Nr. 242 Erstes Matt
187. Jahrgang
Samstag, 16. Oktober 1937
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Englands Marschroute in der künftigen MchteimnischungSpolitik.
Eine Rede Edens zur weltpolitischen Lage.
Die britische presse lobt Ldens Vorsicht.
Die Prager Ausstellung bereinigt.
Die gegen Deutschland gerichteten Bilder aus der Manes-Ausstellung entfernt.
Verletzung der spanischen Souveränität darstellen. Die Verletzung würde ausgerechnet von denjenigen ausgeheckt, Die sich als Verteidiger der Unantastbarkeit des spanischen Gebietes ausgeben. Um den Boden für diese Manöver besser vorzubereiten, schlage man in Paris Alarm und scheue sich nicht, in gewissen Kreisen Gerüchte in Umlauf zu setzen, wonach Italien ein 30 000 Mann starkes Landungskorps vorbereite, das für Minorca bestimmt sei. Es bestände offenbar die Absicht, im Trüben zu fischen und die Lage zu imperialistischen Zielen auszunützen, die nichts mit der Freiwilligenfrage zu tun hätten. Das Blatt erinnert sodann an die wiederholt von Italien bestätigte Unantastbarkeit Spaniens und an die feierliche Erklärung Francos, die im Gegensatz zu den verbrecherischen Absichten del Vayos stehe, der bereit war, einen Teil des spanischen Gebietes, darunter auch die Balearen, an Frankreich und England zu verschachern. Man könne verstehen, daß jene, die es damals auf die Balearen abgesehen hatten, nun alles versuchen, um den Sieg Francos zu verhindern, der ein vom Bolschewismus freies Spanien wolle. Heute behaupte man, daß Italien die territoriale Integrität Spaniens verletzen wolle. Dabei dürfe man aber nicht vergessen, daß diese Unantastbarkeit, wolle man Verwicklungen vermeiden, nicht nur von Italien, sondern in demselben Maße auch von England und Frankreich geachtet werden müsse.
Monate zu spät. Trotz allem läge es noch in der Macht Englands und Frankreichs, den Frieden zu retten.
Das „O e u v r e" bemerkt, Edens Satz von der Wiederherstellung der Handlungsfreiheit könne ebenso auf Frankreich wie auf England Anwendung finden. Der Nachdruck, mit dem das englische Kabinett dieser Tage betonte, daß die britischen Interessen im Mittelmeer verletzt würden, sei sehr bedeutungsvoll. Leider falle aber die Rede Edens gerade mit Annäherungsversuchen des britischen Kabinetts an Salamanca zusammen. — „E p o q u e" glaubt, daß, falls Frankreich feine Pyrenäengrenze wieder öffnen sollte, es dies auf eigene Gefahr tun würde, das müsse man um so mehr bedenken, als auf das französische Außenministerium von radikaler Seite ein ständiger Druck ausgeübt werde.
Eine letzte Fühlungnahme.
London, 15. Oft. (DNB.) Am Freitagvormittag sprach der französische Botschafter in London (Sorbin im englischen Außenamt vor und hatte eine Unterredung mit Lord P l y m o u tch, dem Vorsitzenden des Nichteinmischungsausschusses. Wie man annimmt, wird die britische und französische Haltung die sein, daß die Frage der Zubilligung der kriegführenden Rechte er st dann erledigt werde, wenn ein „wesentlicher Fortschritt" in der Frage der Zurückziehung der Freiwilligen aus Spanien erzielt worden sei. Wie weiter verlautet, wird jeder Beschluß des Hauptunterausschusses von größerer Bedeutung einer Vollsitzung aller 27 Nichteinmischungsstaaten unterbreitet werden.
„Evening Standard" befaßt sich mit der Unterredung des italienischen Botschafters Grandi mit Außenminister Eden. Nichts deute darauf hin, daß man jetzt mit Verwicklungen zu rechnen habe. Der britische Standpunkt weiche von dem italienischen nicht so sehr ab, wie man annehme, so daß man Störungen allein von den Sowjetrussen erwarten könne.
Die spanische Frage.
Nichteinmischung aber keine Gleichgültigkeit
London, 15. Oft (DNB.) Außenminister Eden svrach am Freitag in Llandudno, dem Wahlfreis Lloyd Georges. England habe die Nichteinmischungs- Ipolitik dem Geiste und dem Buchstaben nach ein- Nehalten. Trotzdem wünsche er klar z u unter» | cheiden zwischen Nichteinmischung und Gleichgültigkeit. Englischerseits sei man nicht gleichgültig gegenüber der Aufrechterhaltung Der gebietsmäßigen Unversehrtheit Spaniens und nicht gleichgültig über die Außenpolitik einer künftigen spanischen Regierung. Außerdem müsse klar unterschieden werden zwischen dem Begriff Nicht- sinmischung als rein spanischer Angelegenheit und der Nichteinmischung, in der vitale britische lInte ressen auf d e m Spiel ständen. Das Piratentum im Mittelmeer sei ein Beispiel für letztere. Die Maßnahmen von Nyon hätten sich als wirksam gezeigt. Das Piratentum auf hoher See -abe aufgehört.
(Eben kam bann auf ben englisch-französischen Schritt in Rom unb auf bie italienische Antwort. Er wolle nicht verheimlichen, batz man englischerseits bi e f e Antwort bebauet e. Frühere Erfahrungen hatten nämlich gezeigt, baß es schwierig sei, im Richteinmischungsausschuß in biefen Fragen Fortschritte zu machen, unb englischerseits sei man sich herüber im klaren, bah, wenn nicht jetzt schnell Fortschritte gemacht werben, bie Lage Lnglanb wachsenbe Besorgnis einflöße. Weber bie französische Regierung noch bie britische hätten einen Zusammenbruch gewünscht, ber genau genommen einen Zusammenbruch bes Verfahrens barstelle. So sei man übereingekommen, bie Angelegenheit dem Ausschuß zu überweisen, ber am Samstag zusammentrete. Das solle selbstver- flänblich nicht heißen, baß bie beiben Regierungen bereit seien, Verschleppungstaktiken zuzulassen. Wenn sich aber bet Ausschuß unfähig zeige, Fortschritte zu machen, bann sei es nutzlos, ben Ernst bet Lage, vor dem man sich befinbe, zu verheimlichen. Lin Kennzeichen ber augenblicklichen Lage sei bie erklärte Einmischung, eine Verherrlichung von Vertragsbrüchen (!). Angesichts solcher Erkenntnisse könne sich niemanb beschweren, wenn bie, bie bei ihrer Verantwortung gegenüber Europa geblieben seien, bie Gebulb verlören. Et wolle sicherlich eine Ration nicht kritisieren, bie unter solchen Verhältnissen sich genötigt sehe, sich ihre hanblungs-
s t e i h e i t zutückzunehmen.
Sie europmscheZusammenarbeil
Demokratien und autoritäre Staaten.
Eden befaßte sich dann mit den Beziehun- |g e n z u Frankreich. Die beiden großen Demo- kl atien Europas verstünden mehr und mehr, daß fi» die Hüter einer großen Tradition feien und daß d-ese Tradition wert sei, behütet zu werden. Auch die Vereinigt en Staaten seien sich dessen bwußt. Mehr als einmal sei in England gesagt morden, daß man nichts mit den Regierungsformen ausländischer Staaten zu schaffen habe. Das werde (u lange wahr bleiben, so lange die ausländischen Llaaten diesen Brauch einhielten. Wie man eng- licherseits nicht alle Staaten in Europa zu Demo- jiatien machen wolle, so sollten die anderen auch ncht versuchen, alle Staaten in Europa, sei zu Faschisten oder zu Kommunisten zu machen. Nur aicf dieser Grundlage könne eine herzliche Zusammenarbeit zwischen den Nationen, unabhängig von ifcen Regierungsformen, zustande kommen.
England bleibe eine freie Demokratie, er würde es für unmöglich halten, seine Anschauung vom erglischen Volk mit irgendeiner anderen Regie- rnigsform in Einklang zu bringen. Eden konnte sich in diesem Zusammenhang einen Seitenhieb auf die autoritären Staaten nicht versagen, indem er sagte, bis demokratische Regierungsform sei so sehr em T.-il des englischen Lebens, daß man englischerseits bie Ergebenheit zu diesem Regime weder durch Mas- ieZparaden noch durch die Kleidung zur Schau Inge (!). Wenn man aber das demokratische Regime beibehalte, so müsse man auch beweisen, daß inin zu den gleichen Opfern bereit sei, Die die Verfechter anderer politischer Glaubensbekenntnisse. Das fei ein sehr wichtiger Teil jenes Leises, den man für den Frieden bezahlen müßte. SiE5 diesem Grunde begrüße er herzlich den Fort- ftritt, den die englische Aufrüstung mache, uri) noch mehr die Erklärung Chamberlains, daß buser Fortschritt noch beschleunigt werden soll. Auch begrüße er die Abstimmung auf der Labour- Ugung zugunsten bei englischen Aufrüstung. Das (teile einen Beittag für den Frieden dar.
Keine ausschließlichenFreundschasten.
Eden verwahrte sich dann gegen gewisse außen- Mtische Ratschläge. Zuerst komme der Völker- 11 n b, an den er glaube. Die Mitglieder des Völkerbundes seien keine unbesonnenen Fanatiker. Sie
müßten bie Kosten jeder Aktion in Rechnung ziehen, die sie unternehmen könnten. Sie seien sich voll im klaren über die leeren Sitze am Ratsttsch. Er wünsche wie jedermann, baß Unstimmigkeiten mit Deutschland und Italien ober mit irgenbeinem anberen Land behoben würben. Doch bürfe nicht bie Lage zu ungunften einer anderen Richtung verändert werden. Sonst würde ber Stanb vielleicht schlimmer als vorher. Er habe schon oft gesagt, baß die britische Regierung nicht bie Absicht habe, ausschließliche Freundschaft zu p l e g e n unb nicht eine Politik, bie ben einen einschließe, ben anderen aber ausschließen müsse. Die britische Regierung wünsche nicht, irgendein Land zu isolieren ober aber mit einem Wall von Fein- ben zu umgeben. Sie wünsche auch nicht, irgendeinem Lande gegenüber eine Rachepolitik zu treiben. Man werde auch weiterhin alles tun, um zu verhindern, daß irgendein Land isoliert werde, und daß die Unstimmigkeiten so bereinigt würden, daß sie ben Weg ebnen für ein umfaffenberes Abkommen.
Wlwrca.
Italienische Warnungen.
Rom, 15. Oft. (DNB.) Eine Besetzung Minorcas durch französische ober englische Truppenabteilungen würbe, so erklärt bie „Tribuna", eine sehr ernfte
London, 16. Oft. (DNB. Funk sprach.) In der Londoner Morgenpresse wird die Rede Edens besprochen. Besonderen Nachdruck legt ber „Daily Telegraph" zunächst auf die Unterscheidung, die Eden zwischen Nichteinmischungspolitik unb reiner Vertretung britischer Interessen gemacht habe. Ebens Politik beschränke sich auf bas, was getan werben könne, sie suche nichts Unmögliches zu erreichen unb suche auch nicht die Konsequenzen zu provozieren, bie England zu vermeiden wünsche.
„Daily Mail" meint, die Nation erwarte, daß bie Regierung i h r Aeußerstes tue, um bie Situation z u entspannen. Im Juli schon habe der Ausschuß roegenber Haltung Moskaus feine Fortschritte machen formen, als England vorgeschlagen habe, nach Zurückziehung ber Freiwilligen ben beiben spanischen Parteien bie Rechte Kriegsührenber anzuerkennen. Das übel- wollenbe Sowjettußland setze seine Arbeit fort, zum Nachteil Europas. Das Labour-Blatt „Daily Heralb" nennt die Rebe Ebens bie schwächste seiner ganzen Laufbahn. Selbst im Falle einer Krise wolle bie britische Regierung nichts tun, fonbern sich barauf beschränken, eine Aktion Frankreichs nicht zu kritisieren.
Das pariser Echo.
Paris, 16. Oft. (DNB. Funkspruch.) Die französische Presse legt die Andeutung Edens, England würde im Falle des Auffliegens ber Nichteinmischungspolitik einem Lanbe, das sich seine Handlungsfreiheit wieder nehme, keinen Vc> r - m u r f machen, verschieden aus. „Echo be Paris" hebt hervor, baß nichts getan werben bürfe, was ben Anschein erwecken könne, als ob im Mittelmeer unb um bas Mittelmeer herum bie Geschicke Frankreichs unb Großbritanniens nicht ebenso eng miteinander verbunden seien, wie an ben Festlandsgrenzen. Das Blatt bebauert es, baß Lvn- bon unb Paris nicht gleich von Anfang an unerbittlich bie „Achtung ber Verträge" verlangt hätten. Insofern komme bie Rebe Ebens 1 4
präg, 15. Oft (DRV.) Von der Ausstellung Manes sind die gegen das Deutsche Reich gerichteten Zeichnungen und photomonkagen nunmehr entfernt worden.
Die Entfernung ber beutschseinblichen Zeichnungen unb Photomontagen aus ber Prager Ausstellung war eine Selbstverstänblichkeit. Lange genug hat es freilich gebauert. Es beburfte bes sehr entschiedenen Protestes ber deutschen Öffentlichkeit, um einen Skanbal wenigstens äußerlich zu beenbigen, ber in ben Räumen einer Ausstellung erfolgen konnte, bie sich bes Protektorates ber tschechischen Regierung erfreut. Die tschechische Öffentlichkeit pflegt sich von Zeit zu Zeit barüber zu beklagen, baß bie beutsche Presse bie Vorgänge tn ber tschechoslowakischen Republik kritisch beleuchtet unb ihre Meinung barüber zum Ausbruck bringt. Der Vorgang in ber Ausstellung in Prag hat ein beutliches Licht auf bie Einstellung ber Tschechen gegenüber bem Deutschen Reiche geworfen, so baß man bort gar feinen Grunb mehr hat, sich über bas Echo zu beklagen, bas in Deutschlanb entstanben ist. Die beutschseinblichen Gernegroße in ber Tschechoslowakei sollten sich größerer Zurückhaltung gegenüber bem beutschen Volke befleißigen, bann werben sie nicht nur bem nachbarlichen Verhältnis ber beiben Staaten dienen, sondern
werben sich auch die Zurechtweisungen ersparen, die ihnen von her deutschen Presse zuteil geworden sind. Bisher hat man in derartigen „Leistungen" tschechischer Intellektueller und in der Förderung, die ihnen von den amtlichen Brager Stellen zuteil wurde, immer nur die Nachahmung bolschewistischer Methoden erblicken können, mit denen auch dem tschechischen Volke nicht gedient sein wird. Es wäre richtiger, wenn sich diese Kreise daran gewöhnen wollten, dem deutschen Volke und seiner Kultur mit derjenigen Achtung zu begegnen, die auch heute noch im internationalen Verkehr üblich ist. B. R.
Neunmächtekonferenz in Brüssel.
Brüssel, 15. Oft. (DNB.) Halbamtlich verlautet, daß bie belgische Regierung bie an sie von En glaub unb ben Vereinigten Staaten gerichtete Anfrage, ob bie Neunmächtekonferenz in Brüssel ftattfinben könne, zustimmend beantwortet hat. Die Konferenz wirb daher in Brüssel statt- finben. Die Vereinigten Staaten teilen ber belgischen Regierung mit, baß sie mit ber Wahl Brüssels als Tagungsort und mit einem Termin gegen Ende Oktober für die Neunmächtekonferenz einverstanden sind.
Der natürliche Weg.
Wenn heute nach einer Pause von mehreren Wochen in London wieder ber internationale Nichteinmischungsausschuß zusammenge- treten ist, um die durch die letzte britisch-französische Note an Italien erneut anaeschnittene Frage der Zurückziehung der ausländischen Freiwilligen vom spanischen Kriegsschauplatz zu erörtern, so kann das die italienische Diplomatie als einen bemerkenswerten Erfolg ihrer folgerichtigen und entschiedenen Haltung für sich buchen. Wir können uns kaum noch entsinnen, daß im Juli das Nichteinmischungsproblem enb gültig zu versacken brvhte, als bie englischen Vorschläge, bie bie von Italien gewünschte Zubilligung ’ ber Rechte als Krieg- sührenbe an bie beiben spanischen Parteien von ber Zurückziehung der ausländischen Freiwilligen abhängig machen wollten, am heftigen Widerstand ber Sowjetunion gescheitert waren, ba weder England noch Frankreich es über ihr Herz zu bringen vermochten, im Gespräch mit Moskau energische Töne anzuschlagen. Es kam dann das Zwischenspiel von Nyon, wo man, nachdem ber Nichteinmischungsausschuß auf unbestimmte Zeit in bie Ferien ge» fanbt worben war, ein inzwischen erneut akut gewordenes Sonberproblem ber leibigen spanischen Frage, bie U-Bootpiraterie im Mittelmeer, burch bie Einrichtung von Patrouillen auf den Haupt- schiffahrtslinien zu regeln gesucht hat. Gleichzeitig haben Frankreich und England damals auch ihrerseits die Kontrolle der spanischen Küsten eingestellt. Deutschland und Italien hatten es nach unerhört beleidigenden Unterteilungen zweier sowjetrussischer Noten an Rom vorgezogen, ber Konferenz von Nyon fernzubleiben, um sich bort nicht neuen An- pöbeleien Littvinow-Finkelsteins auszusetzen. Sie hatten recht baran getan. Moskau vermochte seinen Wunsch nach Beteiligung an der Mittelmeerkonttolle nicht durchzusetzen, wohl aber brachte die Aussichtslosigkeit jeder derartigen Mittelmeerkontrolle ohne Teilnahme Italiens, für das das Mittelmeer ber nationale Lebensraum bebeutet, ber auf die Achse Berlin—Rom sich stützenden italienischen Politik ben beachtenswerten Erfolg der Anerkennung der grundsätzlichen Gleichberechtigung bei einer Teilnahme an ber Mittelmeerkonttolle unb bie Einladung zu Besprechungen ber Flottensachverstänbi- gen über die Festlegung von marinetechnischen Einzelheiten einer solchen Kontrolle. Italien ist bie- ser Einlabung gefolgt und italienische Seeoffiziere haben an diesen Besprechungen in Paris teilgenommen.
Zu gleicher Zeit ging von Frankreich der Wunsch aus, bie roiebergeroonnene Fühlungnahme der drei am Mittelmeer vorwiegend interessierten Großmächte auszuweiten zu einer Besprechung der spanischen Frage im allgemeinen, um vielleicht auf diese Weise das im Sommer ins Stocken gekommene Problem der Nichteinmischung wieder flott zu machen. Die erfte Aussprache hierüber fand am Vortage des Berliner Besuchs Mussolinis zwischen bem französischen Außenminister Delbos unb bem ständigen Vertreter Italiens beim Völkerbund in Genf statt. Der zweite Schritt war eine vom 2. Oktober datierte französisch-britische Note an Italien, von ber wir schon im Eingang gesprochen haben. Die Note würdigte die in ber bisherigen Aussprache zutage getretene Absicht Italiens, bie Entsendung weiterer Freiwilliger nach Spanien nicht zu gestatten unb bie territoriale Integrität Sva- niens einschließlich ber Balearen zu achten. Die Note meinte sodann, baß ohne Zurückziehung der ausländischen Freiwilligen aber keine wahre Befriedung erreicht werde und schlug nach dem schon erwähnten Fehlschlag im Londoner Nichteinmischungsausschuß eine Konferenz der drei Mächte England, Italien und Frankreich vor mit bem Zweck, durch ein Vorabkommen über das Freiwilligenproblem ber Politik ber Nichteinmischung eine neue Initiative zu geben. Italien hat sich, auf biefen Vorschlag einer Besprechung zu dreien nicht eingelassen. Es hat in seiner Antwort vom 9. Oktober mitgeteilt, daß es „auf keinen Fall an Besprechungen, Zusammenkünften ober Konferenzen teilnehmen werbe, zu denen nicht auch die deutsche Reichsregierung formell eingeladen sei unb bei denen sie sich nicht unter den Teilnehmern befinde". Damit war ber von Frankreich ausqe- aangene Versuch aescheitert, Italien von der Achse Berlin—Rom zu lösen unb es in Sonberbesprechun- oen mit ben beiben Westmächten in eine für bie Verhandlungen von vornherein ungünstige Aus- aanasfteüung hineinzudrängen. Die französische Bresse hatte durch die Drohung, daß man die Byrenäengrenze für bie Belieferung ber spanischen Bolschewisten mit Kriegsmaterial und den Zustrom marxistischer Freiwilligen öffnen werde, die italienische Entschließung unter Druck zu setzen versucht, aber Rom hat sich nicht nervös machen lassen. Es hat Sonderbesprechungen rundweg abgelehnt und darauf hinaewiesen, daß seiner Ansicht nach der Nichteinmischungsausschuß das allein zuständiae unb sehr wohl Geeignete Forum sei für bie Behanblung der Freiwi'ligenfrage, auf deren Drinalichkeit als Kardinalpunkt der ganzen Nichteinmischung überhaupt Deutschlanb unb Italien ja zuerst aufmerksam gemacht haben, ohne allerbings damals bei den andern Mächten auf Verständnis gestoßen zu fein. Eine Dreierbesprechung konnte nach italienischer Ansicht auch schon deshalb nicht in Fraae kommen, weil an eine Zurückziehung der Freiwilligen ohne bie Mitwirkung anderer Mächte, vor allen Dingen ber Sowjetunion, und ohne die Zustimmung ber beiben kriegführenben Parteien in Spanien gar nicht gebacht werben kann.
Es ist zweifellos roieberum eine Folge der Rücken- beefung burch bie Achse Berlin—Rom, daß es ber italienischen Politik gelungen ist, in Paris unb Lonbon ihre Auffassung in ganzem Umfange durch-


