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llr. 268 Zweiter Blatt ffilefieittr Anzeiger ISieneral-Anzelger für Gberheften)Dienstag,>6. November IM

Aus der engeren Heimat.

Sitzung der Ra Sherren in Grünberg.

+ Grünberg, 13. Noo. Der erste Beigeord­nete Albach leitete die Sitzung. Stadtrechner G e h r i n g e r trug zunächst die Rechnung für das Rechnungsjahr 1936 vor. Diese zeigt in Abteilung I (Betrieb) eine Einnahme von 229 400,65 Mark und eine Ausgabe von 216 271,16 Mark, mithin einen Rest von 13 129,49 Mark. Die beiden größten Posten auf der Einnahmeseite er­scheinen bei den Rubriken Gemeindeumlagen mit 62 200 Mark und Waldungen mit 34 600 Mark. In der Abteilung II (Vermögen) ergibt sich eine Einnahme von 20 079,36 Mark und eine Ausgabe von 19 842,20 Mark. Der Rest von 237,16 Mark besteht in liquidierten Ausständen. Der Stand der Schulden vom 31. März 1937 beträgt 292 447,61 Mark. Anfragen der Ratsherren über verschiedene Rubriken der Rechnung werden vom Stadtrechner Gehringer im einzelnen näher erläutert. II. a. weist er daurauf hin, daß vielfach falsche Gerüchte über zu hohe Derwaltungskosten beständen. Die persönlichen Kosten für Bürgermeisterei und Stadt­kasse betragen rund 16 000 Mark. Darin sind einbe­griffen der Bürgermeister, der Stadtrechner, fünf Angestellte und zwei Lehrlinge.

Am 5. Februar 1920 erhielt die Stadt infolge der Konrad-Hedwig-Schäfer-Stiftung die Summe von 100 000 Mark, davon 49 200 Mark Barüberweisung auf die Bezirkssparkasse Grünberg, eine Hypothek auf ein Haus in Höhe von 20 000 Mark, ferner 24 800 Mark Kriegsanleihe und einige andere Wertpapiere. Die Zinsen der Stiftung fal­len dem Stifter bis zu seinem Ableben zu. Da nun der frühere Bürgermeister Wagner demselben Mit­teilung gemacht hat, daß das Bargeld mit zur Er­bauung eines Beamtenhauses Verwendung gefunden habe, verlangt er Aufwertung dieses Betrages. Die Angelegenheit wird bis zur Klärung der Rechts­lage zurückgestellt.

Landkreis Gießen

X Wieseck, 14. Rov. Als im Jahre 1919 ein Aufruf zur Wiedererlangung der Kolonien durch unser Land ging, schlossen sich laut Vermerk in un­serer Chronik ihm über 1200 stimmberechtigte Ge­meindeglieder an:Männer und Frauen aller Stände und Parteien." Seitens der Kirchengemeinde wurde in den folgenden Jahren in Missionslicht­bilderabenden u. a. der Kolonialgedanke gepflegt. Gestern fand im gut besetzten großen Saale von Braun ein Lichtbildervortrag statt, zu dem die NSDAP, und die DAF. eingeladen hatten. Der Ortsbeauftragte des Deutschen Volksbildungswerkes, Rektor Petri, begrüßte insbesondere den Redner des Abends, Professor Dr. Hummel, Gießen, der Unsere Kolonien in Afrika" mit Bildern aus Süd- und Ost-Afrika, ausgenommen auf einer Reise im Jahre 1929, uns näher brachte. Ausgehend vom Punkt 3 des Parteiprogramms:Wir fordern Land und Boden (Kolonien) zur Ernährung unseres Vol­kes und zur Ansiedelung unseres Bevölkerungsüber­schusses" gab er überzeugend Antwort auf die Fra­gen:Warum brauchen wir Kolonien? Sind Kolo­nien wirtschaftlich? Was jeder von unseren Kolo­nien wissen muß!" Mit großer Aufmerksamkeit folgten die Hörer den über anderthalbstündigen Ausführungen, die eine Werbung für den Reichs- kolonialbund beschloß. Rektor Petri gab dem Dank der Zuhörerschaft Ausdruck und schloß mit dem Sieg-Heil auf den Führer den Abend.

gfs. Lollar, 15. Nov. Auch in unserer Ge­meinde führt der Reichsmütterdienst im Deutschen Frauenwerk einen Lehrgang im Nähen und Flicken durch. Er beginnt am heutigen 15. No­vember und wird von Fräulein Hoffmann aus Gießen geleitet.

gfs. Odenhausen, 14. Nov. In unserer Ge­meinde wird am 18. November vom Reichsmüt- terdienst ein Kursus in Gesundheitslehre und häuslicher Krankenpflege beginnen, den Schwester Elisabeth Müller aus Gießen leiten wird. Mögen

recht viele Frauen diese Gelegenheit ergreifen, um ihr Wissen und Können zu bereichern zum Besten ihrer Familie und der Volksgemeinschaft.

* Großen-Buseck, 16. Nov. Am nächsten Donnerstag, 18. November, begeht der älteste Ein­wohner unseres Dorfes, der Weichensteller i. R., Konrad Walter, Zeilstraße wohnhaft, seinen 9 3. Geburtstag. Die Gaufilmstelle ließ am Sonntagabend im vollbesetzten Saale derGer­mania" den FilmDer Vogelhändler" zeigen. Der Hauptfilm, sowie das Beiprogramm wurden mit dankbarem Beifall ausgenommen.

* Bersrod, 16. Nov. Am heutigen Dienstag, 16. November, kann der Landwirt Philipp Kut­scher I. in voller Rüstigkeit seinen 7 0. Ge­burtstag begehen.

* Reiskirchen, 16. Nov. Am Sonntag gegen 16 Uhr wurde auf der Landstraße Reiskirchen- Gießen der Karl N o ck e r von hier von einem Motorradfahrer, dessen Maschine das Kenn­zeichen VH 92 711 trägt, umgefahren und ver­letzt. Die Ermittlungen nach dem Motorradler sind im Gange.

£ Steinbach, 16. Nov. Am Mittwoch, 17. November, können der Landwirt Johannes Wall­bott und Ehefrau Marie, geb. Haas, die sil­berne Hochzeit feiern.

* Steinbach, 16. Nov. Am morgigen Mitt­woch, 17. November, feiern die Eheleute Friedrich Karl Keßler, Zimmermeister, und Ehefrau Ma­rie, geb. Herbert, das Fest der Silbernen Hoch­zeit. Ebenso lange wird schon der Gießener An­zeiger in der Familie gehalten.

CO Klein-Linden, 15. Nov. Die NSDAP, und die DAF. hatten für Samstagabend zu einem Vortrag des Deutschen Volksbildungswerks in den Saal der WirtschaftZur Burg" eingeladen. Professor Dr. A n k e l (Gießen) sprach über das ThemaDeutschland betreibt Rassenpolitik". Der Vortragende schilderte die Bedeutung der Ver­erbungslehre und Rassenhygiene.

* Klein-Linden, 15. Noo. Am Sonntaa- nachmittag hielt die Kriegerkameradschaft imDeutschen Hof" eine außerordentliche General­versammlung ab. Im Auftrag des Kyffhäuserbun- des konnte Kameradschaftsführer Schimmel dem Kameraden Georg Schön, der über 50 Jahre der hiesigen Kriegerkameradschaft angehört, die goldene Ehrennadel und ein Glückwunschschreiben des Prä­sidenten des Reichskriegerbundes überweisen. Die Kameraden Wilhelm Weigel, Georg Dönges, Friedrich Rinn und Heinrich Märtel, die' alle über 40 Jahre dem Verein die Treue gehalten haben, wurden durch Ueberreichung von Glück­wunschschreiben des Bundespräsidenten geehrt. Es wurden ihnen noch Bilder des Koffhäuser-Denkmals bzw. des verstorbenen Reichspräsidenten General­feldmarschall von Hindenburg ausgehändigt.

gfs. Hausen, 15. Noo. Der Reichsmütter- d i e n st im Deutschen Frauenwerk begann heute in unserem Orte mit einem Lehrgang in Gesund­heitslehre und häuslicher Krankenpflege. Schwester Josephine Englert wird den Lehrgang durch­führen.

CO Eberstadt, 15. Nov. Auf dem Bahnhof Hof-Gill konnten am Samstag 271 Zentner Kartoffeln, die für das Winterhilfs­werk in unserer Gemeinde gespendet worden wa­ren, abtransportiert werden. Für unser kleines Dorf darf dieses Ergebnis als sehr gut bezeichnet werden. Der in diesem Jahre aus dem Gemein­schaftsanbau geerntete Flachs (zwei große Leiter­wagen voll), konnte dieser Tage zur Bahn gebracht werden. Der Flachs kam in die Rösterei Stockheim.

oo Langsdorf, 14. Nov. Als Abschluß des vorangegangenen Luftschutzkursus fand hier eine praktische Uebung unter Führung der Luft­schutzleiter Lehrer Hild und Meckel von Lich statt. Nachdem den Frauen die Handhabung der Hydranten und Standrohre erklärt worden war, wurde unter Annahme eines feindlichen Brand-

Deutsche Meister.

Festkonzert, im Hessischen Landestheater.

Das Festkonzert im Großen Haus des Hessischen Landestheaters in Darmstadt unter dem Motto: Deutsche Meister", das von 110 Kammer­musikern des Rhei n-M ainischen Orchesters unter der Leitung von Generalmusikdirektor Prof. Hermann Abendroth ausgeführt wurde, wurde zu einem besonderen Höhepunkt der Gau- kufturwoche Hessen-Nassau.

Hermann Abendroth ist eine der stärksten und markantesten Dirigentenpersönlichkeiten Deutsch­lands, ein Musiker, der die Musik aus den ihr inne­wohnenden und den ihr eigenen Bedingungen her­aus erleben läßt. Nirgends wird man bei ihm den Ausfluß intellektueller Erwägungen entdecken kön­nen. Auf dem naturgewachsenen Boden eines um­fassenden und unerschöpflichen Vollmufikertums läßt er die Werke in ursprünglicher Auswirkungsnähe erstehen. Wenn man bei anderen Dirigenten die Großzügigkeit rühmt, so wird man auch diesen Vor­zug Hermann Abendroth zuerkennen müssen: aber seine Großzügigkeit ist nicht, wie man es so oft feftftetlen muß, gleichbedeutend mit Flächigkeit; im Gegenteil, seine Darstellung ist fest gegründet auf der kleinsten Urzelle des Werdens im Werk, auf dem Ausgangsmotiv. Diese Grundmotive würdigt er als volle Individuen in ihrer vielseitigen organi­schen Ausgeprägtheit, ja man möchte fast sagen, er hegt sie mit unendlicher Liebe und Sorgsamkeit.

In ihrem reich entwickelten Eigenleben werden diese Motive zu Fundamenten des weiteren Auf­baues; die in ihnen liegenden Kräfte werden gelöst ' ^ur Entfaltung und Auswirkung. Das so organisch Erwachsende, in voller Breite' sich Entwickelnde rreift jum Monumentalen aus. Dabei ermuntert er hier, gewährt dort Raum für die Entwicklung des Jnstrumentalthemas und gibt dem Orchesterspieler Die Möglichkeit, sein Können und seine Musikalität [frei zur Geltung zu bringen. Jede melodische Phrase wird so in der ihr eigenen Vitalität gefönt. Die einzelnen Klanggruppen sind nicht nur Farb- gruppen, sondern Aktiv-Handelnde mit durchmodel- Lierter Akzentuierung; das Ganze aber erscheint so nicht mehr in der sonst oft üblichen reliefartigen Profilierung, sondern in durchgebildeter Plastik mit Tiefe, Körperlichkeit und lichtdurchfluteter Per­spektive des Klangraumes. Jede Dynamik, auch elbst bei schwächsten Graden, wird in ihrer vollen Wichtigkeit in das Ganze hineinbezogen, das sich vor dem Hörer ausbreitet mit unerhörter Klarheit, !io daß dieser unbedingt folgen kann. Da tauchen

melodische Gesichter auf, die bisher unbeachtet waren, Übersehen wurden. Vermeintliche Neben­stimmen erhalten maßgebliches Gewicht; all der Reichtum der Partitur wird so lebendig durch die führende Hand Abendroths, der mit seinem Blick für das Ganze, das Werk im letzten Grunde feines Wesens in großzügiger Schau offenlegt.

Seine Zeichengebung als Dirigent erscheint so einfach. Wenn aber seine Rechte als Taktträger ruht und nur die Linke wirkend ermuntert, das sind ganz besondere Momente seines Gestaltens. Es war geradezu erstaunlich, wie er den zu diesem besonde­ren Zwecke zusammengestellten Klangkörper zur ausgeglichensten Einheit zusammengeschweißt hatte, wie er trotz der ungewöhnlich starken Besetzung dynamische Werte von fast undenkbarer Feinheit ermöglichte, und alle fügten sich gern und mit inne­rer Begeisterung seinem überragenden Wollen.

Beethovens Leonoren-Ouverture N r. 3, die an der Spitze der Vortragsfolge stand, ließ das Schicksalsdrama in allen seinen einzelnen Stadien mit breiter Dehnung wachwerden, in der gegenseitigen Auswirkung der einzelnen akzentuier­ten Klanggruppen; mit den bangen Schauern nach dem erlösenden Gouverneursignal, mit dem fast überirdischen Ahnen der Rettung und dem mit weitem Atem erfüllten Crescendo zum Jubel der Coda hin. Da wurde Schuberts Unvoll­endete Symphonie (h-moll) zu einer Offenbarung. Schon die Einleitung mit ihren dumpfen sattklingenden Kontrabässen, den zittern­den Violinen und der klagenden Oboe; dann der gedehnte liebergang zum zweiten Thema mit sei­ner nach jeder Wendung hin betonten Ausprägung und den geradezu gigantisch ausholenden breiten Akzenten des vollen Orchesters. Im Andante con moto war das Motivische mit einer den innersten Wesenskern eröffnenden Dynamik belebt und so wurde der Satz in feinem Werden zu einem Akt innerer Bereicherung. Das Ganze krönte Wag­ners Ouvertüre zuTannhäufe r", mit ihrer inneren Symmetrie des Aufbaues der Klang­gruppen, in der Einleitung, dem bildhaft erlebbaren Gewoge der Bachanal-Szenen und der großartigen klanglichen Apotheose des Pilgerchors, in äußerst gedehntem und breit ausströmenden Zeitmaß ge­nommen.

Nach der Leonoren-Ouverture sang Frankfurts hochdramatische Kammersängerin Hennn Trundt Rezitativ und Arie aus demF i d e l i o". Visionär, umleuchtet von den Holzbläsern, in der Einleitung; im Adagio die zwei obligaten Hörner in Klang­schönheit, dazu die innerliche Wärme dieser voll- aufblühenden Stimme, die den Koloraturen stärkste

bombenangriffs der notwendige Löschversuch ein­geübt. Als Abschluß wurde die Verpflichtung der Frauen als Hauswarte vorgenommen. Anfangs Dezember soll wieder eine örtliche Verdunkelungs- Übung ftattfinden. In dieser Woche wird in un­seren Waldungen die Holzfällung in vollem Umfang beginnen. Es sollen 4160 Festmeter zur Bearbeitung gelangen. Der charakteristische Unter­schied zwischen der Gegenwart und der Vergangen­heit vor etlichen Jahren ist der, daß damals ein lieberangebot von Arbeitern bestand in einigen Wintern waren bis zu 60 Arbeiter tätig! wäh­rend jetzt kaum die erforderliche Mannschaft auf­gebracht werden konnte. Es werden nur 27 Mann im Walde tätig fein.

gfs. Inheiden, 14. Nov. In unserer Gemeinde beginnt in nächster Zeit ein Lehrgang im Nähen und Flicken vom Reichsmütterdienst im Deutschen Frauenwerk. Mögen alle Frauen und Mädchen diese Einrichtung nutzen, um sich im Nähen weiter auszubilden. Fräulein Haas aus Friedberg wird den Lehrgang leiten.

Kreis Schotten.

)( Ruppertsburg, 14. Nvv. Seit Anfang dieses Monats hat unser Männergesangver- ein in der Person des Musikers Lenz aus Ml- lingen einen neuen Chormeister. Der seitherige Di­rigent des Vereins ist 36 Jahre lang im deutschen Männergesangvereinswesen als Chorleiter tätig ge­wesen. Den Ruppertsburger Verein leitete er 28 Jahre lang. Bei der Besichtigung unserer Frei­willigen Feuerwehr durch Kreisfeuerwehr­inspektor Rausch (Schotten), die überraschend statt­fand, klappte der befohlene Brandangriff an einer für Brandgefahr schlimmsten Stelle unseres Dorfes tadellos.

Kreis Alsfeld.

. Homberg, 12. Nov. Gestern abend fand im unteren Rathaussaal die Eröffnung eines S a - nitäts - Lehrganges des Deutschen Roten Kreuzes (Sanitätskolonne Alsfeld, Halbzug Homberg) statt. Der Gründer und Ehren­vorsitzende Aliendörfer wies in seiner An­sprache auf die Bestrebungen des Deutschen Roten Kreuzes hin und umriß gleichzeitig die Aufgabe des Kurses, die darin bestehe, die Kursusteilnehmer so auszubilden, daß sie bei Unglücksfällen zu erster Hilfeleistung imstande sind. Auch sollen sie bei Nacht­wachen, sowie als Leiter beim Transport Verun­glückter Verwendung finden. Der Kolonnenarzt be­gann sodann mit seinem Vortrag.

Kirche und Schule.

Orgelweibe in LauSach.

O Laubach, 12. Nov. Der vergangene Sonn­tag war für die Kirchengemeinde Laubach ein Fest­tag. Die erneuerte Orgel wurde geweiht. Es hatte sich schon vor längerer Zeit herausgestellt, daß sowohl das Gehäuse als auch die Pfeifen er­neuerungsbedürftig waren. Der Kirchenvorstand verschloß sich nicht dem Gutachten, das eine bal­dige Wiederherstellung forderte und stimmte der Inangriffnahme der Arbeiten zu. Ermöglicht wurde dieser Beschluß dadurch, daß erhebliche Summen zur Verfügung gestellt wurden. Der Orgelumbau wurde der Firma Förster & Nicolaus in Lich über­tragen. Die neue Disposition wurde in Zusammen­arbeit mit dem Orgelbausachverständigen der Lan­deskirche Nassau-Hessen, Pfarrer Wißmüller in Nieder-Beerbach, festgesetzt. Geich nach Pfingsten wurde die Orgel abgebrochen. Bis jetzt mußte ein kleines Harmonium für den gottesdienstlichen Ge­brauch dienen. Nun nach langen Monaten war das Werk vollendet.

Diese Weihe sand im festlichen Gottesdienst statt. Eine große Gemeinde füllte das Gotteshaus. Nach einem Loblied des Kirchenchors hielt der Orts­pfarrer die Liturgie, begleitet von dem Harmo­nium. Danach leiteten Lutherworte über die geist­liche Musik und die Orgel zu dem Weihegebet und den Weiheworten über. Dann erklang zum ersten Male die Orgel. Für diesen Tag war Organist Adolf Wieder aus Wittenberg, der schon früher

als Pennäler hier oft die Orgel gespielt hatte, ge­wonnen worden. Andächtig lauschte die Gemeinde den ersten Klängen unter seinen Meisterhänden. Und mächtig setzte sie ein mit dem Weihechoral Ich singe dir mit Herz und Mund", dessen sämt­liche Strophen im Wechsel von Gemeinde, Chor, Männern, Frauen und Kindern gesungen wurden, '''er Feftpredigt von Pfarrer Schmidt lag das Wort Psalm 98, Vers 1 zugrunde:Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder". Nach herzlichen Dankesworten an alle, die zu dieser Herr-

Ruhl Sehersweg Nr. 67

adiO Telephon Nr. 3170 I

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lichen Orgel verhalfen haben, deutete er den Dienst , der neuen Orgel dahin, daß sie die Gemeinde zum ! neuen Lied führe. Ein Lied des Kirchenchors nahm diese Gedanken auf.

Sodann sprach Dekan Widmann, Schotten. Er beglückwünschte die Gemeinde zu ihrer neuen Orgel, sagte allen, die sich an ihrer Erneuerung beteiligt hatten. Dank und Anerkennung, und er­mahnte die Gemeinde, festzustehen im Lobe ihres Herrn. Gemeindegesang, Gebet und das Orgelprä­ludium in Es-dur von I. S. Bach beendeten den Weihegote dienst. Den Festtag beschloß eine kirchen­musikalische Abendfeier.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinden.

Mittwoch, 17.November. Buß - und Bettag.

Gießen. Sladttirche. 9.30 Uhr: Pfr. Schmidt; 17: Pfr. Becker. Iohanneskirche. 9.30: Pfr. Ausfeld; 17: Pfr. Bechtolsheimer. Kapelle des Allen Fried­hofs. 9.30: Gottesdienst; 11: Kinderkirche für die Luthergemeinde. peiruskapelle, Wetzlarer Weg Nr. 59. 9.30: Pfr. Trapp; anschließend Beichte und Feier des hl. Abendmahls für die Petrusgemeinde; 11.15: Kinderkirche für die Petrusgemeinde. Wieseck. 9.30: Beichte; 10: Gottesdienst, anschließend hl. Abendmahl. Steinbach. 9.30: Beichte; 10: Got­tesdienst, anschließend hl. Abendmahl. Alb ach. 12.30: Gottesdienst. Heuchelheim. 10: Hauptgot­tesdienst. Kirchberg. 10: Gottesdienst; 14: Gottes­dienst. Klein-Linden. 10: Gottesdienst. Wutzen- born-Sleinberg. 9: Beichte und hl. Abendmahl für die Jugend; 13: Gottesdienst. Hausen. 10: Got­tesdienst. Lich. 10: Stiftsdechant Kahn; Chor- schule, Kollekte; 17: Stiftspfarrer Naumann; Po­saunenchor; Kollekte. Nieder-Vessingen. 10: Stifts­pfarrer Naumann; Kollekte. Virklar. 9: Gottes­dienst. Muschenheim. 11: Gottesdienst. hunaen. 10: Gottesdienst; 11: Kindergottesdienst. Wir- berg. 10: Gottesdienst; Feier des hl. Abendmahls für die Jugend. Veilsberg. 13: Abendmahl für die Jugend.

Veuapostolifche Gemeinden Gießen, Händelftraße 1 und Ederftraße 13. Buß- und Bettag, 17. November. 9.30 Uhr: Gottesdienste.

Bund freikirchlicher Christen, Gemeinde Gießen, Großer Steinweg 4. Mittwoch, 17. November. 10 Uhr: Bibel- und Gebetstunde.

Donnerstag, den 18. November.

Zohannessaal. 20 Uhr: Bibelstunde; Pfr. Ausfeld, veffenllicher Sonntagsdienst.

Polizei: Telefon 2751, nur in dringende» Notfällen Telefon 01.

Feuerwache: Telefon 2244/45, Notruf Tele­fon 02.

Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr.

Stadtpostamt: Für Schließfachabholer t bis 13 Uhr.

Sanitätskolonne: Telefon 2500.

Falls behandelnder Arzt nicht zu erreichen: Arzt: Dr. Malech.

Apotheke: Neue Apotheke. Zahnarzt: Dr. Schmitt.

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Autohilfe: Rufnummer 04 beim Postamt Gießen

Ausducksworte gab, und mit machtvoll weit ge­spanntem stimmlichen Bogen das Allegro, das hier das Podium zur dramatischen Szene werden ließ.

Anstelle des angekündigtenWahn"-Monologes aus denMeistersingern" setzte sich Opernsänger Heinrich Blase! vom Hessischen Landestheater in Darmstadt für denF l i e d e r" - M o n o l o g ein. Sein dunkles, voll männliches Organ einte sich mit seiner kernigen Weise des Vorttags, gipfelnd im Ausdruck:Lenzes Gebot". Fernab jeder thea­tralischen Pose gab er seinem Part das ihm Ge­mäße in sachlichem Aufgehen und überzeugendem Gelingen. Dabei war ihm der Dirigent wesentliche Stütze mit seiner Abdämpfung des Klanges, so daß jedes Wort im weiten Raume deutlich vernehmbar wurde.

In der künstlerischen Entwicklung Carl Ma­ria von Webers war sein Aufenthalt in Darm­stadt von besonderem Einfluß geworden. Um so berechtigter erschien sein Konzertstück in f - m o 11, das übrigens am Tage der Freischütz- Uraufführung beendet wurde, an dieser Stelle; ein Klavierkonzert, das in straffer Form die einzelnen traditionellen Sätze zu einem Ganzen verbindet. Den aus dem Höchststand Weberscher Klaviertechnik hervorgegangenen Solopart führte Albert Hof­mann (Wiesbaden) mit durchsichtiger Klarheit, perlender Ausgeglichenheit der Passagen, fein ge­gliedertem Figurenwerk, das sich zum Schluß hin zu bravouröser Virtuosität erhebt, durch. Im inni­gen Zusammengehen mit dem Solisten ließ Her­mann Abendroth die Schönheiten des Orche­ster-Anteils sich entfalten bei besonders reizvoller Abstufung des Marschthemas. Die große Zahl der im Hause Versammelten war innerlich stark gepackt von dem Gebotenen, und jubelnd ausbre­chende Beifalltzbezeugung dankte immer wieder aufs neue dem Dirigenten, dem Orchester und den Solokräften.

Dr. Hermann Hering.

Ein Hai greift einen Taucher an.

In der St.-Jves-Bay in Cornwall hatte der Bürgermeister von Falmouth, der zugleich den Be­ruf eines Tauchers ausübt, ein aufregendes Aben­teuer zu bestehen. Er arbeitete feit einiger Zeit in etwa zehn Meter Tiefe an der Legukg von Kana­lisationsröhren auf dem Grunde des Meeresbodens, während in einem Boot über ihm vier Mann Wache hielten und ihm Luft zupumpten. Wenn er wieder aufsteigen wollte, sollte er wie üblich an dem Tau ziehen, das ihn hielt. Plötzlich bemerkte die

Mannschaft eine lebhafte Bewegung des Taues. Man zog es herauf, aber fein Taucher erschien, sondern man sah, daß das Ende abgerissen war. Unter größter Vorsicht versuchte man nun den Taucher mit dem Luftschlauch an die Oberfläche zu ziehen. Es gelang auch, aber man sah schon durch das kleine Fenster im Taucherhelm das vor Schreck verzerrte Gesicht des Mannes. Als er endlich frei- gemacht war, berichtete er:Ich habe als Taucher im Kriege manche aufregende Erfahrung unter Wasser gehabt, aber das war das Schrecklichste, was ich erlebt habe. Ich dachte, daß es mit mir zu Ende wäre. Ich sah plötzlich wie einen Torpedo einen riesigen Fisch heranschießen, der sich sofort zum Angriff auf mich stürzte. Es war ein Haifisch von sechs Meter Länge. Er fuhr immer hin und her in meiner nächsten Nähe, dann faßte er das fünf Zentimeter starke Tau zwischen feinen Kinn­backen, und minutenlang, die mir wie Stunden schienen, wurde ich furchtbar geschüttelt. Dreimal wurde ich von dem Boden losgerissen und fiel immer wieder schwer zurück. Der Haifisch schleppte mich eine Strecke über den steinigen Boden, bis endlich das Tau zerriß."

Zeitschriften.

W eftermanns Monat sheft e" brin­gen in ihrer Novemberfolge, aus Anlaß der Woche des deutschen Buches zwei Aufsätze:Europas größte Buchhandlung" von Rolf Stosberg undDer Weltbücherschrank" von Rolf Kädach. Helmuth Langenbucher gedenkt des 75jährigen Literar­historikers Adolf Bartels. Weiter enthält das Heft einen Aufsatz mit sechs farbigen Bildern des Ma­lers Otto Niemeyer-Holstein. Ein besonders zeit­nahes ThemaKamerun deutsche Arbeit und Aufgabe", behandelt Dr. Paul Rohrbach. Von der Vistra vierzigtaufend Jahre zurück zur Wildwolle führt ein Aufsatz von Adalbert Forstreuter. An unterhaltenden Beiträgen ein Aufsatz von Otto Ru­dorfsDie Japanerin", ein Beitrag von Mario Heil de BrentaniAus Kaspars buntem Reich", Rückblicke aus dem Jahre 2000",Das Volk der Basken",Hausmusik",Die Geschichte der 100 Tage",Der Tod und sein Bild". Oberstleutnant a. D. Benary erzählt von ostpreußischem Land und seinen Pferden. Die Dramatische und Literarische Rundschau und die Zeitschau mit einem grundsätz­lichen AufsatzDas Leidwesen der Uebersetzung" beschließt den vielseitigen Jnhatt dieses neuen Westecmann Heftes".