwiesprache mit dem Bilde der Toten, Erinnerungen werden wach, sein ganzes Leben spiegelt sich in diesem Gesicht; die letzten Stunden, der Abschied im Krankenhause, wer­den beschworen, und aus diesen und manchen an­dern Zügen rundet sich ein Bild, das der Zuhörer irgendwie aus eignem Gefühl und Erlebnis be­stätigt, formt sich ein stiller Lobgesang auf die Mutter und die ewige Mütterlichkeit.

Johst las dann Gedichte aus dem BandeLieder der Sehnsucht", dessen Natur-,und Weltgesühl sich sammelt in den schlichten ZeilenDer Baum" und Melancholie", während zwei Liebesgedichte Leise will ich dein gedenken" undWirf dein Ge­sicht über meines", auch die einfachen, durch- sühlten ZeilenDas Kind" am unmittelbarsten an die zuvor gelesene Erzählung anzuknüpfen schienen.

Ein anderer, sehr fester und männlicher Ton be-

GeologiWesMtlll zeigtSrimat-SchausamMog

Eine Ausstellung für jedermann. Feier der Ei öffnung.

Gestern Abend konnte das Geologische Institut unserer Universität (Braugasse) eine mit großer Sorgfalt und unter der Initiative des Leiters des Instituts, Professor Dr. Hummel, zusammenge­tragene und sehr geschickt aufgebaute Heimatschau eröffnen. Zur Feier der Eröffnung fanden sich viele Gäste ein, und zwar Wissenschaftler, Lehrer, Heimat- kundler, Leiter von Vereinen und Organisationen, die mit großem Interesse den Vorträgen folgten, die bei der gestrigen Feier der Eröffnung gehalten wurden und das Wesen der Ausstellung von vorn­herein erkennbar werden ließen.

Professor Dr. Hummel

wies auf den Zweck dieser Ausstellung hin, der darin bestehe, den geologischen Bau unserer Um­gebung und den Werdegang der Landschaft, die uns umgibt, zu veranschaulichen. Das Geologische Institut, so führte er u. a. aus, trete mit dieser Ausstellung zum ersten Male an die Öffentlich­keit. Das Material, das bisher dem Institut zur Verfügung gestanden habe, sei lediglich wissenschaft­lichen Zwecken Vorbehalten gewesen; die jetzt zu­sammengestellte Schau aber könne auch dem Laien interessant sein und ihm einen Ueberblick geben über die Entwicklungsgeschichte unserer Heimat. Der Redner gab dann einen Rückblick auf die Geschichte des Geologischen Instituts und würdigte vor allem die Tätigkeit Professor Klipsteins, von dem die älteste geologische Karte unserer Heimat stamme, der als eifriger Sammler die größte paläontologische Sammlung seiner Zeit zusammengetragen habe und mit zahlreichen Veröffentlichungen hervorgetreten sei. Leider sei seine berühmte Sammlung an das Ausland gegangen, sie sollte nach Kalkutta kommen, fiel aber einem Schiffsunglück zum Opfer und Weniges nur fei übrig geblieben. In feinen weite­ren Darlegungen schilderte Professor Hummel die Arbeit des Geologischen Jnstttuts unter Professor Kaiser und sprach auch von der Arbeit der Gegen­wart, insbesondere von einer Sammlung afrika­nischer Bodenprofile, die er, der Redner, von einer Afrikareise habe mitbringen können.

Schließlich berichtete Professor Dr. Hummel noch über das Entstehen der geaenroärtig aufge­bauten Schausammlung, würdigte dankbar die Mit­arbeit von Dr. Jessen, der eine stattliche Anzahl naturgetreuer Bodendarstellungen aus den Land­schaften unserer Heimat beigetragen habe. Die Aus­stellung solle, so schloß der Vortragende, ein Ge­samtbild der geologischen Züge unserer Heimat ver­mitteln und außerdem in Umrissen erkennen lassen,

welcher Art die Tierwelt war, die vor Jahrtausen­den unsere heimatliche Landschaft belebte. Der Vor­trag löste dankbaren Beifall aus.

'Or. Lessen

sprach anschließend in grundsätzlichen und wissen­schaftlichen Ausführungen über die Entstehungs­geschichte unserer Heimat. Er zog dabei ein räum­lich großes Gebiet in den Kreis seiner Betrachtun­gen und führte seine Zuhörer im Geiste in den Vogelsberg, in das Lahntal, in das untere Lahn­tal, in das rheinische Schiefergebirge, das Sieg- und Dillgebiet, in den Odenwald und in die Ful­daer Gegend. In systematischer Folge entwickelte er den Aufbau unserer heimatlichen Landschaft, wie er sich in den verschiedenen Altersstufen vollzog. An vielen Einzelheiten, zum Teil aus unserer un­mittelbaren Umgebung wies er die Entwicklung nach und gab damit ein umfassendes Gesamtbild. Gleichzeitig wies er auf die Möglichkeiten der wirt­schaftlichen Ausnützung der Bodenschätze hin. Mit besonderem Interesse folgte man auch feinen Dar­legungen über die Tierwelt, wie sie vor Jahrtau­senden unseren heimatlichen Raum belebte. Der Vortrag stellte eine gründliche Einführung in die Heimatschau des Geologischen Instituts dar.

Gang durch die Ausstellung.

Im Anschluß daran wurde von den Gästen die Ausstellung besucht, die in ihrer Gesamtheit ein un- gemein vielseitiges Bild bietet, wie es der Laie von einer geologischen Ausstellung wohl kaum er­wartet. Die verschiedensten Gesteinsarten aus un­serer engsten Umgebung, z. B. aus der Lindener Mark, aus der Beuerner Gegend, aus der Wet- terau, aus dem Vogelsberg, aus den Erzgebieten von Sieg und Dill, aus den Brüchen von der un­teren Lahn usw. wurden hier zusammengetragen und so klar beschriftet, daß sich jedermann ein Bild von der Sttuktur der heimischen Erde machen kann. Zahlreiche Bodenprofile vervollständigten die Schau. Auffallen wird ferner eine Reihe prächtiger Versteinerungen, und nicht zuletzt die Fülle der Nachbildungen und vorzeitlicher Tiere, von denen auch zahlreiche Ueberrefte zur Schau gestellt sind. Hier begegnet man Nachbildungen des Mastodons und des Mammuts, des Nashorns und des Höh­lenbären, fossilen Ueberreften von Wildpferden, Elchen, Renntieren usw.

Die Ausstellung verdient die ungeteilte Aufmerk­samkeit aller derer, die sich der heimatlichen Land­schaft verbunden fühlen.

Leidenschaft". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): Ein Volksfeind". Stadtm'ission (Loeberstr. 14): 15 und 2u._ Uhr Vorträge. LB. Volkstum und Heimat: 15 Uhr Gang über den Alten Friedhof.

ErstaufführungDer Wildschütz".

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute abend findet die Erstaufführung der Oper Der Wildschütz" von Albert Lortzing statt. Musi­kalische Leitung Kapellmeister Paul W a I-t e r, Spielleitung Hermann Schultze-Griesheim. Leitung und Einstudierung der Chöre Heinz Mark­wardt. Bühnenbilder Karl Löffler. Die in eigener Werkstatt hergestellten Kostüme sind ange­fertigt nach Entwürfen von Sophie Buchner, ausgeführt von Willi E n d r i ch. Diese Vorstellung findet als 8. Vorstellung der Dienstag-Miete statt. Anfang 20 Uhr, Ende 22.45 Uhr.

ErstaufführungFuhrmann Henschel".

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Am Mittwoch, 17. November (Buß- und Bettag), findet anläßlich des 75. Geburtstages von Gerhart Hauptmann die Erstaufführung vonFuhrmann Henschel", Schauspiel in 5 Akten, statt. Im Geden­ken an den Dichter entledigt sich das deutsche Thea­ter einer Dankesschuld. Spielleitung Wolfgang Kühne. Bühnenbild Karl Löffler Die Vor­

stellung beginnt 19.30 Uhr und endet 22 Uhr. Sie findet als 8. Vorstellung der Mittwoch-Miete statt.

Landschaftsbund Volkslum und heimal.

Am morgigen Buß- und Bettag unternimmt der LVH. einen Gang an denkwürdige Grabstätten auf dem 2nten Friedhof unter Leitung von Oberkriegs­gerichtsrat a. D. Koch. Der Lutherchor beschließt die Führung mit zwei Chören in der Kapelle. Jeder Volksgenosse ist willkommen.

Tag der Deutschen Hausmusik.

Die Reichsmusikkammer, Kreismusikerschaft Gie­ßen, veranstaltet anläßlich des Tages der Deutschen Hausmusik am kommenden Donnerstagabend in der Neuen Aula einen Musikabend, bei dem auch die HJ.-Spielschar und die BDM.-Singschar mitwirken werden.

Bußtag Personen- und Güterverkehr wie Sonntag.

Lpd. Um etwaigen Zweifeln vorzubeugen, gibt der Pressedienst der Reichsbahndirektion bekannt, dqß am Mittwoch, 17. November (Bußtag), für den Personen- und Güterverkehr die Sonntagsregelung gilt.

NSDAP. - Amt für Volkswohlfahrt.

Kreisamtsleitung Wetterau, Gießen.

Die Sprechstunden des Kreisamtsleiters sind jeden Donnerstag von 15 bis 18 Uhr in Gießen, Goethestraße 34.

Die Sprechstunden in Friedberg sind jeden Mittwoch in der Zeit von 15 bis 18 Uhr, in den Geschäftsräumen der Ortsgruppenamtsleitung, Friedberg, Schnurgasse 2.

Betr.: Ernährungshilsswerk in Gießen.

Infolge des Buß- und Bettages am Mittwoch fällt an diesem Tage die Sammlung für das Er­nährungshilfswerk aus. In den dafür in Frage kommenden Straßenzügen wird dafür am Don­nerstag gesammelt. Ich bitte daher die Hausfrauen, die Küchenabfälle bis zum Donnerstag aufzubs- wahren.__

HMWWMeWM

NLG.Kraft durch Freude". Theatervorstellung.

Am Sonnabend, dem 20. November 1937

20 Uhr

GroßeKdF.-Wiele", Gruppe I (4. Vorst.) Moral"

Lustspiel in 3 Akten von Ludwig Thoma.

Eintrittspreise 90 pf. und 1, R2N.

Karten sind im Vorverkauf auf der Kreisdienst­stelle, Schanzenstraße 18, erhältlich. Karten können durch die Vekriebswarte bis spätestens Freitag. 19. November, 12 Uhr, abgeholt werden. 7545D

HL., Bann und Lungbann 116.

Im Laufe dieser Woche finden für sämtliche Geldoerwatter des Bannes und Jungbannes 116 Arbeitstagungen nach folgendem Plan statt: Beginn jeweils 20.15 Uhr.

Dienstag, 16. November, im MHJ.-Heim, Roon- straße 28. Teilzunehmen haben: Gef. 1, 2, 3, 4, 5,

10, 13, 14, 15, 17, Marinegef., Fliegergef., Motor­schar, Nachrichtenschar, Fähnlein: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 9, 10, 21, 22, 23, 24 und 25.

Mittwoch, 17. November, in Hungen, Stammge­schäftsstelle im Schloß. Teilzunehmen haben: Ge­folgschaft 11, 12, 16 und Fähnlein 11, 13, 14 und 15.

Donnerstag, 18. November, in Grünberg, Volks­schule. Teilzunehmen haben: Gefolgschaft 6, 7, 8, 9. Fähnlein 17, 18, 19 und 20.

Wochenendschulung

im Unterbann 1/116 (Gießen).

Zur zweiten Wochenendschulung war die gesamte Führerschaft des Unterbannes am Samstag und Sonntag zusammengerufen. Nach Meldung an den Unterbannführer Dr. Schneider konnte die Ar- beit im Heim der Marine-Gefolgschaft beginnen. Der Unterbannführer besprach zunächst den Dienst- betrieb, und betonte immer wieder, daß neben der weltanschaulichen Schulung auch ganz beson­derer Wert auf die soldatische Haltung der Jugend­genossen, insbesondere der Führerschaft gelegt wer- den muß. Es sprach dann Gefolgschaftsführer Berghöfer, der Referent für Grenz- und Aus­land des Bannes, über den Fahrtenbetrieb des kommenden Jahres. Er schilderte eine Großfahrt, die er im letzten Jahre mit einigen Kameraden un- ternommen hat, und verstand es vvrttefflich, an

herrscht dieHymne an den Staat", die aus dem Manuskript eines werdenden Buches oorgetragen wurde; hier weht der Geist der neuen Zeit, der nahen Gegenwart, hier formt sich ein neues Dich­tererlebnis, das aus dem Jchgefühl zum Bewußtsein des Wir, des Heeres, der Gemeinschaft, des Volkes vorstößt, das vom Staate singt als der einzigen, bleibenden, unverrückbaren Form und Gestalt im Leben der Völker, das den neuen Mythos vom Staate hymnisch beschwört, seine Aufgabe, sein Ge­setz, die stählerne Pflicht und den selbstlosen Dienst.

Wiederum etwas ganz Anderes: aus dem Reise- bucheMaske und Gesicht" das heitere Kapitel, welches von einem Besuche in der guten schweizeri­schen Stadt Bern handelt, die sogleich bei der An­kunft ferne Jugenderinnerungen an den Helden Dietrich von Bern aufsteigen läßt. Von einer be­stürzenden Komik der Situation ist die Szene eines Besuches im Berner Opernhause, wo es an diesem Abend dieBoheme" gibt, wo der Gast aus Deutschland inmitten einer von Einheimischen be­setzten Loge die völlige Hingabe des naiven Theater­besuchers an die Welt des Scheines auf eine wun­derlich-handgreifliche Weise erfahren muß und zu­letzt beim Anblick der Sterbeszene samt allen Ein­heimischen um ihn herum in Tränen aufgelöst ist.

Das letzte Kapitel dieses Buches, wieder völlig ernst, sehr gegenwärtig, ist überschriebenBerlin, Reichskanzlei" und schildert einen Empfang des Dichters beim Führer, dessen Bild hier einmal ganz nah gerückt, ganz aus dem persönlichen Er­lebnis des Gespräches Auge in Auge an den Leser und Hörer herangetragen wird. Johst beschreibt die­ses Bild mit markanten Einzelzügen, den Blick, das Haar, die Schläfen, dann die Führung eines Gesprä­ches, das seine Prägung aus der Voraussetzungslosig­keit gewinnt, mit der es begonnen wird. Sehr ein­drucksvoll die Schilderung, wie Die visionär schöp­ferische Phantasie des Führers aus den am Boden ausgebreiteten Grundrissen geplanter Bauten die lebendige Wirklichkeit gestalteter Architektur entstehen läßt. Als würdiger Ausklang: das vorausschauende Bekenntnis zum Volke, zum Dritten Reiche und dem Führer imRolandsruf" von 1918.

Das voll besetzte Haus dankte mit reichem Bei­fall. Zum Schluß richtete Ortsgruppenleiter Hol­länder Worte des Dankes an den Goethe-Bund und an den Dichter für diese Lesung im Rahmen der Gaukulturwoche. Er schilderte die Sendung des Dichters in unserer Zeit und die tröstende Aufgabe der Bücher als der stillen Freunde im Leben des Volkes. Mit dem Gruß an den Führer wurde der Wend beschlossen. Hans Thyriot 1

Ein Volksfeind."

Lichtspielhaus.

Schon vor geraumer Zeit hatte Heinrich George als Konsul Bernick in denStützen der Gesellschaft" nicht nur durch die vitale Kraft und Gesundheit seiner äußeren Erscheinung, sondern vornehmlich durch die Tiefe seiner Charaktererhel­lung, durch die Wärme und Nähe eines menschlichen Bildes das Drama der Jbsenschen Sozialkritik, das uns schon ferngerückt schien, auf eine merkwürdige Weise verjüngt. Wenn dieser Eindruck sich nun im Volksfeinde" wiederholt, so hat das zum Teil die nämlichen, zum Teil noch andere Gründe. Die von George gegebene Zentralgestalt, der eigentliche Held des Stückes, ist mit der gleichen männlichen Kraft und der seelischen Durchleuchtung schauspielerisch ge­formt wie damals der Bernick. Die Verfasser des Drehbuches, Erich Ebermayer und der Regis­seur Hans S t e i n h o f f, haben aber überdies auch bewußt darauf verzichtet, das schon 1882 vollendete Drama, von dem uns also heute mehr als ein hal­bes Jahrhundert trennt, etwa im Kostüm seiner Entstehungszeit spielen zu lassen: sie haben viel­mehr über solche Abstände hinweg die Zeitnähe des Werkes empfunden und empfinden lassen wol­len. Es kann ja kein Zweifel daran bestehen, daß die Grundtatsachen, um die es sich in diesem Drama handelt, an keinen Stil, an keine Oertlich- feit und an keine Zeit gebunden sind: der Kampf der Idee, des guten Gewissens, der reinen Ueber- zeugung, das mannhafte Eintreten für eine sau­bere und im Kern gesunde Sache gegen die kompakte Majorität" des Materialismus,' der klei­nen Bedenken und der großen Geldsackinteressen ist ein noch immer unoeraltetes Thema. Der Badearzt Dr. Stockmann, der sich eines Tages davon über­zeugen muß, daß das seiner ärztlichen Obhut an- vertraute Bad verseucht und in hohem Maße ge­sundheitsschädlich ist, kämpft für die Schließung des Bades, wogegen die ganze Gemeinde aus unlau­teren und eigensüchtigen Gründen erbittert Front macht. Und da DieMajorität" Den Mann nicht mundtot machen kann, will sie ihn brotlos machen und zwingen, die Stadt zu verlassen. Stockmann handelt aus Ueberzeugung wider seine persönlichen Interessen, er setzt seine Existenz und die Zukunft feiner Familie unbedenklich aufs Spiel. Bei Ibsen lauten seine letzten Worte:...der ist der stärkste Mann auf der Welt, der allein steht." Der Film greift über Ibsen hinaus, er läßt die Majorität nicht triumphieren, Den Mann mit Charakter nicht

allein stehen: als er schon daran ist, das Feld zu räumen und auszuziehen, greift das einsichtige Mi­nisterium ein, rehabilitiert ihn glänzend und gibt ihm fein Amt zurück. Diekompakte Majorität" streicht die Segel, bittet um gut Wetter und erklärt denVolksfeind" zum Volksfreunde. Der Spiel­leiter Hans S t e i n h o f f hat die Wendung zur Zeitnähe begriffen und das Grundsätzliche in dieser vor mehr als fünfzig Jahren anhängig gemachten dramatischen Auseinandersetzung sehr spürbar her- ausgearbeitet; nur einzelne Züge, wie etwa der korrupte Zeitungsbetrieb, scheinen noch ein wenig in die Entstehungszeit des Schauspiels zu weisen. George spielt den Stockmann mit der mächtigen Ueberzeugungskraft des echten Idealisten, mit einer Rücksichtslosigkeit gegen sich und die Seinen, mit einem Einsatz für die Sache, die uns sehr deutsch anmutet. In den entscheidenden Augenblicken atmen seine Worte etwas vom großen Freiheitsglauben feines unvergeßlichen Ritters Götz, und ein Hauch des LutherischenHier steh ich, ich kann nicht an­ders" weht um seine willensstarke, charakterfeste und unerschütterliche Erscheinung. Neben ihm, fein und still, sehr menschlich, fraulich und mütterlich, Franziska K i n z als Johanna Stockmann, Carsta L ö ck in einer schönen, sicheren Jugendlichkeit, Heinz von Cleve als Hofstetten, der einzige in der Presseclique, der anständig und mutig genug ist, sich für Stockmann einzusetzen. Auch auf der Ge­genseite sieht man eine Reihe vortrefflich geformter Gestalten, vor allem Herbert Hübner als Bür­germeister und Albert Florath als Worfe. (Terra.)

Im Beiprogramm erscheint u. a. ein interessan­ter Kulturfilm unter dem TitelFahrtenland Al» banien". Hans Thyriot.

Herzschläge auf Gramniophonplaiien.

Auf den Universitäten in Australien hat man den Studenten das Studium der Herzkrankheiten auf eine interessante Art und Weise erleichtert. Herz­krankheiten sind aus klimatischen Gründen sehr häufig in Australien. Es gibt wohl 40 verschiedene Herzleiden und dementsprechend auch 40 verschiedene Herzschläge. Man hat nun diese Herzschläge auf Grammophonplatten aufgenommen, da man Pa­tienten mit diesen 40 verschiedenen Herzkrankheiten nicht immer für Studienzwecke zur Verfügung halten kann. Verstärkt über ein Grammophon dröhnen die Herzschläge der verschiedenen Krank­heiten durch die Säle und Kliniken und prägen sich Den Studenten ein.